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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

OF THL 
UNIVLRSITY 
Of ILLINOIS 

5 80.6 

V 
V. 54 



ACES LIBRAigltqii 



ACES LIBRARY 

Yerhandlungen 

der kaiserlich-königlichen 

zoologisch - botanischen Gesellschaft 

in Wien. 

Herausgegeben von der Gesellschaft, 
Redigiert voix Aiiton Handlirsch, 

jf) k. u. k. Kustosadjunkt am natuiliistorischen Hofmuseum. 



CO 



zr: 

< 



Jahrgang 1904. 
LIV. Band. 

Mit 2 Tafeln und 13 Figuren im Texte. 



Wien, 1904. 

Pur das In- und Änsland besorgt durch A. Holder, k. und k. Hof- und Universitäts-Buclihändlcr. 

Druck von Adolf Holzhausen, 
k. und k. Hof- und Universitäta-Buchdruckei in Wien. 

Adresse der Redaktion: Wien, I., Wollzeile 12. 



Bericlit der Sektion für Lepidopterologie. 



Versammlung am 4. Dezember 1903. 
Vorsitzender: Herr Dr. H. Bebel. 

Der Vorsitzende begrüßt als neu eingetretenes Gresellschafts- 
und Sektionsmitglied Herrn Rudolf Swoboda, Kontrollor der österr.- 
ungar. Bank i. R. 

Herr Fritz Wagner und der Vorsitzende schlagen weiters 
Herrn Otto Leonhard, Privaten in Blasewitz-Dresden, als aus- 
wärtiges Gesellschafts- und Sektionsmitglied vor. 

Herr Fritz Wagner weist hierauf eine für unsere Monarchie 
neue Geometridenart vor: Gnophos Tibiaria Rbr., die heuer in Pola 
am 28. August in einem Stück gezogen wurde. 

Herr Dr. Rebel bemerkt hierzu, daß das Hofmuseum ein 
Pärchen dieser Art mit der Bezeichnung „Lederer, Dalmatien, 1868" 
besitze^ dessen angegebene Provenienz jedoch von Dr. Staudinger, 
der ein Stück zur Ansicht hatte, angezweifelt wurde, da er gleich 
präparierte Stücke von Graslin aus Frankreich erhalten habe. Auf 
Grund dieser Mitteilung wurde in der neuen Katalogsauflage (Nr. 3957) 
bei der Vaterlandsangabe der Art der Beisatz „Dalmatia ex errore" 
gemacht. Durch das nunmehrige Auffinden derselben in Pola kann 
jedoch die Angabe Lederers für Dalmatien kaum mehr angezweifelt 
werden. 

Herr Egon Galvagni berichtet über den Fang von Colias 
Edusa F. 9 ab. Helicina Obthr. in Wimpassing (Leithagebirge), 
wovon er am 16. und 25. Oktober 1. J. je ein Stück erbeutete. Die- 
selben werden vorgezeigt, desgleichen ein partieller Albino derselben 
Art (9) vom gleichen Fundorte. 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 1 

/ 

' 732822 



2 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Herr Hofrat Pieszczek weist aus seiner heurigen Ausbeute 
von^ Judenburg Golias Myrmidone 9 ab. Alba Stgr. aus der Früh- 
jahrs- und Sommergeneration vor. Die Stücke zeigen keinen durch- 
greifenden Unterschied^ jene der ersten Generation treten viel 
seltener auf und sind etwas kleiner. In der zweiten Generation 
ist die weiße Form des $ sogar häufiger als die gelbe. 

Weiters demonstriert derselbe die heuer gefundenen Eaupen 
von GnopJios Caelibaria var. ZirhiUensis Piesz. vom Zirbitzkogel. 
Dieselben stimmen bis auf die geringere Größe vollständig mit der 
Raupe der var. Spurcaria Lah. im Hofmuseum überein. 

SchließUch weist derselbe von dort noch heuer erbeutete 
Stücke von Ägrotis Hyperhorea var. Carnica Hering vor, die aber 
an Intensität der roten Färbung nicht das vor zwei Jahren erbeutete 
Stück erreichen. 

Herr Dr. Kolisko berichtet unter Vorbehalt weiterer Mit- 
teilungen über die Inzucht von Bilina Tiliae L. und das Auftreten 
der ab. TJlmi Stgr. in derselben. Das Geschlechtsverhältnis stellt 
sich heuer so dar, daß unter 15 erhaltenen Faltern nur ein $ auf- 
trat, welches zur Weiterzucht verwendet wurde. 

Die Herren Dr. Kempny und Galvagni halten das Auf- 
treten von ab. Ulmi für eine Degenerationserscheinung, die bei 
ungenügender Fütterung der Raupe wiederholt erzogen wurde. 

Herr Dr. Rebel bespricht und demonstriert eine neue Lokal- 
form von Thais Cerisyi God., für die er den Namen var. Cretica 
in Vorschlag bringt. 

Herr Martin Holtz, der im heurigen Jahre eine Sammelreise 
nach Kreta unternommen hatte, erbeutete im zentralen Teile der 
Insel bei Asitaes in der Zeit vom 25. April bis 14. Mai in mehreren 
männhchen Stücken, jedoch nur in einem tadellosen weiblichen 
Exemplar eine (7ms«/i -Varietät, die sich als eine neue ausgezeich- 
nete Lokalform herausstellte. 

Dieselbe ist die schwächst gezeichnete aller bisher bekannt 
gemachten Cerisyi-F ormen und zeigt in beiden Geschlechtern keine 
Spur einer hervorspringenden Zahnbildung der Hinterflügel, wodurch 
sie auffallend rundflügelig erscheint. Die Unterseite der Vorder- 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



3 



fliigel (wie jene der Stammform) ohne Orangefleck im Apikalteile 
der Vorderfliigel. 

Das cf zeigt auf den Vorderfliigeln nur den zweiten und vierten 
Kostalfleek besser entwickelt und die Antemarginalbinde auf drei 
verbundene Kostalflecke reduziert. Die Diskalflecke in Zelle 2 
und 3 treten bei den meisten Stücken nur punktförmig auf. Auf 
den Hinterflligeln sind die roten Flecke auf einen kleinen Kostal- 
fleck und einen noch kleineren Fleck ober dem Analwinkel redu- 
ziert. Die schwarzen Zacken am Saume sind ausnehmend kurz 
und zeigen nur schwache punktförmige Eeste einer inneren Begren- 
zung. Die schwarze Innenrandfärbung und der Diskalfleck in Zelle 2 
ist schwächer als bei der Stammform. 

Das 9 läßt sich in seiner hellen, dem c? voflständig gleichen- 
den Grundfarbe mit dem 9 keiner anderen Lokalform verwechseln, 
am wenigsten mit jenem der var. Caucasica (der es in den gerundeten 
Hinterflügeln näher kommt), da es den Innenrandteil der Vorder- 
flügel bis zur Antemarginalbinde ungefleckt zeigt, wogegen Cau- 
casica 9 gerade hier starke schwarze Fleckenbildungen aufweist. 
Die Zeichnung der Hinterflügel entspricht noch am besten jener 
der Stammform, die roten und blauen Antemarginalflecke sind aber 
hier viel schwächer ausgeprägt, hingegen die Zackenbildung der 
gelben Antemarginallinie eine viel tiefere. Durch die bleiche Grund- 
farbe und den Mangel einer stärkeren Zahnbildung auf Eippe 4 
der Hinterflügel kann Cretica 9 gewiß nicht mit jenem der Stamm- 
form verwechselt werden. 

Vorderflügellänge (cf , 9) 25 — 28 mm. 

Die Diagnose der var. Cretica könnte lauten: minus siynata 
al. post. ecaudatis, 9 '^^ciri simüis. 

Das Auffinden einer Cerisyi -Form auf Kreta verdient vor 
allem schon darum ein hohes Interesse, weil die Art auf dem 
griechischen Festlande mangelt.^) Eine Besiedlung von Kreta durch 
sie hat daher gewiß nicht von Morea aus erfolgen können. Auf 
der Insel Rhodus fliegt eine von der Stammform kaum zu trennende 
Cms?/i -Varietät, die häufig gelbe statt rote Flecke der Hinterflügel 
zeigt (Erber, cT, 9, Mus. Caes.). 



^) Cfr. Berl. Ent. Zeit., XLVII, 1902, p. 87, Anm. 



1* 



4 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



In phylogenetischer Hinsicht scheint var. Deyrollei noch die 
meisten Charaktere der gemeinsamen Stammform erhalten zu haben. 
Dafür spricht nicht nur die bei ihr am schärfsten auftretende 
Zahnbildung der Hinterfltigel, sondern vor allem der hier noch am 
weitestgehende Dimorphismus der Geschlechter. Von ihr dürfte sich 
einerseits die europäische (nur nomenklatorisch als Stammform zu 
bezeichnende) Cerisyi und andererseits die insular differenzierte 
var. Cretica ableiten lassen. Var. Caucasiea stellt eine schon länger 
getrennte, durch die reiche Fleckenbildung, namentlich auch im 
Saumfeld der Hinterflügel, sehr ausgezeichnete Easse dar. 



Neue exotische Staphyliniden. 

Beschrieben von 

Dr. Max Bernhauer 

in Stockerau. 
(Eingelaufen am 18. September 1903.) 

1. Eleusis spectahilis nov. spec. 

Nigerrima, subnitida, depressa; capite longitudine tertia parte 
latiore, posterius immarginato, suhtüissime pundato, thorace longi- 
tudine duplo fere latiore, margine laterali cum. dente magno acuto; 
elytris thorace dimidio longiorihus. — Long. 11mm (sine mandihulis) . 

MadagasJcar. 

Doppelt so groß als Eleusis howa m., aber in der Form der 
einzelnen Körperteile verschieden gebaut; der Kopf ist viel kürzer, 
hinten nicht gerandet, der Halsschild ebenfalls viel kürzer, der 
Glanz der Oberseite infolge stärkerer Chagrinierung gedämpftem, s.w. 

Tief schwarz, mäßig glänzend, mit rötlichen Schienen und 
Tarsen, stark niedergedrückt, kahl. 

Kopf wenig schmäler als der Halsschild, nach vorne schwach 
verengt, um ein Drittel breiter als lang, hinten nicht gerandet, auf 
der hinteren Hälfte mit deutlicher Mittelfurche, welche sich nach 
vorne in einen flachen Eindruck verbreitert, im Grunde sehr deut- 



Neue exotische Staphyliniden. 



5 



lieh netzartig gewirkt, außerdem mit äußerst feinen, ziemlich un- 
deutlichen Pünktchen sehr vereinzelt besetzt. 

Halsschild so breit als die Flügeldecken, fast doppelt so breit 
als lang, nach hinten stark verengt, vorne mit breit abgesetzter 
Seitenrandkehle, im hinteren Drittel des Seitenrandes mit einem 
über die Fläche des Halsschildes erhobenen, kräftigen spitzigen 
Zahne, in der Mittellinie sehr fein gefurcht, am Vorderrande jeder- 
seits mit einem starken, schief nach innen gerichteten länglichen 
Eindruck und ein bis zwei Punkten, deutlich chagriniert, mäßig 
glänzend. 

Flügeldecken um die Hälfte länger als der Halsschild, zu- 
sammen fast quadratisch, jederseits mit zwei mäßig starken, borsten- 
tragenden Punkten, deutlich, aber äußerst fein, chagrinartig längs- 
gestrichelt, 

3. Mleiisis propinqua noY. spec. 

Nigra, nitida, depressa, pedihus palpisque rufo-piceis. 

Ab E. lioiva m. corpore angustiore, capite multo longiore, 
laterihus parallelis, antennis longiorihus, articidis ultimis ohlongis, 
thorace elytrisque longiorihus facile distinguenda. — Long. 7'5 mm. 

Madagaskar. 

Mit Eleusis howa nahe verwandt, aber durch nachfolgende 
Merkmale bestimmt verschieden: 

Der Körper ist schlanker und schmäler, die Färbung ist 
schwarz mit pechroten Beinen und Tastern. 

Der Kopf viel länger, so lang als breit, mit weniger abge- 
rundeten Vorderecken, vollkommen parallelen Seiten, während diese 
bei Imva gegen das hintere Viertel deutlich schwach erweitert sind, 
die Chagrinierung ist etwas schwächer, die Punktierung etwas 
weniger fein und weniger weitläufig, die Schläfen viel länger als 
bei howa, der Hinterrand so wie bei letzterer scharf gerandet; 
die Fühler länger und von anderer Struktur; während die GHeder 3 
bis 7 bei howa langgestreckt, die folgenden aber kugelig oder 
quer sind, ist bei propinqua das dritte und vierte Glied deutlich 
weniger lang, die folgenden bis zum zehnten gleichgebildet, konisch, 
etwas länger als breit. 



6 



Max Bernhauer. 



Der Halsscliild ist viel länger, so lang- als breit, mit vollständig 
abgerundeten Hinterecken, etwas weniger flach, viel feiner und 
zerstreuter punktiert, feiner chagriniert. 

Flügeldecken etwas länger als bei howa, feiner chagriniert, 
ohne deutliche Punktierung; das einzige vorliegende Exemplar be- 
sitzt auf jeder Decke nur einen feinen Borstenpunkt, während bei 
hoiva fast immer zwei solche Punkte vorhanden sind. 

Ein einziges Exemplar aus Madagaskar in der Sammlung 
des k. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien (ex Coli. Eppels- 
heim). 

3. JEleusis hrachyptera iiov. spec. 

Nigerrima, nitidissima, depressa, pedibus piceis; capite poste- 
rius immarginato, tJiorace transverso, margine laterali suhdentato, 
elytris thorace vix longioribus. — Long. 8 mm. 

Madagaskar. 

Ebenfalls mit Eleusis howa m. am nächsten verwandt. 
Tief schwarz, stark glänzend, die Beine teilweise pechrot bis 
pechschwarz. 

Der Habitus des Tieres und die einzelnen Körperteile stimmen 
mit hoiva im wesentlichen überein und ich konnte nur folgende 
Unterscheidungsmerkmale auffinden. 

Der Kopf ist hinten ungerandet, ohne Andeutung der bei 
howa scharf ausgeprägten Querlinie am Scheitel; die Augen sind 
etwas kleiner. 

Der Halsschild ist kürzer, hinten ähnlich wie bei howa ge- 
rundet, aber mit einem deutlich markierten stumpfwinkeligen Zahne 
im hinteren Drittel des Seitenrandes. 

Die Flügeldecken sind viel kürzer als bei howa, nur wenig 
länger als der Halsschild. 

Ebenfalls ein einziges Stück in der Sammlung des k. k. natur- 
historischen Hofmuseums in Wien, welches von Sikora auf Mada- 
gaskar aufgefunden wurde. 

4. Eleusis rectangulum Fauv. L 1. nov. spec. 

Picea, elytrorum hasi, antennis pedihusque rufo-piceis, niti- 
dissima, depressa; capite posterius immarginato, latitudine multo 



Neue exotische Staphyliniden. 



7 



longiore, tliorace suhtransverso, margine laterali denticulato, elytris 
tliorace dimidio fere longiorihus. — Long. 5 — 6 mm. 
Madagaskar. 

Von Jiotva und propinqua schon durch den hinten unge- 
randeten Kopf und die spitzig- vortretenden Seiten des Halsschildes, 
von hracJiyptcra durch viel längeren Kopf, längeren Halsschild und 
viel längere Flügeldecken verschieden. 

Pechfarben, die Flügeldecken an der Basis, die Fühler und 
Beine sowie die Hinterleibsspitze heller, flach gedrückt, stark glän- 
zend, der ganze Körper sehr fein und weitläufig punktiert, im 
Grunde äußerst fein, aber deutlich längsstreifig chagriniert. 

Kopf so breit als der Halsschild, sehr langgestreckt, um 
ein Drittel länger als breit, hinten ungerandet, die Schläfen mehr 
als dreimal so lang als der Längsdurchmesser der Augen. Fühler 
ähnlich wie bei hotva, ihr letztes Glied aber deutlich kürzer, nur 
mäßig länger als das vorhergehende. 

Halsschild so breit als die Flügeldecken, beiläufig um ein 
Viertel breiter als lang, nach rückwärts stark verschmälert, mit 
spitzwinkelig vorgezogenen Seitenzähnen, in der Mittellinie äußerst 
fein gefurcht, am Vorderrande neben den Vorderecken mit dem 
normalen Eindrucke. 

Flügeldecken fast um die Hälfte länger als der Halsschild, 
jederseits auf der Scheibe mit zwei bis drei in einer Längsreihe 
stehenden Borstenpunkten. 

In der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums und 
in meiner eigenen. 

5. Bleusis bicarinata nov. spec. 

Picea, subnitida, depressa, elytrorum macula humerali flava, 
antennis, ore pedihusque ferrugineis; capite posterius imniarginatOy 
quadrato, suhtiliter punctato; tliorace cor dato, margine laterali denti- 
culato, anteriore prope angulos utrinque impresso, impressionihus 
externe carinatis, elytris tliorace multo longiorihus, dbdomine fortius 
alutaceo, fere opaco. — Long. 4'5 mm. 

Madagaskar. 

In der Färbung ganz mit Eleusis inermis m. übereinstimmend, 
aber schon bei oberflächlicher Betrachtung durch hinten unge- 



8 



Max Bernhauer. 



randeten Kopf, nach hinten stärker verengten Halsschild, die stark 
vorspringenden Seitenzähne desselben, deutliche Punktierung des 
Körpers, fast matten Hinterleib und die seitwärts kielförmig auf- 
geworfenen Eindrücke am Vorderrande des Halsschildes zu unter- 
scheiden. 

Pechschwarz, mäßig glänzend, ziemlich flach, eine sehr große 
Makel auf jeder Flügeldecke hellgelb, die Fühler und Beine sowie 
der Mund rostrot. 

Kopf so breit als der Halsschild, so lang als breit, deutlich 
längsrissig skulptiert, fein und nicht allzu weitläufig punktiert, in 
der Mittellinie vorne mit einem breiten, hinten mit einem kleinen 
flachen Eindruck, die Schläfen kaum doppelt so lang als der Augen- 
durchmesser. Die Fühler ziemlich kurz, die vorletzten Glieder 
ziemlich stark quer, das letzte so lang als die zwei vorhergehenden 
zusammen. 

Halsschild vorne so breit als die Flügeldecken, daselbst so 
breit als lang, herzförmig, nach hinten sehr stark verengt, am 
Hinterrande kaum mehr als halb so breit als am Vorderrande, im 
hinteren Drittel des Seitenrandes mit einem scharf markierten 
rechtwinkeligen Zahne, am Vorderrande neben den Vorderecken 
jederseits mit einem Eindrucke, dessen gebogener Außenrand scharf 
kielförmig erhoben ist, in der Mittellinie äußerst fein unvollständig 
gefurcht, überall deuthch längsrissig skulptiert ^nd fein und nicht 
allzu weitläufig punktiert. 

Flügeldecken viel länger als der Halsschild, fein und weit- 
läufig punktiert. 

Abdomen ziemlich grob chagriniert, fast matt, außer den 
Borstenpunkten unpunktiert. 

In der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums 
und in meiner eigenen. 

6. Eleusis bisulcata nov. spec« 

Picea, alutacea, suhnitida, subdepressa, antennarum bas% pal- 
pis pedibusque ferrugineis; capite quadrato, posterius transverse 
impresso, sat fortiter parce punctato; thorace cor dato, bisidcato^ 
singulariter punctato; elytris laevigatis. — Long. 6 mm. 

Madagaskar. 



Nene exotische Staphyliniden. 



9 



Unter allen mir bekannten Eleusis -ArtGii durch den jederseits 
auf der Scheibe mit einer Längsfurche versehenen Halsschild ver- 
schieden. 

Pechschwarz, die Flügeldecken und der Hinterleib größtenteils 
pechrot, die Fiihlerwurzel, Taster und Beine rostrot, mäßig- glänzend, 
mäßig niedergedrückt. 

Kopf so breit als der Halsschild^ so lang- als breit, hinten 
durch eine ziemhch breite Querfurche deutlich abgeschnürt, jeder- 
seits innerhalb der Fühlerwurzel mit einem rundlichen Grübchen, 
ziemlich kräftig, etwas ungleich und undicht punktiert, im Grunde 
deutlich uetzartig gewirkt, nur mäßig glänzend. Die Fühler mäßig 
kurz, die vorletzten Fühlerglieder nicht quer, das letzte GHed wenig 
länger als das vorletzte. 

Halsschild wenig schmäler als die Flügeldecken, herzförmig, 
nach hinten stark verengt, so lang als breit, am Seitenrande un- 
gezähnt, die Eindrücke am Vorderrande stark reduziert, auf der 
Scheibe mit zwei vom ersten Drittel bis gegen den Hinterrand 
reichenden, nach hinten deutlich konvergierenden Längsfurchen^ 
fein und einzeln punktiert, im Grunde deutlich längsgestrichelt, 
mäßig glänzend. 

Flügeldecken etwas länger als der Halsschild, äußerst fein 
längsgestrichelt, fast unpunktiert. 

Ein einziges, mir von Magistratsrat Dr. Pia so n abgetretenes 
Stück von Madagaskar befindet sich in meiner Sammlung. 

7. JEleusis mutica Fauv. i. 1. nov. spec. 

Nigra, nitidissima, stihtiUssime alutacea, fere impundata, valde 
depressa; capite transverso, thorace elytris angustiore, sine dentihus 
lateralihus, laevissimo ; antennis gracilihus. — Long. 4 mm. 

Äfrica occidentalis, Gaboon. 

Eine sehr stark glänzende, fast unpunktierte Art mit schlanken 
Fühlern. 

Kopf so breit als der Halsschild, deutlich breiter als lang, 
hinten nicht gerandet, äußerst fein, kaum sichtbar einzeln punktiert, 
ohne Eindrücke, die Schläfen hinter den Augen fast kürzer als 
deren Längsdurchmesser. Fühler lang und schlank, ihr zweites und 



10 



Max Bernhauer, 



drittes Glied ziemlich gleich lang, die folgenden viel länger als 
breit, das vorletzte noch immer so lang als breit. 

Halsschild deutlich schmäler als die Flügeldecken, so lang als 
breit, ohne Eindrücke, so wie der Kopf äußerst fein quer gerunzelt, 
stark glänzend, am Vorderrande neben den Vorderecken jederseits 
mit zwei bis drei Punkten, am Seitenrande gleichmäßig nach hinten 
verengt, ohne Zähnchen. 

Flügeldecken um ein Viertel länger als der Halsschild, un- 
punktiert, äußerst fein längsgestrichelt, stark glänzend. 

Hinterleib unpunktiert, deutlich, viel stärker chagriniert als 
der Vorderkörper und weniger glänzend als dieser. 

Gaboon (Libreville), gesammelt von Moequerys. 

8. lAspimts puMventris nov. spec. 

Linearis, piceus, thorace, elytrisque rufulis, antennis, ore pedi- 
husque rufotestaceis, depressus, opacus; thorace suhcordato, trisul- 
cato, alutaceo, elytris abdomineque subtüiter densissime pundatis, 
hoc dense pubescente. — Long. 2 mm. 

Äfrica occidentalis, Gaboon. 

Durch die äußerst dichte Punktierung und deutUche Pubes- 
zenz des Hinterleibes sehr ausgezeichnet. 

Von gleich breiter, ziemlich stark niedergedrückter Gestalt, 
pechschwarz, die Flügeldecken, der Halsschild, die Hinterleibsspitze 
sowie die Hinterränder der einzelnen Segmente rötlich, die Fühler, 
Taster und Beine rötlichgelb. 

Kopf etwas schmäler als der Halsschild, äußerst fein chagri- 
niert, matt; Fühler ziemlich kräftig, die vorletzten Fühlerglieder quer. 

Halsschild vorne wenig schmäler als die Flügeldecken, nach 
rückwärts ziemlich stark, ausgeschweift verengt, so lang als breit, 
auf der Scheibe mit drei feinen, schwach ausgebildeten Längskielen, 
die gegen den Vorder- und Hinterrand zu verschwinden, überall 
sehr fein und äußerst dicht chagrinartig punktiert, matt. 

Flügeldecken etwas länger als der Halsschild, zusammen etwas 
länger als breit, sehr fein, aber deutlich erkennbar und äußerst 
dicht chagrinartig punktiert, die Punktierung stärker als am Hals- 
schilde. 



Neue exotische Staphyliniden. 



11 



Abdomen fast etwas stärker, aber ebenso dicht punktiert als 
die Flügeklecken, mit weißgrauer Pubeszenz ziemlich dicht, nament- 
lich an den Seiten bekleidet. 

Die vorliegenden Stücke stammen von Libreville (Mocquerys). 

9. Lispimis specularis Fauv. i. 1. iiov. spec. 

Picens, nitidus, anfennis, ore pedibusque ferrugineis; capite 
hiimpresso, thorace transverso, laterihus arcuatis, sMiliter parce 
pnnetato, fere sine impressionihus, elytris thorace parmn longiorihus, 
suhtilissime singidariter punctatis, abdomine siüjtilissime alutaceo, 
fere imptmctato. — Long. 2' 5 mm. 

Ins. Nias. 

Mit Lispinus impressicoUis Kr. sehr nahe verwandt, in der 
Färbung und Gestalt sehr ähnlich, aber kleiner, glänzender, viel 
feiner und weitläufiger punktiert, der Halsschild höchstens mit 
äußerst schwachen Eindrücken. 

Pechschwarz, die Hinterränder der Hinterleibsringe, die Fühler, 
Taster und Beine rostrot, glänzend, mäßig niedergedrückt. 

Kopf etwas schmäler als der Halsschild, vorne jederseits mit 
einem schwachen Eindrucke, fein und spärlich punktiert, im Grunde 
äußerst fein, schwer erkennbar netzartig gewirkt. Fühler kurz^ die 
vorletzten Glieder quer. 

Halsschild so breit als die Flügeldecken, deutlich quer, unge- 
fähr um ein Drittel breiter als lang, an den Seiten ziemlich gleich- 
mäßig gerundet, nur im letzten Viertel geradlinig verengt, mit deut- 
lich abgesetzten stumpfen Hinterwinkeln, oben fast ohne Eindrücke, 
nur vor den Hinterecken mit je einer schwachen Längsfurche, auf 
der Scheibe fein und weitläufig, ziemlich unregelmäßig punktiert, 
im Grunde kaum chagriniert. 

Flügeldecken nur wenig länger als der Halsschild, außer den 
Furchen neben der Naht ohne Eindrücke, fein und spärHch punk- 
tiert, äußerst fein chagriniert. 

Hinterleib deutlich netzartig gewirkt, weniger glänzend als 
der Vorderkörper, außer den normalen Borstenpunkten fast un- 
punktiert. 



12 



Max Bernhauer. 



10. Lispinus curticollis nov. spec. 

Piceoniger, antennis, ore pedihusque ferrugineis, suhopacus, evi- 
denter alutaceus, suhtilius densius punctatus, fhorace quadriimpresso, 
transverso, suhcordato, elytris thorace multo longiorihus. — Long. 
3' 5 mm. 

Tonlin (Montes Mauson, April, Mai, 2000—3000', H. Fruh- 
storfer). 

Pechschwarz, die Fühler, Taster und Beine sowie die Hinter- 
leibsspitze rostrot, ziemlich depreß und fast matt. 

Diese Art steht dem Lispinus angustatus Er. von Madagascar 
sehr nahe, ist aber von demselben durch nachfolgende Merkmale 
bestimmt verschieden: 

Der Kopf ist etwas kürzer, aber im Verhältnis zum Halsschild 
schmäler, etwas feiner und weitläufiger punktiert. 

Der Halsschild etwas kürzer, feiner und weitläufiger punk- 
tiert, die Seiteneindrücke länger und viel tiefer, der Zwischenraum 
zwischen den Seitenfurchen und dem Seitenrande fast beulenartig 
erhoben. 

Der Hinterleib ist an den Seiten stark und weitläufig punk- 
tiert; die Chagrinierung weitmaschiger als bei angustatus. 

11. Lispinus elongatus nov. spec. 

Niger, antennis pedihusque piceis, ore tarsisque testaceis, sat 
depressus, nitidus, profunde densius punctatus, thorace longitudine 
non latior, prope marginem lateralem profunde sulcato, elytris tho- 
race multo longiorihus, ahdomine later'ibus suhtiliter parce strigoso. 
— Long. 6 mm. 

Sumatra (Si-Bamhe, Bezemler 1890 Iis März 1891, E. Mo- 
digliani). 

In der Farbe und Körpergestalt mit L. hirmanus Fauv. sehr 
ähnlich, aber durch längeren Halsschild^ längeren und schmäleren 
Längseindruck vor den Hinterecken, schwächer ausgeschweifte 
Seiten, hinten weniger eingeschnürten Kopf und weitläufigere Punk- 
tierung der Flügeldecken verschieden. 

Schwarz, glänzend, die Fühler und Beine pechbraun, der 
Mund und die Tarsen gelb, die Hinterleibsspitze rötlich. 



Neue exotische Staphyliniden. 



13 



Kopf schmäler als der Halsschild, vorne mit zwei rundlichen 
Eindrücken, hinten sehr wenig* eingeschnürt, grob und ziemlich 
dicht punktiert, im Grunde äußerst fein, schwer sichtbar chagri- 
niert. Fühler ziemlich lang, die vorletzten Fühlerglieder nicht oder 
kaum breiter als lang. 

Halsschild kaum schmäler als die Flügeldecken, so lang als 
breit, nach hinten etwas mehr verengt als nach vorne, vor den 
Hinterecken sehr wenig ausgebuchtet, auf der Scheibe grob und 
ziemlich dicht, etwas unregelmäßig punktiert, neben dem Seiten- 
rande vor den Hinterecken mit tiefer, breiter Längsfurche, zwischen 
derselben und dem Seitenrande vorne stark erhoben, neben der 
Mittellinie ohne Eindrücke, gleichmäßig flach gewölbt. Zwischen 
den Punkten ist bei schärfster Lupenvergrößerung eine Längs- 
schraffierung schwach sichtbar. Die Hinterecken sind deutlich 
stumpfwinkelig. 

Die Flügeldecken sind viel länger als der Halsschild, zu- 
sammen viel länger als breit, mit äußerst feiner Grundskulptur, 
fast ebenso stark, aber weitläufiger und unregelmäßiger punktiert 
als der Halsschild, ebenso glänzend wie dieser. 

Der Hinterleib ist im Grunde fast ebenso fein als der Vorder- 
körper chagriniert, dagegen ist die Punktierung eine merklich 
feinere und weitläufigere. An den Seiten des vierten bis siebenten 
(zweiten bis fünften vollkommen freiliegenden) Dorsalsegmentes 
befinden sich jederseits einige feine, aber scharfe, etwas schräg 
nach innen verlaufende Linien, zwischen welchen einige größere 
Punkte hervortreten. 

12. Holosus tenuicornis nov. spec. 

Nitidus, piceus, antennis, ore pedibuscjue nifotestaceis, suhcon- 
vexiis; antennis parum incrassatis, artictdis 4 — 5 oUongis; capite 
thoraceque suldilissinie singulariter pimctatis, elytris fere impunctatis. 
— Long. 2' 5 mm. 

Africa occidentalis, Gcüjoon (Libreville). 

Dem Holosus singularis Gerst. in der Gestalt sehr ähnlich, aber 
dreimal kleiner, mit viel längeren Fühlern und viel schwächerer 
Punktierung des ganzen Körpers. 



14 



Max Bernhauer. 



Pechschwarz, Fühler, Taster, Beine und die Hinterränder der 
Hinterleibsringe rötlichgelb, glänzend, mäßig gewölbt. 

Kopf äußerst fein und sehr spärlich, kaum erkennbar punk- 
tiert, zwischen den Fühlerwurzeln mit zwei schwachen Eindrücken; 
Fühler mäßig kurz, ziemlich schlank, das zweite bis fünfte Glied 
oblong, an Länge allmählich abnehmend, das sechste so lang als 
breit, kugelig, die fünf letzten Glieder eine deutlich abgesetzte 
Keule bildend, das letzte groß, fast so lang als die zwei vorher- 
gehenden zusammengenommen, das 7.— 10. Glied stark quer. 

Halsschild hinten so breit als die Flügeldecken, nach vorne 
wenig verengt, deutlich breiter als lang, vor den Hinterecken mit 
einem starken Schrägeindruck, auf der Scheibe sehr fein und 
spärlich punktiert. 

Flügeldecken etwas länger als der Halsschild, so wie das 
Abdomen kaum wahrnehmbar punktiert. 

Libreville. 

13. TTolosus plicattis nov, spec. 

Nigerrimus, nitidissinms, antennis fuscis, ore pedihusque ferru- 
gineis ; capite tJiorace elytrisque sat fortiter densius pundatis ; tJiorace 
subtransverso, quadrisulcato, laterihus sinuatis ; elytris thorace lon- 
giorihus, prope suturani hicarinatis. — Long. 4 mm. 

Sumatra (Siboga, OMoher 1890 Us März 1891, E. Modi- 
gliani). 

Tief schwarz, stark glänzend, die Fühler rötlichbraun, der 
Mund rostgelb, die Beine pechrot. Kopf, Halsschild und Flügel- 
decken ziemlich kräftig und ziemlich dicht punktiert. 

Kopf viel schmäler als der Halsschild, gleichmäßig gewölbt. 
Fühler ziemlich kurz, das vierte bis sechste Fühlerglied knopfförmig, 
die folgenden schwach abgesetzt, deuthch quer. 

Halsschild schmäler als die Flügeldecken, schwach quer, nur 
um ein Viertel breiter als lang, nach rückwärts stark ausgeschweift 
verengt, vor der Basis mit vier tiefen und breiten Längsfurchen, 
von denen die seitlichen bis zum Hinterrande reichen. 

Flügeldecken länger als der Halsschild, zusammen quadratisch, 
neben der Naht bis zum hinteren Viertel stumpf kielförmig auf- 
geworfen, auf der vorderen Hälfte der Scheibe mit einem zweiten 



Neue exotische Staphyliniden. 



15 



kleineren und schärferen Kielchen, zwischen beiden Kielen tief 
eingedrückt. 

Hinterleib nach rückwärts sehr wenig verengt, fein und 
spärlich punktiert, auf den vorderen Segmenten dichter, auf dem 
sechsten weitläufiger mit schrägen, scharf eingeprägten Strichen 
besetzt, von denen die innersten sich fast halbkreisförmig ver- 
binden. Der Hinterleib ist weniger stark glänzend als der Vorder- 
körper, an der Basis der Dorsalsegmente stark, sonst äußerst fein, 
kaum wahrnehmbar netzartig gewirkt. 

Durch den ausgeschweiften Halsschild, dessen vier Längs- 
furchen und die Kiele auf den Flügeldecken leicht kenntUch. 

14. Holosiis elef/ans nov. spee. 

Praecedenti simillwiiis, thorace hisulcaio, elytris simjjlicihus, non 
carmatis,pimctiira suhUliore etparciore distmguendus. — Long. 5' 2 mm. 

Sumatra (Si-Bamhe, Juli 1890 bis Mär ^ 1891, E.Modigliani). 

In der Färbung mit der vorigen Art vollkommen überein- 
stimmend, auch in der Körpergestalt sehr ähnlich, jedoch durch 
nachfolgende Merkmale verschieden. 

Die Punktierung des ganzen Körpers ist eine durchwegs viel 
feinere und weitläufigere, der Glanz deshalb stärker. Der Hals- 
schild etwas länger, nur neben den stark ausgeschweiften Seiten 
auf der hinteren Hälfte sehr tief und breit der Länge nach aus- 
gehöhlt. Die Flügeldecken sind viel länger^ gleichmäßig flach ge- 
wölbt, nur neben der Naht mit einer eingegrabenen Linie. 

15. Holosus sumatrensis nov. spec. 

Rufus, elytris piceis, ore pedihusque testaceis, nitidissimus, om- 
nino suhtilissime parce xmnctatm, thorace suhquadrato, laterihus vix 
sinuatis. — Long. 3' 5 mm. 

Sumatra (vom seihen Fundorte tvie der vorige). 

Habituell dem Holosus tacJiyporiformis Mötsch, sehr nahe- 
stehend und nur in folgendem verschieden: 

Die Färbung ist rot, die Flügeldecken schwarz, die Beine 
und Taster gelb. Die Punktierung des Kopfes ist dreimal so fein 
und viel weitläufiger, ziemlich unbestimmt und schwer sichtbar. 



16 



Max Bernhauer. 



Der Halsschild ist nach vorne etwas weniger verengt, mehr 
viereckig- mit sehr schwach gerundeten Seiten, der Längseindriick 
in den Hinterecken ist viel seichter, die Punktierung feiner und 
weitläufiger. 

Die Flügeldecken sind etwas unbestimmter punktiert, der 
Hinterleib ist weniger nach hinten verengt. 

16. Omalium arenarium nov. spec. 

Piceum, tJiorace, elytris, antennis, palpis, pedibmque rufotesta- 
ceis, ahdominis segmentorum margine apiceque rufis, capite, thora- 
ceque nitidis, subüliter parum dense punctatis, elytris dense ruguloso- 
punctaüs. — Long. 3 mm. 

Kap der guten Hoffnung. 

Durch die Färbung, die feine Punktierung des fast ebenen 
Halsschildes und die runzelige Punktierung der Flügeldecken aus- 
gezeichnet. 

Schwarz^ der Halsschild und die Flügeldecken, die Fühler, 
der Mund und die Beine rötlichgelb, der Hinterleib mehr rostrot 
mit dunklerer Basis der Segmente. 

Kopf klein, kaum halb so breit als der Halsschild, glänzend, 
zwischen den Fühlerwurzeln mit zwei grübchenförmigen Eindrücken, 
hinten knapp vor den Ozellen mit je einem kurzen, nach außen 
gerichteten, eingegrabenen Striche, in der Mitte und namentlich 
vorne sehr spärlich und fein, hinten und an den Seiten ziemlich 
dicht gerunzelt; Fühler mäßig kurz, die fünf ersten Glieder ge- 
streckt, viel länger als breit, die folgenden quer, allmählich breiter 
werdend, zusammen eine deutlich abgesetzte Keule bildend, das 
Endglied groß. 

Halsschild etwas schmäler als die Flügeldecken, quer, nach 
rückwärts schwach verengt, jederseits auf der Scheibe, an den Seiten 
und vor den Hinterecken sehr schwach, wenig deutlich niedergedrückt, 
glänzend, fein und undicht punktiert; zwischen den Punkten tritt 
noch eine zweite, äußerst feine Punktierung schwach hervor. 

Flügeldecken mehr als doppelt so lang als der Halsschild, 
flach, ziemlich kräftig und dicht runzelig punktiert, mäßig glänzend. 

Abdomen chagriniert, ziemlich matt. 



Neue exotische Staphyliniden. 



17 



17. Osorius alufaceus noT. spec. 

Alutaccus, sithnitldus, convexiis, wigerrimus, palpis tarsisque 
rufis ; capite stihtUiter sparsim pundato, prope oculos rugoso-striato, 
thorace iransverso, suhcordato, suhtiliter sparsim pundato, elytris 
tlm'ace parum longiorihus, suhtiliter scoriaceo-rugidosis. — Long. 
16 mm. 

Madagaskar. 

Ganz vom Aussehen der zweiten mir aus Madagaskar be- 
kannten Art indsicruriis, jedoch sehr leicht durch doppelt größere 
Gestalt, die deutliche Chagrinierung und stärkere Punktierung von 
Kopf und Halsschild^ breiteren Halsschild und die lederartige Run- 
zelung der Flügeldecken zu unterscheiden. 

Tief schwarz, wenig glänzend, die Taster pechrot, die Tarsen 
rostrot. Kopf so breit als der Halsschild, sehr deutlich chagriniert, 
mäßig fein und spärlich, aber etwas dichter als bei incisicrurus, 
am Halse in geringer Ausdehnung fein und äußerst dicht punktiert, 
neben den Augen kräftig längsgestrichelt. 

Halsschild vorne so breit als die Flügeldecken, deutUch quer, 
viel breiter als bei indsicrurus, an den Seiten nach rückwärts 
ausgeschweift verengt, vor den Hinterecken grubig eingedrückt^ 
vor dem Eindrucke mit einer starken Beule, auf der hinteren 
Hälfte der Scheibe jederseits der Mittellinie mit Längseindrücken, 
in denselben mit einer etwas unregelmäßigen Punktreihe, außer- 
halb derselben mäßig fein und spärlich punktiert, im Grunde sehr 
deutlich chagriniert. 

Flügeldecken etwas länger als der Halsschild, an der Basis 
innerhalb der Schultern kräftig eingedrückt, sehr fein und ver- 
worren lederartig gestrichelt, wenig glänzend, an den Seiten mehr 
glänzend, weniger gerunzelt und einzeln punktiert. 

Hinterleib gleichmäßig dicht, sehr deutlich chagriniert, mäßig 
glänzend. 

18. Osorius triincorum Fauv. i. L noY. spee. 



Nigerrimus, nitidissimus, antennis pedihusque rufopiceis ; capite 
inter oculos dense strigoso, anterius granulato, thorace suhcordato, 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 2 



18 



Max Bernhaiier. 



fortiter densius punciato, elytris parce fortiter suhseriatim punctatis, 
abdomine sat fortiter parce punctato. — Long. 9' 5 mm. 
Africa orientalis (Zanzitar). 

Mit Osorius rugiceps Kr. in der Punktierung des Kopfes nahe 
verwandt, doch ist dieselbe weitläufiger. An dem viel gröber und 
dichter punktierten Halsschilde ist die neue Art sofort von rugiceps 
Kr. zu erkennen. 

Tief schwarz, stark glänzend, nicht chagriniert, die Fühler 
und Beine pechrot. 

Kopf deutlich schmäler als der Halsschild, im hinteren Viertel 
glänzend glatt, ohne Skulptur, in der Mittelpartie zwischen den 
Augen sehr dichtrunzelig gefurcht, die Zwischenräume der Furchen 
stark faltenförmig erhoben, in der Mitte mit einer mäßig breiten, 
glatten Längslinie; der vordere Teil des Kopfes ist mäßig dicht 
und sehr kräftig gekörnt, die Körner namentlich vorne stark in 
die Länge gezogen. Der Vorderrand der Stirne und des Klypeus 
mehr oder minder deutlich gekerbt. Die Fühler sind mäßig kurz, 
die vorletzten Fühlerglieder ungefähr um die Hälfte breiter als lang. 

Halsschild breiter als lang, vorne so breit als die Flügel- 
decken, nach hinten ausgeschweift verengt, der Seitenrand vor 
den scharfen Hinterecken durch einen starken Eindruck stark ab- 
gesetzt, in der MittelHnie glatt^ unpunktiert, jederseits derselben 
kräftig und ziemlich dicht punktiert, die Punkte teilweise der 
Länge nach ineinander fließend. 

Flügeldecken wenig länger als der Halsschild, kräftig und 
weitläufig, stellenweise unregelmäßig gereiht punktiert. 

Hinterleib ziemHch kräftig und weitläufig, hinten noch weit- 
läufiger punktiert. 

19. Osorius JSppelsJieimi nov. spec. 

Nigerrimus, nitidus, abdomine subtilissime alutaceo, antennis 
palpis pedihusque ferrugineis; capite sat fortiter longitudinaliter stri- 
goso, thorare subtransverso, laterihus non sinuatis, dense sat fortiter 
punctato, elytris dense punctatis, abdomine suhtiliter densius punc- 
tato. — Long. 7- 5 mm. 

Sunda-Lnseln : Mentawei. 



Neue exotische Staphyliniden. 



19 



Mit Osorius punctipennis Fauv. nahe verwandt, von dem- 
selben durch viel weitläufiger punktierten Halsschild und weit- 
läufiger punktierte, kürzere Flügeldecken leicht zu unterscheiden. 

Tief schwarz, die Fühler, Taster und Beine rostrot, ziemlich 
stark glänzend. 

Kopf etwas schmäler als der Halsschild, hinten glänzend, 
glatt, die vorderen drei Viertel ziemlich stark längsgerunzelt, mit 
stark faltig erhobenen Zwischenräumen, vorne stellenweise mit läng- 
lichen Körnern besetzt, ziemlich matt, eine Stelle ober der Fühler- 
einlenkungsstelle glatt, die Mittellinie schmal und scharf kielförmig 
erhaben ; der Vorderrand abgestutzt, sehr seicht doppelbuchtig, die 
Ecken verrundet. Fühler ziemlich lang, die vorletzten Glieder 
knopfförmig, kaum breiter als lang. 

Halsschild vorne so breit als die Flügeldecken, nach rück- 
wärts ziemlich gleichmäßig, sanft gerundet verengt mit stumpf 
verrundeten Hinterecken und kaum abgesetztem Seitenrande, in 
der Mittellinie unpunktiert, glatt, sonst ziemlich kräftig und dicht, 
aber weniger dicht als bei punctipennis Fauv. punktiert, glänzend. 

Flügeldecken länger als der Halsschild, ziemlich glänzend, 
ebenso stark und dicht, aber noch etwas seichter als der Hals- 
schild punktiert, zwischen den gröberen Punkten mit einzelnen 
sehr feinen Pünktchen besetzt, die Zwischenräume äußerst schwach 
nadelrissig skulptiert. 

Abdomen äußerst fein chagriniert, schwächer glänzend als 
die Flügeldecken, ziemlich fein und ziemlich dicht punktiert. 

Die vorliegenden Stücke wurden von Modigliani auf Men- 
tawei (Si Obau, IV. -VIII. 1894) gesammelt und fanden sich in 
der Eppelsheimschen Sammlung als affinis Epp. i. 1. 

30. Osorius JEggersi nov. spec. 

Eufotestaceus, nitidus, antennis, palpis pedibusque flavis; capite, 
thorace elytrisque sat fortiter densius aecpicditer punctatis, thorace 
latitudine longiore, suhcordato, abdomine confertim punctata, almtaceo. 
— Long. S'o mm. 

Insula St. Thomas. 

Eine durch die kleine Gestalt, die Art der Punktierung und 
die Gestalt des Halsschildes genügend gekennzeichnete Art. 

2* 



20 



Max Bernhauer. 



Rotgelb, die Fühler, Taster und Beine hellgelb; ob die mir 
vorliegenden Tiere vielleicht noch nicht ganz ausgereift sind, kann 
ich vorläufig nicht ermessen, sie machen ganz den Eindruck aus- 
gefärbter Exemplare. 

Kopf etwas schmäler als der Halsschild, bis auf die glatte 
unpunktierte Scheitelpartie und zwei glänzende glatte Höckerchen 
ober der Fühlereinlenkungsstelle kräftig und ziemlich dicht punk- 
tiert, glänzend. Die Fühler mit schwach queren, knopfförmigen 
vorletzten Gliedern. 

Halsschild am Vorderrande fast breiter als die Flügeldecken, 
bis hinter die Mitte geradlinig, von da etwas stärker und sehr 
sanft ausgeschweift verengt, mit stumpfwinkeligen, an der Spitze 
verrundeten Hinterecken und nicht abgesetztem Seitenrande, vor 
den Hinterecken wenig eingedrückt, kräftig und ziemlich dicht 
punktiert, glänzend, mit glatter unpunktierter Mittellinie, deutlich 
etwas länger als am Yorderrande breit. 

Flügeldecken kaum länger als der Halsschild, fast ebenso kräftig 
wie der Halsschild, aber viel seichter punktiert, mäßig glänzend. 

Hinterleib ziemlich kräftig und dicht punktiert, im Grunde 
deutlich chagriniert mit stark gedämpftem Glänze. 

31. Trogophloeus pustulatus nov. spec. 

Niger, parum nitidus, ely fromm macula apicali, antennarum 
palporumque hasi, pedihus testaceis; thorace arcuatim transverse im- 
presso, corpore toto suhtiliter confertissime punctato. — Long. 2' 5 mm. 

Annam. 

In die arma^i*s- Gruppe gehörig, durch die eigenartige Färbung 
und dichte und feine Punktierung sehr ausgezeichnet. 

Schwarz, die inneren Apikaiwinkel jeder Flügeldecke, das 
erste Fühlerglied, die Wurzel der bräunlichen Taster und die Beine 
hellgelb, die Schienen gebräunt. Auf den Flügeldecken erscheint 
demnach eine einzige, nicht sehr große Makel am Nahtende. 

Kopf so breit als der Halsschild, mit zwei Längseindrücken, 
sehr fein und sehr dicht punktiert, wenig glänzend. Augen sehr groß, 
fast die ganzen Kopfseiten einnehmend, stark vorgequollen, grob 
facettiert. Fühler mäßig lang, ihre vorletzten Glieder etwas quer. 



Neue exotische Staphyliniden. 



21 



Halsschild viel schmäler als die Flügeldecken, stark quer, 
um mehr als die Hälfte breiter als lang, nach hinten ziemlich 
stark verengt, vor der Basis mit einem tiefen, bogenförmigen 
Quereindruck, vor welchem sich meist noch zwei schwäxihere Ein- 
drücke befinden, überall fein und dicht punktiert, daher nur mäßig 
glänzend. 

Flügeldecken um die Hälfte länger als der Halsschild, zu- 
sammen quer viereckig, mit stark vorstehenden Schultern, überall 
fein und sehr dicht punktiert, wenig glänzend. 

Abdomen fein und dicht punktiert, etwas glänzender als der 
Vorderkörper. 

Eine Reihe übereinstimmender Stücl^e aus Annam (Phuc-Son, 
XL, Xn.), gesammelt von H. Fruhstorfer. 

32. Trogophloetis socius nov. si>ec. 

Niger, suhnitidtis, elytrorum macida apicali, antennarum pal- 
poriimque hasi, pedibiis testaceis, Iiis nigricantihus; capite subtilissime 
conferfim punctato, tJiorace elytrisque minus siibtiliter densius punc- 
tatis. — Long. 4 mm. 

Annam. 

Im Habitus und in der Färbung dem TrogopMoeus pustulatus 
täuschend ähnlich, so daß ich nur die Merkmale anzuführen brauche, 
welche die beiden Arten von einander unterscheiden. 

Die Färbung der Beine ist bei socius eine dunklere, außer 
den Schienen sind auch die Schenkel gebräunt, der Apikaifleck 
der Flügeldecken ist kleiner; der Halsschild ist etwas länger, die 
Punktierung etwas stärker und viel weniger dicht; die Flügel- 
decken sind viel stärker und weitläufiger punktiert, der Glanz des 
Körpers ist dadurch ein größerer. 

Diese Art wurde am gleichen Orte wie pustulatus m. von 
H. Fruhstorfer erbeutet, scheint aber viel seltener zu sein; wenig- 
stens liegen mir nur vier Exemplare vor. 

33. TrogopMoeus brasiliensis nov. spec. 

Nigerrimus, suhnitidus, tarsis ferrugineis; antennis hreviuscuUs, 
articulis penidtimis iransversis, tliorace transverse arcuatim impresso; 



22 



Max Bern hau er. 



capite, thorace elytrisque aequaliter minus stibtiliter dense pundatis; 
ahdomine nitido, sitbtilissime parce punctato. — Long, vix 3 mm. 
Brasilia (Santa Catarina). 

Ebenfalls in die arcuatus-Gmi^^e gehörig, mit TrogopMoeus 
centralis Slirp. nahe verwandt, durch die tief dunkle Färbung der 
ganzen Fühler und der Beine sowie durch viel stärkere, weniger 
dichte Punktierung des Vorderkörpers und durch viel weitläufigere 
des Hinterleibes sofort zu unterscheiden. 

Tief schwarz, ziemlich glänzend, die Tarsen rostrot. 

Kopf so breit als der Halsschild, mit zwei Längsein drücken, 
wenig fein und dicht punktiert, mit großen vorstehenden Augen und 
kurzen, kaum ein Drittel des Augendurchmessers an Länge er- 
reichenden, aber deutlich markierten Schläfen; Fühler ziemlich kurz, 
die vorletzten Fühlerglieder etwa um die Hälfte breiter als lang. 

Halsschild viel schmäler als die Flügeldecken, nicht ganz 
um die Hälfte breiter als lang, kurz herzförmig, nach rückwärts 
stark, deutlich ausgeschweift verengt, mit einem sehr tiefen, queren 
Bogeneindruck vor der Basis und zwei kleineren Eindrücken vor 
demselben, überall ziemlich kräftig und dicht punktiert. 

Flügeldecken doppelt so lang als der Halsschild, zusammen 
quadratisch, mit stark vorstehenden Schultern, ebenso kräftig und 
dicht punktiert als der Halsschild. 

Hinterleib stark glänzend, sehr fein und weitläufig punktiert. 

24, Trogophloeus fortepunctatus nov. spec. 

Niger, nitidus, antennarum palporumque hasi pedihusque rufo- 
testaceis ; antennis hreviusculis, articulis penultimis transversis, thorace 
transverse arcuatim impresso ; capite, thorace elytrisque fortiter den- 
sius punctatis, ahdomine suhtiliter parce punctato, nitidissimo. — 
Long. 3 mm. 

Brasilia. 

Mit der vorigen Art nahe verwandt, aber viel gröber und 
weitläufiger punktiert, auch durch die Färbung der Fühlerwurzel 
und der Beine leicht zu unterscheiden. 

Schwarz, die Wurzel der Fühler und Kiefertaster, der Mund 
und die Beine rötlichgelb, stark glänzend. 



Neue exotische Staphyliniden. 



23 



Kopf so breit als der Halssehild, ziemlich kräftig- und dicht 
punktiert; die Aug-en etwas mehr vorragend als bei der vorigen 
Art mit kurzen Schläfen. Die Fühler ähnlich wie bei dieser, die 
vorletzten Fühlerglieder quer, doch liegen mir auch Stücke mit 
kaum transversalen Gliedern vor, ohne daß ich dieselben sonst 
von dieser Art zu unterscheiden vermöchte. 

Halsschild viel schmäler als die Flügeldecken, ähnlich wie 
bei der vorigen Art gestaltet und mit ähnlichen Eindrücken, gleich 
dieser mit dichter, nach vorne gerichteter Behaarung, aber außer- 
dem mit einer Anzahl langer Haare besetzt, sehr grob und ziem- 
lich weitläufig punktiert. 

Flügeldecken nicht ganz doppelt so lang als der Halsschild, 
zusammen etwas breiter als lang-, mit stark vorstehenden Schulter- 
ecken, grob und wenig dicht punktiert, glänzend. 

Der Hinterleib sehr glänzend, ziemlich fein und weitläufig- 
punktiert. 

25. Trogophloeus Caseyi iiov. spec. 

Nigerrimus, suhiitichis, pedihtis piceis, tarsis rufis; antennis 
seit hrevilms, articulis pemiltimis transversis ; capite, thorace elytris- 
que fortiter, Iiis dense, Ulis confertlm subrugoso-punctaüs, thorace 
hümxwesso, aljdomine suhtilissime parcms pundato. — Long. 2' 8 mm. 

America horealis (Michigan, Clarhs Lahe). 

Tief schwarz, wenig glänzend, die Beine pechschwarz mit 
rötlichen Tarsen. 

Kopf wenig schmäler als der Halsschild, grob und sehr dicht 
punktiert, fast matt, mit mäßig vortretenden Augen und deutlichen 
vortretenden, die Hälfte des Augendurchmessers an Länge über- 
treifenden, stark gerundeten Schläfen. Fühler ziemUch kurz, die 
vorletzten Fühlerglieder deutlich quer. 

Halsschild viel schmäler als die Flügeldecken, schwach quer, 
im ersten Drittel am breitesten, nach vorne schwach, nach rück- 
wärts stark, fast etwas ausgeschweift verengt, mit fein gekerbten 
Seiten, auf der Scheibe mit zwei meist schwachen Eindrücken, 
welche bisweilen in vier Grübchen aufgelöst sind, grob und sehr 
dicht punktiert, wenig glänzend. 



24 



Max Bernhauer. Neue exotische Staphyliniden. 



Flügeldecken wenig länger als der Halsschild, quadratisch, 
mit vorstehenden Schultern, ebenso grob, aber weniger dicht als 
der Halsschild punktiert, die Punkte wie bei diesem ineinander- 
fließend, mäßig glänzend. 

Der Hinterleib sehr fein und ziemlich weitläufig punktiert, 
im Grrunde äußerst fein chagriniert. 

Die Behaarung des Körpers ist grauweiß, am Vorderkörper 
spärlich, am Abdomen etwas dichter und länger. 

36. Trogophloeus varicornis noT. spec. 

Sat hrevis, subopacus, ni^er, antennarum hasi ajnceque pedihus 
elytrisqtie laete testaceis, omnino confertissime punctatus; antennarum 
arüciilis penuUimis transversis, temporihus hrevibus, oculis modice 
convexis. — Long. 1'5 mm. 

Grenada (Vendome Est., Leeward side, H. H. Smith). 

Schwarz, fast matt, die zwei ersten und drei letzten Fühler- 
glieder, die Beine und die Flügeldecken hell rötlichgelb. 

Kopf so breit als der Halsschild, fein und äußerst dicht 
punktiert, matt, mit mäßig großen, mäßig vorstehenden Augen, die 
Schläfen hinter denselben etwas länger als die Hälfte des Augen- 
durchmessers, etwas vorstehender als die Augen. Fühler kurz, 
die vorletzten Fühlerglieder stark quer. 

Halsschild viel schmäler als die Flügeldecken, mäßig quer, 
etwa um ein Drittel breiter als lang, im ersten Drittel am breitesten, 
von da nach vorne mäßig, nach rückwärts stark und sehr schwach 
gerundet verengt, auf der Scheibe mit zwei äußerst schwachen 
Längseindrücken, nicht allzu fein und äußerst dicht punktiert, 
fast matt. 

Flügeldecken um ein Drittel länger als der Halsschild, zu- 
sammen quer viereckig, mit vorstehenden Schultern, mäßig fein, 
viel stärker als der Halsschild, aber weniger dicht punktiert, etwas 
glänzend. 

Hinterleib sehr fein und dicht punktiert, wenig glänzend. 



Neue Honiopteren ans Süd-Schoa, Galla und den Somal-Ländern. 25 



Neue Homoptereii aus Süd-Schoa, Galla 
und den Somal-Ländern. 

Von 

Dr. L. Melichar. 

(Eingelaufen am 20. Oktober 1903.) 

Herr Karl Freib. v. Erlanger hat in den Jahren 1900 und 
1901 eine Forschungsreise durch Süd-Schoa, Galla und die 
Somal-Länder unternommen, über deren wissenschaftHche Ergeb- 
nisse derselbe in der Abteilung Berlin -Charlottenburg der 
Deutschen Kolonial-Glesellschaft am 3. Februar 1902 einen 
fesselnden Vortrag hielt, der auch in den „Verhandlungen" dieser 
Gesellschaft, 1902, Bd. VI, Heft 3, pubHziert wurde. 

Auf der sehr beschwerlichen, mit vielen Gefahren verbundenen 
Reise durch bisher ganz unbekannte Gebiete hat Herr Freih. v. Er- 
langer auch zahlreiche Insekten, darunter Homopteren gesammelt, 
welche für die Kenntnis der Homopterenfauna Afrikas von großem 
Interesse sind. 

Unter den gesammelten Homopteren befinden sich zahlreiche 
neue Arten, welche im nachstehenden beschrieben werden. 

Cicadidae. 

1. Platypleura laticollis nov. spec. 

Der P. horisontalis Karsch, Berl. Ent. Zeitschr., 1890, Heft 1, 
S. 92, 7 ähnlich und insbesondere durch das sehr breite (17 bis 
20 mm) Pronotum ausgezeichnet, dessen Seiten eckig und hori- 
zontal lamellenartig erweitert sind. Von P. horizontalis Karsch ist 
diese Art ferner dadurch verschieden, daß sich auf dem bräunlich- 
gelben Pronotum eine schwarze Querbinde befindet, welche 
dem Hinterrande näher gestellt ist, sich an den Seitenecken des 
Pronotum verbreitert und den ganzen hinteren Rand des Pronotum- 
lappens schwarz färbt. Der vordere Rand des Pronotumlappens 
ist gleichfalls schwarz, jedoch schmal gerandet. Der Hinterrand des 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 2** 



26 



L. Melichar. 



Pronotum schmal schwarz gesäumt, so daß zwischen diesem Saume 
und der erwähnten schwarzen Querbinde eine gelbliche Zone auf- 
tritt. Das Schildchen kastanienbraun, glänzend, an den Seiten 
spärlich grau behaart, in der Mitte der Basis mit zwei kurzen 
schwarzen dreieckigen Flecken. Deckflügel glashell, nur an der 
Wurzel schwach gelblich verfärbt, die Basalzelle sonach ganz gelb- 
lich gefärbt, während sie bei P. lionzontalis Karsch zum Teile mit 
Braun ausgefüllt ist. Die Nerven gelblich, die Apikalnerven dunkler, 
sämtliche Quernerven braun umsäumt. An den Enden der Apikal- 
nerven befinden sich schwachbraune Flecken, der Apikaisaum ist 
breit. Flügel hyaUn, die Wurzel schwach gelblich verfärbt, der 
Anallappen bräunlich. Grcwöhnlich ist auch der Umfangsnerv mehr 
oder weniger stark bräunlich gesäumt. Hinterleib oben schwarz, 
spärlich grau kurz behaart, unten bräunlichgelb, das Connexivum 
und die Mitte schwarz. Beine braun. 

(f. Vorletztes Rückensegment wie beim $, letztes Rücken- 
segment schwarz, an den Seiten gelb, nach hinten in eine kurze 
Spitze verlängert. Genitalklappe kahnförmig, schwarz, gelb ge- 
landet. 

9- Das vorletzte Rückensegment gelb mit einem schwarzen 
Längsfleck in der Mitte. Das letzte Segment in eine kurze scharfe 
Spitze vorgezogen, schwarz. Scheidenpolster gelb, die inneren 
Ränder und die Legescheide schwarz. 

cT, 9. Länge 45 — 47 mm, Spannweite 80 — 90 mm. 

Bardera, Geile, Doke, Solale, Ufuda, 21 Exemplare (89, 13 cf) 
erbeutet. 

2. Platypleura plagiata Karsch. 
Kosale, Wante, 2 9 und 1 d". 

Karsch kannte nur das 9, das ist dem 9 in der Zeich- 
nung und Färbung vollkommen gleich. Die Stimmdeckel sind 
groß, breit abgerundet, die Innenränder übereinander geschlagen. 
Unterseite des Hinterleibes gelb. 

3. Tihicen (Ähricta) hrunneus Fabr. 
Bardera, 2 cf und 1 9. 

4. Lacetas annulicornis Karsch. 
Ganale, Darussum, 2 cT und 2 9. 



Neue Hoinopteren aus SUd-Schoa, Galla und den Somal-Ländein, 27 



Fulgoridae. 

5. Zanna (Pyrops) clavaticeps Karscli. 

Ganale, Abera, 3 9. Bei zwei Exemplaren ist der am Ende 
knopfförmig- aufgetriebene konische Kopffortsatz abgebrochen. 

6. Homalocephala cincta Fabr. 
Awai Damasso, Dana, 3 $. 

7. Parapioxys viridifasciatus nov. spec. 

Dem P. opulentus Karsch sehr ähnlich, dunkel olivengrün. 
Stirn e breit, undeutlich schwarz gefleckt. Augen braun, schwarz 
marmoriert. Clypeus und Rostrum rot, an der Basis des ersteren 
jederseits ein schwarzer Punkt. Scheitel mit zwei schwarzen Punkten. 
In den oberen Stirnecken jederseits ein vertiefter schwarzer Punkt. 
Pronotum und Schildchen mit je vier in eine Querreihe ge- 
stellten schwarzen Punkten. Vor der Schildchenspitze zwei kleine 
einander g-enäherte schwarze Punkte. Deckflügel olivengrün, im 
Apikalteile schmutzig bräunlichgrün, mit mehreren glänzenden 
schwarzen Punkten. Im Corium zwei breite weißliche, kreidige 
Querbinden, am Costalrande vier schwarze Querflecken. An der 
Clavus-Coriumnaht zwei schwarze Querpunkte, von welchen der 
vordere im Clavus, der hintere im Corium hinter der Querbinde 
steht. Flügel beim 9 milchigweiß, die Apikaispitze schwach 
bräunhch verfärbt, mit mehreren schwarzen glänzenden Punkten, 
beim cf gelblichbraun, an der Wurzel heller. Der Hinterleib, 
die Mittel- und Hinterbeine und die Wurzel der Vorder- 
schenkel rot. Die erweiterten Vorderschienen schwarz gesprenkelt, 
an der Spitze rot, sämtliche Tarsen mit Ausnahme der schwarzen 
Spitzen rot. 

cf, 9- Länge \Qmm, Spannweite ZOmm. 

Damasso, 2 9; Wante, 1 cf. 

8. Parapioxys hilaris nov. spec. 

Schmutzig olivengrün. Stirne glatt, hellgrün. Clypeus 
und Rostrum rot. Scheitel, Pronotum und Schildchen mit 
schwarzen Punkten in derselben Anordnung wie bei der vorher- 
gehenden Art. Deckschuppen schwarz. Deckflügel schmutzig 
olivengrün, nahe der Wurzel eine schmutzigweiße Querbinde und 
eine zweite, sehr undeutliche und in kleine weiße Flecke auf 



28 



L. Melichar. 



gelöste Querbinde hinter der Mitte. Am Costalrande vier schwarze 
Flecken, mehrere schwarze Punkte im Apikalteile und zwei Quer- 
punkte an der Sutura clavi. Die Basalzelle schwarz. Flügel 
gelblichbraun, an der Wurzel heller, auf der Spitze mehrere 
kleine schwarze Punkte. 

9. Länge Ib mm, Spannweite 26 mm. 

Wante, 1 9- 

9. Eddara (= Glagovia) hella Stäl. 
Kismaju, 2 . 

10. Bictyophara Bochetii Guer. 

Wante, Djehle, Dana, Korkora, Bandera, Songoro, 9 Exemplare. 

11. Dictyophara elliptica Stäl. 

Korkora, Haro-Bussar, Doke, Gedid, 6 Exemplare. 

12. Dictyophara ogadensis nov. spec. 

Körper länglich, die Seiten parallel. Kopf in einen langen 
konischen Fortsatz verlängert, welcher mit dem Pronotum und 
Schildchen so lang ist, wie die Länge der Deckflügel beträgt. Der 
Scheitelfortsatz an den Seiten dicht braun gesprenkelt, oben mit 
drei Kielen versehen, von welchen der mittlere nur am Scheitel 
deutlich sichtbar und von zwei blaßgelben Längsstreifen begleitet 
ist. Stirn e blaßgelb mit drei bis zur Spitze des Fortsatzes reichen- 
den Längskielen, zwischen welchen sich zwei kurze orangegelbe 
Längsstreifen befinden. Clypeus und Rostrum orangegelb. 
Augen schwarz. Pronotum und Schildchen strohgelb, zwischen 
den Längskielen undeutliche orangegelbe Längsstreifen. Die. Seiten 
des Pronotum samt den Brustlappen braun^ nur die zwei Seiten- 
kiele hinter den Augen und ein abgekürzter dritter Kiel am Brust- 
lappen des Pronotum heller. Deckflügel nach hinten kaum er- 
weitert, schmal, länglich, hyahn, zwischen den Nerven quergerunzelt, 
strohgelb, mit ebenso gefärbten Nerven und zwei braunen Längs- 
streifen, von welchen der äußere längs des äußeren Nerven von 
der Schulter bis zum Apikairande zieht, der innere von der Clavus- 
spitze ab den inneren Apikairand der Deckflügel einnimmt. Costal- 
randnerv gelblich weiß. Stigma lang, aus vier Quernerven gebildet. 
Flügel hyalin. Unterseite und Beine strohgelb. Auf der Unter- 
seite der Schenkel und Schienen eine Längsreihe von kleinen 



Neue Ilomoptcren aus Süd-Schon. Galla und den Somal-Ländeiii. 29 



schwarzen Punkten. Hinterschienen mit vier Dornen, die Spitzen 
der Dornen und sämtliche Klauen schwarz. 

Diese Art ist durch den sehr langen, an den Seiten dunkel ge- 
tarhten konischen Kopffortsatz, die längliche, parallelseitige Körper- 
form und die braune Zeichnung der Deckflügel ausgezeichnet. 

cT. Länge 15 7nm. — Korkora, 1 cf . 

13. Dictyophara ufudensis nov. spec. 

Körper grünlichgelb. Kopf in einen langen zylindrischen 
Fortsatz verlängert, welcher an der Spitze etwas wenig erweitert 
ist. Der Kopffortsatz ist länger als Pronotum und Schildchen zu- 
sammen. Die Kiele deutlich^ grün, oben mit zwei orangegelben 
Längsstreifen, welche sich auf das Pronotum und Schildchen ver- 
längern. Stirn e mit 4 orangegelben Längsstreifen, von welchen 
die inneren auf der Stirnfläche liegen, nach oben bis zur Spitze 
des Fortsatzes reichen, nach unten in der Nähe der Clypeusnaht 
sich mit den kürzeren äußeren Streifen verbinden und sich als 
zwei einfache Streifen auf den Clypeus fortsetzen. Die äußeren 
kürzeren Streifen nehmen den Außenrand der Stirne ein und 
ziehen an die äußere Seite des Kopffortsatzes. Die Spitze des 
Fortsatzes ist an der Unterseite mit mehreren braunen Flecken 
besetzt. An den Seiten des Pronotum zwei orangegelbe Längs- 
streifen zwischen den grünen Seitenkielen. Deckflügel länglich, 
nach hinten wenig erweitert, mehr parallelseitige blaßgrünlich mit 
blaß grünlichgelben Nerven. Costalrand gelblich weiß. Stigma aus 
6 — 7 Quernerven gebildet. Hinter dem Stigma und am Innen- 
rande des Apikaiteiles der Deckflügel je ein brauner Längsstreifen, 
welcher bis an den Apikairand reicht. Flügel hyalin mit gelb- 
Hchen Nerven. Unterseite und Beine blaßgelb. Auf der Unter- 
seite der Schenkel eine Längsreihe von kleinen schwarzen Punkten, 
welche auf der Unterseite der Schienen auftreten, jedoch hier mehr 
auseinander gestellt sind. Hinterschienen mit vier Dornen, die 
Spitzen der Dornen und Klauen braun. 

cT. Länge 9 mm. 

Ufudu, 1 . 

14. Putala apicata nov. spec. 

Eine für die Gattung Putala sehr typische Art. Der Kopf 
ist mit einem langen, sehr dünnen, pfriemlichen Fortsatz versehen. 



30 



L. Melichar. 



welcher doppelt so lang ist wie der Scheitel, von der Seite zu- 
sammengedrückt, oben braun, unten braun gefleckt. Die Stirne 
länglich, zwischen den Augen schmäler, an den Seiten fast gerade, 
mit drei feinen Längskielen, welche fast die Mitte der Stirne ein- 
nehmen. Nach außen von den Seitenkielen eine Längsreihe von 
hellen rundUchen Flecken, welche einen dunklen zentralen Punkt 
aufweisen. Die Außenränder der Stirne sind gleichfalls mit hellen 
Punkten besetzt, so daß die Stirne im allgemeinen regelmäßig- 
braun gesprenkelt erscheint. Clypeus rötlichgelb mit helleren 
Querstrichen und dunkler Spitze. Scheitel doppelt so lang wie 
breit, mit zwei schwarzen glänzenden, zueinander geneigten und 
vorne zusammenhängenden kailösen Punkten und einem einge- 
stochenen Punkt oder Grritbchen auf der Spitze. Augen kugelig. 
Fühler kurz. Pronotum etwas kürzer als der Scheitel, hinten 
bogenförmig ausgeschnitten, in der Mitte gelbUch mit einem gelblich- 
weißen Mittelkiel und zwei eingestochenen Punkten, an den Seiten 
braun gefleckt. Schildchen gelbHchweiß mit drei hellen undeut- 
lichen Längskielen, von den Seitenkielen nach außen hin pech- 
braun, am äußersten Bande mit einigen hellen Makeln. Deck- 
flügel glashell mit blaßgelben Nerven, im Apikalteile mehrere 
dunkelbraune Quernerven und eine pechbraune dreieckige Makel, 
in welcher sich fünf hellweiße Punkte in eine Längsreihe geordnet 
befinden; jeder Punkt liegt in der Mitte eines Quernerven. Der 
Schlußrand braun. Stigma lang, die ersten 2 — 3 Quernerven ein- 
fach, die hinteren unregelmäßig gegabelt. Flügel glashell. Hinter- 
leib oben schwarz mit zahlreichen gelben Flecken, welche Längs- 
reihen bilden. Unterseite und Beine blaßgelb, Schenkel oben 
mit schwarzen Punkten dicht besetzt, unten bloß mit einer Reihe 
von schwarzen Punkten. Schienen auf der oberen und unteren 
Seite mit einer Reihe von schwarzen Punkten. Hinterschienen 
mit fünf Dornen, die Spitzen der Dornen schwarz. An der Spitze 
der Schenkel und an der Basis der Schienen braune Ringe. 

c/. Länge 11 — 12 mm. 

Doke, 1 männliches Exemplar. 

15. Dendrophora hreviceps nov. spec. 

Der B. ramosa Melich. ähnlich, der Kopffortsatz ist sehr kurz, 
stumpf dreieckig, samt dem Scheitel 1 ^2 so laug wie das 



Nene Homopteren ans Snd-Schoa, Galla und den Somal-Iiändcrn. 31 

Pronotum. Die Stirnkiele am oberen Ende sind mit kleinen 
schwarzen Punkten besetzt. Der ganze Körper ist grün. Die 
zahlreichen Quernerven im Deckflügel zeigen die für diese Gattung 
charakteristische baumartige Verzweigung. Stigma fehlt. Auf der 
Spitze der Hinterschienen zwei schwarze Punkte, von welchen der 
eine größer ist als der andere. Hinterschienen mit sieben Dornen, 
die Spitzen der Dornen schwarz. 

cT. Länge 11 mm. 

Bardera, 1 cT. 

16. Oliarus hirtus nov. spec. 

Eine große Art, welche dadurch ausgezeichnet ist, daß nicht 
nur die Nerven, sondern auch die Zellen der Deckflügel mit kurzen 
aufstehenden schwarzen Härchen besetzt sind. Scheitel so lang 
wie breit, vorne abgerundet, an den Seiten gekielt. Stirne zwischen 
den Augen verengt, zum Clypeus stark erweitert, die Seitenränder 
geschärft, kaum gehoben, die Stirnfläche glatt, schwarz^ ohne Mittel- 
kiel. Clypeus schwarz. Pronotum und Schild eben pechbraun, 
letzteres mit fünf Längskielen. Deckflügel hyalin, glashell mit 
pechbraunen, kurz behaarten Nerven. In den Zellen kleine schwarze 
Punkte, aus welchen kurze schwarze Härchen entspringen und 
welche stellenweise in Längsreihen geordnet sind. Stigma aus fünf 
bis sechs Quernerven gebildet, pechbraun, vorne blässer. Am Costal- 
rande drei braune Randflecken und auf den Längsnerven gleich- 
falls einzelne braune rundliche Flecken. Diejenigen Flecken, welche 
in der Mitte der Apikalnerven liegen, bilden eine bogenförmige 
Querreihe. Flügel glashell mit braunen Nerven. Unterseite und 
Beine pechbraun, die Segmentränder hellgelblich. 

9- Länge 12 mm. 

Orahio, 1 weibliches Exemplar. 

17 Oliarus frontalis nov. spec. 

Scheitel 172Daal so lang wie hinten zwischen den Augen 
breit, vorne abgerundet, schwarz, der Querkiel und die Randkiele 
hellgelb, letztere mit einem schwarzen Fleck vor dem hinteren Ende. 
Der Querkiel von oben gesehen fast bogenförmig, von vorne gesehen 
bildet die winkelig gebrochene Querleiste mit den Randkielen zwei 
schmale^ langschenkelige Dreiecke (vordere Scheitelgrübchen), welche 
schwarz sind. Augen groß, vorstehend, braun, mit zwei schwarzen 



32 



L. Melichar. 



Querbinden oder schwarz gefleckt. Stirne rötlichgelb, die Außen- 
randkiele schmal hellgelblich. Der Mittelkiel deutlich, von der Stirn- 
spitze, wo derselbe ein kleines Dreieck bildet, bis auf den Clypeus 
und Labrum laufend, gelb. Auf der Stirne dicht an der Stirnnaht 
jederseits ein großer, fast viereckiger gelblichweißer Eand- 
fleck. Neben diesem am Clypeusrande ein kleiner schwarzer Fleck^ 
zwei kleine, oft fehlende schwarze Punkte in der Mitte dicht an 
der Clypeusnaht, durch den Mittelkiel von einander getrennt. Cly- 
peus mit dunklen, nach unten konvergierenden Linien. Pronot um 
sehr schmal, hinten stumpfwinkelig ausgeschnitten, in der Mitte 
zwei schwarze Punkte^ Kiele gelblich. Schildchen schwarz, Kiele 
rötlichgelb. Flu geldecksc huppen gelblich. Deck flu gel hyalin, 
schwach milchigweiß getrübt, die Nerven blaßgelblich, mit kleinen, 
tief schwarzen Körnchen besetzt, aus welchen kurze, aufstehende 
schwarze Härchen entspringen. Die Quernerven, die Spitzen der 
Apikalnerven, der mittlere Teil des Schlußrandes bis zur Glavus- 
spitze und das Stigma schwarz. Umfangsnerv weißlich, nicht ge- 
körnt. Flügel glashell mit braunen Nerven. Bauchsegmente 
dunkelbraun, schmal gelblichweiß gerandet. Beine hellgelb, die 
Schenkel an der Basis und im unteren Drittel braun. Hinterschienen 
mit braunen Längsstreifen, das BasalgUed der Tarsen braun, die 
Klauenglieder und die Klauen braun. Die Spitzen der Dornen an 
den Hinterschienen schwarz. 
Länge 7 mm. 
Ufudu, Ganale, 3 9. 

18. Bicania morula Melich. 
Songora, Duri. 2 cf. 

19. Ricania Erlangen nov. spec. 

Eine kleine, blaßgelblich gefärbte und auf den Deckflügeln 
bindenförmig dunkler gesprenkelte Art. Gesicht, Scheitel, Pro- 
notum. Schildchen, Körper und Beine blaßgelblich. Stirne 
fast quadratisch, mit drei deutlichen Kielen, die äußeren gebogen 
und dem Stirnaußenrande genähert. Deckflügel so lang wie breit, 
die Apikaiecke abgerundet, die Suturalecke stumpfeckig. Auf den 
Deckflügeln zahlreiche feine braune Sprenkel, welche undeutliche 
Querbinden bilden, von welchen insbesondere eine in der Mitte, 
die zweite vor der Subapikalbinde deutUcher ist. Namentlich sind 



Neue Homopteren aus Süd-Schoa, Galla und den Somal-Ländern. 33 



es die an den Kostalrand stoßenden Enden derselben^ welche als 
zwei dunkle Randflecken mehr auffallen. Der Apikairand ist mit 
mehreren dichten braunen Fleckchen besetzt, die zum Teile auch 
Querbinden bilden. Costalmembran mit zahlreichen, dicht stehenden 
Quernerven. Fltig-el hyalin, schmutzigweiß mit blaßgelblichen 
Nerven. 

d^, 9. Länge 6 mm, Spannweite 13 mm. 
Wante, Haro-Bussar, Doke, Bardera, Lowida. 
7 Exemplare, 4 9, 3 d". 

20. Pochazoides asperatus nov. spec. 

Bräunlichgelb, dicht pechbraun gesprenkelt. Stirn e fast 
quadratisch, mit drei Kielen, von welchen die seitlichen bogen- 
förmig nach außen gekrümmt am oberen Stirnrande mit dem sehr 
schwachen Mittelkiel zusammenstoßen. Die Stirnfläche dicht pech- 
braun gesprenkelt. Scheitel, Pronotum und Schildchen pech- 
braun, die Schildchenspitze gelb. Deckflügel hyalin, durchsichtig, 
mit zahlreichen pechbraunen Atomen dicht gesprenkelt, welche 
stellenweise, insbesondere in der Nähe des Stigma zu größeren 
Fleckchen zusammenfließen. Stigma pechbraun. Die Costalmem- 
bran an der Basis schmal, zum Stigma allmählich erweitert, von 
zahlreichen, dicht nebeneinander stehenden Quernerven durchsetzt. 
Aus der Basalzelle entspringen drei Nervenstämme, die beiden 
äußeren sind in gleicher Höhe gegabelt. Sämtliche Nerven braun. 
Flügel hyalin, am Apikairande schwach rauchig getrübt. Hinter- 
leib und Beine bräunlich. 

d^, 9. Länge 9 mm, Spannweite 11 — 12 mm. 

Djehle, 1 9; Ganale, 1 d". 

21. Rhinophantia fatua nov. spec. 

Pechbraun, dicht kreidig schmutzigweiß bestäubt. Kopf in 
einen stumpfen Konus vorgezogen, welcher oben gewölbt ist. 
Stirn e flach, fast horizontal, gelbbraun, oben breit, nach unten 
zum Clypeus verschmälert, die Seiten gekielt, nicht geschärft, auf 
der Fläche mit zwei bogenförmigen Kielen, welche dem Seiten- 
rande der Stirne genähert sind und oben an der Stirnspitze sich 
miteinander bogenförmig verbinden und gewissermaßen den Kopf- 
fortsatz vorne kielartig begrenzen. Clypeus kurz. Rostrum zu 
den Mittelhüften reichend. Augen halbkugehg. Fühler kurz 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 3 



34 



L. Melichar. 



zylindrisch, unterhalb den Augen eingelenkt. Ozellen klein, in 
der Nähe der Augen und der Fühlergruben. Pronotum halb so 
lang wie der Scheitel, vorne bogenförmig gerundet, hinten stark 
stumpfwinkelig ausgeschnitten. Schildchen groß, gewölbt, mit 
drei Längskielen. Deckflügel längHch, stark grauHcliweiß be- 
stäubt, mit zwei weit voneinander stehenden Subapikallinien. 
Flügel rauchbraun mit pechbraunen Nerven. Unterseite und 
Beine braun. Hinterschienen mit einem Dorne. 

cT, 9. Länge 11 mm. 

Haro-Bussar, 1 9; Songoro-Duri, 1 d". 

22. Seliza squamula nov. spec. 

Kleine Art, pechschwarz, schmutzig graulichweiß bestäubt. 
Scheitel kurz, Stirne länger wie breit, flach gewölbt, mit einem 
deutlichen Mittelkiel. Pronotum so lang wie der Scheitel. Schild- 
chen groß, gewölbt, auf der Scheibe abgeflacht, Längskiele sehr 
undeutlich. Deckflügel länglich, dachförmig, hinten schief ab- 
gestutzt und abgerundet, stark grauHchweiß kreidig bestäubt^ so 
daß die Grundfarbe verdeckt wird. Der Nervus radialis am Stigma 
stark bogenförmig gewunden. Eine Subapikallinie nahe dem Apikai- 
rande. Flügel rauchbraun mit pechbraunen Nerven. Unterseite 
und Beine pechbraun. — 9- Länge 7 mm. 

Haro-Bussar, 1 9- 

23. Ormenis hislcrensis Leth. 
Haro-Bussar, 1 weibliches Exemplar. 

24. Ätracis mira Stäl. 

dinir, Wante, Kosalle, 3 Exemplare. 

25. Ätracis mendax Stäl. 
Dogge, 1 9. 

26. Nisia atrovenosa Leth. 
Haro-Bussar, 1 9. 

27. Phenice stellulata Boh. 
Djilandu, 1 d". 

28. My Conus coUaris Haglund. 

Pechschwarz, etwas glänzend. Kopf kleiner wie das Pro- 
notum. Scheitel kurz, viereckig, vorne durch eine Querleiste 
von der Stirne abgesetzt, hinten winkelig ausgeschnitten. Die 
Scheitelfläche infolge der vertieften, gelb gefärbten Ränder vertieft. 



Neue Homopteren aus Süd-Schoa, Galla und den Somal-Ländern. 35 



schwarz. Stirne schmal, 4 — 5 mal so lang wie zwischen den 
Augen breit, fast horizontal, zum Clypeus unbedeutend erweitert, 
die Seiten fast parallel, gekielt. In der 3Iitte ein deutlicher Mittel- 
kiel, welcher sich auf den Clypeus verlängert, die Stirnfläche pech- 
schwarz, die Randkiele und der Mittelkiel gelb. Clypeus fast 
so lang wie die Stirne, schmal, schwarz, die Clypeusnaht winkeHg. 
Rostrum die Hinterhüften überragend. Augen halbkugelig, am 
hinteren Rande, welcher sich um das Pronotum anlegt, mit einer 
kleinen Einkerbung versehen. Fühler kurz, oval, mit kurzer 
Fühlerborste. Pronotum sehr schmal, insbesondere in der Mitte, 
wo der Hinterrand fast den Vorderrand berührt, nach den Seiten 
ziemlich stark erweitert, der Hinterrand daher sehr stark bogen- 
förmig ausgeschnitten. Die Seitenkiele von der Mitte nach außen 
gekrümmt, am äußeren Ende derselben ein rundliches Grübchen, 
welches mit einem hellgelben Ringe (Leiste) umgeben ist und sich 
in die oben erwähnte Einkerbung der Augen einlegt. Das Pro- 
notum ist schwarz oder pechbraun, die Kiele, der Hinterrand, die 
seitHchen Grübchen (mit Ausnahme der dunklen Mitte) gelb. 
Schildchen groß, auf der Scheibe abgeflacht, mit drei feinen 
parallelen Längskielen. Deckschuppen schwarz. Die Deck- 
flügel bilden zusammen ein längliches Oval, indem der Costalrand 
derselben ziemlich stark gebogen ist. Dieselben sind mehr flach 
gestellt, die Innenränder des Apikaiteiles übereinander geschlagen. 
Die Nerven sehr fein nadelrissig gestichelt, das Corium zwischen 
den Nerven äußerst fein quergerunzelt. Die Apikalnerven sind 
durch weiße Quernerven untereinander verbunden, welche vom 
Apikairande weit entfernt sind und eine mit dem Apikairande 
parallel laufende, bogenförmige Reihe bilden. Flügel pechbraun. 
Unterseite und Beine pechbraun. Hinterschienen mit drei Dornen. 

cT, 9. Länge 10 mm. 

Bardera, Finno, 2 9; Kosalle, 1 cf. 

Jassidae. 

29. Macropsis serena nov. spec. 

Körper kurz, gedrungen, dem M. lanio ähnlich, aber kleiner, 
grün. Der Hinterrand des Pronotum ist mit tief schwarzen Punkten 

3* 



36 



L. Melichar. 



besetzt, welche auch in der Nähe des Seitenrandes auftreten, da- 
selbst sich aber zu einem Längsstreifen verdichten. Die Basis des 
Schildchens rostbraun. Deckflügel dicht grob punktiert, am 
Apikairande mehrere schwarze Punkte. Ein rostbrauner Fleck am 
Schlußrande am Ende des Clavusnerv und ein zweiter solcher Fleck 
in der Clavusspitze. Unterseite und Beine grün, Klauen dunkel. 

9. Länge 6 mm. 

Korkora, 1 9. 

30. Locris areata Walker. 
Abera, 3 Exemplare, 2 0^, l 9- 

31. Ptyelus caffer Stäl. 

Solole, Songoro, Bardera, 7 Exemplare. 

32. Ptyelus bipunctulatus nov. spec. 

Ist dem europäischen F. spumariiis var. popuU L. ähnlich. 
Der ganze Körper einfärbig, bräunlichgelb, dicht seidenglänzend 
anliegend behaart und dicht punktiert, mit einem schwarzen Punkt 
hinter der Clavusspitze. Der Scheitelteil der Stirne ist mit 
einem feinen Längskiel versehen. Pronotum mit mehreren flachen 
Längsfurchen, welche eine Längsstreif ung vortäuschen. Gesicht 
pechbraun mit dunklen Querstreifen und zwei hellen Längsstreifen, 
welche konvergierend zur Spitze der Stirne ziehen, nach hinten 
auf die Seiten der Brust sich erstrecken. Unterseite und Beine 
bräunlichgelb. 

9. Länge 6 mm. 

Abera, 1 9. 

33. Tettigonia alhida Walker. 

Korkora, Ufuda, Haro-Bussar, Bardera, in zahlreichen Exem- 
plaren (cf, 9) gesammelt. 

Diese Tettigonia -Art hat in Afrika sowie im indomalayischen 
Archipel eine große Verbreitung. 

34. Selenocephalus varius Signoret. 
Abroma, Bardera, 2 9. 

35. Hecalus PayhuUi Stäl. 
Abroma, 1 9- 

36. Hecalus dubius nov. spec. 

Einfärbig blaßgrün oder gelblichgrün, ohne Zeichnung. 
Scheitel so lang wie zwischen den Augen breit, flach^ vorne 



Neue Ilomopteren aus Süd-Sehoa, Galla und den Somal-Ländcni. 37 



i^escliärft, etwas naoli unten geneigt, mit einer feinen eingedrückten 
Linie längs des Selieitelrandes, welche in der Nälie der vorderen 
Allgenecke schief nach einwärts zieht. Im Nacken eine kurze 
vertiefte LängsHnie. Pronotum so lang wie der Scheitel, fein 
quergerunzelt, in der Nähe des Vorderrandes eine bogenförmig 
vertiefte Querlinie. Auf dem Schildchen, näher der Basis eine 
hufeisenförmig gebogene Querlinie. Deckflügel mit starken, fein 
bräunlich gesäumten Nerven. Die Endzellen kurz. An der Clavus- 
spitze ein kleiner brauner Punkt. Flügel hyalin. Unterseite 
und Beine grün. 

Geni talklappe des cf" klein. Genitalplatten spitz dreieckig, läng- 
Hch, aneinander geschlossen, anliegend. Das letzte Rückensegment 
nach hinten verlängert, dessen Basalhälfte von den Genitalplatten 
verdeckt. — cf". Länge 6 mm. 

Haro-Bussar, 1 cf. 

37. Stymphalus? calliger nov. spec. 

Blaß grünlichgelb. Der Scheitel stumpfwinkelig vorgezogen, 
so lang wie das Pronotum, am Scheitelrande geschärft, oben flach. 
Oz eilen am Scheitelrande, dicht am vorderen Augenrande. Gesicht 
nicht gezeichnet, blaßgrün. Augen braun. Auf dem Scheitel zwei, 
auf dem Pronotum vier gelbe Längsstreifen, von welchen die in- 
neren in der Fortsetzung der Scheitelstreifen liegen und sich nach 
hinten auf das Schildchen verlängern. Hinter dem Auge, neben 
dem gekielten Seitenrande ein kurzer schwarzer Strich. Deck- 
flügel blaß grünlichweiß, die Nerven gelb, der Costalrandnerv 
gelblichweiß. In der Mitte des Coriums befindet sich in der Mittel- 
zelle eine kallöse weiße Linie, welche zur Längsachse schief ge- 
stellt ist und mit dieser einen nach vorne offenen Winkel bildet. 
Am Schlußrande zwei schwarze Punkte, entsprechend den Enden 
der beiden Clavusnerven. Die Clavusspitze und häufig auch der 
innere Rand des Apikaiteiles hinter der Clavusspitze schwarz. Längs 
des Schlußrandes zieht von der Schulter bis zur Clavusspitze eine 
weiße kallöse Linie, welche nur durch die schwarzen Punkte des 
Schlußrandes unter])rochen erscheint. Die Nerven im Apikalteile 
bilden zahlreiche unregelmäßige Zellen, Rundanhang sehr schmal. 
Flügel hyalin, milchigweiß. Unterseite und Beine blaßgrünlich, 
sämtliche Klauen braun. 



38 



L. Melichar. 



Genitalklappe des cT kurz, stumpf dreieckig. Genitalplatteii 
sehr lang, zusammengeschlossen, nach hinten stark spitzwinkelig 
vorgezogen, am Ende schwach nach oben gekrümmt, am Außen- 
rande mit hellen Borsten besetzt. Das letzte Rückensegment ist 
durch die Genitalplatten vollständig verdeckt. 

cT. Länge 7 mm. 

Bardera, Doke, 5 cT. 

38. Siva bipunctula nov. spec. 

Blaß grünlichweiß. Scheitel geschärft. Ozellen am Scheitel- 
rande, dicht am Augenrande. Beim cf jederseits ein schwarzer 
Punkt an der vorderen Augenecke. Beim Q fehlen diese Punkte, 
hingegen zieht am Scheitelrande von einem Auge zum anderen eine 
schwarze Linie, an welche sich eine breite rost- oder orangegelbe 
Querbinde anschließt, die ungefähr die vordere Hälfte des Scheitels 
einnimmt. Gesicht blaßgrün, nicht gezeichnet. Pronotum mit 
einer wellenförmigen Querlinie in der Nähe des Vorderrandes, da- 
hinter quergerunzelt. In der Mitte des Schildchens eine einge- 
drückte Querlinie. Deckflügel hyalin, blaßgelblich und grünhch- 
weiß, mit gelblichen Nerven. Im Clavus ein Quernerv, welcher 
beide Clavusnerven verbindet. Flügel milchigweiß. Unterseite 
und Beine blaßgelb. Hat eine große ÄhnHchkeit mit Phlepsius 
chhrotims, unterscheidet sich aber durch den Mangel der ver- 
zweigten Quernerven in den Deckflügeln und durch den Quernerv 
im Clavus von letztgenannter Art. 

cT, $. Länge 8 mm. 

Abera, 2 Exemplare, cT, 9. 

39. Phlepsius chloroticus nov. spec. 

Körper blaß grünlichweiß. Scheitel 2^2 mal so breit wie lang, 
der Scheitelrand geschärft, dahinter quer eingedrückt, mit zwei 
eingestochenen schwarzen Punkten auf dem Scheitelrande an der 
vorderen Augenecke. Die Ozellen am Scheitelrande, dicht neben 
dem Augenrande. Gesicht blaßgrün, nicht gezeichnet. Das zweite 
Ftihlerglied kurz zylindrisch, schwarz. Pronotum doppelt so lang 
wie der Scheitel, glatt, nahe dem Vorderrande drei flache Quer- 
eindrücke, der mittlere Eindruck bogenförmig. In der Mitte des 
Schildchens eine vertiefte bogenförmige Querlinie. Deckflügel 
blaß grtinlichweiß mit grünen Nerven und zahlreichen unregelmäßig 



Neue Homopteren aus Süd-Schoa, Galla und den Somal-Ländcrn. 39 



verzweigten Quernerv eii im Coriuni und im Clavus. Flügel milchig- 
weiß. Unterseite und Beine blaßgelblich, Klauen braun. 

Genitalklappe des o groß, lappenförmig. Genitalplatten lang, 
spitz dreieckig, zusammenfließend, am Außenrande mit Borsten be- 
setzt. Auf der Fläche, etwa in der Mitte näher dem Außenrande, 
ein schwarzer Strich. 

cT. Länge 8 mni. 

Korkora, 1 cT. 

40. Phlepsius fasciolatus nov. spec. 

Scheitel doppelt so breit wie lang, Scheitelrand bogen- 
förmig, mit dem Hinterrande parallel laufend, daher in der Mitte 
und an den Seiten gleich lang, vorne geschärft, hinter dem scharfen 
Kande quer eingedrückt. Die Oz eilen liegen am Scheitelrande 
dicht neben dem Auge. Im Nacken eine kurze feine Längslinie. 
Gesicht so breit wie lang, Stirne gewölbt, zum Clypeus, welcher 
spateiförmig und von beiden Seiten ausgeschweift ist, verschmälert. 
Gesicht gelb, nicht gezeichnet. Augen groß, halbkugelig, an- 
Hegend, braun. Pronotum doppelt so lang wie der Scheitel, ge- 
wölbt und fein quergerunzelt. In der Mitte des Schildchens eine 
vertiefte Querlinie. Scheitel, Pronotum und Schildchen sind 
zitronengelb gefärbt. Deckflügel hyahn, braun, mit zarten braunen 
Nerven und zahlreichen unregelmäßig verzweigten Quernerven, 
Punkten und Stricheln in den Zellen. Auf den Deckflügeln be- 
finden sich drei milchweiße Querbinden, welche von den braunen 
Nerven und Stricheln durchsetzt und nicht scharf begrenzt sind. 
Die erste Querbinde liegt in der Nähe der Basis, die zweite un- 
gefähr in der Mitte, die dritte hinter der Mitte; hinter der letzteren 
am Costalrande ein oder zwei größere braune Flecke. Flügel 
rauchbraun mit pechbraunen Nerven. Brust und Bauch gelb, 
die Vorder- und Mittelschenkel mit braunen Längsstreifen und 
Flecken, die Schienen und Tarsen braun, bloß die Borsten hell- 
gelb. Die Hinterschienen gelblich, mit großen schwarzen Punkten, 
aus welchen hellgelbe Borsten entspringen, die Spitzen der Tarsen 
glieder und Klauen schwarz. 

cf. Genitalklappe schmal, gelb. Genitalplatten einzeln so 
lang wie an der Basis breit, an der Basis aneinandergeschlossen^ 
hinten einzeln abgerundet, weißlich, mit einer feinen bräunlichen 



40 



Ii. Mclichar. 



Linie längs des Außenrandes. Letztes Rückensegment kürzer als 
die Genitalplatten, mit abstehenden Borsten besetzt. 

Diese Art hat infolge des breiten Kopfes eine große Ähnlich- 
keit mit einem Idiocerus, jedoch der geschärfte Scheitelrand, die 
Form des Gesichtes und die zahlreichen verzweigten Quernerven 
in den Deckflügeln lassen diese Art als PJilepsius erkennen. 

cT. Länge 6 mm. 

Bardera, 1 cf. 

4L Phlepsius rhomboideus nov. spec. 

Scheitel doppelt so breit wie lang, der Vorderrand flach 
gebogen, geschärft, Scheitelfläche nicht gezeichnet. Oz eilen am 
Scheitelrande, dicht neben dem Auge. Gesicht etwas wenig länger 
wie zwischen den Wangenecken breit, sehr dicht braun gesprenkelt, 
so daß die dunklen Querlinien auf der Stirne fast vollständig ver- 
schwinden. Augen braun. Pronotum mehr als doppelt so lang 
wie der Scheitel, sehr dicht braun bis schwarz marmoriert. Schild- 
chen gelblich mit bräunlichen Dreiecken in den Basalwinkeln, 
dazwischen vier in ein Viereck gestellte braune Punkte und ein 
kurzer Mittelstrich bis zur vertieften Querlinie, die Schildchenspitze 
selbst gelblich. Deckflügel länglich, graulichweiß, mit kleinen 
braunen Flecken und Punkten in den Zellen dicht besetzt. In 
der Mitte der Deckflügel ist ein bräunhches Dreieck sichtbar, 
welches den Schlußrand zur Basis hat, mit der Spitze den Costal- 
rand berührt und mit dem Dreiecke der anderen Seite ein schiefes 
Viereck bildet. Der Apikaisaum braun gesäumt. Flügel rauch- 
braun mit pech braunen Nerven. Brust und Beine stark schwarz 
gefleckt, Schienen mit großen schwarzen Punkten besetzt. Bauch 
gelblich, Rücken schwarz. 

9. Letztes Bauchsegment am Hinterrande stark bogenförmig 
ausgeschnitten, in der Mitte der Basis desselben zwei schwarze 
Flecke. Scheidenpolster gelb mit einigen Flecken und gelben 
Borsten. Legescheide braun. 

9- Länge 6 mm. 

Abrona, 19- 

42. Palicus africanus nov. spec. 

Bräunlichgelb, die ganze Oberfläche braun bis schwarz ge- 
sprenkelt. Scheitel mehr als doppelt so breit wie lang, am Scheitel- 



Neue HomoptoRMi aus Süd-Schoji, Galla und den Somal-Ländcrn. 41 



rande abgerundet, nicht geschärft, im Nacken unregelmäßig schwarz 
und braun gefleckt, auf der Öcheitelspitze zwei kleine schwarze 
Punkte. Gesicht so breit wie lang, mit unregelmäßigen kleinen 
braunen Flecken und auf der Stirne mit weit von einander stehen- 
den, abgekürzten, unregelmäßigen Querlinien, welche die Mitte der 
Stirne freilassen. Fühler blaßgelb, Augen braun. Fronotum 
doppelt so lang wie der Scheitel, gewölbt, fein quergerunzelt und 
unregelmäßig schwarz gefleckt. Schildchen mit vier größeren 
Flecken auf der Basis und jederseits zwei Randflecken, in der Mitte 
eine vertiefte Querlinie. Deckflügel blaß bräunlichgelb, etwas 
milchweiß getrübt, mit zarten braunen Nerven und zahlreichen un- 
regelmäßigen Strichelchen, Punkten und Fleckchen in den Zellen. 
Am Kostalrande 9—10 größere braune Randflecke und zwei größere 
Punkte und Flecke am Schlußrande an den Enden der Clavus- 
nerven. Flügel milchweiß mit bräunlichen Nerven. Brust braun 
gefleckt, Hinterleib oben und unten mit zwei Reihen von schwarzen 
Hecken. Schenkel mit schwarzen Flecken und Ringen vor der 
Spitze. Die Vorder- und Mittelschienen mit drei schwarzen Punkten 
an der Außenkante, die Spitzen derselben und die Klauen schwarz. 
Hinterschienen mit großen schwarzen Punkten, aus welchen gelbe 
Borsten entspringen, die Spitzen derselben sowie der Tarsalglieder 
und Klauen schwarz. 

9. Letztes Bauchsegment tief stumpfwinkehg ausgeschnitten, 
im Winkel nochmals spitzwinkelig eingeschnitten, so daß in der 
Mitte des Hinterrandes zwei kleine Zähnchen sichtbar sind. Scheiden- 
polster schwarz gefleckt und beborstet. Legescheide braun. 

Länge 8-5—9 nwt. 

Karo-Gudda, 2 9; Djaro, Daroli, 2 9, Ufudu. 
43. Palicus conjunctus nov. spec. 

Scheitel stumpfwinkelig abgerundet, zur Stirne gewölbt, 
oben gewölbt mit zwei kleinen schwarzen Punkten auf der Scheitel- 
spitze und dahinter mit einer von einem Auge zum anderen ziehen- 
den schwarzen Querbinde, welche in der Mitte zwei kleine Halb- 
kreise bildet (-^-), zwei Punkte im Nacken. Stirne mit zwei 
Reihen brauner abgekürzter Querlinien. Die Fühlergruben schwarz. 
Auf den Wangen und Zügeln einzelne braune Fleckchen. Augen 
braun. Pronot um mehr als doppelt so lang wie der Scheitel, 



42 



L. Melichar. 



gewölbt, quergerunzelt und unregelmäßig schwarz gefleckt. Auf der 
Basis des Schild eben zwei braune Dreiecke, in der Mitte eine 
vertiefte Querlinie, vor derselben zwei braune Punkte und von den 
Enden der Querlinie ziehen zwei parallele braune Streifen zum 
Schildchenrande herab. Deckfitigel braun, glänzend, ohne Zeich- 
nung, die Nerven braun, nicht stark vortretend, an den Enden der 
Clavusnerven je ein schwarzer Punkt, in der Mitte der Zellen des 
Coriums und der Apikaizellen einige undeutliche bräunliche Makeln. 
Flügel schwach rauchbraun. Schenkel in der Mitte mit einem 
braunen Fleck, hier und da noch mit braunen Punkten besetzt. 
Schienen nicht gefleckt, bräunlichgelb. An den Hinterschienen 
kleine bräunliche Punkte, aus welchen gelbliche Borsten ent- 
springen. Sämtliche Klauen braun. Rücken stärker braun gefleckt, 
Bauch mehr heller. 

d^. Genitalklappe kreisabschnittförmig. Genitalplatten mehr als 
doppelt so lang wie die Genitalklappe, spitz dreieckig, an den 
Seitenrändern gebuchtet, so daß die Enden spitz nach hinten zu- 
laufen, an den Innenrändern zusammengeschlossen. Letztes Rücken- 
segment von den Genitalplatten verdeckt, kurz, mit langen Borsten 
besetzt. 

Diese Art hat eine große ÄhnHchkeit mit dem europäischen 
Ällygus, jedoch fehlen die zahlreichen Quernerven in den Deck- 
flügeln. 

cf . Länge 8 5 mm. 

Bardera, Ufudu, 2 d". 

44. Scaphoideus strigulatus nov. spec. 

Eine besonders auffallend und zierlich gezeichnete Art. Der 
Scheitel winkelig vorgezogen, flach, so lang wie das Pronotum, 
am Scheitelrande eine von einem Auge zum anderen ziehende 
braune Linie. Auf der Scheitelspitze zwei braune kleine Dreiecke, 
welche zueinander geneigt und durch eine feine helle Linie von- 
einander getrennt sind. Auf der Scheitelfläche vier Längsstreifen, 
von welchen die inneren nur als feine Linien vom Nacken bis 
ungefähr zum vorderen Drittel ziehen, die äußeren breit und vorne 
quer abgeschnitten sind. Von der Mitte des Außenrandes der letzt- 
genannten Streifen zweigt sich ein kleiner Ast ab, welcher parallel 
mit diesem Längsstreifen zum Nacken zieht. Pronotum braun 



Neue Homoptercn aus Süd-Sclioa, Galla und den Somal-Ländern. 43 

mit fünf hellen Längsstreifen (oder blaßgelb mit vier braunen 
Längsstreifen),- das Schildclien zeigt ebenfalls fünf helle Längs- 
streifen, von welchen drei die Mitte einnehmen, die äußeren im 
Basalwinkel liegen und kurz sind. Von drei Mittelstreifen ist der 
mittlere am stärksten. Gesicht und Fühler blaßgelb, Augen 
braun. Deckflügel länglich mit zarten gelblichen Nerven, Vielehe 
bräunlich gesäumt sind^ und zahlreichen braunen Querflecken 
zwischen den Nerven in fast regelmäßiger Anordnung, so daß die 
Deckflügel quer gesprenkelt erscheinen. Am Schlußrande drei 
hyaline rundhche Flecken zwischen den Nervenenden. Der Costal- 
rand schmal blaßgelb, hinter der Mitte drei nach vorne gerichtete 
braune Quernerven, zwischen welchen drei silberweiß glänzende 
Striche liegen, von welchen die zwei vorderen den Qiiernerven 
entsprechend schief gestellt sind, der hintere Strich bogenförmig 
gekrümmt quer liegt. In der äußeren Apikalzelle ein dunkler 
Punkt. Der Bogenrandnerv dunkel, der Apikairand hyalin. Flügel 
hyalin, schwach milchigweiß getrübt. Unterseite und Beine 
blaßgelb, der Rücken braun. 

d". Genitalklappe kurz, abgerundet. Genitalplatten kurz, an- 
einanderschließend, zusammen abgerundet, mit hellen Borsten am 
Außenrande. Letztes Rückensegment von den Geni talplatten ver- 
deckt. 

Q. Letztes Bauchsegment in der Mitte des Hinterrandes deut- 
lich eingekerbt, zwei kleine Lappen bildend. Scheidenpolster braun 
gefleckt. Die Legescheide verdeckt. 

cT, 9- Länge 6-5 nmi. 

Korkora, Bardera, Wante, Haro-Bussar, 2 9, 2 cT. 

45. Platymetopius niveimarginatus nov. spec. 

Oberseite braun, fein und dicht hellgelblich gesprenkelt. 
Unterseite und Beine blaßgelb. Scheitel spitzwinkelig vorge- 
zogen, P/2 mal so lang wie das Pronotum, braun, mit einer feinen 
weißen Mittellinie, welche vom Nacken bis zur Scheitelspitze zieht, 
etwa in der Mitte punktförmig verbreitert ist und daselbst zwischen 
zwei hellen Pünktchen liegt. Neben dieser Linie, welche durch 
äußerst feine schwarze Linien begrenzt ist, ziehen im Nacken zwei 
helle Längsstreifen bis ungefähr zur Mitte des Scheitels, an deren 
Seite im Nacken jederseits ein heller Punkt liegt. An der Scheitel- 



44 



L. Melichar. 



spitze selbst befindet sich ein heller kleiner Punkt. Stirn'e läng- 
lich, blaßgelb, im oberen Teile 2 — 3 Querstriche jederseits, welche 
gewöhnlich zusammenfließen. Fühler blaßgelb, Fiihlerborste lang. 
Pronotum fein gesprenkelt, mit mehreren größeren Fleckchen am 
Vorderrande. Auf dem Schild eben befinden sich zwei helle Längs- 
linien und eine sehr feine helle MittelHnie; die Schildchenspitze 
weiß, ein weißer Punkt jederseits am Schildchenrande nahe der 
Basis. Deck flu gel länglich, schmal, hinten quer gestutzt, die 
Ecken abgerundet. Die braunen Deckflügel dicht hell gesprenkelt, 
der Costalrand milchweiß gesäumt. Dieser helle Saum ist anfangs 
schmal, nach hinten breiter und hinter der Mitte von zwei dunklen 
Linien durchquert. Der innere Rand des Saumes ist von einer 
dunkleren Linie begrenzt, welche sich am Ende des Saumes zu einer 
dunklen Makel verbreitert, neben welcher ein oder zwei kleine 
hyaline Punkte Hegen. Die Nerven sind sehr zart, braun. Flügel 
hyalin, durchsichtig. Rücken des Hinterleibes und die sämtlichen 
Klauen braun. 

9- Hinterrand des letzten Bauchsegmentes gerade. Scheiden- 
polster mit braunen Punkten, aus welchen blaßgelbliche Borsten 
entspringen. Legescheide nur mit der Spitze vorstehend, rot. 

9. Länge 5 — 5*25 mm. 

Ganale, Haro-Grobano, 2 9. 

46. Eutettix quadripunctatus nov. spec. 

Kopf und Gesicht sattgelb, auf dem Scheitel vier schwarze 
Punkte, Pronotum und Schildchen schmutziggelb, letzteres mit zwei 
schwarzen Basalpunkten, Deckflügel schmutzig graulichweiß mit 
braunen Nerven. Scheitel doppelt so breit wie lang, vorne bogen- 
förmig gerundet, mit einer von einem Auge zum anderen ziehenden 
flachen Querfurche. In den Winkeln des Nackens jederseits ein 
kleiner schwarzer Punkt, dazwischen eine kurze vertiefte Längs- 
linie am Scheitelrande, am Ende der Stirnnaht zwei große schwarze 
Punkte, welche von einander so weit entfernt sind wie die rück- 
wärtigen kleinen Punkte. Stirne gelb, die Seiten bis auf die drei- 
eckige helle Mitte etwas dunkler gelb, mit einigen abgekürzten 
hellen Querlinien. Wangen gelb, mit einer halbmondförmigen ein- 
gedrückten Stelle ungefähr in der Mitte. Clypeus spateiförmig. 
Zügel und Fühler gelb. Oz eilen am Scheitelrande, dicht neben 



Neue Homopteren ans Siid-Schoa, Galla und den Somal-Ländern. 45 



dem Auge und dem großen schwarzen Punkte. Rostrum kurz. 
Augen braun. Pronotum doppelt so lang wie der Scheitel, mit 
einer wellenförmigen eingedrückten Querlinie nahe dem Scheitel- 
rande. Auf der Basis des Schildchens zwei lialbrundlichc schwarze 
Flecken, in der Mitte eine vertiefte Querlinie. Deckflügel läng- 
lieh, hyaUn, graulichweiß, glänzend, mit rostbraunen Nerven. Der 
Costalrandnerv heller, an der Innenseite eine feine rostbraune Linie, 
welche den ganzen Randnerv begleitet. Flügel rauchbraun mit 
braunen Nerven. Brust, Unterseite des Hinterleibes und Beine 
gelbhch, Rücken schwarz. Klauen der Beine braun. 

9. Letztes Bauchsegment am Hinterrande stark bogenförmig 
ausgeschnitten, mit einem schwarzen Fleck in der Mitte. Die Hinter- 
ecken lappenförmig vorgezogen. Scheidenpolster länglich^ mit hellen 
Borsten besetzt. Legescheide braun, die dunklere Spitze vorragend. 

9. Länge 6 mm. 

Korkora. 1 $. 

47. Athysanus capicola Stäl. 

Ufudu, Damasso, Djehle, Orahio, 3 $, 1 cT. 

48. Deltocephalus coronatus nov. spec. 

Körper schlank. Scheitel stumpfwinkelig vorgezogen, oben 
schwach gewölbt, am Scheitelrande mit sechs schwarzen Punkten. 
Die zwei inneren kleinen, einander genäherten Punkte liegen an 
der Scheitelspitze, welche sich (von vorne gesehen) als heller Punkt 
von der dunklen Stirne abhebt; die nächsten äußeren Punkte sind 
größer, etwas dreieckig geformt und mit der dunklen Zeichnung 
der Stirne zusammenhängend; die äußersten Punkte sind quer ge- 
stellt, in der Nähe des inneren Augenrandes, vom Scheitelrande 
etwas nach rückwärts entfernt. In der Mitte des Scheitels eine 
feine vertiefte Längslinie, welche ungefähr in der Mitte der 
Scheitelfläche in ein kleines dunkles Grübchen endigt. Zu beiden 
Seiten dieser Linie ein bräunlicher Längsstreifen. Gesicht 
größtenteils dunkel bis schwarz, mit einigen hellgelben Querlinien 
und häufig einer hellgelben Mittellinie. Die Wangen, Zügel und 
der Clypeus gelblich, sämtliche Nähte braun, auf dem Clypeus ein 
brauner Längsstrich. Pronotum mit mehreren braunen Flecken 
am Vorderrande, von welchen insbesondere zwei in der Mitte vor- 
treten. Schild eben mit zwei schwach bräunlichen Dreiecken in 



46 



L. Melichar. 



den Basalwinkeln. Deckfitigel länglich, mit weißen Nerven, 
welche insbesondere beim cf stark ozellenartig braun gesäumt 
sind. Beim 9 ist die braune Zeichnung des ganzen Körpers und 
auch der Deckflügel schwächer, letztere mehr bräunlichgelb, nur 
ist die obere Ecke der Mittelzelle, die äußere Zelle im Clavus 
hinter dem Quernerv und die Clavusspitze fast stets stark mit 
Braun ausgefüllt. In den Apikaizellen am Apikairande braune 
Flecken. Flügel milchigweiß getrübt. Brust und Hinterleib 
schwarz, die Segmentränder äußerst fein gelb gerandet. Beine 
stark braun gefleckt. 

cT. Genitalklappe klein und wie die Genitalplatten hellgelb 
gefärbt. Die Genitalplatten innen zusammenschließend, zusammen 
abgerandet, an den Außenrändern hinten stark ausgebogen und 
hellgelb beborstet. 

$. Letztes Bauchsegment schwach bogenförmig ausgeschnitten, 
fast gerade. 

cf, $. Länge 4 — 4*5 mm. 

Ganale, Djaro, Ufudu, 2 cT, 1 9. 

49. Deltocephalus ageratus nov. spec. 

Hell bräunlichgelb, braun bis schwarz gezeichnet. Scheitel 
stumpfwinkelig vorgezogen, ungefähr so lang wie zwischen den 
Augen breit, oben gewölbt, mit zwei schwarzen Dreiecken an der 
Scheitelspitze und zwei Querflecken auf der Scheibe, welche nach 
außen gespalten sind. Der vordere Ast ist stärker, am Ende etwas 
nach vorne gekrümmt. Gesicht blaßgelb, nicht gezeichnet. Pro- 
not um mit vier undeutlichen braunen Längsstreifen und mehreren 
Flecken am Vorderrande. Schildchen mit zwei schwarzen und 
braunen Punkten in der Mitte vor der Querlinie und jederseits 
mit zwei Eandpunkten. Deckflügel länglich, fast hyalin, milchig 
getrübt, mit feinen braunen Nerven und zahlreichen braunen 
Fleckchen, welche mehr die Mitte der Zellen einnehmen und 
kleine Gruppen bilden. Die Enden der Clavusnerven, die zwei 
Quernerven am Costalrande und vor diesen ein größerer Fleck 
oder Strich stärker braun. Apikaiteil rauchigbraun, der Apikal- 
saum heller, in der äußeren Apikaizelle ein kleiner brauner Punkt. 
Flügel hyahn, milchigweiß getrübt. Unterseite und Beine 
blaßgelb. Hinterschienen mit braunen Punkten, Klauen braun. 



Neue Horaopteren ans Siid-Schoa, Galla und den Somal-Ländern. 47 



cf. Genitalplatten sehr klein, spitz dreieckig. 
9. In der Mitte des Hinterrandes zwei kleine spitze Zähnchen, 
zwischen welchen ein brauner Fleck liegt, 
ö^, $. Länge 4 — 4 5 nnn. 
Dana, Djaro, Gogoru^ Ganale, Wante. 

50. Cicadula clypeata nov. spec. 

Kleine Cicachda -Art von rostgelber Farbe. Scheitel nicht 
vorgezogen^ bogenförmig gerundet, mit zwei großen schwarzen 
Punkten, welche von einander weiter entfernt sind wie jeder 
Punkt vom Auge. Gesicht etwas wenig länger wie breit, rost- 
gelb. Die Stirne wenig gewölbt, nicht gezeichnet. Fühler- 
gruben schwarz, die Fühler gelblich. Die untere Hälfte des 
Clypeus schwarz. Pronotum ungefähr so lang wie der Scheitel 
und wie das Schildchen rostgelb gefärbt. Deckflügel hyalin, 
einfarbig rostgelblich braun mit starkem bronzeartigen Glänze. Die 
Nerven zart, von der Farbe der Deckflügel. Flügel schwach 
rauchig getrübt, irisierend. Brust rostgelb, an der Außenseite der 
Vorderhüften ein großer dreieckiger schwarzer Fleck. Hinterleib 
oben und unten schwarz, die Segmentränder rostgelb. Die Beine 
einfärbig rostgelb, Hinterschienen ohne dunkle Punkte. 

cT. Genitalklappe klein. Genitalplatten spitzwinkelig drei- 
eckig, zusammengeschlossen, nach hinten stark zugespitzt, die 
Hinterleibsspitze überragend. Letztes Rückensegment kurz ge- 
stutzt, an den Seiten mit mehreren langen bräunlichen Borsten 
besetzt. 

9. Das größere 9 zeigt dieselben Merkmale, nur ist in der 
Mitte des Costalrandes ein milchig opaker ovaler Fleck sichtbar 
und der äußere Längsnerv bräunlich verfärbt. Der Bauch rostgelb. 
Das letzte Bauchsegment ungefähr doppelt so lang wie das vor- 
hergehende, am Hinterrande gerade. Die Scheidenpolster undeut- 
lich braun gefleckt. Die Legescheide dunkelbraun. 

Länge: 4 mm, 9 5 '5 — 6 mm. 

Korkora, 1 cf ; Damasso, 1 9. 

51. Gnathodus bipunctatus nov. spec. 

Kopf, Pronotum und Schildchen orangegelb, auf dem 
Scheitel zwei große schwarze Punkte, welche von einander weiter 
entfernt sind wie jeder Punkt vom Auge. Gesicht nicht gezeichnet, 



48 L. Melichar. Neue Homopteren aus Süd-Schoa, Galla etc. 



Stirne ziemlich stark gewölbt. Deckflügel hyalin, schmutzig- 
graulich getrübt; die Nerven sehr zart, gelblich. Drei Apikalzellen, 
die mittlere rhomboidal, am Apikairande sehr breit, indem die diese 
Zelle begrenzenden Apikalnerven nach hinten stark divergieren. 
Randanhang vorhanden. Flügel milchigweiß getrübt, Verlauf der 
Nerven wie bei Gnatliodus. Brust gelb. Hinterleib oben schwarz^ 
unten gelb. Die Beine gelb, die Klauen braun. 

cT. Genitalklappe sehr klein. Genitalplatten zusammen spitz 
dreieckig, aneinandergeschlossen. 

$. Letztes Bauchsegment in der Mitte schwach eingekerbt, 
die Einkerbung braun. Scheidenpolster gelb, die vorstehende Spitze 
der Legescheide schwarz. 

ö\ ^. Länge 3 mm. 

Ganale, zahlreiche Exemplare, und 9. 



Beiträge zur Planktonuntersuchung 
alpiner Seen. 

Von 

Dr. V. Brehm und Dr. E. Zederbauer 

(Elbogen, Böhmen) (Wien). 

I. 

Mit drei Abbildiing-en im Texte. 
(Eingelaufen am 1. November 1903.) 



Einleitung. 

Vor einigen Jahren faßten wir den Plan, unsere Alpenseen, 
vor allem die österreichischen, die uns am nächsten liegen, in 
bezug auf ihr Plankton zu untersuchen. Bevor wir jedoch die 
ersten Schritte zu seiner Ausführung machen konnten, mußte 
wir uns über die Fragen, die wir zu beantworten versuchen, kla 
werden, um ihnen gemäß die Aufsammlungen von Planktonprobe 



Beiträge zur Planktoniintersiichung alpiner Seen. I. 



49 



vorzunehmen. Sie erstrecken sich auf die Untersuchung- einzelner 
Seen und auf eine vergleichende Untersuchung aller größeren Alpen- 
seen und womöglich der Hochgebirgsseen und kleineren Alpenseen. 

Gehen wir zunächst auf den ersten Teil unserer Aufgabe 
ein, so schwebten uns folgende Fragen vor Augen: „Wie ver- 
hält sich das Plankton in einem See zu verschiedenen 
Jahreszeiten, sind einzelne Arten das ganze Jahr im 
Plankton vertreten und unterliegen sie bemerkbaren Ver- 
änderungen entsprechend den sich verändernden äußeren 
Verhältnissen oder treten sie in den Hintergrund und 
verschwinden für eine bestimmte Zeit ganz aus dem 
Plankton, indem sie auf dem Grunde des Sees oder in 
seichteren Stellen die ungünstige Zeit tiberdauern, wäh- 
rend andere Arten an ihre Stelle treten und vorwiegen 
und auf diese Weise das Plankton zu verschiedenen 
Jahreszeiten verschieden gestalten?" Die Beantwortung 
dieser Fragen fordert natürlich, in kurzen Zwischenräumen, ein bis 
zwei Monate, Aufsammlungen zu machen, und zwar nicht nur ein 
Jahr hindurch, sondern durch eine Keihe von mehreren Jahren. 
Um der Beantwortung dieser Fragen näher zu treten, untersuchten 
wir den Aachen-^) und Erlaufsee; ^) von den Ergebnissen dieser 
Untersuchungen haben wir bereits einen Teil veröffentlicht. 

Der zweite Teil unserer Aufgabe befaßt sich mit der ver- 
gleichend-biologischen Erforschung sämtlicher österreichischen Alpen- 
seen, vor allem der größeren und der Hochgebirgsseen. Außer den 
Fragen, die wir uns bei der Untersuchung einzelner Seen stellten, 
sollten hauptsächlich folgende in Betracht kommen: „Zeigen ein- 
zelne Seen, besonders nahe gelegene, eine gewisse Zu- 
sammengehörigkeit in bezug auf ihr Plankton und bilden 
sie gew^issermaßen ein Areal, wo entsprechend den gleichen 
äußeren Verhältnissen dieselben Organismen vertreten 

V. Brehm, Zusammensetzung, Verteilung und Periodizität des Zoo- 
planktons im Aachensee (Zeitschr. des Ferdinandeums in Innsbruck, IH. Folge, 
46. Heft). 

2) V.Brehm und E. Zeder bau er, Untersuchungen über das Plankton 
des Erlaufsees (Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, Jahrg. 1902, 
S. 388—402). 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 4 



50 



V. Brehm inid E. Zederbauer. 



sind, ähnlich wie bei den höheren Pflanzen und Tieren es der Fall 
ist, oder ist es bei einer in allen Seen vertretenen Art 
infolge der diesen Gebieten eigenen Verhältnissen des 
Klimas und anderer äußerer Faktoren zur iVusbildung geo- 
graphisch gegliederter Rassen oder vikariierender Arten 
gekommen?^) Es wurden daher zu möglichst denselben Zeiten in 
allen Seen gleichzeitig Aufsammlungen gemacht, und zwar 2— 3 mal 
des Jahres. Mit Ausnahme der Hochgebirgsseen besuchten wir 
alle in den beiden extremsten Jahreszeiten je einmal, um Auf- 
sammlungen auf der Oberfläche oder in 2, 5, 10 und eventuell 
15 m Tiefe zu machen und zu gleicher Zeit auch die Temperatur 
des Wassers und der Luft zu messen. 

Die Aufsammlungen sollten immer in der Mitte des Sees 
oder doch möglichst gleich weit vom Ufer entfernt und nicht zu 
nahe von menschlichen Ansiedlungen gemacht werden, um nicht 
litorales oder ein von den aus den Ortschaften kommenden Kanälen 
verunreinigtes oder verändertes Plankton zu fangen. 

Wie weit wir bei der Beantwortung der Fragen gekommen 
sind, werden die Leser selbst sehen. Es wurde absichtlich der 
Titel „Beiträge zur Plank tonuntersuchung alpiner Seen" gewählt, 
weil wir uns wohl bewußt sind, daß die während der verhältnis- 
mäßig kurzen Zeit gemachten Untersuchungen keineswegs An- 
spruch erheben können, einen vollständigen Einblick in die bio- 
logischen Verhältnisse der Alpenseen zu gewähren, vielmehr nur 
einen Versuch einer Zusammenfassung darstellen sollen. 

Wir beabsichtigen, zuerst Untersuchungen über einige hoch- 
alpine Seen Nordtirols, die wir später noch zu ergänzen hoffen, dann 
über die Südtiroler, Kärntner und oberösterreichisch-salzburgischen 
Seen zu veröffentlichen, womöglich auf die Zusammengehörigkeit 
der einzelnen Seen Rücksicht nehmend. Daß dies nicht immer 
der Fall sein kann, zeigt gleich der Anfang, wo wir einige Hoch- 
gebirgsseen Nordtirols besprechen, dann auf die Südtirols über- 
springen, an die sich natürlicher Weise die anderen norditalienischen 
Alpenseen anschließen sollten. 

^) R. V. Wettstein, Grundzüge der geographisch-morphologischen 
Methode der Pflanzensystematik. Jena, 1898. 



Beiträge zur Planktoniintersiiclmng- alpiner Seen. T. 



51 



Leider war es uns bis jetzt nicht möglich, diese untereinander 
in Beziehungen zu bringen, da es uns an Aufsanirahingcn fehlt. 
Ein zusammenhängendes Bild wird uns bei der Besprechung der 
Kärntner und der oberösterreichisch-salzburgisehen Seen zu ent- 
werfen möglich sein, an die sich dann die südbaierischen an- 
schließen sollten. 

Nach Anführung der Tatsachen werden wir zum Schlüsse eine 
Zusammenfassung der sich daraus ergebenden Resultate versuchen 
und auf die anfangs erwähnten Fragen zurückkommen. 



1. Seilrainer Seen. 

Wie in der Einleitung erwähnt, beabsichtigen wir, einige der 
Nordtiroler Seen zuerst zu besprechen und von diesen die Gruppe 
der Sellrainer Seen, die im Sellrain bei Kühetai in einer Höhe von 
circa 2200 — 2300 ni liegen. Infolge dieser bedeutenden Seehöhe 
sind alle vier, der Vorder- und Hinter- Finstertaler See, der 
Ober- und Unter-Plenderlesee, einen großen Teil des Jahres 
mit Eis und Schnee bedeckt. Trotzdem leben in den beiden ersteren, 
den Finstertaler Seen, Fische — Saiblinge und Forellen — 
in ziemlicher Menge, was auf reichliches Plankton schließen läßt. 
Besonders reich an Plankton und Fischen ist der Vorder-Finster- 
taler See, auf dem es auch möglich war, mit einem Boote zu 
fahren, während bei den übrigen drei Seen die Fänge vom Ufer 
aus ausg-eführt werden mußten. Wegen des schwierigen Zuganges 
in den Wintermonaten beschränkten wir uns auf die während des 
Hochsommers ausgeführten Fänge. 

, Yorder-Finstertaler See (2235 m). 

Fänge am 21. August 1901. 

Oberfl.,ij 9'^ V. M., Temp. d. L. -}- 13^ d. W. 10^ Fast aus- 
schließlich Polyarthra platyptera, einige Nauplien, die dem Cydops 



Abkürzungen: Oberfl. = Obcrfläclie, V. M. — Vormittag, N. M. = Nach- 
mittag, Temp. d. L. = Temperatur der Luft, d. W. = des Wassers. Die Grade 
sind in Celsius angegeben. 

4* 



52 



V. Brehm und E. Zederbauer. 



strenuus angehören dürften, Binohryon Sertularia var. alpinmn nicht 
besonders häufig. 

5 m, 9-30^ V. M., Temp. d. L. + 13°, d. W. + 7^ 
Neben Folyarthra tritt auch Synchaeta in Mengen auf, seltener 
NotJiolca longispina und Triarthra longiseta. 

Von besonderem Interesse ist das Vorkommen 
einer Änurea, die in Fig. 1 abgebildet ist. Es ist 
dies (wie aus dem Plattenmosaik hervorgeht) eine 
Änurea aculeata, der die hinteren Stacheln fehlen, 
V Parallelfall zur A. teda aus dem Variationskreis 
^^(^"^l^y^ der A. cocJdearis. Vielleicht läßt sich an Orten, wo 
Anurea aculeata perenniert, im jährlichen Variations- 
^^^* ^* Zyklus diese Variation noch nachweisen. 
Binohryon nimmt an Menge bedeutend zu. 
10 m, V. M., Temp. d. W. + 5^ 

Copepoden nehmen an Zahl stark zu, ebenso Synchaeta. Bino- 
hryon ist fast ebenso häufig wie im vorigen Fang, vereinzelt findet 
sich Tahellaria flacculosa. 

Hiiiter-Finstertaler See (ca. 2250 m). 

Fänge am 21. August 1901 vom Ufer aus. IPV. M., Temp. 
d. L. +12°, d. W. +9-5°. 

Tonangebend ist Chydorus spliaericus, von dem Lilljeborg 
sagt, daß er ein wichtiger Bestandteil der Nahrung der Jungfische 
sei. Damit steht die Tatsache im Einklang, daß die Finstertaler 
Seen unter die wenigen Hochgebirgsseen gehören, die Fische be- 
herbergen. Einige Nauplien und sehr junge Exemplare von Cyclops 
spec, Notholca longispina und ein eitragendes Exemplar von Foly- 
arthra platyptera war alles, was außer Chydorus beobachtet werden 
konnte. Es war auch kein einziges Exemplar von Binohryon Ser- 
tularia var. alpinum, das im Vorder-Finstertaler See so häufig war, 
zu beobachten, obwohl beide Seen sehr nahe liegen und durch ein 
Bächlein verbunden sind. 

Ober- und Unter -Plenderleseen (ca. 2250 m). 

Fänge am 21. August 1901, zwischen 1 und 3^ N. M. vom 
Ufer aus. 



Beiträge zur Plnnktonuntcrsuchung- alpiner Seen. I. 



53 



In beiden Seen konnte kein tierischer Bewohner nachgewiesen 
werden. Von Pflanzen konnten nur einige Fäden von Zygnema 
spec. und Spirogyra longata (Vauch.) Kütz., die vom Ufer abge- 
rissen und ins Wasser hineingetrieben schienen, beobachtet werden. 

2. Lauterersee (ca. 2400 m). 

Am Ende des Gschnitztales in den Stubaier Alpen in Nord- 
tirol liegt in der Hochgebirgsregion ein See, der den größten Teil 
des Jahres von einer dicken Eiskruste bedeckt ist, welche erst im 
September ganz von dem See verschwindet, um ein Monat später 
sich wieder zu bilden. Im Monate August 1901, wo wir den See 
besuchten, war die Oberfläche noch ein Drittel mit einer Eisdecke 
bedeckt, auf der Felsblöcke von den steilen Abhängen der Wetter- 
spitze ruhten, um dann beim Schmelzen ihrer Unterlage auf den 
Grund des Sees zu fallen und ihn allmählich auszufüllen. Die Tiefe 
ist keine beträchtliche, etwa 4 — 8 m. Die Fänge wurden teils vom 
Ufer aus, teils mittels einer über den See gespannten Schnur, an 
der das Netz zum hin- und herziehen war^ ausgeführt. 

Fänge am 10. August 1901, zwischen 11 und Mittag. — 
Temp. d. L. H- \2\ d. W. + 5^ Bei 3 m Temp. d. W. + 4^ 

Plankton sehr ärmlich, von den wenigen Formen ist am 
häufigsten Triarthra longiseta, seltener NoÜioha longispina, sehr 
selten Bosmina longirostris. 

Vereinzelte Exemplare von Epithemia turgida var. Wester- 
manni Kütz. und Navkula spec. scheinen durch den abschmelzenden 
Schnee, wo sie gedeihen, hineingeraten zu sein. Auf der Oberfläche 
des Wassers waren häufig Schülfern von Blättern von Rhododendron 
ferniginetim zu finden. 

3. Lichtsee (ca. 2200 m). 

Etwas reichlicher an Plankton als der eben erwähnte Lauterer- 
see ist der zwar einige hunderte Meter tiefer gelegene Lichtsee, 
der auf der Südseite des zwischen Gschnitztal und Obernbergtal 
streichenden Höhenzuges in der Nähe des Trunajoch liegt. 

Er ist beiläufig so groß wie der Lauterersee, also 200 m lang, 
IbO^n breit, seine Ufer sind aber nicht so steil; einen großen Teil 



54 



V. Brehm und E. Zederbauer. 



des Jahres ist er mit Eis bedeckt, aber bei weitem nicht so lang 
wie sein Nachbar. Als wir im September 1901 den See besuchten, 
war er ganz eisfrei und die Temperatur des Wassers war +9". 

Die Fänge wurden derart ausgeführt, daß an einer über den 
See gespannten Schnur das Planktonnetz befestigt wurde und in 
der Mitte, ungefähr an der tiefsten Stelle, circa 2 m ins Wasser 
getaucht wurde. Außerdem wurden vom Ufer aus Oberflächen- 
fänge ausgeführt. 

Fänge am 4. September 1902. — Temp. d. L. +7", d. W. 
-|-9''; ziemlich dichter Nebel lag über dem See. Der Unterschied 
der Temperatur zwischen Luft und Wasser ist auf die rasche Ab- 
kühlung durch Regen am Tage vorher zurückzuführen. 

Das Zooplankton dieses Hochgebirgssees ist sehr wohl charak- 
terisiert durch das fast ausschließliche Vorkommen intensiv roter 
Exemplare des arktischen Biaptomus denticornis Wrzsk. Die auf- 
fallende Carotinfärbung ist ohne Zweifel durch die tiefe Tempe- 
ratur bedingt und kehrt in allen Hochgebirgsseen wieder. Das dritt- 
letzte Glied der Greifantenne zeigt eine den Rand überragende 
hyaline Membran, wie es im „Tierreich", S. 93 angegeben ist; ein 
Merkmal, das von Burckhardt nicht erwähnt und auch nicht ab- 
gebildet ist. Ferner scheint beim fünften Beine des $ der Ento- 
podit eingliedrig zu sein; zum mindesten ist die Trennung der 
beiden Glieder nicht so scharf durchgeführt, wie bei Burckhardt 
erwähnt und abgebildet wird. Möglicher Weise sind wir nach Durch- 
suchung einer Reihe weiterer Hochgebirgsseen in der Lage, auch 
an diesem Biaptomus geographische Rassenbildung zu konstatieren, 
was bei der weiten Verbreitung über isolierte Gebiete gar nicht 
unwahrscheinlich ist, wenn man sich Dr. Steuers Studien über 
die Balkan-Diaptomiden vor Augen hält. 

Ab und zu zeigte sich eine Polyarthra platyptera, die folgende 
Dimensionen aufwies: Körperlänge 100 ^, Körperbreite 63 ^, Ruder- 
länge 146 ^, Ruderbreite 13 |U. — Das Genus Cyclops war nur 
durch unentwickelte Individuen vertreten. 

Das Phytoplankton besteht hauptsächlich aus Chroococcus 
minor (Kütz.) Naeg. neben dem zahlreich vorkommenden Chroo- 
coccus minutus (Kütz.) Naeg. Selten ist Tabellaria fenestrata und 
Sphaerozosma vertebratum Ralfs. Neben diesem erwähnten Zoo- 



Beiträge zur Planktonuntersuclmng alpiner Seen. I. 



55 



und Phytoplankton finden sich noch massenhaft Schuppen von 
Schmetterlingsfiiigeln. 

4. Pfitscher Jochseen. 

Die über 2000?» hoch gelegenen Seen waren am 18. Juli 
1901 von einer dünnen Eisschichte stellenweise überzogen, unter 
der sich grellrote Individuen von Cyclops serridatus tummelten; 
ein zwei Tage später im Schwarz ensee (250Ü m) nächst der 
Berliner Hütte versuchter Fang war ergebnislos. 

5. Piburger See. 

Am Eingang ins Ötztal in Nordtirol liegt auf einer Anhöhe 
der Piburger See, zu dem von Ötz ein Weg durch einen schattigen 
Nadelwald führt, in dem gewaltige Felsblöcke wirr durcheinander 
liegen, die KeHkte des einstigen großen Gletschers des Ötztales, 
der seine Eismassen dem Inngletscher zuführte. Der Piburger See 
verdankt jedenfalls sein Entstehen der Tätigkeit dieses großen 
Gletschers. Er liegt 9ib m hoch, hat nach Aufnahmen von Leop. 
Pflaundler eine Länge von SOO di, eine Breite von 250 und 
eine Tiefe von 30 m. Sein Flächeninhalt beträgt 134.000 m^. 

Der See wurde von uns zu zwei verschiedenen Jahreszeiten 
besucht, einmal im August 1901 und im darauffolgenden Dezember, 
wo eine dicke Eisschichte den See bedeckte. 

Fänge am 20. August 1901, zwischen 12—2^ N. M. 

Oberfläche. — Temp. d. W. + 18 ^ d. L. 4-2r. 

Fast ausschließlich Ceratium hirundinella, das in Massen 
auftritt. 

5 m. — Temp. d. W. + 15^ 

Ceratium hinmdinella massenhaft, häufig Daphnia hijalina, 
nur vereinzelt finden sich Bosmina, Cyclops, Nauplien und As- 
XÜanchna p>riodonta. 

10 m. — Temp. d. W. +11". 

Ceratium zeigt keine weitere Zunahme, hingegen tritt Baplmia 
als Leitform hervor, doch sind es fast durchwegs junge Exemplare; 
Copepoden und Asplamhna werden häufiger. Vereinzelt eine Kette 
von Fragdlarla construens (Ehrb.) Grun. 



56 



V. Brehm und E. Zederbaner. 



15 m. — Cerafium nicht mehr so häufig wie in den früheren 
Fängen, Asplanchna ebenso häufig- wie Daphnia hyalina; Änurea 
aculeata taucht auf, Bosmina zeigt sich häufiger; Ceriodaphnia 
quad/rangula f. tyjrlca Lilljeborg ist öfters zu beobachten, sehr 
selten ist Triarthra longiseta. 

Die ausgewachsenen Oi/e?ojJs-Exemplare, die eine Bestimmung 
zuUeßen, erwiesen sich durchwegs als Cydops alhidus. Die Bos- 
minen gehören alle zu Bosmina longirostris im Sinne Burckhardts. 
Es ist interessant, die von Burckhardt an Schweizer Material 
festgestellten, scheinbar minutiösen und kaum beachtenswerten 
Unterscheidungsmerkmale an Exemplaren anderer Gegenden immer 
wieder mit erstaunlicher Konstanz auftreten zu sehen. So an der 
12 Incisuren aufweisenden Bosmina des Piburger Sees nicht min- 
der wie an den Exemplaren einer Bosmina, die ich im Winter 
1902/3 in großer Menge in einem Tümpel 
1 nächst Pettau in Südsteiermark erbeutete, 

1 die etwa als Bosmina japonica Poppe et 

1 Richard zu bezeichnen wäre. Über diese durch 

\ 15 Incisuren und den — speziell bei jungen 

\ Exemplaren — enorm langen, mit 4 — 5, bei 

\ jungen Exemplaren sogar öfters mit sechs 

\ Kerben versehenen Mucro ausgezeichnete 

J V Form werde ich berichten, wenn mir Material 

^A^^Z ^yl^ ^us allen Jahreszeiten vorliegt. 
)~^^^P\r\\ Ceratium himndinella ist, wie die neben- 

/ / ^\ I \l stehende Zeichnung zeigt, von der typischen 
// \ \ \1 Form verschieden, vor allem durch seine 

// \\ Größe, die zwischen 220 — 260 (.i schwankt. 

/ ' \\ Davon entfallen 160 auf die Entfernung vom 

Fig. 2. \\ Gürtelband bis zum Ende des Apikaihorn, 
während das mittlere Antapikalhorn bis zum 
Gürtelband 150 f.L lang ist, das rechte 75 (.i 
und das linke Antapikalhorn bis 60 fi. Das linke Antapikalhorn ist 
in vielen Fällen gekrümmt, in anderen gerade und abstehend. Die 
Breite beträgt 65 {.i. Die Vielgestaltigkeit dieser Art ist eine sehr 
große, worauf ich noch bei anderer Gelegenheit näher eingehen 
werde. 



Beiträg-e zur Planktonnntcrsucluing- alpiner Seen. I. 



57 



Fänge am 23. Dezember 1901, 1—3" N. M. Der See ist von 
einer ca. 40 cm dicken Eisschichte bedeckt. 

2 m miter der Eisdecke. — Temp. d. W. +2-5", d. L. + r. 

Das Plankton ist nicht besonders reichlich, es finden sich nicht 
häufig Asplanchna priodanta, Polyarthra platyptera und Fragillaria 
crotomnsis. 

5 m. — Temp. d. W. + 4^ 

Plankton etwas reichlicher, besonders Asplanclma, wenig Poly- 
arthra, gar keine Fragillaria crotonensis, hingegen Fragillaria 
rircsccns Ralfs sehr vereinzelt. 

Besonders auffallend ist das Winterplankton verschieden; das 
im Sommer vorwiegende und in Massen auftretende Ceratlum limindi- 
nella ist im Winterplankton gar nicht vertreten, seine Stelle nimmt 
Fragillaria crotonensis (90 — 100 ^ breit) teilweise ein. Ebenso das 
Vorwiegen von Asplanclma priodonta, die ausschließlich in großen 
Exemplaren vorkommt. 

Diese enorme Entwicklung im Winter — die meisten Exem- 
plare besitzen Embryonen — deutet ebenso wie das durch Steno- 
thermie bedingte Vorkommen in den tieferen Horizonten auf eine 
nordische Herkunft dieses Riesen 
unter den Rädertierchen. Wie alle 
Planktozoen unterliegt auch die 
Asplanchna sehr charakteristischen 
Variationen, die teils in den Körper- 
dimensionen, noch mehr aber in 
Form und Bezahnung 
sich zeigen und bereits einmal zur 

Aufstellung der Im hof sehen Spezies helvetica Anlaß gegeben haben. 
Da diese Variationen konstante Lokalrassen unterscheiden lassen 
dürften, sollen im folgenden die Kieferformen verschiedener Seen 
zur Darstellung kommen. Bei den Asplanchnen des Piburger Sees 
sind Reservekiefer vorhanden. An den eigentlichen Kiefern fällt 
die geringe Anzahl der Zähne auf, meist fünf, seltener vier oder 
sechs; sie entspräche also der helvetica-GYnippe. Abw^eichend von 
den typischen /«eke/ica-Exemplaren ist aber die Konstruktion des 
hinteren Teils der Kieferarme. Die Hörner sind dort stark ent- 




58 V. Brehm n. E. Zederbau er. Beitr. zur Planktonimters. etc. I. 



wickelt^ etwa wie bei den vielzähnigen j;no^?of^^a- Exemplaren/) 
das zweite ist viel mehr der Medianlinie genähert als an dem von 
Gosse entworfenen Bild, wie die vorstehende Skizze (Fig. 3) zeigt. 

Gegen die Oberfläche hin tritt Polyarthra platyptera etwas 
mehr hervor; die meisten Exemplare zeigen bei einer Körperlänge 
von 110 eine Körperbreite von 82 ^it, eine Ruderlänge von \2b 
und eine Ruderbreite von 18 ^. 



Beitrag zur Kenntnis der Moosflora von Tirol. 

Von 

stud. phil. Heinrich Frh. v. Handel-Mazzetti. 

(Eingelaufen am 1. November 1903.) 

In den Ferienmonaten 1902 konnte ich nur v^enige kleine 
Exkursionen zu ausschließlich bryologischen Zwecken unternehmen, 
da ich die meiste Zeit der Erschließung der Plianeroganienflora 
einiger schlecht bekannter Gebiete Tirols gewidmet hatte. Es ist 
daher einerseits dem Umstände, daß besonders in den nördhchen 
Alpen reiche Standorte für Moose und Phanerogamen oft zusammen- 
fallen, andererseits der Vernachlässigung eines und desselben Ge- 
bietes durch alle Kategorien von botanischen Sammlern zuzu- 
schreiben, daß sich bei der Bestimmung meines Moosmateriales 
immerhin nebst einigen notorischen Seltenheiten eine größere An- 
zahl neuer Standorte für häufigere, aber in ihrer Verbreitung in 
Tirol nur mangelhaft bekannte Arten ergab. Die Publikation der- 
selben habe ich diesmal selbständig unternommen,^) indem ich 
glaube, an der Hand des mir in Wien zugänglichen reichen Ver- 
gieichsmateriales und durch Anwendung möglichster Sorgfalt nur 
richtige Bestimmungen erzielt zu haben. 

^) E. V. Daday, Revision der Asplanchna -AxiQn^ Taf. I, Fig. 3 und 5. 

^) Mein früher gesammeltes Material wurde von Herrn Prof. F. Matou- 
schek (Reichenberg) revidiert und die Resultate in den „Berichten des natur- 
wissenschaftlich-medizinischen Vereines in Innsbruck", XXVII (1902) publi- 
ziert, wofür ich demselben meinen besten Dank sage. 



Beitrag zur Kenntnis der Moosflora von Tirol. 



59 



Von einer Anzahl von Standorten, die auf Grund brieflicher 
Mitteilung im eben erscheinenden V. Band der „Flora von Tirol, 
Vorarlberg- und Liechtenstein" von Dalla Torre und Sarnthein 
bereits publiziert sind, habe ich die bemerkenswertesten der Voll- 
ständigkeit halber hier ebenfalls aufgenommen. Bei der infolge 
der ungemein zerstreuten Literatur schwierigen Auswahl der auf- 
zunehmenden Standorte lagen mir zeitweise die Korrekturbogen 
des genannten Werkes vor, wofür ich den Herren Verfassern zu 
bestem Danke verpflichtet bin. Von häufigen Arten wurden in 
das folgende Verzeichnis, abgesehen von durch besondere lokale 
Verhältnisse, z. B. bedeutende Höhe, bemerkenswerten, nur solche 
Standorte aufgenommen, die vorläufig, freilich nur bis zur genauen 
Durchforschung aller Landesteile, dadurch von Wert sind, daß sie 
der durch allzu spärliche Standortsangaben leicht entstehenden 
Meinung, die Pflanze könnte in einzelnen Gegenden selten sein, 
vorbeugen. 

Zur Erreichung tunlichster Kürze wurde die im oben ge- 
nannten Werke gegebene Einteilung in Florenbezirke benützt, ^) 
ferner die Bezeichnungen c. fr. (fruchtend) und c. per. (mit Perian- 
thien), wo sie sich auf alle Standorte einer Art beziehen, nur 
einmal gleich nach dem Namen derselben gesetzt und das Datum 
des Fundes nur in einigen wenigen, besonders bemerkenswerten 
Fällen beigefügt. Mit (H.) bezeichnete Pflanzen wurden von meinem 
Bruder Hermann gesammelt; für Tirol neue Arten und Varietäten 
sind durch einen * kenntlich gemacht. 

Bevor ich zur Aufzählung übergehe, obliegt mir die angenehme 
Pflicht, meinem hochgeehrten Lehrer, Herrn Prof. V. Schiffner, 
der mir nicht nur durch vielfache Katschläge sowie die Erlaubnis 
zur Benützung seines reichen Herbars seine Unterstützung in 
liebenswürdigster Weise zuteil werden ließ, sondern auch durch 
Revision oder (zum größten Teile) Bestimmung sämtlicher Leber- 
moose einen wesentlichen Anteil an dieser Arbeit nahm, meinen 
wärmsten Dank auszudrücken. 

^) Von den in dieser Arbeit vorkommenden Abkürzungen bedeutet: 
B. = Bozen, D. = Drautal, E. = Eisacktal, I. = Innsbruck, K. = Kitzbühel, 
M. = Meran, N. -= Nonsberg, P. = Pustertal, U. = Unterinntal. 



60 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



Hepaticae. 

Biccia glauca L. f. maior Roth. 1. : Gartenerde bei Völs, 680 m, c. fr. 
Fcltolepls grandis Ldb. 1. : Am Wasserlauf ober der Götzenser 

Alpe, 1800— 1850 c. fr., mit folgender (27./1X. 1902). 
Sauteria alpina (Bisch, et N.) Mont. I.: Felsritzen der Hornblende 

unter dem Fotscherferner in Sellrain, 2600 m; Felsritzen (Kalk) 

im Martartal bei Gschnitz, 2200 c. fr. 
Clevea hyalina (Smft.) Ldbg*., c. fr. I.: Martartal^ sehr selten, 

2200 w; Sattel hinter dem Wolfendorn am Brenner gegen 

Wolfenkaser, 2500 m (H.) (beide 9./1X. 1902). 
Hypenantron Lindmhergianum (Corda) 0. Ktze. I.: Im Martartal 

unter dem Muttenjoch, prachtvoll fruchtend, 2200 m. 
Cltomiocarpon (pmdrcdus (Scop.) Ldbg., c. fr. I.: Ober der Lizum 

bei Axams und im Martartal bis 2200 m ; im Senderstal bei 

Kematen bis 1700 m. 
Marchantia polymorpha L. var. aquatica Nees. L: Wiesengräben 

am See von Seefeld. 
M. polymorplia * var. cdpestris Nees. I. : Quellen bei der Götzenser 

Alpe, 1700 m; an einer nassen Mauer unter Vaz Niederleger 

im Watten tal, 1600 m, reichlich c. fr. und mit Brutbechern; 

U.: Zwischen Ötschen und Gerlos bei Zell am Ziller auf 

Waldboden, 1100 m. 
Biccardia palmata (H.) Carr. U. : Gerlosklamm bei Zell, auf Holz, 

800 m. 

Fl. latifrons Ldbg., c. fr. L : Faules Holz beim Wasserfall des 
Geroldsbaches hinter Mentelberg und um den Volderwaldhof 
bei Hall. 

Met0geria conjugata Ldbg. L: Felsen in der Schlucht des Polten- 
baches bei Volders, zu Weihnachten c. fr. 

MoerMa Flotoiviana (Nees) Schffn. I. : Im Wald am Steig von Vögels- 
berg nach Vaz im Wattental, 1500 m (18./VIIL 1902). 

Feüia Neesiana (Gott ) Lpr. N.: Feuchte Stellen auf der Alpe Mal- 
gazza bei Cles, 1400 m. 

F. endiviaefolia (Dicks.) Dum. I. : Geroldsbachschlucht hinter Mentel- 
berg, 700 m; U.: Mauerritzen am Eingang der Gerlosklamm 
bei Zell am Ziller. 



Beitrag zur Kenntnis der Moosflora von Tirol. 



61 



Blasia pusilla L. I.: Seilrain, mehrfach; Vögelsberg- bei Wattens ; 
N.: Wegrand zwischen Preghena und Lanza, mit rotem Nerv! 

(hinniomifruon corallioides N. ab Es. L: Fotschertal, 2550 c. fr.; 
Haidl ober Axams, 2250 c. fr. ; Eiskarspitze im Watten- 
tal, 

(r, concinnafum (Lghtf.) Corda. L: Fotschertal, Haidl, Seejoch bei 
Kematen, 2200-2600 m, c. fr.; N.— M.: Auf dem Rabbijoch 
auf bloßer Erde graue Überzüge, d". 

(t. concinnafum * var. intermeclium Lpr. I.: Ober der Almindalpe 
im Fotschertal, Haidl, Nürnbergerhiitte in Stubai, 2200 bis 
2400 w, c. fr.; N.: Zwischen Gerolle östlich der Seefeldspitze 
bei Proveis, 2200 

(i. revolutim (N. ab Es.) Philib. I.: Ober der Almindalpe im Fotscher- 
tal; Schwarzhorn bei Kematen, 2400 — 2600 m; an feuchten 
Felsen unter der Lizum im Wattental, 1900 m (19./Vni. 1902), 
mit weiblichen Blüten, neu für Mitteleuropa. 

Marsiipella commutata (Lpr.) Bern. I. : Unter dem Gipfel des Hanne- 
burger bei Volders in Felsritzen, 2m0m (20./1X. 1902), eine 
kleinere Form mit weniger zurückgerollten Blatträndern. 

* J/. apicidata SchfPn. L: Ober der Almindalpe im Fotschertal, 
zwischen Gerolle auch in einer grünen Form, 2400 m 
(4./Vin. 1902). 

Nardia Breidleri (Lpr.) Ldbg. L: An Schneewässern zwischen 
der Mölserscharte und dem Klammerjoch im Wattental, 2380 m 
(20./VnL 1902). 

N. scalaris (Schrad.) Gray. P. : Steigrand zwischen Welsberg und 
Olang. 

X. sccdaris * var. rivtdaris Ldbg., c. fr. L: An Wasserläufen ober 

dem Kaserl im Senderstal, 2000 und bei der Nürnberger- 

hütte in Stubai, 2300 m. 
X. ohovata (Nees) Carr. L: Wiesenbächlein unter der Grüblalpe 

im Stubaier Langental, 1500 m. 
Aplosia aynplexicaidis Dum. L: Am Wasserlauf ober dem Kaserl 

im Senderstal gegen das Pleisenjöchl, 2000 c. fr. 
A. sphaeroco/rpa (Hook.) Dum., c. per. L: Ober der Almindalpe 

im Fotschertal an Felsen, 2400 i>i; an einem P'elsblock ober 

Vögelsberg bei Wattens, 1500 m. 



62 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



Ä. lurida Dum., sensu Breidl. L: Unter dem Mölsersee im Wattental, 
2200 m, c. fr. (20./VIIL 1902). 

Ä. riparia (Tayl.) Dum. I.: Feuchte Erde und Felsen in der Gerolds- 
bachschluclit hinter Mentelberg, 700 m. 

A. Tiparia * var. hadrocalyx Mass. I. : Felsen in der Schlucht des 
Poltenbaches bei Volders, 600 m, c. per. (28./XII. 1902). 

Änastrophyllum Eeichardtii (Gottsch.) Steph. T. : Unter Praxmar 
im Sellraintal; 1 600 m ; östlich am Haidl bei Axams, unter 
dem Muttenjoch bei Gschnitz, unter dem Mölsersee im Watten- 
tal; 2200— 2300 m, stets an Felsen. 

Lophomi hadensis (Gottsch.) Schffn. U.: Feuchte Mauerritzen am 
Eingang der Gerlosklamm zwischen Pellia endiviaefolia. 

L. gutUdata (Ldb. et Arn.) Ev. I.: Zwischen Möls Ober- und Nieder- 
leger im Wattental, 1800 

* L. longidens (Ldbg.) SchfFn. I. : Baumstrunk im Senderstal, 1 100 ni] 

bei Peers Gedenktafel in der Lizum, 1450 m (H.); schattiger 
Fels im Stubaier Unterbergtal hinter Neustift, 1000 m. 
L. ventricosa (Dicks.) Dum. P. : Steigrand zwischen Welsberg und 
Olang, 1100 m. 

* L. longiflora (Nees) Schifn. I. : Felsen und Gesteinhöhlungen unter 

dem „Kniebiß" bei Praxmar, 1500— 1530 m, c. fr. (6./VIII. 
1902). 

L. lycopodioides (Wallr.) Cogn. I.: Senderstal, Wattental, mehr- 
fach, 1500— 2200 Vennatal (H.); E.: Ziragalpe am Brenner, 
1600 m; M.: Weißer Knott an der Stilfserjochstraße (H.). 

L. FloerJcei (W. et M.) Schffn. I.: Hippold im Wattental, Kalk, 
2600 ^?^; daselbst ober der Spitalsalpe (2200 m) annähernd die 
var. Bauer iana Schffn. 

Splienolohus pol'dm (Nees) Ldbg. L: Ober dem Kaserl im Sen- 
derstal an Wasserläufen, 1800— 1900 m. 

S. niinutus (Crtz.) Ldb. L: Bachschlucht unter Axams, c. per., 
Gesteinhöhlungen am Schlierbach zwischen Niederleiten und 
Troi gegenüber Jenbach ; U.: Gerlosklamm ; B.: Zwischen dem 
Grödner- und Sellajoch, 2200 m. 

* S. exsectiformis (Brdl.) Steph. L : Am Kreuzfelsen im Fotscher- 

tal, 1250 m (ö./VIIL 1902). 



Beitrag zur Kenntnis der Moosflora von Tirol. 



63 



Plaglochila asplenioldes (L.) Dum. var. htwiilis (Nees) Gottsche. 

I.: Trockener Fichtenwald zwischen Vögelsberg- und Vaz im 

Wattental, 1500 c. fr. 
Mi/Ua Taijlori (Hook.) Gray. I.: Senderstal^ 2000 zwischen 

Vögelsberg' und Vaz, cT; U.: Weg nach Gerlos, 1100 m, c. fr. 
Cqjhalozia hicuspidata (L.) Dum. I.: Stubaier Unterbcrgtal, 1500 

P.: Steigrand zwischen Welsberg und Olang. 
(\ reclusa (Tayl.) Dum. U.: Gerlosklamm, auf Holz, SOO m. 
(\ media (Nees) Ldbg. I.: Felsen bei der Brücke am „Kniebiß" 

in Sellrain, besonders zwischen Dicranodontmm longirostre, 

1530 m. 

Baszania trilobata (L.) Gray. I. : Kematener Wasserfall. 

B. triangidaris (Schi.) Ldbg. I.: An feuchten Felsen ober dem 

Kaserl im Senderstal gegen das Pleisenjoch, 1800 c. per.; 

U. : Gerlosklamm, 800 m; N.: Alpe Malgazza bei Cles. 
B. triangidaris var. implexa (Nees) Ldbg. L : Vennatal am Brenner, 

2300 m (H.). 

Pleuroclada albescens (Hook.) Spr. L: An Wasserläufen ober der 
Almindalpe im Fotschertal, 2400 m; daselbst in Felsritzen 
auch var. Islandica (Nees). 

Lepidozia repfans (L.) Dum. U. : Gerlosklamm, mit folgender, 800 m. 

Blepliarostoma trichophyTlum (L.) Dum. L: Fotschertal und Senders- 
tal, gemein bis 2550 7}^ ; Felsritzen am Hippold (Kalk), 2600 9jl 

Anthelia jidacea (L.) Dum. L : Fotschertal, mehrfach, 2400 — 2600 ni] 
E.: Gipfel des Becher im Ridnauntal, 3170 m. 

A. Juratzhana (Lpr.) Trev. I.: Unter dem Fotscherferner, 2600 )^i; 
N.: Südhang des Babbijoches, 2000 

Iferherta straminea (Dum.) Trev. L: Ober der Almindalpe im 
Fotschertal, 2400 m ; nordöstlich unter dem Schwarzhorn bei 
Kematen, 2250 ni, selten, eine autfallend kurzblättrige Form. 

PtUidiitm ciliare (L.) Hpe. I.: Unter dem Fotscherferner zwischen 
Gestein, 2bb0m. 

P. pidclierrimum (Web.) Hpe. L: Steig von Vögelsberg nach Vaz 
im Wattental, 1500 »i; U.: Gerlosklamm; P.: Steig von Wels- 
berg nach Olang, c. fr. 

Trichocolea tomentella (Ehrh.) Dum. L: Steig von Vögelsberg nach 
Vaz, 1500 m. 



64 



Heinrich v. Handel- Mazzetti. 



Diplophyllum alhicans (L.) Dum. I. : Schattige Felsen im Fotscher- 

tal, 1250 m, auch var. major Nees. 
D. taxifolium (Wahlb.) Dum. I.: Ober der Almindalpe im Fotscher- 

tal^ in Felsritzen eine sehr kleine Form, 2400 m; unter dem 

Mölsersee im Wattental, 2200 m. 
Scapania aspera Bern. I.: Geroldsbachschlucht, an Felsen, 800 

* S'. Helvetica Gotts. I. : In der Bachschlucht unter der Götzenser 

Alpe, 1300 m (l./VIIL 1902). 

* S. paludosa C. Müll. I. : Wie die vorige, beide an feuchtem 

Gestein. 

S. undulata (L.) Dum. I. : Ober dem Kaserl im Senderstal, 1700 
bis 1900 m, unter dem Grüblerferner in Stubai, 2400 m; N.: 
Alpe Malgazza bei Cles, 1400 m. 

S. dentata Dum. I.: Ober dem Kaserl (Senderstal), 1900 m, c. fr. 

S. uliginosa (Sw.) Dum. I.: Fotschertal, mehrfach, auch c. fr. 

* S. rosacea (Corda) Dum. I. : Hinter Freundsberg bei Schwaz am 

Steigrand, d', 700 m (12./IV. 1902). 
Frullania Tamarisci (L.) Dum. I. : Fotschertal, Martartal bei 
Gschnitz, 2300 m, Hanneburger bei Volders, 2600 ^?^; U. : 
Gerlosklamm. 

ÄntJioceros punctatus L. 1. : Auf Gartenerde bei Völs, 680 m, sehr 
selten, c. fr. 

Spliagnales. 

* Spliagnum suhhicolor Hampe. 1. : In einem Waldsumpf des 

Fotschertales, 1500 m (mit vierschichtiger Stengelrinde) 
(5./Vni. 1902). 

S. papiUosum, Ldbg. K.: Torfmoor am Walchsee bei Kufstein, 

reichlich c. fr. (7./VIII. 1901). 
S. Warnstorfii Russ. L: Waldsumpf im Fotschertal, 1500 m; im 

Wald ober Tulfes, 1200 m, c. fr., hier in einer grünen Form. 
^S'. mspidatum Ehrh. K.: Torfmoor am Walchsee. 

Andreaeales. 

Änd/reaea nivalis Hook. L: Bei der Nürnbergerhütte in Stubai, 
2300 m, c. fr. (27./V1I. 1902). 



Beitrag zur Konntnis der Moosflora von Tirol. 



65 



Bryiiles cleistocarpi. 

PhysronütrcUd pafeus (H.) Br. cur. I.: Gartenerde am Bauliof bei 
Völs, 680 m, c. fr. 

Bryales stegocarpi acrocarpi. 

Anoectangmm compactmn Schwgr. I.: An Felsen beim Saigesfall 
in SeHrain in sehr tiefen Rasen, steril, 1050 m. 

Molcndoa Hornschuchiana (Fk.) Ldbg". I. : Im Gerolle vor dem See- 
jocli mehrfach herabg-efallene sterile Stücke; scheint daher in 
den senkrechten Nordwestwänden der Kalkkögel verbreitet 
zu sein (über 2400 m). 

Bicranoweisia crispida (Hdw.) Ldbg., c. fr. I.: Am Nordhang der 
Tarntaler Köpfe in einer habituell der folgenden ganz ähn- 
lichen Form^ 2050 m ; auf dem Hippold auf Kalksubstrat. 

D. compada (Schi.) Schpr., c. fr. L: Unter dem Fotscherferner, 
2550 unter der Lizum im Wattental, 1900 m. 

Eucladium verticillakmi (L.) Br. eur. U.: Tuffeis in der Gerlos- 
klamm ; N. : Nasse Felsen zwischen Preghena und Lanza, c. fr. 

UJiühdoiveisia fugax (H.) Br. eur.^ c. fr. L: Im Fotschertal mehr- 
fach, noch bei 2650 m zwischen dem Ferner und Hochgrafl- 
joch; die f. suhdenticulata Boul. am Haidl ober Axams, 2200 
bis 2300 m, und auch im Fotschertal (mit nur teilweise ge- 
zähnelten Blättern). 

Ii. denticulata (Brid.) Br. eur. I.: Felsen bei der Brücke am 
„Kniebiß" im Sellraintal, selten, 1530 m, c. fr. 

Oreas Martiana (H. et H.) Brid. I.: Unweit des Thorjoches im 
Wattental, 2400 m, c. fr. 

(^ynodontium gracilescens Web. et M., c. fr. I. : Am Haidl ober Axams, 
2200— 2300 m; Gipfel des Hanneburger bei Volders, 2600 m; 
mehrfach im Wattental. 

C. torquescens (Br.) Lpr. I. : Trockene Felsen ober Götzens, äußerst 
spärlich, 1100 m, c. fr. (I./Vm. 1902). 

C. polycarpum (Ehrh.) Schpr. * var. tenellum Schpr. I.: Nordhang 
der Tarn taler Köpfe, 2650 m, c. fr. Die allgemein ver- 
breitete Art geht übrigens häufig in C. strumiferum (Ehrh.) 
De Not. über. 

Z. B. Ges. Bd. LIY. 5 



66 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



Oreoweisia serndata (Fnck.) De Not. I.: In Felsritzen unter dem 
Fotsch erferner und gegen das Hochgrafljoch, 2550 — 2650 m, 
c. fr. 

Dichodontium pellucidum (L.) Schpr., c. fr. L: Am Geroldsbach 
mehrfach, 700 — 1500 m; unter der Lizum, 1100 m. 

D. pellucidum var. fagimontanum Brid. 1. : Am Saigesfall in Sell- 
rain, 1050 m, c. fr. 

D. flavescens (Dicks.) Ldbg. I.: Am letztgenannten Standorte, 
steril (H.). 

Bicranella suhulata (H.) Schpr., c. fr. I.: Im Vennatal am Brenner, 
2000 m (H.); E.: Ober Brennerbad, 1400 m. 

D. squarrosa (Stke.) Schpr. L: In der Götzenser Klamm; an einer 
Waldquelle ober Tulfes, 1200 m, c. fr. 

Bicranum fulvellum (Dicks.) Sm. I. : Im Gerolle nördlich am Schwarz- 
horn, 2500 m, c. fr. 

D. falcatum H. I. : Felsen unter dem Fotscherferner, 2550 m. 

B. undulatum Ehrh. MännHche Pflanzen mit gehäuften Blüten, 
welche daher den Eindruck einer durchwachsenen machen. 
Längslamellen der Rippe nur oben angedeutet. I. : Baumstrunk 
ober dem Kreßbrunnen bei Schwaz, 600 m. 

B. neglectuni Jur. I.: Kraxentrager am Brenner, 2800 m (H.). 

B. congestum Brid. I.: Fotscherferner, Tarntaler Köpfe, Hippold, 
2550 — 2650 m. — Eine der var. flexicaule (Brid.), Br. eur. 
sehr nahestehende Form : E. : Ober der Ziragalpe am Brenner 
auf einem Felsblock, reichlich c. fr., 2000 m. 

B. montanum H. I.: Farbental bei Hall; Vaz Niederleger im Watten- 
tal, 1600 m; D.: Bei Straniska vor Kais, c. fr. 

B. albicans Br. eur. I.: Hippold; N.: Zwischen Felsblöcken östlich 
der Seefeldspitze bei Proveis, 2200 m, c. fr. 

Gampylopus Schimperi Milde. L: Zwischen Fotscherferner und 
Hochgrafljoch, Hippold und Eiskarspitzen im Wattental, 2600 
bis 2650 m. 

Bicranodontium longirostre (Stke.) Schpr. I. : Vomperloch, Watten- 
tal; B.: Zwischen Grödner- und Sellajoch, 2200 m. 

B. aristatum Schpr. U. : An einem Felsen bei Gmünd im Gerlos- 
tale,^1100m. 



Beitrag zur Kenntnis der Moosflora von Tirol. 



67 



Metderia alpina Sclipr. I.: k\\ feiicliten, humösen, aus Carex-kxim 

und Gräsern gebildeten Buckeln hinter der Seealpe im Fotsclier- 

tal, 2050 m, c. fr. (5./VIIL 1902). 
Trematodon amhigmis (H.) Hsch. B.: In einem moorigen Sumpf 

auf der Seiseralpe zwischen Heißböck und Proslin häufig, 

1900 m, c. fr. 

Seligeria Doniana (Sm.) C. Müll., c. fr. L: Feuchte Felsen in der 
Götzenser Klamm (1200 7h) und beim Wattenser Wasserfall, 

Stylostegium caespiticium (Schw.), Br. eur. L: Felsritzen am Hanne- 
burger und Hippold, c. fr. 

Bitrkhum tortile (Schrad.) Ldbg. L: Am Wegrand zwischen Vomp 
bei Schwaz und dem Vomperberg-, 700 m, c. fr. 

D. glmicescens (H.) Hpe. I.: Felsritzen im Martartal bei Gschnitz, 
2300 ni, c. fr. 

Distichium inclinatuni (Ehrh.) Br. eur., c. fr. L: Unter dem See- 
joch; auf der Mölserscharte im Wattental; B.: Unter den Felsen 
der Sellagruppe zwischen Grödner- und Sellajoch, 2100 bis 
2380 on. 

P. laüfolia (Schw.) C. Müll. An zwei untersuchten Früchten aus 
einem 10 Früchte enthaltenden Räschen von M.: Tabaretta- 
wand in Sulden, 2500 m (H.), kann ich keine Spur eines 
Peristoms finden; der Ring derselben ist nur einreihig. 

Didymodon ruhellus (Hoffm.) Br. eur. Eine äußerst kurzblättrige 
Form: I.: Zwischen Fotscherferner und Hochgrafljoch, 2650 m, 
steril. 

D. ruhellus * f. gracilis Lpr. N. : Auf Erde bei der Alpe Malgazza 
nächst Cles, 1400 steril. 

D. cdpigenus Vent. I. : An einem Wasserlauf im Wattental zwischen 
Möls Hoch- und Niederleger, 1800 m, c. fr. (Die Deckelzellen 
in geraden Reihen!) 

D. liiridus Hsch. 1. : Im Straßengraben unter St. Martin bei Schwaz, 
560 m, steril (18./IV. 1902). 

I). tophaceus (Brid.) Jur. M.: Zwischen Gomagoi und Trafoi an 
feuchten Kalkbreccien, 1400 m (H.). 

D. spadiceus (Mitt.) Lpr. I. : Feuchte Felsen am Saig-esfall in Seil- 
rain, 1050 c. fr.; daselbst (6. /VIII. 1902) auch ca. 25 cleisto- 
carpe Früchte, welche durch das Mißverhältnis zwischen der 



68 



Heinrich v. Handel- Mazzetti. 



stark verkürzten, genau kugelförmigen Urne und dem normal 
ausgebildeten (dreimal Urnenlänge !) Deckel einen ganz fremd- 
artigen Eindruck machen. Der Deckel ist nicht ablösbar, 
sondern zerreißt bei allen Abtrennungsversuchen in der Mitte; 
das Peristom hängt ihm in Stücken an, ist aber recht gut 
ausgebildet ! 

B. rufus Lor. I. : Zwischen Fotscherferner und Hochgrafljoch ; unweit 
des Toijoches im Wattental; Wildseespitze am Brenner (H.). 

Tortella inclinata (H. fil.) Lpr. L: Ober der Lizum, 1900 tu ^ c. fr. 

T. inclinata var. densa Lor. I.: An Felsen der Klammerspitze im 
Wattental, 2500 m. 

T. tortuosa (L.) Lpr. In einer schwarzbraunen, habituell an Bi- 
er anum congestiim erinnernden Form. L: Auf Kalk am Hip- 
pold, 2600 m. — Eine zarte grüne Schattenform gegenüber 
der Melanseralpe im Vomperloch. 

T. fragilis (Drumm.) Lpr. L : Hippold und Mölserscharte, 2380 bis 
2600 m. 

Barhula reflexa Brid. L: Am Geroldsbach, 700— 1500 w; U.: Am 

Weg von Zell nach Gerlos. 
B. gracilis (Schi.) Schw. L: Ober dem Pirchanger bei Schwaz, 

900 m, c. fr. 

B. icmadophila Schpr. M.: Bei der Payerhütte am Ortler, 3000 m (H.). 
B. Ucolor (Br. eur.) Ldbg. L : Muttenjoch bei Gschnitz, 2400 m, c. fr. 
B. paludosa Schi. U. : Gerlosklamm, c. fr. 

Besmatodon latifolius (H.), Br. eur. var. hrevicaulis (Brid.) Schpr., 
c. fr. L: Hippold und Eiskarspitzen; M.: Zwischen Sulden 
und der Payerhütte (H.). 

B. latifolius var. muticus Brid. N. : Alpe Malgazza bei Cles, 1400 m, c. fr. 

Tortula mucronifolia Schwgr. L : SüdUch Gschnitz gegen die Hemat- 
kehl, 1600 m, c. fr. 

T. pulvinata (Jur.) Lpr. L: An Roßkastanien hinter dem Löwen- 
bräu gegen Mühlau, 575 9?^; Eschenstamm am Vögelsberg bei 
Wattens, 1000 m. 

T. acipliijUa (Br. eur.) Hartm. L : Bachsand im Martartal bei 
Gschnitz; Mölserscharte im Wattental, c. fr. 

Schistidium gracile (Schleich.) Lpr. I.: Auf einem Stein beim 
Kematener Wasserfall, c. fr. 



Beitrag zur Kenntnis der Moosflora von Tirol. 



69 



S. confertum (Fnck.) Br. eur. L: An einem Felsen ober der Alraind- 

alpe im Fotschertal, 2400 m, c. fr. 
* Grimmia friforniis Car. et De Not. I. — E.: An einem Felsblock 

in der Freigerscharte (Stubai), Schiefer, sehr spärlich, 3050 

c. fr. (27./ VII. 1902). 
(r. Donlana Sm., c. fr. I : Fotschertal; D.: Kalsertal, 1200m. 
(r. apicidata Hornsch. I.: In einer schattigen Felsspalte am Hanne- 

biirger, 2600 c. fr. 
(t. incurva Schwgr. I.: Hanneburger, c. fr. 

^r. sessitana De Not. I.: Im Gerolle herumliegende Stücke unter 
dem Fotscherferner, 2550 m, c. fr. 

(r. suhsulcata Lpr., c. fr. I. : Habichtim Stubaital, 2600 — 3000m; 
Hanneburger, 2600 m. 

(r. ftmalk (Schwgr.) Schpr. I.: Unter dem Fotscherferner; Klammer- 
spitze im Wattental; Hanneburger, c. fr.; Muttenjoch bei 
Gschnitz, c. fr. 

G. torquata Hornsch. I.: Zwischen Fotscherferner und Hochgrafl- 

joch, 2650 m; Schwarzhorn, 2250 m. 
(r. alpestris Schi., c. fr. I.: Muttenjoch bei Gschnitz, auf Steinen, 

2400 m ; zwischen der Landshuterhütte und Wildseespitze am 

Brenner, 2700 m (H.), Vaz Niederleger im Wattental, 1600 m; 

N.: Val Cercena bei Rabbi, 2100 m, eine Form mit auffallend 

großen und dünnwandigen Blattzellen. 
lüiacomitrkmi canescens (Weis) Brid. var. ericoides (Web.) Br. eur. 

U.: Gerlosklamm, 800 m. (Blatthaar fast glatt.) 
Fl. protensum Braun. N.: Alpe Malgazza bei Cles, auf Steinen, 

1400 m, c. fr. 

Amphidium lapponictim (H.) Schpr., c. fr. L: Nordseite des Schwarz- 
liorns, Muttenjoch im Gsclmitztal, Mölsersee im Wattental, 
2200 — 2300 m. — Pflanzen aus Felsritzen an der Nordwest- 
seite des Hanneburger bei Volders, 2600 m, c. fr. (20./IX. 1902), 
haben sehr stark brüchige Blätter, an deren Grunde genau wie 
bei Dlcranodontium longirostre eine Trennungsschicht sehr dünn- 
w^andiger Zellen ausgebildet und die Rippe schwarz gefärbt ist. 

fktlwtrichiim Schuh arthianum Lor. I. : An Felsen zwischen Fotscher- 
ferner und Hochgrafljoch, 2650 m, (5./VIII. 1902). Anthe- 
ridienstiele bis 18 Stockwerke lang. 



70 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



0. stramineum Hornsch. B.: Zwischen Grödner- und Sellajocli, 
2200 m, c. fr. 

0. paiens Bruch. I.: Unter der Melanseralpe im Vomperloch an 

einem Buchenstamm, 900 c. fr. 
0. rupestre Schleich, und 0. Sturmii Hornsch. D.: An Felsblöcken 

vor Kais, c. fr. 

0. Killiasii C. Müll., c. fr. I.: An einem überhängenden Felsen 
nördlich am Schwarzhorn, 2550 m (15./IX. 1902); in einer 
Felshöhlung- der Westseite des Hippold, 2550 m (19./VIII. 
1902). 

Encalypta ciliata (H.) Hffm. var. microstoma (Bals. et De Not.) 
Schpr. I. : Zwischen Fotscherferner und Hochgrafljoch, 2650 w^, 
c. fr. 

E. commutata, Br. germ., c. fr. I.: Hippold und Eiskarspitze, 2600 m, 
Kraxentrager am Brenner, 2900 m (H.); N.: Wegrand vor 
der Alpe Lavac6 bei Lanza, 1600 m, mit vor der Blattspitze 
endender Rippe. 

E. fliahdocarpa Schwgr. var. leptodon (Bruch) Lpr. I. : Klammerspitze 
im Wattental, auf Erde, 2450 m, c. fr. 

Bissodon splaclinoides (Thunbg.) Gr. et Arn. L: Sumpfstelle unter 
dem Mölser See im Wattental, c. fr. 

Tayloria serrata (H.) Br. eur., c. fr. I.: Martartal bei Gschnitz, 
im Wald ober Venna am Brenner, im Wattental gegen das 
Torjoch; P.: Im Wald zwischen Welsberg und Olang, 1100 m. 

T. serrata var. flagellaris (Brid.) Br. eur. I. : Im Fotschertal unweit 
des Baches^ 1500 m, steril. 

T. tenuis (Dicks.) Schpr. I.: An der Quelle vor „Kniebiß" in Seil- 
rain einen großen Stein überziehend, 1500 m, c. fr. 

Tetraplodon angustatus (L. fil.) Br. eur., mit T. mnioides (L. fil.) Br. 
eur. I.: Ober der Almindalpe im Fotschertal, 2400 m, c. fr. 

T. urceolatus, Br. eur., c. fr. I.: Muttenjoch bei Gschnitz; Wildsee- 
spitze am Brenner, in großer Menge (H.): 

Ammöhryum filiforme (Dicks.) Husn. U. : An Steinen in der Gerlos- 
klamm, 800 m. 

Wehera acuminata (H. et H.) Schpr., c. fr. I.: Zwischen Fotscher- 
ferner und Hochgrafljoch; Hippold, in Rasen von Campyloxms 
Schimperi; 2600 — 2650 m. 



Beitrag zur Kenntnis der Moosflora von Tirol. 



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W. polymorpha (H. et H.) Schpr., c. fr. L: Zwischen Fotscherferner 
und HochgTafljocb; M.; Zwischen Sulden und der Payerhiitte, 
2200— 2300 (H.); Felsen am Rabbijoch, 2600 m. 

ir. elongafa (H.) Schwgr., c. fr. I.: An einer Pflanze vom Saig-es- 
fall im SeUraintal ist ein Peristomzahn oben längs gespalten. 

ir. elongata var. macrocarpa (H. et H.) Schpr. 1.: Wegrand bei 
der Angerkapelle zwischen Hall und Volderbad, 750 m, c. fr. 

W. longicolla (Sw\) H. I.: Ober dem „Kaserl" im Senderstal, 1700 m, 
c. fr. (Wimpern vollständig!) 

W. pr öliger a (Ldbg.) Kdbg. L: Fotschertal, 1500m, c. fr.; Bau- 
hof bei Völs; ü. : Am Weg von Zell nach Gerlos, 1100 i^i; 
N.: Wegrand bei Rabbi gegen Val Cercena, c. fr. 

3Iniohryum alhkans (Wahlbg.) Lpr. I.: Feuchte Höhlungen in der 
Götzenser Klamm, 1300 m, c. fr. 

M. albicans var. glaciale (Schi.) Lpr. I.: Große Rasen im Wasser- 
lauf ober der Almindalpe im Fotschertal. 

* Brynm archangelicum Br. cur. L: Auf bloßer Erde an der Klammer- 

spitze im Wattental, 2450 m, c. fr. (20./Vni. 1902). 

* B. confertum Lpr. I. : In Felsritzen an der Nordseite des Hippold 

(Kalk) in Rasen von Mynrella julacea, 2630 ni, völlig steril 
(19./VnL 1902). Die Rasen sind erst ganz am Grunde schwarz, 
sonst rötlich. 

B. capillare L. M.: Um die Payerhütte am Ortler häufig, 2400 
bis 3000 m (H.). 

B. pallens Sw., c. fr. I.: Ober Gattern bei Schwaz; im Gletscher- 
sand unter dem Grüblerferner in Stubai, 2600 tu, eine sehr 
auffallende kleine, durch zahlreiche kleinblättrige Innovationen 
(nicht Schattensprosse!) in der Tracht der vegetativen Teile 
der Wehera gracilis ähnliche Form, die wohl der * var. ah- 
hreviatum Schpr. zuzurechnen ist, aber anliegende Blätter und 
mit der Spitze endende Rippe besitzt; U.: Gratlspitze, 1870 m 
(H.); M.: Gomagoi (H.). 

B. turhinatum H. I. : Ober der Alpe Lizum bei Axams an quelligen 
Stellen, 1900 m. 

B. Schleichen Schwgr. I.: Götzenser Alpe, Vaz Niederleger im 
Wattental; P.: Quelle am Nordhang des Rittjoches im Enne- 
berg, c. fr. 



72 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



Mnium hornum L. I. : Zwischen Bertastollen und Pill bei Schwaz, 

cT; TL: Gerlosklamm, c. fr. 
M. orthorrhyncJium Brid. U. : Gerlosklamm, steril. 
M. serratmn Schrad. I.: Eine Form mit kaum gezähnten Blättern 

am Saigesfall in Sellrain, lObO m, c. fr. 
M. undulatum (L.) Weis. * var. cuspidatum C. Jens. I.: Waldsumpf 

im Fotschertal, 1500 w?, c. fr. 
M. medium Br. eur. I.: Unter Gebüsch an einem Bächlein hinter 

Volderau im Stubaital, 1100 m, c. fr. 
M. affine Bland, var. elatwn (Br. eur. p. p.) Ldbg. I.: Zwischen 

Vögelsberg und Vaz im Wattental, 1500 m, 9 . 
ÄmUyodon dealhatus (Dicks.) P. B. E. : Ober der Ziragalpe am 

Brenner, 2300 m, c. fr. 
Catascopium nigritum (H.) Brid., c. fr. I. : Götzenser Alpe; See- 

jöchl bei Kematen. 
Aulacomnium palustre (L.) Schwgr. var. alpestre Schpr. N. : Sumpf 

ober der Alpe Levi bei Pejo, 2200 m, c. fr. 
A. palustre var. fasciculare (Brid.) Br. eur. I.: Ober der Almind- 
alpe im Fotschertal; Mölserscharte im Wattental; 2400 9>l 

A. palustre var. polycephalum (Brid.) Br. eur. L: Lanser Torfstich ; 

zwischen Trins und Gschnitz (bei dieser Pflanze die Brutkörper 
nicht in Köpfchen, sondern in ganzen Ähren). 
Bartramia pomiformis (L. p. p.) H. I.: Bei Schwaz gegen Las, c. fr. 

B. Halleriana H. f. adpressa Mat. B.: Unter Gestein im Krumm- 

holz zwischen Grödener- und Sellajoch, 2200 m, c. fr. (11. /VII. 
1902). 

Plagiopus Oederi (Gunn.) Lpr. var. condensatus Brid. I.: Zwischen 
Gestein auf der Eiskarspitze im Watten tal^ 2600 m, c. fr., in 
einer sehr typischen, aber hochrasigen (10 cm) Form. 

Conostomum horeale Sw. I. : Im Fotschertal mehrfach, 2400 bis 
2650 m, auch spärlich c. fr. ; M. — N. : Auf dem Rabbijoch mit 
einer Frucht. 

PJiilonotis calcarea (Br. eur.) Schpr. I.: Weg auf die Bettelwurf- 
hütte (H.), auf dem Hippold in Felsritzen in einer zarten Form, 
2600 m; U.: Hinterbärenbad bei Kufstein, c. fr. 

P. seriata (Mitt.) Ldbg. I. : Am Wasserlauf ober der Almindalpe 
im Fotschertal, 2400 m (4./VIII. 1902). 



Beitrag zur Kenntnis der Moosflora von Tirol, 



73 



Cafharinea Hansshnechtn (Jur. et Mde.) Brotli. U.: Gerlosklamm, 
800 m, c. fr. 

(\ angysfafa Brid. I.: Im Wald ober Venna am Brenner, IQOO 7n, 
"steril (H.). 

Polyfrichum sexangidare Flörke. Eine auffallende Pflanze, die ich 
* f. serrulata nennen möchte (Wnclis locker, Blätter im oberen 
Drittel jcderseits mit bis 10 kurzen und stumpfen Zähnen). 
I.: Unter Gestein am Habicht, 2900 steril (l./IX. 1900). 

P. pillferum Schreb. yslx. Hoppei (Hsch.) Rabh. I. — E. : Am Grate 
des Wilden Pfaffen im Stubaital, 3400 m, d". 

Buxhanmia indusiata Brid. P.: Bei Welsberg* gegen Olang, c. fr. 

B'qdiyscimn sessile (Schm.) Ldbg., c. fr. I.: Bei Schwaz gegen Las; 
N.: Alpe Lavac6 bei Lanza, 1600 m. 

Bryales stegocarpi pleiirocarpi. 

MynrcUa jidacea (Vill.) Br. eur. I.: Felsritzen auf dem Hippold, 
2600 w; B.: Zwischen Grödener- und Sellajoch, 2200 m- N. : 
An einem nassen Felsen (Kalkschiefer) im Tal des Mayrbaches 
bei Proveis, 1900 c. fr.! (29./VIII. 1902). 

.1/. jidaceo var. scohrifolia Ldbg. L: An Hornblendefelsen unter 
dem Fotscherferner, 2600 m, steril, $. (Blüten oft zu 10 an 
einer Pflanze.) 

LesJcea nervosa (Schwgr.) Myr. I.: Felshöhlungen am Hippold, 

2550 m ; U.: An einem Ahornstamm in der Gerlosklamm. 
L. catenulata (Brid.) Mitt. L: An Hornblendefelsen unter dem 

Fotscherferner, Eiskarspitze im Wattental; 2600 m; Wolfsklamm 

bei Stans; Ü.: Gerlosklamm. 
Anomodon longifolius (Schieb.) Bruch. L: Kalkfelsen unter St. 

Georgenberg bei Schwaz, 800 m, $. 
Ptericjynandrum filiforme (Timm.) Hdw. var. decijrlens (W. et M.) 

Lpr. B. : Zwischen Grödener- und Sellajoch, 2200 m. 
Lescuraea saxicola (Br. eur.) Mol. L: Martartal bei Gschnitz, 2200 m, 

9, Wattental, 1900- 2200 m, $; N.: Alpe Malgazza bei Cles, 

1400 m, cf. 

Ptychodimn plicaiiim (Schi.) Schpr. L: Ober der Götzenser Alpe 
häufig, 2000 m; Vaz Niederleger (1600 ^n) und Eiskarspitze 
(2600 m) im Wattental. 



74 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



PseudolesJcea atrovirens (Dicks.) Br. eur. var. hrachyclados (Schw.) 

Br. eur. E.: Ziragalpe am Brenner, 1700 -2000 m, auch cf. 
P. ai/rovirens * var. tenella Lpr. I. : Im Martartal bei Grschnitz, 

2300 m. (Ohne Nematodenkolonienl) 
Heterocladium Jieteroptemm (Br.) Br. eur. N. : Alpe Malgazza bei 

Cles, auf Steinen, 1400 m. 
H. squarrostdum (Voit.) Ldbg. I. : Im Wattental mehrfach, bei Vaz 

Niederleger c. fr. ; ober der Spitalsalpe (2200 m) die var. com- 

pacta Mol., 9. 

Thuidium tamariscinum (H.) Br. eur. U.: Felsen in der Gerlos- 
klamm, 800 m, c. fr. 

T. pseudo-tamarisci Lpr. I. : Feuchte Straßenmauer vor Roten- 
brunn im Sellraintal, 900 m, hier in einer durch teilweise nur 
doppelte Fiederung- Th. Philiberti (Phil.) Lpr. sich nähernden 
Form; an einem Zaun zwischen Baumkirchen und dem Farben- 
tal, 580 m. 

T. delicatulum (L.) Mitt. I.: Waldboden vor der Schlucht des 

Geroldsbaches, 700 m, c. fr. 
T. ahietinum (L.) Br. eur. Gipfel des Ampfersteins, 2bb0m- auf 

Bergwerksschutt bei Schwaz Massenvegetation. 
T. ahietinum f. viridis Mat. L: Südhang des „Christen" bei Völs, 

neben dem Typus, 700 m. 
OrtJiotJiecium iA%tricatmn (Hrtm.) Br. eur. I.: Unter der Lizum an 

einem Kalkfelsen, cT (comm. Dr. F. Quelle); E.: Rollspitze 

am Brenner, 2700 m. 
Isofhecium myurum (Poll.) Brid. var. elongatum Br. eur. I.: Felsbloc 

im Wald zwischen Vögelsberg und Vaz im Wattental, 1500 m 
Camptotliecium lutescens (Hds.) Br. eur. var. fcdlax (Phil.) Breidl 

I.: Baumstrunk in der Wolfsklamm bei Schwaz, 750 m. 
Brachytheciuni albicans (Neck.) Br. eur. I.: Im Wattental mehr 

fach ; ober der Spitalsalpe, 2200 m, die var. julaceum Wstf. 
B. glareosum (Br.) Br. eur. var. alpinum De Not. I.: Im Gerolle 

zwischen Ampferstein und Marchreisenspitze, 2500 m ; ein Über- 
gang dazu im Krummholz gegen die Hematkehl im Gschnitz- 

tal, 1800 m. 

B. mtabulMm (L.) Br. eur. I.: Stallental und Wolfsklamm bei 
Schwaz, an Steinen und Baumsti-ünken, c. fr. 



Beitrag' zur Kenntnis der Moosflora von Tirol. 



75 



/). rividare Br. eiir. * var. tmihrosum H. Müll. I.: An nassen Steinen 
ober dem Kreßbriinnen bei Schwaz, c. fr. 

B. (ßaclale Br. eur. I. : Eine durch nicht einseitswendige, nur oben 
gezähnte Blätter, nicht aber in der Tracht an var. Dovrense 
Lpr. erinnernde Form unter dem Fotscherferner, c. fr.; Schvvarz- 
horn, c. fr.; ober der Innsbruckerhütte am Habicht; unter der 
Lizum im Wattental, 1900 

B. pojndetm (H.) Br. eur., c. fr. I.: Wegmauer bei Grinzens, 1000 m 
(mit völlig glatten Seten); mehrfach um Schwaz. 

B. velutimnn (L.) Br. eur. var. infricafum (H.) Br. eur. P.: Steig- 
rand zwischen Welsberg und Olang, 1100?», c. fr. 

Scleropod'mm purum (L.) Lpr. B. : Unter den Felsen der Sellagruppe 
zwischen Grödener- und Sellajoch, 2200 m. 

J'jArliijucltmm sfrlgosum (Hffm.) Br. eur. I.: Um Schwaz mehrfach, 
c. fr. — Pflanzen von der Melanseralpe im Vomperloch bilden 
reichUch sekundäres Protonema aus dem Wurzelfilz. 

E. Tommasinii (Sdtn.) Ruthe. I.: Felsblock im Bach unter der 
Brücke von St. Georgenberg, 820 m. 

E. cirrosum (Schw.) Lpr. var. FuncJcii (Schp.) Mol. I. : Zwischen 
Felsen und Gerolle auf dem Hippold, 2600 m. 

E. eirrosiüH var. Molendoi (Schpr.) Lpr. I. : Martartal bei Gschnitz, 
2200 m. 

Bhynchostegium murale (Neck.) Br. eur. I.: Im Hohlweg zwischen 
Baumkirchen und Fritzens, c. fr., in einer sehr großen, im 
Habitus an Hypmim mpressiforme typ. erinnernden Form. 

Tl. ruscifmine (Neck.) Br. eur. N. : Im Bach bei der Alpe Malgazza 
nächst Cles, 1400 m, auch in einer Hebten, großen, schlaffen 
und reich verzweigten, BrachytJiecium rividare in der Tracht 
ganz ähnlichen Form. 

P. necJceroideum (Hds.) Br. eur. I.: Unter Praxmar im Sellraintal 
in feuchten Gesteinhöhlungen am Standorte des folgenden. 

^ P. snrxtdcntum (Wils.) Ldbg. I. : An Quellen vordem „Kniebiß" 
unter Praxmar, c. fr. und in bis 8 cm tiefen sterilen Rasen, 
1500 m (6./VIIL 1902), determ. Schiffner. 

P. Mnellerianum Schpr. L: In der Schlucht des Geroldsbaches 
sehr selten, 700 m, c. fr. 



76 



Heinrich v. Haiidel-Mazzetti. 



ÄmUystegium fallax (Brid.) Milde. I.: Am Wasserlauf ober der 
Lizum gemein, 1900 ^??. 

Hypnum Halleri Sw. I.: Ober der Spitalsalpe im Wattental in einer 
dunklen, hingestreckten Form, 2200 rn. 

H. chrysophyllum Brid. var. tenellum Schpr. und Übergänge dazu. 
L: Schlucht des Geroldsbaches, an Felsen, 700 m, c. fr. 

H. protemum Brid. I.: Baumstrunk im Farbental bei Hall, 700 m. 

H. vernicosum Ldbg. 1. : Sumpfstellen ober dem „Kaserl" im Senders- 
tal, 1850 m; Sumpfgräben unter Afling, 600 m. 

H. exannulatum (Gtimb.) Br. eur. I.: Wasserläufe im Fotschertal, 
2200 m. 

H. irrigatum Zett. P. : In Quellen der Armentara wiesen im Enne- 
berg, 1700m, in einer reich verzweigten Form; N.: Alpe 
Malgazza, 1400 m. 

//. fastigiatum (Brid.) Hartm. I.: Gerolle zwischen Ampferstein 
und Marchreisenspitze, Kalk, 2500 ui; Eiskarspitze im Watten- 
tal, an Kalkschieferfelsen, 2600 m. 

//. Bambergen Schpr. I.: Felsen am Hippold, 2600 m; Landshuter- 
htitte — Wildseespitze am Brenner, 2700 m, (H.); E: Htihner- 
spiel — Rollspitze, 2800 m. 

H. hamulosum Br. eur. I.: Feuchte Felsen nördlich am Schwarz- 
horn, 2550 m, 9; Wattental unter der Lizum, 1900 ^^i; Martar- 
tal bei Gschnitz, 2300 m. 

II. palusfre Hds. var. sul)sp)haericarpon De Not., c. fr. L: Im Senders- 
bach; im Bach zwischen Steinach und Trins. 

//. dilatatum (Wils.) Schpr. 1. : Wasserriß unter Grünerlen zwischen 
Vögelsberg und Vaz im Wattental, 1500 m, sehr schön c. fr. 

//. giganteum Schpr. I.: In einem schnellfließenden Wiesenbach 
zwischen dem Seekirchl und Mösern bei Seefeld, 1200 
Kalk, in einer riesigen flutenden Form, gewiß identisch mit 
der von Matouschek (D. bryol. Nachlaßherbar d. Fr. Stolz, 
S. 179) erwähnten (var. fluitans Klggr.?) 

//. sarmentosum Wahlbg. I.: Unter dem Fotscherferner, 2550 m, 
; eine sehr laxe Wasserform (var. fluitans Lpr.?) unter dem 
Mölsersee im Wattental, 2200 m. 

Hylocomium splendens (H.) Br. eur. var. alpinmn Schlieph. L: Gipfel 
der Klammerspitze im Wattental, 2b\0m (20./VIII. 1902). 



Beitrag zur Kenntnis der Moosflora von Tirol. 



77 



Übergänge dazu: I.: Ober der Alniindalpe im Fotschertal, 
*2400 ))i (Spitzclien gerade, ziemlich kurz, Traclit intermediär); 
Eiskarspitze im Wattental, 2600 ni. 

II. foiibratum (Ehrh.) Br. eur. E.: Wald unter der Ziragalpe am 
Brenner, 1700 c. fr. 

//. pijroiakmi (Spr.) Ldb. L: Ober dem „Kaserl" im Senderstal 
gegen das rieisenjoch, 1700 ni. 

IL lareum (L.) Br. eur. I.: Hinter Freundsberg bei Schwaz. 

JI. rugosHDi (Ehrh.) De Not. var. boreale Lge. I.: Grat der Klammer- 
spitze, 2540 m. Übergänge dazu zwischen Fotscherferner und 
Hochgrafljoch, 2650 m. 



Zum Nestbau der Vespa germanica. 

Von 

Ernst Pechlaner 

in Innsbruck. 
(Eingelaufen am 10. November 1903.) 

Da man in der Literatur verhältnismäßig nur selten Mit- 
teilungen über Wespennestanlagen findet^ so ist es vielleicht nicht 
uninteressant, einige Notizen über einen solchen Bau der Vespa 
germanica festzuhalten. 

Das Nest, welches am 12. September 1903 ausgegraben wurde, 
befand sich unter der Rasenfläche eines Obstgartens, welcher selbst 
wieder von größeren Obstgärten begrenzt war, im sogenannten 
Bruckfeld, einer Terrainwelle ober der Innstraße im nördlichen 
Stadtteile von Innsbruck. Von Nordw^est nach Südost zog sich ein 
Gemüsebeetstreifen, von dem das Nest 10 cm entfernt unter der 
Erde verborgen war. Das Gemüseland sowohl als auch besonders 
eine in demselben unweit des Baues befindliche Gruppe von Bohnen, 
an hohen Stangen gezogen, mögen den Tieren in hohem Maße zur 
Orientierung gedient haben. Da der eigentliche Wetterwind der 
Gegend gewöhnlich von Westen einsetzt, so verdient hervorgehoben 
zu werden, daß das Flugloch nach Osten geöffnet war. Es war 



78 



Ernst Pechhmer. 



zwischen den Gräsern verborgen und führte in den Gang, der eine 
Länge von 52 cm hatte. Vom Flugloche führte derselbe sanft ab- 
wärts bis auf eine Entfernung von 12 cm von der Oberfläche. All- 
mählich verringerte sich dieser Abstand bis auf 6 cm, um dann als- 
bald ziemlich rasch wieder auf eine Tiefe von 17 cm zu fallen, 
wo er in den Nesteingang mündete. Durch diese Anlage des 
Ganges wird erreicht, daß das einfließende Regenwasser in der 
ersten Ein Senkung versickert und dem Neste nicht zu nahe kommt. 

Das ungefähr kopfgroße Nest war unten breiter als oben, 
hatte zum Teil eine gewundene Oberfläche, da es sich den größeren 
Steinen anschmiegte, während jedoch kleinere als Baubestandteile 
in die Hülle aufgenommen waren. Auch die herabhängenden Gras- 
Avurzeln waren mit der Hülle fest verbunden. Mit dem Erdreiche 
kam das Nest nirgends in Berührung, es war vielmehr durch eine 
2 cm starke Luftschichte von demselben getrennt, welche nur von 
stehen gebliebenen haselnuß- bis eigroßen Steinen durchbroclien 
war, die als Stützen dienten. Mit der Basis ruhte das Nest auf 
einer Handvoll durchaus von Erde befreiter Steinchen. 

An dem dem Ausgraben vorhergegangenen Tage wurde 
einige Zeit nach Sonnenuntergang Chloroform in das Flugloch ge- 
gossen, wodurch die eben anwesenden Tiere am Ausfliegen ver- 
hindert wurden und die zurückkehrenden schon am Flugloch von 
der Betäubung erfaßt wurden. Von Zeit zu Zeit wurden geringe 
Mengen von Chloroform nachgegossen und die in der Nähe nieder- 
fallenden Wespen zusammengelesen. Am folgenden Tage versuchten 
immer noch einige in das Nest zu gelangen. Nun wurde behutsam 
die Erde abgegraben und da zeigte sich der Kanal seiner ganzen 
Länge nach sowie der untere Teil der Luftschichte mit toten 
Wespen erfüllt. Noch mehr jedoch fanden sich beim Offnen des 
Nestes im Innern der Hülle, an ihrem Boden sowohl wie in den 
grubigen Vertiefungen der Wand, und auch in den leeren Zellen. 
Ob sich das verdampfende Chloroform bis hierher in das Innere 
gezogen oder ob diese Tiere infolge Verstopfung des Kanals mit 
Leichen und des daraus folgenden Sauerstoffmangels den Erstickungs- 
tod gefunden, Heß sich nicht entscheiden. Es fanden sich sieben 
Waben, die mit Maden und Puppen jeglicher EntwicklungsstufeJ 
erfüllt waren. ' 



Zum Nestbau der Vespa germanica. 



79 



Gezählt wurden: 32 Königinnen, 

151 Männchen, 
1165 Arbeiterinnen, 

12 Wespen als verflogen angenommen, 

zusammen . . . 1360. 

Das Gewicht von 970 welches das Nest vor dem Öffnen 
hatte, wird wohl hauptsächlich auf Rechnung der saftreichen Maden 
und Puppen zu setzen sein. 

Unter den Wespen, die nach der Entfernung des Nestes teils 
auf der steinigen Unterlage, teils auf Erde lagen, befanden sich 
neben zahlreichen kleinen Maden unbekannter Zugehörigkeit auch 
zwei Fliegen, welche nach der Bestimmung des Herrn J. Bischof 
im k. k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien Sargus eiiprarius und 
die seltene Pegomyia inanis Fll. waren. Dürfte die erstere, die 
nur einen Flügel hatte, wohl nur zufällig hineingeraten sein, so 
wird die letztere, nach erhaltener Mitteilung, schon von Boheman 
und Henslow als in Wespennestern lebend angegeben. 



Beitrag' zur Kenntnis der Muscaria 
schizometopa. 

Von 

Josef Bischof. 

(Eingelaufen am 12. Jänner 1904.) 



Anacamptomyia nov. gen. 

d", 9- Unterrand des Kopfes kurz, gerade. Stirne wenig vor- 
stehend, beim cT und 9 breit, fast von Augenbreite (am Scheitel 
gemessen). Ozellenborsten fehlend. Stirne beim und 9 doppel- 
reihig beborstet (beim 9 die Orbitalborsten eine dritte Reihe bildend). 
Die letzten drei der inneren und vier der äußeren Reihe (gegen 
den Scheitel zu) zurückgebogen. Stirnborstenreihe bis zur Wurzel 
der Fiihlerborste herabsteigend, cf ohne, 9 mit zwei Orbitalborsten. 



80 



Josef Bischof. 



cf und 9 mit zwei Scheitelb orsten jederseits, von denen die inneren 
stark, aufrecht nach rückwärts gebogen, die äußeren dagegen eben- 
falls stark, aber nach auswärts gedreht sind, und 9 mit zwei 
kleinen, aufrechten^ parallelen Postvertikalborsten. Augen dicht 
behaart. Wangen äußerst schmal, unten fast linear^ nackt. Backen 
sehr schmal, fast linear. Mundrand nicht vortretend. Vibrissen- 
ecken am Mundrande, nicht konvergent. Vibrissen stark, gekreuzt. 
Mundborsten hoch aufsteigend, bis zur Wurzel der Fühlerborstc 
reichend, stark. Fühler ober der Augenmitte. Erstes und zweites 
Fühlerglied kurz^ drittes lang, leisten förmig, fünfmal so lang als 
das zweite. Fühler kürzer als das Untergesicht. Fühlerborste 
nackt, bis zur Mitte verdickt. Zweites Glied kurz. Rüssel normal, 
Taster entwickelt, gegen das Ende zu plötzlich verdickt, beim 9 
stärker als beim d^. 

Thorax breiter als lang. Beborstung desselben: Hinter der 
Quernaht 3 innere und 4 äußere Dorsozentralborsten, 3 Intraalar- 
und 3 Supraalarborsten, ferner 3 Postcalarborsten. Von der Quer- 
naht 3 innere und 3 äußere Dorsozentralborsten, 1 Intraalarborste, 

1 Präsuturalborste, die tiefer steht als die letzte Posthumeralborste, 

2 Posthumerai- und 3 Humeralborsten. Sternopleuralborsten in der 
Stellung 1,1, Hypopleuralborsten vorhanden. 

Schildchen halbkreisförmig. Apikale Schildchenborsten vor- 
handen, stark, gekreuzt, aufrecht, nach vorne zurückgebogen. Jeder- 
seits drei lange, starke Marginalmakrochaeten. Außerdem noch 
zwei discale Borsten. 

Hinterleib eiförmig. Erster und zweiter Ring mit je zwei 
marginalen und einer lateralen Makrochaete, dritter Ring am ganzen 
Hinterrande mit Borsten, vierter Ring mit Discal- und Marginal- 
makrochaeten. Die discalen Makrochaeten bilden eine Reihe parallel 
zum Hinterrande. 

Beine kurz, zart. Klauen beim und $ kurz. Hinterschienen 
lang gekämmt. Vorder tarsen des 9 nicht erweitert. 

Flügel länger als das Abdomen, Randdorn fehlend. Erste 
Längsader hinter der kleinen Querader in die Randader mündend. 
Erste Hinterrandzelle ziemlich weit vor der Spitze in den Vorder- 
rand mündend, offen. Beugung winkelig, Spitzenquerader konkav. 



Beitrag zur Kenntnis der Muscaria schizometopa. 



81 



Hintere Qiierader näher der Beugung' als der kleinen Querader. 
Abstand der hinteren Querader von der kleinen zweimal so groß 
als der von der Beugung. Dritte Längsader nur am Grunde mit 
1 — 2 Borsten. Alle Adern nackt. Die Schüppchen sind von nor- 
maler Größe. 

Diese Gattung gehört in die Sektion Phorocera und unter- 
scheidet sich dort von Ctenopliorocera durch das Fehlen der Orbital- 
borsten, das stark zurückweichende Untergesicht, die kurzen Klauen 
beim d", durch die nur einreihig aufsteigenden Vibrissen und durch 
die beim breite Stirne. Von Paradoria durch die starken, 
zurückgebogenen Schildchenborsten, durch die Makrochaeten am 
ersten Ringe, durch die in beiden Geschlechtern sehr breite Stirne, 
durch die konkave Spitzenquerader, durch die Stellung der hinteren 
Querader und durch die vollständig nackte Fühlerborste, die bei 
Paradoria pubeszent ist. 

A. africana nov. spec. Grau bestäubte, am Hinterleib rote 
Art. Stirnstrieme gelb. Stirnseiten und Ozellendreieck gelb be- 
stäubt. Untergesicht silberweiß. Fühler gelb, nur das dritte Fühler- 
glied vorne gegen die Spitze zu manchmal mit einem braunen 
Wische. Lunula gelb. Taster gelb, Rüssel lichtbraun mit gelben 
Labellen. Thorax gelbgrau bestäubt mit vier an der Quernaht 
unterbrochenen, schmalen schwarzen Striemen. 

Brustseiten grau. Schildchen gelb, gelblich bestäubt. Hinter- 
leib beim und $ an den Seiten des 1. — 4. Ringes rot. In der 
Mitte eine schwarze Rückenstrieme. Vierter Ring gelb mit schwarzer 
Rückenstrieme an der Basalhälfte. Hinterleibsende rot. Man könnte 
auch sagen: Hinterleib rot mit schwarzer Rückenstrieme. Der 
ganze Hinterleib mit dichter gelblichgrauer Bestäubung, so daß 
die schwarze Rückenstrieme dadurch undeutlich wird. Beine gelb. 
Flügel hyalin, an der äußersten Basis gelb. Schüppchen schmutzig- 
weiß; Halteren gelb. 

Größe 7-8 mm, Flügellänge 6 mm. 

Vaterland: Kapland, Algoa-Bay. Die Art wurde von Dr. Brauns 
aus Polistes-^ estern gezogen. 

Die Typen befinden sich im k. k. naturhistorischen Hof- 
museum in Wien. 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 6 



82 



Josef Bischof. 



Antistasea nov. gen. 

cT. Unterrand des Kopfes kurz, abgerundet. Aug-en nackt, 
durch die breite Stirne getrennt. Stirne vortretend. Stirnborsten 
bis zur Spitze des zweiten Fühlergliedes herabsteigend. Die drei 
oberen (gegen den Scheitel zu) stark, nach rückwärts gebogen; 
jederseits am Scheitel eine nicht sehr starke, nach rückwärts ge- 
drehte Borste. Scheitel von halber Augenbreite. Ozellarborsten 
deutlich, stark, vorwärts gerichtet. Wangen schmal, nackt. Backen 
schmal, behaart, am Unterrand mit einer Reihe längerer Borsten. 
Mundrand nicht vorgezogen. Vibrissenecken neben dem Mundrande, 
den Clypeus nicht verengend. Vibrissen stark, gekreuzt. Mund- 
borsten aufsteigend. Fühler vorgestreckt. Erstes Glied kurz, zweites 
etwas verlängert, drittes ungefähr 2^/2 mal so lang als das zweite, 
leistenförmig, schmal, an der Spitze abgestutzt, nicht abgerundet. 
Borste etwas pubeszent (bei 20facher Vergrößerung deutlich sicht- 
bar), zweites Glied deutlich, nicht verlängert, drittes Glied fast 
bis zur Mitte verdickt. Rüssel normal. Taster zylindrisch. 

Thorax so lang als breit. Beborstung: Hinter der Quernaht 
3 innere und 3 äußere Dorsozentralborsten, 3 Intraalar- und 2 Supra- 
alarborsten. Vor der Quernaht 3 innere und 3 äußere Dorsozentral- 
borsten, 1 Intraalarborste, Präsuturalborste, die tiefer steht als die 
letzte Posthumeralborste, 2 Posthumeralborsten, 3 Humeralborsten. 
Sternopleuralborsten 2, 1 (1, 1, 1), Hypopleuralborstenreihe. 

Schildchen fast so lang als breit. Apikale Schildchenborsten 
aufrecht, parallel, zurtickgebogen. Bei einem Stücke neigen sie sich 
wenig gegeneinander, sind jedoch nicht gekreuzt. Jederseits noch 
zwei lange, starke Randborsten. 

Hinterleib oval, gewölbt. Erster Hinterleibsring mit marginalen, 
2. — 4. Ring mit diskalen und marginalen Makrochaeten. 

Flügel mit kleinem, feinem Randdorn. Erste Längsader wenig 
außerhalb der kleinen Querader mündend. Erste Hinterrandzell 
am Vorderrand des Flügels mündend, offen. Beugung schwach 
V-förmig, ohne Aderanhang und Faltenzinke. Spitzenquerader nach 
außen wenig konkav. Hintere Querader S-förmig geschwungen 
etwas näher der Beugung als der kleinen Querader. Dritte Längs 
ader nur am Grunde beborstet. Schüppchen normal. 



Beitrag zur Kenntnis der Muscaria schisometopa. 



83 



Beine zart, kurz. Klauen und Pulvillen beim verlängert. 
I linterschienen g*ekämmt. 

Genitalien klein, verborgen. 

Diese Gattung- gehört in die Gruppe Blepliaripoda und trennt 
sich dort von Metadoria durch die nackten Augen und die deut- 
lichen Ozellenborsten. Von den anderen verwandten Gattungen 
trennt sich diese Gattung durch die parallelen Schildchenborsten. 
i^Vide Sectio Masicera und Sectio Phorocera, B. B., III.) 

A. ßmbriata nov. spec. Stirnstrieme schwarz. Ozellendreieck 
und Stirnplatten dicht gelbgrau bestäubt. Untergesicht und Wangen 
weiß mit schwarzen Keflexen. Backen schwarz, leicht grau be- 
stäubt. Fühler schwarzbraun. Taster und Rüssel schwarz. Rücken- 
schild und Schildchen schwarz, schwach grau bereift; ersterer 
mit vier nicht sehr deutlichen Längsstriemen. Brustseiten grau 
bestäubt. Hinterleib schwarz, am Vorderrand der Ringe weiß be- 
stäubt. Diese Binden schwarz schillernd. Beine schwarz. Flügel 
hyalin, an der Basis nicht gelblich. Schüppchen schmutzig gelb- 
weiß. Halteren dunkel. 

Größe 7*2 mm, Flügellänge 5-6 mm. 

Vaterland: Kapland, Algoa-Bay. Von Dr. Brauns am 11. /XI. 
1895 gefangen. 

l^arachetolyga nov, gen. 

9. Unt7errand des Kopfes gerade, kurz. Augen behaart. 
Fühler etwas über der Augenmitte. Erstes Fühlerglied kurz, zweites 
verlängert, drittes ungefähr zweimal so lang als das zweite. Fühler- 
borste nackt, bis zur Mitte verdickt, dann fein, geißeiförmig. 
Zweites Borstenglied kurz, aber deutlich. Stirne vortretend und 
mit zwei Platten (vergrößerten Orbitalplatten), die in der Mitte 
zusammenstoßen. Auf diesen silberglänzenden Platten stehen keine 
Stirnborsten. Die Platten reichen vom Scheitel, wo ein kleines 
Dreieck für den Ozellenhöcker frei bleibt, bis zur Lunula. Am 
Außenrande stehen zwei Orbitalborsten jederseits und eine Scheitel- 
borste. Stirnborsten am vorderen Ende der Platte beginnend und 
bis zum Ende des zweiten Fühlergliedes reichend. Ozellarborsten 
fehlend^ Ozellenhöcker gleichmäßig behaart. Wangen fein behaart. 

6* 



84 



Josef Bischof. 



Backen schmal, am Unterrande mit einer langen Borstenreihe, 
sonst fein behaart. Vibrissen stark, gekreuzt. Mundborsten nicht 
aufsteigend. Vibrissenecken am Mundrande, nicht konvergent. 
Mundrand nicht vortretend. Taster gegen die Spitze allmählich 
verdickt, deutlich, groß. Rüssel von gewöhnlicher Bildung. 

Thorax wenig länger als breit. Beborstung hinter der Quer- 
naht: 3 innere und 4 äußere Dorsozentralborsten, 3 Intraalarborsten, 
3 Supraalarborsten. Vor der Quernaht 3 — 4 innere und 4—3 äußere 
Dorsozentralborsten, 1 Intraalarborste, Präsuturalborste vorhanden, 
2 Posthum eralborsten, von denen die letzte höher steht als die 
Präsuturalborste, 4 Humeralborsten. 2 Notopleuralborsten, Sterno- 
pleuralborsten 1, 1, Hypopleuralborstenreihe vorhanden. 

Schildchen halbrund, auf der Scheibe nur behaart, am Rande 
mit starken Borsten, auf jeder Seite drei. Apikale Borsten gekreuzt, 
schief nach oben und hinten gerichtet. 

Schüppchen normal. Flügel ohne Randdorn. Erste Längs- 
ader jenseits der kleinen Querader mündend, das ist gegen die 
Flügelspitze zu. Dritte Längsader gegen die Randader geschwungen, 
daher die erste Hinterrandzelle erweitert, vor der Spitze mündend. 
Erste Hinterrandzelle offen. Beugung winkelig, ohne Aderanhang. 
Spitzenquerader nach außen konkav. Hintere Querader näher der 
Beugung als der kleinen Querader, schwach S-förmig geschwungen. 
Dritte Längsader nur am Grunde bedornt. 

Hinterleib eiförmig. Makrochaeten am ersten und zweiten 
Ringe fehlend, am dritten total marginal, am vierten diskal und 
marginal. 

Beine kräftig. Hinterschienen dicht gewimpert, in der Mitte 
mit einer längeren Borste. 

Diese Gattung trennt sich von Chetolyga durch die breiten 
Orbitalplatten und fehlende Stirnborstenreihe. 

P. metopia nov. spec. Stirne metallisch, silberglänzend. 
Scheitel schwarz, schwarz behaart. Hinterkopf rötlich behaart. 
Wangen und Clypeus goldgelb. Backen grau. Behaarung schwarz. 
Erstes und zweites Fühlerglied am Vorderrande schwarz, unten 
rotgelb, drittes Glied schwarzbraun. Borsten schwarzbraun. Taster 
gelb, schwarz beborstet, Rüssel schwarzbraun. Augenhinterrand 



Beitrag- zur Kenntnis der Muscaria schisometopa. 



85 



silberweiß, sehr schmal. Riickciischild schwarz, grau bestäubt^ mit 
vier breiten schwarzen Rückenstriemen, die paarweise gegen das 
Schildchen zu verschmelzen. Schildchen rotbraun. 

Hinterleib schwarz, weiß bestäubt, so daß nur der Hinterrand 
der Ringe und eine schmale RUckenstrieme frei bleiben, schwarz 
schillernd. Vierter Ring auf der hinteren Hälfte rot. Beine schwarz. 

Flügel wenig getrübt, am Vorderrande gelbbraun tingiert. 
Diese Färbung tritt besonders in der Randzelle intensiv auf. 
Unterrandzelle getrübt, ebenso die beiden Basal- und die Anal- 
zelle. V^on der vorderen Basalzelle tritt eine faltenartige Trübung^ 
bis zur Einmündung der hinteren Querader in die vierte Längs- 
ader, in die erste Hinterrandzelle. Schüppchen schmutzigweiß mit 
gelben Rändern. Schwinger gelb. 

Größe 12'8 mm, Flügellänge 8'7 mm. 

Vaterland: Rio Grande do Sul. Von Herrn Stiegelmayr 
gesammelt. 

Polychnomyia nov. gen. 

d". Unterrand des Kopfes kurz. Stirne vortretend. Augen 
nackt, durch die breite Stirne getrennt. Stirnborsten bis zur Spitze 
des zweiten Fühlergliedes herabsteigend. Nur die oberste Stirn- 
borste zurückgebogen. Orbitalborsten fehlend. Ozellarborsten vor- 
handen, vorwärts geneigt, parallel, schwach. Scheitelborsten mäßig 
lang, rückwärts geneigt. Postvertikalborsten klein, aufrecht, parallel. 
Wangen nackt. Backen schmal (^4 der Augenhöhe), fein beborstet. 
Unterrand mit langen Borsten. Mundrand nicht vortretend. Vibrissen- 
ecken etwas über dem Mundrande, nicht konvergent. Vibrissen 
stark, gekreuzt. Mundborsten aufsteigend. Fühler oberhalb der 
Mitte der Augen (im Profile), kürzer als das Untergesicht. Erstes 
Glied kurz, zweites wenig verlängert, drittes dreimal so lang als 
das zweite. Drittes Fühlerglied schmal, leistenförmig, unten ab- 
gerundet. Ftihlerborste nackt, bei 20facher Vergrößerung schwach 
pubeszent. Zweites Glied kurz. Fühlerborste im Basaldrittel ver- 
dickt. Rüssel normal. Taster entwickelt, gegen die Spitze zu 
verdickt, mehr weniger keulenförmig. 

Thorax so lang als breit. Beborstung: Hinter der Quernaht 
3 innere und 4 äußere Dorsozentralborsten, 3 Intraalar- und 3 Supra- 



86 



Josef Bischof. 



alarborsten. Vor der Queraalit 3 innere und 3 äußere Dorsozentral- 
borsten, 1 Intraalarborste, Präsuturalborste, die tiefer steht als die 
letzte Posthumeralborste, 2 Posthumeralborsten, 3 Humeralborsten. 
Notopleuralborsten 2, Sternopleuralborsten 2, 2, Hypopleuralborsten- 
reihe vorhanden. 

Schildchen so lang als breit. Apikale Schildchenborsten ge- 
kreuzt, nach hinten geneigt. Jederseits drei sehr lange Marginal- 
makrochaeten. Außerdem sind am Schildchen noch ein Paar Diskal- 
makrochaeten vorhanden. 

Hinterleib oval. Erster und zweiter Ring ohne Makrochaeten, 
dritter mit Marginalmakrochaeten, ebenso der vierte. Genitalien klein, 
verborgen. 

Flügel ohne Randdorn. Hilfsader gegenüber der kleinen Quer- 
ader mündend. Dritte Längsader nur am Grunde bedornt. Beugung- 
winkelig, schwach abgerundet an der Beugungsstelle. Spitzenquer- 
ader nach außen konkav. Hintere Querader schwach geschwungen, 
näher der kleinen als der Beugung. Erste Hinterrandzelle nicht sehr 
weit vor der Spitze des Flügels offen mündend. Schüppchen normal. 

Beine nicht sehr kräftig. Klauen und Pulvillen klein. Hinter- 
schienen dicht gewimpert. 

Diese Gattung trennt sich von Podomyia durch das Fehlen 
von Diskalmakrochaeten am zweiten Ringe, welche bei Podomyia 
deutlich vorhanden sind, und dadurch, daß nur eine Stirnborste 
zurückgebogen ist. Ferner sind die Backen etwas breiter als bei 
Podomyia und die apikalen Schildchenborsten stark entwickelt. 

P. ßavohalterata nov. spec. Stirnstrieme schwarzbraun. 
Scheitel schwarz. Stirne und Untergesicht silberglänzend, ebenso 
Backen und hinterer Augenrand, mit schwarzen Reflexen. Thorax 
schwarz, grau bestäubt, mit vier schwarzen Längsstriemen, die 
äußeren breiter. Alle Längsstriemen gehen bis zum Schildchen, 
paarweise hinter der Quernaht vereinigt. Schildchen rotgelb. Hinter- 
leib schwarz, am zweiten und teilweise am dritten Ringe an den 
Seiten rotgelb, mit weißen Schillerbinden, so daß nur der Hinter- 
rand der Ringe frei bleibt. 

Beine schwarz. Flügel glashell mit braunen Adern. Schüppchen 
weiß. Halteren gelb. 



Beitrag zur Kenntnis der Muscaria schizometopa. 



87 



Größe 10 m>;/, Fliiii*elläii^e S'l mm. 

Vaterland: Kapland, Algoa-Bay. Von Herrn Dr. Brauns am 
6./1II. 1S96 gesammelt. 

JE^npheremyia noT. gen. 

o. ünterrand des Kopfes gerade, lang. Mundrand vorgezogen. 
Augen nackt, durch die breite Stirne getrennt. Fühler über der 
Augenmitte. Erstes Glied kurz, zweites verlängert, drittes wenig 
länger als das zweite, am Ende abgerundet. Borste lang, bis gegen 
die Mitte verdickt. Zweites Glied deutlich, drittes pubeszent. Stirne 
vortretend. Stirnborsten bis zur Mitte des zweiten Fühlergliedes 
herabsteigend. Die beiden letzten (gegen den Scheitel zu) stark, 
nach rückwärts gebogen. Jederseits zwei starke, nach vorwärts 
gekrümmte Orbitalborsteu. Jederseits zwei Scheitelborsten, von denen 
die innere nach rückwärts gebogen ist, während die äußere nach 
rückwärts auswärts gerichtet ist. Ozellarborsten vorhanden, nach 
vorne gebog-en. Wangen normal, fein behaart, ohne längere Borsten 
am unteren Augenrande. Backen breit, fein behaart, unten mit 
einer Reihe langer Borsten. Vibrissenecken über dem stark vor- 
gezogenen Mundrand nicht konvergent. Vibrissen stark gekreuzt. 
Mundborsten nicht aufsteigend. Rüssel normal, mit kleinen Labellen. 
Taster rudimentär. 

Thorax so lang als breit. Beborstung: Hinter der Quernaht 
3 innere und 3 äußere Dorsozentralborsten, 3 Intraalar- und 3 Supra- 
alarborsten. Vor der Queruaht drei innere und vier äußere Dorso- 
zentralborsten 1 Intraalarborste, 1 Präsuturalborste, die tiefer steht 
als die letzte Posthumeralborste, 2 Posthumeralborsten, 6 Humeral- 
borsten. Sternopleuralborsten 2, 1 , 1 Hypopleuralborstenreihe, 2Noto- 
pleuralborsten. 

Schildchen halbrund. Apikale Schildchenborsten klein, nach 
hinten geneigt, gekreuzt. Jederseits noch drei lange, starke Mar- 
ginalmakrochaeten, von denen die mittleren (zweiten) die kürzesten 
sind. Die ersten (von den Apikaiborsten an gerechnet) reichen bis 
zum Ende des zweiten Hinterleibsringes. 

Hinterleib oval, stark gewölbt. Erster Ring sagittal, ohne 
Makrochaeten, zweiter Ring nur mit zwei Marginalmakrochaeten, 
dritter total marginal, vierter diskal und marginal beborstet. 



88 



Josef Bischof. 



Flügel ohne Randdorn, erste Längsader außerhalb der kleinen 
Querader mündend. Erste Hinterrandzelle am Vorderrand des Flügels 
mündend, offen. Beugung V-förmig, mit Aderanhang und Falten- 
zinke. Dritte Längsader nur am Grunde bedornt. Schüppchen groß. 

Beine stark, robust. Klauen und Pulvillen verlängert. Hinter- 
schienen ungleichborstig. 

GenitaUen klein, vorgestreckt. 

Diese Gattung trennt sich von Cupliocera durch das Fehlen 
der langen Wangenborsten und durch die deutlichen Ozellenborsten, 
von Gymnomma v. d. Wlp. durch das kürzere dritte Fühlerglied, 
die Makrochaeten am zweiten und dritten Hinterleibsringe und durch 
die auch beim cT vorhandenen Orbitalborsten. 

In diese Gattung gehört auch Micropalpus Leopoldensis Bigot, 
vide Brauer, Sitzungsber. der kais. Akad. d. Wissensch, in Wien, 
1897, S. 369. 

E. atra nov. spec. Stirnstrieme gelbbraun, gegen das Ozellen- 
dreieck verdunkelt. Stirne goldgelb bestäubt; Scheitel grau. Ozellen- 
dreieck grau. Wangen, Backen und Clypeus gelblichweiß. Fühler: 
Erstes Ghed schwarz, am Ende rot, zweites ebenso gefärbt, beide 
weißlich bestäubt; drittes schwarzbraun, an der äußersten Basis 
rotgelb. Fühlerborste braun. Die Behaarung der Wangen, Backen 
und des Hinterhauptes gelb, sonst schwarz. 

Thorax und Schildchen goldgelb bestäubt. Am Thorax vier 
schwarze Längsstriemen, die mittleren fein, schmal, die äußeren 
breit und in Flecke aufgelöst. Brustseiten schwarz mit leichter 
goldgelber Bestäubung. 

Hinterleib schwarz, metalhsch, blau glänzend. Vierter Ring an 
der rückwärtigen Hälfte gelblichweiß bestäubt, schillernd. Genitalien 
schwarz, schwarz behaart. Behaarung des Hinterleibes schwarz. 

Beine schwarz, Schenkel an der Beugeseite graugelb bestäubt, 
ebenso die Vorderschienen. Pulvillen gelbbraun. 

Flügel braun getrübt, am Vorderrande wenig dunkler. Schüpp- 
chen schmutzigweiß. Schwinger braun. 

Größe S'ß mm, Flügellänge l'Smm. 

Vaterland: Rio Grande do Sul. Von Herrn Stiegelmayr 
gesammelt. 



Beitrag zur Kenntnis der Muscaria schisometopa. 



89 



Die mit bipartitiis rerwandteii Arten der Griittuiig 

Epalpiis, 

Die Ejjalj) US -Arten der Gruppe hipartifiis v. d. Wlp. sind 
schwer zu unterscheiden. Die Farbe gibt nur wenige Unter- 
scheidungsmerkmale ab. Gute Merkmale scheinen mir dagegen 
die Beborstung des Schildchens und Thorax sowie die Längen- 
verhältnisse des zweiten Ftihlerborstengliedes zu sein. Auch die 
Vordertarsen des 9 geben insoferne ein gutes Merkmal ab, als sie 
bei zwei Arten nicht erweitert sind. Die Beborstung des Hinter- 
leibes ist zur Unterscheidung der Arten ebenfalls gut zu verwenden, 
da sie konstant ist. 

Bis jetzt wurden, soweit mir bekannt, drei Arten unterschieden, 
und zwar hipartifus v. d. Wlp., Biol. Centr. Am., p. 25, tnmeati- 
cornis V. d. Wlp., 1. c, p. 2G und hkolor WUst., Tr. Am. Ent. Soc, 
XIII, 1886, p. 304. Zu diesen kommen nun noch eine Art von 
Schiner in litt. M. C. V. und neun neue Arten. Diese große An- 
zahl erklärt sich dadurch, daß bis jetzt hauptsächlich die Farbe 
berücksichtigt wurde, die, wie erwähnt, nur geringe Unterschiede 
zeigt. Ich erwähne noch, daß ich truncaticornis v. d. Wlp. nicht 
kenne, von hiparütus v. d. Wlp. jedoch nur fragliche Stücke, da 
V. d. Wulp erklärt: .,erster Ring mit Makrochaeten", während sie 
•bei meinen Exemplaren fehlen oder sehr klein sind. 

Tabelle der Arten. 

1. Schildchen mit Stachelborsten auf der Fläche und am Rande 2 

— Schildchen ohne Stachelborsten. Am Rande die gewöhnlichen 

Borsten 7 

2. Schildchen schwarz oder schwarzbraun. Nur eine innere 

Dorsozentralborste hinter der Quernaht 3 

— Schildchen rotbraun oder lichtgelb. Mehrere innere Dorso- 

z ent ral borsten hinter der Quernaht 4 

3. Beine schwarz. Hinter der Quernaht 1 innere und 3 — 4 äußere 

Dorsozentral-, 3 Intraalar- und 3 Supraalarborsten ; vor der 
Quernaht 1 innere und 3 — 4 äußere Dorsozentral-, 1 Intra- 



^) Manchmal erscheint das Schildchen fast schwarz, dann achte man 
auf die Borsten. 



90 



Josef Bischof. 



alar-, 1 Präsutural-, 2 — 3 Posthumerai- und 5 Humeralborsten. 
Stachelborsten am ersten Hinterleibsring-e fehlend, am zweiten 
bis vierten Ringe diskal und marginal; vierter Ring in der 
Mitte oben mit einem roten, dreieckigen Flecke am Hinter- 
rande. Fühler und Wangenhaare schwarz. Zweites Fühler- 
borstenglied zweimal so lang als breit. 

bolivianus nov. spec. 

— Beine gelb. Hinter der Quernaht 1 innere und 1 äußere Dorso- 

zentral-, 2 Intraalar- und 3 Supraalarborsten. Vor der Quer- 
naht sind nur 1 Präsutural- und 3 Humeralborsten vorhanden. 
Stachelborsten am ersten Hinterleibsringe fehlend, am zweiten 
bis vierten Ringe diskal und marginal. Mittelfleck am vierten 
Ringe vorhanden. Tarsen aller Beine schwarz, das Endglied 
gelb. Wangenhaare schwarz, ebenso die Fühler. Zweites 
Ftihlerborstenglied zweimal so lang* als breit. 

Lindigii nov. spec. 

4. Schildchen Hchtgelb. Beine ganz gelb. Fühler schwarz, erstes 

und zweites Glied mehr oder weniger rot. Zweites Borsten- 
glied wenig verlängert, zweimal so lang als breit. Wangen- 
haare gelb. Dicht gelbgrau bestäubte Art. Hinter der Quer- 
naht 3 innere und 3 — 4 äußere Dorsozentralborsten, 3 Intra- 
alar- und 3 Supraalarborsten. Vor der Quernaht 3 innere und 
3 äußere Dorsozentral-, 1 Intraalar- und 1 Präsutural- sowie 

2 Posthumerai- und 6 Humeralborsten. Makrochaeten am ersten 
Hinterleibsringe fehlend, vom zweiten angefangen diskal und 
marginal flavoscutellatus nov. spec. 

— Schildchen rotbraun oder schwarz. Beine größtenteils schwarz 5 

5. Schienen lichtgelb. Schildchen rotbraun. Zweites Fühlerborsten- 

glied sehr stark verlängert, fast viermal so lang als breit. 
Wangenhaare schwarz. Vor der Quernaht 2 innere und 

3 äußere Dorsozentral-, 1 Intraalar- und 1 Präsutural-, 2 Post- 
humerai- und 5 Humeralborsten; hinter der Quernaht 3 — 4 
innere und 4 äußere Dorsozentral-, 2 — 3 Intraalar-, 3 Supra- 
alarborsten. Makrochaeten am ersten Hinterleibsringe fehlend, 
vom zweiten angefangen diskal und marginal. Basalglieder der 
Fühler und manchmal auch teilweise das dritte Glied rotgelb. 
Vierter Hinterleibsring mit rotem Mittelflecke, bicolor Wllst. 



Beitrag zur Kenntnis der Muscaria schisometopa. 91 



— Schienen nicht lichtgelb. Fühler schwarz 6 

0. Erster Ring- mit Makrochaeten. Beine schwarz. Wangenhaarc 

schwarz. Makrochaeten vom zweiten Ringe angefangen diskal 
und marginal. Vor der Quernaht 3 innere und 3 äußere Dorso- 
zentral-, 1 Intraalar-, 1 Präsutural-, 5 Humeral- und 2 Post- 
humeralborsten. Hinter der Quernaht 3 — 4 innere und 4 
äußere Dorsozentral-, 3 Intraalar- und 3 Supraalarborsten. 
Zweites Borstenglied zweimal so lang als breit. 

bipartitus v. d. Wlp. 

— Erster Ring ohne Makrochaeten. Beine schwarz. Schienen im 

durchfallenden Lichte oft rotbraun, dunkel. Wangenhaare 
oben und an den Augenrändern schwarz, unten und gegen 
die Vibrissenleisten zu gelb. Zweites Fühlerborstenglied nur 
zweimal so lang als breit. Borste oben deutlich länger pubes- 
zent als unten. Vor der Quernaht 3 innere und 4 äußere 
Dorsozentral-, 1 Intraalar-, 1 Präsutural-, 2 Posthumerai- und 
6 Humeralborsten. Hinter der Quernaht 3 innere und 4 äußere 
Dorsozentral-, 3 Intraalar- und 3 Supraalarborsten. Makro- 
chaeten diskal und marginal . . . semiflavus nov. spec. 
7. Schildchen lichtgelb. AVangenhaare gelb. Manchmal treten an 
den Wangen unten 1 — 2 längere schwarze Borsten auf. Beine 
gelb. Basalglieder der Fühler mehr oder weniger rotgelb. 
Zweites Fühlerborstenglied zweimal so lang als breit. Vor der 
Quernaht 3 innere und 3 äußere Dorsozentral-, 1 Intraalar- 
und 1 Präsutural-, 2 Posthumerai- und 6 Humeralborsten. 
Hinter der Quernaht 3 innere und 4 äußere Dorsozentral- 
und 3 Intraalarborsten. Erster Hinterleibsring ohne, zweiter 
bis vierter mit diskalen und marginalen Makrochaeten. Api- 
kale Schildchenborsten gekreuzt, subapikale lang, bis zum 
Vorderrande des dritten Ringes reichend. 

Natter eri nov. spec. 

— Schildchen schwarz oder schwarzbraun 8 

Erster Hinterleibsring mit Makrochaeten. Beine gelb. Basal- 
glieder der Fühler mehr weniger rot. Wangen mit feinen 
Haaren und langer schwarzer Borste. Erster Hinterleibsring 
mit zwei marginalen, zweiter Ring am ganzen Hinterrande 
mit Makrochaeten, vom dritten angefangen diskale und margi- 



92 



Josef Bischof. 



nale Makrochaeten. Flügel stark gebräunt. Schildclienborsten 
mehr nach rückwärts gerichtet. Vordertarsen beim 9 nicht 
erweitert. (Diese Art ist mir unbekannt.) 

truncaticornis v. d. Wlp. 
— Erster Ring ohne Makrochaeten. Beine schwarz .... 9 
9. Erster, zweiter und dritter Ring ohne Makrochaeten. Fühler 
schwarz. Wangenhaare schwarz. Kleine Querader gerade 
unterhalb der Einmündung der Hilfsader in die Randader. 
Vor der Quernaht 3 innere und 4 äußere Dorsozentral-, 

1 Intraalar-, 1 Präsutural-, 2 Posthumerai- und 6 Humeral- 
borsten. Hinter der Quernaht 3 innere und 3 äußere Dorso- 
zentral-, 1 Intraalar- und 3 Supraalarborsten. Zweites Fühler- 
borstenglied zweimal so lang als breit . . denudata Schin. 

— Makrochaeten am zweiten und dritten Ringe vorhanden 10 

10. Makrochaeten am dritten Ringe diskal und marginal, am zweiten 

Ringe nur marginal. Fühler schwarz. Wangenhaare gelb. 
Vordertarsen beim 9 nicht erweitert. Zweites Fühlerborsten- 
glied stark verlängert, dreimal so lang als breit. Apikale 
Schtldchenborsten gekreuzt^ subapikale lang, bis zum Hinter- 
rande des zweiten Ringes reichend. Vor der Quernaht 2 in- 
nere und 3 äußere Dorsozentral-, 1 Intraalar-, 1 Präsutural-, 

2 Posthumerai- und 5 Humeralborsten. Hinter der Quernaht 
2 innere und 4 äußere Dorsozentral-, 3 Intraalar- und 3 Supra- 
alarborsten. Flügel sehr stark gebräunt. 

fuscanipennis nov. spec. 

— Makrochaeten auch am dritten Ringe nur marginal . . 11 

11. Apikale Schildchenborsten gekreuzt, subapikale bis zur Mitte 

des zweiten Ringes reichend. Zweites Fühlerborstenglied 
kurz, nur Vl^mdX so lang als breit. Fühler und Wangen- 
haare schwarz. Zweiter Hinterleibsring mit zwei marginalen 
Makrochaeten. Vor der Quernaht 3 innere und 4 äußere 
Dorsozentral-, 1 Intraalar-, 1 Präsutural-, 3 Posthumeral- 
und 6 Humeralborsten. Hinter der Quernaht 3 — 4 innere 
und 4 äußere Dorsozentral-, 3 Intraalar- und 3 Supraalar- 
borsten callanganus nov. spec. 

— Apikale Schildchenborsten nicht gekreuzt oder fehlend . 12 



Beitrag zur Kenntnis der Muscaria schizometopa. 



93 



. Apikale Schildchenborsten parallel, kurz; präapikale stark, 
parallel; subapikale laug-, bis zum Hinterrande des zweiten 
Hinterleibsringes reichend. Zweites Fühlerborstenglied kurz, 
P/o mal so lang als breit. Fühler und Wangenhaare schwarz. 
Vor der Quernaht 3 innere und 4 äußere Dorsozentral-, 1 Intra- 
alar-, 1 Präsutural-, 2 Posthumerai- und 6 Humeralborsten. 
Hinter der Quernaht 3 innere und 4 äußere Dorsozentral-, 
2 Intraalar- und 3 Supraalarborsten. Zweiter Ring mit mehr 
als zwei Marginalmakrochaeten . . semiater nov. spec. 
Apikale Schildchenborsten fehlend; präapikale stark^ parallel; 
subapikale bis zur Mitte des zweiten Hinterleibsringes 
reichend. Fühler und Wangenhaare schwarz. Zweites Fühler- 
borstenglied kurz, l^l^msil so lang als breit. Vor der Quer- 
nalit 3 innere und 3 äußere Dorsozentral-, 1 Intraalar-, 1 Prä- 
sutural-, 2 Posthumerai- und 6 Humeralborsten. Hinter der 
Quernaht 2 innere und 4 äußere Dorsozentral-, 2 Intraalar- 
und 3 Supraalarborsten. Zweiter Hinterleibsring nur mit 
zwei Marginalmakrochaeten . . hrunneipennis nov. spec. 

Zu den vorstehenden Arten möchte ich mir erlauben, folgendes 
bemerken : 

1. holivianus n. sp. liegt mir aus Bolivia (Coroico), Peru (Cal- 

lanza) und Venezuela vor. 

2. Lindigii n. sp. stammt aus Venezuela. 

3. flavoscutellatus n. sp. aus Brasilien. 

4. hicolor Wllst. aus S. Colorado. 

5. hipartitus v. d. Wlp. aus Mexiko. 

6. semiflavus n. sp. aus Peru (Callanga) und BoHvia (Songo). 

7. NaUereri n. sp. aus Rio grande do Sul, Minas Geraes 

und Espirito Santo. 

8. truncaticornis v. d. Wlp. aus Mexiko. 

9. denudatus Schin. aus Venezuela. 

10. ftiscanipennis n. sp. aus Bolivia (Cillutincara) und Rio 

grande do Sul. 

11. callanganus n. sp. aus Peru (Callanga). 

12. semiater n. sp. aus Peru (Callanga). 

13. hrunneipennis n. sp. aus Peru (Callanga). 



94 



Josef Bischof. 



Nahe verwandt mit einander sind flavoscutellatus und Nattereri. 
Sie unterscheiden sich von den anderen mir bekannten Arten durch 
den dicht gelb bestäubten Thorax. Ebenso nahe verwandt sind 
semiater und Immnelpennis, denen sich noch callanganns anreiht. 
Die Unterschiede sind jedoch solche, welche die Trennung recht- 
fertigen. 



Ptilogo7%ia nov. gen. 

cf. Unterrand des Kopfes kurz^ wenig abgerundet, fast gerade. 
Augen behaart. Stirne etwas vortretend, breit, so breit als der 
Augendurchmesser, vorne breiter, gegen den Scheitel schmäler. 
Stirnborsten mehrreihig, bis zum Ende des zweiten Fiihlergliedes 
reichend. Die obersten Stirnborsten rückwärts gebogen. Orbital- 
borsten fehlend. Ozellarborsten vorhanden, rückwärts gebogen. 
Fühler ober der Augenmitte. Drittes FühlergUed zweimal so lang 
als das zweite, unten abgestutzt. Fühlerborste, erstes Glied ver- 
längert, zweites und drittes leider fehlend. Wangen breit, mit 
einer Borstenreihe neben den Vibrissenleisten, sonst nackt. Die 
Borstenreihe reicht bis zum unteren Augenrande. Backen schmal, 
unten mit längeren Borsten. Clypeus nicht sehr breit, in der Mitte 
etwas aufgeworfen, jedoch nicht gekielt. Vibrissenecken nach ein- 
wärts gedreht, jedoch den Clypeus nicht verengend, neben den 
Mundrand oder nur wenig über denselben liegend. Vibrissen ab- 
gebrochen. Narbe sichtbar. Mundborsten nicht aufsteigend. Mund- 
rand wenig vorgezogen, im Profile als kleine Ecke erscheinend. 
Rüssel normal, Taster entwickelt, zylindrisch. 

Thorax so lang als breit. Beborstung: Hinter der Quernaht 
3 innere und 4 äußere Dorsozentralborsten, 3 Intraalar- und 3 Supra- 
alarborsten; vor der Quernaht 3 innere und 3 äußere Dorsozentral- 
borsten, 1 Intraalarborste, Präsuturalborste tiefer stehend als die 
letzte der beiden Posthumeralborsten, 3 Humeralborsten. Ferner 
2 Notopleuralborsten, Sternopleuralborsten 1, 1, Hypopleuralborsten- 
reihe vorhanden. 

Schildchen halbrund, mit je drei Borsten an jeder Seite; oben 
nur behaart. Apikaiborsten vorhanden (nach den Narben zu schließen 
klein und schwach). 



Beitrag? zur Kenntnis der Muscaria schisometopa. 



95 



Hinterleib oval, vierglicdrig". Makrochaeten nur marginal, erster 
Ring ohne Makrochaeten. 

Beine stark, normal. Klauen am ersten Beinpaare verlängert, 
llintersehienen gewimpert, mit längeren Borsten gemengt. Mittel- 
schienen auf der Mitte mit drei langen starken Borsten. 

Flügel ohne Kanddorn. Erste Längsader jenseits der kleinen 
Querader mündend. Erste Hinterrandzelle am Vorderrande mün- 
dend, offen. Beugung winkelig, ohne Faltenzinken. Spitzenquer- 
ader wenig nach außen konkav. Hintere Querader fast gerade, 
etwas näher der Beugung als der kleinen Querader. Schüppchen 
mäßig groß. Dritte Längsader nur am Grunde bedornt. 

Diese Gattung gehört in die Sektion Germaria und trennt 
sich von Pseuclogermarla durch die nicht aufsteigenden Vibrissen 
und durch die Borstenreihe auf den Wangen. 

P. neotropica nov. spec. Stirnstrieme dunkel rotbraun. Scheitel 
und Ozellendreieck schwarz, letzteres schwach gelbhch bestäubt. 
Stirne, Wangen und Backen goldgelb. Lunula und Vibrissenleisten 
schwarz, schwach bestäubt. Fühler, Rüssel und Taster schwarz- 
braun. Clypeus schwarz, Mundrand rot, beide weiß bestäubt. Thorax 
schwarz, oben in der Mitte weißgelb, an den Seiten goldgelb be- 
stäubt, mit vier breiten, bis zum Schildchen reichenden schwarzen 
Längsstriemen. Brustseiten schwarz, schwach weißlich bestäubt. 
Schildchen rot, wenig weiß bestäubt. 

Hinterleib schwarz, weiß bestäubt, schillernd. Vierter Ring 
rot. Bauch schwarz, weiß schillernd. Hinterrücken weiß bestäubt. 

Flügel hyalin, an der Basis nicht gelblich. Adern braun. 
Schüppchen schmutzigweiß. Halteren braun. 

Beine schwarz. 

Größe 9 mm, Flügellänge 7-6 mm. 
Vaterland: Rio grande do Sul. 

Die Type befindet sich im k. k. naturhistorischen Hofmuseum 
in Wien. 

Uewetia nov. gen. 

Unterrand des Kopfes lang, Stirne wenig, doch deutlich vor- 
tretend. Augen nackt. Stirnborsten bis zum Anfange des zweiten 
Fühlergliedes reichend. Oberste Stirnborste allein zurückgebogen, 



96 



Josef Bischof. 



nach auswärts geneigt. Jederseits eine starke, zurückgebogene 
Scheitelborste. Scheitel fast von halber Augenbreite. Stirne gleich- 
breit. Ozellenborsten deutlich, stark, nach vorne gebogen. Orbital- 
borsten fehlend. Fühler wenig über der Augenmitte eingefügt. 
Erstes Fühlerglied kurz, zweites kurz, an der Vorderseite vor dem 
Ende mit einer sehr langen, starken Borste, drittes Glied 272nial 
so lang als das zweite, schmal, unten abgestutzt, mit abgerundeten 
Ecken. Vorderrand gerade. Fühlerborste lang, am Grunde ver- 
dickt, pubeszent; zweites Glied kurz. 

Wangen nackt. Backen breit, Augenhöhe, fein behaart, 

unten mit einer Borstenreihe. Mundrand vortretend, Vibrissenecken 
nicht konvergent, neben dem Mundrand liegend. Vibrissen deuthch, 
gekreuzt. Mundborsten nicht aufsteigend. Clypeus nicht gekielt. 
Rüssel normal. Taster entwickelt, zylindrisch. 

Thorax etwas länger als breit. Beborstung: Hinter der Quer- 
naht 1 — 2 innere und 3 äußere Dorsozentralborsten, 2 Intraalar- und 
1 Supraalarborste. Vor der Quernaht 3 innere und 2 äußere Dorso- 
zentralborsten^ keine Intraalarborste, 1 Präsuturalborste, die tiefer 
steht als die letzte Posthumeralborste, 1 Posthumeralborste, 2 Hu- 
meralborsten. Ferner Sternopleuralborsten 1^ 1, Hypopleural borsten 
vorhanden, Notopleuralborsten 3 in der Stellung 1, 2. 

Schildchen dreieckig, so lang als breit. Apikale Schildchen- 
borsten stark, gekreuzt, nach hinten geneigt. Jederseits nur eine 
lange marginale Borste. Diskale Schildchenborsten fehlend. 

Hinterleib so lang als der Thorax, zylindrisch, hinten einwärts 
gekrümmt. Makrochaeten diskal und marginal. Erster Hinterleibs- 
ring ohne Makrochaeten, zweiter mit zwei marginalen Makrochaeten, 
diskale fehlen ; dritter Ring mit marginalen Makrochaeten am ganzen 
Hinterrande, ferner zwei diskale Makrochaeten. Vierter Ring mit 
Diskal- und Marginalmakrochaeten. Bauch mit langen Haaren dicht 
besetzt. Genitalien groß, an die Bauchseite geschlagen. 

Beine stark, robust. Schenkel stark verdickt. Schienen schwach, 
doch deutlich verdickt^ besonders die Hinterschienen. Klauen und 
Pulvillen klein. Hinterschienen ungleichborstig. 

Flügel länger als das Abdomen. Erste Längsader vor der 
kleinen Querader mündend. Erste Hinterrandzelle an der Flügel- 
spitze mündend, am Rande selbst geschlossen. Beugung winkelig, 



Beitrag zur Kenntnis der Mtiscaria schisometopa. 



97 



einen stumpfen Winkel bildend. Hintere Qiierader steil, wenig 
jenseits der Mitte zwischen der kleinen und der Spitzenquerader. 
Vorderrand mit einem sehr starken, langen und einem kleineren 
kürzeren Kanddorn. 

Diese Gattung gehört in die Gruppe Fhania sensu B. B. und 
trennt sich von der Gattung Cercomyia B. B. durch den Randdorn, 
die winkelige und nicht bogige Beugung und durch das Fehlen 
von Makrochaeten am ersten Ringe. Ferner ist bei dieser Gattung 
die Mündung der ersten Längsader vor der kleinen Querader, 
während bei Cercomyia die erste Längsader gerade in der Ver- 
längerung der kleinen Querader mündet und keine diskalen Makro- 
chaeten am dritten Hinterleibsringe auftreten. 

D. atra nov. spec. Schwarze Art. Stirn strieme schwarz. 
Wangen schwach weiß bestäubt. Backen schwarz. Taster dunkel 
rotbraun. Backengrube und Mundrand rot. Fühler und Borste 
schwarzbraun. Hinterhaupt schwarz, leicht grau bestäubt. Thorax 
schwarz mit vier weißen Längsstriemen, von denen die mittleren 
parallel bis gegen das Schildchen verlaufen, die ersteren die Schulter- 
schwiele einschließen und an den Seiten zur Flügelwurzel ziehen. 
Brustseiten schwarz, vorne leicht weißlich bestäubt. Hinterleib ein- 
farbig schwarz. Beine schwarzbraun. Flügel wenig getrübt, an der 
Basis gelblich. Schüppchen und Halteren gelb. 

Größe 4-6 mm, Flügellänge 3*3 mm. 

Vaterland: Kapland^ Algoa-Bay (Dr. Brauns). 

Die Type befindet sich im k. k. naturhistorischen Hofmuseum 
in Wien. 

Microcerella rufomaculata Macq. (Dipt. exot., Ser. IV, 
p. 236, PI. 22, Fig. 1). 

Drei cT aus Peru (Callanga) sind sicher als diese Art zu 
deuten. Wenn auch die Macquartsche Beschreibung — wie so 
ziemlich alle seine Beschreibungen von Muscarien — unzulänglich 
ist, so kann in diesem Falle kein Zweifel sein durch die charakte- 
ristische Färbung und durch Macquarts Note: „Nous formons ce 
genre pour un sarcopJiagien, qui differe des autres membres de cette 
tribu par Tensemble de ces caracteres et surtout par la brievet6 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 7 



98 



JoseffBischof. 



des antennes et la nudit6 du style." Diese Note allein genügt, 
um eine sichere Bestimmung möglich zu machen. Der ganze 
Habitus und das Flügelgeäder sind die einer Sarcophaga. Nach 
Girschners Arbeiten zur Systematik der Musciden (Berl. Entom. 
Zeitschr., Bd. XXXVIII, 1893, S. 297—312 und Illustr. Wochenschr. 
f. Entom., I. Jahrg., 1896, S. 12) ist diese Gattung sowohl nach 
der Thorakalbeborstung als vor allem nach den Bauchplatten sofort 
sicher als eine Sarcophaga zu erkennen. Die Stellung im System 
hat Macquart in diesem Falle getroffen. Diese Gattung muß von 
allen bekannten Gattungen der Sektion Sarcophaga durch die nackte 
Ftihlerborste unterschieden werden. Die Sektion unterscheidet sich 
daher von den anderen Gruppen von ^^Muscaria schizometopa exkl. 
Änthomyidcte'^ durch an der Basalhälfte gefiederte oder ganz nackte 
Fühlerborste (im letzteren Falle sind an den Wangen neben dem 
unteren Augenrande deutlich einzelne Borsten), durch die vor der 
Flügelspitze offen mündende erste Hinterrandzelle, die fast parallele 
Spitzen- und hintere Querader, die nackten Augen und den un- 
gekielten Clypeus. Bei den zweifelhaften Gattungen, wie die Gat- 
tung Microcerella, sind auch die Bauchsegmente groß, breit und 
liegen auf den Innenrändern der einzelnen Segmente auf. Leider 
ist dieses Merkmal besonders bei den Exoten nicht konstant, wie 
vor allem die Sektion Sarcophaga zeigt, z. B. Cynomyia pictifrons 
Schin. die Thorakalbeborstung einer Calliphorine und die Bauch- 
platten einer Sarcophagine (Microcerella) zeigt. 

In der Sektion Sarcophaga hat 3Iicrocerella zwischen Sarco- 
phaga s. Str. und Wohlfarüa B. B. zu stehen. Durch die Borsten 
nähert sie sich Sarcophaga, durch die nackte Fühlerborste der 
Gattung Wohlfarüa, bei der auch manchmal die Fühlerborste fast 
nackt ist. 

Ich will nun eine genaue Beschreibung dieser interessanten 
Gattung folgen lassen. 

cT. Unterrand des Kopfes lang, gerade, wenig länger als der 
Kopfdurchmesser am Grunde der Fühler. Stirne vortretend, breit. 
Stirnborsten bis zur Spitze des zweiten FühlergHedes reichend, 
gegeneinander geneigt, haarförmig. Letzte Stirnborste (oberste) 
aufrecht. Orbitalborsten fehlen. Jederseits eine starke aufrechte, 
zurückgebogene Scheitelborste. Hinterrand der Augen besonders 



Beitra«- zur Kenntnis der Mmcaria scliisometopa. 



90 



oben mit langen Borsten gewimpert. Zwei parallele starke, wenig 
vorgebogene Postvertikalborsten vorhanden. Ozellarborsten lang, 
nach vorwärts auswärts geneigt. Wangen breit, unten nicht ver- 
schmälert, am unteren Augenrande einige lange Borsten, gewöhnlich 
drei, sonst nackt. Backen breit, der Augenhöhe messend, dicht 
mit haarförmigen Borsten besetzt, besonders hinten. Mundrand 
stark vorgezogen. Vibrissenecken über dem Mundrande, nicht 
konvergent. Vibrissen stark, gekreuzt. Oberhalb derselben nur 
einige unregelmäßig gereihte Börstchen. Clypeus nicht gekielt. 
Fühler über der Augenmitte. Erstes Glied sehr kurz, zweites Glied 
kurz, am Vorderrande vor der Spitze mit einer langen Borste; 
drittes Glied kurz, breit, \^j^m2i\ so lang als das zweite, am Ende 
abgerundet, die Vibrissenecken nicht erreichend. Fühlerborste lang, 
fast doppelt so lang als die Fühler, im Basaldrittel verdickt, plötzlich 
dünn werdend, nackt. Bei sehr großer Vergrößerung tritt zwar 
eine kurze Pubeszens am Ende der Verdickung auf, jedoch kommt 
dies bei fast allen Tachininen bei starker Vergrößerung vor, wes- 
halb man die Fühlerborste hier entschieden nackt nennen muß. 
Zweites Borstenglied kurz, aber deutlich. Hinterhaupt groß, vor- 
gewölbt. Küssel normal, Taster entwickelt, am Ende verdickt. 

Thorax länger als breit. Die Beborstung desselben ist: Vor 
der Quernaht 1 innere und 2 äußere Dorsozentral-, keine Intraalar-, 
1 Präsuturalborste, die tiefer steht als die eine Posthumeralborste, 
und 3 Humeralborsten. Hinter der Quernaht sind keine inneren 
und 3 äußere Dorsozentral-, 2 Intraalar- und 2 Supraalarborsten, 
femer 1 Postalarborste. Sternopleuralborsten 2, 1, Hypopleural- 
borsten vorhanden. Notopleuralborsten 2, 2. 

Schildchen halbrund. Apikale Schildchenborsten sehr fein 
und kurz, haarförmig, aufrecht fast nach vorne gebogen, gekreuzt. 
Jederseits zwei lange starke Schildchenborsten. 

Hinterleib wie bei unseren einheimischen Sarcophaga-lAsimiQhQVL 
gebildet, schmal eiförmig, beim fünfringelig. Erster bis inklusive 
dritter Ring dorsal ohne Makrochaeten, lateral mit einigen mar- 
ginalen. Außerdem stehen am ersten Ringe auch lateral einige 
diskale Makrochaeten. Vierter und fünfter Ring am ganzen Hinter- 
rande mit Makrochaeten, diskale fehlen. Genitalien groß, blasig, 
vorgequollen. 

7* 



100 



Josef Bischof. 



Baiichplatten wie bei allen Sarcopliagen entwickelt, auf den 
Innenrändern der Segmente aufliegend. Vierte Bauchplatte (nach 
Girschner) am Hinterrande abgerundet, schtippchenförmig ab- 
stehend, auf der Fläche mit zwei kurz behaarten hakenförmigen 
kleinen Fortsätzen im Enddrittel. 

Beine stark, von gewöhnlicher Länge. Klauen beim cf ver- 
längert. Hinterschienen und Hinterschenkel an der Beugeseite lang 
und dicht fein behaart. Vorderschenkel an der Beuge- und Streck- 
seite, Mittelschenkel nur an der Streckseite mit langen einreihigen 
Wimperborsten. 

Flügel länger als der Hinterleil), schmal, ohne Randdorn. 
Kleine Querader etwas vor der Mündung der ersten Längsader, auf 
der Mitte der Diskoidalzelle. Erste Hinterrandzelle am Vorderrande 
mündend, offen. Beugung V-förmig mit Faltenzinke. Hintere Quer- 
ader mit der Spitzenquerader und dem Hinterrand der Flügel parallel, 
geschwungen. Abstand der hinteren Querader zur kleinen viermal 
größer als der bis zur Beugung. Schüppchen groß, untere doppelt 
so groß wie die oberen. Halteren normal. 

Brauer und Bergenstamm kannten diese Art nicht, sondern 
stellten eine neue Art von den Galopagos-Inseln (Microcerella Stein- 
dachneri B. et B.) in diese Gattung, die generisch verschieden ist. 
Die hauptsächlichsten Unterschiede sind vor allem das Fehlen einer 
Backengrube, die kurze Behaarung der Wangen ohne längere Borsten 
am unteren Augenrande; der Hinterkopf ist nicht groß, vorgewölbt, 
die Backen sind gefurcht, die Vibrissenecken sind wenig, aber deut- 
lich einwärts gekrümmt. Die Beborstung ist hinter der Quernaht 

1 innere und 2 äußere Dorsozentral-, 1 Intraalar-, 2 Supraalar- und 

2 Postalarl)orsten. Vor der Quernaht sind 1 innere und 1 äußere 
Dorsozentral-, 1 Präsutural-, 1 Posthumeralborste und 2 Humeral- 
borsten. Sternopleuralborsten 1, 1, 3 Notopleuralborsten in der Stel- 
lung 1, 1, 1. 

Die Bauchplatten liegen nicht auf den Innenrändern der Seg- 
mente auf, sondern es ist eine deutliche Bauchmembran vorhanden. 
Nach Girschner wäre diese Art eine Phasiine. Das hat auch 
zwei Orbitalborsten. 

Es muß daher die Gattung Microcerella B. et B., non Macq. um- 
getauft werden. Ich schlage dafür den Namen Galopagomyia vor. 



Beitrag zur Kenntnis der Muscaria schizometopa. 



101 



G. rufomaculata Mcq. Stirnstrieme und Scheitel schwarz. 
Hinterhaupt schwarz, i^rau bestäubt. Orbiten und Wangen schwarz, 
lebhaft silberweiß schimmernd. Fühler und Fühlerborste schwarz- 
braun, ebenso der Rüssel und die Taster. Thorax schwarz mit 
zwei weißen breiten Läng-sstriemen, die bis zum Schildchen reichen 
und auch noch auf dasselbe übertreten. Außerhalb dieser ist noch 
die Andeutung eines zweiten Paares am Rande, das jedoch in drei 
Flecke aufgelöst ist, und zwar ein Fleck vor der Quernaht, einer 
hinter derselben und einer am Postalarkallos. Schulterbeulen oben 
goldgelb, unten silberweiß. Die goldgelbe Farbe zieht sich als Band 
längs der Seiten des Rückens bis zur Flügelwurzel. Brustseiten 
mit vier goldgelben Flecken, und zwar einer auf der Mesopleural- 
platte, einer auf der Sternopleuralplatte, einer mitten zwischen 
Vorder- und Mittelhüfte. Der vierte Fleck ist der kleinste und ist 
auf den Metapleuren. Die Beine sind schwarz. Schildchen schwarz, 
an den Seiten weiß bestäubt, an der Spitze goldgelb bestäubt. 
Hinterrücken schwarz, grau bestäubt. 

Hinterleib schwarz. 2. — 4. Segment am Rücken mit zwei 
rechteckigen silberweißen Schillerflecken und an den Seiten mit 
goldgelben Schillerflecken. Genitalien grell rotgelb. Bauch schwarz, 
silberschimmernd. 

Flügel hyalin, an der Basis gelblich. Schüppchen gelbweiß 
mit dunkler gelbem Rande. Schwinger gelb mit dunklem Knopfe. 

Größe 8 — 10 mm. 

Vaterland: Peru. 



Referate. 

Ascherson, Paul und Graebner, Paul. Synopsis der mitteleuropäischen 
Flora. IL Bd., 1. Abteil. Leipzig, Wilhelm Engelmann, 1898— 1902. 
Von diesem großartig angelegten Fundamentalwerk liegt nun die erste 
Abteilung des zweiten Bandes vollendet vor, welche ausschließlich den Gra- 
mineen gewidmet ist. Schon die systematische Einteilung der Familie, die in 
vielen Punkten von der von Hackel in den „Natürlichen Pflanzenfamilien" 
gegebenen abweicht, zeugt für die durchaus originelle Bearbeitung des kolos- 
salen Materiales. Die Autoren teilen die Gräser in zwei Unterfarailien, Paiii- 
coideae und Poeoideae, erstere zerfällt in die Tribus Coleantheae, Oryzeae, 
Phalarideae, Ändropogoneae, Maydeae, Zoiseae und Paniceae, letztere in die 



102 



Referate. 



Tribus Chlorideae, Stupeae, Nardeae, Ägrostideae, Äveneae, Pappophoreae, 
Arundineae, Festuceae und Hordeeae. Jede Tribus ist noch in mehrere Sub- 
tribus geteilt. Zwar ist der ganze Stoff sehr übersichtlich in einer Weise 
angeordnet, daß auch ein Bestimmen leicht ist, doch ist überdies noch ein 
eigener Schlüssel zur Bestimmung der Gattungen beigefügt. 

Bezüglich der Bearbeitung der Gattungen sind besonders jene hervor- 
zuheben, die eine originelle Neubearbeitung derselben darstellen. Die Autoren 
sind im allgemeinen Anhänger des weiten Gattungsbegriffes; so wird Leersia 
mit Orym, Setaria und Bigitaria mit Panicum, Ävenastrum mit Avena, Nar- 
durus, Catapodium und Vulpia mit Festuca vereinigt. Bei der Gattung Stipa 
fällt vor allem die aus etymologischen Gründen vorgenommene Umtaufung 
des Gattungsnamens in Stupa unangenehm auf, während die Gliederung des 
Formenkreises der St. pennata sehr übersichtlich dargestellt scheint. Auch 
die Gattung Agrostis ist völlig neu bearbeitet. Die Bearbeitung der Gattung 
Calamogrostis ist auf Grund der Arbeiten von Torges durchgeführt. Die syste- 
matische Anordnung der Arten der Sektion Ävenastrum der Gattung Avena 
scheint dem Referenten etwas mißglückt; die Angabe, daß bei A. Parlatorii 
das Stielchen der obersten fehlschlagenden Blüte dicht behaart sei (S. 243), 
ist entschieden unrichtig. Der interessanteste Teil des ganzen Bandes ist 
entschieden die sehr sorgfältig durchgeführte völlige Neubearbeitung der Gat- 
tung Poa; ist auch hier die systematische Anordnung der Arten nicht ganz 
einwandfrei, wie z. B. die Vereinigung von Poa laxa und Poa minor zu einer 
Gesamtart, so ist andererseits die Gliederung der oft sehr verwickelten 
Formenkreise der einzelnen Arten mit großer Genauigkeit durchgeführt. Die 
Bearbeitung der Gattung Festuca lehnt sich an Ha ekel an, dessen Mono- 
graphie auch als Vorbild für die systematische Bewertung der Formengruppen 
gegolten hat, obwohl in den 20 Jahren, die seit dem Erscheinen der letzteren 
verstrichen sind, manche neue Gesichtspunkte zur Beurteilung dieser gewonnen 
worden sind. Ganz originell ist wieder die Bearbeitung der Untergattung 
Vulpia und der Gattung Bromus, bei deren Sektion Eiibromus ganz neue Ein- 
teilungsprinzipien angewendet wurden, während die Bearbeitung des Formen- 
kreises des Br. erectus einem lang gefühlten Bedürfnisse entspricht. Bei der 
Bearbeitung der Kulturformen der Getreidearten schließen sich die Autoren 
mit Recht an die Arbeiten Körnickes an und geben eine sehr detaillierte 
Darstellung aller im Gebiete auch nur möglicherweise gebauten Kulturrassen. 
Beachtung verdient endlich auch die Bearbeitung der Gattung Agropyrum. 

Sehr bedauerlich ist es, daß die angeführten Zitate keineswegs immer 
verläßlich auf ihre Richtigkeit sind. Irrtümer, wie „Host, Gram. Austr., I, 
141 (1801)" statt „Host, Flora Austr., I, 141 (1827)" (S. 445), wären wohl zu 
vermeiden gewesen. 

Trotz solcher kleiner Mängel stellt der ganze Band eine vortreffliche 
und gewissenhafte Arbeit dar, welche nicht nur endlich die Ergebnisse der 
floristischen Forschung der letzten Jahrzehnte zusammenfaßt, sondern auch 
eine große Zahl neuer Beobachtungen und monographische Neubearbeitungen 



Referate. 



103 



ganzer Gattungen bringt. Ascliersons Synopsis bleibt in Hinkunft ein un- 
cntbehrliclies Handbuch für Jeden, der sich wissenschaftlich mit der Flora 
Mitteleuropas beschäftigt. Hayek. 

Porscli, Otto. Die österreichischen Galeopsis- Art en der Unter- 
gattung Tetrahit Rchb. („Abhandlungen" der k. k. zool.-botan. Ge- 
sellsch. in Wien, Bd. II, Heft 2.) 

Verfasser hat die morphologischen Verhältnisse der Arten der Unter- 
gattung Tetrahit genauer untersucht und ist dabei zu dem Resultat gekommen, 
daß fast alle bisher zur Unterscheidung der Arten herangezogenen Merkmale 
derart durch Standortsverhältnisse beeinflußt werden, daß sie zu diesem Zwecke 
vollkommen untauglich sind. Als konstant hat Verfasser neben dem bereits 
bekannten Merkmal der Gestalt der Blüten nur noch eines, bisher fast gar 
nicht beachtetes gefunden, nämlich den Zeichnungstypus der Unterlippe. 
Der Verfasser unterscheidet diesbezüglich zwei Typen: a) den Tetrahit-Ty^ius 
mit gitterartiger Zeichnung der Unterlippe, welche mitunter zu einer völligen 
Verdunklung verschwimmt, aber dann noch immer einen etwa ein Drittel der 
Lippe breiten Saum frei läßt, und h) den Bifida-Typus, wo neben der Gitter- 
zeichnung stets noch eine gleichmäßige, bis zum Rande reichende Verdunklung 
des Mittellappens der Lippe auftritt. Für den phylogenetisch älteren Typus hält 
der Verfasser den Tetrahit-Typiis, aus welchem der Bißda-TypuB abzuleiten ist. 

Im speziellen Teile versucht der Autor die bisher beschriebenen zahl- 
losen Formen nach den geschilderten Grundsätzen zu ordnen und ihre phylo- 
genetischen Beziehungen zu einander klar zu stellen und kommt dabei zu dem 
Resultate, daß wir im Gebiete nur vier Arten unterscheiden können, nämlich: 

Kleinblütig . . . . G. tetrahit. 



G. puhescens. 



h) n'fid T I I^l^^'i^l^i^^^ . . . . G. bifida. 

^ \ Großblütig . . . . G. speciosa. 

Jede dieser Formen ist sehr variabel, besonders was standörtliche Ver- 
hältnisse betrifft, und unterscheidet der Autor diesbezüglich drei Formen, 
nämlich: «. die Sonnenform, ß. die Schattenform, y. die Holzschlagform. Auch 
bezüglich der Grundfarbe der Blüten besteht keinerlei Konstanz und manche 
bisher für eigene Arten oder Bastarde gehaltene Formen sind nichts anderes 
als Farbenspielarten. So ist G. Murriana Borb. et Wettst. eine gelb blühende 
G. puhescens, G. Pernhofferi Wettst. eine gelb blühende G. bifida. Wirkliche 
Bastarde sind äußerst selten und meist vollkommen steril. 

Bei jeder Art ist sowohl die Synonymie aufs genaueste angeführt, als 
auch ein Verzeichnis der vom Autor eingesehenen Exsiccaten gegeben. 

Die ganze Arbeit bildet nicht nur einen sehr wertvollen Beitrag zur 
Kenntnis der Gattung Galeopsis, sondern verdient auch aus dem Grunde unser 
vollstes Interesse, weil zum erstenmal auf den Wert eines neuen Merkmales, 
nämlich des Zeichnungstypus der Blüte, in phylogenetischer Beziehung auf- 
merksam gemacht wird. Hayek. 



104 



Referate. 



Schwalg-hofer, Dr. Anton. Tabellen zur Bestimmung einheimischer 
Samenpflanzen und Gefäßsporenpflanzen. Für Anfänger, insbe- 
sondere für den Gebrauch beim Unterricht zusammengestellt. 10. Auflage. 
Wien, 1893 (Pichlers Wittwe & Sohn). 

Von diesen schon lange als sehr brauchbar bekannten Bestimmungs- 
tabellen ist nunmehr bereits die 10. Auflage erschienen, welche sich von den 
früheren insbesondere dadurch auszeichnet, daß zahlreiche im allgemeinen recht 
gelungene Abbildungen in den Text eingefügt sind. Es ist das gewiß nur von 
Vorteil, da für Anfänger eine kleine Abbildung oft von größerem Nutzen ist 
als die ausführlichste Beschreibung. Im übrigen zeigt der Text keine beson- 
deren Veränderungen. Mit Rücksicht auf unsere zahlreichen im Herzen der 
Alpen liegenden Mittelschulen wäre vielleicht doch die Aufnahme wenigstens 
der häufigsten Alpenpflanzen empfehlenswert. Hayek. 

Beck, (x. T. Grundriß der Naturgeschichte des Pflanzenreiches 
für die unteren Klassen der Mittelschulen. Wien, 1903 (A. Holder). 

Trotz des Vorhandenseins vortrefflicher Lehrbücher der Botanik für 
Mittelschulen kann das Erscheinen des vorliegenden Buches mit Freuden be- 
grüßt werden. An eine sehr klar gefaßte Erläuterung der morphologischen 
Verhältnisse der Blütenpflanzen, welche, wie Verfasser ausdrücklich hervor- 
hebt, keineswegs dazu bestimmt ist, zuerst den Schülern vorgetragen zu 
werden, schließt sich die Besprechung der einzelnen Pflanzenarten, welche 
genau dem derzeitig geltenden Lehrplane angepaßt ist. Dabei ist die Zahl 
der besprochenen Arten immerhin eine so große, daß dem Lehrer nach Ver- 
hältnis der Örtlichkeit und der Jahreszeit eine genügende Auswahl offen 
steht. Auch auf die wichtigsten Formen der Kryptogamen ist Rücksicht 
genommen. Lateinische Namen fehlen im Texte vollständig, der besonders 
wißbegierige Schüler kann sie im Inhaltsverzeichnis nachschlagen. Überall 
tritt im Buche die bei den Werken des Verfassers gewohnte Originalität zu 
Tage, ohne daß deswegen dem didaktischen Werte desselben irgendwie Ab- 
bruch getan würde. Vortrefflich ist auch die illustrative Ausschmückung des 
Buches. Alle Abbildungen sind nach Originalzeichnungen des Verfassers in 
vortrefflichem Farbendruck ausgeführt, in den Text eingefügt und nicht auf 
besonderen Tafeln dargestellt, was den großen Vorteil hat, daß der Schüler 
die Abbildung der betreffenden Pflanze neben der Beschreibung findet und 
nicht erst lange suchen muß. Überhaupt verdient auch die Ausstattung des 
Buches volles Lob. Hayek. 

Kohl, F. G. Über die Organisation und Physiologie der Cyano- 
phyceenzelle und die mitotische Teilung ihres Kernes. (Jena, 
G. Fischer, 1903. 8". Mit 10 Tafeln.) 

Die wichtigsten Resultate, zu denen der Verfasser über den so strittigen 
Zellinhalt der Cyanophyceen gelangt, lassen sich kurz in folgendem zu- 
sammenfassen : 



Referate. 



105 



Der Protoplast der Cyanophyceenzelle besitzt einen Kern (Zentral körper) 
und peripheres Cytoplasma mit Chromatophoren. Jede Zelle besitzt nur einen 
einzigen Kern, dieser ist ein selbständiges Organ des Protoplasten. Der Kern 
der Cyanophyceenzelle besteht aus einer nur wenig tingierbaren Grundmasse, 
in welche eine chromatische Substanz eingelagert ist; ferner enthält der Kern 
Zentralkörner, welche im Cytoplasma niemals vorkommen. Durch das Fehlen 
einer färbbaren Kernmembran und der Nukleolen und durch seine abweichende 
Gestalt unterscheidet sich der Cyanophyceenzellkern von den Zellkernen höherer 
Organismen. 

Das Cytoplasma enthält außer den Chromatophoren noch Cyanophycin- 
körner, Fettröpfchen, Glykogen und Vakuolen (Zellsaft- und Gasvakuolen). 
Die Chromatophoren sind klein und führen neben Chlorophyll noch Carotin (in 
großer Menge) und Phykocyan. 

Der scheinbare Wabenbau der Cyanophyceenzelle wird durch die regel- 
mäßige Nebeneinanderlagerung der kugeligen Chromatophoren hervorgerufen. 

Die Cyanophycinkörner stellen Reserveeiweiß dar; dieselben als Assimi- 
lationsprodukte aufzufassen, liegt kein Grund vor. 

Die Membranen der vegetativen Zellen und der Scheiden bestehen zum 
größten Teile aus Chitin, die Membran der Heterocysten hingegen vorwiegend 
aus Zellulose. 

Durch ihr Verhalten bei der Zellteilung erweisen sich die Zentralkörper 
als echte Zellkerne. Dr. A. Zahlbruckner. 

De Toni, J. B. Sylloge Algarum omnium hucusque cognitarum. 
Vol. IV. (Paterii, 1903. 8°.) 

Der vorliegende Band des wertvollen Nachschlagewerkes bringt die 
Fortsetzung der Florideen und umfaßt die beiden großen Familien der Rho- 
domalaceen und Ceramiaceen, von denen 1046 Arten diagnostiziert werden. 

Dr. A. Zahlbruckner. 

Lindan, G. Hilfsbuch für das Sammeln der Ascomyceten, mit Be- 
rücksichtigung der Nährpflanzen Deutschlands, Österreich- 
Ungarns, Belgiens, der Schweiz und der Niederlande. (Berlin, 
1903. 8°.) 

Wir haben bereits früher (Bd. LI, S. 224) das praktische Hilfsbuch von 
Lindau besprochen, welches dem sammelnden Mykologen eine wertvolle 
Stütze bildet. Das erste Buch bezog sich auf die Pilze aus den Gruppen der 
Chytridiaceen, Peronosporaceen, Uredinaceen, Ustilaginaceen, Exobasidiaceen 
und Exoascaceen, das im Titel genannte hingegen auf die Ascomyceten. 
Die Anordnung erfolgt nach dem Substrate, welches vier Gruppen umfaßt, 
und zwar: I. Pflanzliche Substrate, II. Tierische Substrate, III. Mist, IV. Erde 
und anorganische Substrate. Bei Aufzählung der Arten wurde unter Benützung 
der neuesten Literatur möglichste Vollständigkeit angestrebt. Das Büchlein ist 
allen Mykologen bestens zu empfehlen. Dr. A. Zahlbruckner. 



106 



Keferate. 



Hamburger, Dr. Franz. Arteigenheit und Assimilation. .Leipzig und 
Wien, Franz Deuticke, 1903. 8«. 73 S. Preis M. 1.50. 

Verfasser fußt in seinen Darlegungen auf den Ergebnissen der Immuni- 
tätsforschung und zieht aus denselben weitgehende Schlüsse die Assimilation 
und Vererbung betreffend. Er bespricht die Immunitätsreaktion, die Phäno- 
mene der Agglutination und Präzipitation, die Antikörper und die Spezifizität 
der Immunitäts- oder biologischen Reaktion. Jede Zelle besitzt Eigenschaften, 
welche lediglich der betreffenden Spezies, der die Zelle angehört, eigentümlich 
sind und welche dieselbe charakterisieren. Der Verfasser nennt dies die bio- 
chemische Arteigenheit. Es kommen aber außerdem jeder Zelle noch funktio- 
nelle Eigenheiten zu, welche durch die ihr im Organismus zufallende Arbeit 
bedungen sind. Allen Zellen ist ursprünglich die Fähigkeit der Aufnahme 
von Nährstoffen, das ist: artfremder Eiweißkörper eigen. Die Umwandlung 
artfremder in arteigene Eiweißkörper nennen wir Assimilation. Bei den 
höheren Organismen, bei welchen eine Differenzierung der Funktion der ein- 
zelnen Zellen eingetreten ist, hat die Mehrzahl der Zellen die Fähigkeit der 
Assimilation mehr oder minder verloren. Der Organismus ist gegen das Ein- 
dringen artfremder Eiweißkörper mechanisch geschützt, da dasselbe schädlich 
wirken würde. Die Umwandlung artfremder Eiweißkörper in solche gleicher 
biochemischer Struktur, wie sie der Art eigen sind, erfolgt durch den Ver- 
dauungsapparat, der als Schutzvorrichtung anzusehen ist und mittels welchem 
die artfremden Eiweißkörper in eine diffusible Form gebracht werden können. 
Im Verdauungsapparat werden dieselben nicht nur zerlegt, sondern auch 
wieder neu aufgebaut, und zwar in solche arteigene Struktur besitzende Ei- 
weißkörper. Bei der Befruchtung treten zwei Zellen, welche die gleiche bio- 
chemische Artstruktur und nur geringe individuelle Unterschiede haben, zu- 
sammen; es erfolgt daher keine Assimilation der Zellen untereinander, sondern 
eine Vermengung zu einer Zelle mit den Individualeigenheiten beider Eltern. 

Dies in Kürze das Wichtigste der interessanten Schiift, auf welche 
hier nicht näher eingegangen werden kann. J. Brunnthaler. 

Ellgier, A. Syllabus der Pflanzenfamilien. Eine Übersicht über das 
gesamte Pflanzensystem mit Berücksichtigung der Medizinal- und Nutz- 
pflanzen, nebst einer Übersicht über die Florenreiche und Florengebiete 
der Erde zum Gebrauch bei Vorlesungen und Studien über spezielle und 
medizinisch-pharmazeutische Botanik. Dritte, umgearbeitete Auflage. Berlin 
(Gebr. Borntraeger), 1903. 233 S. 

Englers Syllabus ist von den früheren Auflagen her allgemein be- 
kannt, so daß es genügen dürfte, auf die Unterschiede hinzuweisen, welche 
die dritte Auflage gegenüber der zweiten aufweist. 

Die erste Auflage des Syllabus (1892) begann mit einem sehr be- 
achtenswerten Abschnitte: „Prinzipien der systematischen Anordnung, ins- 
besondere der Angiospermen." Dieser Abschnitt sollte dem Studierenden 
die Einsicht verschaffen, „warum die Pflanzen in der angegebenen Reihen- 



Referate. 



107 



folge gruppiert werden", damit dieser nicht das System „als eine von Autori- 
täten diktierte Einteilung- des Pflanzenreiches" auffasse, ohne über deren 
Begründung nachzudenken. In der zweiten Auflage war dieser Abschnitt 
weggeblieben, „um mehr Raum für das Register aller in diesem Buche aut- 
geführten Gattungen zu gewinnen". In die dritte Auflage wurden diese 
„Prinzipien" mit vollem Rechte wieder aufgenommen und durch Einfügung 
einiger Absätze (über natürliche Verwandtschaft, über Reduktion der Pro- 
thallien u. a. m.) erweitert, ohne das Register deshalb zu schmälern. 

Das System selbst weist eine erhebliche Umgestaltung auf. Während 
in den beiden ersten Auflagen des Syllabus das ganze Pflanzenreich unr in 
vier Abteilungen gegliedert war (Myxothallophyta, Euthallophyta, Embryo- 
phyta soidiogama und Embryophyta siphonogama), finden wir jetzt nicht 
weniger als 13 (bezw. 14) solcher Abteilungen, nämlich: 



I. Abteilung. Phytosarcodina (Myxothallophyta, Myxomycetes). 



II. 




Schizophyta. 


III. 


n 


Flagellatae. 


IV. 




Dinoflagellatae. 


9 


V 


Süico flagellatae. 


V. 




Zygophyceae. 


VI. 


n 


Chlorophyceae. 


VII. 


n 


Charales. 


VIII. 


n 


Phaeophyeeae. 


IX. 


r) 


Dictyotales. 


X. 




Bhodophyceae. 


XI. 




Eumyeetes (Fungi). 


XII. 


r 


Emhryophyta asiphonogama (Ärchegomatae). 


XIII. 


n 


Embryophyta siphonogama (Siphonogamen, Phanero- 



gamen, Endoprothalliaten, Samenpflanzen). 



Die Abteilungen II — XI standen (zum Teil etwas anders gruppiert) in 
dem früheren System Englers als Unterabteilungen in der Abteilung der 
Euthallophyta. Eine Begründung für die Erhebung dieser Unterabteilungen 
zu (Haupt-) Abteilungen des Pflanzenreiches wird nicht gegeben ; jedoch dürften 
hiezu ähnliche Erwägungen maßgebend gewesen sein, wie jene, welche Wett- 
stein ^) zur Spaltung der Thallophyten in sechs Stämme veranlaßt haben. 
Die Umbenennung der früheren Embryophyta zoidiogama in Embryophyta 
asiphonogama wurde offenbar durch die Entdeckung der Spermatozoiden bei 
den Cycadeen und bei Ginkgo veranlaßt. 

Die Umstellungen einiger Klassen, Reihen und Familien innerhalb der 
einzelnen Hauptabteilungen des Systems sind nicht so erheblicher Art, als 
daß sie hier besonders erwähnt werden müßten. 



^) Wettstein, Handbuch der systematischen Botanik. I. Band (1901). 
— Vergl. das Referat in diesen „Verhandlungen", Bd. LI, S. 374—376. 



108 



Referate. 



Neu und sehr wertvoll ist der vor dem Register eingeschobene An 
hang: „Übersicht über die Florenreiche und Florengebiete der 
Erde." Es dürfte von Interesse sein, die Hauptgruppen dieser Übersicht hier 
wiederzugeben: I. Nördliches extratropisches oder boreales Floren- 
reich. 1. Arktisches Gebiet. 2. Subarktisches oder Koniferengebiet. 3. Mittel- 
europäisches Gebiet. 4. Makaronesisches Übergangsgebiet. 5. Mediterran- 
gebiet. 6. Zentralasiatisches Gebiet. 7. Temperiertes Ostasien. 8. Gebiet des 
pazifischen Nordamerika. 9. Gebiet des atlantischen Nordamerika. II. Paläo- 
tropisches Florenreich. 1. Nordafrikanisch -indisches Wüstengebiet. 
2. Afrikanisches Wald- und Steppengebiet. 3. Gebiet des südwestlichen Kap- 
landes. 4. Gebiet der südatlantischen Inseln. 5. Malagassisches Gebiet. 
6. Vorderindisches Gebiet. 7. Monsungebiet. 8. Gebiet der Sandwich-Inseln. 
III. Das zentral- und südamerikanische Florenreich, 1. Mittelameri- 
kanisches Xerophytengebiet. 2. Gebiet des tropischen Amerika. 3. Andines 
Gebiet. 4. Gebiet der Galapagos-Inseln. 5. Gebiet von Juan Fernandez und 
Masofuera. IV. Das australe (altozeanische) Florenreich. 1. Austral- 
antarktisches Gebiet Südamerikas. 2. Gebiet der Kerguelen. 3. Neuseeländi- 
sches Gebiet. 4. Australisches Gebiet. 5. Gebiet von Tristan da Cunha, St. Paul 
und Amsterdam-Inseln. V. Ozeanisches Florenreich (Meerwasserpflanzen). 

Die hier aufgezählten Gebiete zerfallen in Provinzen; so beispielsweise 
das mitteleuropäische Gebiet in die atlantische, subatlantische und sar- 
matische Provinz, die Provinz der europäischen Mittelgebirge, die pontische 
Provinz, die Provinzen der Pyrenäen, der Alpenländer, der Apenninen, der 
Karpathen, der westpontischen Gebirgsländer, des Balkan, des Jaila-Gebirges 
und des Kaukasus. Innerhalb der besser bekannten Provinzen werden dann 
noch Unterprovinzen (Zonen) unterschieden, die beispielsweise innerhalb der 
Provinz der Alpenländer sehr zahlreich sind. Fritsch. 



Eingelaufene Geschenke für die Bibliothelc. 

Nehring, A. Die geographische Verbreitung des Baumschläfers {Myoxus 
dryas Schreb.) und seiner Subspezies. Sep.-Abdr., Berlin, 1903. 8". 

Vom Verfasser. 

Rebel, H. Studien über die Lepidopterenfauna der Balkanländer. Sep.-Abdr., 
Wien, 1903. 8". Vom Verfasser. 

Boulanger, E. Les mycelium truffiers blancs. Rennes. Paris, 1903. 4^. 
Lavalle, A. Arboretum Segrezianum. Icones selectae arborum et fruticum 
in tortis Segrezianis colletorum. Paris, 1880. 4". 

Von Herrn M. Leichtlin. 
Resultats des campagnes scientifiques accomplies sur son yacht par Albert l^', 
prince souverain de Monaco. 
Fase. XXIII. Bryozaires provenant des campagnes de l'„Hirondelle". Par 
J. Julien et L. Calvet. Monaco, 1903. 4". 



Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek. 



109 



Fase. XXIV. Recherches sur l'existence normale d'arsenic dans rorganisme. 
Par S. Bertrand. Monaco, 1903. 4«. 

Von Sr. Hoheit dem Prinzen Albert I. von Monaco. 
\>rhandlnngen der Deutschen zoologischen Gesellschaft auf der XIII. Jahres- 
versammlung zu Wiirzburg, den 2.-4. Juni 1903. Leipzig, W. Engel- 
mann, 1903. 8". Von Herrn Dr. E. v. Marenzeller. 
Gaal de Gyula, G. Beiträge zur Vogelfauna des Balaton-Sees. Sep.-Abdr., 
Budapest, 1903. Gr.-8^. Vom Verfasser. 
Osten- Sacken, C. R. Record of my Life Work in Entomology. Cambridge, 
Mass., 1903. 8". Vom Verfasser. 
Pfitzer, E. Wilhelm Hofmeister. Heidelberg, C.Winter, 1903. Gr.-8^ 

Von der Verlagsbuchhandlung. 
Wettstein, R. v. Handbuch der systematischen Botanik. IL Band, 1. Teil. 

Leipzig und Wien, Fr. Deuticke, 1903. 8^. Vom Verleger. 

Abromeit, J. Flora von Ost- und Westpreußen, herausgegeben vom Preußi- 
schen botanischen Verein zu Königsberg i. Pr. I. Bd., 2. Hälfte. Berlin, 
1903. 8". Vom löbl. Preußischen botanischen Verein in Königsberg. 
Zahlbruckner, A. Neue Flechten. 1. Sep.-Abdr., Berlin, 1903. 8*^. 

— Vorarbeiten zu einer Flechtenflora Dalmatiens. I. — II. Sep.-Abdr., Wien, 
1901—1903. 8^ Vom Verfasser. 

N eh ring, A. Über eine Springmaus aus Nordwest-Kleinasien. Sep.-Abdr., 
Berlin, 1903. 8^ Vom Verfasser. 

Melichar, L. Homopterenfauna von Ceylon. Berlin, F. Dames, 1903. 8**. 

Von Herrn A. Handlirsch. 
Hein rieh er, E. Kritisches zur Systematik der Gsitt\iv\g Älectorolophus. Sep.- 
Abdr., Berlin, 1903. 8^. Vom Verfasser. 
Bau, A. Antwort an Herrn Dr. Kurt Flöricke. Freudenthal, 1903. 8^ 

Vom Verfasser. 

Boulanger, E. Germination de l'ascospore de la trufife. Paris, 1903. 4^ 

Vom Verfasser. 

Bonomi, A. Quinta contribuzione alla avifauna Tridentina. Rovereto, 1903. 8°. 

Vom Verfasser. 

Strand, Embr. Norske lokaliteter for Diptera. Sep.-Abdr., Christiania, 1903. 8". 

— Norske fund av Rhynchophorer. Ibid. 

— Hymenopterologisk bidrag til Norges fauna. Ibid. 

— Neue norwegische Schmetterlingsformen. Ibid. Vom Verfasser. 
Preissecker, Dr. Karl. Ein kleiner Beitrag zur Kenntnis des Tabakbaues 

im Imoskaner Tabakbaugebiete. Sep.-Abdr., 1903. Vom Verfasser. 
Hamburger, Fr. Arteigenheit und Assimilation. Leipzig und Wien, Fr. 

Deuticke, 1903. 8°. Von der Verlagsbuchhandlung. 

Anbei, H. Ein Wald- und Vogelherd oder „Hängen" und „Hauen". Zürich, 

Schrötter, 1903. 8°. Vom Verfasser. 

Macoun, J. Catalogue of Canadian Birds. Part II. Ottawa, 1903. 8^ 

Vom Verfasser. 



110 



Eingelaufene Geschenke für die Bibliothek. 



Becker, Th. Ägyptische Dipteren. (Fortsetzung und Schluß.) Berlin, A. Fried- 
länder & Sohn, 1903. 8°. Von Herrn A. Handlirsch. 

Strand, E. Theridiiden und Argiopiden, gesammelt von Mr. H. Seebohra in 
Krasnojarsk (Sibirien) 1878. Sep.-Abdr., Christiania, 1903. 8^ 

Vom Verfasser. 

Baker, C. F. Invertebrata Pacifica. Vol. I, p. 1— 12. Claremont, 1903. 8". 

Vom Verfasser. 

Andre, E. Speeles des Hymenopteres d'Europe et d'Algerie. Fase. 84. 

Paris, 1903. 8^ Vom Verfasser. 

Hayek, A. v. Beiträge zur Flora von Steiermark. II. (1902), III. (1903). 

Sep.-Abdr., Wien. 8°. Vom Verfasser. 

Burgerstein, A. Über die Bewegungserscheinungen der Perigonblätter 

von Ttilipa und Croeus. Sep.-Abdr., Wien. 8*^. Vom Verfasser. 

Lupsa, F. Die Nordpolsphinx oder Frage der modernen Nordpolforsclmng. 

Laibach, Hribar, 1903. 8^ Vom Verfasser. 

Goeldi, E. A. Album de aves amazonicas. Zürich, 1903. 4^ Li vre 2«. 

Vom Verfasser. 

Galvagni, E. Histologie des Genus Ctenodrillus Clep. Wien, Holder, 1903. 8". 

Vom Verfasser. 

Heyden, L. v. Beiträge zur Koleopterenfauna der nordwestlichen Teile 
Russlands. Sep.-Abdr., Riga, 1903. 8°. 
— Bestand der v. Hey denschen Koleopterensammlung im Jänner 1903 
an Arten (ausschließlich Rassen und Varietäten) aus der paläarktischen 
Region. Sep.-Abdr., Berlin, 1903. 8^ Vom Verfasser. 



VI. Internationaler Zoologenkongreß 

in Bern 

vom 14.— 19. August 1904. 



Auf dem V. in Berlin abgehaltenen Zoologenkongreß wurde 
als Versammlungsort des VI. Kongresses die Schweiz bezeichnet 
und als Präsident Herr Prof. Dr. Th. Studer in Bern erwählt. 
Als Zeitpunkt wurde der 14.— 19. August 1904 festgesetzt. 

Den vorbereitenden Ausschuß bilden: 
Präsident : 

Dr. Th. Studer, Professor an der Universität Bern, 

Vizepräsidenten : 

Dr. E. Beraneck^ Professor an der Akademie Neuchätel, 
Dr. H. Blanc, Professor an der Universität Lausanne, 
Dr. V. Fatio, Genf, 

Dr. L. Kathariner, Professor an der Universität Freiburg, 
Dr. A. Lang, Professor an der Universität und am Poly- 
technikum in Zürich, 
Dr. E. Yung, Professor an der Universität Genf, 
Dr. F. Zschokke, Professor an der Universität Basel. 
Generalsekretär des permanenten Komitees für die internationalen 
Zoologenkongresse : 
Dr. R. Blanchard, Professor an der Facult6 de Medecine, 
Paris. 

Sekretäre : 

Dr. M. Bedot, Professor an der Universität Genf, 
Dr. J, Carl, Assistent am naturhistorischen Museum Genf, 
Dr. W. Volz, Assistent am zoologischen Institut der Uni- 
versität Bern. 

Kassiere : 

E. V. Büren-v. Salis, Sachwalter in Bern. 
A. Bietet, Banquier in Genf. 



Mitglieder des wissenschaftlichen Komitees außer den genannten 
Vizepräsidenten : 
Dr. H. Strasser, Professor an der Universität Bern, Präsident, 
Dr. E. Bugnion, Professor an der Universität Lausanne, 
Dr. K. Burckhardt, Professor an der Universität Basel, 
Dr. H. Corning, Professor an der Universität Basel, 
Dr. U. Du er st, Privatdozent an der Universität Zürich, 
Prof. Dr. Aug. Forel in Chigny, 
Dr. F. Sarasin in Basel, 
Dr. P. Sarasin in Basel, 
Dr. H. Stehlin in Basel. 

Finanzkomitee. Präsident: E. v. Büren-v. Salis, Bern. 

Redaktionskomitee. Präsident: Dr. M. Bedot, Professor an der Uni- 
versität Genf. 

Empfangskomitee. Präsident: Dr. H. Kronecker, Professor an der 
Universität Bern. 

Quartierkomitee. Präsident: Dr. E. Hess, Professor an der Uni- 
versität Bern. 

Unterhaltungskomitee. Präsident: Dr. 0. Rubeli, Professor an der 

Universität Bern. 
Wirtschaftskomitee. Präsident: Dr. F. H. Graf, Professor an der 

Universität Bern. 
Preßkomitee. Präsident: Dr. G. Beck, Bern. 

Die allgemeinen Versammlungen werden im eidgenössischen 
Parlamentsgebäude in Bern, die Sektionssitzungen im neuen Uni- 
versitätsgebäude stattfinden. Während des Kongresses findet ein 
Ausflug nach Neuchätel und den Jura-Seen zur Besichtigung der 
dortigen Pfahlbaustationen statt. Die Schlußsitzung wird in Inter- 
laken abgehalten. Nach Beendigung des Kongresses werden die 
Teilnehmer zum Besuche anderer Schweizerstädte eingeladen. 

Man bittet, Anmeldungen von Vorträgen und Anfragen, welche 
den Kongreß betreffen, an den Präsidenten des VI. internationalen 
Zoologenkongresses, naturhistorisches Museum in Bern, Waisenhaus- 
straße, zu richten. 

Alle Zoologen und Freunde der Zoologie werden eingeladen, 
sich als Mitglieder am Kongreß zu beteiligen. 



Bericlit 

über die 

außerordentliche Generalversammlung 

am 11. Dezember 1903. 



Der Vorsitzende, Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein begrüßt die 
3 Versammlung, welche zu dem Zwecke einberufen wurde, um über 
2 einige vom Ausschüsse vorgeschlagene Abänderungen der Vereins- 
^ Statuten zu beschließen. 

Die Abänderungen beziehen sich ausschließhch auf die Ein- 
^ führung mehrerer Kategorien von Mitgliedern, und zwar von „Korre- 
^ spondierenden Mitgliedern", „Förderern" und „Unter- 
stützenden Mitgliedern". Zu korrespondierenden Mitgliedern 
sollen nur Ausländer ernannt werden, welche sich um die Wissen- 
schaft Verdienste erworben haben, zu Förderern solche Personen, 
welche die Interessen des Vereines durch Zuwendung eines von 
der Generalversammlung festzusetzenden erhöhten Jahresbeitrages 
fördern, zu unterstützenden Mitgliedern endlich Personen, welche 
die Bestrebungen des Vereines durch Entrichtung eines von der 
Generalversammlung zu bestimmenden niedrigen Jahresbeitrages 
f()rdern. 

Die Förderer sollen alle Rechte der ordentlichen Mitglieder 
haben, die unterstützenden Mitglieder dagegen nur das Recht, sich 
an den Veranstaltungen des Vereines zu beteiligen und die Biblio- 
thek sowie die Sammlungen der Gesellschaft innerhalb des Vereins- 
lokales zu benützen. 

Die Generalversammlung erhebt alle diesbezüglichen Anträge 
des Ausschusses einstimmig zum Beschlüsse. 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 8 



114 Bericht über die außerordentliche Generalversammlung. 



Hierauf werden die von den neuen Kategorien der Mitglieder 
zu leistenden Beiträge festgesetzt, und zwar: 

für die Förderer mit Kr. 50 jährlich, resp. Kr. 500 ein- für allemal, 
für die unterstützenden Mitglieder mit jährlich Kr. 4. 

Die in früheren Jahren zu „Mitgliedern im Auslande" ge- 
wählten Personen werden zu korrespondierenden Mitgliedern ernannt. 



Herr Kustosadjunkt A. Handlirsch hielt hierauf einen 
Vortrag : 

Über die Insekten der Vorwelt und ihre Beziehungen zu den 

Pflanzen. 

Der Vortragende erwähnt zunächst jene Objekte aus der 
Silurzeit, welche irrtümlich für Insekten gehalten wurden {Falaeo- 
hlattina Douvillei Brongn. und Frotocimex siluricus Moberg), und 
bespricht dann die in devonischen Schichten Nordamerikas aufge- 
fundenen ältesten Insekten und deren Stellung gegenüber den 
rezenten Formen. 

Fast alle bisher gefundenen zweifellosen Insektenfornien der 
devonischen Formation^) gehören in eine eigene Insektengrappe, 
welche wir in der Karbonzeit viel reicher entwickelt finden und 
welche als Stammgruppe aller heute lebenden geflügelten Insekten 
also der Pterypogenea im Sinne Brauers aufzufassen ist. Diese 
mit dem Schlüsse der Karbon zeit erlöschende Ordnung, für welche 
man den von Golden berg vorgeschlagenen Namen Palaeodictyo- 
ptera anwenden muß, enthält durchwegs Formen, deren Aussehen 
auf eine sehr niedrige Organisationsstufe deutet und sich nicht 
wesentlich von dem auf entwicklungsgeschichtUcher und morpho- 
logischer Basis konstruierten hypothetischen Frotentomon unter- 
scheiden dürfte. Es waren Insekten mit relativ kleinem, gesondertem 
Kopf, homonom gegliederten Fühlern, zum Kauen eingerichteten 
Mundteilen, drei homonomen Thoraxsegmenten, deren zweites und 

^) Nach der Ansicht des Phytopaläontolog-en D. White gehören die 
bisher dem Silur oder Devon zugerechneten insektenführenden Schichten Nord- 
amerikas in die Karbonformation. 



Bericht über die außerordentliche Generalversaramluiig-. 



115 



drittes mit gleichartigen, von einander unabhängigen und naliezu 
gleichen Flügeln versehen war. Das Geäder dieser vier Flügel 
zeigt in den Hauptzügen große Übereinstimmung mit dem von 
Com stock und Needham auf ontogenetischer Basis erzielten 
Grundschema des Flügelgeäders. Alle höheren Ausbildungen, wie 
die Ungleichheit der Flügel, die Bildung von Gelenkfalten, Kreuzung 
oder Verschmelzung von Adern u. s. w. fehlten jenen Urinsekten. 
Außer den Meso- und Metathorax-Flügeln waren aber auch noch 
in vielen Fällen flügelähnliche kleinere Anhänge des Prothorax 
vorhanden. Die Beine der Palaeodictyopteren waren homonom und 
zum Laufen geeignet. Der Hinterleib bestand aus 10 gleichartigen 
Segmenten, welche oft extremitätenähnliche, in manchen Fällen 
als Tracheenkiemen dienende laterale Anhänge besassen. Hinter 
dem 10. Segmente war das 11. Segment mit den Oerels erhalten. 

Die Lebensweise und innere Organisation dieser Palaeodictyo- 
pteren ist natürhch in Dunkel gehüllt, doch läßt sich annehmen, 
daß dieselbe nicht wesentlich von jener der tiefststehenden^ noch 
heute lebenden Insekten Ordnungen verschieden gewesen sein dürfte. 
Vermutlich waren also die Palaeodictyopteren Käuber, deren Larven 
im Wasser lebten und sich allmählich ohne „Verwandlung" und 
ohne Puppenruhe entwickelten. 

In der Steinkohlenzeit sind die Palaeodictyopteren reich ver- 
ti'eten und bereits so weit differenziert^ daß man in der Lage ist, 
sie in eine Reihe von Familien zu verteilen. 

Neben den typischen Palaeodictyopteren lebten aber bereits 
in der Karbonzeit eine Reihe höherer Insektentypen, die sich zwar 
noch wesentlich von den heute lebenden Formen unterscheiden, 
die uns aber deutlich erkennen lassen, wie sich eine Reihe unserer 
rezenten Insektenordnungen aus Palaeodictyopteren entwickelt hat. 
Zu diesen höher entwickelten palaeozoischen Insekten gehören 
z. B. die Protodonaten^ ein Bindeglied zwischen Palaeodictyopteren 
und Odonaten, die Protephemeriden, die Protorthopteren, Protoblat- 
tarien u. s. w. Von den heute lebenden Ordnungen waren in der 
Karbon zeit nur die Blattoidea vorhanden, und zwar schon in riesiger 
Formenzahl. 

Bei den Blattoiden kommen wir auch zuerst in die Lage, auf 
Beziehungen zu der Pflanzenwelt hinzuweisen. Schon Scudder 

8* 



116 Bericht über die außerordentliche Generalversammlung. 

hat auf die große Ähnlichkeit, welche zwischen gewissen Farnkraut- 
blättchen und Blattidenflügeln besteht, aufmerksam gemacht, eine 
Ähnlichkeit, die so weit geht, daß selbst ein geübtes Auge oft 
nicht leicht entscheiden kann, ob ein Abdruck als Blattidenflügel 
oder als Teil eines Pteridophytenwedels zu bezeichnen ist. Nament- 
lich Neuropteris und die Flügel gewisser ikfi/^ams-ähnlicher Blat- 
tiden zeigen besonders große Ähnlichkeit und legen durch ihr häufig 
gemeinsames Vorkommen den Gedanken an eine Anpassung des 
Insektes an den Aufenthalt nahe. Es ist eben sehr wahrscheinlich, 
daß auch schon die Karbonblattiden, ähnhch wie die heutigen 
Schaben, unter abgefallenem Laub und sonstigem vegetabiHschen 
Detritus lebten. Den höchsten Grad der Anpassung scheinen gerade 
jene Blattidenformen erreicht zu haben, welche als „Mylacriden" 
bezeichnet und von den Autoren irrtümlich für die Stammformen 
der Blattiden oder sogar aller Insekten betrachtet werden. 

Abgesehen von den Blattiden waren alle anderen Karbon- 
insekten vermutlich frei lebende, räuberische Tiere und standen 
in keinen näheren Beziehungen zu der Pflanzenwelt, welch' letztere 
in jener Zeit bekanntUch nur aus Fucoiden, Gefäßkryptogamen und 
Gymnospermen bestand. 

Wenn wir nun eine Stufe höher steigen und die Insekten weit 
der Permformation ins Auge fassen, so fällt uns zunächst das Er- 
löschen der echten Palaeodictyopteren auf. Wir finden dagegen 
noch Vertreter der oben erwähnten höher entwickelten Gruppen, 
wie der Protodonaten und Protorthopteren, ferner noch sehr viele 
Blattiden und ein BindegUed zwischen Palaedictyopteren und Hemi- 
pteren, den berühmten Eugereon, über welchen der Vortragende 
am selben Orte vor längerer Zeit bereits gesprochen hat. In den 
jüngeren Schichten dieser Formation treten dann auch bereits echte 
Hemipterenformen, Ephemeriden und wahrscheinlich auch Perliden 
auf. Sie alle scheinen noch nicht in nähere Beziehungen zur 
Pflanzenwelt getreten zu sein und wohl vorwiegend von animalischer 
Kost oder von Detritus gelebt zu haben. 

Viel gewaltiger sind die Veränderungen, welche sich in den 
untersten Schichten des Mesozoicums — in der Trias — an dem 
Insektenvolke vollzogen hatten, denn hier finden wir zum ersten- 
male echte Koleopteren und Sialiden-ähnliche Formen, also Insekten 



Bericht über die außerordentliche Generalversammlung', 1 1 7 



mit vollkommener Verwandlung-. Es liegt wolil nahe, diesen Um- 
schwung mit den großen klimatischen Veränderungen in Zusammen- 
hang zu bringen, deren Spuren in den Glazialphänomenen der 
südlichen Hemisphäre erhalten sind. Man nimmt an, daß in der 
Permzeit ein großer Teil der südlichen Hemisphäre mit Eis bedeckt 
war und daß sich dadurch auch das Klima der nördlichen Halb- 
kugel, welches während der Karbonzeit jedenfalls mild und frost- 
frei war, wesentlich änderte, daß kältere und wärmere Jahreszeiten 
eintraten, Hand in Hand damit auch Wüstenbildungen und trockene 
Zeiten. Alle diese Umstände erscheinen mir vollauf geeignet, die 
früher nicht bestandene Notwendigkeit von Ruhestadien in der 
Entwicklung zu erklären. 

Ob unter den Triasinsekten schon solche Formen bestanden, 
welche direkt auf Pflanzen angewiesen waren, ist nicht leicht zu 
entscheiden; immerhin erscheint es mir nicht unwahrscheinlich, 
daß unter den Koleopteren bereits einige Holzfresser waren. Auf- 
fallend ist folgender Umstand: Mit dem plötzlichen Erscheinen der 
Käfer fällt ein Zurücktreten der Blattiden zusammen. Leider sind 
die Funde an triassischen Insekten noch sehr spärlich und wir 
müssen annehmen, daß außer Koleopteren und Sialiden in jener 
Zeit auch schon allerlei andere Insekten existierten, die wir dann 
im Lias bereits in großer Formenzahl vorfinden. 

Die reichen Funde an Liasinsekten aus Mecklenburg, England 
und aus der Schweiz gestatten uns, ein Bild der damaligen Fauna 
zu entwerfen, welche aus Locustiden, Grylliden, Blattiden, Man- 
tiden, Odonaten, Ephemeriden, ? Perliden, Neuropteren im engeren 
Sinne, Koleopteren, Hemipteren, Homopteren, Panorpaten, Phryga- 
niden und orthorrhaphen Dipteren bestand. 

Unter diesen Formen sind sowohl unter den Koleopteren als 
unter den Homopteren wohl sicher Pflanzenfresser gewesen, aber 
durchwegs Formen, welche nicht an höhere Pflanzentypen, an 
Angiospermen, gebunden sind. 

Die Liasfauna setzt sich weiterhin in die Juraformation fort 
und wird im Dogger durch das Auftreten der Lepidopteren, im 
Malm durch das Auftreten der Hymenopteren und der Chresmodiden 
um drei wesentliche Elemente bereichert. Jene ersten. Lepidopteren- 
formen zeigen die größte Übereinstimmung mit den rezenten Lima- 



118 



Bericht über die außerordentliche Generalversammlung. 



codiden, einer Gruppe, welche nicht auf den Besuch von Blüten 
angewiesen ist, ebensowenig wie die ersten Hymenopteren, in 
welchen wir Sirex-ähniiGhe Formen erkennen, deren Larven jeden- 
falls so wie jene der Schmetterlinge Pflanzenfresser waren. In den 
Chresmoden, jenen langbeinigen Orthopterenformen Solnhofens, die 
man ursprünglich für Hydrometren oder Reduviiden gehalten hatte, 
erblickt der Vortragende ein- Übergangsglied von den Locustiden 
zu den Phasmiden. Für diese letztere Ansicht spricht außer morpho- 
logischen Tatsachen auch der Umstand, daß wir unter den echten 
Jura-Locustiden Formen finden, deren Beine zu einem Aufenthalt 
auf der Oberfläche des Wassers geeignet sind, und daß wir anderer- 
seits auch noch heute unter den Phasmiden wasserbewohnende 
Formen kennen. Das Gros der rezenten Phasmiden hat sich freilich 
durch die Anpassung an angiosperme Pflanzen wieder weit von 
dem ursprünglichen Typus entfernt. 

Bedauerlicher Weise hat uns die Kreideformation, in welche 
das erste Auftreten der Angiospermen fällt, bisher nur wenige 
Insektenreste geliefert, aber diese wenigen Funde zeigen uns schon, 
wie sich das Insektenvolk sofort der neuen Pflanzen bemächtigte: 
Man fand Salix-BVsiitGY mit Blatt wesp engallen und Eucalyptus- 
Blätter mit Coccidengallen. 

Welch' riesigen Einfluß das Auftreten der Angiospermen auf 
die Gliederung und höhere Ausbildung des Insektenstammes aus- 
geübt hat, können wir erst ermessen, wenn wir die Insektenfauna 
der Tertiärzeit mit jener der jurassischen Periode vergleichen. Zahl- 
reiche neu auftretende Formen stehen in direkten oder indirekten 
Beziehungen zu den neuen Pflanzen, z. B. die phytophagen Acridier^ 
Phasmiden, Physopoden, die höher entwickelten blütenbesuchenden 
Hymenopteren (Apiden etc.) und die bei solchen schmarotzenden 
Strepsipteren, die honigsaugenden Lepidopteren, dann auch jene 
höheren Dipteren, welche teils auf Blüten, teils auf den Parasitismus 
in Warmblütern angewiesen sind. Die große Vermehrung der warm- 
blütigen Wirbeltiere, namentlich das Auftreten der großen pflanzen- 
fressenden Gruppen, beruht gewiß auch auf dem Auftreten der 
Angiospermen und so hängt auch die Entwicklung der Diploglossaten, 
Mallophagen, PedicuUden, Siphonapteren, coprophagen Käfer und 
mancher Fliegengruppen {Oestridae, Tabanidae, Fupipara etc.) in- 



Bericht über die außerordentliche Generalversammhing. 119 



direkt mit der höheren Ausbildung' der Pflanzenwelt zusammen. 
Ferner finden wir in der Tertiärzeit bereits mannigfache Formen 
von Insekten, welche durch Anpassung* an die Umgebung, also z. B. 
an gewisse Pflanzenteile, wie Zweige, Blätter^ Blüten, ihren Feinden 
zu entgehen bestrebt waren. Hierher gehören z. B. die oben er- 
wähnten Phasmiden, verschiedene Hemipteren und Koleopteren u. s. w. 

Auch die geselhg lebenden Termiten, Ameisen und Bienen und 
die hochentwickelten Forficuliden treten erst in der Tertiärzeit auf 
und damit hat die Insektenwelt jene überwältigende Mannigfaltig- 
keit und Formenpracht erreicht, die wir mit Recht anstaunen und 
die dem Forscher eine unerschöpfliche Quelle von Anregung bietet. 

Nach Ansicht des Vortragenden waren es mithin drei Momente, 
welche die Entwicklung des Insektenstammes wesentUch beein- 
flußten: 1. Das Entstehen einer Landflora und Landfauna in der 
Silurzeit (die Grundbedingung für die Existenz der Insekten über- 
haupt); 2. die großen klimatischen Veränderungen während der 
Permzeit (der Impuls zur jedenfalls heterophyletischen Entstehung 
der Metamorphosen); 3. das Auftreten der Angiospermen in der 
Kreidezeit. 

Wir sehen aus dem Studium der Insektenpaläontologie wieder 
recht klar, welchen Einfluß die Veränderungen äußerer Lebens- 
bedingungen auf die Entstehung neuer Formen auszuüben im Stande 
sind, wir sehen ferner, daß derartige Einflüsse unter Umständen 
auff'allend rasch ihre Wirkung äußern. 



Bericht der Sektion für Lepidopterologie. 



Versammlung am 8. Jänner 1904. 
Vorsitzender: Herr Dr. H. Bebel. 

Herr Dr. Rebel spricht über einen Fall lokaler Häufigkeit 
von Argynnis Fiiphia L. ab. Valesina Esp. 9. 

Das k. k. naturhistorische Hofmuseum erhielt von Herrn Senats- 
präsidenten Josef Birnbach er eine Serie von 60 Stücken dieser 



120 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Form, welche von ihm in den Gail-Auen bei Mauthen in Kärnten 
im abgelaufenen Jahre erbeutet wurden. Nach den sehr inter- 
essanten Beobachtungen des genannten Herrn gehörte beiläufig der 
dritte Teil der dort vorhandenen weiblichen Individuen der dunklen 
ab. Valesina an, während in den meisten Gegenden Mitteleuropas 
wie auch bei Wien diese Aberration viel seltener auftritt und in 
manchen Jahren gar nicht beobachtet wird. Die ersten cf erschienen 
im Jahre 1903 in den Gail-Auen um den 10. Juli, beiläufig eine 
Woche später die normalen, gelbbraunen 9 und erst vom 1. August 
ab die dunklen 9 der ab. Valesina. 

Letztere wurden von den viel lebhafter aufgesucht und 
umschwärmt als die normal gefärbten 9, was einerseits mit der 
vorgeschrittenen Flugzeit der cf, andererseits aber auch mit der 
dimorphen Färbung dieser wxiblichen Individuen im Zusammen- 
hange stehen mag. 

Die vorliegenden Valesina-^tncke variieren in der Intensität 
der graugrünen Färbung der Oberseite. Bei einzelnen sehr dunklen 
Exemplaren werden auch die weißgelben Subapikalflecke der Vorder- 
fltigel, die sonst bei dieser Form meist deutlich sichtbar sind, un- 
deutlich. 

Nach einer freundlichen Mitteilung des Herrn Metzger hat 
Prof. Sei dl die ab. Valesina auch weiter östlich in Kärnten im 
Gebiete des Loiblpasses sehr häufig getroffen. 

Die phylogenetische Bedeutung dieser w^eiblichen Aberration 
wurde in den Sitzungsberichten des Vorjahres (in diesen „Verhand- 
lungen", 1903, S. 162 fiP.) erwähnt. 

Herr E. Galvagni bemerkt hierzu, daß er gelegentHch einer 
Radfahrt vom Brenner durch das Pustertal Argynnis Paphia ab. 
Valesina Esp. ebenfalls häufig beobachtet habe, und daß auch 
Neustet t er über das „ziemHch häufige" Auftreten dieser Form 
beim Warmbad Villach berichtet habe (X. Jahresber. d. Wr. Ent. 
Ver., 1899, S. 35). 

Herr Otto Bohatsch läßt eine Anzahl von Noctuiden -Aber- 
rationen aus seiner Sammlung zirkulieren, darunter befinden sich 
nachstehende mit einem heimischen Fundortsnachweis: 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



121 



Äcronicfa Tridens Schiff, ab. Virga Tutt., Göttelsbrunn. 
Oranioplm'a Ligustri F. ab. SundevcdU Lampa, Umgebung Wiens. 
Agrofis Comes Hb. ab. ohne schwarze Saumbinde der Hinterflügel, 

gezog-en in Mödling (Schieferer, 1883). 
A. Cinerea Hb. ab. Ohsmra Hb. 9, Umgebung Wiens. 
A. Tritici L. var. Selig tnis Dup., Budapest. 
A. Segetum Schiff, ab. Fallida Stgr., Wien. 

Herr Wilh. SeHgmann, als Gast, berichtet über 25 Lepido- 
pterenarten, welche im Laufe der abgelaufenen Saison im I. Bezirke 
von Wien am elektrischen Lichte des Künstlerkaffees (gegenüber 
der Universität) erbeutet wurden ; darunter befanden sich: Episema 
Glancina Esp. var. Denümacula Hb., Teplwodysüa Linariata F., 
Ennomos Fuscantaria Hw., Eiiholia Arenacearia Hb. var. Flavidaria 
Ev. und Hexnalus Sylvina L. 

Auch Endromis Versicolora L. wurde in zwei weiblichen 
Stücken auf der Ringstraße erbeutet. 

Herr Dr. Rebel macht auf das Erscheinen einer sehr be- 
merkenswerten Arbeit von J. Dewitz: „Über die Herkunft des 
Farbstoffes und des Materiales der Lepidopterenkokons" (Zoolog. 
Anz., XXVn, S. 161 — 168) aufmerksam und stellt eingehendere 
Mitteilungen über diesen Gegenstand in Aussicht. 



Versammlung am 5. Februar 1904. 
Vorsitzender: Herr Dr. H. Rebel. 

Der Vorsitzende bringt eine Zuschrift des Herrn Constantin 
V. Hormuzaki (Czernowitz) zur Verlesung, worin derselbe unter 
Bezugnahme auf die Mitteilung des Herrn E. Galvagni, betreffend 
eine fragliche zweite Generation von Nemeobius Lmina L. (Sektions- 
bericht vom 6. November 1903 in diesen „Verhandlungen", S. 570), 
bemerkt: „Diese hier (in der Bukowina) sehr häufige Art kommt 
regelmäßig in den ersten Tagen des Mai bis Ende des Monats vor, 
ist dann gar nicht zu sehen und tritt wieder in der zweiten Juli- 
hälfte bis Ende August in solcher Unmenge auf, daß Herr Pastor 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 8** 



122 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



Pfitzner, den ich an die betreffenden Fundorte geleitete, darüber 
nicht wenig erstaunt war. Diese Stücke zeigen einen entschiedenen 
Saisondimorphismus und sind bedeutend dunkler mit sehr kleinen 
Flecken." 

Herr Fritz Preißecker macht sodann unter Vorweisung des 
Belegmaterials eingehendere Mitteilung über seine reiche Sammel- 
ausbeute in den Jahren 1902 und 1903 aus dem Wald viertel in 
Niederösterreich, welche namentlich durch das Auffinden einer Reihe 
von Arten, welche bisher nur aus alpinen oder subalpinen Lokali- 
täten in Niederösterreich bekannt waren, ein großes Interesse ge- 
währt. Auch eine Anzahl aberrativer Stücke, beispielsweise ein 
Weibchen von Ematmga Atomaria L., welches der bisher nur im 
männlichen Geschlechte bekannt gewesenen Aberration Unicoloraria 
Stgr. zuzurechnen ist, verdient hervorgehoben zu werden. 

Herr Dr. Galvagni und Herr Fritz Wagner, die ebenfalls 
im Wald viertel sammelten, sind in der Lage, Ergänzungen zu geben, 
die zu einer gemeinsamen Pubhkation der drei genannten Herren 
vereint werden sollen. 

Herr Sektionsrat Dr. Schima bemerkt zu den Mitteilungen 
des Herrn Preißecker, daß er ähnliche faunistische Erscheinungen 
auch bei Neuhaus in Südböhmen beobachtet habe, wie Laspeyria 
Flexula Schiff., Lygris Fopulata L., Larentia Variata S.-V. var. 
Oheliscata Hb., Tapinostola Ilellmanni Ev. und Bomolocha Fontis 
Thnbg. Auf den dortigen Sümpfen dürfte auch Colias Falaeno L. 
var. Ettropome Esp. aufgefunden werden können. 

Herr Preißecker weist ferner noch nachfolgende Stücke vor: 

1. Ein am 23. September 1903 im Michaeierwalde in Wien 
an Apfelschnitten geködertes helles cf der in Niederösterreich sel- 
tenen Leucania Vitellina Hb. 

2. Ein am 23. Mai 1903 in Kemmeibach bei Ybbs a. d. Donau 
erbeutetes Stück von Äbraxas Marginata L. ab. Nigrofasciata 
Schöyen. Da für diese Abart im Staudinger-Rebeischen Katalog 
(Nr. 3700 b) als sichere Fundorte nur Norwegen und Kentei ange- 
geben sind, die Angabe „etc." aber mit einem Fragezeichen ver- 
sehen ist und nach dem vorliegenden Funde kaum ein Zweifel be- 
stehen dürfte, daß diese Form überall unter der Stammart auftreten 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



128 



anD, ist das erwähnte Fragezeichen sowie jenes nach „ab." im 
ataloge zu streichen. 

Herr Fritz AYagner weist eine Serie von Coenonympha Ar- 
fa>;if/-Stiicken vom Mangert vor, die sich nachträglich als zur var. 
Philea Frr. gehörig herausstellten. 

Herr Dr. Karl Schawerda legt eine Aberration von Ärctia 
Caja L. aus Niederösterreich sowie ein cT von Ltjcaena Ärgiades 
Pall. mit oberseits schwarzen Hinterflügeln vor, welches auf der 
Hohen Wand bei ca. 1000 erbeutet wurde; ferner ein ausge- 
sprochenes Stück der iVberration Caerulea Fuchs von Lycaena Icarus 
Rott, von Piesting und mehrere 9 von Chrysophanus Hippotho'e L. 
ebendaher, welche auf den Vorderflügeln zum größten Teile lebhaft 
goldrot gefärbt sind. 

Herr Dr. Rebel bemerkt noch zu Lycaena Icarus Rott. ab. 
Caerulea Fuchs, daß die Diagnose im Kataloge (Nr. 604 b) statt 
^al. post. caeruleis" zu lauten habe: „al. omnihus cae^^uleis". 

Schließlich legt der Vorsitzende noch die preisgekrönte Publi- 
kation von J. Th. Oudemans, „Etüde sur la position de repos chez 
les Lepidopteres", Amsterdam, 1903, mit einem eingehenderen Re- 
ferate vor. 



Bericht der Sektion für Botanik. 

Versammlung am 20. November 1903. 
Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy. 

Herr Dr. A. v. Hayek hielt einen Vortrag: „Die Saxifraga- 
Arten aus der Sektion Forphyrion Tausch und ihr ent- 
wicklungsgeschichtlicher Zusammenhang." 

Hierauf sprach Herr Dr. F. Vierhapper über Erigeron poly- 
morphus Scop. 

Erigeron polymorpJius Scop. ist jene Pflanze, welche von 
Gaudin und den meisten späteren Autoren als E. glahratus be- 



124 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



zeichnet wurde, aber schwerlich Hoppes E. glabratus. Von dem 
nahe verwandten E. alpinus L. unterscheidet sich E. polymorphus 
vor allem durch das Fehlen von kurzen röhrigen weiblichen Blüten, 
welche bei Erigeron alpinus sich konstant zwischen den rand- 
ständigen weiblichen Zungenbliiten und den scheibenständigen 
Zwitterblüten eingeschaltet finden. 

Der Vortragende erörterte hierauf ausführlich das Verbreitungs- 
gebiet der in Rede stehenden und der zunächst verwandten Arten. 

Zur Demonstration gelangten mikroskopische Präparate von 
Befruchtungsorganen von Rhodophyceen und Phaeophyceen (von 
Herrn G. Kraskowits) und von den Blatthydatoden von Saxi- 
fraga opposiüfolia (von Herrn Dr. A. v. Hayek). 



Versammlung am 18. Dezember 1903. 
Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy. 

Herr Privatdozent Dr. W. Mitlacher hielt einen Vortrag: 
„Über die Beziehungen der Botanik zur Toxikologie und 
forensischen Medizin." 

Die Vergiftungen können absichtliche (Mord oder Selbstmord) 
oder zufälHge sein. Diese zerfallen in medizinale und ökonomische 
Vergiftungen. Die letzteren kommen am häufigsten nicht durch 
allgemein bekannte Giftpflanzen zustande, sondern meist durch 
Pflanzen, die weniger gekannt sind (z. B. Batura strammonium) 
oder deren Giftigkeit nicht allgemein bekannt ist (z. B. Cytisus 
lahurnum). Zur Erkenntnis, welches Gift die schädliche Wirkung 
hervorgebracht hat, kann das klinische Krankheitsbild führen, doch 
ist die Diagnose oft nicht zu stellen, weil die Kranken in schwer 
komatösem Zustande sich befinden. Auch die chemische Unter- 
suchung führt häufig nicht zum Ziele, weil die Gifte im Körper 
rasch zersetzt werden. Hingegen bringt die mikroskopische Unter- 
suchung der genossenen Substanz in den meisten Fällen die nötige 
Aufklärung. 

Der Vortragende besprach sodann eine Reihe jener Pflanzen, 
durch die am häufigsten Vergiftungen vorkommen, insbesondere die 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



125 



giftigen Pilze, Mutterkorn, Juniperus Sabina, Colchicum, Aconitum, 
Fapaver, Cytisus lahurnum, Buta graveolens, Stryclmos mix vomica, 
Cicuta, Conium, Atropa, Ilyosciamus, Datura, Bigitalis, sowohl in 
toxikologischer als in vergleichend-anatomischer Beziehung und wies 
besonders auf die wichtigsten Merkmale hin, welche die mikro- 
skopische Untersuchung der Pflanzen, besonders auch im fein zer- 
kleinerten Zustande zeigt. 

An den Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Debatte, an welcher 
sich unter Anderen die Herren Mayerhofer, Prof. Schiffner, In- 
genieur Schor stein und der Vortragende beteiligten. 

Hierauf hielt Herr Dr. Otto Porsch einen Vortrag: „Über 
den Spaltöffnungsapparat von Casuarina und seine phylo- 
genetische Bedeutung." 

Die Untersuchungsergebnisse des Vortragenden lassen sich in 
folgende Hauptpunkte zusammenfassen. Der Spaltöffnungsapparat 
von Casuarina zeigt im großen und ganzen alle charakteristischen 
Hauptmerkmale des Gymnospermen typus und unterscheidet sich 
von ihm hauptsächlich durch folgende drei Merkmale. Die für die 
Schließzellen der Gymnospermen charakteristischen Holzlamellen 
sind hier durch Kutinlamellen ersetzt, welche aber sowohl in ihrer 
Ausdehnung als in ihrer Abgrenzung gegen den Zelluloseteil der 
Membran im allgemeinen den Holzlamellen der Gymnospermen 
homolog sind. Die Rückenwand, deren obere Hälfte an der Über- 
gangsstelle in die Membran der Nebenzelle auffallend stark verdickt 
und kutinisiert ist, besitzt in ihrer unteren, dünneren Hälfte unter- 
halb des Kutinwulstes 6 — 8 in einer Reihe liegende Membran- 
verdickungen, welche ebenfalls kutinisiert sind. Dieses Merkmal 
stellt dem Apparate der Gymnospermen gegenüber eine Neuer- 
werbung dar. Durch seine auffallende Kleinheit entfernt sich der 
Apparat von dem der meisten übrigen Gymnospermen und stellt 
sich diesbezüglich dem von Gnetum an die Seite, welcher unter 
sämtlichen Gymnospermen die kleinsten Dimensionen aufweist. In 
allen übrigen für die Gymnospermen charakteristischen Merkmalen, 
wie der Einsenkung der Schließzellen, der charakteristischen Quer- 
schnittsform bei medianer und polarer Schnittführung, in der sattel- 
förmigen Gestalt der Schließzellen, der Form des Porus u. s. w. 



126 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



stimmt er jedoch mit jenen vollkommen überein. Da die ver- 
gleichende Untersuchung einer größeren Anzahl von Pflanzen der 
verschiedensten Familien, welche infolge analoger Anpassung mit 
Casuarina eine sehr weitgehende habituelle Konvergenz zeigen, 
ergab, daß die Spaltöffnungen derselben in ihrem gesamten histo- 
logischen Bau ausnahmslos der Ausdruck ihrer bezüglichen systema- 
tischen Stellung sind, war hiermit der Nachweis erbracht, daß die 
für die Casuarinaceen charakteristischen Merkmale nicht als bloße 
Anpassungsmerkmale zu erklären sind; vielmehr gelangen darin 
die ehemaligen Verwandtschaftsbeziehungen dieser Familie mit den 
Gymnospermen zum Ausdrucke, welche aus einer Reihe anderer 
Merkmale (Besitz des Transfusionsgewebes, Embryosackverhältnisse, 
Bau von Frucht und Samen etc.) deutlich hervorgehen. So wie 
die Gattung Casuarina in ihrem Blütenbau auf dem Wege ihrer 
phylogenetischen Entwicklung über die Vorfahren unserer Gymno- 
spermen hinaus ihre eigenen Wege gegangen ist, hat sie auch die 
Merkmale des Spaltöffnungsapparates derselben in vollständig selb- 
ständiger Weise modifiziert, ohne den Typus zu verwischen, welcher 
ihr als Ausgangspunkt gedient hat, ein weiterer glänzender Beweis 
für die hohe phylogenetische Bedeutung dieses Apparates als phyle- 
tisches Merkmal. 

Alle übrigen Einzelheiten der Untersuchungsergebnisse wird 
eine demnächst in der „Österr. botan. Zeitschr." erscheinende aus- 
führliche Darstellung bringen. 

Herr Dr. A. Ginzberger legte die neue Literatur vor. 

Versammlung am 22. Jänner 1904. 
Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy. 

Herr Guido Kraskowits hielt einen Vortrag: „Über nor- 
wegische Algenvegetation." 

Der Vortragende berichtete über die von ihm gelegentlich eines 
Aufenthaltes in Bergen vom September bis November 1903 ge- 
machten Beobachtungen. 

Infolge der mannigfachen klimatisch-geographischen und ozeano- 
graphischen Verhältnisse bietet die norwegische Westküste Gelegen- 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



127 



heit zur Entwicklung- einer interessanten Algenflora; die stärker 
unter dem Einflüsse des Golfstromes stehenden Küstenstriche be- 
herbergen zum Teil mehr südliche, dem wärmeren Wasser angepaßte 
Formen, die nördliche Küste wieder mehr arktische, Kaltwasser- 
formen; die Fjorde und schützenden Inseln enthalten Formen, die 
ruhigeres Wasser vorziehen, im Gegensatze zu anderen an offener 
Küste, welche die Brandung lieben. 

Eine strenge Grenze läßt sich nicht ziehen, jedoch zeigt die 
Beobachtung, daß gewisse Formen einzelne Verbreitungsgebiete 
strikte einhalten. Der Einfluß des Bewegungszustandes des Wassers 
ist auf die Algen weit größer, als Temperaturverschiedenheit des 
Mediums. 

Am instruktivsten ist es, wenn man die Algen in ihrer Ver- 
breitung in der Vertikalen verfolgt. Man sieht, daß einzelne Arten^ 
die im ruhigen Wasser in den Fjorden und an geschützten Tnsel- 
bänken nahe an der Oberfläche wachsen, tiefer ziehen, wenn sie 
an offener Küste vorkommen; denn wegen ihrer Thalluskonstruktion 
können sie sich an Wasserschichten anderer Bewegungsart nicht 
akkommodieren. Im allgemeinen kann man wohl die Zonen des 
Vorkommens an offener Küste, wo die Wasserschichten alle Be- 
wegungsarten besitzen, als Regel annehmen und daraus das Vor- 
kommen im Fjorde an geschützter Stelle ableiten. 

Es sei im Folgenden kurz eine Übersicht^) über die wichtig- 
sten Verbreitungszonen (vertikal) gegeben. 

Man kann unterscheiden: 
1. Die Brandungszone, ca. — 1 m (bei tiefster Ebbe- 
grenze). 

IL Die litorale Region, 1 — 4 m. 

III. Die sublitorale Region, 4 — 10 m. 

IV. Die elitorale Region, 10 m bis an die Grenze der zur 

Assimilation nötigen Lichtmenge (verschieden, bis ca. 
30 m). 

Schließlich wäre noch V. eine Beckenregion hinzuzufügen, 
zusammenfassend Typen, die in kleinen Erosionsbecken der Insel- 

^) Aufgestellt nach eigener Beobachtung mit Anlehnung an die Arbeiten 
von H. H. Grau und P. Boye. 



128 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



felsen am häufigsten oder ausschließlich vorkommen. Hier trifft man 
auch Formen, die gewöhnlich in anderen Zonen wachsen, jedoch 
hier einen etwas veränderten Charakter annehmen. 

Die häufigsten und wichtigsten Typen der einzelnen Eegionen 
sind wie folgt: 

I. Hierher gehören Formen, die zeitweihge Trockenheit vertragen 
und im Thallus Festigkeitselemente besitzen. 
a) Phaeophyta: Fucus vesiculosus L., F. serratus L., F. Äre- 
schougii Kjellm., {Fucus ceranoides L., seltener!) Äsco- 
phyllum nodosum Le Jol., Pelvetia eanaliculata Decsne. 
(die Festigkeit wird hier vermittelt durch rinnenförmige 
Ausgestaltung des Thallus), Himantalia larea (L.) Lyngb. 
(ausschließUch Brandungsform, auf die offene Küste be- 
schränkt), Ectocarpus auf Äscophyllum und Fucus epi- 
phytisch. 

h) ßhodophyta: Chondrus crispus (L.) Stackh., Gigartina 
mammillosa J. Ag., Furcellaria fastigiata (Huds.) Lamour. 

c) Chlorophyceae: ülva lactuca L., Enter omorpha, Clado- 
phora. 

11. In diese Zone reichen sowohl noch Fucaceen als auch die drei 
vorhin genannten Rhodophyten. Typisch sind von Phaeo- 
phyten: Halidrys siliquosa (L.) Lyngb. (brüchiger Thallus, 
verträgt keine Trockenheit) und die Laminariaceen. 

Laminaria Claustonii Edm., mit dickem Cauloid und 
steifem Phylloid; L. stenophylla L. flexicaulis), mit dün- 
nem Cauloid und tief gespaltenem Phylloid (bis 4 m lang) ; 
L. saccharina (L.) Lamour. und L. saccJiarina f. phyllitis; 
Älaria esculenta (L.) Grev., Chorda fdum (L.) Stackh. 

Die Rhodophyten bilden hier eine Epiphytenzone auf 
Laminaria Claustonii (nicht auf L. stenophylla). 

Dieses Vorkommen ist aus biologischen Gründen leicht 
erklärlich. Die meisten dieser Formen besitzen einen leicht 
verletzbaren Thallus, sei es durch Brechen oder Reißen, und 
sind durch die Epiphytie auf den iamwaria-Cauloiden hin- 
reichend geschützt, andererseits sind sie dadurch einem gleich- 
mäßigen Lichtgenuß ausgesetzt; anderenfalls müßten sie selb- 



Versainmlinig- der Sektion für Botanik. 



129 



ständig wachsend infolge ihres geringen Widerstandes und 
Auftriebes mit einer Fläche dem Substrate anliegen. Es sind 
zu nennen: lihodymeula palmata (L.) Grev., Delesseria sinuosa 
Lamour., D. alata Lam., Ftiloia plumosa (L.) Ag., BJwdo- 
mela lijcopodiades (L.) Ag., Flocamntm coccineuni Lyngb., 
Folysiplwnia violacea Grev., F. urceolata Grev., Ceramkim 
rühr um Ag., Callithamnion, Spermotliamnion, Antithamnion 
{Melohesia, inkrustierend auf den Cauloiden von L. Claustonii). 
Chlorophyceae: Chaetomorplia Melagonicum Kutz.^ Clado- 
phara rupestris (L.) Kutz., alle diese auch epiphy tisch auf 
Laminaria. 

III. Laminaria saccharina aus der oberen Zone noch hier herab- 

reichend, Chorda, Clwrdaria, Besmaresüa aculeata (L.) Lam. 

IV. Besmarestia, Chorda (weniger häufig), LitJtothamnion fascdcu- 

lattwi Lamour. auf Muscheln, Spongien und Steinen. 

V. Phaeophyta: Leathesia difformis (L.) Aresch. 
Cyanophyceae : Hyella Balani (Lehm.) auf J?akmws-Schalen. 

Diese kurze Übersicht soll nur annähernd ein Bild der Vege- 
tation der norwegischen Küste geben und kann natürlich nicht 
Anspruch auf Vollständigkeit machen, da nur die wichtigsten und 
interessantesten Typen aufgezählt sind. 

Herr Dr. E. v. Halacsy besprach unter gleichzeitiger Demon- 
stration den auf dem Taygetos aufgefundenen Bastard: Äspidium 
acideatum X lonchitis nov. hybr. 

Aspidium lonchitiforme. FJmomate crasso, ohliquo, mm 
petiolo rhachideque rufo-paleaceo, frondihus coriaceis, hrevissime 
petiolaüs, p^erhyemantibus, 2!) — 37 cm longis, medio 6 — 8 cm latis, 
simpliciter ^/w^wrt^isecfis, p>innis midtijugis, cdternis, approximaüs, 
hreviter petiolulatis, deorsum et sursum decrescentihus, patentihus, 
sursum falcaüs, suhtus praesertim ad nervum medium paleaceis, 
hasi ad nervum medium usque incisis, ceterum inciso-dentatis, denti- 
hus spinulosa-denticulatis, infimo lateris superioris pinnarum in 
auriculam trapezoideo-rhomheam, ceteris ad duplo majorem producta, 
pinnis summis simpliciter spinuloso-denticulatis vel suhintegris ; soris 
orhicidatis, seciis nervum medium ut/rinque uniseriatis, indusio mem- 

Z. B. Ges. Bd. LIY. 9 



130 



Versammlung- der Sektion für Botanik. 



hranaceo, peltato, margine suhintegro; sporangiis reticulato-venosis, 
annulo articulato verticali cinctis,, sterilihus. 

Hab. in Feloponneso, in rupestrihus regionis superioris montis 
Taygetos Laconiae, ubi specimen unicum cura II. Zahn mense Junio 
1898 lectum fuit. 




Ein der oben erwähnten Kombination entstammender Bastard 
scheint bislang nicht beobachtet worden zu sein, wenigstens findet 
sich in der Literatur nichts von einem solchen erwähnt. Wohl 
hat Murbeck in „Beiträge zur Kenntnis der Flora Südbosniens 
und der Herzegowina", S. 16 eine diesem sehr nahestehende Hybride 
— A. lobatum Huds. X lonchitis (L.) — veröffentlicht, welche der 
Beschreibung nach dem Ä. lonchitiforme sehr ähnlich sein muß, 
allein mit demselben doch nicht identisch sein kann, da dieselbe 
eben von dem A. aculeatiim L. verwandten A. lobatum Huds. 
herstammt. Allerdings stehen sich A. aculeatum L. und A. lobatum 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



131 




9* 



132 



Versammlung' der Sektion für Botanik. 



Huds. sehr nahe und, wie mir scheint, sind sie wenigstens im Her- 
bare nicht immer mit Sicherheit von einander zu unterscheiden, 
da bald das eine, bald das andere ihrer charakteristischen Merk- 
male fehlt, doch sind sie in ihren typischen Formen recht gut 
auseinander zu halten und es ist auch wahrscheinlich, daß diese 
Unterscheidungsmerkmale auch im Bastarde, bei genauem Vergleich 
der Exemplare, irgendwie zum Ausdrucke gelangen werden. 

In Griechenland kommen übrigens beide erwähnten Neben- 
arten vor, Ä. lobatum jedoch nur im Norden des Landes, mit 
Sicherheit nur am thessalischen Olymp, wo es von Heldreich 
entdeckt, später von Sintenis und Bornmüller wieder gefunden 
und im Iter turcicum, Nr. 1543 in instruktiven Exemplaren aus- 
gegeben wurde. Im Süden des Landes, beziehungsweise im Pelo- 
ponnes kommt jedoch nur A. amleatmn vor, speziell auf dem 
Taygetos ist bisher nur dieses allein angetroffen worden und es 
unterliegt für mich daher auch keinem Zweifel, daß A. lonchitiforme 
aus einer Kreuzung dieser letzteren und nicht des A. lohatum mit 
A. loncliitis hervorgegangen sei. 

Ich fand den eben beschriebenen Bastard unter einer großen 
Zahl von Heldreich vor einigen Jahren mir zugesendeten, zur 
Verteilung im Herbarium graecum normale bestimmten Exemplaren 
von A. loncliitis in einem einzigen prachtvollen Individuum vor. 

Der Bastard hält habituell genau die Mitte zwischen den 
Stammeltern und unterscheidet sich von A. aculeatum auf den 
ersten BHck durch die schmäleren, einfach tiederschnittigen Wedel, 
von A. loncliitis ebenso leicht durch die längeren und breiteren 
Wedel, die tief eingeschnitten-gezähnten Fiedern derselben, be- 
sonders am Grunde, wo das Ohrchen durch einen bis zum Mittel- 
nerven reichenden Einschnitt getrennt erscheint, von beiden über- 
dies durch die SteriHtät. 

Herr Heinrich Freih. v. Handel-Mazzetti sprach „Über 

Salix glaucovillosa^'. 

In der Versammlung am 19. Juni 1903^) legte ich unter dem 
neuen Namen Salix glaucovillosa eine Weide vor, welche ich auf 



^) Verg-l. diese „Verhandlung-en", 1903, S. 358. 



Versammluno: der Sektion für Botanik. 



133 



Grund ihrer morphologischen Eigenschaften für einen Bastard aus 
*S'. (jlahra und incana erklärte. Ich habe seither den Standort 
dieser Pflanze bei Türnitz nochmals aufgesucht und dabei kon- 
statiert, daß S. glahra in der Umgebung desselben fehlt, dagegen 
S. nigricans sehr häufig ist, worauf ich bei meinem ersten Besuche 
zu wenig geachtet und es dann für selbstverständlich gehalten 
hatte, daß die in den niederösterreichischen Voralpen sehr ver- 
breitete S. glahra dort nicht fehlen wird. Es wurde mir nun sofort 
klar, daß *S'. glaucovillosa nur ein Bastard nigricans X incana 
sein kann, falls sich ihre Merkmale aus denjenigen dieser beiden 
Arten ableiten lassen. Tatsächlich ergab nun eine neuerliche ge- 
naue Untersuchung der Pflanze, daß diejenigen Merkmale, welche 
ich für die Entscheidung zu Gunsten von S. glahra benützte, 
nämlich die kahlen zweijährigen Zweige, die starke Glauzeszenz 
der Blätter und insbesondere die einfarbigen Kätzchenschuppen 
durch den überwiegenden Einfluß der S. incana ebensogut bei 
Kreuzung mit S. nigricans wie mit S. glahra erzeugt werden können. 
Ich bin übrigens tiberzeugt, daß ein Bastard glahra X incana, dessen 
Auffindung noch zu erwarten wäre, von S. glaucovillosa morpho- 
logisch tatsächlich nicht verschieden sein wird. — Zur Diagnose 
wäre noch zu ergänzen, daß die Pflanze auch nahezu baumförmig 
(ca. 6 m hoch) vorkommt. 

Über die Existenz des vorliegenden Bastardes findet sich in 
der Literatur nur eine Notiz bei Krause, Floristische Notizen 
(Botanisches Zentralblatt, 1899, T. III, 8. 118), wo es heißt: „Die 
hybriden Salices meiner Sammlung hat Herr Major Boettcher 
freundlichst nachgesehen. Es sind folgende: ... S. incana X nigri- 
cans 9 von Schlettstadt, Rheinwald bei Markolsheim." 

Zum Schlüsse legte Herr Dr. A. Ginzb erger die neue Lite- 
ratur vor. 



134 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Bericht der Sektion für Zoologie. 

Versammlung am 20. Jänner 1904. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Herr Dozent Dr. Franz Werner hielt einen Vortrag, betitelt: 
„Anpassung an Molluskennahrnng bei Varanus.^^ 

Der Vortragende berichtete über Einar Lönnbergs Arbeit 
über die Veränderungen, welche die Anpassung an die Ernährung 
durch Grehäuseschnecken (Ächatina) bei Varanus niloticus Laur. aus 
Kamerun hervorgebracht hat. Er gibt eine kurze Charakteristik 
der Eidechsenfamilie der Varaniden und erläutert sodann unter Vor- 
zeigung eines Schädels der westafrikanischen Varanus niloticus-F orm 
und eines typischen Varanus-^^ohädeh (von Varanus salvator Laur.) 
von gleicher Größe die durch die Schneckennahrung hervorgerufenen 
Veränderungen im Schädelbau: fast halbkugelige Kronen der seit- 
lichen Ober- und Unterkieferzähne (die bei den Jungen noch die 
normale Gestalt haben), Vergrößerung der Höhe des Unterkiefers 
und des Schädels überhaupt bei Zunahme des Schädelgewichtes 
bis auf das Dreifache eines normalen VaranusSchädeh^ Zusammen- 
rücken der Flügelbeine in der Mittellinie des Gaumens etc. Eine 
Veränderung des Gebisses infolge Molluskennahrung tindet sich auch 
bei Ophisaurus und Trionyx. (Vergl. auch das Referat im Zoolog. 
Centralbl, X, 1903, S. 827.) 

Hierauf sprach Herr Kustosadjuukt A. Handlirsch „Über 
Konvergenzerscheinungen bei Insekten und über das Fro- 
tentomon^^ . 

Der Vortragende demonstrierte zunächst eine Reihe auffallender 
Fälle von Konvergenz und gab dann eine kurze Ubersicht der 
wichtigsten bei Insekten vorkommenden Konvergenzerscheinungen, 
mit besonderer Berücksichtigung jener, welche von verschiedenen 
Systematikern irrtümlich für Zeichen direkter verwandtschaftlicher 
Beziehungen zwischen den betreffenden Insektengruppen gehalten 
worden waren. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



135 



Um seine Ausführungen leichter verständlich zu machen, ging 
der Vortragende von dem Frotentomon, d. h. von der auf morpho- 
logisch-biologischem Wege konstruierten hypothetischen Stammform 
der geflügelten Insekten aus und knüpfte diesbezüglich an seinen in 
der Generalversammhing vom 11. Dezember gehahenen Vortrag über 
fossile Insekten an. Damals hatte der Vortragende bereits darauf 
hingewiesen, daß die ältesten palaeozoischen Insekten — die Palaeo- 
dictyopteren — eine auffallende Übereinstimmung mit dem hypo- 
thetischen Profenfomou zeigen, so daß das hier folgende Bild des 
letzteren so ziemlieh den Tatsachen entsprechen dürfte: 

Der Körper war ziemlich groß und mäßig schlank, ungefähr 
walzenförmig, aus drei gesonderten Komplexen — Kopf, Thorax und 
Abdomen — zusammengesetzt, welche jedoch nicht durch sehr tiefe 
Einschnürungen von einander geschieden waren. 

Der Kopf war mäßig* groß, gerundet, aus fünf verschmolzenen 
Segmenten gebildet, orthognath, mit gut begrenztem Clipeus, late- 
ralen Komplexaugen und drei Stirnaugen. Die an der Vorderseite 
des Kopfes ober dem Clipeus inserierten Fühler bestanden aus einer 
mäßig großen Zahl homonomer Glieder. 

Die Mundteile waren orthognath, zum Kauen eingerichtet und 
bestanden aus drei Kieferpaaren: aus den tasterlosen Mandibeln, 
den mit einem Taster und zwei getrennten Kauladen versehenen 
getrennten ersten Maxillen und den vermutlich auch getrennten, 
ganz ähnlich gebauten zweiten Maxillen. 

Der Thorax war aus drei ziemlich gleich großen und ein- 
ander ähnlichen, nicht fest miteinander verbundenen Segmenten 
(Pro-, Meso- und Metathorax) zusammengesetzt. Jedes dieser Seg- 
mente trug ein ähnlich gebautes, zum Laufen geeignetes, mäßig 
langes Beinpaar. Die Beine bestanden aus einem kurzen Basal- 
gliede, dem Trochantinus, aus der Hüfte (Coxa), ein oder zwei 
Schenkelringen (Trochanteren), einem verlängerten Schenkel (Femur), 
einer Schiene (Tibia) und aus einem vermutlich zwei- oder drei- 
gliedrigen Tarsus, dessen Endglied mit Klauen versehen war. 

Meso- und Metathorax trugen je ein Flügel[)aar. Die Flügel 
waren in ihren Bewegungen von einander unabhängig und nur in 
vertikaler Richtung beweglich, nicht über dem Hinterleibe faltbar, 
gleich groß und einander sehr ähnlich, häutig. Ihr Geäder glich im 



136 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



allgemeinen dem von Com stock und Needham ermittelten Grund- 
typus und bestand aus einer marginalen Costa, einer Subcosta, 
einem Radius, der einen mehrfach verzweigten Sector nach hinten 
entsandte, aus einer ähnlich wie der Radius gebauten Medialis und 
Cubitalis und endlich aus einigen gegen den Hinterrand ziehenden 
Analadern. Alle diese Adern waren durch unregelmäßige Quer- 
adern miteinander verbunden. 

Höchst wahrscheinlich waren auch die Seiten des Prothorax 
mit kürzeren, flügelartigen Erweiterungen versehen. 

Der Hinterleib bestand aus 11 einander ähnlichen Segmenten 
(welche ? in Tergite, Pleurite und Sternite zerfielen) und aus einem 
Aftersegment oder Telson. Wahrscheinlich trug jedes der 11 Seg- 
mente ein Paar beweglicher Extremitäten, welche jedoch nicht mehr 
als Laufbeine funktionsfähig waren und anderen Zwecken dienten. 
Die Extremitäten des 11. Segmentes waren vielgliedrig^ fühlerartig 
und werden als Cerci bezeichnet. Außer diesen echten Extremi- 
täten kamen dem Protentomon vermutlich auch schon Gonapophysen 
des achten und neunten Segmentes zu. 

Das Nervensystem bestand aus einem oberen und einem 
unteren Schlundganglion, ferner aus drei getrennten thorakalen und 
mindestens acht getrennten abdominalen Ganglien, welche an der 
Ventralseite lagen und durch Nervenstränge miteinander verbunden 
waren. 

Das Tracheensystem dürfte noch segmental getrennt gewesen 
sein und kommunizierte durch zwei thorakale und acht abdominale 
Stigmenpaare mit der umgebenden Luft. 

Der Verdauungstrakt bestand aus einem Oesophagus, einem 
Chylusmagen, einem Dünndarm und einem Dick- oder Enddarm, 
zwei Paar Speicheldrüsen und mäßig langen, in den Enddarm 
mündenden Malpighischen Gefässen in größerer Zahl. 

Die w^eiblichen Geschlechtsorgane bestanden aus je einer An- 
zahl segmental angeordneter, mehrkammeriger panoistischer Eiröhren, 
welche an den paarigen Ovidukten unilateral angeordnet waren. 
Die Ovidukte mündeten in eine unpaare, durch Einstülpung des 
achten Segmentes entstandene Vagina. Vermutlich waren auch be- 
reits Anhangsdrüsen vorhanden. 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



137 



Die niännlichen Geschlechtsorgane bestanden aus paarigen, 
aus je einer Anzahl Follikeln zusammengesetzten Hoden, welche 
durch je ein Vas deferens in den gemeinsamen, durch Einstülpung 
in der Gegend des neunten Segmentes hervorgegangenen Ductus 
ejaculatorius mündeten. Anhangsdrüsen vermutlich schon vorhanden. 

Das Profenfonwn pflanzte sich jedenfalls auf geschlechtlichem 
Wege durch frei abgelegte Eier fort. Die Furchung des Eies war 
eine superfizielle und führte zur Bildung eines Amnion und einer 
Serosa. Die Embryonen verließen das Ei in ziemlich vorgeschrittenem 
Zustande mit bereits gut ausgebildeten Mundteilen und Extremitäten, 
aber ohne Flügel. Die jungen Larven waren demnach der Imago 
ziemlich ähnlich und entwickelten sich allmählich mit Hilfe mehrerer 
Häutungen, wobei die Flügel nach und nach zur Ausbildung ge- 
langten. Ein ruhendes Nymphenstadium war jedenfalls nicht vor- 
handen. 

Das Profenfomon lebte vermutlich vom Eaube und seine 
Jugendformen dürften ähnlich wie jene unserer Perliden, Epheme- 
riden und Sialiden wasserbewohnende Eaubtiere gewesen sein, 
deren abdominale Extremitäten der Atmung dienten. 

Wenn wir nun dieses hypothetische Bild mit den heute leben- 
den Insektenformen vergleichen, so werden wir bemerken, daß 
einzelne Charaktere des Protentomon bei manchen Formen noch 
nahezu intakt erhalten sind, daß jedoch die meisten Charaktere 
durch höhere Spezialisierung mehr oder minder weitgehenden Modi- 
fikationen unterworfen waren. Wir werden aber auch gleich be- 
merken, daß sich ganz ähnliche Modifikationen derselben Organe 
in den verschiedenen Verwandtschaftsreihen wiederholen. 

So finden wir z. B., daß die schlankere Körperform sehr oft 
einer Verkürzung und Verbreiterung unterworfen ist (Blattoiden, 
viele Koleopteren, Hemipteren, Homopteren, Dipteren, Mallophagen, 
Pediculiden etc.) oder daß sie durch übermäßige Ausdehnung in 
der Richtung der Längsachse die bekannte Stabform annimmt 
[Phasmidae, Pianatra, viele Reduviiden, Berytiden etc., Acridiiden, 
Mantiden u. s. w.). 

Eine stärkere Abschnürung des Kopfes, welche zu einer 
freieren Beweglichkeit desselben führt, finden wir z. B. bei vielen 
Dipteren, Hymenopteren, Odonaten, Mantiden etc., eine auffallende 



138 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Entwicklung- des Körpers in vertikaler Richtung- bei manchen 
Orthopteren (Tettigiden) und Homopteren (Membraciden), ein Ver- 
schmelzen des Kopfes mit dem Thorax bei den 9 der Cocciden 
und Strepsipteren, eine autfallende Reduktion des Kopfes bei 
manchen Dipteren {Nycterihia etc.) und Hemipteren, eine bedeutende 
Vergrößerung des Kopfes bei verschiedenen Orthopteren, Koleo- 
pteren, Dipteren {Tahanus^ Gonia etc.). Daß sowohl die Komplex- 
augen wie die Stirnaugen bei Formen aus fast allen Ordnungen 
mehr oder minder weitgehenden Reduktionen unterworfen sind, ist 
allbekannt und es genügt, hier auf diesen Umstand hinzuweisen, 
ebenso, daß in vielen Ordnungen Formen mit besonders gut aus- 
gebildeten Sehorganen vorkommen (Tabaniden, Apiden, Epheme- 
riden, Odonaten, Lepidopteren, Lampyriden u. s. w.). Wohl ebenso 
bekannt sind die in den verschiedensten Verwandtschaftsgruppen 
sich wiederholenden Spezialisierungen der Fühler, die entweder in 
einer starken Vermehrung der Gliederzahl oder in einer Reduktion 
derselben bestehen oder endlich in besonderen Oestaltungen ein- 
zelner oder mehrerer Glieder. Wir finden z. B. lange^ fadenförmige 
und sehr vielgliedrige Fühler bei Orthopteren, Neuropteren, Dipteren, 
Lepidopteren, Phryganiden u. s. w., wir finden geknöpfte Fühler 
bei Orthopteren^ Hymenopteren^ Lepidopteren, Neuropteren etc., 
gekämmte Fühler bei Lepidopteren, Koleopteren, Dipteren, Hymeno- 
pteren, Megalopteren, Neuropteren, Mantiden u. a. 

Allen bisher angeführten Beispielen wurde schon seit langer 
Zeit kein höherer systematischer Wert mehr zugesprochen und wir 
können daher rasch darüber hinweggehen, um uns den Mundteilen 
zuzuwenden, welche bis heute eine hervorragende Rolle in der 
höheren Systematik der Insekten spielen. Auch hier finden wir 
unzählige Modifikationen in der Ausbildung der drei Kieferpaare 
und in dem Auftreten akzessorischer Organe. Schon die Stellung 
der Mundteile entwickelt sich in zwei Richtungen, je nachdem, ob 
sie mehr nach vorne oder mehr nach hinten gewendet sind. Den 
ersten Fall, die prognathen Mundteile, finden wir unter anderen 
bei verschiedenen Orthopteren, Koleopteren, Hemipteren und Di- 
pteren, den zweiten Fall, die hypognathen Mund teile, bei Homopteren, 
bei manchen Orthopteren u. s. w. Eine Anpassung der Mundteile 
zum Aufnehmen flüssiger Nahrung führt zur Bildung der sogenannten 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



139 



saugenden Mundteile, die wir in den verschiedensten Entwicklungs- 
reihen antreffen, so bei Thysanopteren, bei vielen Hymenopteren, 
bei Suctorien, Siphunculaten, Lepidopteren, Dipteren, Hemipteren, 
Homopteren und selbst bei einzelnen Koleopteren. Selbstverständlich 
hat sich die Umwandlung nicht immer in gleicher Weise und in 
gleich hohem Grade vollzogen, so daß wir eine ganze Reihe ver- 
schiedener Typen von saugenden Mundteilen festzustellen in der 
Lage sind, ein Umstand, welcher so recht klar beweist, daß es 
sich auch hier nur um Konvergenzerscheinungen handelt. 

Im Zusammenhange mit der höheren Ausbildung der Flügel 
und Beine ist auch der Thorax gewissen Umbildungen unterworfen, 
die sich einerseits in einer mehr oder weniger innigen Verbindung 
der drei Segmente, andererseits in der Vergrößerung, respektive 
Reduktion eines oder des anderen Ringes geltend machen. Eine 
feste Verbindung des Meso- und Metathorax finden wir bei den 
meisten jetzt lebenden Insektenformen, seltener auch eine feste Ver- 
bindung des ersteren mit dem Prothorax. Vergrößerungen, respek- 
tive Verlängerungen des Prothorax finden wir in den verschiedensten 
Gruppen, z. B. bei Blattiden, Koleopteren, Hemipteren, respektive 
bei Mantiden, Raphidiiden, Koleopteren, Hemipteren u. s. w.; Ver- 
größerung des Mesothorax finden wir bei vielen Homopteren, bei 
Psociden, Dipteren, Lepidopteren u. s. w. 

Den mannigfaltigen Bedürfnissen entsprechend unterlagen 
auch die Flugorgane ganz bedeutenden Modifikationen, die sich 
wieder in ganz verschiedenen Richtungen bewegten, je nachdem 
die betreffenden Tiere ein mehr aerisches oder mehr terrestrisches 
Leben führten. Es würde zu weit führen, hier auf viele Details 
einzugehen und wir wollen uns mit dem Hinweise auf einige der 
allerhäufigsten Erscheinungen begnügen. Zu diesen gehört die 
Umwandlung der Vorderflügel in sogenannte Flügeldecken, die 
sich bei Blattiden, Mantiden, Orthopteren, Hemipteren, Homopteren, 
Koleopteren und bei einigen Psociden finden, dann die Verbindung 
der Vorderflügel und Hinterflügel durch eigene Haftapparate bei 
Hymenopteren, Phryganiden, Panorpiden, Lepidopteren, Hemipteren, 
Homopteren etc., ferner die fächerartige Vergrößerung des Analteiles 
der Hinterflügel bei Orthopteren, Blattiden, Mantiden, Dermapteren, 
Megalopteren, Perliden etc., die Reduktion der Vorderflügel bei 



140 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Dermapteren, Staphyliniden, Strepsipteren etc. oder die Reduktion 
der Hinterflügel bei Ephemeriden, Dipteren, Cocciden u. a. m. Auch 
das Auftreten von Gelenkfalten, die Reduktion beider Flügelpaare, 
die Vergrößerung der Flügelfläche durch Haargebilde und viele 
andere Erscheinungen wiederholen sich bekanntlich in den ver- 
schiedensten Gruppen. Wir finden z. B. ein sogenanntes Flügelmal 
bei Hymenopteren, Phryganiden, Panorpiden, Neuropteren, Raphi- 
diiden, Dipteren, Odonaten und Homopteren, wir finden ganz schmale 
Flügel mit langen Fransen bei Hymenopteren, Physopoden und 
Koleopteren, wir finden ein durch eine Gelenkfalte abgegrenztes 
Analfeld der Vorderflügel bei Blattiden, Orthopteren, Hymenopteren, 
Phryganiden, Hemipteren, Homopteren u. s. w. 

Wenden wir uns nun den Beinen zu, so bemerken wir auch 
hier das ofte Wiederkehren gewisser Spezialisierungen : Sprungbeine 
finden sich bei Orthopteren, Koleopteren, Hemipteren, Homopteren, 
Suctorien u. s. w., Fangbeine bei Mantiden, Hemipteren, Neuro- 
pteren u. a., Ruderbeine bei Koleopteren und Hemipteren. Eine Ver- 
mehrung der Tarsenglieder bis zur Zahl von fünf, ebenso wie eine 
Reduktion der GHederzahl läßt sich in fast allen Gruppen feststellen. 

Der Hinterleib ist unendlichen Modifikationen unterworfen, 
die sich jedoch hauptsächlich auf die ersten und letzten Segmente 
erstrecken. Es kommt zu einem engeren Anschlüsse an den Thorax, 
wobei das erste oder auch das zweite Abdominalsegment stark in 
Mitleidenschaft gezogen wird. Wir sehen, wie sich das Tergit 1 
eng an den Metathorax anschließt und wie gleichzeitig das Sternit 1 
zur Rückbildung gelangt — die Bildung eines sogenannten Mittel- 
oder Medialsegmentes. Diesen Fall finden wir bei Koleopteren, 
Hymenopteren, Hemipteren und vielen anderen. Das 11. Segment 
und oft auch das 10. unterliegt bei den meisten höheren Formen 
der Rückbildung, ebenso das Telson. Ganz allgemein ist auch die 
Rückbildung der Cerci in den verschiedensten Entwicklungsreihen, 
dann die höhere Ausbildung oder umgekehrt die Reduktion der 
Gonapophysen. Alle diese Erscheinungen wiederholen sich in den 
verschiedensten Reihen und sind Konvergenzerscheinungen. 

Konvergenz ist auch das Auftreten von Tracheenblasen bei 
allen guten Fliegern, die Reduktion der Stigmenzahl bei Wasser- 
bewohnern oder parasitisch lebenden Formen u. s. w. 



Versaimiilnii«^ der Sektion für Zoologie. 



141 



Konvergenz ist die Konzentrierung des Nervensystems auf 
wenige Knoten, die wir in den verschiedensten Gruppen antreffen, 
ebenso die Bildung eines Saugmagens und die Reduktion der Mal- 
pigliisclien Gefässe auf eine geringe Zahl oder die auffallende Ver- 
mehrung dieser Organe. Konvergenz ist endlich auch die Bildung 
mcroistischer telotropher oder polytropher Eiröhren u. s. w. 

Ganz ähnlich wie auf dem Felde der Morphologie können wir 
auch auf jenem der Biologie von Konvergenzerscheinungen sprechen. 
Wir finden vivipare Formen in den verschiedensten Gruppen, ebenso 
solche, welche sich parthenogenetisch fortpflanzen. AVir finden die 
verschiedensten Formen von Parasitismus in den verschiedensten 
Reihen ebenso wie Polymorphismus, Staatenbildung u. s. w. und so 
liegt es gewiß auch nahe, in dem Auftreten von Ruhestadien und 
in dem Vorkommen ähnlicher Larvenformen bei sonst sehr ver- 
schiedenen Insektengruppen Konvergenzerscheinungen zu suchen. 
Wenn wir bedenken, daß eine sogenannte vollkommene Metamor- 
phose bei Koleopteren, Hymenopteren, Strepsipteren, Megalopteren, 
Raphidiiden, Neuropteren, Panorpaten, Phryganiden, Dipteren, Lepido- 
pteren und Suctorien allgemein ist und bei Physopoden und Homo- 
pteren (Cocciden) wenigstens angedeutet wird, so werden wir, die 
sonstigen tiefgehenden Unterschiede zwischen den genannten Gruppen 
uns vor Augen haltend, kaum daran zweifeln können, daß auch 
die Holometabolie auf heterophyletischem Wege entstanden und da- 
her als Konvergenzerscheinung zu deuten ist. 

Wir sehen nun, wie schwierig es ist, Charaktere zu finden, 
welche uns eine scharfe Trennung der Insektengruppen ermöglichen, 
und tatsächlich sind alle bisher unternommenen Versuche, nach ein- 
zelnen Merkmalen höhere Gruppen zu unterscheiden, vollkommen 
gescheitert. Hervorragende und einander gleichwertige Zoologen 
kamen zu ganz verschiedenen Systemen, weil eben jeder ein anderes 
Merkmal für wichtig hielt. So entstanden die vielen in Lehr- und 
Handbüchern verbreiteten, mehr oder weniger künstlichen Systeme, 
die uns jedoch alle nicht befriedigen können, weil die wahre Ver- 
wandtschaft in denselben viel zu wenig zum Ausdrucke kommt. 
Wir werden uns denn auch entschließen müssen^ den bisher be- 
nützten Weg zu verlassen und nicht mehr nach einzelnen Merk- 
malen zu suchen, durch welche die Klasse der Insekten in Unter- 



142 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



gruppen zu zerlegen wäre, und werden lieber versuchen, von dem 
Protentomon ausgehend, mit Hilfe des fossilen und rezenten Materials 
die verschiedenen Richtungen festzustellen, in denen sich die höhere 
Entwicklung bewegt. Bei der Beurteilung und Bewertung der Merk- 
male werden wir uns stets vor Augen halten, daß gerade die bio- 
logisch wichtigen Merkmale systematisch minderwertig sind. 



Versammlung am 10. Februar 1904. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Herr Kustos Dr. Ludwig v. Lorenz hielt einen Vortrag tibei* 
das Becken der Sirenen, in welchem er die Hüftbeine der 
Dugongs, der Stellerschen Seekuh und der Manatis besprach 
und demonstrierte. Vorgelegte Beckenstücke des austraUschen Du- 
gongs, Halicore australis Owen, zeigten, daß die bisher beschrie- 
benen und abgebildeten Beckenknochen der Gattung Halicore un- 
vollständig entwickelt waren. Erst die erwähnten Stücke geben 
eine richtige Vorstellung der ausgewachsenen Knochen. Dieselben 
sind stabförmig, mit einer knotigen Anschwellung in der Mitte, 
einem wenig verdickten proximalen und einem stärker verdickten, 
einen unsymmetrischen flügeiförmigen Anhang darstellenden distalen 
Ende. Die Anschwellung in der Mitte entspricht der Acetabular- 
region, stellt die Vereinigungsstelle von Darm- und Sitzbein dar; 
ein Schambein fehlt, doch konnte Lorenz an der linken Becken- 
hälfte eines jüngeren Dugongs aus dem Koten Meere, Halicore taher- 
naculi Eüpp., in derselben Region noch einen besonderen Knochen- 
kern erkennen, den er für das Os acetabuli hält, das von 0. Abel 
kürzlich auch bei einem Beckenstücke eines miozänen Metaxy- 
tlierimns nachgewiesen worden war. Der unsymmetrische distale 
Endteil entspricht der Tuberositas ossis ischii. — Von der nordi- 
schen Seekuh, Hydrodamalis gigas Zimm. (Ehytina horealis Gm., 
B. stelleri Ozeret.), wurde eine linke Beckenhälfte vorgezeigt, ein 
mächtiger, 45 cm langer Knochen mit rundlichem Schafte, ohne 
knotige Anschwellung in der Mitte und mit keulig verdickten, gleich- 
zeitig etwas komprimierten Enden. Dieses Stück und zwei kleinere, 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



143 



iinvollständig-ere Reste waren schon vor mehreren Jahren dem Vor- 
tragenden durch Herrn Prof. J. Dybowski in Lemberg zur Unter- 
sucliung übergeben worden; es sind das die einzigen bisher be- 
kannten Beckenstücke der zu Ende des 19. Jahrhunderts auf der 
Kommandeur-Insel ostlich von Kamtschatka ausgerotteten Seekuh. 
Die richtige Orientierung- der Knochen gelang jedoch erst an der 
Hand des vorerwähnten Beckens des australischen Dugongs, dessen 
ganzes Skelett im Vorjahre an das k. k. naturhistorische Hofmuseum 
kam. Es ließ sich jetzt nachweisen, daß das mehr symmetrisch 
gestaltete Ende des Seekuhbeckens das proximale ist, also dem 
Darmbeine angehört, während das entgegengesetzte, unsymmetrisch 
gestaltete dem Sitzbeine, und zwar dem Knorren desselben ent- 
spricht. Die Vereinigungsstelle von Darm- und Sitzbein läßt sich 
an den vorhandenen Objekten wohl nicht genau erkennen, sie hegt 
aber jedenfalls in der Mitte des schaftartigen Teiles des ganzen 
Stückes, wo derselbe an einer Stelle (lateral) eine ausgedehntere 
unregelmäßige Rauhigkeit aufweist. — Bezüglich der gedrungenen 
Beckenknochen der Manatis, von denen ein Paar, das zu dem 
Skelette eines Triclieciis manatus L. (Manaius laUrostris Harlan) 
aus Kolumbien gehört, vorlagt sprach Lorenz die Überzeugung 
aus, daß diese Knochen nicht, wie nach Krauss anzunehmen wäre, 
dem gesamten Os innominatum der übrigen Säugetiere homolog 
seien, sondern nur das Os ischii allein repräsentieren, indem der 
schmale, proximale, mit einem unregelmäßigen Capitulum endigende 
Teil dem Körper des Sitzbeines gleichwertig ist, die größere, ver- 
breiterte und verdickte Partie aber wieder der Tuberositas ossis 
ischii entspricht. Das Capitulum ist jener Teil des Sitzbeines, der 
sich sonst mit dem Darmbeine verbindet, welches aber hier so gut 
wie ganz verschwunden ist. Allenfalls wären kleine Knochenkerne, 
die Krauss bei einzelnen jugendlichen Becken einer Reihe von 
Manatis gefunden hat, als gelegentlich auftretende Reste des Iliums 
oder auch des Os acetabuli aufzufassen, die später bei fortschreitender 
Ossifizierung mit dem Capitulum verschmelzen. 

Einen Aufsatz über diese Befunde wird der Vortragende in 
den Abhandhingen der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Bd. XIX 
veröffentlichen. 



144 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Auf die Ausführungen und Demonstrationen des Herrn Kustos 
Dr. L. V. Lorenz folgte ein Vortrag des Herrn stud. phil. Friedrich 
Blaschke: 

Über die tiergeograpliisclie Bedeutung eines an tarliti sehen 

Kontinents. 

Die Konstatierung der auffallenden Beziehungen zwischen 
den Sudspitzen der alten und neuen Welt, die Verwandtschaft der 
Flora und Fauna von Australien und Tasmanien mit jener von 
Südamerika haben frühzeitig zu Erklärungsversuchen geführt. Schon 
in vordarwinischer Zeit sprach der Botaniker Hook er von einer 
Landverbindung zwischen Südamerika und Neuseeland, ohne jedoch 
diese seine Ansicht näher zu präzisieren. Die eigentliche Auf-. 
Stellung des Antarktisproblems geschah aber bekanntlich durch 
Rütimeyers Hypothese von einem antarktischen Schöpfungs- 
zentrum, das die fraglichen Länder der südlichen Hemisphäre mit 
der ihnen eigentümlichen Lebewelt versorgen konnte. 

Wallace jedoch schien diese Annahme überflüssig, er hielt 
den Tierbestand von Patagonien und Australien für den Rest einer 
einst kosmopolitischen Fauna, die durch Ausbreitung der im Norden 
entstandenen moderneren Typen auf die Südspitzen der Kontinente 
verdrängt wurde und sich besonders in einem Gebiete wie Australien 
erhalten konnte, das offenbar für die Einwanderung der nach- 
folgenden Tierwelt unerreichbar war. 

Eine Reihe von späteren bis neuesten Untersuchungen er- 
möglichen es nunmehr eher, ein Bild von der Geschichte des Süd- 
pols und der ihn umgebenden Länder zu entwerfen, das in seinen 
Grundzügen auf gewichtigen Tatsachen beruht, wenn ,es auch im 
einzelnen an Erklärungsresten nicht mangelt. 

Rütimeyer und Wallace haben ihren Spekulationen haupt- 
sächlich Verbreitungsdaten der Säugetiere und Vögel zugrunde ge- 
legt, Gruppen, die heute gerade zur Entscheidung der Antarktisfrage 
weniger geeignet erscheinen müssen. Die Ausdehnung der Faunen- 
vergleichung auf andere systematische Gruppen hat denn auch haupt- 
sächlich den großen Fortschritt über Wallace ermögUcht. Be- 
ziehungen zwischen Südamerika und Australien, die für eine engere 
Verbindung beider Gebiete sprechen, ergeben sich nach einer 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



145 



Zusammenstellung Hedleys bei Pilzen, Flechten, Moosen, Gräsern 
und Bäumen, bei Regen wiirniern, Isopoden, Flußmuscheln, Lepido- 
pteren, Dipteren, Planarien, Trcniatoden, für Temnocepliala, für das 
Genus Stigmodera und Verwandte. 

Von besonderem Werte aber ist die Süßwasserfauna. Ihre 
Verbreitung" vermag, wie v. Ihering zeigt, viel deutUcher die 
Spuren einer einstmals anderen Konfiguration des festen Landes 
zu bewahren, da eine Vermischung und Einwanderung von echten 
Bewohnern des Süßwassers nur über Landbrücken von komplizierten 
hydrographischen Verhältnissen stattfinden kann; Flußsysteme und 
Überschwemmungsgebiete, die diese zeitweise in Verbindung setzen, 
können sie allein ermöglichen. Eine Verbreitung durch Vögel und 
andere Transportmittel darf nur in den seltensten Fällen angenommen 
werden. Die Verbindung von Nord- und Südamerika hat z. B. zu 
keiner wesentlichen Vermischung der Süßwasserfauna beider Konti- 
nente zu führen vermocht. Zu dieser langsamen Veränderung durch 
fremden Zuzug kommt noch der altertümliche Charakter der Süß- 
wassertiere überhaupt, der sich in den jüngeren Erdperioden nur 
ganz unwesentlich verändert hat. 

Günther konnte demnach auch in seinem Handbuch der 
Ichthyologie darauf hinweisen, daß die Verbreitung der Fische des 
süßen Wassers keineswegs der heutigen nordsüdlichen Erstreckung 
der Kontinente entspricht, sondern in zirkumpolaren Zonen vor 
sich gegangen ist. Er vermag demgemäß Südost -Australien, Tas- 
manien, Neuseeland, die Falklandsinseln, das Feuerland, Patagonien 
und Chile in eine südliche Zone zusammenfassen, die besonders 
durch den Besitz von Galaxlas, dem Hechte der Südhemisphäre, 
sowie durch Haplochitoniden und durch das Fehlen von Chromiden 
und Cyprinoiden charakterisiert erscheint. Für die Südspitze Afrikas, 
die Günther ausnehmen zu müssen glaubt, behauptet nun Max 
Weber gleichfalls die Zugehörigkeit zur südlichen Zone, da auch 
ihr Chromiden fehlen und ein Galaxias capensis von Holub ge- 
funden wurde^ den St ein da ebner beschrieb. In seinen Unter- 
suchungen über die Süßwasserfauna von Südafrika kommt Weber 
demnach zu dem Schlüsse, daß sein Protea (Erica-) gebiet (den Süd- 
westen bis zum Olifantsfluß umfassend) erst später mit dem übrigen 
Afrika sich vereinigt habe, vordem aber mit den Ländern der süd- 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 10 



146 



Versammlung' der Sektion für Zoologie. 



liehen Zone in ausreichender Landverbindung Stand, zu denen es 
seiner autochthonen Siißwasserbevölkerung nach noch heute gehört. 

Zu einer ganz ähnlichen Anschauung ist auch v. Ihering in 
Betreff Südamerikas gekommen. Im Anschluß an die Verbreitung 
der Najaden führt er aus, daß der heutige neotropische Kontinent 
durch eine erst verhältnismäßig spät erfolgte Vereinigung getrennter 
Gebiete entstanden sei, die vordem ganz verschiedene Beziehungen 
zu anderen Ländern hatten. Chile, Argentinien und Patagonien 
bildeten eine solche Landmasse, die er Archiplata nennt. Sie ge- 
hört ihrer Fauna nach zu Australien, während das nördliche Archi- 
guiana und Archibrasilien über St. Helena mit dem äthiopischen 
Afrika im Mesozoicum einen Kontinent bildete. Das Tal des Ama- 
zonas stellte eine breite Verbindung des Pacific und des atlantischen 
Oceans dar, erst allmählich schloß sich Archiplata an den nörd- 
lichen Teil, während die Verbindungen mit Afrika (Atlantis) und 
Australien (Antarktis) gelöst wurden. 

Diesen Thesen hat sich in letzter Zeit Ortmann auf Grund 
von Untersuchungen der tertiären marinen Fauna Patagoniens voll- 
ständig angeschlossen. Die Invertebraten von Patagonien sind viel- 
fach identisch mit gleichalterigen Formen Chiles, Austrahens und 
Neuseelands, aber ebenso wie diese streng von der Fauna der 
Nordhemisphäre geschieden, die im nördHchen Peru ihre Stidgrenze 
erreicht. Der Austausch von Formen, der hier zwischen dem Stid- 
westende von Archibrasilien und der Nordwestspitze von Archiplata 
in beschränktem Ausmaße stattfinden konnte, wurde wahrscheinlich 
durch klimatische Schranken erschwert, da in der Navidadfauna von 
Chile und noch mehr in den Patagonienbeds die eigentlich tropischen 
Formen fehlen. Der Zusammenhang von Patagonien mit Australien 
und Neuseeland wird ganz außerordenthch durch Arten gefordert 
wie z. B. StrutJiiolaria, die fossil in allen diesen drei Ländern als 
Leitform auftritt, rezent dagegen noch in Neuseeland und auf den 
Kerguelen lebt. 

Alle diese Untersuchungen fordern südhche Landverbindunge 
der Kontinente, die denn auch in mehrfacher Weise konstruier 
wurden. Zunächst könnte man an einen Zusammenhang über Salas 
y-Gomez^ Samoa, Neuseeland ebensowohl als an eine Verbindung 
über Antarktica denken, doch steht ersterer Annahme entgegen 



Versammluno- (]er Sektion für Zoologie. 



147 



daß Samoa gar keine und Neuseeland in vieler Beziehung- weniger 
Verwandtschaft zu Patagonien zeigt als Tasmanien. Die Einbe- 
ziehung des nunmehr nachgewiesenen siebenten Kontinentes, der 
Antarktica, dagegen erfordert die geringsten Hebungen, respektive 
Senkungen, auch auf ein einst milderes Klima lassen die Funde 
verkieselten Holzes schließen und von den Inseln des Dirk Gerritz- 
Archipels sind Mollusken bekannt, die zu jener Gruppe von Seicht- 
wasserformen gehören, welche Ortmann längs der Küstenlinie der 
Antarktis nach Patagonien und Austrahen wandern läßt. Bei einer 
graphischen Darstellung der hypothetischen Landmassen wurden 
zwei Wege eingeschlagen. Forbes und Osborn versuchten die 
Grenzen des alten Kontinentes den heutigen Tiefenlinien ent- 
sprechend zu ziehen. Bei Annahme einer Hebung von 3000 m 
bleibt Afrika noch un verbunden, die 2000 Fadenlinie Forbes' 
aber läßt die Antarktis über alle Grenzen wachsen, den pazifischen 
Ozean ohne Not zusammenschrumpfen. Hedley und Ortmann 
wenden sich gegen solche ausschweifende Spekulation. Sie be- 
gnügen sich mit der Konstruktion von eben hinreichenden Land- 
streifen, bei deren Führung sie allerdings submarinen Rücken oder 
Inselreihen folgen und den großen Tiefen nach Möglichkeit aus- 
weichen, ohne jedoch in diesen eine so absolute Schranke zu sehen, 
wie Chun meint. 

Nach Ortmanns kartographischer Darstellung wäre zunächst 
an eine Verbindung von Patagonien nach dem Graham-Land zu 
denken, die nirgends auf eine Tiefe von über 3000 m trifft und 
durch eine Plateaubildung am Meeresboden unterstützt erscheint. 
Sie würde ein beträchtlich verbreitertes Südamerika mit den Falk- 
lands-, South Georgie- und South Orkney-Inseln und dem Dirk Ger- 
ritz-Archipel sowie der Küste der Antarktica verbinden. Die Brücke 
nach AustraUen schlägt Hedley vom VVilkes-Land aus quer nach 
Tasmanien. Neuseeland läßt Hedley zwar bedeutend ausgedehnt 
die umliegenden Inseln umfassen, doch abseits dieser Landverbin- 
dung liegen, aber so nahe, daß es seine Fauna und Flora durch 
Flug oder Transport erhalten konnte, auf ähnliche Weise wie die 
Galapagos-Inseln von Amerika. Ort mann fordert für seine marine 
Litoralfauna zumindest eine verbindende Zone Seichtwassers. Das 
Auftreten von fünf Galaxidae spricht aber doch für eine Verbindung 

10* 



148 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



mindestens über Australien, ebenso wie Beddards Darlegungen 
über die große Verwandtschaft der Landoligochaeten Patagoniens 
und Neuseelands. 

Schließlich zeichnet Ort mann zwei Brücken, die beide teil- 
weise marinen Rückenbildungen entsprechen, in den großen Tiefen 
aber, die Afrika umgeben, gewisse Schwierigkeiten finden. Die eine 
führt über Tristan da Gunha und die Gough-Insel an die Westküste 
des dunklen Erdteils, die andere, vielleicht wahrscheinlichere, um- 
faßt die Kerguelen, die Crocet-Inseln und das Prince Edwards-Land 
und verbindet sich von Osten her mit Afrikas Südspitze. Ort mann 
entscheidet sich weder für die eine noch für die andere, sein mio- 
zänes Untersuchungsmaterial weist auch nur durch eine Bryozoe 
(Tennysonia), die in nächst- und einzig verwandter Art nur am 
Kap der guten Hoffnung vorkommt, auf eine solche Verbindung hin. 

Diese Landverbindungen im allgemeinen vorausgesetzt, ist zu- 
nächst zu untersuchen^ um welche Zeit und in welcher Art hier 
trockenes Land zu denken wäre, endUch welchen Einfluß dasselbe 
auf die Verbreitung der einzelnen Tiergruppen nahm. In erster Linie 
müssen bei diesen Fragen paläontologische Funde in Betracht kom- 
men, die für die südliche Zone leider sehr spärlich sind. Auch die 
Altersbestimmung der einzelnen Stufen war infolge der abweichenden 
Entwicklung, welche die Fauna der Südhemisphäre nahm, die eine 
Gleichstellung mit bestimmten Ablagerungen der Nordhemisphäre 
und damit eine Einreihung in die geologische Zeittafel verhinderte, 
unsicher. Ortmann setzt den wichtigsten Horizont, die Patagonien- 
beds, nunmehr bestimmt ins untere Miozän und vermag darnach 
auch die Schichtfolge in Archiplata festzustellen. Demnach ist das 
Maximum von Landausbildung für Südamerika ins Eozän zu ver- 
setzen, im Miozän erfolgte eine Ausdehnung des Meeres, dessen 
Ablagerungen in Chile, Patagonien und wahrscheinlich auch in Neu- 
seeland und Australien nachzuweisen sind. Nach weiteren, gerin- 
geren Schwankungen der Küstenlinie wurde schließlich die heutige 
Figuration des Landes erreicht. 

Es ist übrigens keineswegs notwendig, die Antarktis zu irgend 
einer Zeit in ihrer Gesamtausdehnung gleichzeitig bestehend zu 
denken. Es ist vielmehr wahrscheinlich, daß sie ein sehr unbe- 
ständiges Land darstellte, das zeitweise in Inselgruppen zerfiel, die 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



149 



ich in mannigfacher Weise vereinigten und lösten, wodurch eine 
ehr ungleichmäßige Ausbreitung der Fauna und Flora herbeigeführt 
urde. Südafrika scheint zuerst, vielleicht noch im Mesozoicum, 
en Zusammenhang mit der Antarktica verloren zu haben, am 
längsten dürfte die Verbindung mit Südamerika, die auch heute noch 
durch eine Anzahl von Inseln vermittelt wird, bestanden haben, 
wenigstens vermag man eine Einwanderung antarktischer Litoral- 
formen entlang der Westküste von Südamerika, die an den Küsten 
der alten Antarktis ihr Ausbildungszentrum gefunden haben müssen, 
von der Miozänzeit an bis ins jüngste Pleistozän, also bis an die 
Schwelle der Jetztzeit zu verfolgen. So erlangt die Antarktis für die 
marine Tierwelt die Bedeutung eines Erhaltungs- und Umbildungs- 
zentrums einer an niedere Temperaturen angepaßten Litoralfauna, 
die heute vor der daselbst herrschenden Eiszeit nach Norden ge- 
wichen ist. 

Wie schon oben dargelegt, zeigen auch in Bezug auf die Be- 
wohner des Süßwassers die Regionen der südHchen Zone ein so 
einheitliches Gepräge, daß sie die isolierten Reste einer einst wohl 
reicheren Fauna des antarktischen Kontinents darzustellen scheinen, 
die im Zentrum des Gebietes durch die ungünstigen Temperatur- 
verhältnisse ausgerottet wurde, da weder von Kerguelensland noch 
von Inseln südUch des 55. Breitegrades Süßwasserfische bekannt 
sind. Diese Verwandtschaft erstreckt sich auch auf Crustaceen und 
Najaden. 

Die Landoligochaeten sind durch das Genus Äcanthodrüiis 
vertreten, das nach Beddards Darlegungen in Neuseeland, Pata- 
gonien, Südost -Australien, auf Falkland und Kerguelensland und 
in einer nicht ganz sicheren Art auch in Südafrika vorkommt 
und die antarktische Region in ähnlicher Weise charakterisiert 
wie Galaxias. 

In der Verbreitung der Landvögel wurde früher ein wichtiges 
Argument für das Bestehen der Antarktis erblickt, das durch den 
Nachweis eines polyphyletischen Ursprunges dieser Gruppe nun- 
mehr seine Beweiskraft zum Teile verloren hat. Burkhart hat 
im Anschlüsse an Für bringers anatomische Untersuchungen das 
Antarktisproblem vom Standpunkte der Ornithologie besprochen. 
Er zeigt zunächst, daß die Riesenvögel die flugunfähig gewordenen 



150 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Endglieder verschiedener Entwicklungsreihen von Carinaten vor- 
stellen. So ist der Dodo und Pezophaps zu zwei verschiedenen 
Unterfamilien der Tauben zu stellen, in Cnemiornis kennen wir 
eine Riesengans, besonders aber haben Glieder der Geranomorphen, 
Rallen, Kraniche mit altertümlichen Typen, die auch Beziehungen 
zu den Hühnervögeln haben, zu solcher Entwicklung geführt. Seit 
der Tertiärzeit konvergiert die Entwicklung der Ratitentypen nach 
Neuseeland und Madagaskar, in prätertiärer Zeit Avaren sie auch der 
Nordhemisphäre nicht fremd. Während man sonst in großen Konti- 
nenten die Heimat der Ratiten suchte und ihre Häufung auf Neu- 
seeland sowie in Madagaskar auf eine Art Zusammendrängung aus 
ehemals ausgedehnten Territorien zurückführte, erblickt Burkhart 
in insularen Gebieten die günstigste Stätte für die Entwicklung 
von Riesenvögeln. Der Verlust der Flugfähigkeit sowie das Fehlen 
gewisser Feinde scheinen ihm demnach den Anstoß zur Entwick- 
lung der Moas auf Neuseeland, der Kasuare und Emus in Austra- 
lien, der zahlreichen Typen auf den Maskarenen und in Madagaskar 
gegeben zu haben, wo er auch den afrikanischen Strauß aus einer 
Müllerornis entstehen läßt, der dann in Afrika nur ein Erhaltungs- 
gebiet gefunden hätte. Die Rheiden Südamerikas, die zweizehigen 
Strauße sowie die zahlreichen ausgestorbenen Pampasvögel sprechen 
für die Annahme, daß auch in Patagonien einst ähnliche Verhält- 
nisse herrschten wie heute in Madagaskar, Neuseeland und Austra- 
Ken, was also wiederum für ein abgeschlossenes Archiplata im Sinne 
V. Iherings sprechen würde. Doch bleibt noch unentschieden, in- 
wieweit für alle diese Gruppen getrennte Entstehung anzunehmen 
ist. Burkhart gibt nämlich die Möglichkeit einer Ableitung der 
Moas Neuseelands aus Emus zu, ferner scheint in einer Müllerornis 
Madagaskars ein Vorfahr der Kasuare vorzuliegen. Wenn sich dieser 
Fund bestätigt, so wäre nach Burkhart aber auch eine Wande- 
rung über Asien nach AustraUen möglich. 

Für die Ratiten scheint demnach die Antarktis weniger Be- 
deutung gehabt zu haben und umgekehrt, Burk hart läßt von 
seinem Standpunkte aus höchstens eine Verbindung Südamerika- 
Neuseeland gelten. Ob auf andere Tiergruppen basierte Land Ver- 
bindungen nicht doch noch auch in der Verbreitungsgeschichte der 
Ornis der südlichen Zone eine Rolle spielen werden, mag dahin- 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



151 



gestellt bleiben, die Koiizentrieruiii;- der Riesenvögel um die ehe- 
malige Antarktis ist immerbin auffallend, vielleicht spricht sie da- 
für, daß die Landmasse mindestens in der Tertiärzeit eine mehr 
insulare Ausbildung gehabt habe nach Art des Sundaarchipels, wenn 
tatsächlich solche mehr abgeschlossene Gebiete ihre Entstehung be- 
günstigen. 

Von besonderem Interesse aber ist die Annahme einer Ant- 
arktis für die Säugetiere, auf deren Verbreitung Wallace und 
Rütimeyer ihre entgegengesetzten Theorien entwickelt hatten. 
Die Beuteltiere in ihrer heutigen Beschränkung auf Amerika und 
die australische Region führten ja Rütimeyer überhaupt zur 
Annahme einer Landverbindung zwischen beiden. Das Auftreten 
derselben im Mesozoicum der Nordhemisphäre wieder scheint 
Wallaces Ansicht zu begünstigen. Die von St. Cruz beschriebene 
merkwürdige Beuteltier- und Edentatenfauna, deren Alter von 
Ameghino ins Eozän angesetzt wurde, verwirrte vollends das 
schwierige Problem, da sie von einer für so frühe Zeit unglaublich 
weitgehenden Differenzierung Zeugnis ablegte und Südamerika zu 
dem Zentrum einer ganz eigenartigen Entwicklung zu stempeln 
schien. 

Für diese rätselhafte patagonische Tiergesellschaft ergibt sich 
nunmehr nach den Untersuchungen Ortmanns und Hatchers 
ein miozänes Alter, ein Ansatz, der von Paläontologen, besonders 
von Zittel mit Rücksicht auf die so hochentwickelten Typen gegen 
Ameghinos Angaben von Anfang an für wahrscheinlicher gehalten 
wurde. Diese Feststellung vermag vielleicht die Beuteltierfrage zu 
vereinfachen, eine Wanderung von Südamerika nach Australien, 
die nur Marsupialia, nicht aber Edentaten dorthin brachte, ist 
nicht mehr unbedingt anzunehmen; war auch Patagonien Avirklich 
abgeschlossen, so gewinnt dabei die Möglichkeit, daß umgekehrt 
Australien über die antarktische Landverbindung Südamerika von 
seinen Beuteltieren zu einer Zeit mitteilte, als die Ausbildung 
extrem angepaßter Formen weniger weit vorgeschritten war, was 
die primitive Gestaltung der amerikanischen Typen erklären würde. 
Diese Annahme einer Einwanderung der Beutelratten der neuen 
Welt aus Australien in sehr früher Zeit, wo sie neue Formen 
hervorbrachten, hat auch Zittel in seinen Grundzügen angedeutet. 



>152 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



Sie würde sich vereinbaren lassen mit einer Darstellung- Max Webers, 
der den aplacentalen Säugern eine eurasiatische Entstehung zu- 
schreibt. In prätertiärer Zeit läßt er sie zusammen mit Monotremen, 
primitiven Insectivoren und den Nagern, die heute AustraHen eigen- 
tümlich sind, über einen sino-australischen Kontinent sich ausbreiten, 
der im Eozän zerstört wurde. Sein Südosten, Australien, Neuseeland 
und Tasmanien umfassend, wurde zu einem Zentrum adaptiver 
Anpassung für die Beuteltiere, im Südwesten hätten Inseln, den 
heutigen Molukken entsprechend, einen Teil jener sino-australischen 
Tierwelt als Relikten bewahrt, zu welchen seiner Meinung nach 
der Phalanger des indo-austrahschen Archipels gehört. Weber 
suchte durch diese Theorie eine Antarktis für die Beuteltiere über- 
flüssig zu machen, doch würde sich auf diese Art nur eine Be- 
siedelung der anderwärts erschlossenen Südpolarländer vom Norden 
her ergeben, wenn man nicht eine autochthone Entstehung der 
Beutler in Australien annehmen will, ohne daß dabei eine Antarktis 
für diese Gruppe überflüssig wird. Die Einwanderung der Marsu- 
piaHer von St. Cruz über eine nearktische oder äthiopische Brücke, 
die den zweiten Teil von Webers These bildet, erscheint mit den 
verschiedenen Hypothesen über die Bildung Südamerikas schwer 
vereinbar, jedenfalls aber ist die austraUsche und amerikanische 
MarsupiaHerfauna enge verknüpft. 

Wenn man alle diese verschiedenen Tatsachen und Hypo- 
thesen zu einem einheitlichen Bilde zusammenzufassen sucht, so 
ergeben sich nach Ausschaltung gewisser Widersprüche folgende 
durch die Übereinstimmung unabhängiger Untersuchungen mehr 
oder weniger gesicherte Grundzüge einer Antarktis. 

Im Mesozoicum und im Tertiär bestand eine Gruppierung 
von Land um den Südpol, das in mannigfacher Weise in insulare 
Gebiete zerteilt war, die in verschiedenen Zeiten miteinander in 
Kommunikation traten und eine Faunenverteilung im ganzen Ge- 
biete ermöglichten, die bei einem gewissen einheitHchen Grundtypus 
im einzelnen doch große Unterschiede aufweist. Mit der Annäherung 
an die jüngere Zeit ist ein zunehmender Zerfall dieser Landver- 
bindungen zu konstatieren, das milde Klima weicht einer weit- 
gehenden Vereisung des Zentrums, der Antarktica, die daselbst fast 
alles Leben vernichtet. Größere oder kleinere Reste dieser einstigen 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



153 



Landmasseii gliederten sich an nördliche Gebiete an und stellen 
die Siidspitzen der Kontinente dar oder blieben als Inseln bestehen. 
Dies erscheint für Patagonien, Chile und Argentinien ziemlich sicher 
und gilt vielleicht auch für Afrikas Proteagebiet. Neuseelands Stel- 
lung bleibt noch unsicher, auch für Australien wäre noch zu unter- 
suchen, ob es als Ganzes nach Süden weist oder nur sein süd- 
östlicher Teil. 

Der Einfluß dieser Verhältnisse auf die Verteilung äußert sich 
in verschiedenen Tiergruppen verschieden, im allgemeinen aber 
sprechen die Befunde dafür, daß die Antarktis das Erhaltungs- 
und Umbildungsgebiet für eine Tierwelt von altertümlichem Ge- 
präge war, für die entweder eine Einwanderung aus Norden, 
womit auch Wallaces Theorie eine gewisse Geltung erlangen 
würde, oder eine wenigstens teilweise Entstehung im Bereiche der 
südlichen Zone anzunehmen wäre, wofür in der Gruppe der Beutler 
nach Beddard ihre Vergesellschaftung mit Monotremen in Austrahen 
sprechen würde. 

Weiteren Untersuchungen bleibt jedenfalls bei Lösung dieser 
Fragen noch das meiste zu tun übrig. 

Diskussion. An den vorstehenden Vortrag schloß sich eine 
Diskussion, deren Ergebnisse zur Beurteilung der verschiedenen an- 
geführten Annahmen leiten. 

Dr. 0. Abel wies zunächst darauf hin, daß Neuseeland nicht 
ganz bar an Säugetieren sein dürfte; er erinnerte an den fast ver- 
gessenen Weitoteke, der wohl gesehen, aber nie erlegt wurde; auch 
seine Spuren im Schnee wurden angetroffen, er scheint eine Art 
Fischotterleben zu führen. Natürlich wäre es von größter Wichtig- 
keit, dieses rätselhafte Tier zu untersuchen. Es könnte wohl ein 
Monotrem sein. Vor allem aber sprach sich Dr. Abel für eine 
Wanderung der Beuteltiere aus Südamerika nach Australien aus; 
die Sparassodontiden (Tylaciniden) scheinen primärQ, alte Typen 
und direkte Vorläufer gewisser australischer Marsupialier zu sein. 

Prof. Dr. V. Uhlig führte eine Reihe von geologischen Tat- 
sachen an, die für die Existenz des „Gondwanalandes" schon im 
Paläozoicum sprechen, das in der Permzeit Anzeichen einer Ver- 
gletscherung aufweist. In späterer Zeit zerbröckelte dieses Land, 



154 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



doch spricht im Mesozoicum das Vorkommen gewisser Trigonien 
und Ammoniten für eine Verbindung- von Südafrika und Amerika. 
Eine erst spätere Angliederung- eines Teiles von Afrika ist dagegen 
bei dem einheitlichen Bau des Landes unv^ahrscheinlich, der Ab- 
schluß einer Fauna kann auch auf anderem Wege, z. B. durch 
Wüsten erreicht w^erden. Die Entwicklung der Riesenvögel auf 
Inseln ist unwahrscheinlich, eher ist an einen Zusammenhang mit 
der Eiszeit zu denken, die auch sonst Eiesentypen hervorbrachte. 
Jedenfalls waren die Festländer früher im Norden und Süden kon- 
zentriert, während der Ozean eine mediterrane Lage innehatte, sie 
bildeten selbständige Schöpfungszentren, die nur gelegentlich in Ver- 
bindung traten. 

Dr. Fr. Werner führte Reptilien an, die in Südamerika und 
Madagaskar mit Ausschluß von Afrika gefunden werden. 

Prof. Dr. C. Grobben wies auf die Edentaten hin, deren 
Einwanderung auch von Afrika nach Südamerika angenommen wurde, 
eine Hypothese, die jedoch in Rücksicht auf andere Gründe weniger 
zutreffend erscheint. Die Bildung von Riesenformen bei Landtieren 
sowie ihr Aussterben scheint noch nicht aufgeklärt; unter den 
Wassertieren zeichnen sich die Formen kalter Gebiete durch ihre 
Größe aus. Die Beuteltiere weisen primäre Merkmale auf, doch er- 
folgte eine Trennung der Aplacentaher und Placentalier jedenfalls 
auf einer tiefen Stufe. 

Kustos Prof Dr. v. Maren zell er erinnerte, daß die Verbrei- 
tung des Äcanthodrilus bei der leichten Transportfähigkeit der 
Kokons der Oligochaeten kein allzu starkes Argument bildet, gleich- 
wohl kommt den Landoligochaeten eine große Bedeutung zu, beson- 
ders bei Rückschlüssen auf die physische Beschaffenheit des Landes 
infolge ihrer speziellen Bedürfnisse. 

Auch Kustos Dr. v. Lorenz führte als Argument gegen die 
insulare Entstehung der Riesenvögel das Auftreten kleinerer Insel- 
rassen, z. B. bei Elephanten, an. 

Diesem Einwurf gegenüber hat allerdings Burkhart die Bil- 
dung von Riesenformen nur bei Vögeln auf insulare Gebiete versetzt. 
Gerade der Verlust der Flugfähigkeit scheint ihm in einem ursäch- 
lichen Zusammenhange mit der „Entartung" zu stehen. 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



155 



Die Einwanderung' der Beutler nach Südamerika vom Norden 
her scheint durch die ang-enommene Ahgeschlossenheit Archiplatas, 
das nach Ihering nur von Aplacentaliern bewohnt zu denken 
wäre, allerdings erschwert, doch dürfte der Osten und AVesten Süd- 
amerikas, worauf Prof. Uhlig hinwies, eine getrennte Entwicklung 
genommen haben, die Cordillere muß im älteren Tertiär bereits 
bestanden haben, sie ermöglichte wenigstens zeitweise eine Ein- 
wanderung von Beuteltieren, Edentaten und primitiven Huftieren 
vom Norden her. Die Annahme einer solchen Landverbindung nach 
Art des Isthmus von Panama widerspricht keineswegs den Befunden 
V. Iherings, da sie auf die Bevölkerung des süßen Wassers ebenso- 
wenig einen merklichen Einfluß gehabt haben muß, wie jene einst 
noch breitere Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika auf die 
entsprechenden Faunen. 

Besprochene Literatur. 

Beddard, A., A text-book of Zoogeography. 

— A monograph of the order Oligochaeta. 

Burkhart, R.j Das Problem des antarktischen Schöpfungszentrilms vom Stand- 
punkte der Ornithologie. (Zoologische Jahrbücher, XV.) 
Günther, A., Handbuch der Ichthyologie. 

Hedley, C, Considerations on the surviving refugees in Austral lands of an- 
cient Antarctic life. (Proceedings of the Royal Society of N.-S.-Wales. 
VII, 95.) 

Ihering, H. v., Najaden von S. Paulo. (Archiv für Naturgesch., 59, 1.) 
Ortmann, A. E., Tertiary Invertebrates. Reports on the Princeton University 

Expeditions to Patagonia, IV, 2. 
Weber, Max, Zur Kenntnis der Süßwasserfauna von Südafrika. (Zoologische 

Jahrbücher, 10.) 

— Der indo-australische Archipel und die Geschichte seiner Tierwelt. 1902. 
(Nach einem Vortrag auf der Versammlung deutscher Naturforscher und 
Ärzte zu Karlsbad am 22. September 1902.) 



156 



Referate. 



Referate. 

Weiuzierl, Th. V. Alpine Futterbau versuche, zugleich II. Bericht über 
die im alpinen Versuchsgarteu auf der Sandlingalpe durchgeführten wissen- 
schaftlich-praktischen Untersuchungen in den Jahren 1890 — 1900. Wien 
(W. Frick), 1902, VIII + 276 Seiten. Mit 11 Lichtdrucktafeln, 5 Autotypien, 
24 chromolithographierten Diagrammen und 1 lithographierten Situationsplan. 
Es ist ein schönes und wertvolles Stück Arbeit, welches Th. v. Wein- 
zier 1 auf den Höhen der Sandlingalpe durchgeführt hat und dessen Ergebnisse 
er nun in dem vorliegenden stattlichen Bande mitteilt. Entsprechend dem 
Charakter der „Verhandlungen der zool.-botan. Gesellschaft" soll hier in 
erster Linie auf die wissenschaftlich wichtigen Resultate eingegangen 
werden, nicht ohne darauf hinzuweisen, daß der Zweck der Untersuchungen 
ja doch in erster Linie ein praktisch-landwirtschaftlicher war. In der streng 
wissenschaftlichen Durchführung praktischer Versuche liegt eben ein 
doppelter Wert: es gewinnt dadurch die Wissenschaft und die Praxis. 

Die Einleitung betont zunächst, daß Versuche über Alpenfutterbau 
die wichtigste Aufgabe der alpinen Station seien. Ferner wird dort eine 
Übersicht über die einzelnen Versuchsfelder gegeben, deren Seehöhe von 
660 m bis 1716 m schwankt. Auch werden die an den einzelnen Versuchs- 
feldern durchgeführten Kulturarbeiten tabellarisch zusammengestellt. 

Nach der Einleitung beginnt die ausführliche Beschreibung der Einzel- 
kulturen. Nach kurzer Angabe der Kulturmethoden im allgemeinen werden 
die Kulturen zahlreicher Gramineen sowie von Arten der Gattungen Tri- 
folium, Änthyllis, Flantago, Oxytropis, Hedysarum, Phaca, Sanguisorba u. a. 
geschildert. Von besonderem Interesse sind hierbei die Veränderungen, welche 
an Pflanzen der Ebene gefunden wurden; so beispielsweise Rotfärbung (be- 
ziehungsweise Violettfärbung) der Halmknoten und Spelzen mehrerer Grami- 
neen, welche nur als Anpassungserscheinungen gedeutet werden können. 
Für einige Arten findet sich die Zeit des Blühens und der Samenreife in 
einer besonderen Tabelle zusammengestellt. — Von Interesse sind auch die 
Mitteilungen über Pflanzenkrankheiten, welche im alpinen Versuchsgarten 
auftraten. Besonders schädlich erwies sich ein parasitischer Pilz auf Alo- 
pecurus pratensis, der auch auf Phleum Michelii, Dactylis glomerata und 
Calamagrostis »non^awa vorkommt. Saccardo, dem Material von diesem Pilze 
zugesendet wurde, nannte den Pilz Pestalozzina Soraueriana; Weinzier 1 
schlägt dagegen vor, denselben Festalozzina alpina zu nennen.^) Außerdem 
trat auf verschiedenen Gramineen Puccinia graminis auf, und zwar olfenbar 
in mehreren spezialisierten Formen, da gewisse Gramineenarten immer ver- 
schont blieben. Auch Pseudopeziza Trifolii, Peronospora Viciae, Erysiphe 
Martii, Erysiphe graminis, Coleosporium Campanulae und Claviceps micro- 
cephala wurden beobachtet. 



^) Diese Umbenennung ist nomenklatorisch unzulässig. — Der Referent. 



Keferate. 



157 



Der zweite Haiiptabsclinitt ist den Mischungen gewidmet. Es ist 
klar, daß dieser Abschnitt hauptsächlich vom praktisch-landwirtscliaftlichen 
Standpunkt aus von Wiclitigkeit ist. Denn es liandclt sich bei den ein- 
sclilägigen Versuciien um die Frage, welche Samenmischungen auf Alpen- 
wiesen und Weiden die besten Erträge liefern. 

Hingegen ist in wissenschaftlicher Hinsicht von großem Interesse der 
dritte Abschnitt: „Die klimatischen Vegetationsfaktoren auf der 
Sandlingalpe und ihr Einfluß auf die ökonomischen Eigenschaften der Futter- 
pflanzen." Das Kapitel beginnt mit allgemeinen Bemerkungen „über den 
Einfluß des Alpenklimas auf die Vegetation" und bringt dann in Tabellen 
Mitteilungen über die auf der Sandlingalpe angestellten meteorologischen 
und phänologischen Beobachtungen. Von besonderem Interesse ist eine ver- 
gleichende Zusammenstellung der Blüte- und Samenreifezeit von 22 Arten, 
die in Melk a. D. und zugleich auf der Sandlingalpe beobachtet wurden-, es 
ergaben sich hierbei Diflerenzen von 18—84 Tagen. Sehr interessant sind 
auch die Beobachtungen „über die Verschiebung der Keimungseuergie durch 
das Klima." Es ergaben sich hierbei folgende interessante Tatsachen: „Von 
den im alpinen Versuchsgarten akklimatisierten Ebenenpflanzen keimen die 
Samen von Melk, und zwar schon vom ersten Nachbau rascher als die Samen 
derselben Spezies von der Sandlingalpe. . . . Gerade umgekehrt verhalten sich 
die spezifisch alpinen Arten, bei welchen eben die Samen von der Sandling- 
alpe, ebenfalls schon von der ersten Generation, rascher keimen als die Samen 
derselben Spezies vom Versuchsgarten in Melk." In pflanzenphysiologischer 
Hinsicht verdienen die vonWeinzierl angestellten photometrischen Ver- 
suche besonderes Interesse, welche nach der Methode von Wiesner durch- 
geführt wurden. Es ergab sich u. a., daß bei der auf der Sandlingalpe 
herrschenden hohen chemischen Lichtintensität die Flächen der Primordial- 
blätter von Phaseollis multiflorus relativ klein bleiben und auch die Blatt- 
stiele und Epikotyle kürzer sind als in der Ebene. — Schließlich werden 
noch Mitteilungen über „ombrophile und ombrophobe Pflanzen im alpinen 
Versuchsgarten" gemacht. Von Interesse ist, daß die alpine Form von Bac- 
tylis (ßomerata etwas bereift und daher unbenetzbar ist, während die gewöhn- 
liche Form dieser Art unter andauerndem Regen stark leidet. 

Im Anhange werden noch „Impfversuche mit Bakterien zu Kleearten" 
und „Beobachtungen über Wurzelknöllchen" mitgeteilt. Hierauf folgt die kurze, 
lesenswerte „Zusammenfassung der Hauptergebnisse der Kulturversuche" und 
endlich sind noch einige (praktische) „Schlußbemerkungen" angefügt. 

Eine große Arbeit steckt in den zahlreichen dem Buche beigegebenen 
Tabellen und graphischen Darstellungen. 

Nicht nur der wissenschaftlich gebildete Landwirt, sondern auch der 
Pflanzenphysiolog, Pflanzengeograph und Descendenztheoretiker finden in dem 
vorliegenden schönen Werke wertvolles Material und vielerlei Anregung zu 
neuen Studien und Experimenten. 

Fritsch. 



158 



Eeferate. 



Wettstein, ß. y. Handbuch der systematischen Botanik. II. Band, 
1. Teil. Leipzig und Wien, 1903. Mit 664 Figuren in 100 Textabbildungen 
und einer Farbentafel. 

Die vorliegende Fortsetzung des Wett st ein sehen „Handbuches" schließt 
sich an den ersten Band desselben, der seinerzeit hier besprochen wurde, ^) 
würdig an. Sie behandelt' die Bryophyten, Pteridophyten und Gymnospermen, 
während die Angiospermen in dem noch ausständigen Schlußbande behandelt 
werden sollen. Wie im ersten Bande, so zeigen sich hier überall die Spuren 
selbständiger Erwägungen, welche das Buch namentlich für den Fachmann 
sehr wertvoll machen. 

In der Einleitung zum Hauptabschnitte „Cormophyten" wird der ent- 
wicklungsgeschichtliche Zusammenhang zwischen Archegoniaten und Blüten- 
pflanzen in klarer Weise auseinandergesetzt. Besondere Beachtung verdient 
dabei die Besprechung der „Ursachen der Veränderung der homologen Organe," 
in welcher namentlich darauf hingewiesen wird, daß die höher organisierten 
Pflanzen ausgesprochene Land pflanzen sind, deren Fortpflanzung sich ganz 
unabhängig von dem Vorhandensein liquiden Wassers abspielt, während als 
Urformen der Cormophyten algenähnliche Wasserpflanzen zu denken sind. 
Diese gewiß berechtigte Idee findet auch in einer kolorierten „schematischen 
Darstellung der Entwicklung der Cormophyten und der Homologien ihrer 
Organe" ihren Ausdruck. Dieselbe ist recht instruktiv, aber in der Ausführung 
nicht ganz gelungen. So sind z. B. die Ehizoiden der Moose mit der Farbe 
männlicher Fortpflanzungsorgane dargestellt, was gewiß nicht in der Absicht 
des Verfassers lag. Auch steht der Umstand, daß als Urtypus der Cormo- 
phyten eine Chlorophycee eingezeichnet ist, im Widerspruch mit dem von 
Wettstein vertretenen Pflanzensystem.^) 

Aus der Behandlung der Bryophyten ist vor allem hervorzuheben, 
daß Wettstein die Klasse der Musci (Laubmoose) voranstellt und an diese 
dann erst als zweite Klasse die Hepaticae (Lebermoose) anschließt. Innerhalb 
der Musci steht zuerst die Ordnung der Bryales (mit Einschluß der Archi- 
diaceen und selbstverständlich auch der Cleistocarpi), dann die der Sphagnales 
und zuletzt jene der Andreaeales. Die Lebermoose beginnen mit den Junger- 
manniales (Familien: Haplomitriaceae, Acrogynaceae, Anacrogynaceae)^ an welche 
sich die Marchantiales (Marchantiaceae und Bicciaceae) und Anthocerotales 
anschließen. Die Erwägungen, welche zu dieser Umkehrung des gewöhnlich 
üblichen Bryophytensystems geführt haben, sind sehr beachtenswert. Der 
Grundgedanke ist der, daß ja die Fortentwicklung der Cormophyten der 
Hauptsache nach „auf der allmählichen Reduktion des Gametophyten" beruht, 
weshalb die Lebermoose als „stärker abgeleitet" zu betrachten seien. Auch 



^) Vergl. diese „Verhandlungen", Jahrg. 1901, S. 374. 

2) Im Text (S. 15) gibt Wettstein auch die Abstammung der Bryo- 
phyten von Vorfahren zu, die „etwa von der Beschaffenheit der Chlorophyceen 
gewesen sein könnten". 



Referate. 



159 



könne man wohl die Lebermoose vom Typus der Laubmoose ableiten, nicht 
aber umgekehrt, Referent möchte noch hinzufügen, daß ja die thallösen 
Lebermoose die einzigen Bryophyten sind, von welchen die Pteridophyten 
allenftills abgeleitet werden könnten; auch das spricht dafür, sie an das Ende 
des Moossystems zu stellen. 

Auch die Einteilung der Pteridophyten ist zum Teile originell. Sie 
werden in gewohnter Weise zunächst in Filicinae, Equisetinae und Lyco- 
podiinae gegliedert. Unter den Filicinen stellt aber Wettstein die „Eu- 
sporangiatae" (Ophioglossales und Marattiales) den „Leptosporangiatae" (Fili- 
cales und Hydropteridales) voran. Als Grund für diese Anordnung gibt 
Wettstein an, daß bei den Ophioglossales „die Gliederung des Sporophyten 
noch die primitivste ist", ferner auch das geologische Alter dieser Gruppe, 
endlich der Umstand, daß nur von den Ophioglossales sich die übrigen Pterido- 
phyten ableiten lassen. Die Lycopodiinae werden in „L. pluriciliatae" (Isoeta- 
ceae) und „L. biciliatae" eingeteilt; letztere umfassen drei Ordnungen: Psilo- 
tales, Lycopodiales und Selaginellales. 

Aus der Bearbeitung der Gymnospermen, welche sich durch sorg- 
fältige Berücksichtigung der neuen Literatur auszeichnet/) möchte Referent 
nur die morphologische Auffassung des Koniferenzapfens hervorheben. Den 
Zapfen der Pinaceen (exkl. Cupressaceen!) deutet Wettstein ebenso wie 
A. Braun u. a. als Blütenstand. Hingegen faßt er die „Zapfen" der Cu- 
pressaceen als Einzelblüten auf. Wenn sich auch das Gefühl einigermaßen 
dagegen sträubt, den Zypressenzapfen einem Föhrenzapfen nicht homolog 
setzen zu dürfen, so kann doch die Berechtigung der Schlußfolgerung Wett- 
steins (die hier nicht näher mitgeteilt werden kann) kaum bezweifelt werden. 

Besonderes Lob verdienen noch die sehr zahlreichen Illustrationen, 
unter welchen sich auch nicht wenige Originalabbildungen befinden. 

Man kann mit Spannung und großem Interesse dem Erscheinen des 
Schlußbandes entgegensehen. Fritsch. 

Matzdorff, Dr. C. Tierkunde für den Unterricht an höheren Lehr- 
anstalten. Ausgabe für Realanstalten, auf Grund der preußischen Lehr- 
pläne von 1901 bearbeitet. In 6 Teilen. Breslau, Hirt, 1903. 

Das Buch zerfällt, dem Lehrstoffe von sechs Klassen entsprechend, in 
ebensoviele Bändchen; die ersten fünf umfassen die Zoologie im engeren Sinne, 
das sechste beschreibt den Bau des menschlichen Körpers. Die drei ersten 
Hefte (Lehrstoff der Sexta, Quinta und Quarta) behandeln nur Wirbeltiere, 
und zwar zunächst einheimische Säugetiere und Vögel, denen im zweiten und 
dritten Heft immer weitere Formen angereiht werden; das vierte Heft (für 
Untertertia) enthält die Arthropoden, das fünfte (für Obertertia) die übrigen 
Wirbellosen. Diese fünf Bändchen bringen, immer weitere Kreise uuifassend, 
zunächst immer eine Reihe von „Tierbeschreibungen", jedoch nicht in der 



*) Das gilt übrigens von allen Abschnitten des Buches. 



160 



Eeferate. 



widerwärtigen, trockenen Manier, wie sie bis vor kurzem in unseren Lehr- 
büchern üblich war-, es wird vielmehr der Schüler diese Beschreibungen, weil 
auf biologischer Grundlage aufgebaut und immer den Zusammenhang zwischen 
Körperform und Lebensweise betonend, gewiß mit Interesse lesen. In einem 
zweiten Abschnitt, „Erläuterungen und Zusammenfassungen", enthält jedes 
Heft allgemeine Bemerkungen, durch welche die im speziellen Teile vom 
Schüler gewonnenen Kenntnisse verglichen, zusammengefaßt und wiederholt 
werden. Daß auf die Beziehungen der Tierwelt zur Pflanzenwelt und über- 
haupt zu ihrer Umgebung eingehende Rücksicht genommen ist, braucht bei 
dem Umstände, daß das Buch auf dem Standpunkte des modernen Unterrichtes 
steht, wohl nicht mehr eigens betont zu werden. 

Die Abbildungen, die häufig auch ungemein lehrreiche schematische 
Figuren enthalten, zieren in großer Zahl das Buch (im ganzen gegen 350) und 
sind in ihrer sorgfältigen Auswahl und Ausführung sehr klar und instruktiv, 
einige farbige Tafeln (z. B. zwei besonders schöne für die interessantesten 
Fälle von Mimicry im vierten Hefte) dürfen nicht unerwähnt bleiben. 

Wenn auch Matzdorffs Tierkunde bei dem von unserem so abweichen- 
den preußischen Lehrplane ohne Umarbeitung an unseren Schulen keine all- 
gemeine Verwendung finden kann, so haben wir bei den oben angedeuteten 
Vorzügen doch allen Grund, uns für dieses Buch zu interessieren: der Lehrer 
der Naturgeschichte an Mittel- und Bürgerschulen wird eine Menge interessanter 
Dinge finden, die er für den Unterricht verwenden kann- überhaupt verdienen 
die in Deutschland gebräuchlichen Lehrbücher eingehenderes Interesse, nach- 
dem gar manche derselben bei uns ja doch in recht ausgiebiger Weise benützt 
worden sind! Dr. Pfurtschell er (Wien). 

Schulz, Otto Eugen. Monographie der Gattung Cardamine. (Englers 
Botanische Jahrbücher für Systematik und Pflanzengeographie, XXXII, 
S. 280.) 

Nach einer kurzen Besprechung der morphologischen Eigentümlichkeiten 
der Gattung bespricht Verfasser das Verhältnis derselben zu den verwandten 
Gattungen und kommt dabei zu dem Resultate, daß Dentaria L. mit derselben 
zu vereinigen sei, während Nasturtium (worunter Verfasser sowohl die gelben 
jRonpa -Arten als auch Nasturtium officinale versteht) auszuscheiden sei, 
wobei er freilich auf die von Fritsch (in diesen „Verhandlungen", Jahrg. XLIV, 
S. 318) erörterten Gründe für die Belassung von Nasturtium ofßcinale bei 
Cardamine nicht näher eingeht. In dem nun folgenden Kapitel über die geo- 
graphische Verbreitung der Gattung ersehen wir, daß wir Vertreter derselben 
in vier Florenreichen finden, nämlich im nördlich- extratropischen, im süd- 
amerikanischen, im australischen und in den Hochgebirgen des Tropengürtels, 
worunter das erstgenannte die größte Menge von Arten enthält. Es folgt 
sodann ein kurzes Kapitel über die Entwicklungsgeschichte der Gattung sowie 
ein Rückblick über die Geschichte derselben bis auf Linne, woran sich der 
bei weitem umfangreichste spezielle Teil schließt. 



Referate. 



161 



Verfasser teilt die Gattung' in 12 Sektionen, welche im folgenden mit 
den europäischen Arten angeführt sein mögen. 

Sectio I. Dentaria L. (pro gen.), 

C. microphylla (W.) 0. E. Sch. (Kaukasus). 
C. bipinnata (C. A. Mey.) 0. E. Sch. (Kaukasus). 
C. Savensis 0. E. Sch. (= Dentaria trifolia W. K.) (Steier- 
mark, Krain, Kroatien, Bosnien). 
C. qiiinquefolia (M. B.) Schmalh. (Siidrußland). 
C. bulbifera (L.) Cr. (Europa). 

C. pohjphylla (W. K.) 0. E. Sch. (südliche Alpen, Apenninen). 
C. pinnata (Lara.) R. Br. (südeuropäische Gebirge). 

Prol. intermedia (Sond.) 0. E. Sch. (Südtirol). 
C. digitata (Lara.) 0. E. Sch. (Pyrenäen, Alpen). 
C. enneaphylla (L.) Cr. (Gebirge Mitteleuropas). 
C. glandulosa (W. K.) Schmalh. (Karpathen). 
C. digitata X pinnata (Schweiz, Frankreich). 
C. digitata X polyphylla (Schweiz). 
C. digitata X enneaphylla (Krain). 
C. enneaphylla X glandulosa (Schlesien). 
Sectio IL Eutretophyllum 0. E. Sch. (nordamerikanische Arten). 
„ IIL Sphaerotorrhiza 0. E. Sch. 

C. tenuifolia (Led.) Turcz. (Rußland). 
„ IV. Corioph^jllum 0. E. Sch. 

C. trifolia L. (Alpen, Karpathen). 
„ V. Macrophyllum 0. E. Sch. 

C. macrophylla W. (Ural). 
„ VI. Lygophyllum 0. E. Sch. [C. violacea (Don.) Wall, aus Indien]. 
„ VII. Papyrophyllum 0. E. Sch. (amerikanische und afrikanische Arten). 
„ VIII. Eucardamine 0. E. Sch. 

C. asarifolia L. (Alpen, Apenninen). 
C. impatiens L. (Europa). 

Prol. dasycarpa (M. B.) 0. E. Sch. (Kaukasus). 

Prol. pectinata (Pall.) Trautv. (Thessalien, Kaukasus). 
C. hirsuta L. (Europa). 

Subsp. j9M&em?a Rouy et Fouc. (Westeuropa). 
C. flexuosa With., 1796 (= C. silvatica Lk., 1803) (Europa). 
C. parviflora L. (Europa). 
C. amara L. (Europa). 

Subsp. Opicii (Presl) Öelak. (Sudeten, Karpathen, Alpen). 

Prol. aequiloba C. Hartm. (Skandinavien). 
C. tenera Gmel. (Südrußland). 
C. barbaraeoides Hai. (Griechenland). 
C. raphanifolia Pourr. (Pyrenäen, Spanien). 

Subsp. acris (Griseb.) 0. E. Sch. (Balkanhalbinsel). 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 11 



162 



Referate. 



G. uliginosa M. B. (Kaukasus). 
C. pratensis L. (Europa). 

Subsp. granulosa (All.) 0. E. Sch. (Piemont, Pyrenäen). 
* Subsp. Iliciana Fritsch (Spanien, Serbien). 

Subsp. angustifolia Hook, (arktisches Gebiet). 
Pro]. Hayneana (Welw.) Schur (südliches Europa). 
Prol. crassifolia (Pourr.) 0. E. Sch. (Pyrenäen, Alpen, 
Karpathen). 
C. amara X pratensis (Rußland). 

C. amara X flexuosa (Savoyen, Oberösterreich, Riesengebirge). 

C. flexuosa X pratensis (Deutschland). 

C. hirsuta X flexuosa (Osterreich). 

C. pratensis X raphanifolia (Südfrankreich). 
Sectio IX, Cardaminella Prantl. 

C. bellidifoUa L. (arktisches Gebiet). 

C. alpina W. (Pyrenäen, Alpen). 

C. Plumierii Vill. (Gebirge Südeuropas). 

C. resedifolia L. (Alpen, Pyrenäen, Gebirge der Pyrenäen- 
und Apenninen-Halbinsel). 

C. alpina X resedifolia (Alpen). 
„ X. Pteroneurum DC. (pro gen.). 

C. glauca Spr. (Apenninen- und Balkanhalbinsel). 

C. carnosa W. K. (Kroatien, Herzegowina, Albanien, Thessa- 
lien). 

C. graeca L. (Südosteuropa). 

C. maritima Port. (Kroatien, Dalmatien, Montenegro). 
Prol. Serbica (Panc.) 0. E. Sch. (Serbien). 
Prol. rupestris 0. E. Sch. (Insel Lussin, Herzegowina). 
G. Fialae Fritsch (Herzegowina). 
„ XL Spirolohus 0. E. Sch. 

C. chelidonia L. (Korsika, Italien, Kroatien). 
„ XII. Macrocarpus 0. E. Sch. [C. geraniifolia (Poir.) DC. von der 
Magelhaens-Straße]. 

Neu beschrieben werden folgende Arten: Cardamine Tangutorum (China), 
G. Urhaniana (China), C. flagellifera (Nordamerika), C. Engleriana (China), 
G. Aschersoniana (Venezuela), C. Holziana Engl, et 0. E. Sch. (Usambara), 
G. innovans (Guatemala), G. insignis (China), G. violifolia (China), C. fragarii- 
folia (China), C. Mexicana (Mexiko), G. Schinziana (Japan), G. penduliflora 
(Kalifornien), ferner zahlreiche Varietäten und Bastarde. Hayek. 

Heyes, J. Nunnans massuppträdande ären 1898—1902. (Entomologisk 
tidsskrift, 1903.) 

In Schweden hat in den letzten Jahren die Nonne, Lymantria monacha 
(L.), große Verheerungen verursacht; über die darüber gemachten Erfahrungen 



Referate. 



163 



gibt uns der Verfasser eine kurze Übersicht. Die wichtigsten davon sind die 
folgenden : 

In ungemischten Föhrenwäldern gedeiht die Raupe nicht; wo aber ein- 
zelne Fichten dazwischen stehen, müssen diese gefällt werden. 

Kräftiger, jüngerer Wald (unter 30 Jahren) erleidet selten einen nam- 
haften Schaden. 

Wo die Nonne im Fichtenwalde in geringer Anzahl auftritt, werden die 
Falter am besten eingesammelt und vernichtet, ehe sie ihre Eier abgelegt 
haben. Wo man vermutet, daß das Eiablegen schon stattgefunden hat, werden 
die Bäume im folgenden Frühjahre versuchsweise geleimt. 

Wo die Nonne im Fichtenwalde oder gemischten Walde in Menge auf- 
tritt, werden die Säume der angrenzenden Wälder in einer Breite von 15 m 
geleimt, um der weiteren Verbreitung der Raupen Schranken zu setzen. 

Wo Eier schon in sehr großer Anzahl (durchschnittlich mehr als 3000 
per Baum) abgelegt worden sind, bedient man sich keiner Maßregeln, denn 
die Bäume sind in diesem Falle rettungslos verloren und die Raupen werden 
mit der Zeit durch Flacherei vernichtet werden. 

Die in Schweden zur Bekämpfung der Nonne angewendete Methode 
unterscheidet sich von derjenigen der Deutschen besonders dadurch, daß die 
Schweden das Verbreitungszentrum der Raupen unberücksichtigt lassen und 
dagegen an den Grenzen des angegriffenen Gebietes ihre Arbeit konzentrieren, 
während in Deutschland in der umgekehrten Weise verfahren worden ist. 
Durch die schwedische Methode wird besonders die Entstehung und Verbrei- 
tung von Flacherei befördert, die immer im Zentrum des Gebietes, da wo der 
Mangel an Nahrung und das Gedränge am größten sind, entsteht. Deshalb 
würde das Leimen in stark mit Eier belegten Gebieten nicht zweckmäßig sein, 
in schwächer belegten dagegen kann es unter Umständen die Flacherei be- 
fördern und jedenfalls die weitere Verbreitung der Raupen verhindern. Die 
Arbeit gegen die Nonne muß besonders darauf zielen, den gefährlichsten Feind 
der Raupen, die Flacherei, entstehen und weiter verbreiten zu lassen. 

Embr, Strand (Kristiania, z. Z. Marburg i. H.). 

Franz, T. Über die Struktur des Herzens und die Entstehung von 
Blutzellen bei Spinnen. (Zoologischer Anzeiger, 1903.) 

Der ursprüngliche Zweck des Verfassers war, auf Grund einer genauen 
histologischen Beschreibung des Spinnenherzens die in Längs „Trophocoel- 
theorie" ausgesprochene Ansicht über die Entstehung des Arthropodenherzens 
bezüglich der Spinnen zu bestätigen oder zu prüfen. Bald zeigte sich aber 
dem Verfasser ein zweites, interessantes Problem, nämlich die Feststellung 
gewisser eigenartiger Beziehungen zwischen der inneren Herzwand und dem 
Blute der Spinnen. 

Über den Aufbau der Ringmuskulatur erfahren wir, daß die rechte und 
linke Seite der Herzwand durch je eine Reihe von halbringförraigen Muskel- 
fasern gebildet ist. Von einer spiraligen Anordnung der Muskelfasern, wie sie 



164 



Referate. 



Pappenheim zu beobachten glaubte, ist nicht die Rede. Sie sind im Principe 
genau so, wie es Längs Trophocoeltheorie erfordert; diese Tatsache macht 
es wahrscheinlich, daß bei den Spinnen ebenso wie bei den anderen Arthro- 
poden das Herz aus zwei trogförmigen, später oben und unten zusammen- 
stoßenden Kardioblastenreihen entsteht, daß also diese Kardioblasten oder die 
daraus entstehenden halbringförmigen Bestandteile das Primäre am Spinnen- 
herzen sind. 

Was die Außenbekleidung der Ringmuskulatur betrifft, so teilt uns der 
Verfasser mit, daß über der Ringmiiskulatur — von innen nach außen gezählt 
— liegen: 

a) ein feines Häutchen aus Längsfasern, wahrscheinlich immer vorhanden; 

h) Längsmuskelfasern, die nicht eine kontinuierliche Schicht bilden, nur 
bei einigen Formen vorhanden; 

c) eine Adventitia, eine kontinuierliche Deckschicht. 

Über die Beziehungen zwischen der inneren Herzwand und dem Blute 
wurden Untersuchungen an Tegenaria Derhami angestellt. Es ergab sich, daß 
keine scharfe Abgrenzung zwischen Muskulatur und „Innenschicht" existiert. 
Zwischen den Bestandteilen der „Innenschicht" und den Blutzellen fanden sich 
Übergänge. Ob aber Blutzellen sich von der Herzwand loslösen oder an die- 
selbe anlagern, konnte nicht sicher festgestellt werden. — Ferner wurde unter- 
sucht Epeira qiiadrata. Es wurde wiederum ein Übergang zwischen Ring- 
muskulatur und Blutzellen konstatiert. Stellenweise standen sogar Blutzellen 
öfters durch stielförmige Fortsätze mit den Ringen der Muskulaturschicht in 
Verbindung. Der Verfasser kommt zu dem Resultate, daß die Loslösung von 
Blutzellen, also ihre Entstehung aus Muskelbildungszellen wahrscheinlicher 
als die Anlagerung derselben ist. — Bei einer dritten, unbestimmten Art wurde 
auch mit Wahrscheinlichkeit gefolgert, daß die Blutzellen aus der Herzwand 
hervorgehen; an Attus rupicola wurde außerdem gefunden, daß die Blutzellen- 
bildung periodisch eintritt und daß gleichzeitig damit eine Veränderung des 
Blutserums vor sich geht. 

Endlich stellt der Verfasser fest, daß eine Intima, welche frühere Autoren 
zu beobachten glaubten, bei Spinnen ebenso wie bei anderen Arthropoden fehlt. 

Embr. Strand (Kristiania, z. Z. Marburg i. H.). 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens 
und der Herzegowina. 

Von 

Karl Maly (Sarajevo). 

(Eingelaufen am 1. November 1903.) 



Die Geschichte der fioristischen Erforschung- lllyriens^) hat 
in den letzten beiden Jahrzehnten ein geradezu klassisches Zeit- 
alter aufzuweisen, das wohl in Becks „Vegetationsverhältnisse der 
l illyrischen Länder"^) seinen Höhepunkt erreicht hat. Gerade die 

• Kenntnis jener Länder, die früher in naturwissenschaftlicher Be- 
Ziehung ein nahezu unbekanntes Gebiet darstellten, nahm einen 

* ungeahnten Aufschwung, während die Erforschung der übrigen 
keine besonderen Fortschritte machte. Die Flora Bosniens und 
der Herzegowina ist durch die Forschungen Becks, Brandis' 
(Freyn), Murbecks u. a. in den Grundzügen erschlossen und die 
Erg-ebnisse können einen würdigen Vergleich mit der naturwissen- 
schaftlichen Kenntnis der angrenzenden Länder Maß halten. Es 
darf aber nicht verschwiegen bleiben, daß ein sehr bedeutendes 
Stück Arbeit übrig bleibt, um aus den vorhandenen Grundzügen 
ein möglichst vollständiges und getreues Bild unserer Flora zu 
gestalten. Die lokale Forschung hat hier durch Jahrzehnte ein 



^) Hier im Sinne Becks (s. u.) gemeint, also erweitert und Südkroatien, 
Bosnien, die Herzegowina, Serbien, Dalmatien, Montenegro und Nordalbanien 
umfassend. 

2) In A. Engler und 0. Drudes „Die Vegetation der Erde", Bd. IV. 
Leipzig (Willi. Engelmann). Erschien im September 1901. 

z.B. Ges. Bd. LIV. 12 



166 



Karl Maly. 



reiches Gebiet fruchtbarsten Bodens zu bearbeiten, um, auf den vor- 
gezeichneten Bahnen wandelnd, ihre Aufgaben zu erfüllen. Um 
dies zu ermöglichen, ist es jedoch unbedingt notwendig, im Lande 
eine Zentralstelle zu schaffen, bei welcher man die unentbehrlichsten 
Hilfsmittel, als Vergleichsmaterial (Herbarien) und Bücher, finden 
kann. In diesem Sinne ist auch bereits durch den verstorbenen Kustos 
des Landesmuseums in Sarajevo, Franz Fiala, ^) vorgearbeitet 
worden, indem er zwei Herbarien anlegte, von welchen eines die 
Flora Europas, das andere die Flora Bosniens umfassen sollte. Das 
Herbarium europaeum füllt bis jetzt fünf hohe Kästen und ist als 
Ergebnis der verhältnismäßig nur wenige Jahre dauernden un- 
ermüdUchen Tätigkeit Fialas sowie der zahlreichen Balkanreisen 
des bekannten Ornithologen Herrn Kustos Reiser recht wertvoll 
zu nennen. Es bildet einen schönen Grundstock zur Ergänzung 
der vielen leider noch fehlenden Pflanzentypen. Am reichsten 
sind im Herbarium europaeum naturgemäß die Floren Deutschlands 
und des nördlicheren Österreichs, sehr lückenhaft hingegen die 
Floren der benachbarten Länder, namenthch Dalmatiens, Kroatiens 
und Ungarns vertreten. Diesem Übelstand kann nur dann einiger- 
maßen abgeholfen werden, wenn man sich unmittelbar mit den 
wenigen dort lebenden Botanikern in Tausch Verbindung setzt. 
Das „Herbarium Bosniacum" wurde vor Jahren von einem der 
hervorragendsten Botaniker Österreichs mit den Worten gekenn- 
zeichnet: „Nur eines betone ich, das Musealherbar ist sehr arm." 
Leider hat sich seither hierin wenig geändert. So fehlen z. B. 
noch heute manche der bereits aus Bosnien und der Herzegowina 
bekannten Endemismen und viele von den neu beschriebenen 
Pflanzenformen. In den letzten Jahren ist zwar durch die Herren 
Kustos Othmar Reiser und Museumsassistent Vejsil Öurci6 neuer- 
dings im Lande gesammelt worden und auch ich habe in der Um- 
gebung Sarajevos manches Bemerkenswerte gefunden. Von einer 
methodischen, wissenschaftlichen Durchforschung des ganzen Landes 
oder nur eines seiner Teile mußte jedoch aus Mangel an Zeit und 
an den hierzu nötigen Hilfsmitteln Abstand genommen werden. 



^) Verg-l. 0. Reiser in Wissenschaftl. Mitteil. aus Bosnien u. d. Herzeg., 
Bd. VI, S. XIX— XXni (1899). 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 167 



Auch die Bearbeitung des gesammelten Materiales konnte aus 
älinlielien Gründen nur zum geringsten Teile erfolgen.^) 

Die botanische Bibliothek des Landesmuseums, der ich schon 
in einer früheren Arbeit 2) einige Worte widmete, ist erfreulicher 
Weise durch einige Werke, wovon ich namentlich Visiani und 
Pancics Plantae serbicarum pemptas . . . (1860) und Plantae ser- 
bicae rariores aut novae (1861 — 1870), dann Pospichais und 
Marchesettis Florenwerke über Istrien, endlich Haläcsys Con- 
spectus florae graecae (1900 — ) erwähne, vervollständigt worden. 
Doch fehlt freihch noch sehr vieles, was auf die Flora Illyriens 
und der Nachbarländer Bezug hat, von Zeitschriften besonders 
die „Regensburger Flora," die einen bedeutenden Teil der älteren 
floristischen Literatur enthält. Hoffentlich gelingt es mit der Zeit, 
auch diese Werke nachzuschafifen. 

Die Ergebnisse meiner in der näheren Umgebung Sarajevos 
unternommenen Forschungen stellen den überwiegenden Teil der 
vorliegenden Arbeit dar. Größere Exkursionen konnte ich mit 
Ausnahme einer einzigen nicht vornehmen. Von Hochgebirgen 
habe ich namentlich den Trebevi6 (1629 m) und seine Vorberge 
(Draguljac, 1 166 m, Vaganj, 1165 m, Palez, 1084 m u. s. w.) neuerUch 
und wiederholt besucht. Er ist wohl als einer der pflanzenreichsten 
Berge des Landes anzusehen und noch lange nicht eingehend 
genug bekannt. Eine Exkursion auf die Cvrstnica in der Herze- 
gowina (2228 w), die ich der lieoenswürdigen Einladung des Herrn 
Kustos Othmar Reiser verdanke, fand leider gerade als wir am 
Gipfel des Hochgebirges anlangten, einen für unsere Sammeltätig- 
keit sehr unhebsamen Abschluß. Die Cvrstnica wurde früher bereits 

^) Einer Bewilligung des Direktors des bosnisch-herzegowinischen Landes- 
museums, Herrn Hofrat Konstantin Hörmann, sowie der liebenswürdigen 
Vermittlung des Herrn Kustos Othmar Reiser, dem die Aufsieht der seit dem 
Tode Franz Fialas verwaisten botanischen Abteilung obliegt, verdanke ich es, 
meine floristischen Studien im Landesmuseum pflegen zu können. Das ganze 
von mir eingesammelte und bearbeitete Material übergebe ich stets dem ge- 
nannten Museum, in dessen Interesse ich auch in reger Verbindung mit be- 
deutenden Botanikern und mehreren Tauschanstalten stehe. 

^) Im Glasnik zemaljskog muzeja u Bosni i Hercegovini, XI, p. 127 bis 
150 (1899), und in den Wissenschaftlichen Mitteilungen aus Bosnien und der 
Herzegowina, VII, S. 526—551 (1900). 

12* 



168 



Karl Maly. 



von den Herren Kustoden 0. Reiser und F. Fiala und den 
Professoren Dr. K. Vandas und Dr. Günther Beck v. Mannagetta 
besuclit und erg-ab manchen schönen Fund als Ausbeute. Vandas^) 
erwähnt als besonders bemerkenswert Leontopodium alpinum (häufig), 
Aronimm scorpioides, Papaver Pyrenaicum, Ätibrietia Croatica, 
Festuca Halleri und Elyna spicata, wozu noch viele von ihm in 
seiner Aufzählung- der gesammelten Pflanzen verzeichnete Selten- 
heiten zu zählen wären. Durch Fiala^) und 0. Reiser wurden 
unter anderen Campanula Hercegovina var. squarrosa Degen et 
Fiala ^) und Heracleum Orsini Guss.^) für die Cvrstnica bekannt. 
Die Ausbeute Prof. G. v. Becks harrt noch der Bearbeitung. 
Die geologischen Verhältnisse dieses hochinteressanten Gebirges, 
das in den unteren Teilen aus Werfener Schiefer besteht, über 
welche sich Trias- und Juradolomite sowie Kalke lagern, und das 
zahlreiche glaziale Spuren aufweist, wurden durch Dr. Jovan Cvijic 
klargelegt.^) 

Am 3. August 1900, nachmittags begannen wir von der Bahn- 
station Dre^nica (a. d. Narenta) aus die Wanderung und über- 
nachteten nach einigen Stunden kräftigen Marsches im gleich- 
namigen Tal bei Stri^evo. Nächsten Tag ging es durch das 
Dragatal und die hügelreiche Karst-Hochebene Vitrnjaca, auf der 
ich Senecio Visianianus Papafa zahlreich fand, zum Blidinje-See 
(1180 m), von wo am frühen Morgen des folgenden Tages der Auf- 
stieg auf die Cvrstnica bewerkstelligt wurde. Am Gipfel des 
Gebirges angelangt, konnte ich gerade noch Primula Kitaiheliana 
Schott, und an einer humösen Stelle den neuen Leontodon lUyricus 
sammeln, als das Unwetter, das uns bereits am Ufer des Sees in 
Form von dunklen Wolkenmassen, die über den Vran (2017 m) 

^) Dr. K. Vandas, Neue Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und 
der Herzegowina. (Sitzungsber. d. kgl. böhm. Ges. d. Wiss., 1890, p. 249—285.) 

2) F. Fiala, Prilozi flori Bosne i Hercegovine, p. 1—32. (Glasnik, VIII, 
p. 293—324, 1896.) — Deutsch: Beitr. z. Flora v. Bosn. u. d. Herceg., S. 1—25. 
(Wissensch. Mitteil, etc., VI, S. 719—743, 1899.) 

^) Dr. A. V. Degen, Aus dem botanischen Nachlasse Franz Fialas. 
(Wissensch. Mitteil, etc., VI, S. 80—81.) 

*) Morphologische und glaziale Studien aus Bosnien etc. ( Abhandl. der 
k. k. geogr. Gesellsch. in Wien, 2. Bd., 1900, Nr. 6, S. 36-45.) 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 169 

kamen, bedrohte, sich zu entladen begann. Nun hieß es, so schnell 
es ging-, unser noch ziemlich entfernt Hegendes Ziel, die Alpenhütten 
(stanovi) zu erreichen, denn das Wetter ergoß sich in wiederholten 
Hagelschlägen und Eegen auf uns. Auch der Nebel hatte sich als 
unangenehmster Gast eingefunden, so daß das Weitersammeln un- 
möglich wurde, obwohl wir noch auf der Flucht Linaria alpina 
und Siacliys siibcrenata, letztere in der Höhe von etwa 1700 w er- 
haschten. Völlig durchnäßt kamen wir beim Davidovi6-stan, der 
unbewohnt war, an imd mußten daher den nächstgelegenen Sunic- 
stan aufsuchen^ wo wir Leute fanden, die uns gastfreundlich auf- 
nahmen und wo wir auch Ubernachteten. Von hier ging es, da 
sich das Wetter nicht aufheitern wollte, den nächsten Nachmittag 
weiter zum Cori6-stan, wo die kommende Nacht verbracht wurde. 
Am Wege dahin, der an mehreren Dolinen vorbei von einer Karst- 
mulde in die andere und zeitweise durch Krummholz- und Panzer- 
föhrenbestände führte, sowie bei den Alpenhütten wurde noch 
einiges gesammelt, wie Asplemim fissum Kit., Sedtim Magellense 
Ten., Cardamine glauca Spreng, u. a. Vom Coric-stan wurde dann 
am nächsten Tage der Rückweg angetreten, der über Smiljevaca, 
wo wir im Buchenwald die Eibe ^) {Taxus haccata, kroat. : Tisovina) 
in ziemlich alten Stämmen sahen, und über den Stari klanac auf 
einem steilen Abhang zur Quelle Petralj führte. Auf diesen Fels- 
abstürzen wächst Campanula Hercegovina Deg. et Fiala und die 
krummliolzartige Form des Sadebaumes (Juniperus sahina). Den 
steilen Weg zwischen der Debela ljut und Lisina abwärts, erreichten 
wir in einigen Stunden den Ausgangspunkt unserer Wanderung, 
die Station Dreznica und die Rückfahrt nach Sarajevo wurde an- 
getreten. Die Ausbeute ist im allgemeinen gering zu nennen, 
doch hat dies seinen Grund in dem schlechten Wetter, das uns 
gerade in der Alpenregion vom eingehenden Sammeln abhielt. 
Dennoch lieferte sie mehrere sogar für das Land neue Pflanzen, 
woraus zu schließen ist, daß die Cvrstnica (wie fast alle unsere 
Hochgebirge) noch lange nicht eingehend genug durchforscht ist. 



^) Das Vorkommen der Eibe wurde in G. v. Becks soeben erschienenem 
Werke: Flora Bosne, Hercegovine etc. (Sarajevo, 1903) jedenfalls aus Ver- 
sehen nicht erwähnt. 



170 



Karl Maly. 



Zur BestimmuDg der Pflanzen wurde nebst Becks Flora von 
Niederösterreich und Kochs Synopsis, ed. 3,^) namenthch Ascher- 
son und Gräbners Synopsis der mitteleuropäischen Flora (Leipzig, 
1896) benützt, dessen verhältnismäßig rasches Fortschreiten in der 
Herausgabe für alle Pflanzenfreunde als höchst erfreulich begrüßt 
werden muß. Außerdem wurden natürlich noch viele Quellenwerke 
eingesehen, deren Aufführung an dieser Stelle zu weit führen würde. 

In bezug auf die Nomenklatur schließe ich mich vorläufig im 
allgemeinen an die „Lois de la nomenclature botanique" ^) an, in- 
dem ich mir Änderungen nach den etwaigen Beschlüssen des im 
Jahre 1905 in Wien tagenden botanischen Kongresses vorbehalte.^) 

Die für das Land neuen Pflanzen habe ich mit einem Stern 
bezeichnet. Als weitere Abkürzungszeichen seien genannt: B. = 
Bosnien, H. = Herzegowina; die mit M. oder keiner Bezeichnung 
angeführten Standorte wurden von mir entdeckt. Glasnik = Glas- 
nik zemaljskog muzeja u Bosni i Hercegovini, W. M. B. = Wissen- 
schaftl. Mitteil, aus Bosnien u. d. Herzeg. (Wien), Z. B. G. = Ver- 
handl. der zool.-botan. Gesellschaft in Wien. 

Zum Schlüsse erlaube ich mir, allen Herren, welche mich bei 
meiner Arbeit unterstützten, meinen herzlichsten Dank auszusprechen, 
und zwar: Arthur Bennett in Croydon (Fotamogeton) , Vinzenz 
Borbas v. Dejt6r in Budapest (jetzt in Klausenburg), Wilhelm 
Becker in Wettelroda bei Sangershausen (Viola), Alfred Chabert 
in Chamb6ry (Leontodon), Arpad v. Degen in Budapest (Senecio), 
J. B. Freyn in Smichow bei Prag (f am 16. Jänner 1903), Eduard 
Hackel in St. Pölten (Gramina), Othmar Reiser in Sarajevo 
(derzeit in Brasilien), Gustav Schneider in Schwientochlowitz in 
Preußisch-Schlesien (Hieracium), Karl Schröter in Zürich (Stachys 
Beuten), Richard R. v. Wettstein in Wien (Euphrasia) und Her- 
mann Zahn in Karlsruhe (Hieracium). Wenn einer der genannten 
Herren eine im Folgenden aufgezählte Pflanze bestimmt oder meine 
Bestimmung revidiert hat, so wurde dies in jedem einzelnen Falle 
ausdrücklich bemerkt. 

^) Herausgegeben von Ha Iii er, fortgesetzt von Wohlfarth. 

2) Paris, 1867. Deutsch als „Regeln der botanischen Nomenklatur". 
Basel und Genf, 1868. 

3) Vergl. R. V. Wettstein in der Österr. bot. Zeitschr., 1901, S. 266—268. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 171 



Embryophyta asiphonogama. 

A. Engler, Nachträge zu den „Natürlichen PflanzenfamiHen", 
Teil II — IV, S. 4 — 5 (1897). — EmhryoxyJiyta zoidiogama, Ärche- 
goniatae A. Engler, 1. c, Teil II, 1, S. 1 (1889). 

Äspidium lohatmn Swartz in Schrad., Journ., II, S. 37 (1801). — 
B.: Bez. Rogatica, um Brankovic (Fiala). 

Äsplemim septenirionale (L.) Hoffm., Deutschi. Flora, II, S. 12 (1795). 
— B.: Um Strbci im Bez. Visegrad (Fiala). 

Asplenum cuneifolmm Viv., Florae ital. fragm., I, p. 16 (1806). A. 
serpentini Tausch in „Flora", 22, 2, S. 477 (1839). — Die 
var. genuinum Aschers., Syn., I, p. 72 (1896), auf Serpentin- 
felsen bei Zepce, die f. "^laüfolium (Tausch, ap. Milde, Die 
Gefäßkrypt. in Schles., S. 234, Taf. 43, Fig. 105, unter A. Ser- 
pienüni) am Originalstandorte der Zivackhia Sendtneri, d. i. auf 
Serpentinfelsen nördlich von Maglaj. 

Asplenum lepidum Presl in Verh. d. vaterl. Mus. Prag, S. 65, Taf. III, 
Fig. 1 (1836). A. ruta niuraria (L.) subspec. lepidum m. in sched. 

Dieser Farn war bisher nur von wenigen Orten bekannt. 
Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Südtirol, Italien, 
Sizilien, Istrien (Marchesetti, Flora di Trieste, p. 673), das 
südöstliche Ungarn und angrenzende Siebenbürgen. Das Vor- 
kommen am Rtanj bei Aleksinac in Serbien ^) ist das einzige, 
welches mir vom Balkan bekannt ist. Die Verbreitungsangabe 
bei Diels in Englers Natürl. Pflanzenfam., I, 4, S. 240: „Nörd- 
liche Balkanländer bis Siebenbürgen'^, ist daher nicht ganz 
gerechtfertigt. Im Ganzen sind bisher wenig über ein Dutzend 
Standorte bekannt geworden. 

Im Jahre 1896 gelang es auch mir, diesen seltenen Farn 
im Buco di Vela bei Trient (Südtirol) an dem bereits durch 
Gelmi^) bekannt gewordenen Standorte zu sammeln. Im 
Jahre 1901 entdeckte ich ihn an den schroffen Kalkfelsen 
bei Da Riva im Miljaökatale bei Sarajevo (ca. 560 m) und 



Pancic, Flora princip. Serb., p. 786. 
2) Nuovo Giorn. bot. Ital., Vol. XXIIl, p. 28 (1891). 



172 



Karl Maly. 



1902 auch an einigen Stellen im Moscanicatal (bbO—600m). 
Er wächst hier wie auch in Tirol in kleinen Felslöchern oder 
Felsspalten und ist fast stets so verborgen, daß man bessere 
Stücke nur durch Herausmeisseln aus dem Gestein erhalten 
kann. Bemerkenswert erscheint die bosnische Pflanze durch 
die viel stärkere drüsige Behaarung aller grünen Teile sowie 
durch das schwarzgefärbte Sclerenchym, welches den Leit- 
bündeln am inneren Teile des Blattstielgrundes vorgelagert ist. 
Diese Eigenschaft wird von Luerssen als Unterscheidungs- 
merkmal des Ä. ruta muraria gegenüber Ä. lepidum angeführt. 
In der Tat konnte ich unter fünf Blattstielen dieser Art aus 
der Golumbacer Höhle ^) nur einen finden, der durch das Auf- 
treten des schwarzen Sclerenchyms ausgezeichnet war. Häufiger 
fand ich dies jedoch bei der Pflanze von Coronini.^) Durch 
diese Beobachtung gewinnt die nahe Verwandtschaft des Ä. 
lepidum mit Ä. ruta muraria, die durch die habituelle Ähn- 
lichkeit bereits angezeigt erscheint, so sehr an Wahrscheinlich- 
keit, daß ich nicht zögere, sie als Unterart der letzteren an- 
zusehen. Ä. lepidum dürfte Avohl noch an vielen Orten Süd- 
bosniens und der Herzegowina zu finden sein und sei daher der 
Aufmerksamkeit der hiesigen Botaniker besonders empfohlen. 
Äsplenum ruta muraria L., Spec. pL, p. 1081 (1753), * vsly. pseudo- 
Germanicum Heufler in diesen „Verhandlungen", Bd. VI, 
S. 338 (1856). — B.: Im Miljacka- und Moscanicatale bei 
Sarajevo. 

Von Ä. Germanicum Weis {Ä. tricJiomanes X septen- 
trionale Murb.) schon durch den am Rande zerschlitzten 
Schleier leicht zu unterscheiden. Die Wedel unserer Formen 
sind bis 20 cm, der Stil aUein bis 13*5 cm lang. 

Äsplenum fissum Kit. in Willd., Spec. pl., V, p. 348 (1810). — Von 
dieser Art fand ich auf der Cvrstnica in der Herzegowina eine 
monstr. furcatum m. 

Blechnum spicant With., Arrang., ed. 3, 3, p. 765 (1796). — B.: 
Kommt nach gefälliger mündlicher Mitteilung des Herrn Kustos 



^) Leg. Dörfler und Ronniger. 

^) Leg. Degen in der Flora exsiccata Aiistro-Hungarica, Nr. 2308. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 173 



0. Reiser sehr häufig- längs der Strecke zwischen Blazuj- 
Kiseljak— Busovaca und in den Seitentälern vor. 
Lycopodium alplmim L., Spec. pl, p. 1104 (1753). — B.: Veliki 
Stozer (0. Reiser). — D.: Velebit (L. Adamoviö). 

Embryophyta siphonogama. 

(Siphonogamae.) 
A. Engler, Führer durch den botan. Garten in Breslau, S. 14 (1886). 

Divisio Gymnospermae. 

Farn. JPinaceae, 

Ficea excelsa Link in Linnaea, XV, p. 517 (1841). 

Am Trebevic beobachtete ich eine Fichte, die ich ob 
ihres auffallenden Wuchses, welcher mit der Beschreibung in 
Aschersons Synopsis der niitteleurop. Flora, I, S. 197 völlig 
übereinstimmt, zuerst für die Hängefichte (lus. viminalis Casp.) 
hielt. Bei näherem Vergleiche dieses Baumes mit der mir zu- 
gänglichen Literatur über die Fichtenspielarten kam ich jedoch 
zu der Erkenntnis, daß es sich hier nur um ein aulfallend 
schönes Exemplar der sogenannten „Zottelfichte", einer allent- 
halben in Fichtenwäldern auftretenden Spielart, handle. Dem- 
nach scheint mir das Hauptmerkmal der Hängefichte doch 
hauptsächlich in dem lichten, fast lärchenähnlichen Wuchs zu 
liegen, wie dies schon manche Forscher^) hervorhoben. Die 
Zottelfichte sah ich um Sarajevo noch bei Cevljanovic und 
am Igman. Sie soll auch auf der Romanja vorkommen. 

Ascherson, 1. c, hat das Vorkommen der Hängefichte 
in Kroatien leider übersehen. Dragutin Hirc berichtet hier- 
über in den Sitzungsber. der zool.-botan. Gesellsch., 1889, 
S. 22-23. 

La/rix decidua Mill., Gard. Dict., ed. 8, Nr. 1 (1768). — B.: Gepflanzt 
am Trebeviö bei Sarajevo (bei ca. 1050 m)^ gedeiht aber 

^) z. B. Prof. Wilhelm in Sitzungsber. der zool.-bot. Gesellsch. in Wien, 
Jahrg. 1887, S. 8. 



174 



Karl Maly. 



schlecht und sth'bt gewöhnlich schon im Laufe des zweiten 
Dezenniums ab. 

Wild kommt die Lärche hier überhaupt nicht mehr 
vor. Für die Herzegowina und für Montenegro wurde sie 
zwar von Nyman^) angegeben, ihr natürliches Vorkommen 
in diesen Ländern jedoch von Ascherson^) bezweifelt. Mehr 
Beachtung verdient das Vorkommen im Velebitgebirge, wo 
die Lärche in der Voralpenregion häufig sein soU.^) Boue*) 
führt sie auch für das Rhodopegebirge und (nach Pougue- 
ville) für den thessahschen Olymp und den nördlichen Pindus 
auf, doch wurden diese Angaben neuerdings nicht bestätigt. 
Boissier in seiner Flora Orientalis wie auch Velenovsky in 
seiner Flora Bulgarica übergehen das fragliche Vorkommen 
der Lärche in diesen Ländern mit Stillschweigen. 
Pinus pumilio Haenke, Jirasek, Beobacht. auf Reis, nach dem 
Riesengeb., S. 68 (1791). — Ein kräftiger, starker Strauch 
befindet sich am oberen Ende des Bistricki potok unweit des 
unteren Forsthauses am Trebevi6, bei etwa 1050 m. Häufiger 
findet sich die Legföhre bei 1380 — 1500 m (nach Beck bei 
1301— 1600 irO am Nordwestabhang desselben Berges. 

Fam. Taxaceae. 

Taxus haccata L., Spec.pl., p. 1040 (1753), kroat.: „Tisa", Plural: 
„Tisovina". — B.: Um Vares auf Osoje, ober Dorf Potoci 
und über den Pobrin han (G. Protiö in W. M. B., VII, 
S. 491—492; vergl. Sendtner im „Ausland", 1848, S. 663). 
Am Malinovac oberhalb Prolog (Protic in Glasnik, XII, 
p. 445). Ober Ovcarevo auf der Südseite des Vlasic (Freyn- 
Brandis in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1888, S. 630). 

H..- Auf der Bjelagora (Pantocsek^ Beitr., S. 30), bei 
Grabovica (Fiala in W. M. B., I, S. 561), im oberen Idbar- 
tal am Aufstieg zur Tisovicaalpe in der Prenj planina (Beck, 

1) Consp., p. 674 (1881). 

2) Catal. cormophyt., p. 7. 

^) Schlosser-Vukot., Flora Croatica, p. 1042. 
La Turquie d'Eiirope, I, p. 417 et 443. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der ITerzegowinn. 175 



Siidbosii., I, S. 57, II, S. 35; Vegetationsverhältn., S. 3o0, 350). 
Cvrstnica planiiia (M.). Die ehemalige Verbreitung im Lande 
bezeugen noch heute viele Ortsnamen. Über die Folklore 
schrieb Lilek in W. M., IV, S. 443—444. 

Divisio Angiospermae. 

Classis Monocotyledomae. 

Faiu. I^otamogetonaceae. 

Fotamogeton perfoliatus L., Spec. pl., p. 126 (1753). — B.: Bez. 
Bihac: In der Una bei Ripac (Fiala). — H.: Bei Ivan Dolac 
am Ufer des Blidinje-Sees. 

Fotamogeton gramineus L., Spec. pl., p. 127 (1753). 

* Var. myno2)liyUus Robbins in A. Grays Manuel of N. U. States, 
p. 487 (1867); Ascherson, Synopsis d. mitteleurop. Flora, 
I, S. 323 (1897). Syn.: P. heteropliyUus Schreber f. niyrio- 
pliyUus (Robbins) Morong, The Najadaceae of N. Amerika, 
p. 24 (1893) in Memoir of the Torrey Bot. Club, III, Nr. 2. 

— H. : Bei Ivan Dolac am BHdinje-See von den Wellen ans 
Ufer geworfen, ca. 1200 m. 

Ich verdanke die Bestimmung dieses seltenen Laich- 
krautes der Liebenswürdigkeit des besten Kenners der Gat- 
tung, Herrn Arthur Bennett in Croydon (England). Auch 
die Literaturnachweise stammen zum Teile von ihm. Die 
von mir gesammelten Pflanzen sind sehr stark entwickelt, sie 
haben bis 2*5 mm breite Blätter und bis 14*2 cm lange Stengel- 
intern odien. „The american plant has even more crowoed 
leaves than any European I have seen. Dr. Tiselius has 
found in Sueden specimens that he has named ,var. myrio- 
2)hyllus^ but the are not so great as yours ..." schreibt Herr 
Bennett. 

Fotamogeton lucens L., Spec. pl., p. 126 (1753). 

Var. vulgaris Cham, bei Aschers., Fl. Brandenb., I, S. 660 (1864). 

— H.: Bei Trebinje (Matuli6). 

Fotamogeton crisptis L., Spec. pl., p. 126 (1753). — B.: Bei Ripac, 
wie oben (Fiala). 



176 



Karl Maly. 



Fotamogeton pusiUus L., 1. c, p. 127 (1753). — B.: In Tümpeln an 
der Zeljeznica bei Ilidze. Diese Pflanze steht nach Bennett 
keiner europäischen Form nahe, sondern nähert sich am 
meisten der var. capitatus A. Bennett in Journ. of Bot., p. 201 
(1901)o 

Fam. Gramina, 

Panicum Jmmifusum Kunth, Gram., I, p. 33 (1829). P. lineare 
Kroker, Flor. Siles., p. 98 (1787), non L. — B.: Am Ufer der 
Zeljeznica bei Ilidze. 

Panicum sanguinale L., Spec. pL, p. 57 (1753). — H.: Um Lju- 
binje (Fiala). 

Var. ciliare Retz, Observ., IV, p. 16 (1786), als Art. — B.: Bei 
Visegrad (Fiala). 

Panicum crus galli L., Spec. pl, p. 56 (1753). — B.: Sarajevsko 
polje, nächst PofaUci. 

Setaria glauca (L.) P. Beauv., Ess. nouv. Agrost., p. 178 (1812). — 
B.: Auf Schutt um Sarajevo, bei Hrastnica im Sarajevsko 
polje, am Hum auch die f. pumila (Poiret). 

Stupa capillata L., Spec. pl., ed. 2, p. 116 (1762). — B.: Am Kastell- 
berg und auf der Hrastova glava bei Sarajevo. 

Milium effusum L., Spec. pl., p. 61 (1753). — B.: Im Buschwald 
am Trebevi6. 

PMeum alpinum L., Spec. pl., p. 59 (1753). — H.: Auf der Lisin 
bei Ivan (Dir. Karaman). 

Phleum Boehmeri Wib., Prim. Fl. Werth., p. 125 (1799). Syn.: PI. 
phalaroides Köler; Maly in W. M. B., VII, S. 527. 

Auch bei Pflanzen aus der Gegend von Bozen in Süd- 
tirol fand ich außer dreinervigen Deckspelzen fünfnervige. 
Die Einteilung der Gattung in Arten mit dreinervigen und in 
solche mit fünfnervigen Deckspelzen, wie sie durch ältere 
Agrostologen begründet wurde, ist unrichtig und leider in 
neuere Werke übernommen worden (vgl. K. Fritsch, Exkur- 
sionsflora für Österreich, S. 47 und Ascherson, Synopsis, 2, 
S. 141 und 153). Daß bei Ph. pratense und Ph. alpinum die 
Deckspelzen normal 5 (—7) nervig sind, erwähnt bereits v. Beck 
in seiner Flora von Niederösterr., S. 54 und 55! 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 177 

Mit den Gallen des Nematoden TylencJius phalaricUs am 
Abhänge des Kastellberges gegen Da Riva (= Alopecurm 
crypsoides Gris. nach Hackel). 
PUeum pratense L., Spec. pL, p. 59 (1753). — B.: Sarajevsko polje, 
Moscanicatal (M.), um Rusanoviö (Fiala). 
Var. Berfolonü BC, Cat. hört. Monsp., p. 132 (1813). — H.: 
Mala Cvrstnica: Bei Petralj. 
Phleum Michelii All., Flor. Pedem., II, p. 233 (1785). 

Var. antlioxanfJioides Hackel in litt. ,,Differt a typo panicula fere 
ovato oUonga (3 — 4 on longa et l'ocm lata), spiculis majori- 
hus, gltimis sterilihtis ahruptius acuminatis." — B.: Alpine 
Wiesen auf der Treskavica planina (Fiala). 
Ägrostis spica venti L., Spec. pL, p. 61 (1753). — B. : Im Miljacka- 

tal an Böschungen. 
Ägrostis alba L., Spec. pl., p. 63 (1753). — B.: Am Trebevi6. 
*Var. prorepens Aschers., Synops., 11^ 175 (1899). — B.: Mil- 
jackatal. 

* Var. patula Gaud., Fl. Helv., I, 189 (1828). — B.: Am Gromoj 
nächst dem Kosevotal bei Sarajevo. 

Ägrostis vulgaris With., Arrang., ed. 3, 2, S. 132 (1796). — B.: Am 
Trebevic und Draguljac bei Sarajevo. 

Ägrostis canina L., 1. c, p. 62 (1753). — B.: Abhänge des Kastell- 
berges gegen Da Riva. 

Lagurus ovatusL.^ Spec. pl., p. 81 (1753). — H. : Sutorina (0. Reiser). 

Holcus lanatus L., Spec. pl., p. 1048 (1753), f. coloratus Rchb., Icon. 
flor. Germ., I, p. 15 (1834). -- B.: Am Ufer der Miljaßka bei 
Da Riva. 

Äera capillaris Host, Gram. Austr., IV, p. 20, Tab. 35 (1809), * f. am- 
higua (De Not.) Aschers., Flor. Brandenb., I, S. 831 (1864). — 
B.: Um Rusanoviö im Bez. Rogatica (Fiala). 

Banthonia calycina Rchb., Icon. flor. Germ., I, p. 44, Tab. 103 (1834). 
— B. : Am Trebeviö (Draguljac etc.) bei Sarajevo. 

Ävcna elatior L., Spec. pl., p. 79 (1753). — B.: Bei Zenica und 
Lasva (V. Curcic). 

Sesleria argentea Savi, Bot. Etrusc, I, p. 68 (1808). Syn.: S. ar- 
gentea, Ä. cylindrica (Balb.) Aschers, et Gr., Syn., H, 314 
(1900). — B.: Treskovac (0. Reiser). 



178 



Karl Maly. 



Var. intermedia G. Beck (in Glasn. zem. muz., 1903, p. 27). — 
H.: Am Vuciji zub (V. Curciö). 
Sesleria coerulea Harduin^ Anim. bot., II, p. 18 (1764). 

(X. calcaria (Pers.) Celak., Sitzb. böhm. Ges. Wiss., 1888, p. 466. 

— B.: Kamesnica (Konj, 0. Reiser). 

ß. uliginosa (Opiz) Cel., 1. c. — B.: ? Am Jedovnik bei Grahovo 
(0. Reiser). 

Sesleria tenuifolia Schrad., Flor. Germ., I, p. 172, Tab. 6 (1806). 

— B.: Lunjevaca (Samar), Treskovac in der Zelena gora, 
Veliki Vitorog (0. Reiser). 

Molinia coerulea (L.) Moench, Meth.^ p. 183 (1794). ~ B.: Oberes 

Kosevotal bei Sarajevo. 
Eragrostis megastachya Link, Hort. Berol., I, p. 187 (1827). — B.: 

Bei Visegrad. 

Eragrostis minor Host, Gram. Austr., IV, p. 15 (1809). — B.: Sara- 
jevsko polje (bei Pofali6i, Hrastnica u. s. w.). 

Eragrostis pilosa P. Beauv., Agrost., p. 162 (1812). — B.: Bei Hrast- 
nica im Sarajevsko polje. 

Koeleria cristata Pers., Syn., I, p. 97 (1805). 

Var. montana Hausm., Fl. Tir., p. 978 (1852). — B.: Am Dragul- 
jac (Trebevic) bei Sarajevo. 

Koeleria splendens Presl, Cyp. et gram. Sic, p. 34 (1820). 

Var. grandiflora Bert., Fl. Ital., I, p. 436 (1833), unter Aira. — 
H.: Steinige Bergabhänge bei Pod-Orosac. 

* Catahrosa aquatica (L.) P. Beauv., Agrost., p. 97, Nr. 157 (1812). 
Var. uniflora S. F. Gray, Nat. Arrang., p. 133 (1821). — B.: An 
Rinnsalen im Moscanicatal bei Sarajevo. Nachdem Ascherson 
und Kanitz diese Art wohl für Bosnien (Catal. cormophyt.^ 
p. 10), jedoch ohne Angabe eines näheren Standortes anführen, 
so ist sie als neu für das Land zu betrachten. 

Cynosurus echinatus L., Spec. pl., p. 72 (1753). — B.: Im Mil- 
jackatal. 

Glyceria plicata Fries, Nov. Mant., III, p. 176 (1842). — Verbreitet 
um Sarajevo (mehrfach am Trebevic, an der Zeljeznica im 
Sarajevsko polje, am Abhang des Kastellberges gegen das 
Moscanicatal u. s. w.). 

Festuca ovina L., Spec. pl., p. 73 (1753). 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 179 

Var. sulcata Hackel, Monogr. Fest., S. 104 (1882). 
Formsi hir Sit fa (Host) Hackel, 1. c. — B.: Im Miljackatal beider 
Ziegenbrlicke (Fiala, det. Hackel), am Kastellberg (M., revid. 
Hackel) und mehrfach am Trebevi6 (Dragiiljac etc.). An 
letzterem Orte auch Zwischenformen von var. sulcata und 
var. sfricta (Host) sowie var. sulcata und var. Panciciana 
Hackel (Hackel in litt.). 
Festuca pratensis Huds., Fl. Angl, p. 37 (1762) = F. elaüor L. pr. p. 
Var. siihsjncata (Meyer, 1836) Asch, et Gr., Synops., p. 503 (1900). 
— B.: Moscanicatal bei Sarajevo. 
Festuca drijmea Mert. et Koch, Deutschi. Flora, I, S. 670 (1823). — 
B.: Häufig im lichten Buschwald am Trebevic, ca. 1050 bis 
1100 m. 

Festuca gigantea (L.) Villars, Hist. pl. Dauph., II, p. 110 (1787). — 
B.: Zwischen Buschwerk im Miljackatal und am Trebevic. 

Festuca (Vuljpia) myurus L., Spec. pL, p. 74 (1753). — B.: Bei 
Ihdze, im Miljackatal. 

Bromus ramosus Huds., Fl. Angl., p. 40 (1762). — B.: Am Trebe- 
vic bei Sarajevo. 

Bromus erectus Huds., Fl. Angl., p. 49 (1762). 

Var. Pannonicus Kumm. et Sendtner in „Flora", 32, S. 757 
(1849). — Abhänge des Kastellberges bei Sarajevo. Juni. 

Eine prächtige, 60 — 90 cm hohe Form, deren Behaarung 
geringer ist, die aber dicht behaarte Deck- und Hüllspelzen 
hat. Die untersten Kispenäste tragen öfters auch zwei Ährchen, 
diese sind 2 — 3 cm lang. Sie scheint von der subvar. Herce- 
govinus G. Beck in Ascherson et Gräbner, Synopsis der 
mitteleurop. Flora, II, S. 581, nur durch die stark behaarten 
Ahrchen verschieden zu sein (* f. liirtiflorus m.). Eine etwas 
schwächer aussehende Form, die sicher hierher gehört, sam- 
melte ich auf der Gorica bei Sarajevo. 

BracJiypodium pinnatum P. Beauv., Agrost., p. 155 (1812). 

a. vulgare Koch, Syn., p. 818 (1837). — B.: Um Rusanovic im 
Bez. Rogatica (Fiala), Miljackatal. 

Lolium temulentum L., Spec. pl., p. 83 (1753), var. macrochaeton 
A.Braun in „Flora", 17, S. 252 (1834). — B.: Kosevotal 
(Fiala) und Miljackatal bei Sarajevo. An letzterem Orte 



180 



Karl Maly. 



auch die f. rohustmn ßchb., Fl. Germ, exc., p. 139 (1830) der 
var. arvense Bab., Manual. Brit., p. 377 (1843). 
Agnopynm pungens R. et Schult., Syst., II, p. 751 (1817). — H.: 
Sutorina (Reiser). 

Agriopyrum caninum (L.) P. Beauv., Agrost., p. 146 (1812), * forma 

flexuosum [Harz, Botan. Centralbl., 45, S. 105 (1891)]. — B.: 

Nächst dem Susica potok bei Sarajevo. 
Agriopyrum glaucum (Desf.) R. et Sch., Syst., II, p. 752 (1817), * var. 

hispidum [Asch, et Gr., Synops., II, p. 656 (1901)]. — B.: Um 

Rusanovid im Bezirke Rogatica (Fiala). 
"^Agriopyrum apiculatum {intermedium X repens) Tscherning in 

Dörfler, Herb. norm. Schedae, Cent. 37, p. 230, Nr. 3694(1898). 

— B.: Moscanicatal (M., revid. E. Ha ekel). 
Hordeum Europaeum (L.) All, Fl. Ped., II, p. 260 (1785). — B.: 

Am Igman bei Sarajevo. 

Farn. Cyperaceae. 

Carex glauca A. Murray, Prodr. stirp. Gotting.^ p. 76 (1770). Syn.: 
C. flacca Schreb., Spicil. flor. Lips., App., Nr. 669 (1771); 
lus. androgyna Rchb., Icon. flor. Germ., VIII, Tab. CCLXIX, 
Fig. 648 (1846). ~ B.: Ober der Stephaniequelle im Miljacka- 
tale bei Sarajevo. 

Carex pallescens L., Spec. pl., p. 977 (1753). — B. : Abhänge des 
Grdonj gegen das Kosevotal bei Sarajevo. 

Scirpus silvaticus L., Spec. pl., p. 52 (1753). — B.: An Bachrändern 
im Buschwalde am Trebevic, 1050 m. 

Farn. Araceae, 

Arum maculatum L., Spec. pL, p. 966 (1753). — B. : An Straßen- 
zäunen um Lukavica (April, Mai) und im oberen Bistricki 
potok (850 m) bei Sarajevo (Juni). — H.: Im Buchen v^^ald 
auf der Preslica, 1000 m (Juni). 

Alle an den oben genannten Orten gesammelten Pflanzen 
haben einen gelben Kolben an hang. Die Spatlia ist hell- 
grün, innen Hchter, im Kessel oft =b rötlich gefärbt. Die Blätter 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 181 

sind meist gleichförbig-, an wenigen Stücken vom l^istricki 
potok und der Presliea jedocli dunkel gefleckt (vidgarc Im- 
mdculatum A. Engler). Das gewölinlielie A. maciilafitm L. 
mit dunkelviolettem Kolbenanliang sammelte Fiala an- 
geblich um Lukavica. 

Farn. Liliaceae, 

Ällkim sphaerocejjhalum L., Spec. pL, p. 297 (1753). — B.: Um 

I\usanovi6 im Bezirke Rogatica (Fiala). 
Alllum roseum L., Spec. pL, p. 296 (1753), und 
Ällmn rotundum L., 1. c, ed. 2, p. 423 (1762). — H. : Sutorina 

(0. Reiser). 

Allium pidcliellum Don, Monogr. All. in Mem. Wern. Soc, VI, p. 46 
(1827). 

Forma genuina Posp., Flora d. öst. Ktistenl., I, S. 241 (1897). — 
Typisch, d. h. mit sehr reichblütiger Dolde wurde es mit A. 
carlnafum L. im Miljackatale und mehrfach am Trebevic 
(Draguljac, steinige Abhänge gegen Sarajevo zu, 560 — llbO m) 
von mir beobachtet und gesammelt. Etwas weniger reichblutig 
sind die Pflanzen, die 0. Reiser auf der Plazenica bei Ku- 
pres und Fiala auf der Treskavica sammelte. 

* Forma gracilis Posp., 1. c, S. 242. Eine besonders auffällige 
Form, die im Sinne A. Kerners als Art aufzufassen wäre. 
— Auf der Osjecenica im Bezirke Petrovac (Fiala, 1891). 

Fritillaria neglecta Parlat., Flor, ital., IT, p. 415 (1852). — B. : Am 
Troglav bei Livno (V. v. Apfelbeck). — H.: Bjelasnica pla- 
nina im Bezirk Trebinje (0. Reiser). 

Ttdq)a cmstrcdis Link in Schrad., Journ., II, S. 317 (1799). Syn.: 
T. Celsiana DC. ap. Redoute, Lil., T. 38. T. süvestris m., 
Olim in W. M. B., VII, S. 528, nicht L. — B.: Auf der Bjelas- 
nica (Reiserj. 

Enjilironmm dens canis L., Spec. pl., p. 305 (1753). — Kommt selten 
einzeln auch weißblühend vor, so z. B. am Trebevi6 (* f. ni- 
veus m.); die Antheren sind dann gelblichweiß gefärbt. 

Ornithogcdum Fyrenaieum L., Spec. pl., p. 306 (1753). — B.: Am 
Abhang des Trebevic, am Susica potok bei Sarajevo. 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 13 



182 



Karl Maly. 



Farn. Amaryllideae. 

Galanthus nivalis L. (Florist. Beitr., I, S. 4), * m. hiscapus G. Beck, 
Die Schneeglöckchen, S. 8 (1894). — B.: Trebeviö: Zwischen 
Gebüsch am Nordabhang des Dolovi. 

Farn. Iridaceae, 

Crocus vernus (L.) Wulf. ap. Jacq., Flor. Austr., V, p. 47, App., 
Tab. 36 (1778); non All., Flor. Ped., I, p. 84 (1785) = C. alhi- 
florus Kit. C. Heuffelianus Auct. Bosn., nicht Herbert. 

Mit Crocus Heuffelianus Herbert (d. i. C. JBanaticus Heuff., 
non Gay) wurde bisher von fast allen Floristen Bosniens eine 
Pflanze bezeichnet, die sich nach der Beschreibung vom ver- 
wandten C. vernus (L.) durch den kahlen Perigonschlund, 
mehr ausgebreitete Tepalen und linear-lanzettliche Blätter, die 
in der Mitte am breitesten sind^ unterscheiden soll. Nach V. v. 
Janka sollen die Blätter dieses Safrans zuweilen bis 8'" breit 
werden.^) Dieser vermeintliche C. Heuffelianus ist in Bosnien 
sehr verbreitet und bildet im ersten Lenz in der Umgebung 
Sarajevos einen prachtvollen Schmuck der Wiesen und Gras- 
gärten. 

Bei der Untersuchung der Blüten dieses Safrans fiel mir 
manches auf, das mit der Beschreibung keineswegs stimmen 
wollte. Im Schlünde des Perigons, etwa an der Insertions- 
stelle der Filamente oder etwas ober derselben fand ich einen 
deutlich geschlossenen Haarring vor, der nicht um das geringste 
schwächer genannt werden kann als beim typischen Crocus 
vernus. Nach Andrae ist die Perigonröhre bei C. Banaticus 
Heuff. innen bisweilen etwas behaart, jedenfalls aber nie so 
stark als bei unserer Pflanze. Crocus Veluchensis Herb., der 
nach Schott auf den östlichen Bergen Siebenbürgens häufig 
vorkommen soll, hat ebenfalls einen behaarten Perigonschlund, 
wird jedoch von Simonkaj ohne Erörterung der Behaarungs- 
verhältnisse des Perigons zu 0. Heuffelianus gezogen. Die 
Pflanze Siebenbürgens, die unserer jedenfalls sehr nahe steht 
oder mit ihr zusammenfällt, ist also noch aufzuklären. 

1) Österr. botan. Zeitsclir., 1863, S. 255. 



Beiträge zur Keuntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 1B3 



Die übrigen Unterscheidung-smerkmale des C. Iletiffelianus 
von C. vernns scheinen nicht erheblich zu sein. Auch jener 
hat — wenigstens im Anfange der Blütezeit — zusammen- 
neigende Tepalen. Die Entfaltung derselben findet meist erst 
ziemlich spät statt. Die Breite der Blätter, die noch übrig 
bleibt, kann wohl kein durchgreifendes Unterscheidungs- 
merkmal bilden und so glaube ich mich wohl berechtigt, den 
bosnischen C. Hettffelianus als C. vernus ansehen zu können. 
Die im Herbare des Landesmuseums unter dem ersteren Namen 
liegenden Stücke aus Bosnien, die ich untersuchte, gehören 
alle zu C. vernus. Auch Crocus vittatus aus Kroatien, den Vuko- 
tinovic in F. Schultz, Herb, norm., Cent. 4, Nr. 343 ausgab, 
hat einen behaarten Kelchschlund und gehört deshalb zu C. 
vernus und nicht zu C. Heuff'eliamis, wie v. Janka^j und 
Neilreich 2) angeben. 

Von C. vernus fand ich im Eichenwäldchen (Gaj) bei 
Sarajevo auch ein Stück mit völlig ausgebildeter Tetramerie 
sämtlicher Blütenkreise. 

Faiu. Orchaceae. 

Oplmjs aranifera Huds., Fl. Angl., ed. 2, 2, p. 392 (1778). — H.: 

Bez. Trebinje: Bjelasnica planina (Reiser). Zwei Stöcke aus 

der Formenreihe fucifera Rchb. 
OrrJiis tridentaüis Scop., Flor. Carn., ed. 2, p. 190 (1772). — B.: 

Am Bergrücken zwischen dem Miljacka- und Moscanicatal (M.). 

— H.: Bei Konjica. 
Orrhis morio L., Spec. pl, p. 940 fl753). — B.: Weißblühend am 

Trebeviö, bei Mrkoviö und im Sarajevsko polje. 
Orchis pallens L., Mantissa, p. 292 (1771). — B.: Zwischen Gebüsch 

am Bergrücken zwischen dem Miljacka- und Mosßanicatal bei 

Sarajevo. 

Orchis 2)rovincialis Balb., Mise, bot., II, p. 20, Tab. 2 (1806), var. 
2)aMciflorus (Ten.) Rchb., 1. c, Tab. 36, rechts (1850). — H.: 
Auf der Bjelasnica planina. (Reiser). 

^) Österr. botan. Zeitschr., 1858, S. 331. 

^) Nachträge zu Malys Ennm. plant., p. hd. 

18* 



184 



Karl Maly. 



* Orchis quadripunctatus Cyrill in Ten., Prodr. Flor. Neap., p. LIII. 

Weicht von der Abbildung in Reichenbachs Icones, 
1. c, Tab. 156 durch die gegen den Grund der Unterlippe 
dunkler werdende Färbung ab. Reichenbach, Neilreich 
u. A. schreiben dem echten 0. quadripunctatus einen weißen 
Lippengrund zu. Die Punkte (2—4) auf der Unterlippe sind 
vorhanden und fast schwarz. Die älteren, sich bereits ver- 
färbenden Blüten besitzen helle Flecken auf der Unterlippe 
und den Perigonzipfeln, frische Blüten sind jedoch stets ganz 
dunkel rotviolett. Einige von den unteren Deckblättern fand 
ich auch dreinervig (*f. ohscurus m.). 
H. : Wie vorige, ca. 800 m, 

Orchis laxiflorus Lam., Flor. France, III, p. 504 (1778). — Wie 
vorige. Die Form der UnterKppe ähnUch der 0. morio X laoci- 
florus bei Rchb., Icon., Vol. XIII/XIV, Tab. 41, Fig. 6, nur 
der Mittellappen viel entwickelter und weit ausgerandet. — 
B.: Auf feuchten Wiesen nächst Lukavica und um Ilidze bei 
Serajewo (typisch). 

Orchis samhucinus L., Flora Suec, ed. 2, p. 312 (1755). — B.: Wiesen 
bei der Cengi(^ -Villa im Sarajevsko polje. Perigon einfärbig 
purpurn. Lippe ungeteilt, dunkel gezeichnet, ohne gelbem 
Grund. — H. : Gelbblühend auf derBjelasnica planina (Reiser). 

Orchis incarnatus L., 1. c, ed. 2, p. 312^ var. strictifolius Opiz, Natu- 
ralientausch, S. 217 (1823), Beck, FL v. Niederöst., S. 204. — 
B.: Auf feuchten Wiesen zwischen Ilidze und den Bosnaquellen. 

Orchis maculatus L., Spec. pl., p. 942 (1753). — Am Trebeviö 
(ca. 1050 m) kommt eine Form mit ungefleckten Blättern und 
weißen oder gelblichweißen Blüten vor. Die Unterlippe ist 
fast ganz oder an der Spitze mehr oder weniger deutlich 
dreikerbig, verkehrt herzförmig. Die Deckblätter sind länger 
als die Blüten und der Sporn etwas kürzer bis so lang als 
die Fruchtknoten. 

Loroglossum calcaratum G. Beck., Flora v. Südbosn., T. II, S. 62 
(1890). — B. : Zwischen Gebüsch am Gebirgszug zwischen 
Kosevo und Bethanien bei Sarajevo, ca. 600 m. 

Die Blüten duften ähnlich wie Orchis coriophora. Obere 
Perigonblätter dunkelpurpurn berandet und gestreift. Unter- 



Bt'itriig-e zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 185 



lippe mit gegen dem Grunde zu weißem, purpurn getüpfeltem 
Mittelstreif, der übrige Teil der Unterlippe wie die Seiten- 
zipfeln dunkelpurpurn oder die Mittelzipfel olivgrün. Sporn 
grünlicli. Der rote Ton der Farbe entspricht am besten 
Nr. 50, Vinosus, in Saccardos Chromotaxia, ed. 2 (nach 
lebenden Exemplaren). 

Classis Dicotyledoneae. 
Subclassis Archichlamydeae A. Engler 

(Syllabns der Vorlesungen über . . . Bot., S. 92 [1892]). 
(Chorlpetalae et Apetalae.) 

Farn. Betulaceae, 

Conjlus colurna L., Spec. pl., p. 999 (1753). Kroat.: „Medjegja 
lijeska." — Von der „Baum- oder türkischen Hasel" findet 
sich ein besonders großer Baum neben anderen bei Brankovic 
im Bezirke Kogatica. Nach Herrn C. Curci6 beträgt seine 
Höhe 18*6 m, der Umfang 4 m. In dem Werke „Bosnien und 
die Herzegowina auf der Milleniumsausstellung in Budapest 
im Jahre 1896" ( S. 284, 285) wird ein 18-8 m hoher, in Brust- 
höhe 35'5 cm starker Baum von Lisac im Bezirke Mostar und 
ein zweiter, 15 m hoher, in gleicher Höhe 3b'lbcm starker 
Baum von Podpozirak bei Bjelemiö im Bezirke Konjica an- 
gegeben. Nach dem genannten Werke, das auch sonst be- 
merkenswerte Angaben über die Laub- und Nadelhölzer dieser 
Länder enthält, ist das Vorkommen der Baumhasel „auf eine 
Meereshöhe von über 1000 m beschränkt und bildet nur reiner 
Karstboden ihren Standort". 

Farn. Fcigaceae, 

Castanea sativa MilL, Gard. dict., ed. 8, Nr. 1 (1768). C. vulgaris 
Lam. (1783), C. vesca Gaertn. (1788). — In zumeist verein- 
zelten Bäumen an mehreren Stellen um Sarajevo (Eichen- 
wäldchen, oberes Kosevotal, Moscanica- und Miljaßkatal, Fried- 
hof am Kastellberg etc.). 



186 



Karl Maly. 



Quercus cerris L., Spec. pl., p. 997 (1753). - B.: Am Fuße des 
Grdonj im Norden von Sarajevo (M.), bei Jamina im Bezirke 
Bjelina (Reiser) und um Rusanovi6 (Fiala). 

Quercus rohur L., Spec. pl., p. 996 (1753). — B.: Um Vranograc 
im Bezirke Cazin (Fiala), am Trebevic (z. B. im Eichen- 
wäldchen) und mit voriger am Wege auf den Grdonj. 

Quercus sessiliflora Martyn; Salisb., Prodr,, p. 392 (1796). — B.: 
Im Eichenwäldchen (Gaj) am Hrid, bei Lukavica neben ^. com- 
munis DC, Prodr., XVI, 2, p. 8 (1864)^ auch die Abart aurea 
Wierzb. in „Flora", XXIII, I, S. 365 (1840), nom. sol., und ap. 
Heuffel in Wachtels Zeitschr., I, S. 98 (1850); Qu. sessili- 
flora y. aurea Wierzb. ap. Heuff., En. pl. Banat., p. 159 (1858); 
De Cand., 1. c, p. 9. 
Var. decipiens (Bechst.) Beck, Fl. v. Niederöst., S. 272 (1890). — 
B.: Im Eichenwäldchen am Hrid. 

Quercus intermedia Boenn., Flor. Monaster., ap. R chb., Flor. germ. 
exe, p. 177 (1831); Borbäs in Termesz. füz., Vol. XIII, p. 33. 
Quercus rohiir X sessiliflora? — B.: Mit voriger. — Eine Qu. 
rohur mit langgestielten (bis 2 cm), beiderseits kahlen Blättern 
und kürzer gestielten Fruchtbechern. 

Quercus conferta Kit. ap. Schult., Österr. Flora, I, S. 619 (1814). 
Syn.: Qu. Farnetto Ten., Cat. hört, neap., p. 65 (1819); Flor. 
Nap. Prodr., Suppl. II, p. 69 (1820). — B.: Nach gütiger 
Mitteilung des Herrn Kustos 0. K eis er soll das Vorkommen 
der Zigeunereiche (slavonisch „Kittnjak", Zigeunerholz) von 
dem Forstrat Mi klau nächst Han Bulog bei Sarajevo und um 
Kljuc festgestellt worden sein. In der Herzegowina sammelte 
ich sie bei Jablanica. 

Beachtenswert und wenig bekannt scheint die drüsige 
Behaarung der Blattunterseite zu sein. Die Drüsenhaare sind 
kurz und auf der mit Sternhaaren besetzten Fläche eingestreut. 

Die ungarische Eiche, Qu. Hungarica Hubeny, in Serbien 
Granik, Granica, Sladka granica, Sladun und Blagun genannt,^) 
soll sich nach Borbäs von Qu. conferta durch gelappte Blätter 

^) Borbäs in Österr. botan. Zeitschr., 1886, S. 282; Pancic in diesen 
„Verhandlung-eu", Jahrg. 1856, S. 570 (als Qu. conferta). 



Beiträg-e zur Koiintiiis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 187 



mit offenen Buchten und bespitzten Blattlappen unterscheiden, 
dürfte jedoch nicht spezifisch verschieden sein.^) 

Farn. Loranthaceae, 

Viscum alhiini L., Spec. pl., p. 1023 (1753). — B.: An mehreren 
Stellen am Abhänge des Trebevic, wie am Appelweg und bei 
Ablakovina auf Birnbäumen. 

Farn. Santalaceae» 

Theslum aljnmmi L., Spec. pl., p. 207 (1753). — Auch am Trebevic 
bei etwa 1300— 1600 m. 

Faiii. Chenopodiaceae. 

Polycnemum majus A. Br. in Koch, Synops., ed. 2, p. 695 (1844). 
— B.: Sandige Plätze an der Zeljeznica bei Ilidze, selten. 

Farn. I*ortiilacaceae, 

Portulaca oleracea L., Spec. pl., p. 445 a (1753). — B.: Zwischen 
den Geleisen bei der Station Serajewo. 

Fain. Caryophyllaceae, 

Ileliosperma (Silene) Betzdorffianuni m. in Österr. botan. Zeitschr., 
LIII, S. 357—359 (1903). — H.: Auf dem von Gesteinstaub 
bedeckten Grund der Konglomeratfelshöhlen nächst der Dol- 
janka bei Jablanica, ca. 200 m (W. Retzdorff, Maly). 
Silene venosa (Gilib. ) Aschers., Flor. Marchica, p. 86 (1854); Flora 
Brandenl)., II, S. 23 (1864). 
* Var. obovatifolia mihi. Syn.: S. inflata ß. glauca Rchb., Flor, 
germ. excurs., III, p. 823, nicht Willd., mit Ausschluß der 
Synonyme und der Abbildungen in Icon. flor. germ. 

Blätter verkehrt eirund-länglich, die unteren gegen den 
Grund zu keilig in den geflügelten Blattstiel verschmälert, 
kurz zugespitzt, bereift. Kelche mittelgroß oder groß. 
B.: Um Sarajevo. — H. : Bei Jablanica. 

^) Qu. conferta var. Hiingarica Borbas in Österr. botan. Zeitschr., XL, 
S. 80 (1890). Die serbischen Volksnamen dürften sich wohl auf beide Formen, 
Qu. conferta und Qu. Hungarica, beziehen. 



188 



Karl Maly. 



*Var. latifolia [ßchb., Flor. germ. exe, III, p. 823 pr. p.^ excl. 
syn. (1832); Icon. flor. gem., VI, Tab. 301, Fig. 5120; Regel, 
Plant. Radd., p. 545, nach Rohrb., Monogr. Sil, p. 86]. 

Blätter groß, breit eirund bis eirund-länglich, ± zuge- 
spitzt, bereift, kahl, nur am Rande rauh bis bewimpert. Blust 
vielbltitig, Kelche groß. 

B.: Mit der folgenden Abart auf der Treskavica planin a. 
Hier auch eine monstr. trifoliata mihi. (Blätter zu dritt.) 

Var. Antelopmn (Vest) Simonk., En. pl. Transsilv., p. 124 (1887). 

— Syn.: Cucubalus Äntelopum Vest in „Flora", IV, S. 149 
(1821); Botan. Zeitg., I, S. 148 (1843). — ? Silene inflata var. 
puhescens DC, Fl. frang., IV, p. 747 (1805), non Lois. — S. 
inflata B. ciliata a. latifolia Rchb., Fl. germ. exe, p. 823 pr. p. 
(1832). — Cucubalus Beben ß. scaher Schleich, nach Rchb., 
1. c. — S. inflata a) puhescens Kittel, Taschenb., 3. Aufl., 
S. 1058 (1853); Simonk., Közlem., XV, p. 532 (1878). — S. 
puhenda Jord. in Bor., Flor, du centre de la France, ed. 3, II, 
p. 94 (1857), non Bert. — S. inflata var. jmherula Vandas, 
Neue Beitr. z. Kennt, d. Fl. Bosn. . . ., S. 254 (1890). — .S'. 
cucubalus var. Bosniaca Beck, Flora v. Südb., II, S. 91 (1891). 

— S. inflata var. Balcanica Vel., Flor. Bulg., Suppl. I, p. 37 
(1898). — S. venosa var. pubigera Hai., Consp., I, p. 160 (1900). 

— S. cucubalus var. Äntelopum Maly in Herb. 

Diese Abart scheint wenigstens am Balkan eine ausge- 
sprochene Bergpflanze zu sein. 

B. : Auf Waldwiesen nächst Pavlovac bei Kasidol und auf 
der Jahorina planina (M.); am Igman (Fiala als var. lati- 
folia). — H. : Voralpenwiesen auf der Muharnica (Fiala). 

Var. alpina (Lam.) Simonk., En. pl. Transsilv., p. 124 (1887). 

Cucubalus alpinus Lam., Encycl., II, p. 210 (1786). — H.: 

Auf dem Veliki und Mali Prenj. 
* Var. oleracea [Ficinus, Flora d. Geg. um Dresden (1807 bis 

1808); Rchb., Flor. germ. exe, p. 823]. — B.: Hier und da 

um Serajewo. 

Silene Gallica L., Spec. pl., p. 417 (1753), var. Anglica L., 1. c, 
p. 416. — B. : Sarajevsko polje, verbreitet in Feldern; Kosevotal. 



Beiträs"t' zur Kenntnis der Flora l^osniens und der Herzegowina, 189 



Silene SendUieri Boiss., Fl. Orient., I, p. 608 (1867). B. : Bez. Gla- 

moc: Hrbljiiia planina (Saiitarius). 
Silene otifes Smitli, Fl. Brit., II, p. 469 (1800). — B.: Um Rusano- 

vic im Bez. Rogatica (Fiala). 
Slle7ie mdans L., Spec.pl., p. 417 (1753). — B.: Bei der Privilica- 

Quelle bei Bihac (Fiala). 
Var. rosea Fächer et Jabornegg-, Flora v. Kärnten^ 3, S. 205 

(1887). — Siidtirol: Am Monte Altissimo di Nago. 
Silene nemoralis Wk., Descr. et icon. pl. rar. Hung., III, p. 277, 

Tab. 249 (1812). — B.: Am Draguljac (Trebevic^ planina) 

bei Sarajevo. 

Silene paradoxa L., Spec. pL, ed. 2, Vol. 2, p. 1673 (1763). — B.: 

Felsige Stellen im Visegrad (Fiala). 
Melamhyum nemorale k. Br. in „Flora", 26, S. 371 (1843). — B.: 

Am Trebevi(^, bei Tarcin. 
Stellaria graminea L., Spec. pl., p. 422 a (1753). — B.: Um Rusano- 

viö im Bez. Rogatica fFiala). 
Älsine Bosniaca Beck, Flora v. Südbosn., Bd. 2, S. 75 (1891). — B.: 

Noch bei 1100 m am Draguljac (Trebevic planina) bei Sarajevo. 
Spergula arvensis L., Spec. pL, p. 440 (1753), var. laricina Wulf. 

in Jacqu., Collect., I, p. 207 (1786) als Art. Vergl. Ascher- 

son et Graebner, Flora d. nordostdeutsch. Tieflandes, S. 314. 

— B.: Wiesen am Trebeviö, ca. 1050 in. 

Spergularia campestris (L.) Aschers., Flora d. Prov. Brandenburg, 
S. 94 (1864). Syn.: Arenaria ruhra a. campestris L., Spec. pl., 
p. 423 (1753). — H. : Am Abhang der Lisin bei Bradina, 
auf der Hochebene Vitrnjaca beim Blidinje-See [hier mit 
Par Onychia Kapela (Hacquet) A. Kern.]. 

Herniaria glahra L., Spec. pl., p. 218 (1753). — H.: Auf Schutt 
zwischen Pod Orosac und Konjica (M.); Stitar planina bei 
Rakitno im Bez. Ljubuski (Fiala als H. incana). 

Scleranthus uncinnatus Schur, Verh. d. siebenb. Ver,, I, S. 107 (1850). 

— B.: Am Pasin brdo bei Sarajevo mit S. anmms L. 

Farn. Manunculaceae. 

Nigella arvensis L., Spec. pl., p. 534 (1753). — B. : Brachfelder 
am Hum bei Serajewo. 



190 



Karl Maly. 



Actaea spicata h., Spec. pl., p. 504 a (1753). — B.: In Wäldern 
am Igman. 

Äquilegia vulgaris L., Spec. pL, p. 530 (1753), *var. glanduloso- 
pilosa Schur, En. pl., p. 28 (1866). — B.: Buschige Stellen 
am Draguljac (Trebevi6 planina), ca. 1080 m. Blüten blau 
oder weiß, sehr groß (Kelchblätter bis 34 mm, Blumenblätter 
bis 32*5 mm lang). — Am Hum bei Sarajevo.- 

Äquilegia nigricans Baumg., En. stirp. Transsilv., II, p. 104 (1816). 

— B.: Vranica-Gebirge (V. Curciö). - H.: Am Vran (Reiser, 
det. Prof. a. Beck). 

Delphinium elatum L., Spec. pL, p. 531 (1753). — B.: Am Veliki 
Zep im Bez. Vlasenica, 1530 m (Reiser). Bisher weder aus 
Kroatien, Slavonien, Dalmatien, Serbien und Montenegro, noch 
aus Bosnien und der Herzegowina bekannt. B. alpinum Wk. 
kommt im Banat vor.^) 
Aconitum- toxicum Rchb., Übersicht d. Gatt. Aconitum, S. 43 (1819). 
VergL G. Beck, Flora v. Südbosn. etc., Bd. 2, S. 101 (=6. Teil). 

— B.: Trebeviö bei Sarajevo, ca. 1500— 1600 m. (Schon 
Gönrath.) 

Stengel im oberen Teile so wie die Kelchblätter ziemlich 
stark drüsenhaarig. ^) Helm mehr oder weniger stark nach 
vorwärts gekrümmt, bis 33 mm lang und bis 20 mm breit, 
ober dem vorwärts gerichteten Schnabel stark eingeschnürt. 
Mittlerer Abschnitt der Blätter kürzer zugespitzt. Sonst wie 
die Varietät A. Bosniacum. 

B.: Una-Insel bei Ripac im Bezirke Bihac (Fiala). 

Oberer Teil des Stengels sowie die Kelchblätter stark 
kurz und abstehend behaart mit eingemischten Drüsenhaaren. 
Mittlerer Abschnitt der Blätter ähnlich wie bei A. toxicum 
Rchb.^) bis über die Hälfte eingeschnitten, die Zipfel außen 
1 — 3 zähnig, die Zähne gewöhnlich etwas länger als breit. 
Vorblätter krautig, zuweilen auch mit einem Zähnchen ver- 

^) Heuffel, En. plant. Banat., p. 11. 

^) Beck erwähnt I.e. nichts von einer drüsenhaarigen Bekleidung- bei 
A. Bosniacum und bildet sie auch nur mit abstehenden Haaren ab. Mir liegen 
keine Vergleichsexemplare vom Originalstandort (Vratlo-Karaula) vor. 

=') Icon. Flor. Germ.. IV, Fig. 4688. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 191 



sehen. Helm melir oder weniger stark nach vorwärts gekrümmt, 
seicht eingeschnürt, der Schnabel deutlich entwickelt, aber 
abwärts (nicht nach außen) gerichtet, ca. 24 — 28 5 mm hoch 
und 13 — 14'b mvi breit. Fruchtblätter gewöhnlich 5. 
B.: Vranica planina (Reiser). 

Behaarung wie bei der Pflanze vom Trebevi6. Mittlerer 
Abschnitt der Blätter kürzer zugespitzt^ bis über die Hälfte 
eingeschnitten, die Zipfel ganzrandig, selten 1 ( — 2) zähnig 
und dann die Zähne so lang als breit. Vorblätter krautig. 
Helm beiläufig 23 mm hoch und am Grunde 15 mm breit. 
Fruchtblätter 4. Steht dem Ä. Bosniacum Beck am nächsten. 
Aconitum napellus L., Spec. pl., p. 532 (1753). — B. : Idovac 
(Velika raduza) im Bez. Prozor (V. Curcic). 

Eine Form aus der Verwandtschaft des A. hians Rchb. 
Blätter ähnlich dem A. Neiibergense (Clus.) Rchb.^) Blust 
kahl. Kelchblätter größer als bei A. hians. Helm hoch mit 
gerader Rückenhnie, in der Mitte oder nach vorne zu gewölbt, 
nur wenig schmäler als die seithchen Kelchblätter. Schnabel 
deutlich, stets oberhalb der Mitte der Rückenlinie des Helmes. 
Grundlinie (vorderer Rand) des Helmes schräg aufwärts, nur 
wenig gekrümmt. — Nach Simonkaj^) wäre A. hians Rchb. 
(1820) ein Synonym des älteren A. napellus var. nanum 
Baumg.^) 

Var. hemisphaericum G. Beck, Fl. v. Niederöst., S. 404 (1890). 

— B.: Auf der Vranica planina (Reiser). 

Aconitum Sostaricianum Fritsch in diesen Verhandlungen", Bd. 45, 
S. 446 (1895). Syn.: A. superhmn Fritsch, 1. c, S. 370—371. 

— B.: In einer mehr zu A. napellus hinneigenden Form mit 
breiteren Blättern am Stolac bei Visegrad auf Kalk^ ca. 1550 m 
(V. Curciö). 

B.: Auf einer Insel stromaufwärts von Ripac im Bez. 
Bihac (Fiala). 

Icon. Flor. Germ., IV, Fig. 4694. — Über diese Pflanze vergl. Beck, 
Fl. V. Niederöst., S. 404. 

2) En. plant. Transsilv., p. 64. 

3) En. stirp. Transsilv., II, p. 99 (1816). 



192 



Karl Maly. 



Diese Pflanze wurde von mir anfänglich für Ä. laxmn 
Rchb. gehalten, von der sie jedoch durch den verzweigten 
Blütenstand leicht zu unterscheiden ist. Auch A. superhum 
vom Originalstandort wurde seinerzeit von Freyn^) als eine 
var. laxa des Ä. napellus bezeichnet. Sie dürfte übrigens dem 
A. laxum Rchb. am nächsten stehen. Die Pflanze von der 
Insel bei Ripaö ist fast kahl und besitzt etwas breitere Blätter. 
Der Blust und die Blumenblätter (mit Ausnahme der Innen- 
seite) sind ebenfalls fast kahl (var. glahrescens m.). 

Aconitum rostratum Beruh., Ind. Sem. Hort. Erfurt (1815) in Schleich., 
Cat. pl. Helv., ed. 1815; Rchb., Übers. Aconit., S. 56 (1819). 
— B.: Bez. Rogatica: Um Brankovi6, 900 w (Fiala); Bez. 
Glamoc: Smiljevacgebirge, 1640 m; Bez. Bugojno: Plazenica- 
gebirge, 1750 m (Reiser). 

Alle von mir bisher beobachteten Formen gehören zur 
var. Judenhergense (Reichenb.) Beck, Fl. v. Niederöst., S. 403. 

Anemone Baldensis L., Mantiss., I, p. 78 (1767). — H. : Cvrstnica 
planina. 

Ptdsatilla pratensis Mill., Gard. dict., ed. 8, Nr. 2 (1768). — H.: 
Am Velez bei Mostar (leg. V. Curcic, det. J. Freyn). Vergl. 
jedoch Beck, Fl. v. Niederöst., S. 409. 

Uanunmlus paucistamineus Tausch in „Flora", Bd. 17, S. 525 (1834). 
Übergangsformen zur f. trichophyllus, die aber noch zur Haupt- 
art gezählt werden können (J. Freyn). — B.: Um Butmir 
bei Ilidze, bei Pazariö. 
Banunculus concinnatiis Schott in Österr. bot. Wochenbl., Bd. 7, 
S. 182 (1857); Halacsy, Beitr. z. Flora v. Epirus, S. 10—11 
(1894). Syn.: B. oreopJiilus M. a. B. a. typicus Hai., Consp. 
florae Graecae, p. 21 (1900). — B.: Auf der Gola Jahovina 
im Kreise Sarajevo (Fiala, det. J. Freyn). 

Banumulus Breyninus Crantz, Stirp. Austr., Fase. 2, p. 91, Tab. 4, 
Fig. 2 (1763). — B.: Am Trebevi6 bei Sarajevo, ca. 1200 bis 
1600 m. Hier auch die var. muUiflorus {B. nemorosus a. multi- 
florus DC.) in einem meterhohen, ganz ungewöhnlich robusten 
Stocke mit anUegender Behaarung. 

^) In diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1888, S. 594. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 193 



* Banunciäus Orphonidis Boiss. et Heldr. in Boissier, Fl. Orient., 
Siippl., p. 13 (1888); seä folio mtdta minor a et catilinia non 
trisecta. — B.: Am Trebevi^ bei Sarajevo (det. J. Freyn). 

Fiim. JPapaveraceae, 

Tapaver rlweas L., Spec. pl., p. 507 (1753), var. skigosttm Boenn., 
Prod. Flor. Monast., p. 157. — B. : Moscanicatal, mit P. dubium 
var. alhiflorum Elkan. 

Papaver duhimn L., Spec. pl., p. 1196 (1753), * var. allnflonim Elkan, 
Tent. monogr. Papaver, p. 25 (1839); Boiss., Fl. Orient., I, 
p. 115 (1867). Blumenblätter weiß mit einem schwarzen Fleck 
am Grunde. — B.: Am Abhänge des Kastellberges und im 
Miljacka- und Moscanicatal bei Sarajevo. 

Fmnaria rosfeUafa Knaf in „Flora", 29, S. 290 (1846). — B.: Auf 
Schutt im Moscanicatal bei Sarajevo. Hier auch F. offic 'malis L. 

Farn. Critciferae, 

Iheris umhellata L., Spec. pl., p. 649 (1753), var. tenuifoUa Vis., 
Flor. Balm., III, p. 112 (1852). — H.: Zwischen Stolac und 
Ljubinje. Blumenblätter purpurn. Die verwandte Form Iberis 
roseo-purpurea Sagorski in Mitt. d. Thür. bot. Ver., Neue Folge, 
Heft XVI, S. 49 (1902), soll sehr kleine Blumenblätter haben, 
was bei dieser Pflanze nicht zutrifft. 

Iheris Ga/rrexiana All. in Miscell. Taur., 5, p. 73 und Flor. Pedem., 
1, p. 250, Tab. 40, Fig. 3 und Tab. 54, Fig. 2 (1785j, f. serru- 
lataYk., Flor. Balm., HI, p. III (1852j, als Art. — H.: Vuciji- 
zub (V. Curöic). Bie Blumen sind an den meisten Stöcken 
weiß, an einigen aber auch rotviolett. Ber Fundort ist in der 
nächsten Nähe des Originalstandortes (Orijen). 
B.: Velika Ljublana (V. Curßic). 

Tldaspi praecox Wulf, in Jacqu., Collect, II, p. 124, Tab. 9 (1788). 
— H.: Felsen um Stolac, ca. 100 m (Fiala). 
Var. Jankae [A. Kern, in Österr. bot. Zeitschr., 16, S. 297 (1866), 
ibid., 17, S. 35 (1867), als Art; Neilreich, Biagnosen, S. 16; 
t'Jchtritz, Österr. botan. Zeitschr., 1875, S. 187 und 241; Bor- 
bels in Mathem. es termesz. Közlem., 1878, p. 202—203]. — 



194 



Karl Maly. 



B.: Sutjeskaschlucht bei Rogatica, am Smolin bei Zepce (V. 
Curci6), Abhänge der Pale-Straße gegen die Mokranjska- 
Miljacka nächst Han Bulog bei Sarajevo, bei Maglaj. 

Die Pflanze von Han Bulog, die ich in verschiedenen 
Entwicklungsstadien beobachten konnte, stimmt ziemlich gut 
mit der Originalbeschreibung überein. Die Blumenblätter sind 
4 — 5 mm lang und beiläufig 3 mm breit. Samen sind in jedem 
Fache 3 — 6. Der Kelch ist zuweilen schwach rotviolett ge- 
färbt. Wie sich Th. Avalanum Pancic ^) aus der Umgebung 
von Travnik (leg. Brandis!) von Th. Jankae unterscheiden 
soll, ist mir trotz der Bemerkungen Freyns^) nicht klar. 

* Thlaspi Goesingense Hai. in Österr. botan. Zeitschr., 30, S. 173 

(1880). — B.: Auf Felsen in der Rakitnicaschlucht bei Rogatica 
(Fiala)^ fruct. 

*Var. umhrosum [Waisbecker in Österr. bot. Zeitschr., 43, S. 318 
(1893), als Art]. — B.: Velika Ljubicna (V. Curcic). 

Die Stengelblätter elliptisch, verwischt ausgeschweift- 
gezähnt, nicht länglich wie bei der typischen Pflanze. 

Myagrum perfoliatum L., Spec. pl., p. 640 (1753). — B. : Im Bosna- 
tale zwischen Zenica und Lasva (V. Curci6). 

Sinapis arvensis L., Spec. pl, p. 668 (1753), var. Orientalis Murr., 
Prodr. Stirp. Gott., p. 167 (1770). — B.: Miljackatal. 

Biplotaxis tenuifolia DC, Syst. nat., II, p. 632 (1821). — B.: An 
der Zeljeznica und in Feldern bei Ilidze^ im Miljackatal etc. 

Brassica rapa L., Spec. pl., p. 666 (1753), a. campestris L., 1. c. 
— B.: Um Svrakinoselo bei Sarajevo; Miljackatal. 

Barbar aea vulgaris R. Brown in Ait., Hort. Kew., ed. 2, 4, p. 109, 
var. arcuata (Opiz ap. Presl) Rchb. in „Flora", I, S. 296 (1822), 
als Art. — B. : Aufwiesen am Trebeviö bei Sarajevo, ca. 1050 m. 

* Eoripa armoracia (L.) m. Syn. : Cochlearia armoracia L., Spec. pl., 

p. 649 (1753). — B.: Bosn.-Raca (Reiser). 



^) Vom Beige Avala bei Belgrad, an dessen Spitze sie vorkommt. Th. 
cochleariforme DC, mit welcher sie später Pancic zusammenwirft, ist eine 
andere Pflanze. Über diese vergl. Freyn in der Österr. botan. Zeitschr., 1895, 
S. 186 und Borbäs, 1. c, p. 206. 

2) Vergl. diese „Verhandlungen", 1888, S. 596; dort heißt es Th. Avel- 
lanae, was unrichtig ist. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 195 

Roripa Lippicensis Rchb., Icon. Flor. Germ., 11^ p. 15, Tab. LV 
(1837). — B.: Romanja plaiiiiia. 

Eine der Boripa Llppkensis Ecbb. nahestehende Pflanze 
fand ich im Herbare des Landesmuseunis vor. Sie wurde von 
Herrn V. Curciö „Im Bosnatale zwischen Zenica und Lasva" 
im Jahre 1897, leider aber ohne entwickelte Schoten g*esammell 
und ist durch das Fehlen der Öhrchen am Grunde der Stengel- 
blätter und die mehr lanzettlichen, spitzen bis sehr spitzen 
Blattzipfel ausgezeichnet. lloripa (Nasturüum) pseudo-Lippi- 
censls m. in sched. Vielleicht hybrid? 

Boripa silvestris (L.) Bess., Enum. pl. Volhyn., p. 27 (1822). — 
B.: Um Ripa6 bei Bihac; um Sarajevo gemein (Miljackatal, 
Sarajevsko polje, Lukavica, Kosevotal etc.). 

Cardamine nasturüum (L.) 0. Kuntze, Revisio gen., p. 22 (1891), 
non Wallr. — B.: An der Una bei Ripac (Fiala). Im Sara- 
jevsko polje an mehreren Stellen. 

Cardamine glatica Spr. ap. DC, Syst. nat., II, p. 266 (1821). — B.: 
Am Ivornik bei Kladanj und am Krstac in der Vranica (Reiser). 

Cardamine liirsuta L., Spec. pl., p. 655 (1753). — B.: Bei Hadzi6i; 
um Sarajevo verbreitet. 

Cardamine impatienslj.^ Spec. pl., p. 655 (1753). — B. : Trebeviö, 
Miljackatal, Treskavica planina. 

Dentaria trifolia W. K., Descr. et Icon. pl. rar. Hung., II, p. 148, 
Tab. 139 (1805). — B.: Vom Javornik bei Kladanj (Reiser). 

Dentaria enneaj^hyllosh.^ Spec.pl., p. 653 (1753). — B. : Trebevi6 
( V. Curci6). 

Lunaria rediviva L., Spec. pl., p. 653 (1753). — B.: Um Hadziei 

bei Sarajevo (M.), bei Petrovac (Fiala). 
Bursa pastoris Web. ap. Wigg., Prim. Flor. Holsat., p. 47 (1780), 

var. integrifolia (DC.) G. Beck, Fl. v. Niederöst., S. 492 (1892). 

— B.: Miljackatal. 

*Var. alpicola G. Beck, 1. c. — H.: Cvrstnica planina. 
Bursa gracilis [Gren., Florula Massil., p. 17 (1857), als Capsella 
gracilis]. Vergl. Österr. botan. Zeitschr., 1899, S. 169; P>ot. 
Zeitung, 58, S. 171. Syn.: B. pastoris var. gracilis m. in sched. 

— B.: Miljackatal bei Sarajevo. Seit Hof mann (Österr. 
botan. Zeitschr., 1882, S. 79) nicht mehr daselbst gefunden. 



196 



Karl Maly. 



JDraha ai.eoon Wahlenberg-, Flora Carparth., p. 193 (1814). Syn.: 

D. lasiocarpa Kochel, Plant. Banat., p. 1 und 4 (1828). 
Var. Bosniaca [G. v. Beck in Annalen des k. k. naturh. Hofmus. 

in Wien, Bd. II, S. 75 (1887), unter D. lasiocarpa Roch.]. — 

B.: Felsen am Abhänge des Ildes gegenüber Starigrad und 

am Starigrad bei Sarajevo; Trebevic. 

Es lagen nur halbreife Fruchtstöcke vor. Die größten 

Schötchen fand ich 8-5 mm lang und 2 mm breit und gegen 

beide Enden zu stark verschmälert. 
Var. elongata [Host, Flor. Austr., II, p. 237 (1831), als Art]. — 

B. : Auf der Spitze des Trebevic. Hier kommt auch die var. 

Bosniaca vor. 

Die Schötchen sind bei den Pflanzen vom Trebevic nur 
am Rande und am Grunde rauhhaarig, bei Exemplaren vom 
Starigrad aber auch auf den Flächen schwach behaart. 
* Rasse: compacta [Schott, Analecta bot., p. 50 (1854)]. Vergl. 
Stur in Österr. botan. Zeitschr., 1861, S. 185, 211 und Tab. I. 

— B.: Auf der Spitze der Ljubicna, 2236 m (V. Curci6). 

Unterscheidet sich durch die kurzen Gritfei leicht von 
der ihr habituell sehr ähnlichen I). Scardica Gris. 

Braba armafa Schott, Analecta bot., p. 49—50 (1854). Vergl. Neil- 
reich in Österr. botan. Zeitschr., 1859, S.* 81 und in Sitzungsber. 
der kais. Akad. d. Wiss. in Wien, mathem.-naturw. GL, Bd. 58, 
1. Abt., S. 570. — Syn.: B. longirostra var. turgida (Huet de 
Pav.) Beck et Szysz., Plant, cernag., p. 75 (1888). — B. longi- 
rostra var. armata Murb., Beitr. z. Flora v. Südbosn., S. 167 
(1891). — B. turgida (Huet de Pav.) Baldacci in N. Giornale 
Bot. Ital., N. Ser., I, p. 112—113 (1894), var. armata Baldacci, 
Contrib. alla cogn. d. Flora di confine Montenegro -Albanese, 
p. 5 (1900). — H.: Cvrstnica (M.). Alpine Region der Plasa 
planina (Fiala, als Arahis Scopoliana Boiss.). 

Brala muralis L., Spec. pl., p. 642 (1753). — B.: Am Grdonj, 
Trebevic^ und Starigrad bei Sarajevo. Um Maglaj. 

Anhrietia Croatica Schott, Analecta bot., p. 47 — 48 (1854). — B.: 
Hrbljina (Reiser). 

Stenophragma Thalianum (L.) Celak. in „Flora", LV, S. 442 (1872). 

— B.: Am Grdonj im Norden von Sarajevo. Bei Maglaj. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 197 

Arabis glahra (L.) Weinmann in Cat. hört. Dorpat., p. 18 (1810). 
Siehe Fritsch in diesen „Verhandhingen", 1894, S. 309—310. 

— B.: Romanja planina (Fiala). Am Kastellberg bei Sara- 
jevo. 

Ärahis ScopoUana Boiss. in Annal. des sc. nat., 2. S6r., Vol. XVII, 
p. 56 (1842). — H.: Cvrstnica planina. 

Ärahis auricidata Lam., Encycl., I, p. 219 (1783). — B.: Rakitnica- 
Schlucht bei Rogatica (Fiala). 

Hierher dürfte wohl auch Ä. saxaülis Form, in Österr. 
botan. Zeitschr., 1888, S. 421, nicht All., gehören. Als A. auri- 
culata liegen im Herbare des Landesmuseums mehrere Stücke 
auf, die hierher gehören dürften, doch durch viel breitere 
Blätter ausgezeichnet sind. Die Exemplare von Had^i6i sind 
in der Blüte, die von der Nähe der Kozija-cuprija bei Sara- 
jevo nur in sehr jungen Fruchtstücken gesammelt, so daß 
sich vorläufig keine ganz bestimmte Meinung darüber aus- 
sprechen läßt. 

Arabis hwsuta (L.) Scop., Flora Carn., ed. 2, Vol. 2, p. 30 (1772), 
var. sacjittata DC, Fl. franc., VI, p. 592 (1815). - B.: Im 
Miljackatal bei Sarajevo. 

AraUs SudeUca Tausch in „Flora", XIX, 2, S. 407 (1836), var. 
Bosniaca [G. Beck in Annalen des k. k. naturh. Hofmus. in 
Wien, Bd. II, S. 71 (1887)]. — B.: Bei Vucija luka im Nord- 
osten von Sarajevo (M.); Velika Ljubicna (V. Curciö). 

Arabis muralis Bert., Rar. plant., dec. II, p. 37 (1806). — B.: Am 
Starigrad bei Sarajevo (Fiala). 

Arahis arenosa Scop., Flora Carn., ed. 2, 2, p. 32, Tab. 40 (1772). 

— B.: Am Smolin bei Zepce (V. Cur6i6), bei der Privilica- 
Quelle nächst Biha6, Waldränder an der Straße von Bosnisch- 
Novi nach Otoka (Fiala). 

Arahis turrita L., Spec. pL, p. 665 (1753). — B.: Starigrad bei 
Sarajevo (V. Curcic). 
Enjsimum Boryanum Boiss. et Sprun. in Boissier, Diagn., Ser. I, 
1, p. 21 (1842). — H.: Stolacfelsen bei Mostar (Fiala). 

Ich möchte diese Standortsangabe mit Zurückhaltung 
aufgenommen wissen, da mir nur Stöcke mit unentwickelten 
Schoten vorliegen. E. Boryannm wird vom Autor in seiner 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 14 



Karl Maly. 



Flora Orientalis, I, p. 188 zu den „Perennes'' gestellt, einer 
Gruppe, deren Arten eine gewöhnlich mehrköpfige Wurzel- 
krone mit am Grunde schopfig gehäuften oder mehr entfernt 
stehenden frischen und abgestorbenen Blättern besitzen. Die 
Abart E. Attimm [Heldr. et Sartorius ^) als Art] ist aber nach 
der Originalbeschreibung zweijährig; oder ausdauernd und es 
scheint daher die Wachstumsdauer ein nicht immer stichhältiges 
Merkmal in diesem Formenkreise zu sein. Die Pflanze vom 
Stolac ist wenigstens zum Teil sicher zweijährig, da sich am 
Stengelgrunde noch zahlreiche Reste verdorrter Blätter vor- 
finden. Die Blütenstände des E. Boryanum scheinen auch arm- 
blütiger zu sein als bei der Pflanze der Herzegowina. Die 
Blumenblätter sind außen behaart, bei letzterer stets kahl. 
ÄhnHch ist unserer Pflanze auch das von Freyn in Kerners 
Flora exsiccata Austro-Hungarica unter Nr. 76 ausgegebene E. 
crepidifolium Rchb., das ich keineswegs der Beschreibung des 
Autors entsprechend finde. Zum mindesten fehlen die drei- 
zackigen Härchen auf der Oberseite der Blätter fast ganz. 
Über das früher mit E. crepidifolium verwechselte E. Banati- 
cum Gris., das habituell ebenfalls eine wenn auch nicht zu 
große Ähnlichkeit mit der Pflanze vom Stolac hat, vergleiche 
man Simonkaj in der Österr. botan. Zeitschr., 1888, S. 302 
bis 303, der es mit Janka für identisch mit E. comatum 
Panciö^) hält. Von unserer Pflanze ist es schon durch die 
großen Blumenblätter und die stark seidig schimmernden, 
ganzrandigen Blätter verschieden. 

E. Boryanum wurde schon von Pantocsek^) unter Vor- 
aussetzung des älteren Namens E. linearifolium Tausch*) für 
die Herzegowina, Dalmatien und Montenegro aufgezählt. Ob 
beide Pflanzen identisch miteinander sind, ferner ob unsere 
und Pantocseks Pflanze hierher oder doch zu E. crepidifolium 
Rchb. gehört, bleibt kritischen Studien an reicherem Material 
vorbehalten. 

^) In Boissier, Diagn., Ser. II, 1, p. 25 (1854). 
2) Flora princip. Serbiae, p. 131 (1874). 

^) Beiträge zur Flora und Fauna der Herzegowina . . ., S. 95. 
In: „Flora", Bd. 14, S. 212 (1831). 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 199 



Alyssuni repens Baumg., En. stirp. Transs., II, p. 237 (1816). — B.: 
Magli6 (Adamovi6!), Vranica (Brandis!), Treskavica (M. 
Hierher dürfte vielleicht auch ji. niontanmn var. liocarpum 
Murb., Beitr., S. 167 [ob Griseb.?] gehören). — H.: Vran 
(Van das, Kar am an), Cvrstnica planina. 
*Var. stenophyllum HaUicsy, Consp. flor. graec, I, p. 94 (1900). 
— B.: Triften auf der Jaborina planina im Bezirke Sarajevo 
(det. HaUcsy und Borbäs!). 

Aus der Pfahlwurzel entspringen sehr zahlreiche ver- 
längerte, niederliegende und verzweigte Stämmchen, die auf- 
rechte oder aufsteigende (bis 46 cm) hohe Blüten und kurze 
Blattsprosse treiben. Die Stengelblätter sind länglich, stumpf- 
lich, lang in den Grund verschmälert, grünlich, oberseits mit 
(5 — )6 — 9 (10) strahligen und unterseits mit (6 — )8— 14(16)- 
strahligen Sternhaaren bekleidet. Die unteren Blätter sind 
kürzer, spatelförmig-elliptisch. Der Blütenstand ist kurz, ge- 
drängt, verlängert sich nach der Anthese jedoch sehr stark. 
Die Blumenblätter sind goldgelb, (4 — )4-5 — 5-5 (6) lang 
und ^2 ^d^r mehr als ^2 so breit. Die Form der Staubfäden 
entspricht der Sectio jE'«(aZi/ss^<m Griseb.^) [BiorcMdium KitteP)], 
die vier längeren sind bis ^/g ihrer Länge geflügelt und oben 
zweizähnig, die kürzeren sind ungeflügelt und werden bis zu 
ihrer Länge von einer freien, blumenblattartig-linealen, 
oben zweizähnigen Schuppe begleitet. Die Behaarung der 
Blütenstiele besteht aus Sternhaaren, welchen noch aufrecht 
abstehende, einfache Haare beigemengt sind, wie dies bereits 
HeuffeP) festgestellt hat (Maly). 

Älyssmn montanum L., Spec. pl., p. 650 (1753), * ß. hracliyphyllum 
Hai., Consp. flor. graec, I, p. 95 (1900). — B.: Bjelasnica 
planina: Alpine steinige Stellen auf der Hranisava (leg. Fiala, 
det. Borbas). 

Die Blütenstiele der Pflanze von der Hranisava haben, 
wie dies schon Degen^) bemerkte, eine zweifache Beklei- 

^) Spicil. Flor, rumel., I, p. 274 (1843)^ Boiss., Flor, or., I, p. 264 (1867). 
2) Taschenbuch der Flora Deutschlands, 3. Aufl., S. 983 (1853). 
^) Enum. plant. Banat. Temes. (1858), p. 22. 

*) In Degen u. Dörfler, Beitr. zur Flora Albaniens, 1897, S. 7. 

14* 



200 



Karl Maly. 



dung mit Haaren. Fruchtexemplare wurden bis jetzt nicht 
gesammelt. Die Pflanze von der Hranisava stimmt nach Bor- 
bäs in litt, mit der von Orphanides in Flora graec. exsicc.^ 
Nr. 647 ausgegebenen völlig tiberein. 

Alyssum campestre L., Syst., ed. X, p. 1130 (1759); Spec. pl.^ ed. 2, 
p. 909 (1763). — B.: Livno (Sendtner im „Ausland«, 1848, 
S. 807). — H. : Steinige Wiesen um Ljubuski, Bregava-Schlucht 
bei Stolac (Fiala). 

Alyssum calycinum L., Spec. pL, ed. 2, p. 908 (1763). — B. : Tre- 
bevi6 planina: Draguljac, 1160 m. 

Berteroa incana DC, Syst. nat., II, p. 291 (1821). — B.: Kastell- 
berg bei Sarajevo. 

Hesperis matronalis L., Spec. pl., p. 663 (1753). — B.: Waldränder 
längs der Straße von Bosnisch-Novi nach Otoka (Fiala); am . 
Veliki Zep im Bezirke Vlasenica, 1530m (Reiser). 

Beide Pflanzen sind großbltitig, die erstere ist viel stärker 
behaart (namentlich die Kelchblätter) und besitzt krautartige 
Blätter; die letztere ist fast kahl und hat dickliche Blätter 
mit verdickten Spitzen der Zähne. 

Conringia Orientalis (L.) Andrz. in De Cand., Syst., II, p. 508 (1821). 

— B.: Miljackatal. 

Farn. Crassulaceae, 

Sedum Ilispanicum L., Cent, pl., I, p. 12 (1755); Amoen. acad., 
Vol. IV, p. 273 (1759); Spec. pl., ed. 2, p. 618 (1762). Syn.: 
^S'. glaucum W. K., Plant, rar. Hung., II, p. 198, Tab. 181 (1805). 

— B.: Abhänge des Stolac bei Visegrad (V. Curcic). \ 
* Forma glandulosum m. Fruchtknoten, Blust (Blutenstand) 

und der Stengel bis zum Grunde dicht, die Blätter schwächer 
drüsenhaarig. — B.: Auf Serpentin bei Zepce. 

Hierher dürfte vielleicht das Sedum glanduloso-puhescens 
Feicht. in Közlem., IX, p. 91 (1873) nach Simonkaj, Enum. 
plant. Transs., p. 236 gehören. 

Farn. Mosaceae. 

Cotoneaster p^yracantlia Spach, Hist. nat. v6g. phan., II, p. 73 (1834), 
„Feuerdorn". — B.: In Hecken nächst Privilica bei Bihac 
(Fiala). 



Bt'iträg-e zur Kenntnis der Floni Bosniens und der Herzegowina. 201 



Ämelanchier ovalis Medic, Gesch. d. Bot., S. 79 (1793). — B.: Am 
Trog'lav bei Livno (V. Apfel heck). 

Crataegus monogynus Jacq., Flora Austr., III, p. 50, Tab. 292 (1775), 
* var. schkophjUa G. Beck, Fl. v. Niederösi, II, S. 706 (1892). 
Syn.: C. laciniata Hort., C. monogynas a. typica f. 2 laciniata 
Posp., Fl. d. österr. Küstenlandes, II, S. 226 (1898), nicht Stev. 
ap. Bess. — B.: In Zäunen am Abhänge des Kastellberges 
gegen Da Kiva, selten. 

Fotcnülla Tahernaemontanl Aschers, in Abh. des bot. Ver. Brandenb., 
Bd. 32, S. 156 (1890). Syn.: P. opaca L., Amoen. Acad., IV, 
p. 274 (1759) et Aut. pl. pr. p. — B.: Am Smolin bei Zepce 
(V. Oiircic). Eine großblütige Form, die fast gänzhch der 
Büschelhaare entbehrt. — PL: Bei Podorosac und Konjica. 
Die f. glanchdosa Oborny, Beitr. z. Kenntn. d. Gatt. Potentilla, 
S. 21 (1900), sammelte ich daselbst und auch auf der Gradina 
bei Sarajevo. 
* Forma Sarajevense m. 

Wuchs der P. Tabernaemontani. Stengel aufsteigend, von 
kurzen krausen, längeren, aufrecht abstehenden Haaren und 
kleinen Driisenhaaren bekleidet. Blätter 5 — 7 zählig, grasgrün, 
fast freudiggrün. Blättchen länglich-verkehrt eiförmig, keilig 
oder fast spatelig (9-5 — 10 X 4 — 6 mm), kaum gestielt, gekerbt. 
Kerben tief, beiderseits je 2 — 3, Endzahn nicht vortretend. 
Blättchen fast gleichfärbig, oberseits fast kahl mit etwas ver- 
senkten Nerven, beiderseits, besonders an den Nerven an- 
liegend behaart und nebstbei auch mit kleinen Drüsenhaaren 
besetzt. Büschelhaare nur auf den Kelchblättern spärlich vor- 
handen, sonst fehlend. Nebenblättchen der Grundblätter lan- 
zettlich, schmal, spitz, an den Stengeln eiförmig, zugeschweift 
stumpflich. Äußere Kelchblätter rötlich, oval, stumpf oder 
stumpflich, schmäler und etwas kürzer als die inneren. Blüten- 
boden außen ziemlich stark lang- und drüsenhaarig. Blumen- 
blätter gelb (23, Saccardo, Chromotaxia), etwa 3-5 m^n lang 
und breit, nicht benagelt, wenig ausgerandet, mit den Rän- 
dern sich nicht berührend, kaum länger als die Kelchzipfel. 
Pollen normal. Filamente kahl. Fruchtboden weißseidig be- 
haart. 



202 



Karl Maly. 



Auf der Gradina im Norden von Sarajevo bei etwa 
1250 -1270 m. Mai. 

Unterscheidet sich von der typischen Form^) haupt- 
sächlich durch das kleinere Ausmaß der Blatt- und Blüten- 
organe, die beiderseits 2 — 3 kerbigen, fast spateligen Blättchen 
und die Bekleidung der vegetativen Organe mit mikroskopisch 
kleinen, transitorischen Drüsenhaaren. 
Var. P. Boosiana m.^) 

Stämmchen niedergestreckt, wurzelnd. Stengel auf- 
steigend, mit längeren, aufrecht abstehenden und kürzeren 
krausen Haaren bedeckt. Blätter 5 — 7 zählig, im letzteren 
Falle die untersten seitlichen Blättchen klein und unscheinbar. 
Blättchen verkehrt eirund (2 — 3 : 1), 9'5 — 11mm lang und 
4;5 — 5 mm breit, die Sommerblätter auch bis 16 mm lang und 
6 mm breit, von der unteren Hälfte oder vom oberen Drittel 
an keilig; gegen den Grund verschmälert, deuthch gekerbt- 
gesägt; Sägezähnchen jederseits 2 — 3, vorgestreckt, stumpf 
oder begrannt, die Endkerbe kleiner und zurücktretend. Blätter 
oberseits grasgrün, matt, unterseits heller gefärbt, arm-^ unter- 
seits, besonders an den Nerven stärker behaart, oberseits nicht 
oder nur gegen die Spitze zu, unterseits deutlicher zerstreut 
büschelhaarig. Büschelhaare mit stärkerem und längerem 
Mittelast. Nebenblätter wie bei der Hauptart. Äußere Kelch- 
blätter oval, spitzlich, innere eirund, spitz. Pedicellen, Blüten- 
boden und Kelchblätter außen meist reichlich mit Büschel- 
haaren und wenigen Drüsenhaaren bedeckt. Blumenblätter ver- 
kehrt herzförmig, eirund, ausgerandet, etwa 4 — 4'5 mm breit, 
goldgelb, mit den Rändern sich kaum berührend, nur wenig länger 
als die Kelchzipfel. Fruchtstiele an der Spitze umgebogen, 
die Früchte daher nickend. Fruchtboden weißseidig behaart. 
Filamente völlig kahl. Pollen reichlich entwickelt, normal. 

B.: Grasige Abhänge des Bergrückens zwischen dem 
Miljacka- und Moscanicatale nächst Da Riva bei Sarajevo. 
April, Mai. 



^) Vergl. Zi mm et er, Die europ. Arten d. Gattung Potentilla, S. 17. 
2) Nach Franz Boos (geb. 1753 zu Frauenalb in Baden, gest. 1832 zu 
Schönbrunn bei Wien). 



Beiträg'C zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 203 



Vielleicht eine Mittelform oder ein Bastard zwischen 
P. Sarajevense und P. arenaria Borkli., eine Pflanze, die 
mög-Hcherweise schon Formänek im Jahre 1887 bei Balde 
unweit des obgenannten Standortes sammelte und als P. Tom- 
masiniana F. Sch. X P. opaca bestimmte.^) Sie sieht der 
P. s Ith arenaria (Borbäs) Zimmeter^) sehr ähnlich, ist Jedoch 
viel stärker behaart und daher etwas grau. Die Blättclien der 
P. subarenaria vom Kühberg bei Znaim (leg. Prof. A. Oborny) 
sind meistens kürzer, breiter und reicher gezähnt. Die Blumen- 
blätter sind größer und nicht goldgelb. 

P. Bohanensis Zimmeter, 1. c, S. 21 und deren von 
Sauter in der Österr. botan. Zeitschr., 1889, S. 212—213 
aufgestellte Formen besitzen fünfzählige, größere, anders ge- 
formte Blätter und meistens größere gelbe bis schwefelgelbe 
Blumenblätter, wie ich mich an zahlreichen von mir in den 
Jahren 1896 und 1897 um Bozen gesammelten Stöcken über- 
zeugen konnte. 

P serotina Vill., Hist. pl. Dauph., Vol. III, p. 564 (1789) 
hat e])enfalls fünfzählige, etwas breitere und kürzere Blättchen 
und größere gelbe Blumenblätter und entbehrt nach der Be- 
schreibung Zimmeter s der Sternhaare. Exemplare, die von 
J. Freyn bei Großkuchel nächst Prag gesammelt und unter 
obigem Namen in der Flora exsiccata Austro-Hungarica, 
Nr. 1246 ausgegeben wurden, besitzen hingegen sogar sehr 
deutlich sternhaarige Blätter. Dies ist übrigens^ wenn auch 
in geringerem Grade, bei der von Zimmeter selbst über- 
prüften, unter Nr. 834 der gleichen Exsiccatensammlung aus- 
gegebenen P. opaca, entgegen der auf dem beiliegenden Schedae 
befindlichen Beschreibung, wonach sich diese Form durch das 
absolute Fehlen der Sternhaare auszeichnen soll, der Fall. 
Fotentilla dubia Moench, En. pl. Hass., p. 263 (1777). Syn.: P. 
ruhens (Cr.) Zimmeter, Die europ. Arten d. Gattung Fotentilla, 
S. 16 (1884), nicht Vill. — Fragaria ruheus Gr., Stirp. Austr., 
ed. 1, II, p. 14 (1763). — B.: Auf der Jahorina bei Sarajevo. 

Vergl. Österr. botan. Zeitschr., 1889, S. 60. 
2) Die europ. Arten d. Gattung Fotentilla, S. 21 (1884). 



204 



Kail Mjily. 



Auf Serpentinfelsen bei Maglaj sammelte ich eine Foten- 
tilla, die ich als P. rubens ansah, die aber von Borbas als 
verschieden davon erklärt wurde und sich durch kleine Blüten, 
längere und schmälere Blätter und andere Merkmale aus- 
zeichnet. Borbas bezeichnete sie in litt, als *P. Malyana. 

Potentilla glandulifera Krasan in Österr. botan. Zeitschr., Bd. 19, 
S. 169 (1869). — H. : Zwischen Podorozac und Konjica. 

Potentilla australis Krasan in Österr. botan. Zeitschr., Bd. 17, S. 302 
(1867). — H.: Um Siroki-brieg* (Lakatos); Gradac bei Neum 
(Fiala). 

Potentilla canescens Besser, Prim. Flor. Galic, I, p. 330 (1809). — 
B. : Am Kastellberg bei Sarajevo. — H. : Steinige Bergabhänge 
bei Konjica. 

Potentilla recta L.^ Spec.pl., p. 497 (1753). — B.: Am Abhänge 
des Kastellberges gegen das Miljackatal, am Bukovik bei 
Sarajevo. 

Var. leucotriclia Borbäs in Österr. botan. Zeitschr., Bd. 34, S. 73 

(1884); Bd. 36, S. 291 (nom. sol.); Geogr. atque enum. plant. 

Castrif., p. 311 (1887 — 1888 descript.). — B.: Am Pasin brdo 

und am Kastellberg bei Sarajevo. 
Potentilla rupestris L., Spec. pl, p. 496 (1753). — B.: Auf einer 

Wiese am Abhänge des Grdonj gegen das Kosevotal. 
Potentilla reptans L., Spec. pl., p. 499 (1753), *f. anomala Ledeb.^ 

Flora Rossica, II, p. 53 (1844), als Art; Zimmeter, Die europ. 

Arten d. Gattung Potentilla, S. 6. -— H.: Feuchte Stellen bei 

Podorozac. 

Posa arvensis Huds., Flor. Angl., p. 192 (1762; das Werk erschien 
nach 0. Kuntze anfangs des Jahres). Die von H. Braun 
in G. V. Becks Flora v. Südbosn., Bd. 1, S. 118 für die Ein- 
führung des Namens B. silvestris Hermann, Dissert. inaug. de 
Posa, Nr. 10 (1762) geltend gemachten Gründe sind wohl nicht 
stichhältig. 

Var. Baldensis (A. Kern.) J. B. v. Keller in Nachtr. z. Flora von 
Niederöst., S. 202 (1882). — B.: Am Abhänge des Kastell- 
berges und im Miljackatale bei Sarajevo. Blattstiele drüsen- 
los oder fast drüsenlos. 



Buitriige zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Ilerzeg-owina. 205 



Var. Carstigena [H. Braun ap. G. v. Beck, Flora v. Siidbosii., Bd. 1, 
S. 115 (1887), als Varietät der B. repens Scop.]. 

Kommt in zahlreichen mit der von Heinrich Braun 
beschriebenen Pflanze mehr oder weniger übereinstimmenden 
Formen, die oft kaum von der Form atrata der Abart Bal- 
densis zu unterscheiden sind, in der Umgebung- von Sarajevo 
vor. Die typische Form dürfte wohl einen kletternden 
Strauch (auf Crataegus, Ligustrum und anderen Sträuchern) 
darstellen, der in gewisser Höhe bogige Zweige aussendet, von 
welchen die Blütenzweige aufrecht abstehen. So beobachtete 
ich E. Carsiigena besonders schön im Miljackatal und am 
Abhänge des Trebeviö. Viel häufiger sind die langen Zweige 
jedoch niederbogig und erst die davon ausladenden Sprosse 
aufwärts gerichtet. Der Blust ist oft sehr reichblütig und dies 
besonders an den aufrechten Sträuchern. Die Scheinfrüchte 
sind rundlich. 
Bosa GalUca L., Spec. pL, p. 492 (1753). 

Var. Austriaca (Crantz) H. Braun in G. Beck, Flora v. Niederöst., 
II, S. 779 (1892). — B.: Um Kusanovi6 im Bezirke Rogatica, 
nächst Lukavica bei Sarajevo (leg. Fiala), bei Svrakinoselo. 

Forma glohosa R. Keller in Beitr. z. Kenntn. der bosn. Rosen im 
Beiblatt zu den botan. Jahrb., Nr. 53, S. 31 (1896). Schein- 
frucht kugelig, mit zerstreut stehenden Drüsenhaaren und 
Drüsenborsten. — B.: Bei Lukavica. 

Forma mkroplcylla R. Keller, 1. c. — B.: Brachfelder nächst 
Svrakinoselo bei Sarajevo. 
Bosa arvensis Huds. X B. Gallica L. 

* 1. Bosa Wiedermanni H. Braun in G. Beck, Flora v. Niederöst., 

II, S. 774 (1892). Zweige schwach mit Drüsenborsten und 
ungleichen Stachelchen bekleidet. Blumenblätter hell purpurn, 
mittelgroß. Griffel schwach behaart. Scheinfrucht rundlich, 
am Grunde oder in der unteren Hälfte drüsenhaarig. — B.: 
Nächst Lukavica bei Sarajevo. 

* 2. Rosa Miljackae m. 

Äste aufrecht, schwach, grün oder bräunlich, mit zahl- 
reichen längeren und kürzeren, dünnen, gebogenen Stacheln, 



206 



Karl Maly. 



Borsten und Drüsen bekleidet. Blätter 3 — özählig, die drei 
oberen Blättchen mittelgroß, genähert und sich häufig mit den 
Rändern berührend, die übrigen zwei klein und mehr ent- 
fernt, alle oval bis rundlich-oval, meist stumpf, am Grunde 
seicht herzförmig oder abgerundet. Blättchen einfach oder fast 
einfach gesägt, Sägezähne mit einer oder mehreren Drüsen 
am Rande, unterseits schwach behaart, am Mittelnerv drüsig, 
oberseits schwach behaart oder kahl. Blattspindel drüsig und 
bestachelt, sonst fast kahl. Brakteen und Nebenblätter wie 
bei R. arvensis, drüsig gewimpert. Blütenstiele etwa 3 cm lang 
(2*3 — 3*2 cm), dicht mit feinen und stärkeren Stacheln und 
Drüsenborsten besetzt. Blust 1 — 3 blütig. Kelchblätter wie bei 
R. arvensis, jedoch die drei äußeren mit Anhängseln versehen, 
am Rücken und am Rande drüsig, kürzer als die mittelgroßen, 
weißlich rosafärbigen, ausgerandeten Blumenblätter. Knospen 
rosa. Griffel frei, halb so lang als die Staubblätter, behaart, 
aber nicht wollig. 

B.: Zwischen Gebüsch am Abhänge der Hrastova glava 
gegen das Miljackatal bei Sarajevo. 
Fiosa mollis Smith, Engl, bot., PI. 2459 (1812), var. ConratJiiana 
[H. Braun in G. Beck, Flora v. Südbosn., Bd. 1, S. 132 (114) 
(1887), als Varietät der R. Ärduennensis Crepin]. Syn.: ? R. 
mollis var. Velehitica Borb. et H. Braun in Murbeck, Beitr. z. 
Kenntn. d. Flora v. Südbosn. etc., S. 131—132 (1891). 

Kommt an mehreren Stellen am Trebevic bei Sarajevo 
vor: Zwischen Gebüsch bei Dobra voda und bei einer Fels- 
gruppe am Wege ober Dobra voda (etwa 1270— 1320 w), auf 
der Bjela stiena bei Malo dobra voda (etwa 1310 w), nahe 
der Spitze auf der Nord- und Südseite bei 1400 — 1600 m 
und nächst Kasidol bei Sarajevo. Blüht Mitte JuK bis anfangs 
September. Die Scheinfrüchte reifen im September und Oktober. 

Einige Stücke, die ich Herrn Prof. V. de Borbas unter 
dem Namen Rosa Ärduennensis Crep. var. sandte, bezeichnete 
er mir als R. Velehitica. Da am Trebevi6 nur eine Form der 
Rosa mollis wächst, lag es nahe, daran zu denken, daß die 
später veröffentlichte R. Velehitica nur eine individuelle Ab- 
änderung der R. ConratJiiana darstellt, was sich auch durch 



Beiträge zur Konutnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 207 



den Vergleich der ausführlichen Beschreibung in Mürbe cks 
Abhandlung mit unserer Pflanze als richtig erwies. Die mit 
der Beschreibung nicht übereinstimmenden Merkmale, wie die 
Zahl und Gestalt der Stacheln sind zu gering, um beide von 
einander zu trennen. 

Die Blumenblätter sind so lang oder wenig läng-er als 
die Kelchblätter, fast weiß, gegen den Rand zu (in der äußeren 
Hälfte) rosa. Die völlig reifen Scheinfrüchte haben einen 
Durchmesser bis zu 17 mm. Die Blätter duften infolge ihrer 
vielen Drüsen, namentlich zerrieben, sehr stark. 
Fiosa tomentosa Smith, Flor. Brit., II, p. 539 (1800). 

Forma ty2^ica H. Braun in Beck^ Fl. v. Niederöst., S. 814 (R. 
tomentosa Smith, Engl, bot.^ PI. 999). — B. : Zwischen Gebüsch 
im oberen Kosevotal; am Abhänge des Grdonj gegen Westen; 
im Buchenwald am Abhänge des Mali Orlovac gegen das Mil- 
jaCkatal. 

Var. Serinyeana Dumort., Fl. Belg., p. 51 (1827) = B. pseudo- 
cuspidata Cr6p., Primit. monogr. rosar., II, p. 98 (1872), nach 
Ii. Braun in Beck, 1. c. — B. : 1. Zwischen Miljevici und 
der Lukavicastraße bei Sarajevo. Blust 3 — 12blütig, selten 
einblütig; Scheinfrüchte kugelig. Ein etwa 3 m hoher Strauch. 
— 2. Bei der Ziegenbrücke im Miljackatal, ca. 580 m. 

Es sei hier festgestellt, daß die Beschreibung der Bosa 
pseiidocusxndata Crepin bei R. Keller in Asch, et Gr., Synops., 
VI, p. 88, mit derjenigen in J. B. Keller bei Halacsy und 
Braun, Nachträge z. Fl. v. Niederöst., S. 251 und H. Braun, 
1. c, nicht ganz übereinstimmt. 

Var. Sendtneri [H. Braun in G. Beck, Flora v. Südbosn., Bd. 1, 
S. 130 (1887), als Art]. — B.: Zwischen Gebüsch am Abhänge 
des Trebevic, selten. 

Var. stdjglohosa (Smith) Carion, Cat. pl. Saone et Loire, p. 43 
(1859). — B.: Im Buschwerk bei Han Dervent an der Straße 
von Sarajevo nach Pale. — H.: Am Lantosa-potok bei 
Dreznica. 

Beide Stöcke nähern sich der var. Billotiana Cr6pin in 
Primit. monogr. Rosar., p. 749 (1882). 



208 



Karl Maly. 



Bosa ruhiginosa L., Mant., II, p. 564 (1771). — ß.: Verbreitet 
um Sarajevo, so bei Kosevo, im spaniolischen Friedhof bei 
Kovacic, am Kastellberg und anderwärts. 

Bosa micrantha Smith, Engl, bot., 35, PL 2490 (1812). — B.: Hier 
und da um Sarajevo: Um Miljeviöi, im Kosevotal (Fiala, 
det. R. Keller), Miljackatal, Abhänge des Trebevic u. s. w. 
Ysly. 2)olyacant]ia (Borbas) R. Keller in Asch, et Gr., 1. c., S. 122 
(1901). Griifel stärker behaart. Blattstiele meist dicht kurz- 
haarig und stärker drüsig. — Auf Weiden am Abhänge der 
Hrastova glava gegen das Miljackatal, ca. 600 m (det. V. de 
Borbas). 

Bosa agrestis Savi, Flor. Pisana, I, p. 475 (1798). Syn. : jR. sepium 
Thuill., Flor. Paris, II, p. 252 (1799). — B.: Zerstreut um 
Sarajevo: Lukavica-Sattel (V. Curcic), Miljevici, Kosevotal 
(Fiala, det. R. Keller), Kastellberg. — H.: Zvs^ischen Podoro- 
zac und Konjica. 
*Var. virguUorum (Ripart ap. D6s6gl.) R. Keller, 1. p. 125 
(1901). Blättchen oberseits glänzend. — B.: Kastellberg bei 
Sarajevo. 

Bosa tomentella Leman in Bullet, soc. Philom., p. 94 (1818). Syn.: 
B. affinis Rau, Enum. ros. Wirceb., p. 79 (1816) pr. p. 
* Var. R. Murbeckiana m. 

Ein etwa 2 m hoher Strauch in einem Zaun bei Dorf 
Jacedale am Abhänge des Trebevic^, 720 m. Äste verlängert, 
überhängend. Zweige kurz, braungrün, kahl, mit kurzen, 
hakig gekrümmten, gelbbraunen Stacheln und zuweilen auch 
vereinzelten Nadelstacheln. Blattstiele ziemlich dichtflaumig, 
mit zahlreichen kurzen Drüsenhaaren und vereinzelten oder 
mehreren stark gekrümmten oder nadeiförmigen Stacheln be- 
deckt. Blätter 5 — 7 zählig. Blättchen dicklich, etwas starr, 
kurz gestielt, mittelgroß bis fast klein (bis 30:24 mm, 
meist 24 — 28 : 19 — 20 mm), an den Gipfeltrieben groß bis 
sehr groß, 32-5 — 58 mm lang und 22 — 41 mm breit, rundlich- 
oval bis eirund, stumpf, seltener kurz zugespitzt, oberseits 
glänzend, kahl^ seltener ± deutlich behaart, unterseits mit 
hervortretendem Adernetz, am Mittelnerv deutlich, auf den 
Seitennerven und auf der Fläche schwach behaart, verkahlend, 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 209 



reg-elmäßig- auf der ganzen Fläche zerstreut stieldrüsig, auf 
den Blättclien der Gipfeltriebe auch dichtdrüsig, zusammen- 
gesetzt drüsig gesägt. Serratur often. Zähne nicht tief, fast 
rechtwinkelig abstehend^ innen ohne oder mit 1( — 2), außen 
mit (1 — )2 — 3( — 4) Drüsenzähnchen. Nebenblätter der Blüten- 
zweige breit, mit vorwärts gestreckten ührchen, unterseits 
auf den Flächen schwach behaart, verkahlend, drüsenlos, 
seltener zerstreut drüsig. Hochblätter meist laubtragend. Blüten 
zu 1 — 4 (meist 2 — 3) beisammen oder zuweilen in reich- 
blütigen Doldentrauben, die Stiele kahl, reichlich mit längeren 
und kürzeren Drüsenborsten bedeckt, kürzer bis so lang 
als die gewöhnlich nur am Grunde, seltener zerstreut drüsen- 
borstigen, kleinen, eiförmigen, scharlachroten Scheinfrüchte. 
Kelchzipfel zurückgeschlagen, am Rücken dicht kurz drüsen- 
haarig, mit lanzettlichem, drüsig-gesägtem Anhängsel und zahl- 
reichen drüsig gefransten, zuweilen eingeschnittenen Fiedern. 
Discus etwas erhaben. Griffel deutlich behaart. Blumen- 
krone klein, blaßrosa. 

Die vorstehend beschriebene, hervorragend schöne Rose, 
welche sich wohl zunächst der Bosa Tiroliensis A. Kerner in 
Österr. botan. Zeitschr., XIX, S. 331—332 anschheßt, aber 
von ihr durch eine ganze Reihe von Merkmalen verschieden 
ist, erlaube ich mir zu Ehren des um die Kenntnis der Flora 
Südbosniens und der Herzegowina hochverdienten Dr. Svante 
Murbeck, Professor der Botanik in Lund, zu benennen. 

Bosa canina L., Spec. pl.^ p. 491 (1753). 

A) Lutelianae, Crepin, Primit. monogr. rosar., p. 17 (1869), 
H. Braun in G. Beck, 1. c, S. 783. — B.: Am Trebevi6 
(Fiala, det. R. Keller). 

*Var. suhversuta H. Braun in G. Beck, 1. c, S. 784. — B.: 
Bei Dobra voda am Trebevic zwischen Buschwerk. Blättchen 
unterseits grau. Blumen einzeln, klein, blaßrosa. Schein- 
frucht breit eiförmig oder kugelig (?). 

Var. hispidula Ripart ap. Desegl. in Bullet, de la Soc. roy. de 
Bot. de Belgique, XV, p. 386 (1876). — B.: Trebevic (Fiala, 
det. R. Keller). 



210 



Karl Maly. 



Var. sphaerica Grenier in Billot, Arch. de la fl. de Franc, et 
d'Allem., p. 333 (1854); J. B. Keller in Hai. u. Braun, 
1. c., S. 312; H. Braun, 1. c. — B.: Verbreitet um Sarajevo: 
Miljackatal, Kastellberg, Kosevotal, am Trebevi6 (ca. 1050 m). 

B) Transitoriae, Crepin, 1. c; H. Braun, 1. c, S. 784. 

Var. acipliylla Bau, Enum. Ros. Wirceb., p. 69, Tab. 1 (1869). 
— B.: Kastellberg bei Sarajevo. 

*Var. intercedens [H. Braun in A. Kern er, Flora exs. Austro- 
Hung., Nr. 1264, Scliedae V, p. 6 (1888)]; H. Braun in 
G. Beck, 1. c, S. 785 (1892). — B.: Zwischen Gebüsch 
am Trebevic, ca. 1050 m. 

Var. fissidens Borbas, Primit. monogr. rosar. imp. Hungarici, 
p. 413 (1880). — B.: Auf Felsen im Miljackatal und am 
Abhänge der Hrastova glava gegen das Miljackatal. 

Beide Pflanzen nähern sich der f. acuminata H. Braun 
bei J. B. Keller in Hai. u. Braun, 1. c, S. 306 (1882). 

Var. spuria Puget in Des6g]., Mem. Soc. Acad. du Maine et 
Loire, 28, p. 109 (1873). — B.: Bergabhänge bei der weißen 
Bastion gegen das Miljackatal. Am Bergsattel zwischen 
Kovaöi6 und Lukavica. Der Strauch vom letzteren Stand- 
orte ist wohl hier einzureihen, stimmt jedoch mit keiner 
der Formen, die bisher von B. spuria beschrieben wurden, 
überein. 

C) Biserratae, Cröpin, 1. c. ; H. Braun, 1. c, S. 787. 
a. Nudae: Blütenstiele kahl. 

Als Bosa dtimalis Bechst. im Sinne R.Kellers liegen 
Exemplare vor vom Kosevotal und Biosko dolnji bei Sara- 
jevo (leg. Fiala und Curcic, det. R.Keller). Ich sam- 
melte eine nicht näher zu bestimmende, der B. innoma Rip. 
ap. Crep. und B. HanauseJciana J. B. Keller nahestehende 
Form am Hum bei Sarajevo. 

Aus dem Formenkreise der Bosa opaca Fries, 
Novit. Fl. Suec, ed. 1, p. 101 (1823), der hier besonders 
reich auftritt, erwähne ich: 
1. ? Var. opaca Fries, 1. c; vergl. H. Braun bei G. Beck, Fl. 
V. Südbosn., Bd. 1, S. 122. — B.: Zwischen Gebüsch an 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. ^11 



der Straße von Sarajevo nach Pale nächst Ilan Dervent. 
(Nr. 85.) Auffallend durch die graugTüne Ober- und die 
seegrüne bereifte Unterseite der Blättchen. Öhrchen der 
Nebenblätter groß und breit, aufrecht abstehend. Serratur 
nicht tief. Fiedern der Kelchzipfel breit, drüsig gesägt. 

2. ? Var. pseudoox)aca (H. Braun). Syn. : R. dtimalis subspec. 
psemhglaucina H. Braun in G. Beck, Fl. v. Südbosn., Bd. 1, 
S. 123 (1887), error, typ.? — B.: Ober dem Koseva -Wasser- 
fall am Bukovik. (Nr. 49.) Blättchen klein oder mittel- 
groß, unterseits am Mittelnerv #chwach drüsig oder kahl. 
Blüten blaßrosa. 

3. Var. Presliana (H. Braun). Syn.: B. dumalis subspec. 
02)aca var. Presliana H. Braun in G. Beck, 1. c, Bd. 1, 
S. 122 (1887). — It. canina ß. caesia Presl, sec. H. Braun, 
1. c. — B.: Am Abhang des Kastellberges, ca. 570 w. (Nr. 52.) 

Var. glaucina Ripart in Soc. Dauph., p. 373 (1882). — Einen 
wohl hier anzureihenden, etwa 2 m hohen, fast unbewehrten 
Strauch fand ich am Fuße des Grdonj im Norden von Sara- 
jevo. (Nr. 48.) 

Var. glcmcifolia Opiz in „Flora", V, S. 268 (1822), nach 
H. Braun ap. G. Beck, Fl. v. Niederöst., II, S. 787. — B.: 
Kastellberg, am Fuße des Hum bei Sarajevo. 

* Var. nihelliflora Ripart ap. D6s6gl. in Acad. de Maine et Loire, 
p. 109 (1861). — B.: Am Trebevi6 zwischen Buschwerk, 
etwa 1050 m. 

Var. sphaeroidea Ripart ap. Desögl., Cat. rais., Nr. 194 (1876); 
J. B. Keller in Hai. u. Braun, 1. c, S. 296. — B.: Kosevo- 
tal, Bergabhänge bei Da Riva im Miljackatal. 

*Var. Malmudariensis Lej., Fl. de Spa, I, p. 231 (1811). — 
B.: Zwischen Gebüsch an mehreren Stellen am Trebevi6, 
ca. 1050 — 1320 m. Junge Triebe zuweilen auch mit neun- 
zähligen Blättern. Nebenblätter breit, ziemlich gleichmäßig 
verbreitert, mehr oder weniger rot überlaufen. Blüten- 
stiele 1 — 4. Hochblätter am Rande kleindrüsig gefranst. 
Kelchzipfel herabgeschlagen oder etwas abstehend, am Rande 
mit zahlreichen kleinen Drüsenhaaren besetzt, am Rücken 



212 



Karl Maly. 



kahl. Fiedern und Anhängsel lanzettlich, drüsig gesägt. 

Discus etwas erhaben. Scheinfrucht ziemlich klein^ rundlich. 
Var. Podolica Tratt., Monogr. Rosar., II, p. 71 (1823), als Art. 

Syn.: B. glaucescens Besser, En. pl. Volhyn., Podol. etc., 

p. 19 (1822). — B.: Am Abhänge der Hrastova glava gegen 

das Miljackatal, etwa 600 m; zwischen Gesträuch am Trebe- 

vic, ca. 1050 m. 
* Var. gregaria H. Braun in G. Beck, Fl. v. Niederöst., II, S. 788 

(1892). — B.: Am Kastellberg bei Sarajevo, ca. 570 m. 

Blättchen matt. Kelchzipfel mit schmalen, fast ganzrandigen 

Anhängseln und Fiedern, letztere oft in verlängerte Driisen- 

borsten verwandelt. 
*Var. cladoleia Ripart ap. Cr6pin^ Prim. monogr. ros., p. 17 

(1869), nom. sol.; Des6gl., Cat. rais., Nr. 180 (1876). — 

B.: Am Trebeviö bei etwa 1040 m. 
Var. hiserrata Merat, Fl. Paris., p. 190 (1812); H. Braun in 

G. Beck, Flora v. Südbosn., Bd. 1, S. 125 (1887). — B.: 

In Hecken zwischen Miljeviöi und Lukavica, bei Lukavica 

und Svrakinoselo (hier schon von Beck gefunden). 

Vielleicht zur f. disparahilis Lucan. et Ozan. in Bull. 

Soc. Dauph., p. 328 (1881) gehörend. 

ß. Hispidae: Blütenstiele mit Stieldrüsen. 

*Var. Schotüana Springe in De Cand., Prodr., II, p. 615 
(1824). — B.: Im Buschwald bei Dobra voda am Trebeviö, 
1250 m (Nr. 21). 

Var. Transsilvanica Schur, En. pl. Transsilv., p. 202 (1866), als 
Art; f. Sarajevensis [H. Braun in G. Beck, Flora v. Südbosn., 
Bd. 1, S. 126 (1887)]. — B.: Bergabhänge im Miljackatal; 
am Abflüsse der Dobra voda-Quelle am Trebevi6. 

Die Scheinfrüchte sind kurz elhpsoidisch bis länglich, 
am Grunde verjüngt oder auch abgerundet, doch kommen 
auch Sträucher mit eiförmig-rundlichen Scheinfrüchten vor. 
Auf den Sekundärnerven der Blattunterseite finden sich zu- 
weilen einige Drüsenhaare vor. An einzelnen Fruchtstielen 
verschwinden die Drüsenhaare fast ganz, wodurch die 
f. subadenopoda Borbas in Leinbach, Deutsche botan. 



Beiträge zur Kenntnis clor Flora Bosniens und der Herzegowina. 213 



Monatsscbr., IV, S. 50 (1886), Geogr. atque cnum. pl. comit. 
Castrif., p. 281 (1887) ausgezeichnet ist. Die Blättclien sind 
mitunter auch klein oder fast klein. 

D) Scabratae, Crep., 1. c, p. 20 pr. p. — Glandulosae, Crep., 
1. c, p. 674 (1882). 
Var. nitidtda [Besser, Cat. plant, hört. Crem., Suppl. IV, p. 20 
(1815), als Art; Crepin, Prim. monogr. ros., p. 496 — 500; 
H. Braun in G. Beck, Fl. v. Niederöst., II, S. 804]. — 
B.: In Hecken am Trebeviö, ca. 1050 m. 

Bosa dtimetoriwi Thuill., Flora Paris., ed. 2, p. 250 (1799). 

A) Blättchen beiderseits mehr minder dicht behaart (Pubescentes). 

Eine der Fi. obiusifolia Desv., Journ. bot., II, p. 317 
(1809), die nach Cr6pin und R. Keller (vergl. Aschers, 
u. Gräbner, Synops., VI, p. 142) eine Varietät der R. tomen- 
tella mit einfach gezähnten Blättchen darstellt, höchst ähn- 
liche Rose fand ich an den felsigen Abhängen des Kastell- 
berges, am Draguljac beim unteren Forsthause und bei 
Dobra voda am Trebeviö. Ob sie mit ihr zusammenfällt, 
müssen weitere Untersuchungen und namentlich der Ver- 
gleich mit guten Exemplaren, die mir derzeit mangeln, 
lehren. (Nr. 8, 9, 24—27.) 

B) Blättchen unterseits auf dem Mittelnerv und den Seitennerven 

behaart, sonst kahl (Semiglabrae H. Braun). 

*Var. rivularis H. Braun et Borbäs in A. Kern er, Flora exs. 
Austro Hung., Nr. 1645, Sched. V, p. 13 (1888); H. Braun 
in Beck, Fl. v. Niederöst., II, S. 799 (1892). — B.: Am 
Kastellberg und zwischen Gebüsch im Kosevotal bei Sara- 
jevo. (Nr. 28, 77.) 

Var. semiglahra Ripart in D6s6gl., Cat. rais., Nr. 236/2 (1876). 
— B.: Ein hoher Strauch am Kastellberg. (Nr. 29.) 

Var. platyphylloides Chabert ap. Des6gl., 1. c, Nr. 239. — 
B.: Abhang des Trebeviö, Kastellberg. (Nr. 31, 36.) 

C) Blättchen unterseits nur am Mittelnerv behaart, sonst kahl 

(Decalvatae H. Braun). 
*Var. glohata D6segl., 1. c, Nr. 237. — B.: Am Trebeviö. 
(Nr. 34.) 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 15 



214 



Karl Maly. 



* Var. eulanceolata H. Braun in A. Kerner^ Flora exs. Austro- 

Hung'., Nr. 1639, Sched. V, p. 11 (1888). — B.: Auf Felsen 
im Miljackatal, am Kastellberg* und am Hum bei Sarajevo. 
(Nr. 30, 32, 33, 35, 60, 103.) 

* Var. decalvata Cr6p. ap. H. Braun in Beck, Fl. v. Niederöst., 

II, S. 800 (1892). — B.: Abhang des Kastellberges gegen 
das Miljackatal. (Nr. 106.) 

Bosa glauca Vill. bei Loisel in Desv., Journ. bot.^ II, p. 336 
(1809). — B.: Beim Koseva -Wasserfall am Bukovik und ober 
Dobra voda am Trebevi(3. (Nr. 38, 71, 72.) 

In Formen, die zur Reihe der subcanina (Christ) H. Braun 
in Beck, Fl. v. Niederöst., II, S. 782 (1892) gehören. Vergl. 
R. Keller bei Asch, et Gr., Synops., VI, p. 195. 

Bosa pendulina L., Spec. pl., p. 492 (1753). Syn.: B. alpina L., 
1. c, ed. 2, p. 703 (1762). 

Die B. pendulina-Formen des Trebeviö vs^urden bisher 
keiner eingehenderen Behandlung unterzogen, obwohl einige 
davon, bereits durch Fiala gesammelt, Robert Keller vor- 
lagen (Beiblatt zu den Botan. Jahrbüchern von A. Engler, 
XX I^ Heft 4, S. 44 — 45). Das reiche Material, welches ich 
von dieser Art seit meinem Hiersein zusammenbrachte und 
das wohl an 100 Formen zählt, bot mir die beste Gelegenheit, 
diese Lücke in der Kenntnis der bosnischen Rosen auszufüllen. 

Alle echten Alpenrosen des Trebevi6 haben oberseits 
ganz kahle (nur in der Rinne des Mittelnervs beflaumte), 
unterseits jedoch mehr oder weniger behaarte Blättchen mit 
meist offener, stets aber zusammengesetzt-drüsiger Serratur. 
Sie gehören demnach in jene Formengruppe, welche Crepin^) 
Biserratae-compositae, B) Glabriusculae nennt. Sträucher, deren 
Blättchen auf der Oberseite behaart sind, wie dies nach 
Kitaibel bei B. halsamea („foliolis supra suhpubescentihus") 
und B. adenopJiora („foliolis supra pilis adspersis") der Fall 
ist und die man wohl als „Pubescentes" von den Glabrius- 
culae unterscheiden kann, fehlen hier vollständig. Die Be- 
haarung auf der Unterseite der Blättchen schwankt hingegen 



^) Prira. monogr. ros., p. 786 — 794. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 215 

sehr stark, so daß mau bei den Glabriusculae auch Formen 
findet, bei welchen sie zuletzt nur auf den Mittelnerv und 
die Seitennerven beschränkt ist. Die dünnen Härchen sitzen 
häufig- auf einem verdickten Fuß, fallen später ab und die 
Überreste können dann leicht für Drüsen gehalten werden,^) 
weshalb es geboten scheint, die Blättchen bei stärkerer Ver- 
größerung zu untersuchen. In Bezug auf das Vorkommen 
der Stieldrüsen auf der Unterseite der Blättchen unterscheidet 
Crepin drei Fälle, die er mit den Namen Eglandulosae, 
Semiglandulosae und Glandulosae bezeichnet. Bei der Gruppe 
Glabriusculae führt er jedoch nur die Eglandulosae an, mit 
„Folioles ä nervures secondaires non glanduleuses". Vertreter 
der beiden anderen Fälle mit „Feuilles inferieures seules ä 
nervures secondaires glanduleuses" und „Toutes les feuilles 
ä nervures secondaires glanduleuses" kennt Crepin nur bei 
den kahlen Formen der Biserratae-compositae. Die Formen 
mit unterseits drüsigen Blättchen und zusammengesetzter Ser- 
ratur scheinen demnach auf die östliche, Cr 6p in weniger 
bekannte Rosenflora beschränkt zu sein. Bei den großen 
Schwankungen, welche das vorliegende Material in der Drüsen- 
bekleidung der Blättchen aufweist, läßt sich eine Scheidung 
der Formen in die genannten drei Fälle leider nicht durch- 
führen. Mit Robert Keller nehme ich nur zwei Fälle an 
und werde mich ihrer zur Trennung der Glabriusculae in 
zwei Gruppen bedienen. 

Die nachfolgende Darstellung erstreckt sich nur auf die 
auffallendsten Typen der 11. pendulina des Trebevic, da alle 
Formen ineinander übergehen, deren Schilderung daher viel 
zu weit führen würde und auch ganz nutzlos wäre. 

Biserratae-compositae, B) Glabriusculae, Cr6pin, 1. c, p. 793 
(1882). 

I. Subfoliardrüsen am Mittelnerv vorhanden, auf den Seitennerven 
fehlend oder nur vereinzelt. 
Nudae: Blütenstiele ohne Stieldrüsen. 



^) Crepin, 1. c, p. 704. 



15* 



216 



Karl Maly. 



1. Blütenzweige mit vereinzelten Nadelstacheln. Scheinfrüchte 
breitspindelig, d. h. eiförmig und an beiden Seiten ver- 
schmälert. Blütenstiele 18 — 27 mm lang. (Nr. 141, 144.) 

2. Stämmchen mit wenigen Nadelstacheln besetzt, Blüten- 
zweige wehrlos. Kelchbecher eiförmig, kahl. (Nr, 143.) 

3. Blättchen mittelgroß oder klein. Scheinfrüchte mehr oder 
weniger deutlich kreiseiförmig, glatt. Kelchzipfel kurz, 
kahl, mit fast fädlichem Anhängsel. Strauch klein, unbe- 
wehrt. (Nr. 142.) 

Diese drei Formen sind als *var. levipes (Borbäs) 
R. Keller in Asch, et Gr., Synops., VI, p. 301 (1902) an- 
zusprechen. Verschieden davon scheint die var. paucipüis 
Borbäs in Geogr. atque enum. pl. comit. Castrif., p. 325 
(1888) zu sein. 

Zwischen den Nudae und der folgenden Gruppe 
Hispidae sind zwei Rosensträucher mit teils glatten, teils 
drüsigen Blütenstielen und Scheinfrüchten einzureihen. 

4. Blättchen mittelgroß oder groß, oval bis eiförmig-länglich, 
stumpf, am Grunde abgerundet, unterseits behaart, fast 
nur am Mittelnerv und auf den Seitennerven stieldrüsig. 
Serratur offen, nicht tief, an den Blattsprossen schwach 
zusammengesetzt drüsig. Blattstiele reichdrüsig, kahl oder 
fast kahl. Nebenblätter breit, auf den Flächen kahl oder 
an den untersten Blättchen zerstreut drüsig. Von sieben 
Scheinfrüchten eines Stämmchens sind vier eiförmig, kahl 
oder arm stieldrüsig und die Blütenstiele und Kelchzipfel 
glatt; drei sind flaschenförmig, stark- oder armdrüsig, die 
Kelchzipfel glatt, die Blütenstiele drüsig oder fast glatt. 
(Nr. 137.) 

5. Blättchen mittelgroß, oval oder mehr lanzettlich, stumpf 
oder stumpflich, am Grunde meist schmal zugerundet, unter- 
seits sehr schwach, oft fast nur am Mittelnerv und auf den 
Seitennerven behaart, sehr armdrüsig. Kelchzipfel wie bei 
Nr. 4 mit schmalen, fast fädlichen Anhängseln, sich erst 
spät aufrichtend. Scheinfrüchte eirund, teilweise wie die 
Blütenstiele zerstreut drüsig, teilweise mit den Blütenstielen 
glatt. (Nr. 138.) Sonst wie Nr. 4. 



Beitrüge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. ^1'*^ 



Hispidac: Blutenstiele mit Stieldrüsen. 

+ Scheinfrüchte länglich, breit spindel- oder ± eiförmig. 

a. 6. Scheinfrüchte glatt, eirund-spindelig, die äußeren Kelch- 
zipfel am Rücken drüsig, die übrigen kahl. Blättchen 
mittelgroß, oval, unterseits behaart, verkahlend, am Mittel- 
nerv, vereinzelt auch auf den Seitennerven mit Stieldrüscn. 
Nebenblätter auf den Flächen reichdrüsig. (Nr. 148.) Diese 
Form ist mit keiner bisher beschriebenen völlig identisch. 

R. alpina ß. pubescens Koch, Synops., p. 224 (1836). Syn.: 
R.pendtdina r].praealx)ina H. Braun in B e ck, Fl. v. Niederöst., 
II, S. 775 (1892). Diese befindet sich nach Crepin im 
Herbar des Autors von den Sudeten und besitzt armdrüsige 
oder kahle^ ellipsoidisch-längliche Kelchbecher, drüsige 
Kelchzipfel, elliptische und doppelt gesägte (bei Nr. 6 
reichlich zusammengesetzt-drüsige) Blättchen. 

B. alpina ^. Norica J. B. Keller in Halacsy et Braun, Nachtr., 
S. 217 (1882), hat drüsenlose Blättchen mit tiefer Serratur, 
längliche Blütenbecher, lange, schmale und rote Kelchzipfel. 

Fl. pendulina var. M. pseudorupestris H. Braun in Beck et 
SzyszyJowicz, Plantae in itinere per Cernag., p. 89 (1888) 
hat meist vierjochige Blätter, elliptische, unterseits drüsen- 
lose, am Rande scharf und fein drüsig gesägte Blättchen 
und ellipsoidisch-längUche Scheinfrüchte. 

Fl. adenosepala f. levilagenis Borb. in Baenitz, Herb. Europ., 
1895 hat länglich-elUptische Blättchen mit schmalen, kahlen 
Nebenblättern. 

ß. Scheinfrüchte ± stieldrüsig. 

Die nun folgenden Formen glaube ich am besten als 
F. pendulina var. adenosepala [Borbäs, Prim. monogr. ros. 
imp. Hung., p. 527, 529 (1880), unter F. aljnna] bezeichnen 
zu können. Dieser Name vrurde von J. B. Keller und 
Formanek [in Formanek, Rosen des Hochgesenkes, S. 2 
(1887)] in F. pendulina f. halsamea Kit. var. suhcalva um- 
getauft. Die Autoren begründen dies damit, daß F. adeno- 
sepala die verkahlende Form der F. halsamea Kit., welcher 
Borbas irrtümlich kahle Kclchzipfel zuschreibt, darstellt 



218 



Karl Maly. 



und der Name somit irreführend ist. Da sie jedoch von 
der R. halsamea Kit. durch eine Reihe von Merkmalen, 
wie dies auch durch die Aufstellung der var. subcalva 
hervorgeht, verschieden ist, stehe ich nicht an, sie als eine 
ebensogut v^ie manche andere gekennzeichnete Form der 
R. penduUna anzusehen. Den Varietätennamen suhcolva 
J. B. Keller u. Form, kann man immerhin für die uniserraten 
Formen beibehalten. Die bereits 1809 benannte R. halsamica 
Willd., En. hört. Berol., Suppl., p. 381^ nom. sol.. Spreng., 
Neue Entdeckung, I, S. 304 (1820), die nach Crepin, 
Prim. 1. c, p. 192, Blättchen „a dents compos6es-glandu- 
leuses, glabres en dessus, a cote et nervures secondaires 
munis de quelques poils entremeles de glandes peu nom- 
breuses" hat und die von den genannten Autoren zu ihrer 
var. subcalva gezogen wird, gehört demnach zur typischen 
Varietät adenosepala Borbäs. Von der Anwendung des 
bedeutend älteren Will denow sehen Namens ist jedoch 
wegen des bereits seit langem eingebürgerten, fast gleich- 
lautenden Namens R. halsamea Kitaibel am besten ganz 
abzusehen. 

7. Scheinfrucht eirund, verkahlend. Blättchen unterseits mit 
Knötchenhaaren bedeckt, verkahlend, am Mittelnerv deut- 
lich, auf den Seitennerven zerstreut drüsig. Serratur offen. 
Nebenblätter kahl. (Nr. 157.) 

8. Scheinfrüchte eirund, am Grunde abgerundet, seltener einige 
daselbst stieldrüsig verjüngt. Blätter wie bei voriger. Ser- 
ratur der Blattsprosse etwas einfacher zusammengesetzt- 
drüsig. Nebenblätter an den untersten Blättern der Sprosse 
zerstreut drüsig, seltener am Grunde dicht und kurz flaum- 
haarig. (Nr. 145.) 

9. Scheinfrüchte eirund -spindelig oder ± eirund, am Halse 
wenig verengt. Blättchen wie bei Nr. 7, fast groß, schmäler, 
nur am Mittelnerv armdrüsig. Nebenblätter breit, mit nach 
vorne abstehenden langen Öhrchen, auf den Flächen kahl. 
Kelchzipfel kurz, sehr schmal. (Nr. 154.) 

10. Wie vorige. Blättchen mittelgroß, oberseits bereift, mit 
mehr geschlossener schmälerer Serratur. Nebenblätter an 



Beiträge zur Kenntnis der Floni Bosniens und der Herzegowina. 219 



den untersten Blättclien der Blattsprosse zuweilen arm- 
drüsig. Kelclizipfel länger, fädlicli. (Nr. 152.) 

11. Scheinfrüchte eirund-länglich. Blättchen wie bei Nr. 7. 
Nebenblätter breit, an den untersten Blättern der Sprosse 
armdrüsig, sonst glatt. (Nr. 140.) 

+ + Scheinfrüchte kugelförmig. 

12. Blättchen mittelgroß, verkehrt eirund-länglich, stumpf, am 
Grunde kurz verschmälert, unterseits verkahlend, auf den 
Seitennerven armdrüsig. Serratur vorwärts gerichtet, seicht. 
Nebenblätter etwas schmal, mit abstehend nach vorne ge- 
richteten Öhrchen, kahl^ wie die Blattstiele und Zweige ± 
dunkelrot überlaufen. Kelchzipfel drüsig, mit schmalem, 
linealischem Anhängsel. Griffel etwas hervorragend, dicht 
weißfilzig. (Nr. 11.) 

13. Blättchen zum Teile groß, mit mehr offener Serratur. 
Scheinfrüchte weniger stark (nur zerstreut) stieldrüsig. 
Sonst wie vorige. (Nr. 151.) 

14. Blättchen mittelgroß oder groß, von der Form wie bei 
Nr. 12, am Grunde kurz zugerundet. Stieldrüsen am Mittel- 
nerv und auf den Seitennerven zahlreicher, auch auf der 
Fläche vereinzelt. Serratur offen, nicht tief. Nebenblätter 
etwas breiter, grün, mit kürzeren, nach vorne abstehenden 
Öhrchen. Kelchzipfel wie die Scheinfrüchte mit vielen 
Drüsenhaaren. Anhängsel lanzettlich, verbreitert, drüsig 
gesägt. Griffelköpfchen sitzend. (Nr. 146.) 

Die Nr. 12 bis 14 dürften verkahlende Formen der 
Mosa adeno]f)hora Kit. in Schult es, Österr. Flora, ed. 2, 
II, S. 69 (1814); Kitaibel in Linnaea, 32, p. 587 (1863), 
Additamenta, p. 283 (1864), darstellen und sich zu dieser 
ähnlich wie die var. adenosepala zur B. halsamea Kit. ver- 
halten. 

+ + + Scheinfrüchte ± verkehrt eirund -kreiseiförmig. 

15. Strauch ziemlich hoch, mit bereiften jungen Zweigen und 
bereiften Blättchen. Diese groß (die größten 62 mm lang 
und 36 mm breit) bis mittelgroß, lederig, oval, stumpf, am 
Grunde d= stark abgerundet; die Blättchen der Blattsprosse 



220 



Karl Maly. 



elliptisch, am Grunde verschmälert oder abgerundet, unter 
seits am Mittelnerv deutlich, auf den Seitennerven schwach 
behaart und daselbst sehr armdrtisig, sonst kahl. Serratur 
nicht tief, offen, an den Blattsprossen schwächer zusammen- 
gesetzt-drüsig mit einzelnen einfachen Zähnen. Blattstiele 
unbewehrt, zerstreut drüsig, sonst kahl. Nebenblätter breit, 
mit kurzen, aufrecht abstehenden Öhrchen, glatt, seltener 
zerstreut drüsig. Blütenstiele etwas kurz, dicht kleindrüsig. 
Scheinfrüchte verkehrt eirund, am Grunde in den Stiel 
verschmälert^ oberwärts verdickt, am Halse eingeschnürt 
(kreiseiförmig), kahl oder sehr armdrüsig. Kelchzipfel glatt, 
kurz, mit schmallanzettlichem, ganzrandigem Anhängsel. 
(Nr. 10.) * F. turUnata m. 
16. Strauch unbewehrt, mehr als meterhoch, mit braunen Ästen 
und grünen bereiften Blütensprossen. Blättchen 5 — 9, mittel- 
groß bis groß, breit oval, stumpf, am Grunde ± stark ab- 
gerundet bis fast herzförmig oder schmal zugerundet, sich 
zuweilen mit den Rändern deckend, oberseits sattgrün, 
etwas bereift, an einzelnen Blättchen gegen die Spitze zu 
mit zerstreut stehenden Härchen, unterseits graugrün, auf 
der Fläche dünn, auf den Seitennerven und namentlich am 
Mittelnerv stärker behaart. Drüsenhaare hell, klein, auf 
dem Mittelnerv und auf den Seitennerven meist deutlich, 
auf der Fläche vereinzelt oder seltener zahlreicher, zer- 
streut. Serratur offen, nicht auffallend tief, ziemHch breit. 
Zähne einfach oder hier und da gespalten, innen drüsenlos 
oder mit 1 — 3 (4), außen mit 3 — 6 (—8) Drüsenzähnchen. 
Blattstiele unbewehrt, seltener auch mit einzelnen kleinen 
Stachelchen, reich drüsenhaarig, kahl oder an einzelnen 
Blättern sehr kurz flaumhaarig. Nebenblätter sehr breit, 
glauk, mit mäßig langen, abstehend vorwärts gerichteten 
Öhrchen, feindrüsig gewimpert, kahl, seltener etwas drüsig, 
gegen den Grund zu öfters kurzsamtig behaart. Von 11 vor- 
liegenden Blütensprossen sind neun einblütig, ein Zweig ist 
zweiblütig und einer vierblütig. Hochblätter breit eiförmig, 
stark glauk, so lang oder wenig länger als die Blütenstiele. 
Kelchblätter nach der Anthese zurückgeschlagen oder aus- 



Beiträg-e zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 221 



gebreitet, sich später erst wieder aufrichtend, ungeteilt oder 
seltener mit einzelnen linealischen Fiedern, innen und am 
Rande filzig. Anhängsel lanzettlich verbreitert, drüsig ge- 
sägt bis ganzrandig, etwas kürzer als die mittelgroßen bis 
großen Blumenblätter. Blütenstiele wie die Kelchbecher 
und Kelchzipfel reiclidrüsig oder die letzteren verkahlend. 
Kelchbecher kugelrund oder eirund-spindelig, gegen oben 
zu wenig verengt. Griffelköpfchen dicht weißfilzig. Schein- 
früchte . . . (Nr. 127.) *yar. B. Trebeviciana m. 

17. Zur vorhergehenden, nach einigen Blumenzweigen be- 
schriebenen Rose gehört jedenfalls eine zweite, welche in 
jungen Fruchtexemplaren vorliegt. Die Blütenzweige sind 
verlängert, schlänglich, die Blättchen mehr auseinander- 
gerückt und teilweise am Grunde kurz verschmälert, unter- 
seits nur am Mittelnerv und an den Seitennerven armdrüsig. 
Scheinfrüchte kreiseiförmig-kugelig. Anhängsel der Kelch- 
zipfel stark verbreitert. (Nr. 129.) 

Ii. Trebeviciana ist keiner bisher beschriebenen Form 
der R. pendulina ähnhch und daher vielleicht hybriden 
Ursprungs. 

II. SubfoHardrüsen unterseits auch auf der Fläche dr zahlreich. 
Nudae: 

18. Blättchen oval, mittelgroß, kurz gestielt, unterseits hellgrün, 
deutlich behaart, auf der Fläche zerstreut drüsig. Serratur 
offen, seicht, arm zusammengesetzt-drüsig. Blattstiele zer- 
streut drüsig, kahl oder gegen den Grund zu sehr kurzhaarig, 
etwas bewehrt. Nebenblätter ziemlich schmal, glatt oder die 
der untersten Blätter armdrüsig. Scheinfrucht eirund, ver- 
längert (16 — 19 mm lang und 10 — lO ö mm breit ), wie die 
Kelchzipfel und Blütenstiele glatt. Anhängsel der Kelchzipfel 
sehr schmal, ganzrandig. (Nr. 153.) *F. Sa/rajevense ni. 

Hispidae : 

-f- Scheinfrüchte länglich oder ± eirund. 

19. Blättchen eirund-lanzettUch oder oval, mittelgroß, unterseits 
deuthch behaart, mit farblosen (wie bei 18) Drüsenhaaren 



222 



Karl Maly. 



+ zerstreut besetzt. Serratur nicht tief, offen. Blattstiele 
dichtdrüsig, kahl, kaum bewehrt oder wehrlos. Neben- 
blätter kahl, breit, die der untersten Blätter dichtdrüsig. 
Scheinfrucht längUch. Kelchzipfel schmal, stieldrüsig. An- 
hängsel lanzettlich, wenig verbreitert, ganzrandig oder fast 
ganzrandig. (Nr. 133.) 

Schließt sich unter den beschriebenen Formen am 
meisten der var. Ehelii H. Braun in Beck, Flora v. Süd- 
bosnien, Bd. 1, S. 119 (1887) an. 

20. Stämmchen etwa 30 cm hoch, dicht mit nadeiförmigen 
Stacheln und wenigen eingemischten Drüsenborsten be- 
kleidet. Blütenzweige kurz, arm bestachelt. Blätter klein, 
länglich-oval, kurz zugerundet, stumpf, oberseits kahl, kurz 
gestielt, unterseits deutlich behaart und auf der ganzen 
Fläche dichtdrüsig. Blattstiele sehr dichtdrüsig, unbewehrt. 
Nebenblätter dichtdrüsig. Öhrchen aufrecht abstehend. 
Blumenkrone klein. Kelchzipfel kurz, mit fadenförmigen 
Anhängseln. Kelchbecher eiförmig, am Grunde verjüngt, 
wie die Blütenstiele und Kelchzipfel kurzdrüsig. Schein- 
früchte . . . (Nr. 124.) ? Var. setacea J. B. Keller ap. Wies- 
baur in Österr. botan. Zeitschr., Bd. 23, S. 393 (1883), als 
Form d) der B. Malyi a. Bosniaca J. B. Keller ap. Wies- 
bauer, 1. c. — B.: Abhänge der Kurvina gegen die Mil- 
jacka. 

+ --}- Scheinfrüchte kugelförmig. 

21. Blättchen groß, kurz gestielt^ breit oval, stumpf, am Grunde 
abgerundet, oberseits flaumig und unterseits reichlich mit 
kleinen Drüsenhaaren bedeckt. Serratur nicht tief, offen. 
Blattstiele fast kahl, dichtdrüsig, schwach bewehrt. Neben- 
blätter sehr breit, kahl, mit kurzen abstehenden Öhrchen, 
kahl. Kelchzipfel kurz, schmal, mit lanzettlichem Anhängsel. 
Blütenstiele mit kürzeren und längeren Drüsenhaaren. 
(Nr. 139.) 

22. Stamm bewehrt, Äste stachellos. Blättchen mittelgroß, 
unterseits behaart, schwach zerstreut-drüsig, bei den Blätt- 
chen der sterilen Sprosse meist nur am Mittelnerv und 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 223 



auf den Seiteniierven drüsig. Zähne vorwärts gerichtet, 
seiclit. Nebenblätter breit, kahl oder armdrüsig-, die der 
unteren Blätter der Blütensprosse dichtdrüsig. Öhrchen ± 
abstehend, ziemlich kurz. Blattstiele dicht kurzdrüsig, kahl 
oder schwach behaart, gegen den Grund zu kurz abstehend 
behaart. Kelchzipfel kurz, mit schmalen, ganzrandigen An- 
hängseln. Scheinfrüchte kugelförmig oder am Grunde ver- 
schmälert. (Nr. 134.) 
23. Ähnlich der Nr. 11. Blättchen etwas größer (mittelgroß), 
oval, stumpf, am Grunde abgerundet oder seltener kurz 
verschmälert, unterseits auf der Fläche verkahlend, deutlich 
zerstreut-drüsig. Nebenblätter breit, mit ziemlich kurzen, 
abstehenden Öhrchen, auf den Flächen kahl, die der unter- 
sten Blätter der Blütensprosse d= dichtdrüsig. Blattstiele 
zerstreut-drüsig, kahl, gegen den Grund zu dicht und 
sehr kurzhaarig. Kelchzipfel mit lanzettlichem, wenig ver- 
breitertem Anhängsel. (Nr. 15.) 

Die Formen Nr. 21 — 23 finde ich noch nirgends be- 
schrieben. Sie stellen gleichsam die korrespondierenden 
Formen der unter I, Nr. 12 — 14 beschriebenen Rosen dar. 

+ + + Scheinfrüchte flaschenförmig, 18 — 26 (22) mm 
lang. 

Stamm bewehrt, Äste mit vereinzelten, nadeiförmigen Stacheln. 
Blättchen mittelgroß, oval, am Grunde ± abgerundet, stumpf, 
unterseits behaart, auf der Fläche ± zerstreut-drüsig. Ser- 
ratur offen. Nebenblätter breit, bereift, mit aufrecht ab- 
stehenden Ohrchen, glatt oder sehr armdrüsig. Blattstiele 
kurz abstehend behaart oder kahl, reichdrüsig. Kelchzipfel 
mit spatelig verbreitertem^ ganzrandigem oder gezähntem 
Anhängsel, dichtdrüsig. (Nr. 130.) 

Eine von der nächstverwandten IL pemhdina f. longi- 
lagenaria Keller u. Formanek, Rosen des Hochgesenkes, 
S. 2 (1887), deutlich verschiedene Form. 

[Die von R. Keller in Englers Botan. Jahrb., 1. c, 
S. 44 (1896) erwähnte Eosa alpina s. pemhdina von der 
Klekovaca planina im Bez. Petrovac (leg. Fiala) gehört nach 



224 



Karl Maly. 



meinen Untersuchungen zur * var. levis (Ser. ap. DC.) R. Keller 
in Asch, et Gr., 1. c, p. 300 (1902).] 
Mosa pimpineUifolia L., Syst. nat., ed. X, p. 1062 (1759). — H.: 
Auf der Visoka glavica in der Bijela gora. 

Farn. Leguminosae. 

Gytisus Kitaihelii Vis., Flor. Balm., III, p. 269 (1852). — Novi- 
bazar: Bei Plevlje (Weisbach). 

Cytisus Äustriacus L., Spec. pL, ed. 2, p. 1042 (1763). — B.: Um 
Rusanoviö im Bez. Eogatica. 

Genistet tinctoria L., Spec. pl., p. 710 (1753). 

Var. virgata Koch in Mert. et Koch (Rohling), Deutschi. Flora, 
3. Aufl., V, S. 90 (1839). Syn.: G. elatior Koch, Taschenb., 
S. 113 (1844); Pospichal, Flora d. öst. Küstenl., II, S. 345. 
— B.: Zwischen Buschwerk: am Trebevi6, nächst Pofaliöi, 
im Miljackatal (M.), um Rusanovi6 im Bez. Rogatica (Fiala). 
Var. nervata (Kit.) m. Syn.: G. nervata Kit. ap. DC, Prodr., 
II, p. 151 (1825). — G. lasiocarpa Spach in Annal. sc. nat., 
Ser. 3, III^ p. 135 (1845); vergl. Simonkai in Österr. botau. 
Zeitschr., 1888, S. 300. — B.: Auf Wiesen um Lukavica, Ilidze 
und Vrela Bosna häufig, am Rande des Veliko polje am Igman. 

^- Sarothamnus scoparius (L.) Wimm, in Koch, Deutschi. Flora, V, 
S. 82 (1839). — B.: Kultiviert und verwildert am Trebevic, 
ca. 1050 w. 

Ononis antiquorum L., Spec. pl., ed. 2, p. 1006 (1763). — H.: An 
den Abhängen der Cvrstnica planina. 

Ononis spinescens (Ledeb.) Halacsy, Consp. Flor. Graec, I, p. 349 
(1901). Syn.: 0. liircina b) spinescens Ledeb., Flor. Rossica, 
I, p. 513 (1841). — 0. pseudo-Jiircina Schur, En. pl. Transsilv., 
p. 150 (1866). — B.: Sehr verbreitet um Sarajevo: Sara- 
jevsko polje (Ilidze^ Vrela Bosna, Dolac etc.), am Trebeviö 
und Draguljac, im Bergland nördlich von Sarajevo. 

Dürfte wohl die autumnale Form von 0. arvensis L., 
Syst., ed. X, Nr. 1 (1759) = 0. liircina Jacqu., Hort. Vindob., 
I, p. 40, Tab. 93 (1770), wenn nicht eine eigene Art darstellen. 
Die echte 0. arvensis fand ich bisher noch nicht um Sarajevo. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 225 

Trigonella meliloüis coerulea L., Spec. pL, p. 764 (1753). — B.: Weg- 
ränder im Miljackatal. 
Meäicago Ärahica L., Spec. pl., p. 780 (1753). — B.: Am Abhänge 

des Trebeviö bei Sarajevo. Schon von F. Hof mann (Üsterr. 

botan. Zeitschr., 1882, S. 112, als M. maculata Willd.) von 

Banjalnka und von Beck (Flora v. Südbosn., Bd. 1, S. 139) 

bei Sarajevo angegeben. 
Medicago orUcularis (L.) All, Flor. Pedem., I, p. 314 (1785). — 

B.: Kastellberg bei Sarajevo. 
Melilotiis x)aliister (tris) Kit. nach Schultes, Österr. Flora, ed. 2, 

II, S. 346 (1814); Kit. in DC, Prodr., II, p. 187 (1825). — 

B.: Ripa6 bei Biha6 (Curcic). 
Trifolium procunibens h.^ Spec. pl., p. 772 (1753), var. mwws Koch, 

Synops., p. 175 (1836). Syn.: T. Dalmaticum m. in diesen 

„Verhandlungen", 1893, S. 439, von Dolnja-Tuzla. — B.: Sara- 

jevsko polje: Ilidze. 
Trlfol'myn aureum Pollich, Hist. plant. Palat., II, p. 344 (1777). — 

B.: Am Stolac bei Visegrad (Curci6). 
Trifolium 2^ atens Schreb. in Sturm, Deutschi. Flora, Heft 16, Taf. 16 

(1804j. — B.: Ilidze. 
Trifolium fragiferum L., Spec. pl., p. 772 (1753). — B. : Zwischen Cazin 

und Biha6 (Fiala), Alluvialwiesen a. d. Zeljeznica bei Ilidze. 
Trifolium Dalmaticum Vis. in „Flora", XII, I. Erg., S. 21 (1829). 

— B.: Verbreitet im Sarajevsko polje, Miljacka-, Moscanica- 
und Kosevotal, auch am Trebeviö bei Sarajevo. 

Trifolium a/rvense L., Spec. pl., p. 769 (1753), var. arenivagum 
[Jord. ap. Bor., Flore du centre, ed. 3, 2, p. 153 (18 . .)]. 

— B.: Bergrücken zwischen dem Miljacka- und Moscanicatal 
bei Sarajevo. 

Trifolium angustifolium L., Spec. pl., p. 769 (1753). — H.: Suto- 
rina (V. Curöic); an der Straße von Stolac nach Ljubinje 
(Weisbach). 

Trifolium incarnatum L., Spec. pl., p. 769 (1753), var. straminenm 
[Presl, Flora Sicula, p. 20 (1826)]. — B.: Abhang des Kastell- 
berges bei Sarajevo, im Miljackatal. 

Trifolium medium [L., Flor. Suec, ed. 2, p. 558 (1761), nom. sol.] 
Huds., Fl. Angl., p. 284 (1762j. Syn.: T. flexuosum Jacqu., 



226 



Karl Maly. 



Fl. Austr., IV, p. 45, Tab. 386 (1776). — B.: Kastellberg bei 
Sarajevo. Hier auch in einer Form, welche mit der von 
Baldacci (Iter Albanicum sextum, 1898, Nr. 260) ausgege- 
benen übereinstimmt (T. Heldreichianum Hausskn.?). 
Subspec. ^se^<c?omeÄm [Hausskn. in Mitteil. d. Thür. bot. Ver., 
Bd. V, 3, S. 70 (1886), als Art] Velen., Vierter Nachtr., S. 7 
(1894). Syn.: T. Balcankum Vel. — Serbien: Strojkowatz 
(G. 1116). 

Dorycnium suffruticosum Vill., Hist. pl. Dauph., HI, p. 416 (1789). 
— H.: Sutorina (Reiser). 

Dorycnium decumbens Jord., Observ., III, p. 60, Tab. 4 (1846). — H.: 
Abhänge des Orijen (Curci6). 

Dorycnium diffusum Janka in Österr. botan. Zeitschr., Bd. 13, S. 316 
(1863). — B.: Abhänge des Stolac bei Visegrad (Curci6). 

Lotus corniculatus L., Spec. pl.. p. 775 (1753). 

a. vulgaris Koch, Synops., p. 177. — B.: Miljackatal, Bosnatal 

zwischen Zenica und Lasva (Curcic). 
ß. ciliatus Koch, 1. c. — B.: Um Sarajevo (Trebevic, Kastell- 
berg), zwischen Zenica und Lasva, bei Visegrad (Curci6), 
Gnjat planina (Reiser), Treskavica (Fiala), Idovac im Bez. 
Prozor (f. parvifolia Peterm.; Curci6). — H.: Abhänge des 
Velez bei Mostar (Curcic), Sutorina. 
y. Jdrsutus Koch, 1. c. Syn.: L. villosus Auct. pl., non Thuill., 
Fl. Paris., ed. 2, p. 387 (= L. uUginosus Schkuhr.). — B.: Zwi- 
schen Zenica und Lasva, um Sarajevo, Igman, Treskavica, 
Ivan (Fiala). — H.: Um Mostar am Velez (Curci6). 
Var. alpicolus G. Beck, Fl. v. Niederöst., S. 855 (1892). — B.: 
Osjecenica bei Petrovac (Fiala). 

Ästragalus depressus L., Diss. Cent. Plant., II, p. 29 (1756); Amoen. 
acad., IV, p. 327 (1759). — H.: Bjelasica planina im Bezirk 
Trebinje (Reiser). 

Ästragalus glycyphyllus L., Spec. pl., p. 758 (1753), f. Bosniacus 
G. Beck, Flora v. Südbosn., Bd. 2, S. 177 (1896). — B.: Mil- 
jackatal; am Udes gegenüber Starigrad bei Sarajevo; um 
Rusanovic im Bez. Rogatica (Fiala). 

Coronilla scorpioides (L.) Koch, Synops., p. 188 (1836). — H.: Suto- 
rina (Reiser). 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 227 

Coronilla vaginalis Lam., Encykl., II, p. 121 (1790). — B.: Auf der 

Trjeska in der Jahoriiia planina. 
lUppocrepis comosa L., Spec. pl., p. 744 (1753). — B.: Zwischen 

Zenica und Lasva (Curciö). — H.: Abhänge der Vuciji-zub 

(ÖuriMc). 

Vicia angnstifoUa Roth, Tent. flor. Germ., I, p. 310 (1788). — B.: 

Miljaöka- und Kosevotal bei Sarajevo. 
Vicia ondbrychioides L., Spec. pl., p. 735 (1753). — B.: Um Rusano- 

viö und Han Ljehcici (Fiala). 
Vicia temiifolia Roth, Tent. flor. Germ., I, p. 309 (1788). — B.: Mil- 

jackatal. 

Vicia incana Vill., Eist. pl. Dauph., III, p. 449 (1789). Syn.: F. Ge- 
rardi Vill, 1. c, I, p. 256, 259 (1786), sine descr., non Jacq. 
Auch der neuerdings von Murbeck und G. Beck der älteren 
Bezeichnung V. Gerardi vorgezogene Name F. incana besitzt 
bereits ein Homonym in F. incana Lam., Flore de France, II, 
p. 560 (1788), die zu F. atropurpurea Desf. gehört. — B.: Mil- 
jackatal; hier auch in Formen mit weißlichen Blüten. Am 
Bukovik bei Sarajevo (M.), am Vlasic bei Travnik (Reiser), 
auf der Treskavica (Fiala) und Zelena gora (J. Lakatos). 

Alle Formen mit mehr oder weniger seidenhaariger Be- 
kleidung, hingegen tritt oft die abstehende Behaarung des 
Stengels sehr zurück oder fehlt fast ganz. 

Mcia silvatica L., Spec. pl., p. 734 (1753). — B.: Zwischen Ge- 
büsch am Trebeviö, auch am Draguljac. 

Vicia Jiirsuta Koch, Synops., p. 191 (1836), * f . fissa (G. Fröl.) 
G. Beck, Fl. v. Niederöst., S. 878 (1892). — B.: Miljackatal 
(auch die Form mit ungeteilten Nebenblättern). 

Lathyrus aphaca L., Spec. pl., p. 729 (1753). — B.: Zwischen Zenica 
und Lasva (Curßi6); Sarajevsko polje: Ilidze. 
* f. florihtmdus [Vel. in Österr. botan. Zeitschr., Bd. 36, S. 228 
(1886), als Art]. — B.: Sarajevsko polje: Dolac. 

Lathyrus nissolia L., Spec. pl., p. 729 (1753j, a. typica m. = a. pube- 
rulus G. Beck, Fl. v. Niederöst., S. 882 (1892), S. 1329. ~ 
B.: Um Rusanovic im Bez. Rogatica (Fiala). 

Lathyrus sessilifolius [S. S., Prodr., II, p. 64, Tab. 692 (1813), unter 
Orohus] Ten., Flor. Neap. Prodr., I, p. 103 (1811—1815), var. 



228 



Karl Maly. 



coeruleus (Pant. in Österr. botan. Zeitschr., Bd. 23, S. 80 (1873), 

unter Orohus]. — B.: Hrbljina planina im Bez. Glamo6 (leg. 

Santarius; schon von Brandis daselbst gesammelt). 

Daß L. sessilifolius auch in Unteritalien vorkommt, 

scheint Nyman übersehen zu haben. 
Lathyrm Pannonicus (Jacq ) Garcke, Flora von Deutschi., 6. Aufl., 

S. 112 (1863). — B.: Zdralovac blato (Reiser); zwischen 

Zenica und Lasva (Curcic). I 
Lathyrus pratensis L., Spec. pl., p. 733 (1753), var. velutinus Lam. 

et DC, Flor, frang., V, p. 575 (1815). — B.: Am Draguljac 

(Trebeviö) bei Sarajevo. 
Lathyrus hirsutus L., Spec. pl., p. 732 (1753). — B.: Feldränder 

am Hum bei Sarajevo; bei Zgosöa nächst Kakanj-Doboj mit 

L. tuherosus L. 

Lathyrus megalanthus Steud., Nomencl. bot., II, p. 14 (1841), sine 
descr. (Fritsch), Nd^x. stenophijllus [Beck, Fl. v. Niederöst., 
S. 884 (1892)]. — B.: Am Bukovik bei Sarajevo. 

Lathyrus Silvester L., Spec. pl., p. 733 (1753). — B.: Trebevic. 

Fisum arvense L., Spec. pl., p. 727 (1753). — H.: Verwildert an 
Feldrändern am Blidinje-See, ca. 1100 m. 

Faiii. Geraniaceae, 

Geranium silvaticum L., 1. c. — H.: Bei Cemerno (Weisbach). 

Alpine Wiesen auf der Jahorina planina. 
Geranium palustre L., Amoen. acad., IV, p. 323 (1759). — B.: 

Miljaökatal. 

Geranium Pyrenaicum L., Mant., I, p. 97 (1767). — B.: Miljackatal, 

Trebevi6, Sarajevsko polje, Kosevotal etc. 
Geranium Bohemicum L., Cent, plant., II, p. 25 (1756); Amoen. 

acad., IV, p. 323 (1759). — B.: Auf dem Igman bei Ilid^e, 

ca. 1200 m, mit G. dissectum L. 

Wurde meines Wissens bisher nur von G. v. Beck bei 

Krupa a. d. Una^) im Lande gefunden. 
Geranium columhinum L., Spec. pl., p. 682 (1753). — B.: Um 

Sarajevo verbreitet. 



1) Vergl. diese „Verhandhmg-en", Jahrg. 1896, S. 267. 



Beiträge zur Keimtnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 229 



Geranium molle L., 1. c. 

P^orma tyjncmn. — H.: Um Pod Orosac an der Tresanica. — 
B.: MiljaÖkatal (det. J. Freyn). Ich führe G. molle f. ty])icum 
hier auf, da Becks G. molle vom gleichen Staudort nach 
Freyn ^) zu G. Brutium gehört. G. Knolle typicum ist übrigens 
um Sarajevo viel seltener als diese. 

* Forma süpidare [G.Kunze in „Flora", 29, S. 698 (1846), als 
Art]. Syn.: G. molle ß. grandiflorum Lange in Willk. et 
Lange, Prodr. Flor. Hisp., III, p. 528 (1880), non Vis. (1852) 
et Boiss. (1867). — B.: Miljackatal, Moscanicaschlucht, selten 
(det. J. Freyn). 

Var. Bmüimi [Gasp., Rendic. Acad. Sc. Nap., I, p. 49 (1842), als 
Art]. Syn.: G. molle ß. glandiflora Vis., Flor. Dalm., III, 
p. 212 (1852). — G. molle ß. macropetcdum Boiss., Flor. Or., 
I, p. 882 (1867). — G. molle var. majoriflorum Borbas in 
Österr. botan. Zeitschr., Bd. 40, S. 382 (1890). — B.: Miljacka- 
und Kosevotal. An ersterem Orte sammelte ich sehr stark ent- 
wickelte, 40 — 60 C7n hohe, 2 — 3jährige Stöcke (f. pingim m.). 
— Novibazar: Zeljeznicatal zwischen Prijepolje und Jabuka 
(Weisbach). 

Nach meinen Beobachtungen sind die Fruchtklappen 
bei G. molle, stijndare und Brutium am Rande bewimpert 
und die Samen eingedrückt punktiert. Bei letzterer, seltener 
auch bei den übrigen Formen, sind die Samen außerdem 
stärker oder nur an der ÖfiPnungsstelle der Fruchtklappen 
netzig-grubig. Die Zahl der Runzeln an den Fruchtblättern, 
die außerdem, da die Runzeln unregelmäßig und mit Unter- 
brechungen auftreten, schwer zu bestimmen ist, fand ich bei 
G. Brutium aus der Umgebung Sarajevos stets kleiner als 13 
(höchstens bis 10). 

Farn. Uujyhorbiaceae. 

Euplim^hia spinosa L., Spec. pL, p. 457 (1753). — H.: Bjclasica 
planina (Reiser). 



Vergl. Bull, de Therb. Boiss., VI, p. 977. 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 



16 



230 



Karl Maly. 



Eu^yhorhia Barrelieri Savi, Botan. Etrusc, I, p. 145 (1808). Syn. : 
E. Baselicis Ten., Prodr. Flor. Nap., p. 29 (1811). — H.: Mit 
Ähjssum Moellendorffianum auf Kalkfelsen zwischen Pod-Orosac 
und Konjica, ca. 320 m. Mai. 

Von der nächstverwandten var. triflora (Schott, Analecta 
bot., p. 63, als Art), die mein Vater an felsigen Stellen der 
Jesenica am Velebit bei Ostarje entdeckte und die von Schlosser 
und Vukotinovic auch auf dem Sladovac in der Nähe dieses 
Ortes aufgefunden wurde, durch stärkeren Bau, die größeren, 
4—6 strahligen Trugdolden, die gelben Drüsen und am Rande 
rauhen Blätter verschieden. Die Hörner der Drüsen sind kürzer 
als die Breite der Drüsen. Außer an den oben angeführten 
Standorten wurde E. triflora nur noch von Bornmüller in 
der Alpenregion des Velez in der Herzegowina gefunden. 

Die Varietät Thessala [Form, in Verhandl. d. naturh. Vor. 
in Brünn, Bd. 34, S. 282 (1895)^ pro subspec. E. Baselicef^ 
Ten. — E. FrivaldsJcycma Dörfl. et Deg., Iter Turcicum secun- 
dum, Nr. 336, 1893 !] scheint von der Hauptart nur wenig 
verschieden zu sein.^) 

E. Baselicis Ten., d. i. E. Barrelieri Savi wird von 
Petrovi6^) und Panci6^) auch am Sokolov vrh oder Sokolov 
Kamen, dem höchsten Gipfel der Suva planina bei Nis in 
Serbien, angegeben. Adamovi6^) führt von diesem Orte E. 
nipestris Auct. (= var. Thessala) an. 
Mercurialis ovata Sternb. et Hoppe in Denkschr. d. Regensb. botan. 
Ges., I, S. 170, Taf. 4 (1815). — B.: Mit ZwachUa auf Ser- 
pentin bei Maglaj. 

Fam. Balsaminaceae, 

Impatiens noli tangere L., Spec. pl., p. 938 (1753). — H.: In den 
Buchenwäldern am Ivan. — B. : Auf dem Igman. 

^) Vergl. Boissier in De Cand., Prodr., XV, 2, p. 165 als E. Baselicis 
ß. nipestris (Friv.). 

2) Flora agri Nissani, p. 761—762. 

^) Additameiita ad florara princ. Serbiae, p. 212. 

*) Die Yegetationsformationen Ostserbieiis in Englers Botnn. Jnhrb., 
Bd. XXVI, 8. 192 lind 208. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 231 

Faiii. 3Ialvaceae. 

Ifihisnis irlonum L., Sp. pl., p. G97 (1753). — B. : Miljaökatal, zerstreut. 

Ahelmosclius esciäentus (L.) Mönch, Meth. pl., p. 617 (1794). Syn.: 
Illhisciis esculcnius L., Spec. pl., p. 696 (1753). — B.: Ripac 
bei Bihac i^Curcic). 

Wird in Bosnien g-ebaiit, was. schon Blau, Reisen in 
Bosnien, S. 138, für Zepce und Banjaluka erwähnt. Diejiing-cn, 
fleischigen Kapseln werden mit Baiimwollfäden durchzogen 
und in Kränzen auf den Markt gebracht; sie werden von der 
niuhammedanischen Bevölkerung- in ähnlicher Weise wie unsere 
Bohnen zum Fleisch gekocht und gegessen. Der hier ge- 
bräuchlichste Name für dieses Gemüse ist „Bamiat^^ (arabisch). 
Anderwärts, z. B. in Griechenland, wird es auch „Mpamia" 
und „Ketmi" genannt. Der Preis für eine Oka i'^^l^lig) be- 
trägt gegenwärtig in der Carsija (Markt) in Sarajevo Kr. 3.20. 

A. escidentm, im Oriente Gombo, Ochro oder Okra ge- 
nannt, dürfte aus Ostindien stammen, wird aber gegenwärtig 
überall in den Tropen und wärmeren Ländern der Erde, so 
z. B. in Frankreich und Griechenland, gepflanzt. Außerhalb 
Bosniens werden auch die Blätter von den ärmeren Leuten 
genossen und die Samen als Kaffeezusatz verwendet. W^urzel 
und Blätter finden übrigens ihres schleimigen Saftes (Gom- 
bine) wegen eine ähnliche Anwendung wie Althaea officinolis 
und äußerlich zu Kataplasmen. Auch die Bastfasern sollen 
technisch verwendet werden. 

* Gossyjrmm herhaceum L., Spec. pl., p. 693 (1753). — H.: Wird 
bei Mostar und Capljina noch heute von Privatleuten gezogen. 

Althaea pallida W. K., Plant, rar. Hung-., I, p. 46, Tab. 47 (1802). 
— B.: Miljackatal. 

Althaea officinalis L., Spec. pl., p. 686 (1753), * var. micrantlia 
(Wiesb.) Beck, Fl. v. Niederöst., S. 540 (1892). — 11: AVeg- 
ränder bei Ripac im Bez. Biha6 (Fiala). 

Althaea cannahina L., Spec. pl., p. 686 (1753). — IL: Nächst 
Jablanica an der Narenta. 

Althaea hksitta L., Spec. pl., p. 687 (1753). - - V>.: P)CZ. Rogatica: 
Um Rusanovi6 (Fiala). 

16* 



232 



Karl Maly. 



Lavathera Thuringiaca L., Spec. pl., p. 691 (1753). — B.: Mos- 
(^anicatal. 

Malva silvestris L., Spec. pl.^ p. 689 (1753). 

* Var. hispidula G. Beck, Fl. v. Niederost., S. 538 (1892). — B.: 

Miljackatal. 

Var. recta (Opiz) G. Beck, 1. c. — B. : Um Lukavica bei Sarajevo 

(f. dasycarpa). 

Malva moschata L., Spec. pL, p. 690 (1753), *var. latisecta Öelak., 
Prodi". Fl. Böhm., S. 517. — B.: Bez. Sarajevo: Krizevac bei 
Ziilj (Curöiö). — IL: Bilek (leg-. Lercli ap. Boller). 

Farn. Violaceae. 

Viola alpestris DC, Prodr., I, p. 303 (1824), als Varietät. 

* Subsp. ZermaUensis Wittr., Viola Studier, I, p. 91, Tab. VI, 

Fig. 77—79 (1897). — B.: Wiesen am Trebevi6, Abhänge 
des Grdonj gegen das Kosevotal. Die letztere Pflanze ist durch 
violette obere Blumenblätter ausgezeichnet (det. W. Becker). 

Viola sepincola Jordan, Observ. plant, crit., VII, p. 8 (1849). Syn.: 
F. Austriaca A. et J. Kerner, Flora exs. Austro-Hung., Sched. I, 
p. 13, Nr. 67 (1881). — F. cyanea Celak. in Österr. botan. 
Zeitschr., XXII, S. 349 (1872). Vergl. W. Becker in Allgem. 
botan. Zeitschr., 1903. — B.: Am Kastellberg bei Sarajevo 
(M., det. W. Becker). 

Viola hirta L., Spec. pl., p. 934 (1753), lus. ^revoluta Heutf. bei 
Rchb., Flor. germ. exe, p. 705 (1832), als Art: Rchb., Icon., 
III, p. 4, Fig. 4493 (1838—1839), als var. der F. hirta, Syn.:. 
F. anibigua X liirta nach Borbas. — F hirta ß. vulgaris 
f. revoluta G. Beck, Fl. v. Niederöst., S. 511 (1892). 

Viola hirta kommt in der Umgebung Sarajevos (Mil- 
jaökatal, Trebevic, Starigrad) häufig mit einem hakigen, 
spitzen Sporn und einer stärkeren Behaarung der Blattstiele 
vor. Die erstere Erscheinung dürfte in Bosnien, der Herzego- 
w^ina und überhaupt im Süden sehr häufig auftreten, ist aber 
nach Ansicht der neueren Forscher, wie Beck, Pospichal, 
W. Becker (in litt.) u. a. nicht von Bedeutung. Sendtner 
erwähnt in seiner Reise nach Bosnien im „Ausland" auch 
eine „ F. odorata var. calcare uminata'' von der Insel Pasman. 



Beiträge zur Kenntnis der Floni Bosniens und der Ilerzei^owinn. !^33 



Viola Eiviniana Rchb., Icon. fl. Germ., I, p. 81, Fig. 202 — 203 
(1823). — E.: Am Starigrad, Mali Orlovac und auf der Glradina 
bei Sarajevo. 

Viola llornemanniana Rom. et Schult., Syst., V, p. 370 (1819). 

— B. : Grasige Abhänge des Grdonj gegen das Kosevotal bei 
Sarajevo. Im oberen Moscanicatal (bei Faletii^i). 

Farn. Lythraceae, 

Lijthritm Injssopifolia L., Spec. pl., p. 447 (1753). — B. : Auf feuchten 
Wiesen bei Dolac im Sarajevsko polje. 

Farn. Onotheraceae. 

Epilohium angnstifoUiwi L., Spec. pl., p. 347, Nr. Iß (1753). — 

B. : Am Trebevic bis 1600 m ansteigend. 
Einlohiiim JDodonaei Villars, Prosp., p. 45 (1779). — B.: Nächst 

Spahi6 han bei Visegrad (Fiala). 
Epilohium liirsidmn L., Spec. pl., p. 347 (1753) pr. p. — B.: Am 

Trebevic (auch an der Südseite, z. B. bei Blizanac), im Mil- 

jacka-, Mosöanicatal und an der Zeljeznica. 
Epilohium parvifloriim Schreb., Spicil. Lips., p. 146 (1771), unter 

Chamaenerion. — B.: Moscanica- und Miljackatal, am Trebeviö 

bis etwa 1300 m. 

Farn. Halorrhagidaceae. 

Myriophyllum spicatum L., Spec. pl., p. 992 (1753). — IL: Bei 
Trebinje (Matulid). 

Farn. JJmhellifevae, 

Physocatilus nodosus (L.) Tausch in „Flora", 17, S. 342 (1834). — 

H.: Um Ljubuski (Fiala). 
MyrrMs aurea (L.) All., Flora Pedem., II, p. 29 (1795). — 11: 

Um Rusanovi6 im Bez. Rogatica (Fiala). 
3Iyrrkis hirsuta (L. pr. p.) All., Flora Pedem., II, p. 28 (1795), var. 

glahra [Lam., EncycL, I, p. 683 (1783), unter Chaerophylltmi]. 

— Hierher gehört eine vom Herrn Prof. Erich Brandis an 
Bächen um Travnik gesammelte und mit dem mir unbekannten 
Namen ^^Chaerophyllum midum Kit." bezeichnete Pflanze. 



234 



Karl Muly. 



Myrr/iis aroniaika (L.) Spreng, in Rom. et Schult., Syst. veg., VI, 
p. 509 (1820), yaw brevijyUa [Murb., Beitr. z. Kenntnis d. Flora 
V. Südbosn., S. 117 (1891), unter Chaerophylliim aroniaticum]. 

— Myrrliis aromatica scheint um Sarajevo fast ausschließlich 
in dieser Form vorzukommen. Ich sammelte sie im Miljackatal, 
am Kastellberg, um Lukavica und an Feldrändern am Süd- 
abhange des Trebevi(^. Fiala fand sie um Rogatica. 

Myrrliis colorata (L., Mant. plant., p. 57 [1767]), Spreng., 1. 

p. 515. — H.: Sutorina (Reiser). 
Beriila angustifoUa Mert. et Koch^ Deutschi. Flora, II, S. 433 (1753). 

— B.: Sarajevsko polje: In nassen Gräben bei Ilidze und 
Vrela Bosna. 

Biqdeunm rotundifolmm L., Spec. pl., p. 236 (1753). — B. : In 
und um Sarajevo, selten (Miljackatal, Kapetanova ulica). 

Seseli varitmi Trev., Index sem. hört. Vratisl., p. 6 (1818). — B. : 
Um Rusanovic im Bez. Rogatica (Fiala). 

Äethusa cynapkim L., Spec. pl.^ p. 256 (1753). ^ — B.: Feldränder 
am Südabhang des Trebevi6. 

* Oenanthe incrassans Chaubard et Bory in Exped. scient. de Moree, 
Vol. 3, 2^ part, p. 87, PI. VIII (1832). — H.: Am Sutorina- 
flusse (Reiser), in der Dubrava bei Soviel (Fiala als 0. media). 

Der nächste mir bekannte Standort ist auf Korfu 
(C. Baenitz!). Neuerdings vrurde die Pflanze auch bei Bar 
im Distrikt Primorje (Montenegro) gefunden.^) Die Pflanze der 
Sutorina ist den mir vorliegenden Vergleichsexemplaren sehr 
ähnlich. Doldenstrahlen 6 — 8 (—13). Früchte ausgereift 4 
lang, der Fruchtstiel dick, aber ohne Schwielenring. Die var. 
angtdosa [Gris., Spicil. flor. Rumel., I, p. 354 (1843)] soll 
kürzere Früchte (1'") und ebensolange, mit einem Schwielen- 
ring versehene Fruchtstiele besitzen. Auch sollen die Blätter 
tiefer und in schmälere Zipfel geteilt sein. Bei der Pflanze 
von Sovi6i sind die Fruchtstiele an der Spitze etwas verdickt. 

Oemmtlte pimpinelloides L., Spec. pL, p. 255 (1753). — B.: Oberes 
Kosevotal [var. cliaerophylloides Pourr., Mem. Acad. Toul., III, 

^) Siehe Rohlena in Sitzungsber. der kgl. böhm, Ges. der Wissensch., 
1902, XXXII, p. 22. 



Beiträi*'e zur Kenntnis der Flora Bosniens und der IIerze^'o\vin;i. 235 

p. 323 (1788) =^ fijpica ni.] und nächst Svrakinoselo und 
Lukavica bei Sarajevo. An letzteren Standorten auch in der 
var. rapacea Koch, Syn., ed. 1, p. 293 (1836). 

Angelica silvestris L., Spec. pl., p. 251 (1753). — B.: Am Ufer 
eines Baches am Kastellberg* bei Sarajevo. 

HeradcHm Sünricnm h.^ Spec. pl., p. 249 (1753). — B.: Verbreitet 
um Sarajevo: Im Miljackatal, am Trebevic bis 1600 7^^, in 
türkischen Friedhöfen von Sarajevo u. s. w. 

Was die Blütenfarbe betrifft, findet man Pflanzen mit 
schmutzig- dunkelpurpurnen Blumenblättern am häufigsten, 
dann solche mit grünlichen und rot gesäumten oder ganz 
grünlichen, viel seltener auch Blüten mit weißlichen, rot ge- 
ränderten Blumenblättern, endlich auch solche mit weißlichen 
Blumenblättern und rötlichen Nerven. Prof. Sagorski ver- 
mutet (brieflich), daß //. spliondyliuni in Bosnien und der 
Herzegowina fehlt und durch H. Sihirmmi, das er auch um 
Nevesinje häufig fand, vertreten wird. 

Tordylmm maximtim L., Spec. pl., p. 240 (1753). — B.: Kosevo-, 
Miljacka-, Mosöanicatal und Kastellberg bei Sarajevo. 

Laserpicmm latifolium L., Spec. pl., p. 248 (1753), var. asper um Crantz, 
Stirp. Austr., III, p. 54 (1767). — B.: Am Bukovik bei Sarajevo. 

Laserpicium marginaUim W. K., Plant, rar. Hung., II, p. 210, Tab. 192 
(1805). 

a) genuinum Rchb. fil., Deutschi. Flora, XXI, S. 93, Taf. 146 
(1867). — B.: Auf der Treskavica (Fiala). 

aa) scahrosum Rchb. fil., 1. c. — B.: Am Bukovik bei Sarajevo. 
Die bosnischen Pflanzen sind größer und stärker ent- 
wickelt als jene des Mt. Maggiore (in Istrien) und von 
Krain^) und die Doldenstrahlen zahlreicher (11 — 21). An zwei 
Stöcken vom Trebevic sind überdies die unteren Stengelblättcr 
länglich, grob gesägt, sehr spitz und die Früchte hellbraun 
YRY. L. Bosniaciini m.). Entgegen den Angaben Reichen- 
bachs fil., 1. c.^) und Wohlfahrts,^) die auf der Fugenseite 



^) Vergl. Pospichal, Flora des österr. Küstenlandes, 2, S. 199. 

^) Siehe ancli die Abbildung in den Icones flor. Germ., Vol. 21, Tab. 14G. 

3) In Kochs Synopsis, 3. Ausg\, Bd. 2, S. 1128. 



236 



Karl Maly. 



der Mericarpien vier Striemen (Ölgänge) angeben, konnte ich 
stets nur zwei finden. Auch die übrigen Unterscheidungs- 
merkmale zwischen L. latifoUum und L. marginatum, welche 
Wohlfahrt bezüglich des Fruchtbaues anführt, kann ich 
nicht bestätigen. An Mißbildungen fand ich ein Mericarp 
mit sechs Haupt-, fünf geflügelten Nebenrippen und sieben 
Ölgängen, ferner ein Exemplar, bei welchem die Blattsubstanz 
der Blättchen in den Stiel herablief, so daß die Blättchenstiele 
auf einer Seite zum Teil geflügelt waren. 

Subclassis Metach lamydeae A. Engler, 

Die natürlichen Pflanzenfamilien, Nachtr. zum II.— IV. Teil, S. 353 (1897). — 
Sympetalae Rchb. in Mossl., Handb. d. Gewächskiinde, ed. 2, I, S. 30 (1827). 

Faiu. JPrimulaceae, 

Lysimachia vulgaris L.^ Spec. pl., p. 146 (1753). — B.: Um Luka- 

vica bei Sarajevo, bei Ilid^e. 
Lysimachia nummularia L., 1. c, p. 148 (1753). — B.: Auf Brachen 

nächst Svrakinoselo und am Trebeviö. 
ÄnagalUs arvensis L., Spec. pl., p. 148 (1753). 

a. phoenicea Scop., Flor. Carn., ed. 2, I, p. 139 (1772), als Art. 

— Die vorherrschende Form in der Umgebung von Sarajevo. 
ß. coerulea Schreb., Spicil. Flor. Lips., p. 5 (1771), als Art. — 

H.: Bei Konjica. 

Farn. Gentianaceae, 

Gentiana pneiimoncmthe L. Vergl. Wiss. Mitt. Bosn., VII, S. 535. 

— Kommt außer in der Umgebung des unteren Forsthauses 
auch am alten Weg nach Dobra voda am Trebeviö, ca. 1000 
bis 1270 m, vor; an beiden Orten stets in Gesellschaft von 
Calluna vulgaris (L.). 

Gentiana Carpathica Wettst. in Österr. botan. Zeitschr., XLII, 1892, 
S. 4, *f. alhiflora m. — B.: Wiesen am Trebeviö, sehr selten. 

Fanic Apocynaceae. 

Vinca minor L., Spec. pl., p. 209 (1753). — B.: Bez. Brcka: Bei 
Rahic (J. Lakatos). 



Beiträge zur Kenntnis (Un- Floni Bosniens und der Herzegowina. 237 



Faiii. Asclepiadaceae. 

Cifnanclnnn vincetoxicum Pers., Synops., I, p. 274 (1805). — B. : 
Miljackatal, Dragiiljac ( Trebevic^); am letzteren Standort auch 
die f. corcJation Kroker. 
ß. nivale (Boiss. et Heldr., Diagn., S6r. I, 7, p. 20 [1846], pro 
spec.). — H.: Aufstieg zum Vuciji-zub (Curciö). 

Farn. Convolvulaceae. 

* Volvulus silvatic'iis (W. K.) m. Syn.: Convolvidus silvaücus W. K., 
Plant, rar. Hung., III, p. 290, Tab. 261 (1812); Neilr., 
Diagnos. . . ., p. 85. — B.: Im Kalksteingerölle am Abhänge 
des Trebevi6 gegen Sarajevo, ca. 900 m. An Böschungen im 
Miljaökatal, ca. 570 m. 

In neueren Werken, wie z. B. in Englers Natürlichen 
Pflanzenfamilien, Teil IV, Abt. 3 a, S. 36, wird diese Pflanze 
als Blattformvarietät zu Calystegia sepkim gezogen. Dem 
gegenüber ist hervorzuheben, daß sich Volvulus silvatictis von 
dieser Pflanze hauptsächlich durch die eirunden, weit ab- 
gerundeten, stumpfen Vorblätter und die großen Blumen- 
kronen schon auf dem ersten Blick leicht unterscheiden läßt. 
Diese Verhältnisse sind in Rchb.^ Icones flor. Germ., Vol. XVIII, 
Tab. 140, Fig. I sehr deutlich dargestellt. Man vergleiche 
überdies auch die Beschreibung der Pflanze bei Pospichal, 
Flora des österr. Küstenlandes, S. 490 — 491. 

Farn. Borraginaceae, 

Asper ugo procimibens L., Spec. pl., p. 138 (1753). — B.: Am Stari- 

grad bei Sarajevo (Curcic), Miljackatal. 
Cynoglossum. — Die Formen der Gattung Cynoglossum, welche im 

Florengebiet Österreich-Ungarns und Bosniens vorkommen, 

kann man wie folgt einteilen: 

Klausen an der Außenfläche vertieft und berandet (Margi- 
natae). 
Wickel beblättert. 

Hierher C. paucisetum Borb. in österr. botan. Zeitschr., 
XVIII, S. 44 (1888), vom Büdös in Siebenbürgen. 



238 



Karl Maly. 



Wickel unbeblättert, höchstens die untersten 1— 2(— 6) Blüten- 
stiele mit Deckblättern. 
Blätter schmallanzettlich. Blütenstiele nach der Anthese 
auswärts gebogen, nie nickend. Kelchzipfel so lang 
als die hell purpurrote, 3 — 4 mm breite Blumen- 
krone. Klausen bis 1 cm breit, zwischen den wider- 
hakigen Weichstacheln mit kleinen Höckerchen 

besetzt C. Cohimnae Ten. 

Blätter elliptisch-lanzettlich. Blütenstiele nach der An- 
these nickend. Kelchzipfel kürzer als die trüb 
dunkelrote, selten weiße, etwa 6 mm breite Blumen- 
krone. Klausen etwa 4 — 7 mm breit, auf der ver- 
tieften Außenfläche spärlich bewehrt, ohne da- 
zwischen stehende Höckerchen . G. officinale L. 
Klausen an der Außenfläche nicht deuthch vertieft, daher auch 
nicht berandet (Immarginatae). 
Blumenkrone sehr groß (8 — 15 mm im Durchmesser). 

Hierher C. Creticum Mill. (und das bulgarische C. 
rotatum VeL). 
Blumenkrone kleiner. 

Blätter beiderseits ± steifhaarig, die Haare meist auf 
Knötchen sitzend. 
Klausen weichstachlig, ohne Höckerchen: 

C. Haenkei Schult. 
Klausen weichstachlig^ mit dazwischen stehenden 

Höckerchen G. Velehiticum Borbds 

Blätter oberseits ziemlich kahl, fast glänzend, unterseits 
von zerstreuten Knötchenhaaren rauh: 

G. Germanicum Jacqu. {G. montanum Lam.). 
Gynoglossum officinale L., Spec. pl., p. 134 (1753). — B.: Miljacka- 
tal (schon von Formänek angegeben), bei Svrakinoselo, am 
Hum im Sarajevsko polje (M.), im Bosnatal bei Zenica, nächst 
Ribic bei Bihac. Bei den Pflanzen vom Sarajevsko polje sind 
die Wickel ziemUch stark extraaxillar beblättert (bis zu sechs 
Blättchen). 

Gynoglossum Haenkei Schult., Österr. Flora, ed. 2, I, S. 361 (1814), 
nach Borbäs, Balaton floraja, p. 374. Syn. : G. Hungaricum 



Bcitiä^'c zur Kciuituis der Floni Bosniens und der Jk'rzeg'owina. 1^39 



Simonk., Termcsz. fiiz., II, p. 151 (1878), IX, p. 27 (1885). — 
B.: Miljaekatal (^liier schon von Murbeck gefunden), am 
Grdonj bei Sarajevo^ am Trebevic bis zur Spitze, ca. 1600 ni. 
Ci/no<ßossiim Velehiücum Borbas^ Herb. — Kroat.: In silvis ad 
Brussani (Borbas, 1881). 

Zwei Stücke von dieser Pflanze, die im System zunächst 
dem C. HaenJiel und C. Bioscorldis Vill. zu stellen ist, verdanke 
ich der Liebenswürdigkeit ihres Entdeckers. In erster Linie 
ist sie ausgezeichnet durch die Gestalt und die Bewehrung 
der Klausen mit widerhakigen Stacheln und dazwischen 
stehenden kleinen Höckerchen. Der verhältnismäßig dünne 
Stengel ist schwach behaart, ebenso sind die Blätter beider- 
seits nur mäßig mit auf Knötchen sitzenden Haaren bedeckt, 
was wohl auf den Standort zurückzuführen sein dürfte. Die 
Grundblätter fehlen, die unteren Stengelblätter sind eiförmig, 
in den kurzen geflügelten Stiel verschmälert, die mittleren 
länghch, spitz oder stumpflich, mit halbumfassendem, herz- 
förmig verbreitertem Grund sitzend, die obersten gegen die 
Spitze zu verschmälert. Der Blust ist anliegend behaart, locker- 
blütig, die Fruchtstiele stark auswärts gebogen, die Klausen 
etwas kleiner und mehr konvex als bei G. HaenJcei. Die 
Fruchtstiele etwa so lang als die eiförmigen, stumpfen Kelch- 
zipfel. Blumen fehlend. 

In der Sutorina (Herzegowina) fand Herr Kustos Reiser 
im Jahre 1896 ein Cynoglossum, welches nach meiner An- 
sicht nur hierher gehören kann, das aber im Gegensatz zur 
vorigen Pflanze, die im Waldesschatten gewachsen sein dürfte, 
eine Form sonniger Plätze darstellt. Der Stengel und die 
Blätter sind dicht, fast weichsamtig behaart, die Knötchen 
am Grunde der Haare fast verschwindend klein, die Frucht- 
stiele herabgebogen, etwas länger (172nial so lang als die 
eiförmig-länglichen, stumpfen Kelchzipfel). Kelchzipfel länger 
als die Frucht. Die Klausen sind mit sehr zahlreichen kleinen 
Höckerchen untermischt. 
Cynoglossum Alhamcum Deg. et Baldacci in Revista coli. bot. fatta 
nel 1896 in Albania, p. 80 (1898/9 j ist nach untersuchten 
Originalpflanzen ob der langcxserten, eiförmig-stumpfen Staub- 



240 



Karl Maly. 



blätter wie C. apenninum L. bei Solenanthus unterzubringen. 
Den Autoren lagen bekanntlich keine Blüten zur Beschrei- 
bung vor. 

Onosma stellulatmn W. K., Descr. et icon. plant, rar. Hung., II, 
p. 189, Tab. 173 (1805). — *Var. Velenovskyi m. Syn.: 
0. Velenovskyi m. in Sched. 

„Dense ramosum, foUosum, f'oliis lineari-elongati-suh- 
acutatis, setis tuherculi insidentihus adpressis, racemo simplico 
vel pamm diviso, calycis laciniis corollem dimidlam subsuper- 
antihus, hracteis calyces adaequantibus, corolla lutea apice pamm 
dilatata et hmnnea, omnio glahra." (Vel. in Sched.) 

Nach Velenovsky eine Parallelrasse von 0. Bulgaricum 
Vel.,^) welches nur durch „corollam apicem non hrunneam et 
hie tantum puberulam, hracteis longiorihus et diverse st/rigoni, 
caule densius foliosum'^ davon abweicht. — B.: Wände der Go- 
lica (1698 m), auf der Gola Jahorina planina. Juni (leg. Fiala). 

Nach Pflanzen, die ich heuer von dort erhielt, sind die 
Korollenzipfel wie überhaupt die ganze Blumenkrone gelb 
gefärbt. Die braune Farbe, die Velenovsk>^ als eines der 
Unterscheidungsmerkmale angibt, ist also nur zufälhg durch 
das Trocknen bedingt. 

Onosma ecMoides L., Spec. pl., ed. 2, p. 196 (1762). — H.: Kalk- 
felsen um Konjica. 

Onosma arenarium W. K., 1. c, III, p. 308, Tab. 279 (1812), *var. 
Äusiriacum G. Beck in diesen „Verhandlungen", Bd. XLI, 
S. 641 (1891), Fl. V. Niederöst., Bd. 2, S. 974; Baumgartner 
in der Österr. botan. Zeitschr., 1894, S. 76. — H.: Ramatal 
(Dir. Karaman). 

Die Pflanze stimmt mit den Originalexemplaren in 
Dörflers Herb, norm., Nr. 3434 gut überein. 

Cerinihe minor L., Spec. pl., p. 137 (1753). 

* Forma notata m. (0. minor ß. maculaia DC, Prodr., X, p. 3, 
nicht L. — C. maculata W. K.) Blumenkrone am Schlund 
mit fünf sehr kleinen Flecken versehen. Zu vergleichen wäre 
C. ciliaris DC, 1. c. — B.: In Feldern am Hum bei Sarajevo. 

1) In Zolästni otisk z Vestnika . . . (1890), Flora Bulg., p. 398. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 241 

*Yar. indigotisans Borbds, Pflanzenbiolog. Mitteil., S. 9 (1899) 
(= C. macidafa M. B.). Diese Varietät hat fünf violette, 

^ zusammenfließende Makeln am Schlünde der Blumenkrone. 

■ — H.: Am Stolac bei Mostar (Curöic). 

P Haldcsya Sendtneri (Boiss.) Dörfler in Herb, norm., Sched. ad Cent. 
XLIV, p. 103 (1902), Nr. 4364. Syn.: IIoltMa aurea Sendtner 
im „Ausland", Stuttgart (1848), S. 424, nicht Boiss. — 
Zwaclihla Kummer et Sendtner, 1. c, S. 586, nom. sol., nicht 
Körb er, der schon früher (1855) zu Ehren des Lichenologen 
Zwackh eine Flechteng-attung benannte. — Moltkia Sendtneri 
Boiss., Diagn., Ser. II, 3, p. 138 (1856). — Zivachliia aurea 
Sendtner in litt., Rchb., Icon. flor. germ., XVIII, p. 65, 
Tab. 115, Fig. II (1858). — Mertensia Sendtneri Janka, 
Österr. botan. Zeitschr., IX, S. 314 (1859). — Mertensia Ser- 
hica Janka, 1. c. — Zivackhia Sendtneri K. Maly bei Dörfler, 
1. c. Vergl. J. Dörfler: ^^Haldcsya, eine interessante Phanero- 
gamengattung der Flora Bosniens" in der Allgem. bot. Zeitschr., 
IX, S. 46—47 (1903). — Wurde von mir am klassischen 
Standorte, d. i. auf Serpentinfelsen am linken Ufer der Bosna 
nördHch von Maglaj (190 m), wo sie Sendtner am 24. April 
1847 entdeckte, wiedergefunden. 
LitJiospermum purpureo-coendeum L., Spec. pl., p. 132 (1753). — 
B. : Bei den Bosnaquellen. — H.: Zwischen Gebüsch bei 
Pod Orosac an der Tresanica. Mai. 
Myosotls sparsiflora Mikan in Hoppe, Taschenb., S. 74 (1807). — 
B.: Starigrad (Curcic^); Bergabhänge bei Maglaj. Abhänge 
des Trebevic (selten). 
Myosotis suaveolens W. K. in Willd., En. hört. Berol., I^ p. 170 
(1809), nicht Poir. — B.: Mit ZivacMiia auf Serpentin bei 
Maglaj. Auf der Gradina bei Sarajevo. 
Myosotis palustris L., Spec. pl., p. 131, pro var. (1753), var. strigu- 
losa Rchb. in Sturm, Deutschi. Flora, Heft 42, Taf. 4 (1822). 
— B.: Oberes Kose votal bei Sarajevo; Trebevic, Mos6anicatal, 
an Bächen bei Lukavica u. s. w. 
Myosotis Msxnda Schlecht, pat. in Mag. naturf. Freunde Berlin, 
Vin, S. 230 (1817). — B.: Am Starigrad bei Sarajevo (Curcicj. 



242 



Karl Maly. 



Farn. Lahiatae, 

Äjuga Genevensis L., Spec. pl., p. 561 (1753). Filamente mit 

längeren einfachen und kürzeren Drtisenhaaren bekleidet. 

Rosettenblätter vorbanden, lang. Deckblätter bei einigen 

Stöcken länger, bei den anderen etwas kürzer als die Blüte. 

— B.: Bez. Sarajevo: Krisevac bei Zulj (Curöi6). 
Teuer mm scordium L., Spec. pl., p. 565 (1753). — B.: In feuchten 

Gräben um Ilidze. 
Teucrmm hotrys L., Spec. pl.^ p. 562 (1753). — B.: In Feldern 

bei Kakanj Doboj und Zgosöa. — H. : Dragatal bei Drejinica. 
Teucrmm Ärduini L., Mant., I, p. 81 (1767). — H.: Dragatal bei 

Dreznica. 

Scutellaria galericulata L., Spec. pl., p. 599 (1753). — B.: Feuchte 

Gräben bei Ilidze und Vrela Bosna. 
Scutellaria cdtissima L., Spec. pl., p. 600 (1753). — B.: Auf der 

Bijelevica bei Zgos6a. Zwischen Bugojno und Kupres, beim 

Skakavac -Wasserfall nächst Sarajevo (Weisbach), am Stolac 

bei Visegrad (Curci6), Ilidze, Vrela Bosna. 
Marruhium candidissimtim L., Spec. pl., p. 583 (1753). — B.: Am 

Draguljac (Trebevi^) bei Sarajevo, bei 1100 m. 
Leonturus cardiaca L., Spec. pl., p. 584 (1753). — B.: Am Trebevic 

bis ca. 1100 m, Zeljeznicatal, bei Trnovo, Ilidze, Vrela Bosna. 
Nepeta Pannonica L., Spec. pl., p. 570 (1753). — H.: Bei Ivan 

Dolac am Blidinje-See, ca. 1200 m. 
Nepeta cataria L., 1. c. — B. : Mos^anicaschlucht, Miljackatal und 

an der Nord- und Südseite des Trebevi6. 
Nepeta hederacea (L.) Trev., Prosp. Flor. Eug., p. 26 (1842), ß.parvi- 

flora [Benth., Lab. gen. et spec, p. 485 (1832—1836)]. — B.: 

Butmir bei Sarajevo (Curöi6). 

Im Lande wäre noch nach der interessanten N. Serhica 

[Hai. et Wettst. in diesen „Verhandlungen", XXXVIII, S. 71 

(1888), unter Glechomci] sowie nach dem Bastard N. Pannonica 

(hederacea X rigida) Borb. in Termesz. Közl., p. 378 (1897) 

zu suchen. 

Brunella grandiflora L., Spec. pl., p. 600 (1753)^ pro var. -— B.: Um 
Visegrad ( Curcic),aniVeliki Zep beiVlasenica, 1530 w (Reiser). 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 243 

Brunella laciniofa L., 1. c. Syn.: Frunella alba Pallas ap. M. B., 
Flor. Taiiric. Caiicas., II, p. 67 (1808). — B.: Am Stolac bei 
Visegrad (Curciö), um Rusanovic* (Fiala). 
Var. snhinfegra Hamilt. in Seriiig-e, Bullet, bot., I, p. 160 (1830)^ 
= var. integerrima Beck, Flora v. Stidbosn., Bd. 1, S. 164. 
— B.: Miljaöka- und Kosevotal bei Sarajevo. 

'■■ Ihioiclla rariahilis (grandiflora X laciniata) G. v. Beck in diesen 
„Verhandlungen", Bd. XXXII, S. 185 (1882). — B.: Abhänge 
des Stolac bei Visegrad, mit B. laciniata L. (Curöi('^). 

Die Pflanze vom Stolac entspricht vollkommen der Be- 
schreibung und den mir vorliegenden Vergleichsexemplaren. 
Der Name B. hicolor G. v. Beck, den Stapf in der Flora 
exsicc. Austro-Hung., Nr. 1419, Briquet u. a. für die Formen- 
reihe der Verbindung B. grandiflora X laciniata anwenden, 
ist bereits vergeben ;i) es muß daher, so lange der zunächst 
in Betracht kommende Name B. dissecta Wenderr. ^) nicht auf- 
geklärt ist, die Bezeichnung B. Bohemica Podpßra^) benützt 
werden. 

Brunella pinnatifida Pers., Syn. pl., II, p. 137 (1807), nach G. v. 
Beck; nicht Schleicher, Cat. pl. Helv., p. 21 (1807), als 
Var. d. B. grandiflora. Die Pflanze Schleichers gehört nach 
Briquet, Lab. d. Alp. marit., p. 201, zu B. grandifolia X laci- 
niata. Syn.: B. vulgaris X laciniata G. Beck in diesen „Ver- 
handlungen", Bd. XXXII, S. 187 (1882). — B. mixta m. in 
sched. — B.: Am Hum und Trebevi6 bei Sarajevo. 

Galeopsis intermedia Y\\\.^ Prosp., p. 21 (1779). — H. : Feldränder 
bei Ivan Dolac am Blidinje-See, ca. 1200 m. Um Konjica. 

Lamium maculatum L., Spec. pl., p. 579 (1753). 

■•^ Var. foliosum [Crantz, Stirp. austr., 4, p. 258 (1769), als Art] 
G. Beck, Fl. v. Niederöst., S. 1019, falls es mit L. rugosum 
Ait. und nicht mit L. alhum L., wie Briquet (1. c, II, p. 312) 
meint, zusammenfällt. — B.: Verbreitet im Miljackatale ])ei 
Sarajevo. 

^) B. hicolor Noronha in Verh. Batav. Gen., V, ed. 1, Art. 4, S. 8 (1790). 
2) Bemerk, über neue Pflanzen, S. 49 (1831). 
^) In: Allgeni. bot. Zeitschr., 1899, S. 92. 



244 



Karl Maly. 



* Var. rubrum [Wallr., Sclied. crit., I, p. 300 (1822)]. Vergl. Bri- 
quet, 1. c. — B.: Unter voriger. — H.: Auf der Lisin bei 
Ivan. 

Lamium purpureum L., Spec. pl., p. 579 (1753). — B.: Weiß blü- 
hend am Kastellberg bei Sarajevo. 

Ballote foetida Lam., Plor. franc., II, p. 381 (1779). Vergl. Ascher- 
son, Flora d. nordostdeutschen Flachlandes, S. 606. — B.: Mil- 
jacka- und Moscanicatal bei Sarajevo. 
Var. horealis Schweigger ap. Rchb., Icon. pl. crit., VIII, p. 30, 
Tab. 776 (1830). Diese Form besitzt gänzlich abgerundete 
Kelchzipfel, fast ohne Stachelspitze. Blattform wie sie Rchb., 
1. c, beschreibt. — Serbien: Leskovac (Ilic). 

Stachys Italicus^) Miller, Gard. dict., ed. 8, Nr. 3 (1768). Syn.: St. 
salviaefoUa Ten., Pr. Fl. Nap., p. XXXIV; Fl. neap., II, p. 25 
(1820). — H.: Sutorina (Reiser). 

Stachys paluster L., Spec. pl., p. 580 (1753). ~ B.: In Feldern am 
Hum bei Sarajevo, bei Zgosca. 

Stachys silvaticus L., Spec. pl, p. 580 (1753). — B.: Am Trebevi6, 
im Miljacka-, Mosöanica- und Zeljeznicatal. 

Stachys suhcrenatus YiB. in „Flora'', Bd. 12, I, S. 15 (1829). 

a. typicus Borbäs, Symbolae ad floiv aestiv. ins. Arbe etc., p. 37 
(1877). Stengel ausgebreitet, aufsteigend, wie die breiteren 
Blätter (nach Briquet, Lab. d. Alp. marit., II, p. 258, 1*5 — 3 X 
0-5 — 1*5 cm) von glänzenden Haaren bedeckt. — H.: Draga- 
tal bei Dreznica, ca. 1060 auf der Cvrstnica noch bei 1600 
bis 1700 m. — Formen: 

1. Illyricus m. (St. rectus subsp. suhcrenatus a. lllyricus m.). 
Syn.: St. subcrenata var. angustifoUa Yis.^ 1. c. Blätter läng- 
lich-linealisch. 

2. Hercegovinus m. {St. rectus subsp. suhcrenatus ß. Hercego- 
vinus m.). Blätter wie bei voriger. Blüten und Kelche sehr 
groß, letztere mit zahlreichen längeren Drüsenhaaren ^) besetzt. 

^) Der Name Stachys ist nach Ascherson Masculini generis. 

2) Bei den Formen der Gesamtart Stachys rectus, zu welchen ich der- 
zeit als Unterarten St. nitidus Janka, ^S'^. suhcrenatus Vis., St. eu-rectus m. (St. 
rectus L.) und St. labiosus Bert, emend. zähle, hat man in Beziehung anf die 
Bekleidung der Kelche mit Driisenhaaren drei Fälle zu unterscheiden, was 



Beitrüge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 245 



H.: Am Vele'2, ca. liOO m (G. v. Beck, Plant. Bosniae 
et Hercegovinae, Ser. II, Nr. 212, als var. angustifoUa Vis.), 
Zaba planina (Brandis). 

Zu a. typicus gehört wohl auch als Form 3 eriostayus 
A. Kern. ap. Borbas, 1. c, p. 38 (1877). 
ß. fraglUs Vis.,i) 1. c, p. 14 (1829), als Art; Flora Dalm., II, p. 208 
(1847) {^St. rechis subsp. suhcrenatus ß. fracjUis m.). Stengel 
aufrecht oder aufsteigend, unten reich verästelt. Kahl oder 
verkahlend. Blätter nach Briquet, 1. c, 2'5— 4 X 0-2 — 0-8 m, 
die der Äste sehr schmal. Serratur fast 0. — Formen: 

1. Baldaccü m. = St. fraglUs Baldacci, Iter Albanicum sextum, 
Nr. 93 (1898); Contrib., p. 37 (1900). 

Kelche rauhhaarig und mit zahlreichen längeren Drüsen- 
haaren bedeckt. — Montenegro: In rupestribus ad Tudjemili, 
distr. Primorje. — Weiters gehören als Formen hierher: 

2. PJioäopem [Vel., Flor. Bulg., p. 456 (1891)] und 

3. Vmami [Briquet, L c, p. 257 und 259 (1893)]. 

Staclnjs lahiosus Bertol., Flora ItaHca, VI, p. 166 (1844), emend. 
Forma Beuten m. Syn.: St. Beuten C. Schröter in Archiv des 
sc. phys. et nat.. Vol. XXII, p. 394 (1889). — St. oUongifoUa 
Reuter in Bull. soc. Haller. de Geneve, IV, p. 143 (1856), nom. 
sol., nicht Wallich (Benth.). 

Die vegetativen Teile und der Kelch rauhhaarig, der 
Blutenstand in allen Teilen und selbst die Außenseite der 
Blumenkronen-Oberlippe außerdem ± mit längeren Drüsen- 
haaren bekleidet. Blätter länglich-oval, stumpflich oder 
stumpf, am Grunde keilig verschmälert, die unteren kurz ge- 
stielt, fast abgerundet. Kelch zweilippig, 7*5 — 10*5 mm lang, 
außen mit längeren und kürzeren Drüsenhaaren und ein- 
fachen Gliederhaaren bedeckt, in den abgerundeten Buchten 

bisher übersehen wnrde. Erstens mikroskopisch kleine, fast sitzende (typiscii 
bei der f. Sarajevensis), zweitens kurz gestielte (Typus: St. lahiosus typicns) 
und drittens liinger gestielte (d. h. etwa so lang als bei Sahna pratensis) 
Drüsenhaare, wie z. B. bei St. subcrenatus f. Hercegovinus m. 

^) Einige Floristen setzen St. fragilis Vis. als Artnamen voran. Da beide 
gleichzeitig publiziert wurden und der Autor später den ersteren als Artnamen 
wählte, gilt nach den Lois de la nomenclatnre botanique, Sect. 5, Art. 5,5 dieser. 

Z. P.. Gos. VA. T,1V. 17 



246 



Karl Maly. 



der Zipfel büschelbaarig. Blumenkrone groß. Teilfrüclite 
dunkelbraun, kugelig. 

Bergamasker Alpen: Monte Grigna (leg. C. Scbröter!). 
Soll nacb C. Scbröter aucb an einigen anderen Orten dieser 
Alpen von Heer (San Martino di Lecco) und Rota gesammelt 
worden sein. 

Var. Zepcensis [Form, in Österr. botan. Zeitschr., Jahrg. 38, S. 383 
(1888), als Art]. — Diese in typischer Ausbildung recht auf- 
fällige Form wurde von mir am Originalstandorte (Orlevik) 
und auf den übrigen Bergen am rechten Ufer der Bosna bei 
Zepce auf Serpentin gesammelt. Die Scheindolden sind nicht 
selten sechsblütig, der Blutenstand zumeist sehr locker und die 
Scheindolden von einander getrennt. Kelch drüsenlos. Blumen- 
krone schwefelgelb, am Schlund dunkel purpurn, die Unterlippe 
mit purpurnen Makeln. Hierher scheint auch eine Stachys zu 
gehören, die ich an mehreren Stellen am Trebevic, so am Dra- 
guljac (1150 m) und am Südabhange bei Medjuse dol. sammelte. 

Var. Sendtneri [G. Beck, Flora v. Südbosn., HI, p. 162 (1887), 
als Art]. — H.: Steinige Bergabhänge bei Pod Orosac und 
Konjica. Häufiger kommen an diesem Ort wie auch auf der 
Lisin bei Ivan Formen vor, die den Übergang zu St. anisochilus 
darstellen. Die Kelchoberlippe ist bei denselben zum Teil 
kurz dreizähnig wie bei St. anisochilus, zum Teil bis zur Hälfte 
wie bei St. Sendtneri gespalten. Auch sind zuweilen nur zwei 
Kelchzipfel der Oberlippe bis hinauf miteinander verwachsen 
und der dritte frei. Diese Form, welche ich * diversicalyx m. 
nenne, kommt zuweilen auch mit kleineren, sonst normalen 
Blumenkronen (*f. micrantha m.) und hier und da auch mit 
schmäleren Blättern vor. 

Var. anisocliilus [Vis. et Pancic in Mem. dell' istit. Venet., XV, 
p. 13 (1870), als Art]. — H.: Mit voriger, auch bei Konjica 
(M.), im Ramatal (Dir. Karaman). Auch von dieser Pflanze 
beobachtete ich bei Pod Orosac eine kleinblütige, sonst nor- 
male Form (*f. micrantha m.). 

*Var. Sarajevensis m. Syn.: St. recttis var. Sarajevensis m. in 
Herb. — B.: Bei Da Riva im Miljackatal und am Kastelll^erg 
bei Sarajevo. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 247 



Stengel sehr zalilreicli aus der Wiirzelkrone entspringend, 
aufrecht^ aufsteigend oder ausgebreitet, etwa 23 — 43 an hoch, 
einfach oder vom Grunde an stark verzweigt, wie die Blätter 
und Kelche gelblichgriin, mäßig behaart oder verkahlend. 
Zweige verlängert. Blätter klein, die unteren etwa 38 mm 
lang und 18 mm l)reit, jedoch zur Blütezeit meist schon ab- 
gestorben. Die mittleren Blätter 18 — 25 mm lang und 7 bis 
lO'ö mm breit, stumpf, die oberen stumpflich^ verkehrt eiförmig- 
länglich oder breit elliptisch, gegen den Grund zu keilig ver- 
schmälert, nur die unteren kurz gestielt. Sägekerben der 
mittleren Blätter zahlreich, seicht, bei den unteren Blättern 
weniger, größer, nicht tief. Deckblätter wie die oberen Stengel- 
blätter grannig bespitzt, nur kleiner als diese, eirund, zugespitzt. 
Internodien der mittleren Stengelblätter 3 (2 — 4) cm lang. Blust 
schmal, dicht, nur die untersten der etwa sechsblütigen Schein- 
quirle etwas entfernt, Kelch kurz gestielt, grün oder gelblich- 
grün, 5"5 — 6'5 mm lang, von sehr zahlreichen mikro- 
skopisch kleinen, fast sitzenden Drüsenhaaren be- 
deckt, sonst kahl, seltener ± von 2 — 3 zelligen Haaren rauh- 
haarig. Zipfel 2( — 2-5) mm lang, dreieckig-lanzettlich, in eine 
0*5 — 1 mm lange Granne auslaufend. Kelchbuchten abgerundet. 
Blumenkrone hell schwefelgelb, außen auf der OberHppe zu- 
weilen röthch, auf der Unterlippe rot punktiert, klein (10 5 
[9-5 — 10*5] mm lang). Oberlippe 4— 5 mm lang, aufwärts ge- 
krümmt, an der Spitze etwas gekerbt, außen einfach und 
einzelHg behaart und mit zerstreuten, mikroskopisch kleinen 
Drüsenhaaren bedeckt, am Kande bewimpert. Unterlippe 
(6*5— ) 7 mm lang, der Mittelnerv außen etwas geflügelt. 
Mittelzipfel an der Spitze weit ausgerandet, die bewimperten 
Seitenzipfel schwach ausgerandet. Filamente in der unteren 
Hälfte, die ol)eren auch höher hinauf gliederhaarig und spärlich 
kleindrüsig. Teilfrüchte dreiseitig, dunkelbraun, fein punktiert, 
2 mm lang. 

Salvia inatemis L., Spec. pl., p. 25 cc (1753). 

* Var. S. Varhossania m. Blumen normal, weißlich bis weißlich- 
weinrot, selten mit einem hellvioletten Anflug, mittelgroß 
(14 — l'o b mm, lang). Seitenzipfel der Unterlij)pe nach abwärts 

17* 



248 



Karl Maly. 



gebogen. Untere Blätter derb, eirund oder eirund-länglich, 
stumpf mit herzförmigem Grunde, doppelt bis mehrfach, oft 
buchtig gekerbt, oberseits verkahlend, stark runzelig, unter- 
seits blässer mit erhabenen Nerven, spinnwebig-flaumig und 
mit fast sitzenden Drüsenköpfchen besetzt. 

B.: Verbreitet um Sarajevo: Abhänge des Trebevic, im 
Stadtgarten, Miljackatal; Sarajevsko polje: Zwischen Grabo- 
vica und Kovacic. Höchst wahrscheinlich gehört auch S. pra- 
tensis f. alhiflora Formen ek in Österr. botan. Zeitschr., Bd. 40, 
S. 91 hierher. 

Ich habe diese Pflanze bereits im Jahre 1891 im Juden- 
friedhofe am Abhänge des Trebevic bei Sarajevo gesammelt, 
mich aber erst im letzten Sommer mit ihrem Studium be- 
schäftigt. Ich hielt sie zuerst für Salvia virgata Ait.,^) einer 
ihr sehr nahestehenden Unterart oder Rasse der Salvia pra- 
tensis, welche in Mittel- und Süditalien sowie auf der Balkan- 
halbinsel, und zwar schon in Montenegro vorkommt. S. Var- 
hossania unterscheidet sich von ihr jedoch durch etwas größere 
Blumen, das reichere Maß der drüsigen Behaarung, durch die 
schmäleren Grundblätter und den weniger entwickelten Blust. 
Immerhin mag sie der S. virgata am nächsten stehen. Von 
den übrigen verwandten Formen besitzt S. dumetorum Andrz.^) 
noch kleinere, dunkel gefärbte Blumen, einen anderen Habitus 
und eine feinere Behaarung. Die beiden noch in Betracht 
kommenden Blütenformen der S. pratensis,^) die mittelgroße 
zwittrige und die kleinblütige gynodyname, unterscheiden sich 
durch die Eigenschaften der Hauptart. 

Es mag noch erwähnt sein, daß S. Varhossania infolge 
des stark drüsigen Blütenstandes kleinere Insekten festhält. 
Salvia Bertolonii Vis., Flora Dalm., II, p. 189 (1847). Vergl. Frey n, 
Südistr., 1877, S. 398/9; D. Hirc in Österr. botan Zeitschr., 
1881, S. 251—252. 



1) Hort. Kew., ed. 1, I, p. 39 (1789). 

2) Vergl. Briquet, Labiees des Alpes mar., III, p. 530. 

^) Vergl. Ascherson, Flora des nordostdeutsclien Flachlandes, 8.595; 
Heimerl in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, Jahrg. 1881, 
S. 180. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina, ^49 

Die Angabc niclircrcr Autoren, daß die Oberlippe des 
Kelches zweizähnig- sei, ist unrichtig, was schon Pospich aP) 
bemerkte. Hirc erwähnt, daß S. Bertolonü zum Unterschiede 
von S. pratensis L. sitzende Drüsen am Kelche besitze, was 
gegen die Beschreibung Freyns (1. c.) und Pospichais 
spricht. Auch bei unserer Pflanze sind die Drüsen am Kelche 
gestielt. — II. : Abhänge des Velez bei Mostar, ca. 1100 
(Curöiö). 

Salvia nemorosa L., Spec. pL, ed. 2, p. 35 (1763), subsp. villiccmlis 
Borb., A magyar homokpusztäk növenyvilaga, p. 83 (1886). 
Syn.: S. amplexkaulis Rchb., Flor. Germ, exe, p. 860; Heuff., 
Neilr., non Lam. Vergl. Neilr., Diagnosen etc._, p. 98; 
Velenovsk}'", Flora Bulg., p. 447; Hausskn., Symb. flor. 
Graecae in Mitt. d. Thüring. bot. Ver., N. Folge, Heft 11, S. 35. 

— B.: Um Sarajevo verbreitet (Sarajevsko polje, Kosevo-, 
Miljacka- und Moscanicatal), Zeljeznicatal (bis Turovo). 

Salvia verticillata L., Spec.pl., p. 26 (1753). — B. : Weißblühend 

bei Lukavica und im Moscanicatal bei Sarajevo. 
Melissa officinalis L., Spec. pl., p. 592 (1753). — B.: Auf der 

Klekovaca planina (Fiala), bei Klanac in der Gemeinde Kievo. 
Sahircia montana L., Spec. pl., p. 568 (1753). — B.: Auf Felsen 

an der Pale-Straße zwischen der Ziegenbrücke und dem Dorfe 

Sejnovaöa bei Sarajevo. 
Sahtreia (Calamintlia) acinos Scheele [Florist. Beitr., S. 14 (538)]. 

— Von dieser fand ich eine f. alhiflora m. auf der südlichen 
Seite des Trebeviö nahe der Spitze. 

Satiireia (Calamintlia) Bosniaca Maly, Florist, prilozi in Glasnik, 
XI, p. 138—139 (1899) und W. M. B., VIT, S. 539—540 
(1900). Syn.: ;S'. thymifolia X S. silvatica m. 

Wurde von mir nun auch in größerer Anzahl an den 
Abhängen der Hrastova glava gegen die Lapisnica-Schlucht, 
vereinzelt im Moscanicatal und im oberen Miljackatal und an 
der Straße von Sarajevo nach Pale gefunden; 560 — 100 ni. 
Zu S. Bosniaca gehört auch die Calamintlia nepeta, welche 
Prof. G. Protic (W. M. B., VII, S. 141) „auf den Felswänden 



^) Flora d. österr. Küstenl., II, S. 557. 



250 



Karl Maly. 



unter dem Tunnel" vor Vares angibt und die ich daselbst 
wie auch an der Straße im Stavnja-Tal, stets jedoch in Ge- 
sellschaft der mutmaßlichen Stammeltern, sammelte. 
Var. S. rhombifolia m. Blätter rhombisch. — An gleichen Orten 
wie vorige, doch seltener. 
Satureia (Gcdamintha) Varhossania Maly, Florist. Beitr., 2. Teil, 
S. 2—3 (1901) in W. M. B., VIII, S. 444—445 (der Band ist 
noch nicht erschienen). — B. : Moscanicatal. 

Von dieser merkwürdigen Pflanze konnte leider bis 
jetzt nirgends ein zweiter Standort aufgefunden werden. 

Satureia süvatica (Bromf.). Syn.: Melissa intermedia Baumg., En. 
pl. Transsilv., II, p. 184 (1816), nicht 8. intermedia C. A. 
Mey. etc. — Calamintha silvatica Bromf. ap. Benth. in DC, 
Prodr., XII, p. 228 (1849); Bromf. in Smith, Engl, bot., 
PI. 2897 (1849). — S. CcdamintJia Scheele in „Flora", XXVI, 
S. 577 (1843), pr. p. — B.: Weit verbreitet in der Umgebung 
Sarajevos: Miljackatal und seine Seitentäler, Abhänge des 
Trebeviö, Kosevotal, bei Ilidze und Vrela Bosna, Zeljeznica- 
tal etc. 

OrUjanmn hirttim Link, En. hört. Berol., II, p. 114 (1821), alhi- 
florum Hausskn. in Mitt. d. Thüring. bot. Ver., N. Folge, Heft 11, 
S. 49 (1897). — H.: Sutorina (Curciö). 

Oriyanum vulgare L., Spec. pl., p. 590 (1753). 

a. genuinum Vis., Flor. Dalm., II, p. 191 (1847) = ß. glahrescens 
G. Beck, Flora von Hernstein, Sep.-Ausg., S. 244 (1884). — 
B.: Miljackatal (M.); Bezirk Prozor: Idovac (Velika radusa, 
Curciö). Hier eine P'orm mit deutlich zweifärbigen Blättern, 
aber von der var. semiglaucum Boiss., Beut. ap. Briquet, 
Labiees des Alpes marit., II, p. 483 und 484, durch breitere 
und fast ganz purpurn gefärbte Deckblätter verschieden. — 
II.: Um Trebinje (Matuli6). 
* Var. Creticum (L.) Asch, et Kanitz, Catal. cormophyt., p. 51 
(1877); Briquet, 1. c, III, p. 485 (1895). Syn.: 0. vulgare 
YSLY. prismaticum Gaud., Flor. Helv., IV, p. 78 (1829). — B. : 
Miljacka-, Moscanica- und Lapisnicatal, am Trebevic bis zur 
Spitze (1600 m), auch am Draguljac. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzci^owina. 251 



Thymus sirkitns Vahl, Symb. bot., III, p. 78 (1794), var. acicularis 
AVk., Plant, rar. Ilung-., II, p. 157, Tab. 147 (1805). — H.: 
Orijeii (Cur ei 6). 

Thymus ovatus Mill., Gard. Dict., ed. 8, Nr. 7 (1768), *var. concolor 
(Opiz) H. Braun, Österr. botau. Zeitschr., 1891, S. 296. — 
Sttdtirol: Eggcntal l)ei Bozen. Kleinl)lütig\ 

Thymus montanus Wk. in Willd., Spec. pl., III, p. 143 (1801 sec. 
0. Kunze). — IL: Auf der Lisin bei Ivan. 

Thymus longkaulis Presl, Flora Sicula, p. XXXVII (1826). — Monte- 
negro: Pinjes, Felsabliänge bei Dulcigno (Führer). 

Thymus chümaedrys Fries, Novit., II, p. 35 (1814). — H.: Orijen 
(Curciö). 

'^Thymus ICerneri Borb., Közlem., XXIV, p. 64 und 74 (1890/1). 
— B.: Bez. Petrovac: Klekovaca planina (Fiala). 

Lycopus Europaeus L., Spec. pl., p. 21 (1753). 

* Var. glabrescens Sehmidely in Bull. Soc. bot. Geneve, III, p. 128 
(1884). — B.: Feuchte Stellen um Rodic bei Visegrad (Fiala), 
Kosevotal bei Sarajevo. 
Var. molUs A. Kern, in Österr. bot. Zeitschr., Bd. 16, S. 371 (1866), 
als Art. Vergl. Briquet, Lab. des Alpes marit., p. 117. Syn.: 
L. Europaeus var. molliformis Asch, in Asch, et Kanitz, 
Catal. cormophyt. Bosn., p. 51 (1877). — B.: Im Kosevotal 
und am Gromoj nächst Bethanien bei Sarajevo. 

Haussknecht beschreibt^) in Unkenntnis, daß bereits 
ein L. infermedius Sweet, Hort. Brit., ed. 1, p. 310 (1827) 
veröffentlicht wurde, der möglicherweise einem wirklichen 
Bastard der Formel L. Europaeus X exaltatus entspricht, eine 
hybride Pflanze gleichen Namens aus Thessalien. Reichen- 
bach 2) erwähnt das Vorkommen von Hybriden der Verbindung 
L. Europaeus X exaltatus in Gärten. 

Lycopus exaltatus L. fil., Suppl., p. 87 (1781). — B.: Am Gromoj 
zwischen Kosevo und Bethanien bei Sarajevo, bei Ilidze. 

Mentha longifoUa (L.) Huds., Fl. Angl., p. 221 (1762). 

^) In seinen Symbolae ad flor. Graecam in den Mitt. d. Thür. bot. Ver., 
N.Folge, Heft 11, S. 51. 

2) Flor. Germ, exe, p. 306. 



252 



Karl Maly. 



Var. cuspidata Opiz, Naturalientausch, 8. 132. — B.: Um Ripac 
l)ei Bihac (V. Curci6). 

Var. alhida Willd., exsicc, nach H. Braun in diesen „Verhand- 
lungen", Bd. XL, S. 395 (1890). — Südtirol: Bei Salurn. 

* Var. seriata A. Kerner in Flora exsicc. Austro-Hung\, Schedae II, 

Nr. 644, p. 121 (1882). — B.: Feuchte Stellen um Rodic im 
Bezirke Visegrad (Fiala). 

* Var. veroniciformis Opiz in Des6g'L, Menth. Opiz., p. 27 (1882). 

— B.: Kosevotal bei Sarajevo. 

* llenfha dumetomm Schultes im Krakauer Gartenkatalog; Observat. 
bot., p. 108 (1809), nach Briquet, Lab. des Alp. marit., p. G5. 
Syn.: M. puhescens Willd., En. hört. Berol., II, p. 608 (1809), 
nach H. Braun, 1. c, S. 405. — 31. moUissima X aquatica 
H. Braun, 1. c. Eine groß- und breitblättrige Form. — B. : An 
der Una bei Ripa6 (Fiala). 

Mentha cujuatka L., Spec. pl., p. 576 (1753). — B.: Um Rodic bei 
Visegrad (Fiala)^ bei Uidze. 
Y Sil'. pyrifoUa H. Braun in diesen „Verhandlungen", Bd. XL, 
S. 69 und 72 (1890). — B.: An der Una bei Ripa6 im Bezirke 
Bihac (Fiala). Eine fast ganz kahle Form. 

Bei Pofalici nächst Sarajevo (Sarajevsko polje). Unter- 
scheidet sich von dem Typus durch etvs^as größere Blätter 
(4-5 — 6 cm lang und 3'5— 5 cm breit). Auch die Original- 
exemplare in der Flora exsicc. Austro-Hung., Nr. 2167 haben 
bis 5-5 cm lange und bis 3-5 cm breite Blätter. 

* Var. umhrosa Opiz nach H. Braun, 1. c, S. 418 und 422 (1890). 

— B.: An der Zeljeznica bei Ilidze. 
Mentha arvensis L., Spec. pl., p. 577 (1753). 

* Var. salehrosa Bor., Flor, du centre de la France, ed. 3, p. 511 

(1857). — B.: Sarajevsko polje: In Feldern bei Hrastnica. 
*Var. silvicola [H. Braun, 1. c, S. 458, 459 (1890), unter 31. pa- 
lustris Mönch]. — B.: Sarajevsko polje: Bei Ilidze. 

* Var. diversifolia Dum., Flor. Belg., p. 49 (1827). — B.: In Mais- 

feldern am Ostabhange des Hum bei Sarajevo. 

Die Blütenstiele sind kahl oder fast kahl, wie dies auch 
entgegen der Beschreibung H. Brauns, 1. c, S. 469, bei den 
Pflanzen in der Flora exsicc. Austro-Hung., Nr. 1761 der Fall ist. 



Beiträge zur Keiintiiis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 253 



Mentha puhgium L., Spec. pl., p. 577 (1753), vav. hwsuium Per. in 
Bull. Soc. bot. de France, XVII, p. 203 (1870) = var. Mrtiflora 
Opiz nach H. Braun, 1. c, S. 492 (1890). — B.: Feuchte 
Gräben um Oprasi6 im Bez. Ivogatica (Fiala), am Trebevic 
und im Kosevotal bei Sarajevo. 

Farn. Solanaceae, 

Atropa helladonna L., Spec. pl., p. 181 (1753). — H. : Im Tresanica- 
tale bei Bradina beobachtet; am Ivan. — B.: Am Igman. 

Solanum nigrum L., Spec. pl, p. 186 a (1753), ysly. flavum (Kit.) 
Haldcsy, Consp. Flor. Graec, II, p. 370 (1902). Syn.: S. humile 
Bernh., ex Willd., En. hört. Berol., I, p. 236 (1809), non Lara. 
(1793), Salisbury, Heuser (1860) u. a. — S. flavum Kit. in 
Schult., Österr. Flora, ed. 2, S. 394 (1814). — S. flavuni vel 
canescens Kit., ed. Kanitz in „Linnaea", XXXII, p.440 (1863). 
— B.: Auf Schutthaufen im Miljackatal. 

Beeren grünlichgelb. Stengel und Laub ± dunkelviolett 
überlaufen. 

Fam. Scrophulariaceae. 

Linaria elatine (L.) MilL, Gard. dict., ed. 8, Nr. 16 (1768). — B.: 
Auf Feldern im Sarajevsko polje, am Hum und im Kosevotal 
bei Sarajevo. 

Linaria alpina MilL, 1. c, Nr. 5. — H.: Auf der Cvrstnica vereinzelt. 

Antirrliinmn Orontium L., Spec. pl., p. 617 (1753). — B. : Um 
Sarajevo verbreitet: Auf Feldern im Sarajevsko polje, am Hum 
und im Miljackatal. 

Scroplmlaria canina L., Spec. pl., p. 621 (1753), jjallida Hausskn., 
Symb., p. 171 (1897). Blumenblätter gelblichgrtin. — B.: Mil- 
jackatal. 

^Veronica anagallis L., Spec. pl., p. 12 (1753), *var. ulvacea Hausm. 
in Österr. botan. Zeitschr., 5, S. 115—116 (1855). — H.: An 
vom Wasser überrieselten Stellen bei der Quelle im Dragatale 
bei Dre^nica, ca. 450 m. 

Diese sehr merkwürdige beachtenswerte Varietät, die 
meines Wissens seit ihrer Entdeckung im Antholzer Tale in 



254 



Karl Maly. 



Tirol nicht mehr erwähnt wurde, beschreiht Hausmann 
folgendermaßen: „Die Pflanze wächst in großen Rasen und 
überzieht stellenweise den ziemlich rasch fließenden Bach. 
Die wellig-krausen, sehr großen und breiten, dicht genäherten 
gelbgrünen Blätter und die schlaffen, zahllosen, sich nicht 
über das Wasser erhebenden Stengel erinnerten mich lebhaft 
an die ülva Laduca L. der Meere. Nur selten kam einer 
der flutenden Stengel zur Blüte." . . . Leider fehlen bei der 
von mir beobachteten und aufgenommenen Pflanze die Blüten 
und es ist daher die Zugehörigkeit bis auf weiteres nicht 
ganz sicher. Sonst entspricht die Pflanze vom Dragatal der 
Beschreibung ziemlich gut. Die flutenden Stengel erheben 
sich kaum über das Wasser und wurzeln an den Internodien. 
Veronica mpiaüca Beruh., Begriff d. Pflanzenart, S. 66 (1834). — 
B. : In den Seitenarmen der Zeljeznica bei Ilid^e, mit F. ana- 
gallis L. Aus der Umgebung von Ilid^e war bisher nur 
V. anagalUs durch Form^nek^) bekannt, Murbeck suchte 
V. aquatica dort und im übrigen Lande sowie in der Herze- 
gowina vergebens. Siehe Beitr. z. Flora v. Stidbosn., S. 73. 

Veronica heccahunga h., Spec. pl., p. 12 (1753). — B.: Mit schnee- 
weißen Blüten bei Pofalici im Sarajevsko polje. 

Veronica apliylla L., Spec. pl., p. 11 (1753). — H.: Cvrstnica 
planina, ca. 2190 m. 

Veronica Teucrium L., Spec. pl., ed. 2, p. 16 (1762) (Rasse: crinita 
Kit. ap. Schult.^), *var. TJiracica Vel. in Sitzungsber. d. kgl. 
böhm. Ges. der Wissensch., Bd. 37, 1893, p. 50, als Art. — 
B.: Bergwiesen beim Kosevo -Wasserfall nächst Sarajevo. 

Veronica arvensis L., Spec. pl., p. 13 (1753). -— B.: Miljackatal, 
Sarajevsko polje. Beginnt anfangs Mai zu blühen. 

Veronica polita Fries, Novit., V, p. 63 (1819). — B.: Verbreitet in 
und um Sarajevo, wo sie vom Februar bis im November blüht. 

Digitalis ferruginea L., Spec. pl, p. 368 (1753). — B.: WestHche 
Abhänge des Grdonj bei Sarajevo, zwischen Pteridium aqui- 
linum; bei Lukavica und an Bergabhängen nördlich von Dolac 

1) In Österr. botan. Zeitschr., 1890, S. 90. 

2) Österr. Flora, ed. 2, I, p. 26 (1814). 



Beiträge zur Kenntnis der Fioni Bosniens und der Herzegowinii. 255 



(im Sarajevsko polje) und nächst dem Kosevotal bei Sarajevo; 
am Pale^ (Trebcviö), oberes Zeljeznicatal. 

DUßtalis amhigua Murray, Prodr. stirp. Gotting-., p. 62 (1770), -^f. in- 
(lefpiidentata m. Blätter zum gr(*)ßten Teil ungleich gezähnt, 
mit großen, 2 — 5*5 mm langen, an der Spitze einwärts ge- 
krümmten und je (2—) 3 dazwischen stehenden, viel kleineren 
Zähnen. Die Unterlippe der Blumenkrone mit spitzen Zipfeln 
(var. aciitiloha Neilr.). — B.: An lichten Waldstellen amTrebe- 
viö, sehr selten. 

MelanqnjvHm fallax (Celak.) G. Beck, Fl. v. Niederöst., II, S. 1071 
(1893). Syn.: 31. austriacum G. Beck, 1. c. 

* Var. grandiflorum [A. Kern., Flora exsicc. Austro-Hung., Nr. 626; 
Sched. II, p. 114, als Art (Mai 1883, nach G. Beck)] Beck, 
1. 0. Syn.: M. Bihariense G. Beck in diesen „Verhandlungen", 
1882, S. 188, 1883, S. 228, nicht A. Kern., 1. c, Nr. 625. — 
B. : Zwischen Gebüsch auf der Gradina im Norden von Sara- 
jevo, ca. 1270 m (Juni), und an den Abhängen des Mali Orlo- 
vac gegen die Mosöanicaschlucht, ca. 600 m. 

Die Auffindung dieses Wachtelweizens in Bosnien ist von 
großem pfianzengeographischen Interesse, da er bis jetzt nur 
vom Semmeringgebiet an der niederösterreichisch-steierischen 
Grenze l)ekannt war. Im Verbindungsgebiet, z. B. in Süd- 
steiermark, scheinen nach Dr. A. v. Hayek M. grtmdiflonim 
und die verwandten schmalblättrigen Formen zu fehlen.^) 

Im Jahre 1899 beschrieb ich im Glasnik zemmuzeja u 
Bosni i Herceg., XI, p. 15 und im Jahre 1900 in den „Wiss. 
Mitteil, aus Bosnien u. d. Herzeg., VII, S. 541 eine neue Art, 
M. Uoermannianum, die ich am Bukovic bei Sarajevo (circa 
1100 m) entdeckte, und verglich sie mit 31. Bihariense A. Kern. 
Ein größeres Vergleichsmaterial sowohl von dieser Pflanze als 
auch von 31. grandiflonmi, das ich seither im Tauschwege 
für das Landesmuseum erwarb, und erneute Untersuchungen 
führten mich jedoch zu dem Schlüsse, daß die neue Art mit 
dem großblütigen Wachtelweizen zunächst verwandt, vielleicht 



^) Vergl. Östcrr. botan. Zeitschr., 1901, S. 393. 



256 



Karl Maly. 



auch nur eine Form des letzteren ist (M. fallax [Äustriamm] 
s. grandiflorum var. Hoermannianum m. in Herb.). 

Eine Vereinigung der beiden Formen dürfte jedoch nicht 
tunlich sein, da in Form und Größe der Korollen deutliche 
Unterschiede zu bestehen scheinen, die erst an lebendem 
Material endgiltig festgestellt werden können. 

Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir darauf hinzu- 
weisen, daß das Merkmal des gesperrten Schlundes der Blumen- 
krone im Formenkreise des M. fallax nicht immer deutlich 
ausgeprägt erscheint, da z. B. Prof. v. Beck der typischen 
Form seinerzeit einen halbgeöffneten Schlund zuschrieb (Schlund- 
weite 3 — 4mm).^) 

M. fallax Celak., M. angustissimum G. v. Beck und M. 
Biliar iense A. Kern er, die Beck alle unter M. fallax Celak. 
(erw.) zusammenfaßt, haben kleinere Blumenkronen als M. 
grandiflorum A. Kern er. 
Melampyrum nemorostim L., Spec. pL, p. 605 (1753), * f. latissimum 
Borbäs, Balat. flor., p. 379 (1900). — ß.: Mit der gewöhn- 
lichen Form um Sarajevo. 
Melampyrum suhalpinum (Jur.) A. Kern, in Sched. ad Flor, exsicc. 
Austro-Hung., Nr. 134 (1882). — B.: Zwischen Gebüsch am 
Abhänge des Igman, am Kastellberg, im Mosöanicatal und am 
Trebeviö. 

Ehiplirasia Salishurgensis Funk in Hoppe, Botan. Taschenbuch, 1794, 
S. 184, 190. — B.: Felsige Stellen am Abhänge des Trebevi6 
gegen das Miljackatal, circa 620 m. Mit E. Tatarica und E. 
RostJwviana. 

Diese Pflanze hielt ich ursprünglich für E. Illyrica Wettst^ 
der sie jedenfalls sehr nahe steht. Die Blüten sind weiß mit 
mehr oder weniger rotviolett angehauchter oder gefärbter 
Oberlippe und gelben Makeln am Schlünde der Blumenkrone 
und am Grunde der Unterlippe. Hier und da kommen auch 
ganz oder fast ganz rotviolette Blüten vor. Die Blätter sind 
bei vielen Stöcken jederseits nur zweizähnig und sehr schmal, 
bei anderen dreizähnig und bei abnorm üppig ausgebildeten 



^) G. V. Beck in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1882, S. 189. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 257 

Pflanzen jederseits bis vierzälmig* und verhältnismäßig' sehr 
breit. Letztere P'ormen kommen an mehr schattigen Orten 
vor und haben 2 — 3 mal so große Blätter als die übrigen. 
Nach gütiger Überprüfung eines reichlichen Materials durch 
Prof. R. V. Wettstein ist dieses jedoch noch zu E. Salis- 
Imrgensk zu zählen. Zuversichtlich dürfte jedoch die Angabe 
Formäneks u. a., daß E. Dmarica (G. Beck) im Miljacka- 
tale vorkomme, sich auf ähnliche Formen der E. Salishur- 
gensis beziehen.^) 

Eiq)krasia pecünata Ten., Flor. Nap., I, Prodr., p. 36 (1811). — 
H.: Auf der Lisin bei Ivan (det. Prof. v. Wettstein). 

Sagorski beschrieb in den Mitteil. d. Thüring. bot. Ver., 
Xeue Folge, Heft XVI, S. 40 (1902) eine var. Ilcrcegovina. 

* Enplirasia Tafarica Fisch, in Spreng., Syst. veg., II, p. 777 (1825). 
— B.: Auch im Miljacka- und Kosevotal. 
Enplirasia Lihiirnica Wettst. in Österr. botan. Zeitschr., Bd. 44, 
S. 172 ff. (1894). — B.: Kosevotal bei Sarajevo (M.); Bezirk 
Rogatica: Wiesen um Stara gora und um Brankovi(^ (Fiala). 

Euplirasia Jiirtella Jord. in Reut., Compt. rend. de la Soc. Haller, 
IV, p. 120 (1854—1856). — B.: Bezirk Prozor: Idovac (Velika 
raduza, V. Curci6). Bukovik, Trebeviö. 

Äledoroloplius Btmelictis (Vel.) Borbäs in Leimbach, Deutsche 
botan. Monatsschr., XIX, S. 145 (1901). Syn.: Bhinanthus 
PiUmelicKS Vel. in Sitzungsber. der kgl. böhm. Ges. d. Wissensch., 
1887, p. 455. Ä. maior var. glandulosus Simonk., Enum. flor. 
Transsilv., p. 432 (1886, nach Borbds anfangs August 1887). 
Var. ahhreviatus [(Murb.) m. in Baenitz' Herb. Europ. Prosp. 
für 1899, p. 7, Anm. Nr. 41 (November 1898), als Art]. 

Hierher gehört auch die f. minutus und die var. ])rcvi- 
folitfs m., 1. c. Sowohl die genannte Arbeit des Prof. Dr. Vin- 
zenz V. Borbäs, welche auch die Beschreibung der Bastard- 
form Ä. Himgarictis (minor X Bttmeliciis) enthält, wie auch 
meine Arbeit mit der ausführlichen Beschreibung des Ä. ah- 

^) Vergl. Österr. botan. Zeitschr., 1888, S. 352 und G. v. Beck, Flora 
V. Südbosn., Bd. 2, S. 11, unter Coleosporium rhinanthacearum Fries, welcher 
Pilz auch an unserem Material sich reiclilich vorfand. 



258 



Karl Maly. 



hreviatm (Murb.) blieben dem Monographen der Gattung, .Dr. 
Jakob V. Sterneck, unbekannt. Vergl. W. Bebrendsen in 
Verb. d. bot. Ver. Brandenb., Bd. 45, S. 43 ff. (1903). 
Äledorolophus major (Ehrb.) Robb., Iconogr., VIII, p. 13, Fig. 975 
(1830). — B.: Miljackatal, Trebeviö, Bukovik. Viel seltener 
als Ä. Bumelicus (Vel.). 

Die Pflanze von der Treskavica (leg. Fiala) wurde früber 
von Sterneck (Österr. botan. Zeitscbr., 1895, S. 128) für Ä. 
goniotrichus Borb. = Ä. Borhdsii Dörfler gebalten, in der Mono- 
graphie d. Gatt. Äledor., S. 70 jedoch zu A. major gezogen. 
Bebrendsen erwähnt a. a. 0. eine Zwischenform von A. Bu- 
melicus und A. major aus Bosnien, die er (S. 44) A. anceps 
nennt. 

Alectoroloplius subalpinus Sterneck in Österr. bot. Zeitscbr., Bd. 45, 
S. 273 (1895) als Varietät von A. lanceolatus und in Monogr. 
d. Gatt. Alector., S. 86 (1901). — B.: Velika Ljubicna (leg. 
V. Curcic). 

To!2da alpina L., Spec. pl., p. 607 (1753). — H. : Im Buchenw^ald 
auf der Preslica, ca. 1500 m, mit Allium ursinum. 

Pedicularis acaulis Wulfen in Scopoli, Flor. Garn., ed. 2, p. 439 
(1772), und in Jacquin, Collect., I, p. 207 (1786). — B.: Am 
Troglav bei Livno (V. Apfelbeck). 

Pedicularis verticillata L., *Spec. pL, p. 608 (1753). — B.: Auf der 
Jahorina (M.) und Visoöica (Reiser). 

Pedicularis Summana Spreng., Plant, nov., Fase. 2, p. 70 (1815). 
Syn.: P. Hacqueti Graf in „Flora", Bd. 17, S. 42 (1834). 
Subsp. (Rasse) ^ Hoermanniana m. (Vergl. Glasn., XI, p. 145: 
W. M. B., VII, S. 544.) 

Bei der Sichtung der Herbarvorräte des Landesmuseums 
konnte ich nachträgHch feststellen, daß P. Hoermanniana be- 
reits Dr. Arpad v. Degen bekannt war, wie aus einer Bemer- 
kung hervorgeht, welche er einer Pflanze von der Jahorina 
planina bei Sarajevo beifügte. Die Durchsicht des bosnischen 
Herbars ergab ferner, daß sämtliche unter dem Namen P. 
Summana und P. Hacqueti im Herbarium Bosniacum auf- 
bewahrten Pflanzen zur P. Hoermanniana gehören. 



Beiträge zur Kenntnis der Flor<a Bosniens und der Herzegowina. 259 



Die von mir untersuchten Pflanzen stammen von den 
Orten: Jaborina und Gola Jaliorina [leg. Fiala als P. Ilacqueü, 
P. Sionmana und P. fallax (G. Beck)], Osjecenica bei Petrovac 
und Kiek planina (Fiala). Im Herbarium Europaeum des 
Landesmuseums konnte ich P. Hoermanniana noch für folgende 
Orte feststellen: Istrien: Monte Magg-iore, in der Nähe des 
Schutzhauses, 1300 m (L. Richter in Baenitz' Herb. Europ., 
1898). Albanien: In pratis ad reg. fagorum Mont. Öeint, 
distr. Orosi (Baldacci, Iter Alban, quintum, 1897, Nr. 90; 
Revista coli, bot., 1897, p. 35 [1901]). 

P. Hacqueti Graf vom „Crna Prst" (loc. class.) hat nach 
Exemplaren, die Paulin in A. Kerners Flora exs. Austro- 
Hung., Nr. 2117 ausgab, einen deutlich gespaltenen Kelch 
und gehört daher zur typischen P. Summana. 

Wie aus der angeführten Verbreitung hervorzugehen 
scheint, ist P. Hoermanniana eine östliche, die P. Summana 
namentlich am Balkan vertretende Rasse. Ihre Westgrenze 
scheint in Istrien zu sein und vs^äre noch näher festzustellen. 
Pospichal, Flora d. österr. Küstenlandes, II, S. 647 — 648, 
führt die P. Summana mit gespaltenem Kelch von mehreren 
Standorten auf, darunter auch vom Monte Maggiore, v^as, wie 
wir oben gesehen haben, wohl kaum richtig sein dürfte. 

Farn. Orobanchaceae. 

OrohancJie Pancicii G. Beck, Flora v. Südbosn., Bd. 1, S. 166 (1887), 
f. melanochroa G. Beck, 1. c, S. 167. — B.: Bjelasnica (Fiala). 
Zwischen lichtem Gebüsch am Trebevic, etwa 1400 — 1600 m. 

Blumenkronen wie der Stengel dunkel rotviolett [zwischen 
12 (atropurpureus) und 46 (atroviolaceus, Saccardo, Chromo- 
taxia, ed. 2) die Mitte haltend]. Narben bräunlichgelb, dunkel 
rotbraun berandet. Kelchhälften vorne deuthch miteinander 
verbunden. 

Lathraea squama/ria L., Spec. pL, p. 606 (1753). — B.: Bei Had^/.ici. 
Um Sarajevo verbreitet (Trebeviö, Hrastova glava), am Igman 
in Fichtenwäldern. — H.: Im Buchenhochwald auf der 
Preslica. 



260 



Karl Maly. 



Farn. Acanthaceae. 

Acanthus longifolius Host, Flor. Austr., II, p. 217 (1831). — B.: 
In der Gemeinde Kievo bei Sarajevo (Reiser). 

Farn. Plantag inaceae, 

Plantago argentea Chaix in Vill., Hist. pl. Daupli., I, p. 376 (1786); 
II, p. 302 (1787). — B.: Bjelasnica planina (Reiser). 

Plantago lanceolata L.^ Spec. pl., p. 113 (1753), f. nigricans (Link) 
Beck, Fl. V. Niederöst., II, S. 1093 (1893). — B.: Am Trebevic. 

Plantago carinata Schräder, Cat. sem. hört. Goetting. (1806), nach 
Mertens und Koch, Deutschi. Flora, I, S. 810 (1823). — 
B.: Verbreitet an gebirgigen Orten um Sarajevo. — H.: Am 
Ivan. Bei Ivan Dolac am Blidinje-See (H.) auch mit Deck- 
blättern, die kürzer als der Kelch sind. 
Forma long elf adeata Koch, Synops., ed. 3, p. 518 (1857). — B.: 
Auch am Trebevic. — H.: Im Gerolle zwischen Pod Orosac 
und Konjica. 

Var. suhulata Pospichal, Flora d. österr. Küstenlandes, II, S. 674 
(1899). — B.: Abhänge des Trebevi6, auch sonst um Sarajevo. 

Farn. Huhiaceae. 

Sherardia arvensis L., Spec. pl., p. 102 (1753). — B.: Kastellberg 
bei Sarajevo. Blumen weiß, Kelch sehr undeutlich. Blätter 
oberseits und der Stengel am Grunde ringsum steifhaarig. 

Äsperula arvensis L., Spec. pl., p. 103 (1753). — B.: Wüste Plätze 
im Miljackatal. Butmir. 

Aspenäa aristata L. fil, Suppl., p. 120 (1781), var. leiantha k. Kern, 
herb, nach Wettstein in Murb., Beitr. z. Flora v. Südbosn., 
S. 114 (1891). — B.: Am Bukovik und am Draguljac bei 
Sarajevo. 

Galium tricorne With., Arrang., ed. 2, I, p. 153 (1787). — B.: Mil- 
jackatal. Am Hum bei Sarajevo sammelte ich eine Form mit 
bis zu 10 Blättern im Quirl. In allen mir zugänglichen Floren 
finde ich nur 6 — 8 blättrige Quirle angegeben. 

Vaillantia muralis L., Spec. pl, p. 1051 (1753). — H.: Halbinsel 
bei Neum (Kiek), mit Cardamine maritima Port. (Reiser). 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 261 

Faiu. Dipsaeaceae, 

Cephalaria piloso (L.) Greil, et Godr., Flor, frang., II, p. G9 (1850), 
non Boiss. Syii.: Dipsacus p>üosns L., Spec. pl., p. 97 (1753). 

— B.: Km pa- Quelle bei Pazari6 (Weisbacli). 
Knantia arvensls (L.) Coiilt , Mem. Dips., p. 41 a (1824). 

* Forma gloiotricha G. Beck, Fl. v. Niederöst., II, S. 1146 (1893). 

— B. : In Feldern am Hum bei Sarajevo. 

* Var. agresüs G. Beck, 1. c, S. 1146 (1893). — B.: Wie vorige. 
Knantia Dinarica Murb., Beitr. z. Flora v. Südbosn., S. III (1891), 

als Varietät. Syn.: Trichera Dinarica m. in scbed. — H : Um 
Cemerno bei Avtovac (Weisbacb). — B.: Auf der Südseite 
des Trebeviö, nabe der Spitze, circa 1500 — 1600 m. Pflanze 
sehr stark, die Blätter teilweise sehr auffällig striegelbaarig, 
breiter. 

Knantia Illyrica G. Beck in Annalen des k. k. naturh. Hofmus. in 
Wien, Bd. IX, S. 351 (1894). Syn.: Trichera collina Nym., 
vergl. Freyn in diesen „Verlmndlungen", Bd. XXVII, S. 353 
(1877). — Scahiosa collina Posp., Flora des österr. Küstenl., 
II, S. 734 (1899), non Regu. in Guerin, Desc. VaucL, ed. 2, 
p. 248 (1813). 

*Var. centauriifolia (Posp., 1. c). — B.: Abhänge des Draguljac 
bei Sarajevo, ca. 1060 m. Stimmt namentlich in bezug auf 
die Blattgestalt mit der Beschreibung Pospichais überein 
und kommt auch hier in unmittelbarer Nähe von Centaurea 
scahiosa [var. FritschU (Hayek)] vor. Die Pflanze ist jedoch 
üppig und hochwüchsig. 

*Var. indivisa [Vis., Fl. Dalm., II, p. 17 (1847), unter Scahiosa 
arvensis]. — B.: Am Grdonj im Norden von Sarajevo. 
Scahiosa leitcophylla Borbäs in Magyar Akad. Ertes, p. 9 — 10 (1882). 
Syn.: Sc. Hladnihiana Host var. leucopliylla (Borbäs) m. in herb. 

Var. Sc. luteola mihi. Blumen gelblichweiß, wie bei Sc. 
ochrolenca L. Antheren violett oder weißlich. Blattform der 
Sc. Hladniläana Host (Flora exsicc. Austro-IIung., Nr. 1008), 
aber mit der dichteren Bekleidung der Sc. lencophijUa (Form: 
Bcdmatica und incana; vergl. Freyn in diesen „Verhand- 
lungen", 1888, S. 611). Blattsprosse vorhanden, weißfilzig. 

Z. B. Ges. P.a. LIV. 18 



262 



Karl Maly. 



Sc. ocliroleuca ist durch das geringere Maß der Bekleidung mit 
einfachen Haaren (nicht Büschelhaaren, wie bei Sc. Hlcid- 
niJciana und leucophißla), die 1 — 2 fiederteilig-en-Steng-elblätter 
mit linealen, verlängerten Kelchzipfeln u. s. w. verschieden. 

B.: Miljackatal bei Sarajevo, circa 570 m, selten (Sep- 
tember 1899 und 1902). — Hierher gehört auch die Pflanze, 
welche ich seinerzeit bei Dolnja Tuzla sammelte und als Form 
der Scabiosa ocliroleuca L. ansah. Sie hat abgerundete untere 
Stengelblätter (vergl. diese „Verhandlungen", 1893, S. 443). 

Sc. leucopliylla typica trifft man zuweilen auch mit ver- 
gilbten, fast weißen Blumen an. 

Scdhiosa ocliroleuca L., Spec. pL, p. 101 (1753). — B.; Auf der 
Pljesevica im Bezirke Rogatica (V. Curci6). 

Scahiosa maritima L., Dissert. cent. pl., II, p. 8 (1756), nicht Sc. alha 
Scop. = Sc. maritima Wulf. ap. ßöm., non L. — H. : Sutorina 
(0. Reiser). 

Succisa inflexa Gr. Beck, Fl. v. Niederöst., II, S. 1145 (1893). Syn.: 
Sc. inflexa Kluk, Dykcyonarz röslinny, III, p. 56—57 (1786). 

— Sc. australis Wulf, in Rom., Arch., III, 3, S. 316 (1805). 

— B.: An Wegrändern bei Ripaö im Bezirke Bihaö (Fiala); 
Gräben im Sarajevsko polje (Ilidze, Vrela Bosna). 

Farn. Cticurbitaceae. 

Citrullus viilgaris Schrad. ap. Eckion et Zeyher, En. pl. Afric, 
p. 279 (1834—1837), und in „Linnaea", XII, p. 412 (1838). 

— B. : Verwildert auf einem Schutthaufen im Miljaßkatale bei 
Sarajevo. 

Vom Sarajevsko polje erhielt ich eine 129 mm lange und 
122 mm breite junge Wassermelone, die 5 cm vor der Ansatz- 
stelle des Fruchtstieles innen und außen gelb gefärbt war. 
Der übrige Teil hatte die gewöhnliche Färbung. Im Geschmack 
zeigte sich kein Unterschied zwischen beiden Schichten. Die 
Samen waren normal ausgebildet. 

Faiii. Campanttlaceae. 

Campamäa Bononiensis L., Spec. pl., p. 165 (1753). — B.: Kastell- 
berg, Moscanica-, Zeljeznicatal und Lukavica bei Sarajevo. 



Beitrüge zur Kenntnis der Flora Bosniens nnd der Herzegowina. 263 



C amp anula rapunculokles Ij.^ 1. c, p. 165 (1753). — B.: Am l^uko- 

vik bei Sarajevo. 
Campamäa trachelluni L., 1. c, p. 166 (1753). — B. : Kosevotal 

und Kastellberg' bei Sarajevo. — II. : Zwischen Trebinje und 

Lastva (Matuli(3). 
Crnnpamda cerricaria L., 1. c., p. 167 (1753). — B.: Um Rnsanovi6 

im Bezirke Kogatica (Fiala), im lichten Busch walde am 

Trebeviö. 

Siimpliyamlra Hofmanni Pant. in Magyar Niivenyt. Lapok, V, p. 150 
(1881); Österr. botan. Zeitschr., Bd. 31, S. 347 (1881) und 
Bd. 32, S. 149—150 (1882). — B.: Auf der Ruine der Burg 
von Maglaj. 

Farn. Convjjositae. 
A. Tubuliflorae. 

Ädenostyles alhida (L.) Gass, in Dict, sc. nat., I, p. 60 (1816). — 

B.: Alpine Wiesen am Trebevic. 
Erigeron Canadensis L., Spec. pl., p. 863 (1753). — B. : Miljackatal 

bei Sarajevo. 

Erigeron acer L., Spec. pl., p. 863 (1753). — B. : Auf der Velika 
radusa (Curcie). 

Erigeron Äftimis VilL, Ilist. pl. Dauph., III, p. 237 (1789). — B.: 

Am Veliki Cincar bei Livno (Reiser). 
Erigeron alpimis L., 1. c, p. 864. — H.: Prenj planina (Fiala). 
Erigeron glabratus Hoppe et Hornsch. in Bluff et Fingerh., Consp. 

Flor. Germ., II, p. 364 (1825). — B.: Auf der Treskavica 

(Fiala), Vranica, Velika radusa (Gurcic). 
Gnaplicdium tdiginosum L., Spec. pl., p. 856 (1753). — B.: Sara- 

jevsko polje, verbreitet. 
Imda ensifolia L., Spec. pl., p. 883 (1753). — B.: Im Kosevotal 

bei Sarajevo (Fiala), bei Visegrad (Gurcic). 
Imda salicina L., Spec. pl., p. 882 (1753), f. sid>liirta G. A. Mey., 

Flor. Prov. Wiatka, p. 46 (1844). — B.: Bei Lukavica nächst 

Sarajevo. 

Inida liirta L., Spec. pl, p. 883 (1753). — B.: Am Bukovik im 
Norden von Sarajevo. 

18* 



264 



Karl Maly. 



Inula vulgaris (Lara.) Trevis., Flora Eugan., p. 29 (1842). — B.: 

Miljacka- und Mosöanicatal bei Sarajevo. 
Inula oculus Christi L., Spec. pl., p. 881 (1753). — B.: Mos6a- 

nicatal. 

Carpesium cernuum L., Spec. pl, p. 859 (1753). — H.: Zwischen 

Gebüsch nächst Jablanica. 
Pallenis spinosa (L.) Gass, in Dict. sc. nat.^ 37, p. 275 (1825). — 

H.: Sutorina (Curcic). 
Buphthalmum salicifoliuni L., Spec. pl., p. 904 (1753). — B.: Auf 

der Klekovaca planina (Fiala); zwischen Zenica und Lasva 

(Curciö). — H.: Zwischen Konjica und Pod Grosac (Fiala). 
ÄntJiemis tinctoria L., Spec. pl., p. 896 (1753). — B.: Kosevotal 

bei Sarajevo (Fiala). 
Var. discoidea (All.) Vahl, Symb., I, p. 74 (1790). — B.: Im 

Nadelwald ober DovHci am Trebeviö, ca. 1300 m. 
Änthemis cotula L., Spec. pl., p. 894 (1753). — B.: (Jm Lukavica 

bei Sarajevo (M.), Klekovaca planina (Fiala). 
Änthemis arvensis L., Spec. pl., p. 894 (1753), *f. incrassata (Lois.) 

Freyn in diesen „Verhandlungen", Bd. 27, S. 359 (1877). — 

B.: Miljackatal. 
Chrysantheinum leucanthemum L., Spec. pl., p. 888 (1753). 

Var. montanum L., 1. c, pro spec; lus. maximum [Ramond in 

Bull. Soc. Philom., II, p. 140 (1800), als Art; Ch. montanum 

var. maximum m. in sched.]. — H.: Cvrstnica planina: Fels- 
ritzen der Smiljevaca. 
* Var. auriculatmn (Peterm.) Fenzl in diesen „Verhandlungen", 

Bd. 3, S. 338 (1853). — B.: Auf der Plazenica bei Kupres 

im Bez. Bugojno (Reiser). 
YsiY. pratense (Neilr.) Fenzl, 1. c, S. 335. — B.: Zwischen Zenica 

und Lasva (Curcic), Miljackatal. 
Chrysantltemum chlor oticum [A. Kerner et Murb. in Murb., Beitr. 

z. Flora v. Südbosn., S. 109 (1891), unter Leucanthemum] 

Beck, Veget. Verh. d. illyr. Länder, S. 254 (1901). — H.: 

Abhänge des Vuciji-zub (Curcic). 
Chrysanthemum corymhosum L., Spec. pl., p. 890 (1753), *var. suh- 

corymhosum Schur in Verh. d. Siebenb. Ver., S. 146 (1859). 

— B.: Trebevic. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 265 

Chrysmithemiim vulgare (L.) Bcrnli., Verz. d. Pfl. Erf., S. 144 (1800). 

— B.: Zwischen Gebüsch um Veliki Radic im Bez. Krupa 
(Fiala). 

Chrysantlmnum macrophxjUmn Wk., Descr. et icon. rar. Hung., I, 
p. 97, Tab. 94 (1802). — B.: Am Veliki Zep im Bez. Vlase- 
nica, ca. 1530 ?>i (Reiser). 

Chrysanthemiim partlienknn (L.) Bcrnh., 1. c, S. 145 (1800), *var. 
flosculosiim (DC.) Beck, Fl. v. Niederost., II, S. 1204 (1893). — 
B. : Auf Schutt an der Miljacka bei Sarajevo, ca. 555 m. 

Chrysanthemum tenuifolmm Kit. ap. Schult., Osterr. Flora, 2, S. 498 
(1814). Syn. : Chamaemelum uniglandulosum Vis., Flor. Dalm., 
II, p. 85, Tai). LI (1847). — B.: Nördliche und südliche Ab- 
hänge des Trebevi6, ca. 800— 1050 m, Miljacka- und Mos6a- 
nicatal, am Susica potok bei Sarajevo, Sarajevsko polje, Zel- 
jeznicatal. 

Die Pflanze ist nicht, wie man aus den Beschreibungen 
schließen sollte, völlig- kahl. Die Blätter, der Stengel und 
namentHch die Blattspindeln sind stets mehr oder weniger 
kleindrüsig behaart. Auch in den Furchen an der Bauchseite 
der Achenien finden sich kleine Drüsen vor. 

Ärnica montana L., Spec. pl., p. 884 (1753). — B.: An einer lichten 
Waldstelle beim unteren Forsthause am Trebevi6, ca. 1060 w.! 

Loronimm, Äustriacum Jacqu., Flor. Austr., II, p. 18, Tab. 130 (1824). 

— B.: Jahorina planina. 

Senecio spatlmlifolkis DC, Prodr., VI, p. 362 (1837), var. tenuifoUus 
Gaud., Flor. Helv., V, p. 306 (1829), als Art. — Südtirol: Am 
Monte Altissimo di Nago^ ca. 1 800 m. 

'•'Senecio Wagneri Degen in Österr. botan. Zeitschr., Bd. 44, S. 19, 
20 (1894). — B.: Abhänge des Stolac bei Visegrad (Curciöj. 

Weicht von der Beschreibung der Pflanze durch die 
dunkel purpurne Blütenfarbe ab. Die Wurzelblätter der un- 
fruchtbaren Blattsprosse, die an der Pflanze von Kalofer nicht 
vorhanden zu sein scheinen, sind bei der bosnischen Pflanze 
spatlich und kurz in den ebenso langen l>lattstiel verschmälert. 

Einer liebenswürdigen Mitteilung des Autors zufolge, dem 
ich die Pflanze zur Ansicht sandte, stimmt sie mit den Ori- 
ginal-Exemplaren vollkommen überein. Herr Inspektor Oskar 



266 



Karl Maly. 



Bi erb ach (Belgrad), dem wir die Entdeckung vieler hoch- 
interessanter Pflanzen am Scardus verdanken, fand sie hier 
am „Ljuboten jezera".^) Prof. Velenovsky hält S. Wagneri 
für S. capitatus (Wahlbg.), v^as entschieden unrichtig ist. Sie 
ist noch eher mit S. Äuclieri DC. verwandt. 

Senecio emcifolms L., Spec. pl., p. 869 (1753). — B.: Sarajevsko 
polje, nächst Dolac und am Huni bei Sarajevo; Kosevotal, 
Trebevi6 (1300 w). 

Senecio nemorensis L., Spec. pl., p. 870 (1753). — B.: Wälder am 
Stolac bei Visegrad (Curciö). 

Deckblätter so lang oder wenig kürzer als die Rand- 
blüten, wie die PlüUkelche und Blütenstiele weiß gheßerhaarig 
(kraushaarig). Köpfchen größer. 

ÄmpJioricarpus Nemnayeri Vis., Flora Dalm., II, p. 28, Tab. X (1847), 
var. Veleßensis Murb., Beitr. z. Flora v. Südbosn., S. 100 (1891), 
f. latifolia Beck in Dörflers Jahreskat. d. Wr. bot. Tauschanst., 
S. 20 (1894). — H.: Am Jelenak (0. Reiser). In Bosnien 
und der Herzegowina scheint diese Form überhaupt vorzu- 
herrschen. 

Echinopus commutatus Jur. in diesen „Verhandlungen", Bd. VIII, 

S. 15 (1858). Syn.: E. exaltatus Auct. pl. pr. p., non Schräder. 

— B.: kn den Abflüssen der Blizanac- Quelle auf der Südseite 

des Trebeviö; im Miljackatale, Sarajevsko polje und Zeljez- 

nicatale (bis Trnovo). 
Carlina longifolia Rchb., Icon. Flor. Germ., VIII, p. 25, Fig. 1008 

(1830). — B.: Trebevi6, bei ca. 1100 m. 

Eine durch hohen Wuchs, reichästige^ vielköpfige Stengel 

und fast buchtig-dornig gezähnte Blätter ausgezeichnete, an 

0. vulgaris erinnernde Form. 
Ga/rlina vulgaris L., Spec. pl., p. 828 (1753), var. semiamplexicaulis 

(Form.) Beck, Fl. v. Niederöst., II, S. 1226 (1893). — B.: Mit 

voriger. 

Carlina acaulis L., Spec. pl., p. 828 (1753), Y3ii\ aggregata (WiWd.) 
DC, Prodr., VI, p. 546 (1837). - H.: Mala Vitrnjaca. 



1) Degen, Term. tiid. Kozl., 1901, Potf., p. 217-, Ungar, botan. Blätter, 
1002,'..S. 92. 



Beiträge zur Keiiiitiiis der Flora Bosniens und der Herzegowina. '^67 

Carlina acanthifolia All, Flor. Pedcni , I, p. 15G, Tab. 51 (1785). 

— B.: Am Dragiiljac (Trebevic plaiiina) bei Sarajevo. 
Arcüum lappa L., Spec.pl., p. 816 a (1753). — B.: Südseite des 

Trebevic, an Feldränderii. 
Carduus personatiis Jacq., Flor. Austr., IV, p. 25, Tab. 348 (1826). 

— B.: Am Igman, selten zwischen Gebüscli im Miljackatal 
(M.), bei Kasidol. 

Carduus candicans W. K., Plant, rar. Hung\, I, p. 85, Tab. 83 (1802). 

— B.: Am Draguljac und auf der Südseite des Trebevi6 (M.); 
auf der Jahorina. 

Carduus colUnus W. K.^ Icon. plant. Hung*., III, p. 257, Tab. 232 
(1812). — B.: Auf der Klekova^a bei Petrovac (Fiala). 

Carduus nutans L., Spec. pl., p. 821 (1753)^ an var. chrysacantJius 
Ten., Sem. Hort. Nap., p. 12 (1825), pro spec. = var. radi- 
cans Bias., Relaz. d. viagg. in Dalm., p. 205 (1841). — H.: In 
Feldern bei Ivan Dolacam Blidinje-See. — B.: Bei Mrkovic 
im Norden von Sarajevo. 

Cirsuim eriopliorum (L.) Scop., Flora Carn., ed. 2, II, p. 130 (1772). 

— B.: Am Stolac bei Visegrad. 

Var. platijonycMum Wallr., Sched. crit., p. 448 (1822). — B.: Auf 

der Vucija luka planina bei Sarajevo (Fiala). 
Cirsium microcephalum Schultz Bip. in Österr. botan. Zeitschr., 
Bd. 8, S. 246 (1858), nicht Lange. Syn.: G. Siculmn DC. et 
Auct. pl., non Spreng. Vergl. A. Kerner, Schedae ad floram 
Austr. et Hung., Nr. 965. — B.: Auf Wiesen bei Visegrad 
(Fiala). — H.: Bei Trebinje (Matulic). 

Die Pflanze vom letzteren Standort ist durch besonders 
starke abstehende oder herabgeschlagene Dornen an den Hüll- 
blättern, die etwas kürzer bis so lang als diese sind, ausge- 
zeichnet und kommt daher der var. polyantliemum (DC, Prodr., 
VI, p. 641, als Art) nahe. 

Cirsium pauciflorum Spreng-., Syst. veg., III, p. 375 (1826). — B.: 
Hrbljinagebirge bei Glamoc (Santarius). 

Cirsium erisitJtales (Jacqu.) Scop., Fl. Garn., ed. 2, II, p. 125 (1772). 

— B.: Am Veliki Cincar bei Livno (0. Reiser). 

Cirsium palustre Scop., Flor. Garn., ed. 2, II, p. 128 (1772). — B.: 
Lichte Waldstellen am Trebevic bei Sarajevo. 



268 



Karl Maly. 



Cirsium oleraceiim Scop., Flor. Carn., ed. 2, II, p. 124 (1772). — 
B.: Am Trebevic (Nord- und Südabhang), im Sarajevsko polje. 

Chamaepeuce stricta DC, Prodr., VI, p. 659 (1837). - H.: Weide- 
plätze bei Trebinje (Matuliö). 

Onopordon Illyricmn L., Spec. pL, p. 827 (1753). — H.: Um Tre- 
binje (Matulic). Nach der Kreuzung 0. acanthium X Illyri- 
cum wäre zu suchen. Siehe diese „Verhandlungen", 1853, 
S. 17. 

Serrahila tinctoria L., Spec. pL, p. 816 (1753), *var. integrifolia 
(Krock.) Wallr., Sclied. crit., p. 451 (1822). — B.: Häufig in 
Auen am Trebevic. Hier auch die Form * tnmcata m. mit 
dreieckig verlängerten, am Grunde sehr breiten, abgestutzten 
oberen Stengelblättern. 

Centa/urea alba L., Spec. pL, p. 914 (1753). 

Var. deusta Ten., Prodr. Fl. Nap., p. 51 (1811). — B.: Zwischen 
Visegrad und Han Jagodina (Fiala), im Miljackatal und um 
lUdze. 

Var. leucolepis [DC, Prodr. syst, veg., VI, p. 568 (1837), als Art]. 

— H. : Nächst Jablanica. 

Cenkmrea Weldeniana Rchb., Flor. Germ, exe, p. 213 (1832). — 
H. : Um Ivan Dolac am Blidinje-See und im Drezankatal bei 
Dreznica. 

Centaurea jacea L., Spec. pl., p. 914 (1753). 

Var. typica m. Syn.: C. jacea Hayek, Centaurea -Arten Osterr.- 
Ung. in Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch, in Wien, Bd. 70, 
S. 704 (1901). — B.: Am Trebevic, Susica potok. 

*Var. Banatica Kochel, Bot. Reise in das Banat, S. 44 (1838). 

— B.: In annähernden Formen am Trebevic. 

Centaurea suhjacea (Beck) Hayek, 1. c, S. 712 (1901). — B.: Wald- 
lichtungen am Trebevic. 

Centaurea MüUneri G. Beck, Fl. v. Niederöst., II, S. 1261 (1893). 
Syn.: ? C. stenolepis X jacea Hayek, 1. c, S. 742—743. — B.: 
Miljackatal und Trebevic, selten. 

Centaurea macroptilon Borbäs, Geogr. atque enum. pl. comit. Castrif., 
p. 247 (1879); vergl. Hayek in Denkschr. d. kais. Akad. d. 
Wissensch, in Wien, XVII, S. 7 15 ff. — B.: Im Miljackatal, 
Sarajevsko polje. — H. : Bei Jablanica. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 269 

Die äbnliclic C. Michaeli G. Beck, Fl. v. Niederöst., IT, 
S. 1261 bat einen kurzen Pappus. 
Ceutam'ea stcnolcpis A. Kerner in Osterr. botan. Zeitscbr., S. 45 
(1872). — B.: Moseanica- und Miljackatal, am Trebevic melir- 
facb (Draguljac, Bjela stiena u. s. w.), 560—1380 m (M.). Auf 
der Vilenica (Brandis). An Böscbungen im Zeljeznicatal, 
um Vares. — H.: Baba planina (Lercb im Herb. Boiler; det. 
Dr. Hayek). 

Centmirea variegata Lam., Encycl, I, p. 668 (1783). — H.: Stirovnik 
(Boll er, nach Hayek), Plasa planina (Fiala). Cvrstnica 
planina, ca. 2200 m. 
Var. nana (Baumg*.) Hayek, 1. c, S. 652. — B.: Am Trebevi6 
(Draguljac u. s. w.) und am Ildes gegwiüber Starigrad. 
Var. C. pseudomontana m. 

Habitus genau wie bei C. montana L. Stengel ausge- 
breitet, aufsteigend, bis 45 cm lang, 1 — 4köpfig. Blätter grün, 
verkablend, die unteren zuweilen buchtig gezähnt, sonst ganz- 
randig. Anhängsel der Hüllschuppen meist hell, seltener dunkel- 
braun, Fransen öfters weißlich, etwas länger als die Breite 
des dunklen Randes. — H. : Häufig in den mit Weißkiefern 
bepflanzten Bergabhängen bei Konjica, ca. 300 m. Juni. 

Centaurea tuherosa Vis., Flor. Dalm., II, p. 33, Tab. XII, Fig. 2 
(1847). — H.: Gradac am Südfuße der Cabulja planina (Fiala, 
als C. axillaris var. ochroleuca). — B. : Borova glava im Bez. 
Livno (Fiala). 

Die Pflanze von Gradac hat weißliche Blüten, nur die 
Antheren sind außen violett, beziehungsweise blau gefärbt. 

Centaurea cyanus L., Spec. pL, p. 911 (1753). — B.: Verbreitet 
um Sarajevo: Sarajevsko polje, Miljackatal, Hum etc. — H. : 
Am Ufer des Blidinje-Sees. 

Centaurea scahiosa L., Spec. pl., p. 913 (1753), var. Fritschii [Hayek, 
1. c, S. 623 (1901), als Art]. — B.: Miljackatal, Sarajevsko 
polje^ Zeljeznicatal und Trebeviö. An letzterem Orte auch 
eine Form, die wegen des dornigen Endzipfels der Hüllschuppen 
als f. spiniger a Hayek, 1. c, S. 625 zu bezeichnen ist und 
daher der var. spinulosa Kochel nahe steht. 



270 



Karl Maly. 



Centaurea heterotoma [Borbäs in Österr. botan. Zeitscbr., Bd. 41, 
S. 354 (1891) als var. der C. atropurpurea W. K.]. Syn.: 
G. akopurpurea var. diver sifolia Murb., Beitr. z. Flora v. Süd- 
bosnien, S. 99 (1891). — G. MurhecUi Hayek, 1. c, S. 630 
(1901). — B.: Auf derPlazenica bei Kupres (Reiser). Stengel- 
blätter fast ungeteilt, Grundblätter fiederteilig. 

Gentaurea glaherrima Tausch, Sylloge plant, minus cognit, II, p. 249 
(1828). Syn.: G. punctata Vis. in „Flora", XII, I. Erg.-Bl., 
S. 23 (1829). — H.: Drezankatal bei Dreznica. 

* Gentaurea incompta Vis., Flor. Dalm., II, p. 38, Tab. 13b, Fig. l 
(1847). Syn.: G. dissecta var. glahrescens Vandas sec. Hayek 
in scbed. 

Gentaurea Melitensis L.^ Spec. pL, p. 917 (1753). — H.: Trebinje 
(leg. Boller; det. Dr. Hayek). 

Die G. solstitialis h) melitensis Weiß in Hallier-Wobl- 
fahrt, Koch, Synops., ed. 3, p. 1610 dürfte zur var. lappacea 
(Ten.) DC. gehören. 
Gentaurea solstitialis L., Spec. pl., p. 917 (1753), pr. p.; ^lus. 
Adami Willd., Spec. pl., III, p. 2310 (1804). Vergl. A. Kerner 
in Österr. botan. Zeitschr., 1872, S. 121. — B.: Um Rusano- 
vi6 im Bez. Rogatica (Fiala). 

Die mir vorliegende Form ist außerdem durch doppelt 
größere Köpfchen ausgezeichnet. 
Gentaurea calcitrapa L.^ 1. c. Syn. : G. Iherica und f. albiflora Maly 
in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1893, S. 444. 

B. Llguliflorae. 

Gichorium glahratum FygsI, Flor. Sic, I, p, 32 (1826). — H.: Sutorina 
(Curcic). 

Lampsana com^mmis L., Spec.pl., p. 811 (1753), * Y2iY. glandtdoso- 
pilosa Schur, En. pl. Transsilv., p. 355 (1866) = ß. glandulosa 
Freyn in diesen „Verhandlungen", Bd. 27, S. 363 (1877); 
Simonk., Közlem., XV, p. 569 (1878). — B.: Wälder am 
Stolac bei Visegrad (Curcic). 

Hypochoeris radicata L., Spec. pl., p. 811 (1753). — B.: Bei Vise- 
grad (Fiala) und Zenica (Curcic). 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens nnd der Herzegowina. 27] 



* Var. hispida Peterni., FI. Lips., p. 574 (1817). — K: Um Sara 
jevo, unter der typisclien Form (= lelocarpa Regel). 
eontodou his^ndus L., Spec. pl., p. 799« (1753), ysly. Daimhialls 
(Jacqu.) G. Beck, Fl. v. Niederöst., S. 1312 (1893). — B.: Am 
Trebeviö. 

Leontodon Illyricus m. Syn.: L. aiirantiacus [Kit. in Willd., 
Spec. pl., III, 1, p. 1547 (1804), als Apargia; L. croccum 
Haenke ap. Jacqu., Collect., II, p. 16 (1788)?] var. Illyri- 
cus m. — H.: Anf einer humösen Stelle der Cvrstnica planina, 
ca. 2200 m. 

Wurzelstock schief, abgebissen, mit langen und starken 
Wurzelfasern. Stengel niedrig (13 — 40 mm hoch), einköpfig, 
hohl, etwas länger bis kaum doppelt so lang als die dicklichen 
Blätter, aufsteigend, seltener aufrecht, gegen das Köpfchen zu 
kaum verdickt, nackt oder 1( — 2) schuppig, fast kahl, seltener 
etwas weißflockig, oberwärts, besonders unter dem Köpfchen 
weißflaumig und mit abstehenden schwärzlichen Haaren be- 
deckt. Blätter verkehrt eirund4anzettlich, stumpflich oder 
stumpf, in den geflügelten Blattstiel keilförmig verschmälert 
(11 — 37x2 — 4'b')nm), buchtig gezähnt bis schwach fieder- 
spaltig, gegen die Spitze zu ganzrandig oder völlig ganzrandig, 
kahl, selten oberwärts zerstreut einfachhaarig. Köpfchen in 
den Stiel kurz verschmälert, daher glockig- trichterförmig, 
9 — 12(10) mm lang. Hüllschuppen stumpflich, lineallanzettlich, 
die inneren in der unteren Hälfte, meist aber nur am Rande 
weißhäutig, am Rücken wie die äußeren fast schwarz, schwach 
weißflockig und mehr minder von aufwärts abstehenden, viel- 
zelligen schwarzen Haaren bedeckt, an der Spitze flaumig- 
bärtig. Blühende Köpfchen 1*8 — 2 2 cm im Durchmesser. 
Blüten dunkelgelb. Strahlblüten fünfzähnig, kahl (?). Junge 
Früchte dunkelbraun. Pappus fast schneeweiß, einreihig (selten 
hier und da einzelne kürzere, nur gezähnte Strahlen vor- 
handen). Strahlen des Pappus am Grunde verbreitert, gezähnt 
und nebstbei bis nahe zur Spitze federig, kürzer, später so lang 
oder etwas länger als die Hüllschuppen. Blütenboden nackt. 

Die oben beschriebene Pflanze wurde von mir am 5. Au- 
gust 1900 gesammelt. Wegen eines herannahenden Hagel- 



272 



Karl Maly. 



Wetters konnten jedoch nur wenige (16) Stöcke mitgenommen 
werden, die gerade in Blüte standen. Ursprünglich hielt ich 
diese Pflanze für eine neue Form des Leontodon taraxaci Loisel, 
das bereits vom Kom und Durmitor in Montenegro bekannt 
ist, kam jedoch später zu der Überzeugung, daß sie mit 
L. cmrantiams am nächsten verwandt ist, von der auch eine 
Form in den Abruzzen, auf der Majella und in den Gebirgen 
um Neapel vorkommen soU.^) 

Zur Klarstellung der systematischen Stellung des Leonto- 
don Illyrmis wäre noch zu beobachten, ob die jungen Blüten- 
köpfchen nickend oder aufrecht sind, weiters welche Form 
und Farbe die ausgereiften Schließfrüchte besitzen. 

Bei dem Studium dieser neuen Art haben mich zwei 
Herren wesentlich unterstützt und ich benütze daher die Ge- 
legenheit, denselben meinen Dank abzustatten. Es sind dies 
Herr Alfred Chabert in Chamb6ry, der sich vor kurzem mit 
dem Verwandtschaftskreise des Leontodon Pyrenaicus und 
L. taraxaci eingehend befaßte^) und der nach Überprüfung 
des vorliegenden Materiales meine Ansicht bestätigte, daß es 
sich um eine neue Art handle, ferner Herr Gustav Schneider 
in Kunnersdorf bei Hirschberg, dem ich die Mitteilung der 
Beschreibung und Abbildung des von ihm in Gemeinschaft 
mit Prof. Sagorski beschriebenen Leontodon clavatus ver- 
danke. 

Picris Jiieracioides L., Spec. pl., p. 792 (1753). 

Var. ruderalis (Schmidt ap. W.) G. Beck, Fl. v. Niederöst., H, 
S. 1268 (1893). — B.: Verbreitet um Sarajevo (Miljackatal, 
Bergwiesen am Gromoj bei Kosovo). 
*Var. Tatrae (Borb.) m. Syn.: P. Tatrae Borbäs in Term. tud. 
Közl., p. 498 (1894); Österr. botan. Zeitschr., XLV, S. 156 
(1895) (nom. sol.); Ung. bot. Bl., I, S. 320 (1902). 

B.: Alpine fruchtbare Wiesenplätze am Trebevic, 1400 
bis 1600 m. Blüht im August und September. 



^) L. croccum y. hreviscapum DC, Prodr., VII, p. 102 = Apargia auran- 
tiaca Ten., Syllog. pl. vasc. Fl. Neap., p. 392 (1831). 
^) In Bull, de l'Herb. Boiss., Vol. IV. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina, 273 



%. Stengel aufrecht, rundlich, etwa 55 (32 — 76) cm hoch, 
einfach, wie die schlaffen Blätter nait oc abstehenden, an 
der Spitze widerliakigen, weißen, im Blust schw^ärzlichen, 
meist einfachen Borsten und weißen Flocken bekleidet. Grund- 
blätter sehr lang (30 — 42c?n), verlängert lanzetthch, im 
oberen Viertel am breitesten (3—6 cm), spitz oder zugespitzt, 
in den meist breit geflügelten Blattstiel allmählich verlaufend, 
schwach ausgeschweift gezähnt, selten fast ganzrandig. 
Untere Stengelblätter den Grundblättern gleich gestaltet, kürzer, 
die folgenden mit etwas verbreitertem Grunde halb um- 
fassend, allmählich an Größe abnehmend, lanzettlich, ver- 
hältnismäßig breiter, die obersten Blätter aus herzförmigem 
Grunde verlängert, spitz, in die ähnlich geformten, aber kleine- 
ren Deckblätter übergehend. Blust unregelmäßig doldenrispig, 
seltener einfach oder zusammengesetzt doldig (f. umhellifera m.), 
übergipflig, etwa sechsköpfig (3 — 8[ — 13]), mit zuweilen 
vereinzelten, rudimentär ausgebildeten Köpfchen. Blütenstiele 
ziemlich lang, etwas verdickt, zuletzt hohl. Anthodien 10 bis 
13 (meist 11) mm lang, zuerst am Grunde verschmälert, zur 
Fruchtzeit aber breit abgerundet. Hüllblättchen schwärz- 
lich, die inneren stumpflich, lanzettlich, an der Spitze flaumig, 
1*5 — 2 mm breit, häutig berandet, zur Fruchtzeit am Grunde 
kailös verdickt, innerseits furchig vertieft und in den Furchen 
die äußeren Achänen eingesenkt, außen mit schwärzlichen 
steifen, widerhakigen, meist aber einfachen Haaren besetzt. 
Die äußeren Hüllblättchen locker anliegend, mindestens ^2 
so lang als die inneren und samt diesen weißflockig. Blumen- 
kronen getrocknet gelb (23, Saccardo, ed. altera), die Zacken 
der zygomorphen Blumenblätter an der Spitze dunkel gefär])t, 
kahl. Pappus schmutzigweiß. Schließfrüchte rotbraun, quer- 
runzelig, die sterilen hellgelb, 4 ^nm lang. 

Picris hieracioides, eine sehr vielgestaltige Pflanze, be- 
darf, wie bereits J. Freyn^) erwähnt, dringend einer kriti- 
schen Sichtung. Leider ist die Gattung Ficris, wie so manche 
andere, im Herbare des bosnisch-herzegowini sehen Landes- 



^) Österr. botan. Zeitsclir., 1890, S. 44. 



274 



Karl Maly. 



miiseums besonders arm vertreten und es fehlen namentlich 
mit Ausnahme von P. Tatrae Borbas, von dem es mir gelang-, 
durch Baenitz' Tauschanstalt und dem Autor selbst Material 
zu erlangen, alle nächstverwandten Formen. Es bleibt mir 
aus diesem Grunde nichts anderes übrig, als die leider nur 
allzu kurzen Beschreibungen dieser Formen, soweit sie mir 
zur Verfügung stehen, zu Rate zu ziehen. Als nächstverwandte 
Formen sind zu vergleichen: Fkris auriculata Schultz bip.,^) 
P. grandiflora Ten.^) und P. paleacea Vest.^) Fkris auri- 
cnlata weicht nsich Fritsch^) durch abstehende äußere und 
lang schwarzzottige innere Hüllblättchen sowie den reich- 
blütigen Blust ab. P. grandiflora Ten. hat nach Arcangeli^) 
Ii neal -lanzettliche, gezähnte Blätter, ist aber daselbst nicht 
näher beschrieben, daher nicht sicher zu erkennen. P. paleacea 
Vest hat nach Beck^) größere Köpfchen und kleinere Schließ- 
früchte, nach Fritsch, 1. c, auch ziemhch kleine, zerstreut 
borstige, nur etwas rauhe Blätter und aufgerichtete äußere 
Hüllblätter. PospichaP) erwähnt bei dieser Form noch die 
sehr harten und steifen Stengel, die kurzen Blütenstiele 
und die dadurch bedingte andere Gestalt der Infloreszenz. 
Die Darstellung der bisher (mit Ausnahme der P. Tatrae) be- 
sprochenen Formen der P. liieracioides bei Weiß in Hallier- 
Wohlfahrt, Kochs Synopsis,^) der P. crepoides Sauter,^) 
P. auriculata Schultz bip. und sogar P. Pyrenaica L. mit P. 
paleacea Vest, von welcher er die Beschreibung Becks (noch 
dazu fehlerhaft!) wiedergibt, zusammenwirft^ glaube ich mit 
Stillschweigen übergehen zu können. 

Picris Tatrae Borbäs, von welcher ich vier Exemplare 
untersuchen konnte, stimmt mit der Pflanze vom Trebeviö, 



Analys. Cichoriac, Suppl., p. 124 (1841). 
2) Ind. sem. hört. Nap., p. 13 (1830)-, Syll. flor. Nnp., ]). 397. 

Vest in Syll. Ratisb., I, p. 78 (1824). 
*) Exkursionsflora von Österreich, S. 603. 
^) Comp, della Flora Italiana, ed. 2, p. 737. 
^) Flora von Niederösterreich, S. 1268. 
') Flora des österr. Küstenlandes, Bd. 2, S. 773. 
«) 3. Aufl., p. 1636. ») „Flora", XIII, 8. 409 (1830). 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 275 



wie ich glaube, völlig iiberein. Ich besitze sie vom Hnsareii- 
berge bei Koritnicza (Liptau) (leg. L. Richter) und Lucski 
(Borbas) in Ungarn. Der Entdecker hat sie auch auf der 
Veterna-Hola ^) (Kleine Tdtra) gesammelt. 
Scorsonera villosa Scop., Flor. Carn., ed. 2, 2, p. 97, Tab. 46 (1772). 

— H. : Felsen des Stolac bei Mostar. Mai (Fiala). 

Die Früchte sind querrunzelig, die Abbildung in Reichen- 
bachs Icon. flor. Germ., XIX, Tab. 29, Fig. 1 ist daher un- 
richtig. 

ChondriUa juncea L., Spec. pl., p. 796 (1753). 

=^ Var. acantJwphjlla (Borkh.) DC, Prodr., VII, p. 142 (1838). 

— B.: Miljackatal, an felsigen Stellen. 

* Forma glahra Kittel, Taschenb. d. Flora Deutschi., ed. 3, 8. 596 

(1853). — B.: Um Visegrad (Fiala). 
Taraxamm officinale G. H. Web. ap. Wigg., Prim. fl. Holsat., p. 56 

(1780), mhsipGG. 2)aludosum (Scop.) Schlecht, nach A. Gremli, 

Exkursionsflora d. Schweiz, 7. Aufl., S. 254. 
YsiY. palustre DC, Flor, franc., IV, p. 45 (1805). 

1. Shmnn Beck, Fl. v. Niederöst., S. 1314 (1893) = Leon- 

todon erecius Hoppe in Sturm, Deutschi. Flora, 
Heft 41 (1816). — B.: Am Trebevi6 bei circa 1200 
bis 1300 m. Mai. 

2. salinum (Poll.). — B.: Verbreitet: Miljaökatal bis gegen 

das Dorf Sejnovaca, am Trebevic, Hum etc. 
Var. Hoppeanum [Griseb. in Wiegm., Archiv, XVHI, I, S. 349 
(1852j, als Art; vergl. Heuff., En. pl. Banat., p. 112] m. Syn.: 
T. officinale var. ccdcareum Heuff. bei Griseb., 1. c. — T. tara- 
xacum subsp. Hoppeanum m. in sched.^) — B.: Auf sonnigen 
Felsen bei der Burg Starigrad, Palestraße, Kastellberg (bei 
der Bendbasa Kafana), Trebevi6, Hrastova glava, Lapisnica- 
Schlucht. 



^) Borbäs in Földr. Közl., 1900, p. 260, 261, 263 und in Ungar, geogr. 
Gesellsch,, 1900, 8. 2, 4 und 5. 

^) Ob Leontodon taraxoides Hoppe in Sturm, Deutsch). Flora, 1. c, liier- 
her gehört, ist mehr als fraglich, da dieses nach Koch, Synops., p. 428, be- 
hörnte innere Hiillschuppen haben soll. 



276 



Karl Maly. 



Wurzelstock lang, einfach oder verzweigt, gelbbraun. 
Wurzelkrone wie bei T. corniculaktm (Kit.)^.) Stengel ein- 
köpfig, blatthoch oder höher, häufig rot angelaufen, 1 — I b 
(2) mm dick, 3 — 9 cm hoch, flaumig, später verkahlend. Blätter 
verkehrt eirund-länglich, dicklich, stumpf, gegen den Grund 
zu keilig verschmälert, fiederteilig, schrottsägig mit stumpfen 
oder stumpflichen, arm gezähnten oder fast ganzrandigen 
Lappen und schwach- oder ungezähnter Spindel, am Grunde 
weißgrau oder braunwoUig. Hülle glockig, 11 — Ib mm lang. 
Hüllschuppen unbehörnt und ohne Höcker (sehr selten die 
inneren an der Spitze verbreitert und ausgerandet), die äußeren 
eiförmig, zugespitzt, locker aufrecht anliegend, zuletzt etwas 
abstehend, bewimpert, am Grunde flaumig, die inneren eiförmig- 
lanzettlich in eine pfriemliche, meist verbreiterte Spitze vorge- 
zogen und bis dahin breit häutig berandet. Blütenboden bienen- 
zellig-grubig. Strahlblüten ungefähr doppelt so lang als die 
Hülle, die randständigen außen meist dunkel gestreift, behaart, 
zitronengelb. Griffel gelb oder gelblich. Früchte in den zwei- 
mal längeren Schnabel rasch verschmälert, rotbraun, gekörnelt, 
an der Spitze stachelig. Pappus schneeweiß. 

Sonchus uliginosus M. a B., Flora Taur. Cauc, H, p. 238 (1808). — 
B.: Am Trebevic bei 1040— 1500 m. 

Sonchus asper L., Spec. pl., p. 794, pro var. (1753), var. pungens 
Bischoff, Beitr., S. 222 (1851). — H.: In Gräben bei Konjica. 

Lactuca muralis (L.) Lessing, Synops. g. Comp. (1832), Fresen., 
Taschenb., S. 484 (1832). — B.: Um Brankoviö im Bezirke 
Rogatica, Kosevotal bei Sarajevo (Fiala), am Stolac bei 
Visegrad (V. Curcic), am Trebevi6 (M.). — H.: Auf der 
Cvrstnica. 

Beichardia macrophylla (Vis. et Panc.) Panciö, Flora princip. Serb., 
p. 460 (1874). Syn.: R. picroides Roth var. macropltylla m. 
in sched. — H.: Im unteren Tesanicatale bei Konjica. 

Crepis rJioedifolia M. a B., Flora Taur. Cauc, II, p. 259 (1808); III, 
p. 538. — B.: Bei Visegrad (Curcic). Um Sarajevo ver- 
breitet: Miljackatal, Moscanicatal u. s. w. 

1) Siehe G. Beck, Fl. v. Niederöst., S. 1316. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 277 

Crepis vesicaria L., Spec. pl., p. 805 (1753). — IT.: Am Stolac bei 
Mostar (Fiala\ 

Crqris incarnata Tausch in „Flora", XI, 1. Erg.-Bl, S. 79 (1828), 
var. Dinarica G. Beck, Flora v. Südbosn., 3. Teil, S. 187 (1887). 

— B. : Auf der Krugsko planina bei Livno (Weisbach). 
Crepis alpestrls Tausch in „Flora", XI, 1. Erg-.-Bl., S. 79 (1828). 

Forma Gmelinlana Frölich in DC, Prodr., VII, p. 166 (1838). 

— B.: Trebevi6. 

*Var. Visianiana Kchb. fil., Icon. flor. Germ., XIX, Tab. 98 
(1858). — B.: Steinige Abhänge des Trebevic gegen das 
Miljackatal bei Sarajevo. 
Crexns conycifolia (Gou.) Dalla Torre, Anleitung zur Beobacht. und 
Bestimm, d. Alpenpflanzen, S. 259 (1882); Simonk., En. pl. 
Transsilv., p. 364 (1886). Syn.: C. grandiflora (All.) Tausch 
in „Flora", 1. c, S. 80 (1828). — B.: Am Stolac bei Visegrad, 
1670 m (Curciö), am Trebevic. 
Var. siihruncinata Lam. et DC, Flor, frang., ed. 3, IV, p. 33 
(1805). — B.: Am Bukovik und am Trebevic. — H.: Auf 
der Velika raduza im Bez. Prozor (Curciö). 
Crejns viscichda Fröl. ap. DC, Prodr., VII, p. 166 (1838). — B.: In 
Wäldern am Stolac bei Visegrad, circa 1600 m (V. Cure i ('5); 
Jahorina planina, am Trebevic bei 1500 — IQOOm. 
Crepis paludosa (L.) Moench, Method., p. 535 (1794). — B.: Am 
Trebevic zwischen Gebüsch bei 900 — 1600 m (M.), auf der 
Bjelasnica und am Stolac bei Visegrad (V. Curciö). 
Ificraciiwi lloppennum Schult., Österr. Flor., ed. 2, II, S. 428 (1814). 
Subsp. macranthum Ten., Flor. Nap., IV, p. 114 (1830), pro var.; 
1. c, V, p. 190 (1835—1836). 

a. genuinum 1. eglandtdosiim N. P., Hierac^ I, S. 125 (1885). 

— B.: Kosevotal (det. G. Schneider). 
a. genuinum 3. ohscurius N. P., 1. c. — B.: Trebevic (det. 
G. Schneider). 

Subsp. leucoceplialum Vukot., Hierac. Croat., p. 6 (1858). — B.: 
Nächst Krizevac bei Zulj (V. Curcic), auf der Placenica bei 
Kupres (0. Reiser), auf der Treskavica (Fiala), um Pale 
(Fiala), im Kosevo- und Miljackatal, um Lukavica bei Sara- 
jevo, bei Rusanovic (Fiala); det. II. Zahn. 

Z. B. Gfis. Bd. LIV. 19 



278 



Karl Mfily. 



Hieracium auricula Lam. et DC, Flor, fr., IV, p. 24 (1805). 

* Subsp. melaneilema N. P., Hierac, I, S. 186. — B.: Auf der 

Vranica (Curci6), am Weg-e zum Vrelo Grosnjak bei Kupres 
[Fiala^) als Subsp. acutisquamtim N. P.], det. H. Zahn. 
Hieracium rubricatum N. P., Hierac, I, S. 219. 

* Subsp. pseudomacrantlmm (macranthum- auricula melaneilema) 

Zahn nob. — B.: Auf der Vranica planina (Curcici). 
Hieracium auroMiacum L., Spec. pl.^ ed. 2, II, p. 1126 (1763). 
Subsp. acJmole^mtm N. P., 1. c., S. 294. — B.: Am Vlasic bei 

Travnik (0. Reiser), det. H. Zahn. 
Hieracium coUinum Gochnat, Tent. Med. Bot. Cichor., p. 17, Tab. 1 

(1808). 

Subsp. ?>rmiÄm N. P., 1. c., S. 312. — B.: Voralpenwiesen 
am Trebevic (M.), det. H. Zahn. 
Hieracium cymosum L., Spec. pl., ed. 2, II, p. 1126 (1763). 

Subsp. sahinum Seb. et Maur., Flor. Rom., p. 270 (1818). — H.: 
Abhänge des Vuciji zub (Curcic), det. II. Zahn. 

* laxisabinum N. P., 1. c, S. 408. — B.: Am Trebevic 
bei Sarajevo. 

* Siibspec. meizoceplialum N. P., 1. c, S. 403. — B.: Am Trebe- 

vic bei 1600 m (Fiala, Maly), am Draguljac (M.), Igman 
(Fiala), Bukovik (M.), auf der Romanja planina (Fiala), 
Zelengora, am Stolac bei Visegrad (Curcic) und auf der Bo- 
rova glava bei Livno (Fiala), Velika Ljubicna (Curöi6); det. 
H. Zahn. 

Hieracium cruentum N. P., 1. c, S. 455. 

Subsp. erythrodes N. P., 1. c, S. 459, var. Mannagettianum [Maly, 
Glasn., XI, p. 148 (1899); W. M. B., VII, S. 548 (1900), als 
Subsp.] Zahn in sched. — B.: Velica Ljubicna (Curcic^). 
Subsp. ruhrisaUnum Naeg. ap. N. P., 1. c, S. 460. — Ebenda. 
Hierac/kim Fussianum Schur in sched., N. P., 1. c, S. 523. 

Subsp. hololeion N. P., 1. c, S. 524. — B.: Miljackatal, auf Brach- 
feldern nächst Svrakinoselo bei Sarajevo (M.), auf Hutweiden 
nächst Kovacic (F.), um Brankovi6 im Bez. Rogatica (Fiala), 



^) Die von Fiala erwähnten Hieracien hat seinerzeit Prof. Oborny 
bestimmt. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der ITerzegowina. 279 



auf Serpentinfelsen und nassen Wiesen bei 2epce (M.). — 
H.: Nächst Pod-Orosac bei Konjica (M.), bei Soviöi im Bez. 
Ljubuski (F.). — Det. H. Zahn. 

Subsp. furcato-cincinnatiim [Maly, Grlasn., XI, p. 148 (1899); W. 
M. B., VII, S. 549 (1900), unter H. Florentinum] Zahn. Syn.: 
? IL Florentinum subsp. asiolomnn Vukot., Hierac. croat., p. 10 
(1858). — B. : Bosnatal zwischen Zenica und Lasva (Curcic), 
bei Svrakinosclo, Bistricki potok, Miljackatal und um Luka- 
vica (M.); det. H. Zahn. — H.: Nächst Pod-Orosac (M.). 

Über die Zwischenformen H. Florentinum Grex Floren- 
tinum N. F. und //. Fnssianum vergl. Sagorski, Beitr. z. Fl. 
der Herzegowina in Mitt. d. Thüring. Bot. Ver., N. F., Heft XVI, 
S. 42—44 (1902). 
Iiier acium Banhini Besser,^) Prim. Fl. Galiz., II, p. 149 (1809). 
Syn.: H. Magyaricmn N. P.^ 1. c, S. 566. 

Subsp. Besserianum [Spreng., Syst., III, p. 639 (1826), als Art] 
Zahn in Koch-Hallier, Synops, 3. Aufl., S. 1741 (1901). — 
H.: Um Posusje bei Ljubuski (Fiala, als H. Fannonieum 
subsp. umhellosum N. P). — B.: Miljackatal, det. H. Zahn. 

* Subsp. decolor (N. P., 1. c, S. 574). — B.: Miljackatal, det. 

H. Zahn. 

Subsp. heothiniim (N. P., 1. c, S. 575). — B.: Trebevi6, Miljackatal. 

Subsp. Macjyaricum (N. P., 1. c, S. 576) Zahn, 1. c, S. 1741. — 
B.: Miljackatal (M., hier auch die Form pilosius N. P.), am 
Stolac bei Visegrad (V. Curci6), um Lukavica bei Sarajevo 
(Fiala), Travnik (Brandis). — H.: Trebisevo polje (Reiser). 

Hierher gehört nach H. Zahn auch das von mir als 
subsp. megalomastix N. P. angeführte Hieracium. 

Subsp. ßiferum [Tausch in „Flora", XI, Erg.-P>l. I, S. 59 (1828), 
als Art; N. P., 1. c, S. 576]. — B.: Bistricki potok und Tre- 
bevi6 (M.). — H.: Nächst Pod Orosac bei Konjica (M.), det 
H. Zahn. 

* Subsp. adenocymtim (N. P., 1. c, S. 577). — H. : Am Prolog 

bei Livno (Fiala, als subsp. mhstoloniferum N. P.). 

^) Zahn führt in sched. sämtliche Formen dieser Art unter II. Magyari- 
cum auf. 



19* 



280 



Karl Maly. 



"^•YsiY. pilosius Zahn in sched. — B.: Miljackatal und Kastellberg 
bei Sarajevo (M.); det. H. Zahn. 
Hieracium Fistoriense N. P., 1. c, S. 601 (Bauhini + macrantJium). 

— B.: Um Rusanovic (Fiala, als II. canum N. P.), det. H. Zahn. 
Iiier aclmn Ad/riaticum N. P., 1. c, S. 605 (Florentinum > Filosella). 
Subsp. Adriatimm N. P., 1. c, S. 607. — B.: Wegränder am 
Trebevi6 (M.), det. H. Zahn. 
Ilieracium hrachiatum Bertol. in DC, Flor, franc., II, p. 442 (1815). 
* Subsp. dicrcmocaule Vukot., Hierac. croat., p. 6 (1858). — B.: 
Am Trebevic (M.), det. H. Zahn. 
* Ilieracium leptopliyton N. P., 1. c, S. 642 (BmiJiini t> Pilosella). 
Subsp. leptosoma N. P., 1. c, S. 645. — B.: Am Stolac bei Vise- 
grad (V. Curci6), det. H. Zahn. 
'■^Ilieracium Naegelianum Panciö, Elench. pl. Crnagora, p. 57 (1875); 
N. P., Hierac, II, S. 6 (1886). - B.: Zelengora: Pod Stogum 
(Lakatos); det. H. Zahn. 
Ilieracium hupleuroides Gmel., Flor. Bad., III, p. 317 (1808). 
Subsp. SclienJm (Griseb.) N. P., 1. c., S. 21. 

cc. genuinum 1. normale N. P., 1. c. — B.: Auf Felsen bei 
Mrkoviö im Norden von Sarajevo (v. Beck, Maly) 
(= var. mrhovicicum G. Schneider in litt.). — H. : 
Glogovo planina bei Jablanica und Visocica planina 
bei Umoljane (Fiala, als ß. glahrifolium calvicepsl^. P.). 
ß. * glcd)rifolium 2. calviceps N. P., 1. c, S. 22. — B.: Kaja- 
basa bei Travnik (Brandis). — H.: Baba planina 
(A. Boller, als //. glaucum All.). — Det. H. Zahn. 

Ilieracium stupposum Rchb. [Vergl. Florist, prilozi, p. 23 (149); 
Florist. Beitr., S. 25 (549).] 
Subsp. stupposum (Rchb.) N. P., 1. c, S. 45. 

pyramidatum N. P., 1. c, S. 47. — IL: Zaba planina 
(Brandis), det. H. Zahn. 

Herr G. Schneider gliedert (in litt.) den Formenkreis 
der Art folgendermaßen: 

Grund- und unterste Stengelblätter lang gestielt. Htillschuppen 
breitlich. Behaarung der Anthodien oder gering. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 281 



Stengel zuweilen bis zum Grunde verzweigt. Blust hochgabelig 
oder locker rispig, fast traubig, gleich- oder etwas über- 
gipfelig. A ebenen 4 nmi lang. 

Var. stiipposum N. P., 1. c, S. 45, als Subsp. 

1. normale 1^. P., 1. c, S. 46. — B.: Miljackatal, 

bei Mrkoviö. 

2. * calülcaule N. P. — B.: Miljackatal. 
Stengel bis zum Grunde verzweigt. Blust gabelig, gleich- 
gipfelig. A ebenen bmm lang. 

Var. eriopodum N. P., 1. c, S. 47, non A. Kerner. — 
Bisher nur aus Dalmatien bekannt. 
Grundblätter kurz gestielt, unterste Stengelblätter ebenso oder 
nur gegen den Grund zu verschmälert, ungestielt. 
Stengel meist bis zum Grunde verzweigt. Blust gabelig, stark 
übergipfelig. Htillschuppen schmal. Anthodien un- 
behaart. 

* Var. crepidifolium N. P., 1. c, S. 48. — B.: Im Mil- 

jackatal und bei Mrkoviö. 
Stengel nur im Oberteile verzweigt. Blust gabelig, gleich- 
oder etwas übergipfehg. Hüllschuppen breitlich. Be- 
haarung der Anthodien sehr reichlich. 

* Var. hreviphjlUim G. Schneider. 

llieracium stux)posum Rchb. 

* Var. hreviphyllum G. Schneider in litt. 

B. : Um Sarajevo am Kastellberge, bei Da Kiva im Mil- 
jaökatale und bei Mrkovi6 (M.). — H.: An Felsen bei Kon- 
jika (M.). 

„Phyllopod, glauk. Stengel 14 — 30 cm hoch, meist dünn 
und etwas verbogen, seltener dicklich, gerade, bis zum Grunde 
mäßig behaart, drüsenlos. Piaare bis 13 mm lang. Einige 
Rosettenblätter zur Blütezeit noch grün, alle an der Basis sich 
scheidig umfassend^ kurz gestielt oder stielartig in den 
Grund verschmälert, selten eines oder mehrere etwas länger 
gestielte in der Rosette vorhanden, breit lanzettlich, selten 
etwas w^ellenrandig, spitzlich bis sehr spitz, weitläufig gezähnt. 



28? 



Karl Maly. 



Stengelblätter rasch decrescierend, klein, schmal, spitz, 
in der Regel in der unteren Hälfte an beiden Blatträndern 
mit einem kleinen Zähnchen versehen. Behaarung der Blätter 
. auf der Oberseite nur ganz am Rande gering oder fehlend; 
Blattrücken gegen Rand und Spitze, am Mittelnerv und Blatt- 
stiel mäßig zahlreich, auf der Blattfläche spärhch oder verein- 
zelt behaart, Haare 6 — \Omm, selten darüber lang. Flocken 
und Drüsen fehlen. Kopfstand hochgabelig, gleich- oder etwas 
übergipfelig, 1 — 4köpfig, seltener bis wenig unter die Mitte 
verzweigt, gespreitzt gabelig rispig, mehrköpfig. Kopfhüllen 
(10 — )12 mm lang, halbkugehg, mit gerundeter, auch später 
kaum gestutzter Basis. Die äußeren Hüllschuppen fast 
schmal bis breitlich, spitzlich bis spitz, dunkelgrün, breit hell- 
randig; die inneren breiter, weniger spitz bis stumpf, heller. 
Behaarung an den Kopfhüllen bis sehr reichlich, bis 
6 mm lang, an den Kopfstielen zerstreut. Behaarung der Pflanze 
hell, ± verbogen (Avergartig). Drüsen hell, sehr klein, an den 
Kopfhüllen und am Oberteil der Kopfstiele ziemhch reichlich, 
abwärts verschwindend. Flockenbekleidung an der Hüllen- 
basis mäßig, an den Kopfstielen oben ziemlich reichlich, aber 
keinen Filz bildend, nach abwärts und am Stengel bis zum 
Grunde vermindert. Blüten goldgelb, getrocknet mit einem 
Stich ins Orangegelbe. Zungenblumen kahl. Griffel hell. Pappus 
schmutzigweiß, Achänen strohfärbig. Blütezeit: JuH, August. 

Steht der var. crepidifolium N. P.^) nahe, ist aber durch 
die reichliche Behaarung, namentlich der Kopf hüllen, davon 
leicht zu unterscheiden." 

llierackim Tommasinii Rchb. fil., Icon. flor. Germ., XIX, p. 100, 
Tab. 208 (1859), sensu ampl. Syn.: Ii. stupposiim-sabaudiim 
N. P., 1. c, S. 82. — //. stuppostmi-horealc G. Schneider i. 1. 

Diese Art gliedert sich nach G. Schneider (in litt.) 
wie folgt: 

Untere gestielte Blätter genähert, mit den großen, unge- 
stielten im unteren Drittel des Stengels zusammen- 

^) Die Hieracien Mitteleuropas, Bd. 2, S. 48 (1886). 



Beiträge zur Kenntnis der Floru I^osniens und der Herzegowina, 283 



gedrängt, nacli oben zu plötzlich decrescierend. Untere 
Blätter zur Blütezeit zuweilen (gebräunt) noch vorhanden. 

Var. genuiniDn G. Schneider in litt. Syn.: II. Toninia- 
sinü Fries, Epicris., p. 68. — B.: Auf Felsen 
beim Bistricki potok und nächst Da Riva im 
Miljackatal (M.). 
Stengelblätter gleichmäßig verteilt, langsam decrescierend. 
Die unteren Blätter fehlen zur Blütezeit. 

Var. magnifimm G. Schneider in litt. Syn.: H. Tom- 
masinii Subsp. setosissinmm N. P., 1. c, S. 83. — 
H. stn])posiim Subsp. x)acltychaetium N. P., 1. c, 
S. 47. — H. sttq)posmn var. Sarajeveuse G. Sehn, 
olim. — B.: An den gleichen Orten wie die 
vorhergehende Abart (M.). 
Hierucium Tommasinil Rchb. fil., 1. c. 
* Var. magnißcum G. Schneider in litt. 

„Hypophyllopod, glauk. Stengel 26 — bOcni hoch, dick 
oder dicklich, gerade aufrecht, gestreift, gegen den Grund zu 
schmutzig rotbraun, unten und gegen oben zu mäßig be- 
haart. Haare an den Insertionstellen der Blätter, Brakteen 
und Verzweigungen büschelartig zusammengedrängt, bis 
20 mm lang, Drüsen fehlen. Rosettenblätter zur Blütezeit 
meist vertrocknet (oft nur noch das oberste grün, mit 
scheidigem Grunde stengelumfassend) und unmittelbar in 
die Stengelblätter übergehend, so daß die Grenze zwischen 
Rosetten- und Stengelblätter nur an dem Aufhören der Blatt- 
scheiden erkennbar ist, lang gestielt, groß, bis lOc^Hang 
und 4-5 cm breit, breit lanzetthch, stumpflich mit Faltspitze 
bis spitzlich. Die untersten Stengelblätter über der Rosette 
dicht, die oberen entfernter stehend, die untersten den Rosetten- 
blättern ähnlich, aber mehr spitZ; zuerst langsam, weiter auf- 
wärts ziemlich rasch decrescierend, die obersten schmal lan- 
zettlich, spitz, mit verschmälertem Grunde sitzend und zuletzt 
in die Deckblätter übergehend, l^ehaarung oberseits nur gegen 
Rand und Spitze wenig zahlreich, unterseits etwas reichlicher, 
am Rande, Mittelnerv und den Blattstielen reichlich bis zottig, 



284 



Karl Maly. 



S—\bmm und darüber lang. Flocken und Drüsen fehlen. 
Kopfstand über der Stengelmitte gabelig-rispig mit gespreizt 
abstehenden Ästen, etwas übergipflig, mit 4 — 12 normal aus- 
gebildeten und zahlreichen abortierten Köpfchen. Köpfchen- 
stiele mit 6 mm langen Haaren mäßig, oben ziemlich reichlich 
mit kleinen Drüsen, welche abwärts bald verschwinden, be- 
kleidet, oben reich, nach abwärts zu abnehmend flockig. 
Köpfchenhüllen zylindrisch, mit gerundetem oder etwas vor- 
gezogenem, später zuweilen gestutztem ^Grunde^ 12 mm lang, 
mäßig mit 2 — 6 mm langen Haaren und mit sehr kleinen 
Drüsen reichlich besetzt, am Grunde mäßig flockig. Hüll- 
schuppen ziemlich breit, fast stumpf^ die äußeren, etwas 
spitzeren dunkelgrün, hellrandig, die inneren heller, breiter 
berandet. Blumen gelb, Zähnchen kahl. Gritfei hell, gelblich. 
Pappus schmutzigweiß. Achänen klein, 4 rnm lang, strohfärbig. 
Blütezeit Juli, August. 

Nach den weniger wesentlichen Kennzeichen, wie z. B. 
mit Rücksicht auf die Behaarung, Blattform und Blütenstand, 
könnte man innerhalb der beiden vorstehend beschriebenen 
Varietäten mehrere Unterabarten absondern, was ich gern 
anderen überlassen will." 

Herr H. Zahn hält H. stupposiim var. hreviphyllum 
G. Schneider und die vorhergehende Pflanze für Formen einer 
und derselben Abart von //. Tommasinii Rchb. fil. 

Hieracium villosum L., Spec. pl., ed. 2, H, p. 1130 (1763). 

Subsp. villosissimiim Näg. ap. N. P., 1. c, S. 90. — B.: Am 
Vlasic bei Travnik (Reiser). — H.: Auf der Plasa planina 
(Fiala). 

Subsp. villosum (L.) N. P., 1. c, S. 94. 

a. genuinum 3. calvescens h) angustum N. P., 1. c, S. 96. 

— B.: Auf der Treskavica (Fiala) und am Stolac 

bei Visegrad (V. Curcic). 
(X. "^genuinum 4. stenohasis N. P., 1. c, S. 97. — B.: Am 

Trebevi6 bei Sarajevo (Fiala). 
ß. elliptisquamum N. P., 1. c, S. 98. — B.: Treskavica 

planina (Fiala). 



Beitrii^^e zur KtMiutnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 285 



y. ^stenellema N. F., 1. c, S. 98. — B.: Zelengora: Pod 
Stogiim, det. H. Zahn. 
IIicr((rmni villoskeps N. P., 1. c, S. 105. 

Subsp. meliuiostijlum Zahn in sched. [Mit subsp. simplex (Baumg.) 
N. P., 1. S. 112 verwandt.] — H.: Auf Felsen der Visocica 
planina bei Umoljane (Fiala, als IL glabratum Hoppe) mit 

* Subsp. comaiulum N. P., 1. c, S. 11 3, ß. longipliyllimi 1. normale 

N. P., 1. c, S. 114, det. H. Zahn. 
* IJlerackun scor zoner Ifolkm Vill., Hist. pl. Dauph., III, p. III (1789). 

Syn.: U. vülosiim > glcmcum N. P., 1. c, S. 122. 
Subsp. flexuosum W. K. in Willd., Spec. pl., III, 3, p. 1581 

(1804 sec. 0. Kuntze). — B.: Osjecenica planina bei Petro- 

vac (Fiala), am Vlasic bei Travnik (Brandis); det. H. Zahn. 
Hieracium glahraium Hoppe in Willd., Spec. pl., 1. c., S. 1562. 

Syn.: H. villosum-glaucmri N. P., 1. c., S. 136. 

* Subsp. glabratum (Hoppe) N. P., 1. c., S. 138. — B.: Auf der 

Treskavica (Fiala), det. H. Zahn. 
Hieracium silvaticum L., Spec. pl., p. 803 (1753), pro var. 

* (jxq^l plelopliyllogeries (silvaticum > pleiopliijlhm) Zahn. — B. : 

Bosnatal, zwischen Zenica und Lasva (Curcic). 

Hieracium vidgatum Fries. [Vergi. Florist, prilozi, p. 24 (150); 
Florist. Beitr., S. 26 (550).] 

Die Pflanze, welche ich unter diesem Namen im ersten 
Teil meiner „Floristischen Beiträge" anführte, nennt Frey n 
H. fastigiatum Fries. ^) G. Schneider sieht hingegen in ihr 
ein //. vulgatum ad var. alpestrem Üchtr. vergens und er- 
wähnt, daß er dieselbe Form in zahh'eichen Exemplaren aus 
Siebenbürgen, von Porcius und A. Kanitz gesammelt, besitzt. 
Zahn endlich sieht in der bosnischen Pflanze ein H. pallescens 
W. K., Plant, rar. Hung., III, p. 241, Tab. 217 (1812), * subsp. 
pseudo-f'astigiatimi (vulgatum-suhcaesium) Zahn in sched. 

Hieracium (murorum) suhcaesium Fries, Epicris., p. 92 (1862). 
*FoYmsL pluridentattim Zahn in sched. — B.: Häufig am Trebe- 
vic (schon von Fiala gesammelt und als //. hifidum var. graci- 

^) Symb. Ilierac., p. 119; Epicris., p. 98 = II. vulgatum a. typicum Beck, 
¥\. V. Niederöst., Bd. 2, S. 1296. Vergl. über diese Pflanze auch Zahn in Koch- 
Hallier, Synops., 3. Aufl., S. 1785. 



286 



Karl Maly. 



lenkmi Arv.-Touv. bezeichnet, M.), am Dragnljac und im Mil- 
jackatal. Am Abhänge des Veliki Kuk gegen das Zeljeznicatal 
(M.). Auf der Treskavica (Fiala, als H. hificlum Kit. und IL 
carnosum Wiesb.). Im Bosnatal zwischen Zenica und Lasva 
(Curci6), bei Kupres (Fiala, als II. hifidum var. gracUentum 
Arv.-Touv.). — H.: Auf der Glogovo planina bei Jablanica 
(Fiala, als H. hifidum). 

8nh^]). 2>seudoligocephalum Zahn in Koch-Hallier (Wohlfahrt), 
Synopsis, ed. 3, p. 1793 (1901). — B.: Abhänge des Trebevic 
bei Sarajevo (M.). Wurde schon von Fiala und Curci6 da- 
selbst gesammelt und liegt unter dem Namen H. hifidum 
W. K. var. saxigenum Wiesb. und II. praecox f. hasalticum 
C. Schultz im Herbar des Landesmuseums. Bjelasnica planina 
(Curcic, als H. hifidum var. saxigenum Wiesb.). 

* Forma Eatishonense Zahn, 1. c, p. 1793. — H. : Um Pod Orosac 

bei Konjica. 

* Var. sqiiarroso-ramosiim Zahn in sched. — B.: Trebevic planina: 

Bistricki potok (M.). — Diese Pflanze bezeichnet mir Herr 
Schneider als ein zweifelloses H. plumheum Fries. 

Ilieracium Trehevicianum mihi, Florist. Prilozi, p. 23 (149); Florist. 
Beitr., S. 26 (550). Syn.: H. pleiopltyllum-suhcaeslum Zahn 
in sched. — B.: Auf der Treskavica (Fiala) und bei Vranji 
dol (E. Brandis). 

Als * f. suhpleiopliyllum Zahn liegen Exemplare vom 
Mos^anicatal und vom Ivan-Sattel vor (M.). 

* Ilieracium glaucinoides f. supracalvum Zahn ined. — Syn. : II. 
pleiophyllum-silvaticum Zahn. — B.: Romanja und Treskavica 
planina (Curci6). — H.: Prenj planina (Curcic), Visocica 
planina bei Umoljane (Fiala, als II. murorum var. ciliatum 
Almqu.). 

Mit behaarten Köpfchen zwischen Zenica und Lasva 
(Curci6). 

Ilieracium praecurrens Vukot. in Rad jugoslav. Akad., VIII, p. 164 
(1881). Syn.: pleiopliijllum-silvaticum Zahn in sched. — ß.: 
Am Trebevic bei Sarajevo (Fiala), Abhänge des Udes gegen 
die Miljackaschlucht (M.), um Travnik (Brandis, als II. prae- 



Beiträge zur Kenntnis der Flor.'i Bosniens und der Herzegowina. 1^87 



cox und IL xyaUeseens). — IL: Am Velez bei Mostar (Curcic, 
als H. einer ascens). 

* IJleraciiim epiprasinum Zahn ined. Syn.: H. pleiopliijlliim-caesiiini 

Zahn. — B.: Zwischen Rogatica und Han Praca (Fiala; 
Oborny als ? H. serratifolium Vukoi). 
* IIlcrackoH Ourciciamim^) Zahn ined. Syn.: llierackim pleio- 
2)hylhn}i <^ Vrcmjamnn {FsLmi6) Zahn. — B.: Auf der Vranica 
planina (Brandis, als H. praecox; Curöic). 

* Hiera dum Fojnicense Zahn ined. Syn.: //. Curciciamim-suhcaesiitm 

subsi^. pseiiMigoccphalum Zahn. — B.: Auf der Vranica pla- 
nina im Bezirke Fojnica (Curci6). 

Hieracium Transsilvanicum Heuff. in diesen „Verhandlungen", VIII, 
S. 151 (1858); Österr. botan. Zeitschr., VIII, S. 27 (1858). 
Syn.: H. pleioplujllum Schur in Verh. d. siebenb. Ver., II, 
S. 171 (1851); III, S. 87 (1852); IV, S. 46 (1853) (solum 
nomen). — B.: Verbreitet, besonders häufig in den höher 
gelegenen Buchenwäldern, aber auch in Fichten- und Tannen- 
wäldern nicht selten und zuweilen in die Täler herabsteigend. 
Im Fichtenwalde bei Mokro (Blau, Reisen^ S. 9), Abhänge 
des Trebevic gegen die Miljackaschlucht, ca. 650 sehr häufig 
in Fichten- und Buchenwäldern um Kasidol am Fusse der 
Jahorina (M.), am Stolac bei Visegrad (Curcic), am Trebevi6, 
ca. 1300 — 1600 m. — H. : Buchenhochwälder am Ivan-Sattel. 

Uieraciiim plumtdosum A. Kerner in Österr. botan. Zeitschr., Bd. 24, 
S. 170 (1874). Syn.: H. thapsiforme Uchtr. (1875) subsp. 
(jxjmmcep)lialum (Gris.) ß. plmnulostim N. P., 1. c, II, S. 293 
(1889). — B.: Von dieser Form fand ich am Trebeviö bei 
1390m Höhe noch zwei vereinzelte Stücke! Auf Felsklippen 
des Trebevic oberhalb des Judenfriedhofes (Fiala). — H.: Glo- 
govo planina bei Jablanica (Fiala). — Det. H. Zahn. 

Anmerkung. Faßt man H. plumulosum und H. thap- 
soides Panc. (= H. thapsiforme) in eine Gesamtart zusammen, 
wie dies Nägeli und Peter, 1. c, thun, so muß man den 
ersteren (älteren) Namen voranstellen. 

^) Nach Vejsil Öuröic, Assistent am Landesmuseum zu Sarajevo, der 
seinerzeit viele Pflanzen für weiland Kustos Fiala, beziehungsweise die 
botanische Abteilung des Museums sammelte. 



288 



Karl Maly. 



Das echte II. thapsiforme Üchtr., sec. Ascberson und 
Kanitz, Catal. cormophyt., p. 43 (1877); Üchtr. in litt, ad 
Panci6, sec. N. P., 1. c, S. 291 (1889), soll nach G. Schneider 
in litt. (19. /IX. 1902) ebenfalls um Sarajevo, und zwar bei 
Da Kiva im Miljackatal vorkommen. Zu H. thapsiforme Üchtr. 
[= H. tliapsoides Panci6, Elench. pl. Cernag-., p. 59 — 60 (1875), 
nicht Arvet-Touvet (1873)] gehört nach G. Schneider in litt, 
auch das II. Delpinoi Baldacci (1892) nach der Beschreibung 
Freyns im Bull, de l'Herb. Boiss., Vol. IV, p. 660 (1896), 
welches am Originalstandort des von Panci6 beschriebenen 
Hieraciums wächst! H. thapsiforme Freyn, 1. c, S. 650, non 
Üchtr. ist jedoch eine andere Pflanze. H. thapsiforme subsp. 
* lanifolium N. P., 1. c, S. 293 (1889) = H. eriophyllum Vukot. 
in Rad jugoslav. Akad., VIT, p. 77 (1869), non al., kommt 
nach G. Schneider auf Felsen des Bistricki potok vor und 
stellt ein H. thapsiforme < stupposum dar. Als H. lanifolium 
N. P., 1. c, wurden mir auch von H. Zahn einige Pflanzen 
bestimmt, so von der Osjecenica planina bei Petrovac (Fiala, 
als H. Tommasinii Host), aus der Gegend von Mrkovi6 (Maly) 
und „Ad saxa calc. prope Sarajevo" (G. de Beck, PI. Bosn., 
Ser. II, Nr. ?, mit H. Schlosseri, als H. Waldsteinii). 
^' Hieracium bosniaphilum G. Schneider nov. spec. Syn.: H. stup- 
posum-thapsiforme G. Schneider. 

Phyllopod oder hypophyllopod, Stengel aufrecht oder 
bogig aufsteigend, schlank, dünn oder dicklich, verbogen oder 
gerade, gestreift, unten nicht selten violett überlaufen, oben 
unbehaart oder nur mit zerstreuten Haaren besetzt, abwärts 
unter der Mitte anfangs mäßig, dann bald sehr reichlich 
behaart, zwischen den vertrockneten Blattscheiden unbehaart. 
Drüsen- und Flockenbekleidung am Stengel fehlend oder nur 
gering. Stengel im allgemeinen schaftartig. Grund- und 
unterste Stengelblätter am Grunde mit Blattscheiden ver- 
sehen, welche sich über dem Grunde gegenseitig, höher hin- 
auf aber nur den Stengel (etwa zur Hälfte) umfassen. Zur 
Blütezeit sind Grund- und Stengelblätter nur bei einer Abart 
vorhanden, sonst meist wie die untersten Stengelblätter bereits 
abgestorben. Grundblätter elliptisch oder verkehrt ei- 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 289 



förmig, mit aufgesetztem Spitzchen, seltener lanzettlich, die 
äußeren gestielt, mit breitgefliigeltem Blattstiel oder nur 
gegen den Grund zu verschmälert, alle ganzrandig oder 
mit einigen entfernt stehenden Zähnchen versehen. Unterste 
Stengelblätter den Grundblättern ähnlich, aber deutlicher, 
mitunter sehr lang gestielt, die aufwärts folgenden, ebenso 
geformten ± lang oder kürzer in den Grund verschmälert. 
Alle diese Stengelblätter ansehnlich bis groß, sehr lang- 
sam decrescierend. Internodien immer kürzer werdend, 
dann plötzlich bedeutend kleinere (gewöhnlich zwei) 
breitlanzettliche Stengelblätter folgend, über welchen in 
w^eiteren Abständen noch wenige lineallanzettliche, in die 
Deckblätter übergehende, sehr kleine Blätter stehen. Zur 
Blütezeit sind zuweilen sämtliche entfernter stehende untere 
Stengelblätter bereits abgestorben. Die oberen gedrängt stehen- 
den Blätter bilden dann im unteren Drittel des Stengels eine 
Scheinrosette. Stengelblätter meist ebenfalls ganzrandig oder 
nur entfernt gezähnelt, selten scharf oder deutlich buchtig ge- 
zähnt. Bekleidung beiderseits mit 4— 6 mm langen, stark 
federigen, lang gespitzten, ± gekräuselten, seiden- 
artigen Haaren, welche auf den Blattflächen einen lockeren, 
gegen Rand und Mitte zu und an den Blattstielen einen etwas 
dichteren Filz bilden, so daß die Blattfärbung nicht kreide- 
weiß wie bei H. thapsiforme, sondern d= grünlich erscheint. 
Zuweilen sind der Behaarung, namentlich an den Kaulomen 
und Kopf hüllen, auch einfache (gezähnte) Haare beigemengt. 
Blust hochgabelig oder sehr locker rispig. Die Verzweigung 
ist stets auf den oberen, schaftartigen Teil des Stengels be- 
schränkt und oft nur durch sitzende axillare abortive Köpfchen 
angedeutet. Blust meist gleich- oder untergipfelig, selten über- 
gipfelig, (1 — )3 — 6( — 10)köpfig, in der Regel mit mehreren 
abortiven Köpfchen. Kopfstiele schräg, häufig etwas gebogen 
abstehend, db mit Flocken, zuweilen auch mit Drüsen, seltener 
mit einigen Haaren bekleidet. Kopfhüllen 12 — 14: mm lang, 
halbkugelig, zuweilen etwas niedergedrückt, meist spärlich, 
selten reichHcher behaart oder unbehaart, d= r eich drüsig 
und mit Flocken reichlich bekleidet. Hüllschuppen breitlich 



290 



Karl Maly. 



bis breit, zugespitzt bis spitz. Zungenblumen gelb, Zähnchen 
ungewimpert. Griffel gelb. Pappus schmutzigweiß. Achänen 
blaß rotbraun, 3 — 4 mm lang. Blütezeit Juli — August. 

Mehrere oder alle Grundblätter zur Blütezeit noch grün. 

Grex I: Plumosa G. Schneider. 
Sämtliche Grund- und unteren Stengelblätter zu einer 
bodenständigen, gedrängten Rosette vereinigt. 
Nur die äußeren kurz gestielt^ die übrigen in den 
Grund verschmälert oder ungestielt, einfach sitzend. 
Behaarung der oberen Blattfläche sehr locker. Stengel 
dünn oder schlank, gebogen. Blust hochgabelig, arra- 
köpfig, gleich- oder untergipfelig. 

Var. plumulosum A. Kern, in Österr. botan. Zeitschr., 
XXIV, S. 170 (1874), als Art. Syn.: //. shtp- 
posum 'brevi2)hyllum > tJiapsiforme G. Schneid. 
— B. : Miljackatal, Trebevic (Kapa, Felsen am 
Bistricki potok). — Montenegro: An Felsen in 
der Waldregion des Lovcen, 1250 m (Pich 1er). 
Andere Angaben unsicher. 
Grundblätter zur Blütezeit fehlend, nur die unteren Stengel- 
blätter noch vorhanden. 

Grex II: Stupposiformia G. Schneider. 
Untere Stengelblätter sehr lang gestielt, sehr entfernt 
stehend. Blätter etwas dünnhäutig. Stengel dünn, 
meist vom Grunde an bogig aufsteigend, zu- 
weilen sehr verbogen. Blust hochgabelig, armköpfig, 
gleich- oder etwas untergipfelig. 

*Var. stupposiforme G. Schneider. Syn.: H. stup- 
posum calvicaule > thapsiforme G. Schneid. — 
B.: Am Trebevic (Bistricki potok, Felsen der 
Kapa) und im Miljackatal bei Da Riva. 
Untere Stengelblätter kurz gestielt, genähert (so daß sich 
die Blattscheiden mindestens berühren). Blätter ziem- 
lich derb. Stengel schlank, aufrecht oder dünn, ver- 
bogen. Kopfstand hochgabelig oder armköpfig-rispig, 
gleich- oder untergipfelig. 



Beitrüge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 291 



* Var. (lelanaümi G. Schneider. Syn. : skippostim 
hreinpliyllum-tliapsiforme G. Sclmeider. — B.: 
Wie vorige. 

Grund- und sämtliche gestielte untere Stengelblätter zur Blüte- 
zeit abgestorben. 

Grex III: Congestifolia G. Schneider. 
Sämtliche zur Blütezeit noch vorhandene Stengelblätter 
4— 6 cm über dem Grund zu einer Scheinrosette 
zusammengedrängt, ziemHch derb. Stengel dicklich 
oder schlank, aufrecht oder wenig verbogen. Blust 
locker rispig, mehr- (bis sechs-) köpfig, übergipfelig. 
Var. gymnoceplialum Gris. in Österr. botan. Zeitschr., 
XXIII, S. 266 (1873), als Art, nec Wettst., nec 
Freyn, N. P. ex p. Syn. : H. stupposuni < tJiapsi- 
forme G. Schneider. 

1. Blätter ganzrandig oder entfernt gezähnelt: 

a. genuimmi G. Schneid. — B. : Auf Felsen 
am Bistricki potok (Trebevi6), nur 
zwei Stücke. — Montenegro: Im Tale 
Perucicadol unterhalb des Kom (loc. 
class.). Andere Angaben unsicher. 

2. Blätter scharf oder buchtig gezähnt: 

ß. lanifoluwi N. P., 1. c, II, S. 293 (1889). 
Syn.: II. eriopliyllum Vukot. in Rad 
jugosl. Akad. Zagreb, VII, p. 77 (1869), 
sec. N. P. — B. : Wie vorige. Nur ein 
Stück vorhanden. — Kroatien: Am 
Velebit, Lubicko Brdo und auf Kalk- 
felsen der Lika (nach N. P., 1. c). 
Ilieracium thapsiformoides G. Schneider in litt. = H. plumulosi- 
forme G. Schneider olim. Syn.: //. Tommasinii-thapsiforme 
(stupposiim-horeale-tliapsiforme ) G. Schneider. 

Hochwüchsig, großblättrig, hypophyllopod. Stengel 
40 — 55( — 100) cm hoch, dick, aufrecht, stark gestreift, 
unten violett überlaufen, reichlich, aufwärts vermindert bis 
zerstreut behaart, oben mit einigen Flocken und Drüsen be- 



Karl Maly. 



setzt. Untere und mittlere Blätter ansehnlich bis groß, 
elliptisch, zuweilen fast rautenförmig oder breit lanzett- 
lich, die untersten gestielt, die mittleren in den Grund 
verschmälert, die breit lanzettlichen einfach sitzend. Im 
oberen Teil des beblätterten Stengelteils sind schmallan- 
zettliche, einfach sitzende Blätter eingeschaltet, welche lang- 
sam decrescierend in die Deckblätter übergehen. Untere Blätter 
abgerundet mit aufgesetztem Spitzchen, die mittleren spitzer, 
die oberen spitz. Bekleidung aus stark federigen zuge- 
spitzten seidenartigen Haaren bestehend, beiderseits 
einen ± lockeren, an den Rändern, am Mittelnerv und 
Blattstiel etwas dichteren Filz bildend, in den Blattachseln 
schöpf ig zusammengedrängt. Die Verzweigung stets auf 
den oberen, kleinblättrigen und mit Deckblättern be- 
setzten Stengelteil beschränkt. Blust gabelig, fast traubig- 
rispig, übergipfelig, die oo abortiven Köpfchen ungerechnet 
(3 — )4 — Sköpfig. Kopfstiele schräg, meist bogig abstehend, 
oben ziemlich reichlich mit weißen, schwarzfüßigen Haaren, 
Drüsen und Flocken bekleidet, welche sich abwärts vermindern. 
Kopf hülle 12 — 14 mm lang, halbkugelig, meist etwas niederge- 
drückt, mit einigen weißen, schwarzfüßigen Haaren, oo Drüsen 
und Flocken bekleidet. Hüllschuppen breit, zugespitzt, 
dunkel hellrandig. Zungenblumen gelb, ungewimpert. Griffel 
gelb. Pappus schmutzigweiß. Blütezeit Juli, August. 

1. Unterste gestielte Blätter zur Blütezeit meist nicht, selten 
einige gebräunte mit noch erkennbaren Umrissen vor- 
handen, fast spatelig, kurz gestielt, die darüber stehen- 
den länger gestielt, die Länge der Blattstiele und die 
Internodien nach aufwärts zu aber wieder abnehmend, 
so daß die Beblätterung in der Region der ungestielten 
großen am dichtesten ist. Auf die breit lanzettlichen 
großen Blätter folgt ein viel kleineres, ebenso geformtes 
Blatt und über diesem eine Anzahl entfernt stehender 
schmälerer, lanzettlicher Stengelblätter, welche all- 
mählich in die Deckblätter ül)ergehen. Alle Blätter sind 
fast ganzrandig, nur mit einigen entfernt stehenden 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 293 

Zähnchen versehen, ziemlich derb. Achänen hell rot- 
brännlich. 

a. genuinnm G. Sehn. Syn.: H. Tommasinii gentiimim- 
tliapslforme G. Sehn. — H. gymnocephalmn Aut. 
pliir. — B. : Am Trebeviö (Bistricki potok-Felsen, 
Kapa). 

2. Untere Blätter zur Blütezeit nicht mehr vorhanden, 
alle übrigen am Stengel ziemlich gleichmäßig ver- 
teilt und allmählich decrescierend, deutlich entfernt 
gezähnt, ziemHch dünnhäutig. In den Achseln der mittleren 
Stengelblätter zuweilen (wenigstens bei dem vorliegenden 
Stück) kleinblättrige Rosetten eingeschaltet. Achänen 
bisher unbekannt. 

ß. *remotifoUum G. Sehn. Syn.: //. Tommasinii var. 
magnificum-t]icq)si forme. — B. : Nur ein Stock 
von der (Colina-) Kapa bei Sarajevo, wo sie mit 
voriger wächst, hegt vor. Vielleicht ein Bastard. 
Anmerkung. //. thapsiformoides G. Sehn, ist nach 

H. Zahns Ansicht H. ScJilosseri Rchb. fil., Icon. flor. Genn., 
XIX, p. 94, Tab. 1556 (1859), und stellt ein H. Tommasinii- 
jdnmulomm Zahn dar. Es liegt von folgenden Orten vor: 
Auf Felsen im Miljacka- und Mosöanicatal, Felsabstürze der 
Kapa (Trebevic), am Bistricki potok (M.); Miljackaschlucht bei 
Starigrad (Fiala), im Bezirk Visegrad bei Staribrod (Curcic). 
In der Herzegowina auf der Glogovo planina bei Jablanica 
(Fiala, als H. pannosiim subsp. Mohragorae N. P.). 

Hieracium Bosniacmn Freyn in Bull, de FHerb. Boiss., Vol. III, 
p. 508 und 654 (1895) = H. pannosum X Waldsteinil Freyn, 

I. c. Syn.: H. pannosum yy plmmdosum Zahn in sched. — 
B.: Um Rogatica (Fiala). Der zweite Standort dieses schönen 
Habichtskrautes. Vom Autor bestimmt. 

Hieracium Scliepptigiamim Freyn, 1. c, S. 651, 653 und 665 (1895). 
Syn. : H. Orieni < scorzonerifolkmi Freyn, 1. c. — B. : Auf der 
Treskavica von Fiala gesammelt und neu für Bosnien. (Liegt 
im Herbar als //. divaricatum Huter, P. und Rigo subsp. hasi- 
glaucum 2. villosius N. P., 1. c, II, S. 133.) — Det. H. Zahn. 

Z. B. Ges. Bd. UV. 20 



294 



Karl Maly. 



Hieracium jwenanthoides Y\\l, Prospect. Daiiph.^ p. 35 (1779); Flor. 
Delph., p. 85 (1785); Eist. pl. Daupli., III, p. 108 (1789). 

* Subsp. vaMefoliatmn Zahn ined. Syn. : H. liipleunfolmm-valde- 

frondosum Zahn. — B'.: Waldränder am Trebeviö, ca. 1500 
bis 1600 m. Daselbst auch 

ß. * sublanceolatum Zahn ined. Syn. : H. lanceolatum-valde- 
foliatum Zahn. 

Ilieraciuni lanceolatum Vill., Bist. pl. Dauph., III, p. 123, Tab. 30 
(1789). 

Subsp. lanceolatum (Vill.) Zahn in Koch-Hallier, Synops., 
3. Aufl., S. 1864. Syn.: H. Juranum Fries var. Focuücum 
Wol'osz. f. suppitosiim G. Sehn. — //. Daciciim Gr. Sehn., nicht 
Üchtr., nach H. Zahn. — B.: In lichten Wäldern am Trebevic, 
ca. 1200— 1500 m, mit: 

* Subsp. auriflorum Zahn in sched. Syn. : H. hupleurifolkim » hrevi- 

folium Zahn. 

Nachdem die Meinungen G. Schneiders und H. Zahns 
über die vorerwähnten //. lanceolatum-F ormen weit aus- 
einandergehen, sei auch die Darstellung des Sachverhaltes 
nach ersterem Hieracienforscher hier wiedergegeben. 
Ilicracium Juranum Fries, Symb., p. 129 (1848); Epicrisis, p. 104. 
? *Var. Focuücum Wolosz. in Sprawozd. Komisyi fizyogr. etc. 
Krakowsk, Jahrg. 1887, p. 21; Vol. XXV, p. 15 (1890), sec. 
Wotoszczak in litt. Syn.: H. Fiehmanni Wolosz. in sched. 
— B.: An lichteren Waldstellen am Trebevi6, etwa 1300 m. 

„Habituell mit der von Reh mann als J?. Juranum Fries 
ausgegebenen Pflanze von Mikuliczyn im Stanislauer Kreise^) 
gut übereinstimmend, nur daß die bosnische Form etwas 
schwächer behaart ist und die Nervatur der Blattunterseite 
deutlich netzartig erscheint. Dadurch nähert sich die bosni- 
sche Pflanze der var. Froelichii Buek, während in der Be- 
haarung Rehmanns ostgalizische Form der var. Froelichii 
näher steht als die bosnische. Dagegen weicht ein aus dem 
Herbar Ullepitsch in meinen Besitz gelangtes, von Bioski 
als durch Dr. Woloszczak selbst im Kolomeaer Kreise ge- 

Vergl. Österr. botan. Zeitschr., 1873, S. 217—218, unter II. Juranum. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 295 



sammelt bezeichnetes kräftiges Individuum, als H. Foctiticum 
Wolosz. mit dem Synonym IL Juranum Rebm. von Fries 
determiniert, sowobl von der Rehmann sehen wie von der 
bosnischen Pflanze ganz erheblich ab und sieht mehr der var. 
Jurassiciini Griseb. ähnlich, als wie einer anderen Form des 
vielgestaltigen H. Juranmn Fries sensu ampliori, von dem mir 
eine vollständige Sammlung zum Vergleiche zur Verfügung 
steht. Ich habe daher der Benennung ein Fragezeichen bei- 
gefügt. " 

II. Pocutictim Wolosz. wurde auch im Jahre 1894 am 
Zeidener in Siebenbürgen gesammelt.^) (G. Schneider in litt.) 
Hieracium Bacimm Üchtr. in Österr. botan. Zeitschr., Bd. 25, S. 214 
(1875). — B.: Im lichten Jungwald am Trebevic, selten, 1500 
bis 1600w. August, September. 

Die Pflanze vom Trebevi6 wurde nach einer Bestimmung 
J. Freyns bereits von K. Vandas^) daselbst gesammelt und 
stellt eine f. elatlor dar. 

„Da mehrere Autoren hartnäckig die nahe Verwandt- 
schaft des H. Bacicum mit II. Silesiactim Krause behaupten 
und sie der Gruppe Cermia zuzählen, füge ich nachstelkcnd 
dasjenige bei, was Üchtritz selbst in dieser Beziehung sagt. 
In dem Durchforschungsberichte der schlesischen Phanero- 
gamenflora für 1876^) bespricht Üchtritz im Anschluss an 
//. Silesiacum die Resultate einer Untersuchung des Original- 
exemplars von Heuffels //. Kotschyanum, wobei er bemerkt, 
daß letzteres nur eine Varietät des H. Silesiactim sei, und 
schließt diese Besprechung mit folgenden Worten: „Dem 
Heu ff eischen Originale ist neuerdings von der Hand des Dr. 
Vinzenz v. Borbäs eine Etiquette mit der Bemerkung: //. 
Kotschyamim H. idem ac II. Bacicum Üchtr., Österr. botan. 
Zeitschr., 1875, Juli, beigefügt worden. Die oberflächliche 
Betrachtung des //. Bacicum, einer vom gleichen Bergzuge 
wie die Heuf fei sehe stammenden schönen Pflanze, die ich 

^) Dr. Schübe in Verhandl. des Schles. Ver. für vaterl. Kultur, 1894. 
2) Neue Beitr. z. Kenntnis d. Flora v. Bosnien u. d. Ilerzeg., 8. 271 (1890). 
•'') Jahresbericht der Schles. Gesellscli. für vnterl. Kultur, Sep.-Abdr., 
S. 32 und 33. 

20* 



Karl Maly. 



nach von Borbäs dort gesammelten Exemplaren beschrieben 
habe, läßt indessen sofort die Verschiedenheit beider gewahren. 
//. Dacicum ist nach den vegetativen Organen ein entschie- 
denes Prenanthoideum, also ein Accipitrinum; die grund- 
ständigen Blätter sind zur Blütezeit demnach nicht 
mehr vorhanden. Die stengelständigen nehmen nur sehr 
allmählich an Größe ab und sind einander mehr genähert, die 
mittleren und oberen sind mit breiter, oft gestutzter 
Basis Stengel umfassend, nie lanzettUch verschmälert. Die 
Nerven der Blattunterseite anastomosieren deutlich 
wie bei den Prenanthoideis. Die Hüllblätter sind kurz und 
stumpf wie beim typischen II. Silesiacum, die Ligulae da- 
gegen an der Spitze schwach gewimpert, nicht kahl wie bei 
II. Kotscliyammi und H. Silesiacum. Das H. Dacicum ist dem- 
nach (? ? G. Schneider) eine Zwischenform zwischen diesen 
beiden und dem H. prenantlioides, die erwähnte Bemerkung 
von Borbas also keineswegs gerechtfertigt." Soweit Ü cht ritz. 
Ich selbst aber bestreite, daß man lediglich der gleichen 
Hüllschuppen wegen bei sonst totaler Verschiedenheit II. Da- 
cicum als eine Zwischenform von H. Kotschyanum und H. 
Silesiacum einerseits und H. prenantlioides andererseits aufzu- 
fassen berechtigt ist. Die Stellung des //. Dacicum in die 
unbedeutende Untergruppe Cernua der „Vulgata" ist ganz 
widersinnig und muß als falsch bezeichnet werden. Das 
Nicken der jugendlichen Köpfchen, namentlich wenn man auf 
die Bestimmung getrockneten Materials angewiesen ist, als 
diagnostisches Merkmal zu verwenden, erscheint mir minde- 
stens sehr bedenklich. Wenn man nämlich welk gewordene 
Hieracien, bei denen naturgemäß die zarten Stielchen der 
jungen Köpfchen zuerst und am meisten welken, in diesem 
Zustande preßt und rasch trocknet, zeigen sich auch bei den- 
jenigen Arten, welche im lebenden Zustande stets aufrechte 
Köpfchen besitzen, nickende junge Köpfchen." (G. Schneider 
in litt.) 

Herctcium valdefrondosum Zahn in sched. Syn. : H. prenanthoides- 
hrevifolium Zahn. — B. : Lichte Waldstellen am Trebevic, ca. 
1300— 1600 w. 



Bciträg-e zur Kenntnis der Floni Bosniens und der Hcrzeg-owina. 297 



Hieracinm ractnuosum W. K., Plant, rar. Hiing., II, p. 211^ Tab. 193 
(1805). Syn.: H. Tauschiamim h) striaümi 1. intermedmm 
L'clitr., sec. G. Schneider in Deutsch, bot. Monatsschr., XX, 
1902. — B.: Miljacka- und Moscanicatal (f. evoluta), Abhänge 
des Vag-anj in der oberen Miljackaschliicht, im Zeljeznicatal 
am Fasse des Veliki Knk (M.). — Det. H. Zahn. 
Hieracinm Ileihvcgerl Murr et Zahn in Koch-Hallier, Synops., 
3. Aufl., S. 1928 (1902). Syn.: latifolium subsp. hrevifolkim- 
racemosuni Murr et Zahn, I. c. — H. stihharhatum Maly in 
W. M. B., VII, S. 550, nicht G. Beck. — B.: Abhänge der 
Hrastova glava gegen das Miljackatal (f. evoluta)^ am Trebevi6 
und im oberen Zeljeznicatal (M.), am Weg von Visegrad nach 
Han Jagodina (Curciö); det. H. Zahn. 
* liier acium Malyi CaroU G. Sehn, in Deutsche botan. Monatschr., 
XX (1902). Syn.: IL hrevifolhtm-horeale Zahn in sched. — 
H. Dinaricum G. Sehn., nicht Fries nach H. Zahn. — B. : 
Lichte Waldstellen am Trebevic. August, September (Maly). 

Anmerkung-. Da G.Schneider ebenso sicher behauptet 
als H. Zahn bestreitet, daß IL Dinaricum E. Fries, Epicris. 
Hierac, p. 106 — 107 (1862), am Trebevi6 vorkomme, lasse ich 
wieder ersterem das Wort. 

„Die Pflanze fällt sofort durch die bleichgrüne Laub- 
färbung auf. Das untersuchte Stück stimmt bis auf die dunkle 
Färbung der Kopfhüllen, die der Autor als ,virentia', also 
grün, bezeichnet, bis ins kleinste Detail mit der Original- 
diagnose überein. Die dunkle Färbung- kann aber durch das 
Einlegen feuchter Blütenköpfe veranlaßt worden sein. Wie 
bei //. Dacicum hat Prof. v. Borbäs auch die systematische 
Stellung des //. Dinaricum verkannt, indem er sie den ,Sa- 
haucW und nicht wie es Altmeister Fries sachgemäß getan, 
den ,Älx)estria' zuteilt." Von diesem seltenen Habichtskraut, 
welches seit E. Fries lange Zeit nur von den Dinarischen 
Alpen (leg. Lagger) und von Grebengrad^) in Kroatien be- 



Nach Neil reich in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1869, S. 792 nicht 
Grubengrad, wie Fyies schreibt, sondern Grebengrad (Belovar-Körös), d.i. eine 
Schloßruine am östlichen Ende der Ivancica. Von Schlosser-Vukotin o vic 



298 



Karl Maly. 



kannt war, befinden sich nach Prof. v. Borbas Original- 
exemplare im Herl)are des kgl. ungar. Nationalmuseums zu 
Budapest. In seinem Werke A Balaton floraja, p. 356—357 
(Budapest, 1900) zählt Borbäs eine Anzahl neuer Standorte 
auf. Es ist nach ihm in Südungarn und Kroatien verbreitet 
und wurde auch an mehreren Stellen des Velebit (Novoselo, 
Meddk, Brnsani) von ihm gesammelt. Einer gefälligen schrift- 
lichen Mitteilung nach unterscheidet es sich von dem ver- 
wandten Sabamliim hauptsächlich nur durch „caule humilis, 
hetero- et ahruptifolio, oliganthodio, inflorescentia hatid crinita". 
Der neueste Bearbeiter dieser berüchtigt schwierigen Pflanzen- 
gattung, Herr Hermann Zahn in Karlsruhe glaubt — ohne 
Exemplare dieses Hieracmms gesehen zu haben, nur auf die 
Originalbeschreibung gestützt — in ihr ein der Formel II. race- 
mosum — II. prenanthoides entsprechendes Habichtskraut ver- 
muten zu können.^) 

„Da die Beschreibung in Fries^ Epicrisis, 1. c, knapp 
gehalten ist, lasse ich (G. Schneider) nachstehend eine aus- 
führliche Diagnose des von mir gesehenen Stückes folgen. 
Die mit der Beschreibung des Autors übereinstimmenden 
Merkmale sind durch gesperrten Druck hervorgehoben. 

Hypophyllopod, selbst die beiden untersten Stengel- 
blätter vertrocknet. Stengel fest (nicht zusammendrückbar, 
was Fries in der Epicrisis stets als ,simplex' im Gegensatz 
zu ,fistulosus' bezeichnet), vielblättrig (einschließlich der bei- 
den vertrockneten Blätter 16 blättrig), bis zum Kopfstiel des 
primären Blütenkopfes 61 cm hoch, wovon 24 cm auf den 
Blütenstand kommen, aufrecht, fein gestreift, am Grunde 
schmutzigviolett, ziemlich reichlich behaart. Haare hell, 
steiflich, 1 — 2 mm lang, an den Insertionsstellen der Blätter 
am dichtesten und längsten. Blätter hellgrün, rückwärts 
bleicher, langsam decrescierend. Die beiden untersten, 
vertrockneten in einen längeren Blattstiel, die beiden dar- 

(Flora Croatica, 1869; Bilinar, 1876) wird Ä Dinaricum nicht erwähnt. — 
Nyman wurde wohl durch den bekannten Sammlernamen (Lagger) verleitet, 
die Dinarischen Alpen in die Schweiz zu verlegen (Consp., p. 442). 

1) Siehe Hallier-Wohlf ahrt, Kochs Synops., 3. Ausg., S. 1928. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 299 



über stehenden in einen kürzeren, weniger deutlichen Blatt- 
stiel, die folgenden fünf nur gegen den Grund zu verschmälert, 
alle bisher erwähnten Blätter sitzend, ol)long, spitz, gezähnt, 
mit Stieldrüsen an den Zähnchen. Die obersten sieben Stengel- 
blätter verkehrt eiförmig, mit gestutztem oder etwas herz- 
förmigem Grunde drei Viertel bis ganz stengelumfassend. 
Auch im Blütenstand sind mehrere ebenso gestaltete, aber 
kleinere, zuletzt in die Deckblätter übergehende Hochblätter 
vorhanden. Die oberen stengelumfassenden Blätter sind eben- 
falls gezähnt, mit oder ohne Stieldrüsen an den Zähnchen, 
alle ± in eine feine Spitze vorgezogen. Blattoberseite kahl, 
Blattuuterseite, namenthch gegen den Rand, am Grunde und 
am Mittelnerv mäßig behaart. Haare weiß, steiflich, etwa 
1mm lang. Blütenstand gabelästig, etwas untergipfelig, 
12köpfig (also kaum als „oligocephalus", wie Fries und 
Borbas schreiben, zu l)ezeichnen), mit schräg abstehenden, 
geraden, drüsenlosen, kurz hellhaarig bekleideten, nur ganz 
oben zerstreut flockigen, in der oberen Hälfte mit 3—4 Deck- 
blättern besetzten Kopfstielen, die ganz oben etwas verdickt 
sind. Köpfchen 10 — \2 mm lang, fast kreiseiförmig, später 
halbkugelig, mit breiten, stumpfen, dunkelgrünen, fast regel- 
mäßig dachziegelförmig geordneten Hüllschuppen, die inneren 
anliegend, die kurzen äußeren etwas locker. Die Köpfchen 
mit spärlichen kurzen weißen Haaren bekleidet, drüsen- 
und flocken los. Zungenblumen gelb, ungewimpert. Griffel 
dunkel. Pappus ? Achänen rotbraun. (Bei den Sabauda 
schwarzbraun.) 

Die mit der Originalbeschreibung übereinstimmenden 
Merkmale genügen vollständig, um die Identität der vorliegen- 
den Pflanze mit der von E. Fries beschriebenen festzustellen. 
Die ganz oder fast ganz stengelumfassenden mittleren und 
oberen Stengelblätter ^) und die Färbung der Achänen weisen 
ihr einwandsfrei ihre systematische Stellung innerhalb der 
Älpestrla an. Daß sie nicht zu den Sabauda gerechnet 



Nur beim typischen II. Sahaudum deutlich, aber kaum ein Drittel 
umfassend, bei den übrigen Formen weniger oder nicht umfassend. 



300 



Karl Maly. 



werden darf, geht überdies aus der langsamen Decrescenz 
ihrer Stengelblätter hervor, denn bei den meisten Sahauda 
nimmt die Größe der Stengelblätter ganz plötzlich ab. Nur 
bei //. horecde Fries, Epicris. et Symbol, non Fries, Novitiae, 
var. pseudosabaudum A. Kern, sind langsam decrescierende, 
aber mit breitem Grunde sitzende, nicht stengelumfassende 
Blätter vorhanden." (G. Schneider in litt.) 
Ilieracium laevigatum Willd., Spec. pl., III, p. 1590 (1804, sec. 
0. K.). 

*Grex melanothyrsitm Zahn (IL melanothyrsum in sched.) (II. 

horeale-fsahaudiim-Jhrevifolmm) y> prenantlioides Zahn. — B. : 

Im lichten Mischwald am Trebeviö, 1050— 1200 m. Hier 

auch die 
*Subsp. hrevifoUoides Zahn ined. 
Ilieracium hrevifolium Tausch. (Vergl. Maly in W. M. B., VII, 

S. 550—551.) 

Obwohl J. Freyn und G. Schneider bestreiten, daß 
die Pflanze des Trebevi6 H. hrevifolium ist, sondern in ihr 
eine Form des vielgestaltigen H. mnhellatum sehen, stimmt 
Zahn meiner ursprünglichen Bestimmung vollkommen bei. 
Sie wächst an lichten Waldstellen am Trebevi(^, ca. 1000 bis 
1300 m (auch auf der Bijela stiena), am Hum bei Sarajevo (M.), 
nächst Han Jagodina bei Visegrad (Curci6), um Varosluk 
(leg. Brandis, als //. crinitum S. S.), im Miljacka-, Kosevo-, 
Mos^anicatal und im Eichenwäldchen bei Sarajevo (M.); det. 
H. Zahn. 



Nachträge und Berichtigungen. 

Zur Einleitung: 

In die Aufzählung wurden nachträglich auch mehrere Pflanzen 
aufgenommen, die ich im Laufe des vorigen Jahres bei meinem 
flüchtigen Besuch der Herzegowina, dann auf der Jahorina, Treska- 
vica und am Prenj gesammelt habe. 

S. 171. Zu Asplenum lepidum: 
Durch die Freundlichkeit des Herrn W. Retzdorff wurde ich auf eine 
Arbeit Dr. Rosenstocks, „Über einige Farne aus dem südlichen Mitteleuropa" 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 301 



(Allgem. botan. Zeitschr., 1902) aufmerksam g-eraacht, die sehr bemerkenswerte 
Beiträge zur Kenntnis des obgenannten Farnkrautes enthält. Bei allen vom 
Verfasser um Trient gesammelten Stücken war nämlich ebenfalls, wie ich dies 
für die bosnische Pflanze feststellte, der schwarze Sklercnchymstrang 
vorhanden, der seit Milde für ein wertvolles Unterscheidungsmerkmal des 
A. ruta muraria von A. lepidum galt, das nunmehr wegfallen muß. Hingegen 
fand Dr. Rosen stock in der Gestalt und Beschatfenheit der Sporen beider 
Sippen bisher unbekannte durchgreifende Unterschiede. 

S. 174. Zu Taxus haccata: 

Nach dem Werke „Bosnien und die Herzegowina auf der Milleniums- 
Ausstellung im Jahre 1896", S. 286 ist das Vorkommen der Eibe, und zwar 
meist als Unterholz in den Buchenwäldern dieser Länder ein ziemlich häufiges. 
Stämme in Brusthöhe von 40 — 60 cm Durchmesser sind nicht selten und viele 
alte und halbvermorschte Stöcke mit 80 — 120 cm und mehr an Stärke be- 
weisen, in welch' üppigen Exemplaren die Eibe früher verbreitet war. Erwähnt 
werden a. a. 0. Eibenstämme aus dem Idbartal bei Konjica. 

S. 178. Nach Koeleria: 
Foa silvicola Guss., En. Inarim., p. 271, Tab. 18 (1854). Syn.: 
F. Attica Freyn in diesen „Verhandlungen", XXVII, S. 469 
(1877), nicht Boissier et Heldreich, Diagn., II, Fase. 13, 
p. 57 (1853). Vergl Boiss. et Heldr., Herb, graec. norm., 
Nr. 1399; A. Kneucker, Gram, exsicc, XII. Lief., Nr. 358. 
— H.: Aufwiesen unweit der Kaserne von Jablanica (W. Retz- 
dorffj. 

S. 180. Vor Arum maculatum L.: 
Acorus calamus L., Spec. pl., p. 324« (1753). — B.: Sarajevsko 
polje: Nächst der Lager-Kaserne. 

S. 181. Zu Arum maculatum: 

Die nach A. Englers Monographie erfolgte Beschreibung der beiden 
Abarten immaculatum (Schott) und maculatum Engler in Asch, et Gr., Synops., 
II, 2, S. 376, wonach bei ersterer der Kolbenanhang gelb (schön schwefelgelb) 
und die Blätter ungefleckt, bei letzterer der Kolbenanhang graublau und die 
Blätter gefleckt sind, scheint den Tatsachen am meisten zu entsprechen. In 
erster Linie möchte ich jedoch bei der Unterscheidung der beiden Formen 
auf die Färbung des Kolbenfortsatzes Gewicht legen. Bei unserer 
Form (immaculatum A. Engler) mit schön schwefelgelbem Kolbenanliang 
kommen nur sehr vereinzelt (selten) auch schwach gefleckte Blätter vor. Im 
getrockneten Zustand wird der gelbe Kolbenanhang jedoch meist dunkel 
gefärbt, wie das vielleicht auch bei Fialas Pflanze von Lukavica der Fall war. 



302 



Karl Maly. 



S. 182. Nach Galanthus nivalis L.: 

Am gleichen Orte (Trebevi6) fand ich auch eine * forma 
pictus m., bei der die äußeren Perigonblätter gegen die Spitze 
zu ähnlich wie bei Leucojum vernum L. grün gefleckt, die 
inneren aber wie gewöhnlich gefärbt waren. 

S. 181. Zu Enjthroniuvi dens canis L.: 

H.: In Föhrenbeständen um Konjica. Blüht daselbst im 
Februar und März. 

S. 185. Nach Loroglossum: 
Lister a ovata (L.) R. Br. in Alton, Hort. Kew., ed. 2, V, p. 201 (1813). 

— B. : Vereinzelt in den Miljackaschluchten, nächst Miljanißi 
bei Lukavica, im Sarajevsko polje u. a. 0. 

S. 185. Vor Farn. Betulaceae: 

Farn. Salieaceae. 

Salix glabra Scop., FI. carn., ed. 2, II, p. 255. — H.: Am Aufstiege 
von Udbar zur Tisovica -Alpe in der Prenj planina, ca. 1400 m 
(leg. Fiala). 

Salix cinerea L., Spec. pL, p. 1021 (1753). 

* f. ohtusifolia m. mit verkehrt eirunden, oben breit abgerundeten 

Blättern. — B.: Am Trebeviö. 

S. cinerea L. typica kommt um Sarajevo auch am Trebe- 
vi6, Hum und auf den Bergen nächst Dolac im Sarajevsko 
polje vor. 

Salix ruhens Schrank, Bair. Flor., I, S. 226 (1789). Syn.: S. Bus- 
selliana Sm., Fl. Brit., III, p. 1045 (1804); Koch u. a. — S. 
alho-fragilis Meyer, Flor. Hannov., S. 499 (1849). — B.: Nächst 
Budmir bei Sarajevo (V. Curcic). 

S. 187. Nach Quercus: 

Fain. IJlmaceae, 

Ulmus campestris L., Spec. pL, p. 225 (1753). 

* var. xantJiochondra G. Beck, Fl. v. Niederöst., I, S. 313 (1890). 

— B.: Vereinzelte Bäume nächst dem Eichenwäldchen am 
Hrid bei Sarajevo. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 303 



S. 187. Nach Fortulaca: 
Monüa minor Gmel, Flor. Bad., I, S. 301 (1806). Vergl. z. B. Asch, 
et Griibner, Fl. d. nordostdeutscli. Flaclil., S. 293. — B.: In 
wenigen Rasen an moosigen Stellen am Abflüsse der Knje- 
ginac-Quelle gegen den Bistricki potok am Trebeviö, ca. 920 m. 
April. 

Bisher nm* von E. Brandis fiir die Umgebung Travniks 
angegeben. (Siehe Jahreshefte d. natm-w. Ver. d. Trencs. Kom., 
1890/91, S. 64, d. i. M. fontana? In der Bachschlucht bei 
Popara . . . Freyn u. Brandis in Verhandl. d. zool.-botan. 
Gesellsch. in Wien, 1888, S. 605.) Für Südbosuien neu. 

S. 189. Vor Nigella: 
Hellehorus piirjnirascens W. K., PI. rar. Hung., II, p. 105, Tab. 101. 

— H.: Häufig zwischen Gebüsch nächst Podorosac. 

S. 189. Bei Nigella arvensis: 

Verbreitet im Sarajevsko polje. — Vom Schwarzkümmel, 
Nigella sativa L., von den Einheimischen „Curek" genannt, 
Averden die Samen von den Türken als Gewürz zur Brot- 
bereitung verwendet und wird die Pflanze zu diesem Zwecke 
auch in den Bauerngärten gebaut. 

S. 197. Zu Aräbis hirsuta (L.): 
* Var. exauriculata Borbas in Mathem. 6s term6sz. Közlem., XV, 
p. 151 (1878). — B.: Lichte Waldstellen am Trebevi6. 

S. 197. Nach Arabis Sudetica: 
Ärahis ciliata (Scop.) R. Br. in Alton, Hort. Kew., ed. 2, IV, p. 107 
(1812). — B.: Igman planina bei Ilidze. 

S. 197. Nacli Arahis turrita L.: 
* Eryslmum repandiim L., Amoen., III, p. 415 (1756). — B.: Bei 
der Werkstätte der Station Sarajevo. April. 

Die Blätter tragen gegen den Rand zu (besonders an 
der Oberseite) auch dreizackige Haare. 

S. 200. Vor Cotoneaster: 
Spiraea ulmifolia Scop., Fl. Garn., ed. 2, I, p. 349, Tab. 22* (1772). 

— B.: Oberhalb Dovlidi gegen die Spitze des Trebevic zu. 



304 



Karl Maly. 



S. 200. Nach Cotoneaster: 

Sorhus torminaUs (L.) Cr., Stirp. Austr., ed. 1, II, p. 45 (1763). 
Kroatisch: „Brekinja." — B.: Als Unterholz hier und da am 
Bande des Eichenwäldchens (Gaj) am Hrid bei Sarajevo. 

Sorhus aria (L.) Cr.^ 1. c, p. 46 pr. p. 

* Var. meridionalis (Guss.) Hai., Consp. fl. graec, I, p. 541 (1901). 

— B.: Am Trebevi6 bei Sarajevo. 

S. 201. Zu Crataegus monogynus: 

* Var. hjrtosfylus (Fingerhut) G. Beck, Fl. v. Niederöst., II, S. 706 

(1892). — B. : Abhänge des Igman gegen Vrutci (Ilidze). — 
Zwischenformen von C. monogynus und C. oxyacantlms sam- 
melte ich am Igman und am Hrid bei Sarajevo. Typischen 
C. oxyacantlms fand ich bisher in der Umgebung Sarajevos 
noch nicht. 

Buhns sitlcatus Vest in Tratt., Mon. Rosac, III, p. 42 (1823). — 
B.: Nächst Rovno bei Busovaca (E. Brandis). 

Buhus thyrsoideus Wimm., Fl. Schles., S. 204 (1840). — B.: Nächst 
Vrelo Bosne (V. Curcic). — H.: Um Pod Orosac und Konjica. 

Buhus tomentosus Borkh. in Rom., Neues Mag. f. Bot., I, S. 2 (1794). 
Var. canescens (DC.) Wirtg. in Focke, Syn. Rub., p. 226 (1877). 

— B.: An Böschungen und Bergabhängen zerstreut im Mil- 
jackatal, oberen Mos6anicatal u. a. a. 0. 

* Buhus erythrostacJiys Sabr. in diesen „Verhandlungen", XXXVI, 
S. 91 (1886), als Abart von B. Guentheri Wh. et N.; Sabr. in 
Österr. botan. Zeitschr., XXXVI, S. 291 (1886). — B.: Komar 
planina bei Travnik: Lupoglav (E. Brandis). 

S. 201. Unter Potentilla Tahernaemontani Aschers.: 

Die hinter H.: aus der Herzegowina angeführten Standorte sowie die 
f glandidosa Oborny wurden irrigerweise hier, anstatt unter P. arenaria 
Borkh. angeführt, was zu berichtigen ist. 

S. 204. Nach Potentilla reptans: 
Gmm montanum L., Spec. pl., p. 501 (1753). 

*Var. geminifloruni Borbäs in Österr. botan. Zeitschr., XXXVIII, 
S. 158 (1888). — B.: Radusa planina bei Prozor (Curöiö). 

— Am Monte Altissimo di Nago in Südtirol sammelte ich 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 305 

auch einen Pflanzenstock, bei welchem jeder der beiden Stengel 
dreiblütig war. 

S. 224. Nach Eosa pimpinellifoUa: 
Frumifi (lomesüca L., Spec.pl., p. 475 (1753). Kroatisch: „Sljiva." 
— In Bauerngärten um Sarajevo findet man auch die * Eier- 
pflaume oder g-elbe Zwetschke (kroat.: „Bijela sljiva") und 
den Randlockenbaum, die Reine claude (kroat.: „Razdelija"), 
= vsLY. Itcdica (Borckh.). Auch die Kirschpflaume (kroat.: 
„Zerdehje", „Zaudarike", „Turgulje") = * var. myrohdlana 
(L.) [P. cerasifera Ehrh.] wird im Lande kultiviert (vergl. Die 
Landwirtschaft in Bosnien und der Herzegowina, S. 158 — 160). 

S. 226. Zu Astragalus glyciphyllos f. Bosniacus G. Beck: 
Sehr typisch am Trebevic. 

S. 228. Zu Geranium silvaücum: 
Vor: „Alpine Wiesen auf der Jahorina" ist B.: zu setzen. 

S. 234. Nach Myrrhis colorata: 
Scandix pecten veneris L., Spec. pl., p. 256 (1753). — B.: Um 
Rusanovic im Bez. Rogatica, am Starigrad und bei der Kozija 
cupria (Fiala) im Miljackatal hin und wieder, häufig am 
Abhang des Kastellberges von Sarajevo. — Hier gibt F. Hof- 
mann nach einer Bestimmung Pantocseks (Österr. botan. 
Zeitschr., 1882, S. 77 und 116) Scandix australis L. an, die 
ich daselbst vergeblich suchte. Es dürfte sich wahrscheinlich 
um eine durch junge Exemplare verursachte Verwechslung 
handeln. In Fritsch' Exkursionsflora f. Österreich, S. 407 
sind die Unterscheidungsmerkmale der beiden Arten zum Teil 
vertauscht, was zu berichtigen ist. 

S. 240. Cynoglossum Albanicum: 
Diese Pflanze wurde inzwischen von Degen als Solenanthes erkannt 
und beschrieben. Siehe Ungar, botan. Blätter, II (1903), S. 315. 

S. 249. Satureia (Calamintha) Bosniaca: 
Über diese Pflanze vergl. man meine Ausführungen in J. Dörflers 
Herbarium normale, Nr. 4482-, Schedae ad Cent. XLV (1903), S. 139—142. 

S. 258. Alectorolophus major: 
Über A. anceps vergl. man auch Behrendsen, I.e., S. 201 (1003). 



306 



Karl Maly. 



S. 260. Nach Vaillantia niuralis: 
Lonicera Etrusca Savi in Santi, Viagg. Mont., I, p. 113, Tab. 1 
(1795). — H.: Im Susica-Tal bei Lastva. 

S. 266. Senecio nemorensis L.: 

Die vom Stolac erwähnte Form fanden auch die Herren 
L. Groß und A. Kneucker unterhalb des Plivafalles auf dem 
rechten Vrbas-Ufer und beschrieben sie in der Allgem. botan. 
Zeitschr., IX (1903), S. 181, als var. Zalmii. 

S. 268. Centaurea jacea var. Banatica Kochel. 
Ähnliche Formen, die ich als var. Banatica Kochel ansah, sammelten 
die Herren L. Groß und A. Kneucker^) und auch ich im Sarajevsko polje. 
Die typische var. Banatica soll sich nach Dr. v. Hayek in litt, jedoch von 
den bosnischen Formen durch die stets grauen Blätter und hellere Hiill- 
schuppen unterscheiden, letztere daher noch als C. jacea zu bezeichnen sein. 

S. 284. Hieracium Tommasinii Kchb. (1859): 
Wegen des älteren H. Tommasinii Host, Flor. Austr., II, p. 414 (1831), 
schlug ich in Dörflers Jahreskatalog d. Wiener botan. Tauschanstalt pro 1904, 
S. 225 (1904) den Namen H. Tommasinianum m. vor. 

S. 287. Zu Hieracium Transsilvanicum Heutf.: 
Nach H. pleiophyllum ist zwischen IV und S. 46 (1853) einzuschalten: 
Anhang (Sertum). — Die Gruppe Fleiophylla Peter in Engler-Prantl, Natürl. 
Pflanzenfam., IV, 5, S. 377 und 382 (1894), die auch Zahn in Koch -Wohl f., 
Synops., 3. Aufl., S. 1824 anerkennt, kann wegen der namcnsgleichen Sippe 
G. Schneiders (siehe Deutsche botan. Monatschr., 1888) und des erst später 
rechtsgiltig veröffentlichten H. pleiophyllum Schur nicht bestehen bleiben. 
Ich schlage hierfür den Namen Eriophylla vor. 



InhaltsYerzeichnis der Gattungen. 





Seite 






231 


Aera 


Acanihus 


260 


Aethusa 


Aconitum 


190 




Acorus 


301 




Actaea 


. 190 


Aira, s. Aera. 




263 


^juga 



^) In der Allgem. botan. Zeitschr., IX (1903), als var. Bosniaca anstatt 
als var. Banatica Kochel erwähnt. 



Beiträge zur Kenntnis der Flora 



Bosniens und der Herzegowina. 307 







Seite 




257, 305 


Ällium 




181 


Als ine 




189 


A JtlinPfi 




231 


Alyssum 




199 


Ainelnnchiev 




201 


AmphiOvicciYpus 




26G 






236 


Anemone 




192 


Afifjelicci 




235 


Autheniis 




264 


Antivvliinum 




253 


Aquilegia 




190 


Arabis 


. 197, 


303 


Arctium 




267 


Arnica . . 




265 


Ariini 


180, 


301 


Asperugo 




237 


Asperulcb 




260 


Aspidiwn 




171 


Asplenuni 


. 171, 


300 


Astvcigcilus 


226, 


305 


Atr02yci . 




253 


AiihvieticL 




196 


Avena 




177 


Ballote 




244 


l^arharacci 




194 


T^ertcroü. 




200 


JBerulci 




234 


Jilechnuin 




172 


Brachypodiuni . . . 




179 


Bt'cissicci 




194 


Jßl'O YllUS 




179 


Jirunellci . 




242 


Bupleurum . . 




234 


SupJitJicilviii'ni 




264 


BuTSCl 




195 


Culcmiitithci s. Scilureici. 






Clfilii'iff'nin s VnJv7i1,ii<i 






Campanula 




262 


Cardamine 




195 






267 


Cnrex 




180 






266 



Seite 

Carpesiiim 264 

Castanea 185 

Catabrosa 178 

Centaurea 268, 306 

Cephalaria 261 

Cerinthe 240 

Chaerophyllum, s. Myrrhis. 

Chamaepeuce 268 

Chondrilla 275 

Chrysanthemum 264 

Cichorium 270 

Cirsium 267 

Citrullus 262 

Conringia 200 

Coronilla 226 

Corylus 185 

Cotoneasier • • . 200 

Crataegus 201, 304 

Crepis 276 

Crocus 182 

Cynanchum 237 

Cynoglossum 237, 305 

Cynosurus 178 

Cytisus 224 

Danthonia 177 

Delphinium 190 

Dentaria 195 

Digitalis 254 

Diplotaxis 194 

Dipsacus, s. Cephalaria. 

Doronicum 265 

Dorycnium 226 

Draha 196 

Echinopus 266 

Epilohium 233 

Eragrostis 178 

Erigeron 263 

Erysimum 197, 303 

Erythroniim 181, 302 

Euphorbia 229 

Euphrasia 256 

Festuca 178 

Fritillaria 181 

Fumaria 193 



308 Karl 

Seite 

Galanthus 182, 302 

Galeopsis 243 

Galium 260 

Genista 224 

Gentiana 236 

Geranium 228, 305 

Geum 304 

Glechoma, s. Nepeta. 

Glyceria 178 

Gnaphalium 263 

Gossypium 231 

Haläcsya ♦ . 241 

Heliosperma 187 

Hellehorus 303 

Heracleum 235 

Herniaria 189 

Hesperis 200 

Hibiscus 231 

Hieracium 277, 306 

Hippocrepis 227 

Holcus 177 

Hordeum 180 

HypocJioeris 270 

Iberis 193 

Impatiens 230 

Inula 263 

Knautia 261 

Koeleria 178 

Lactuca 276 

Lagurus 177 

Lamium 243 

Lampsana 270 

Larix 173 

Laserpiciiim 235 

Lathraea 259 

Lathyrus 227 

Lavathera 232 

Leontodon 271 

Leonturus 242 

Linaria 253 

Listera 302 

Lithospermum '241 

Loliuvi 179 

Lonicera 306 



Maly. 



Seite 

Loroglossum 184 

Lotus 226 

Lunaria 195 

Lycopodium 173 

Lycopus 251 

Lysimachia 236 

Lythrum 233 

Malva 232 

Marrubium 242 

Medicago 225 

Melampyrum 255 

Melandryum 189 

Melilotus 225 

Melissa 249 

Mentha 251 

Mercurialis 230 

Milium 176 

Molinia 178 

Montia 303 

Myagrum 194 

Myosotis 241 

Myriophyllum 233 

Myrrhis 233 

Nepeta 242 

Nigella 189, 303 

Oenanthe 234 

Ononis 224 

Onopordon . . ' 268 

Onosma 240 

Ophrys 183 

Orchis 183 

Origanum 250 

Ornithogalum 181 

Orobanche 259 

Pallenis 264 

Panicum 176 

Papaver 193 

Pedicularis 258 

Phleum 176 

Physocaulis 233 

Picea. . 173 

Picris 272 

Pinus 174 

Pisum 228 



Beiträge zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Herzegowina. 309 





Seite 




Seite 


Plantago 


. ... 260 


Silene 


. ... 187 


Poa 


. ... 301 


Sinapis 


. ... 194 


Polycnenmm 


. ... 187 


Solanum 


. . . . 253 


Portulaca 


. ... 187 


Sonchuü 


. ... 276 


Potentilla 


201, 304 


Sorbus 


. ... 304 




. ... 175 


1 u 


. ... 189 


Prunella, s. Brunella. 




Spergularia 


. ... 189 




. . . . 305 




. ... 303 


Pidsatilla 


. ... 192 




. ... 244 


Quercus 


186 


Stellaria 


.189 




. ... 192 


Stenophragma 


. ... 196 


Reichardia 


. . . . 276 


Stupa (Stypa) . . . 


. . . 176 


lOiinanthus, s. Alectorolophus. 


Succisa 


. ... 262 




. ... 194 


Sifnwhi/andra 


. ... 263 


Bosa 


. ... 204 


Taraxacum 


. ... 275 




. ... 304 


Taxus 


174, 301 




. ... 302 


Teucrium 


. ... 242 




. .\ . 247 


Thesium 


. ... 187 


Sarothamnus 


. ... 224 




. ... 193 


Satureia 


. . 249, 305 




. ... 251 


Scahiosa 


. ... 261 


Tordylium 


. ... 235 


Scanclix 


. ... 305 


Tozzia 


. ... 258 


Scirpus 


... 180 


Trichera, s. Knautia. 






. ... 189 




. ... 225 




... 275 


Trigonella 


. . . . 225 


ScropJiularia 


. ... 253 


Ttilipa 


. ... 181 


Scutellnria 


. ... 242 


Ulmus 


. ... 302 


Sedum 


. ... 200 


Vaillantia 


. ... 260 




. 256, 306 




. ... 253 




... 268 




. . . . 227 


Seseli 


... 234 


Vinca 


. ... 236 


Sesleria 


... 177 


Viola 


. ... 232 




... 176 




. . . . 187 


Sherardia 


. . . 260 




. ... 237 



z.B. Ges. Bd. LIV. 



21 



Bericht der Sektion für Kryptogamenkunde. 



Versammlung am 23. Oktober 1903. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. Alex. Zahlbruckner. 

Herr Prof. Dr. V. Scliiffner spricht über: Die polymorphe 
VerwandtschaftsgTuppe der Lophozia Muelleri. 

Herr Dr. E. Zederbauer bringt: Kritische Bemerkungen zur 
Gattung Lemanea. 

Versammlung am 27. November 1903. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. Alex. Zahlbruckner. 

Herr Dr. Karl Ritt. v. Keißler spricht über: Die Pilzgattung 
Laestadia. 

Versammlung am 29. Jänner 1904. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. Schiffner. 

Über Vorschlag des Herrn Karl Mayerhofer werden die bis- 
herigen Funktionäre per acclamationem pro 1904 wiedergewählt. 

Hierauf spricht Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner über: Die 
coniocarpen Flechten und ihre systematische Gliederung. 

Der Vortragende erwähnt zunächst die Charaktere der Reihe, 
die zur Abtrennung der Gattungen geeigneten Merkmale, bespricht 
dann ihre Gliederung in drei Familien und erörtert schließlich die 
einzelnen Gattungen und ihre Abgrenzung, wie sie fiir die Bear- 
beitung in Engler und Prantls „Natürlichen Pflanzenfamilien" 
von dem Vortragenden durchgeführt wurde. 



Z. B. Ges. Bd. LIV. 



22 



312 



Versammlung der Sektion für Kryptogamenkunde. 



Versammlung am 26. Februar 1904. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. Alex. Zahlbruckner. 

Herr Guido Kraskovits spricht über: Norweges Plankton. 
Hierauf demonstriert Herr Heinrich Frh. v. Handel-Mazzetti: 
Seltene Moose aus Tirol. 

Herr Dr. Karl Ritter v. Keißler legt schließlich die neue 
Literatur vor. 



Bericht der Sektion für Lepidopterologie. 

Versammlung am 4. März 1904. 
Vorsitzender: Herr Otto Hablch. 

Der Vorsitzende begrüßt den als Gast anwesenden Herrn Prof. 
Anken und teilt mit, daß Herr Dr. Rebel durch Unpäßlichkeit 
verhindert sei, der heutigen Sitzung beizuwohnen. 

Herr Hab ich läßt hierauf eine Anzahl aberrativer Lepido- 
pteren aus seiner Sammlung zirkulieren, darunter auch ein 9 von 
Pararge Achine Sc. mit verschwindend kleinen Augenflecken. 

Herr Hauptmann H. Hirsch ke weist ein von Herrn Pün- 
geler erhaltenes Pärchen der Caradrina Grisea Ev. vor, woran 
sich eine längere Diskussion knüpft. 

Den Rest des Abends füllen kleinere lokalfaunistische Mit- 
teilungen. 

Versammlung am 1. April 1904. 
Vorsitzender: Herr Dr. H. Rebel. 

Herr Hauptmann H. Hirschke berichtet über die Weiterzucht 
von Phibalapteryx Vitalhata var. Conspicuata Hrschk. Von einem 
im Frühjahre 1903 gezogenen Pärchen wurden sieben Puppen er- 
halten, wovon sich noch fünf im August desselben Jahres zu Faltern 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



313 



entwickelten. Von den restlichen beiden Puppen ergab bereits eine 
im jetzigen Frühjahr den Falter. Die Falter aller Generationen 
stimmen vollständig- überein, so daß die Form als eine dm-chaus 
konstante bezeichnet werden muß. 

Herr Otto Hab ich bemerkt hierzu, daß von 16 im Vorjahre 
erhaltenen Puppen sich im Herbste keine zum Falter entwickelte. 

Plerr Dr. Rebel hält hierauf unter Hinweis auf den zweiten 
Teil seiner „Studien über die Lepidopterenfauna der Balkanländer", 
welcher im XIX. Bande der „Annalen des k. k. naturhistorischen 
Hofmuseums" erscheinen wird, einen Vortrag über die faunistischen 
Verhältnisse Bosniens und der Herzegowina, welcher durch eine von 
Herrn Dr. A. Penther zu diesem Zwecke angefertigte Kartenskizze 
wesentlich unterstützt wird. 



Weitere Beiträge zur Phanerogamen- und 
Gefäßkryptogamenflora Böhmens. 

Von 

Dr. J. Podpera (Olmütz). 

(Eingelaufen am 15. November 1903.) 

FiHcinae. 

Asiüemim Btita muraria L. var. leptoplmjllum Wallr. Sehr schön 
entwickelt auf der ßasaltmauer des Kosmanoser Tiergartens 
bei Jungbunzlau. 

Ceterach officinamm WiM, Der von mir in der Österr. botan. Zeitschr., 
Bd. L, Nr. 6, S. 212 (1900) publizierte Standort ist als sekundär 
zu betrachten. Die Pflanze w^urde dort vor einigen Jahren 
von Herrn E. Binder angepflanzt und gedeiht hier, dank der 
sehr passenden Lokalität, vorzüglich. 

Asjndmm Lonchitis (L.) Sw. Humpolec: Bei einem Feldwege zwi- 
schen Gerolle bei Jifice (Lukes); Straßengraben oberhalb 
Neuwelt im Riesengebirge (Dr. Mi 1er). 

22* 



314 



J. Podpßra. 



Ä. lohatum (Huds.) Sw. Strakonitzer Wald bei Leitomisl (Zornig); 

Berg Peperek bei Groß-Loseiiice nächst Pry bislau (Vitousek); 

im Kiefernwalde gegenüber dem Bahnhofe bei Weißwasser; 

Stepanicer Ruine bei Starkenbach (Lukes). 
Ä. Oreopteris Desv. Pfibislau: Längs des Waldweges von Borov4 

Rudnd zu den Radostiner Torfmooren (Vitousek). 
Ä. Thelypteris (L.) Sw. Jungbunzlau: Massenhaft auf den Torfmooren 

im Bölatale bei Reckov; bei dem Pisecny-Teiche nächst Bf ezno. 
Polypodimn vulgare L. var. attemiatum Milde. Klüfte der Hrebeny 

oberhalb Dobrichovice. 

Lycopodinae. 

Lycopodmm mundatum L. Feuchte Sandstellen im Kummergebirge 
bei Hirschberg. 

L. Selago L. Sandsteinquadern nächst der Ruine Kost bei Sobotka. 

Potainogetoneae. 

Potamogeton fluitans Roth. In der Böl4 bei Reckov nächst Weiß- 
wasser. 

P. acutifolms Lk. In Wiesentümpeln längs der Iser bei Brodce. 

P. ohtusifolius M. et K. Vrazda-Teich bei Bfezno nächst Jungbunzlau. 

P. pecüncdus L. Im Bache Böl^ gegenüber Klein-Böla; Kopidlno, 
im Bache bei Hasina. 

Zanichellia palustris L. Auf beiden erwähnten Standorten. Wiesen- 
gräben bei Celakovice im Elbtale. 

Hydrocharideae. 

Ilydrocharis Morsus ranae L. Im Isertale nördlichst in Wiesen- 
tümpeln bei Drazice nächst Neu-Benatek. 

Grramineae. 

Ory^a clandestina A. Br. Im Kienicebach bei der bürgerlichen Schieß- 
stätte nächst Jungbunzlau. 

HierocMoe odorata Wahlenb. Vlkava bei Nimburg: Auf einer Sumpf- 
wiese nördlich von der Zuckerfabrik massenhaft. Spärlich auf 
Torfwiesen, Hrabanov bei Lysa a. d. E. 



Weitere Beitr. z. Phancrog*.- ii. Gcfiißkryptogamenflora Bölimens. 315 

Stupa austriaca Beck f. dasyphjUa Podp., 1900. Auf einem kleinen 
Phonolitbhiig-el zwisclicn Deblik und Trabice südHcb von Sebu- 
sein als maßg-ebende Leitpflanze der Steppenformation. 

St. pulclierrima C. Koch. Kanna bei Loun. 

St capillata L. Die Veg-etationslinie dieses Pfriemengrases schließt 
das an tliermopbylen Elementen so reiche Isertal vollständig 
aus. Die Art kommt erst im Elbetale auf der Velika liora 
bei Semice und auf einer Lehne oberhalb der Straße bei Milo- 
vice nächst Lysa a. d. E. vor. Zwischen Neprobilice und 
Tfebiz bei Schlan. 

Ävena puhescens Huds. var. glahrescens Gel. Sehr typisch mit reich 
verzweigter Lifloreszenz auf Sandflächen gegenüber Zaluzany 
bei Jungbunzlau. Ob mit var. alpina Gaud. identisch? 

A. pratensis L. Um Jungbunzlau sehr verbreitet; bildet hier, 
namentlich auf nicht allzu trockenen Lehnen, eine wichtige 
Leitpflanze der Steppenformation. Cäslau (Lukes). 
Var. Hippeliana Podp. Pflanze sehr stattlich, tiefrasig, Ähren 
kurz gestielt, der Achse angedrückt. Blätter breit, lang, weniger 
zusammengerollt, Blattspreiten der höheren Halmblätter mehr 
entwickelt. Habituell gleicht sie vollständig der von Bor b äs 
als Ä. siibdectirrens beschriebenen Kasse, das Hauptmerkmal 
jedoch, nämlich die unten glatten Achsenglieder der Ährchen, 
kommt nicht zur Ausbildung. 

Im sonnigen Kiefernwalde gegenüber dem Bahnhofe in 
Weißwasser. 

Subsp. suhdecurrens Borbas. Basaltkegel Rannä bei Loun, mit 
A. desertoriim Lessing. Durch ihr dichtrasiges Wachstum so- 
wie das robuste Aussehen auch habituell recht auff'allend. 

Subsp. suhdecurrens Borb. var. stepposa Podp. Wächst in 
mächtigen, festen und dichten Rasen. Grundblätter sehr zahl- 
reich, angehäuft, aufrecht, ziemlich steif, mit schmaler und 
feiner, trocken stark zusammengerollter Spreite. 
Rannä bei Loun. 

Aera praecox L. Niemes : Massenhaft im Hohlwege gegenüber dem 
Rollberge und im Kiefernwalde im Börsengrunde. 

Weingärtneria canescens Beruh, var. flavescens Klingr. Auf Sand- 
feldern oberhalb Josefstal bei Jungbunzlau sehr schön; eine 



316 



J. Podpöra. 



Übergangsform zur var. viridis A. et G. auf Sandstellen nächst 
Kralupy a. d. M. • 

Sesleria calcaria Opiz var. angustifolia Beck. Auf Felsen gegen- 
über Libsice im Moldautale, am Nordfuße des Radobyl bei 
Leitmeritz. Der Unterschied gegenüber den breitblättrigen 
typischen Formen ist recht auffallend. Ob jedoch die böhmische 
Pflanze mit der bosnischen Varietät Becks vollständig iden- 
tisch ist, kann ich nicht behaupten, da mir unsere Varietät 
nur als eine xerophile Ausbildung der typischen Pflanze er- 
scheint. Auffallend sind jedoch die auf beiden Standorten 
entwickelten kurzen und kleinen Rispen. 

Melica ciliata L. (transsilvcmica Schur) var. phonolithica Podp. 
Pflanze sehr robust, Blätter sehr breit (bis 6 mni)^ das oberste 
die Rispe weit überragend, Rispe reichlichst verzweigt, sehr 
reichblütig, unten meist unterbrochen, Achse und die obere 
Partie des Halmes geschlängelt, die unteren Blätter sowie die 
Blattscheiden meist weich behaart. Die Varietät erinnert sehr 
an die M. Magmiii Gr. et Godr. — Phonolithfelsen am Gipfel 
des Bösigs in Nordböhmen. 

Es ist pflanzengeographisch erwähnenswert, daß alle 
Exemplare der M. ciliata L. aus dem Isertale zu der Rasse 
M. transsilvanica Schur gehören. 

M. ])lcta C. Koch. Ohlum bei Jungbunzlau^ am Walddamme bei 
dem Jägerhause oberhalb eines Waldtümpels (Dr. Miler und 
Podpöra). 

M. uniflora Retz. Strehom bei Sobotka. 

Eragrostis minor Host. Um Jungbunzlau sehr verbreitet. 

SclerocMoa duraV. B. Caslau: Auf der Straße bei Ohotusice (Lukes). 

Poa Imlhosa L. Nichtvivipare Exemplare sehr selten am Rande 
des Kiefernwaldes bei Karlshof nächst Lysä a. d. E. 

P. palustris Host var. fertilis Rchb. Auf Wiesen im Polzentale 
nächst Plauschnitz bei Niemes. 

Festuca anmdinacea Schreb. Wiesen am Vrazda-Teiche bei Brezno, 
auf allen Wiesen in der Ebene am Südfuße des Ohlum um 
Dobrovice, Pöcice u. s. w. auf Schwarzboden überall verbreitet. 

Bronms commutattis Schrad. Auf Schwarzboden sowie auf Baku- 
lithenmergel am Fuße des Ohlum bei Jungbunzlau verbreitet. 



Weitere Beitr. z. Phaiiero^.- u. Gef;i()kryptogamenfloni Böhmens. 317 



B. japonkns Tliuiib. llillcrs Lehne hei Jungbunzlaii, in verlassenen 

Weingärten verhreitet. 

Cyperaceae. 

Eriopliorum raginaimn L. Auf einer schwarzen Wiese am Fuße 
des Chhim bei Jung-bunzlau mit Melilotm dcntatus. Ein 
niedriger Standort im Gebiete der thermophilen Flora! 

llolosclwenus vulgär ts Lk. var. australis Koch. Wiesen bei Vsetaty 
(Lukes); von mir dort nur in der typischen Form gesammelt. 

Sclioenoplectus supimis (L.) Palla. Auf einer feuchten Sandfläche 
bei Ricany. 

Heleocliaris umglmnis Schult. Schwarze (sauere) Wiesen auf dem 
Südfuße des Ohlum bei Jungbunzlau, überall. 

Carex paradoxa Willd. Weideplätze (frühere schwarze Wiesen) bei 
Dfisy im Elbetale. 

C. paradoxa X paniculata (C. solstiticdis Fiegert). Auf Torfwiesen 

bei Podoli nächst Weißwasser, wo die Eltern ganze Bestände 
einnehmen, hier und da. 
C. terctiusc'ida Good. Torfwiesen im Bölatale bei Reckov, Rehwasser 
bei Niemes, Sumpfwiesen bei dem Bahnhofe in Bakov und 
Wiesenmoore längs der Eisenbahn vor Debr nördlich von 
Jungbunzlau. 

C. elongata L. Trencin bei Jungbunzlau, Mnichovice bei Prag. 

C. ccmescens L. var. fcdlax F. Kurt. Boubin (Kubany) im Böhmer- 
walde (mitgeteilt von Herrn N. Radba). 

C. trkostata Fr. Iserwiesen bei Debf und Kochänky. 

C. caespitosa L. Debr bei Jungbunzlau, Plauschnitz bei Niemes. 

C. Buxhcmmii Wahlbg. Wiesen am Teiche Vrazda bei Bi'ezno, 
Hrabanov bei Lysa a. d. E. 

C. flacca Schreb. var. erythro stachys Schur. Auf einer Wiese 
zwischen Plasy und Bfezno bei Jungbunzlau. 

Bei dieser Gelegenheit kann ich erwähnen, daß das von 
mir aus Rhodopen (Beiträge zu den Vegetationsverhältnissen 
von Südbulgarien in diesen „Verhandlungen", Bd. LH, 11)02) 
publizierte C. flacca die var. claviformis Hoppe darstellt. 

C. montana L. var. marginata Waisb. Ohlum bei Jungbunzlau, 
mehrfach (bereits 1894). 



318 



J. Podp6ra. 



C. humilis Leyss. Granitlelinen oberhalb der Sdzava bei Dnespeky; 
Zdice bei Beroun. Um Jungbunzlau hauptsächlich auf den 
Iserlehnen massenhaft auftretend. Die Pflanze bildet allein 
eine ausgezeichnete xerophile Pflanzenformation. 

C. pediformis C. A. M. Hrebeny: Zwischen den Schieferfelsen 
„Kamenn6 mofe" oberhalb Vsenory zahlreich. 

G. hirta L. var. Jiirtaeformis Peterm. Sandgruben bei Manisch 
nächst Böhm.-Leipa (Miler). In Nordböhmen selten! 

C. Pseudo-Cyperus L. Fasanerie bei Horky unweit von München- 
grätz in einem Waldtümpel. 

C. Michelii Host. Um Jungbunzlau ziemhch verbreitet: Baba, Iser- 
lehnen zwischen Zämosti und Brodce a. d. I., oberhalb des 
Weges von Piskovd Lhota gegenüber Zamosti, massenhaft 
auf Bakulithenmergel des Waldes Ohlum. 

C. HornscJmchiana Hoppe. Zwischen Podoli und Paterov bei Weiß- 
wasser, Teichränder nördlich von der Zuckerfabrik bei Vlkava; 
Torfwiesen bei Drisy im Elbetale. 

C. HomschucJiiana X flava {C. fulva Good.). Podoli bei Weißvvasser. 

Araceae. 

Amm maculatum L. Buchenwälder im Kummergebirge oberhalb 
Heidemühle bei Hirschberg. 

Jimcaceae. 

Juncus capitatus Weig. Niemes: Auf einem Abhänge gegenüber 
Kehwasser. 

J. alpimis Vill. Bei der Flusarna nächst Pöcice südlich von Jungbunzlau. 
J. Gerardi Lois. Feuchte Weideplätze (Schwarzboden) gegenüber 

Kosmonosy bei Jungbunzlau. 
J. squarrosus L. Massenhaft auf den Torfwiesen am Fuße des 

Bösigs gegenüber Wobern. 
J. tenuis Willd. Raspenau bei Friedland (Dr. Miler). 

Liliaceae. 



Gagea minima Schult. Isergebüsche gegenüber der Haltestelle 
Jungbunzlau, spärlich; Kosmanoser Tiergarten, Kojana, Borek, 
Ohlum ziemlich häufig. 



Weitere Beitr. z. Phanerog.- ii. Gefaßkryptogamenflora Böhmens. 319 

Allium rotundum L. Auf schwarzem Boden und Bakulithenmergel 

von Nepfeväzka bei Oufece am Südhange des Ohlum bei 

Jungbunzlau verbreitet. 
Ä. acidangulum Sehr. Kräsnä louka, Zahizany und Bezdöcin bei 

Jung'bunzlau. Leitpflanze der Cidlinawiesen um Neu-Bydzov. 
Tidipa sllvestris L. Auf einem Feldraine bei Kosmonosy und in 

den angrenzenden Feldern mehrfach blühend. 
Miiscari botryoides L. Iserwiesen bei Lukavce nächst Turnau 

(Kotatko). 

Folygonatmn nmltiflorum L. Neuland bei Niemes. 

Orchideae. 

Orchis Morio L. var. gigas Podp. Pflanze bis 40 cm hoch, sehr 
robust, zweimal so stark wie die kräftig- entwickelten Exem- 
plare der typischen Form, Stengel robust, ausnehmend hohl, 
Ähre groß, ziemKch locker, 12 cm lan^, 12 blutig, Blüten 
zweimal so groß wie gewöhnlich, Honiglippe mächtig* ent- 
wickelt (12 mm lang und 18 mm breit), deutlich dreilappig. 

Am Rande eines Kiefernwaldes auf mäßig feuchten 
Wiesen bei Brezno nächst Jungbunzlau mit der normalen 
Form in einigen Exemplaren. 

0. purpurea Huds. Massenhaft in Hunderten von Exemplaren im 
Walde Hnövanov (Hlavilov) bei Vlkava, spärlich auf dem 
Ohlum (in Pilnicky) und auf der Baba. 

0. maculcda L. Iserwiesen bei Zvii'etice nächst Jungbunzlau; feuchte 
Wälder zwischen Kamenecky dvür und Nutzhorn bei Ro^dä- 
lovice. (Zwei in die Ebene vorgeschobene Standorte.) 

Coeloglossum viride L. Am Fuße des Rollberges hinter der JuHen- 
höhe selten; Waldwiesen bei Lukavce slidUch von Turnau 
(Kofatko). 

CepJialcmthera rubra L. Starechover Tal bei Jungbunzlau (W^urma). 

C. cdba Or. Sehr verbreitet in Wäldern östhch von Vlkava. 

Exripadis rubiginosa Or. Massenhaft im sonnigen Kiefernwalde ober- 
halb des „Strevicküv pHvoz" gegenüber Zvifetice und in 
einem Waldtale oberhalb Josefstal bei Jungbunzlau. Um 
Auscha nicht selten. 



320 



J. Podpöra. 



Epipogon aphyllus Swartz. Jungbunzlau: Waldtal bei Rokytovec 
(Forstadjunkt B. Bläha). 

Sturmia Loeselii L. In hüpfenden Carex-ln^eln am westlichen 
Rande des Heideteiches bei Hirschberg recht häufig; auf 
dem alten Standorte, wo diese Art in neuerer Zeit nicht ge- 
sammelt w^urde, nämlich auf den Torfwiesen bei Habstein, 
habe ich die Sturmia voriges Jahr wieder gefunden. Sie 
wächst dort recht selten auf einem kleinen Moore, welches 
an den Standort der Goldblume (Ligularia) angrenzt. 

Malaxis paludosa L. Am Rande des Heideteiches östUch von 
Hirschberg, nahe dem Standorte der Sturmia auf einem 
modernden Erlenstrunke. 

Coralliorrhisa innata R. Br. Ohlum bei Jungbunzlau, mehrfach. 

Siüicineae. 

Salix^) pentandra L. Im Wäldchen bei dem Teiche „Vrazda" 
nächst Brezno. 

S. pulchra Wimmer. Ränder des Großteiches bei Hirschberg. 
S. repens L. var. fusca Wr. {S. fusca Willd.). Repov bei Jung- 
bunzlau. Eine seltene Varietät. 
Var. rosmarinifolia Wr. kommt bei Kolomuty nächst Jung- 
bunzlau vor. 

S. Calodendron Wr. In Ufergebüschen längs der Iser in Debr 

bei Jungbunzlau ein weiblicher Strauch. 
S. acutifolia Wr. Anlagen bei Jungbunzlau. 

S. purpurea L. var. gracilis Wr. Anlagen im Kienicetale bei Jung- 
bunzlau. 

Var. Lamhertiana Koch. An der Iser bei Jungbunzlau. 

S. alba X fragilis (S. viridis Fries). Längs des Kienicebaches bei 
Jungbunzlau, an der Iser bei Zamosti. 

S. purpurea X viminalis (S. ruhra Huds.). Großteich bei Hirschberg. 
Längs der Iser bei Jungbunzlau die häufigste Salix-Ryhvide 
in verschiedensten Kombinationen, von welchen erwähnungs- 
wert erscheinen: 



^) Revidiert von Herrn Dr. Schatz in Geising-en (Baden). 



Weitere Beitr. z. Phanerog.- u. Gefäßkryptogamenflora Böhmens. 321 

S. viminalis f. ahhreviata Doli. X purpurea. An der Iser bei Cer- 
ven6 Kolo, 9- 

S. cinerea X purpurea. Torfmoore bei Rehwasser nächst Niemes, 
Torfwiesen bei Debr nächst Jungbunzlau zwischen dem Wald- 
hange und der Eisenbahn, mächtige männliche Gebüsche. 

S. Capraea X viminalis (S. sericans Tausch). Hiilers Hang (fol.), 
Debf bei Jungbunzlau in schönen männlichen Sträuchern, 
Ränder des Großteiches bei Hirschberg. 
Forma hrevifolia Wr. Neuberger Hang bei Jungbunzlau (fol.). 

S. Capraea X cinerea (S. Reichardti Kern.). Repov, 9, Kolomuty, 
9, Rozdtov, 9, Ohlum bei Jungbunzlau, 9- 

S. supercapraea X cinerea. Wiesen gegen Zaluzany, cT, Debf bei 
Jungbunzlau, cf. 

S. supercinerea X Capraea. Kolomuty bei Jungbunzlau, 9- 

S. Capraea X aurita (f. supercapraea X aurita). Militär-Schieß- 
stätte bei Jungbunzlau. 

S. aurita X re2)ens (S. amUgua Ehrh.). Ränder des Großteiches bei 
Hirschberg, 9- 

Urticaceae. 

Parietaria officinalis L. Massenhaft auf den Iserböschungen hinter 
der Mühle in Zamosti und spärlich längs der Mauer des Neu- 
berger Schlosses bei Jungbunzlau. 

Polygoneae. 

Riimex aqtiaticus L. Torfmoore bei Cista nächst Niemes, längs des 

Baches B61a bei Bakov. 
it. Hydrolapathum Huds. Rozdälovice: Längs des Baches unter der 

Komarovsk;y^-Mühle. 
Polygonum minus Huds. Stephanshöhe bei Töplitz. 
P. mite Sehr. Kienicetal bei Jungbunzlau. 

Chenopodiaceae. 

Polycnemum arvense L. Sandflächen oberhalb des Bahnhofes (Ccj- 

ticky) und bei Josefstal nächst Jungbunzlau. 
P. majus A. Br. Bakulithenmergel-Lehnen oberhalb Sejcin und 

Nepfeväzka bei Jungbunzlau. 



322 



J. Podpßra. 



Atriplex tataricum L. var. angustifolia Maly. Oberkrc bei Prag, 

auf einer Stelle ausscbließlicli diese interessante Varietät. 
Ä. hastatuni L. Klenicetal und Nepreväzka bei Jungbunzlau. 

Amarantaccae. 

Ämarantus panimlatus M. T. Massenbaft verwildert im Dorfe Vse- 
taty und bei der Zuckerfabrik bei Kuttenberg. 

Portiilacaceae. 

Montia rivularis Gmel. Mnicbovice bei Prag. 
Portulaca oleracea L. Um Jungbunzlau längs der Mauern und auf 
bebauten Stellen nicht selten. 



Caryophyllaceae. 

Silene gallica L. Raspenau: Felder gegenüber Lusdorf (Dr. Miler). 

S. Ärmeria L. Straße bei Reckov nächst Weißwasser und auf Schutt- 
haufen nächst Josefstal bei Jungbunzlau. 

S. nutans L., flore roseo. Waldtal Plakänek bei Sobotka. 

LycJmis flos cuciili L., flore albo. Ränder des Großteiches bei 
Hirschberg. 

Cucuhalus haccifer L. Isergebüsche zwischen Zamosti und Brodce 
südlich von Jungbunzlau. Borek bei N.-Byd^ov. 

Tunica saxifraga L. Auf Eisenbahndämmen bei Vsetaty massen- 
haft verwildert; ebenso längs der Straße zwischen Prichovice 
und Schenkehahn (Dr. Miler). 

DiantJius harhakis L. Verwildert auf dem Basaltkegel bei Götz- 
dorf westlich von Niemes. 

D. Seguierii Vill. Gegenüber Rehwasser bei Niemes; nördhch von 
Mnisek verbreitet. 

C. Carthusianorum L. var. rohustus Podp. Pflanze stattlich^ robust 
(60 cm hoch), Stengel mit stark verdickten Noden, vollständig 
glatt und stielrund (bei manchen Exemplaren der typischen 
Pflanze aus Böhmen konnte ich schwach vierkantige Stengel 
konstatieren). Blätter verhältnismäßig breit (3'5 — 4 mm), 
länger als die Internodien (10 — 12 cm), Blütenbüschel durch 
blattartige Deckblätter (2-5 cm lang und 2 mm breitj, welche 



Weitere Beitr. z. Phanerog.- u. Gefäßkryptogamenflora Böhmens. 323 

jedocli die Platten der Kronblätter nicht überrag-en, gestützt. 
Unter Stupaforniation auf dem Eadob}''! bei Leitmeritz. 

Diese Varietät erinnert zwar habituell, hauptsächlich in 
den vegetativen Merkmalen, an den siidosteuropäischen B. 
giganteus D'Urv., die übrigen Merkmale jedoch zeigen keine 
spezifische Verschiedenheit von dem Typus. 
Var. liumilis Gries. Ladv6 und Bohdalec bei Prag. 

Ce^-astium hrachypetalum Desp. Um Jungb unzlau im Isertale allge- 
mein verbreitet, jedoch überall nur in der var. eglanclulosum Gel. 

C. arvense L. f. lanicaulis Podp. Stengel und Blätter hauptsächlich 
an den unteren Internodien weißzottig, die niederliegenden, 
perennierenden Achsen mit zahlreichen^ fast geschlossenen 
Blattrieben. Eine xerophile Form. — Trockene und sonnige 
Basaltfelsen des Radob^'l bei Leitmeritz. 

Sagina subulata Sw. Auf Sandflächen in Kieferwäldern bei Bi- 
touchov nördlich von Jungbunzlau zahlreich. 

Spergula Morisonü Bor. Kiefernwälder bei der Ruine Kosf nächst 
Sobotka. Um Jungbunzlau auf Sandflächen häufig. 

Spergularia salina Presl. Obrnice bei Brüx. 

Corrigiola litoralis L. An der Elbe bei Zälu^i nächst Roudnice 
(E. Binder). 

Ilerniaria hirsuta L. Bakov: Sandfelder bei Trencin, Neu-Benätek: 
Horky a. d. L, Tufice bei Lysa a. d. E. Um Jungbunzlau auf 
Sandfluren überall verbreitet. Nebst Flantago arenaria W. K. 
die Leitpflanze der psammophilen Vegetation Nordböhmens. 

Sclerantlms xmrennis L. f. setifolia Podp. Blätter sehr fein, haar- 
förmig, die unteren länger als die Internodien. — Auf Moldau- 
felsen südlich von Böhm.-Krumau. 

S. annmis X perennis {S. intermedius Kittel). Auf Sandfluren ober- 
halb Josefstal bei Jungbunzlau massenhaft. 

Ranunculaceae. 

Aconitum variegatum L. Am Fuße der Bäba nächst Jungbunzlau 

gegenüber Trencin sehr spärlich. 
Anemone silvestris Mill. Im südlichen Isertale nur auf Lehnen bei 

Kochänky. Sonst um Vlkava, Jungbunzlau bis Weißwasser 

nicht selten. 



324 



J. Podpßra. 



Ä. ranunculoides L. var. suhintegra Wiesb. Ohlum und Choboty 
bei Jungbunzlau. 

Ä. ranunculoides X nemorosa {A. intermedia Winkler). Ohlum bei 
Jungbunzlau. 

Pulsatilla pratensis Mill. var. latisecta Gel. Iserlehnen bei Deb? 
nächst Jungbunzlau selten. 
Flore pallide violaceo. In Kieferwäldern bei dem Bahnhofe 
in Weißwasser. Die Pflanze ist dabei auch reichlicher behaart. 

P. pratensis X vernalis. Gemeindeg-rund bei Neudorf nördlich von 
Weißwasser (mit den Eltern). 

P. patens Mill. Massenhaft auf den Lehnen des Deblik oberhalb 
Zirkowitz im Elbetale ; spärlich im Kiefernwalde oberhalb 
Josefstal bei Jungbunzlau. 

Clematis recta L. Lehne oberhalb Zavadilka bei Vlkava. 

Banunculus Sardous Or. f. glaherrima Podp. Veseli a. d. L. : Brach- 
felder gegenüber Borkovice, mit der behaarten Form. 

B. fluitans L. In der Iser südlich von Zämosti. 

Thalidrum foetidum L. Massenhaft in der Kaiserschlucht gegen- 
über Srbsko bei Beroun. 

T. flexuosum Beruh. (T. collinum Wallr.). Sehr schön unter der Stupa- 
formation auf der Kannd bei Loun. Auf der Lehne zwischen 
dem Dorfe Klein-Böla und der Bahnstation Bakov häufig. 

T. flavum L. Auf der Insel bei Nimburg. 

Papaveraeeae. 

Papaver duhium L. Weißwasser: Im Bölatale bei Paterov. 

Corydalis cava L. Eine weißblühende Form mit sehr wenig ge- 
teilten, auch ganzrandigen, verkehrt eiförmigen Blattab- 
schnitten, sehr breiten Deckblättern (f. suhintegra Podp.) 
sammelte ich auf dem Ohlum „v Pilnickdch" bei Jungbunzlau. 

Fumaria Vaillantii Lois. Um Jungbunzlau als Leitpflanze der 
thermophilen, ruderalen Vegetation nicht selten. 

Cruciferae. 



Eruca sativa Lam. Im Luzernerklee nächst Iservtelno bei Jung- 
bunzlau (Dr. Mi 1er) und in Straßengräben nächst Kbely bei 
Neu-Bendtek. 



Weitere Beitr. z. Phanerog.- ii. Gefäßkiyptogamenflor.i Böhniens. 325 

Emcastnim PoUichU Scliimp. et Sp. Felder bei Panknic nächst 
Pra^. 

Bnrsa imsioris Wigg. var. coronopifolia DC. Auf Sandfeldern bei 
RadouÖ unweit von Jungbunzlau. Ökologisch eine schöne 
Anpassung an den dürren Sandboden. 

Arahis sagitfafa DC. Ohlum bei Jungbunzlau; Wiesen bei Milovice 
nächst Lys.^ a. d. E. 

Ä. liirsuta Lk. Nadelwälder längs des Baches stidUch von Louceü. 

Erysimum creindifolium Rchb. subsp. E. bohemicum Podp. Wurzel 
mehrköpfig, ausdauernd, in mehrere Zweige (bis fünf) mit 
knollenförmig angeschwollenen, schuppigen Köpfen, welche 
während der Blütezeit noch erhaltene, später eingehende 
Blattrosetten tragen, geteilt. Die Pflanze hat durch Ent- 
wicklung zahlreicher, steif aufrechter Stengel ein strauch- 
artiges Exterieur. Stengel bis 80 cm hoch, reichlichst 
verzweigt, mit zahlreichen, im oberen Teile blühenden 
sowie im unteren Teile sterilen Zweigen. Sterile Grundtriebe 
selten. Blätter zahlreich, länglich-lanzettlich, von Rosetten- 
blättern in die oberen, dicht gereihten allmählich über- 
gehend, seicht buchtig gezähnt. Schoten sehr steif^ 
linear, zur Fruchtzeit, da die Stengel (hauptsächlich oben) 
reich verzweigt sind, der Pflanze ein besonderes Aussehen 
verleihend, scharf vierkantig, schief abstehend, etwas auf- 
gebogen, zur Mutterachse jedoch einen ziemlich großen Winkel 
bildend, von spärlichen feinen, einfachen und dreiteiligen 
Haaren graugrün, bis 8 cm lang. — Leitmeritz: Im warmen 
Talkessel, welcher auf der östlichen Seite der Elbe, begrenzt 
durch die Höhen des Strä^icko, des Eisberges und des Debhk, 
sich ausbreitet, auf Kalkmergel allgemein vorkommend. Lobos 
bei Lobosic. 

Das robuste, halb strauchartige Exterieur verleiht dem 

E. hohemicum Podp. ein eigentümliches Gepräge. Die Pflanze 

trägt einen vorzüglichen Steppencharakter. 
Älyssimi calycimmi L. Perennierende Exemplare mit niederliegenden 

Stengeln und erhaltenen Blattrieben sammelte ich auf den 

Sandfluren bei Strasnov nächst Jungbunzlau. 
A. montanum L. Ränder der Kiefernwälder bei Dfisy im Elbetal. 



326 



J. Podpöra. 



Hesperis matronalis L. Verwildert in Gebtisclien bei der Strehomer 
Mühle unweit von Sobotka und im Kienicetale bei Jungbunzlau. 

Bunias Erucago L. Auf der Eisenbahnböschung bei dem Bahn- 
hofe in Jungbunzlau mit Salsola verwildert. 

Crassulaceae. 

Sedum villosum L. Auf einer Torfwiese oberhalb Mnichovice bei 
Prag. 

Rosaceae. 

Äruncus Silvester Kostel. Predliska bei Jungbunzlau. 

Ämelcmchier Botryapium Pers. In einer Remise bei Zalu^any nächst 
Jungbunzlau zahlreich verwildert. 

Crataegus Pyracantha Pers. Auf einer Lehne bei Krnsko süd- 
lich von Jungbunzlau wie wildwachsend (Dr. Mi 1er). 

Fiubus Idaeus L., fructibus luteis. Auf den Wald schlagen des 
Rollberges bei Niemes hier und da zwischen den massenhaft 
vorkommenden normalen Himbeeren. 

Nach W. 0. Focke (in der Bearbeitung der Gattung 
Bubus in Aschersons Synopsis, Bd. VI, 1902, p. 446) soll 
diese Abänderung wildwachsend im mitteleuropäischen Gebiete 
noch nicht sicher bekannt sein. 

Potentilla^) Norvegica L. Massenhaft auf feuchten Brachfeldern 
längs des Baches bei PöÖice südlich von Jungbunzlau. 

P. canescens Bess. f. oUgodonta Wolf. Rozdalovice: Wälder um die 
Komarovsky-Mühle. 

P. arenaria Borkh. f. glandulosa Wolf. Sehr schön und typisch auf 
warmen Lehnen bei Podoli nächst Weißwasser. Eine f. glandu- 
losissima sammelte ich auf Kalklehnen im Prokopitale bei Prag. 
Forma ternata Podp.^ herb. „Hradsky dol" bei Jungbunzlau, 
Moldaulehnen oberhalb Kralupy. — „Eine interessante Form 
der P. arenaria, welche stark an die Rasse P. Tommasiniana 
F. Sch. erinnert. Die Pflanze macht nicht den Eindruck einer 
Kummerform (sie ist groß und kräftig) und scheint mir nicht 
gleichwertig der stets kleinen (Hunger-) Form trisecta Scholz 
(ternata etc.) zu sein." 



^) Revidiert von Herrn Dr. Th. Wolf in Dresden (Plauen). 



Weitere Beitr. z. Phaiierog.- u. Gefäßkiyptogamenflora Böhmens. 327 

P. super arenaria X venia. Iserlehnen, Schluchten und Täler um 
Jung-bunzlau, überall massenhaft auftretend und spärlich von 
der P. arenaria begleitet. Bei dieser Hybride, die ich viel- 
fach als Verna var. stellipila Uechtr. ausgegeben habe, betone 
ich die interessante pflanzengeographische Tatsache, daß sie 
im Isertale sowohl die P. verna L., welche ich daselbst nicht 
beobachtet habe, als auch die P. arenaria Borkh. (diese Art 
ist seltener als die Hybride) vertritt und im Frühling überall 
als wichtige Leitpflanze der thermophilen Vegetation erscheint. 

P. Verna L. var. Billoti Boul. X arenaria Borkh. Auf Sandfluren 
bei Neratovice im Elbetale und auf sandigen Feldrainen bei 
Kbely nächst Neu-Benatek. Herr Dr. Wolf, der bekannte 
Pofe>^^iZZa- Forscher, bemerkt zu dieser Pflanze Folgendes: 
„Diese sehr interessante Pflanze ist die Kombination einer 
großen und starken, behaarten t^ema -Varietät mit einer P. 
arenaria.''^ 

P. Verna L. var. incisa Tausch f. j^circe glandulosa. Sdzava-Felsen 
unter der Ruine Hlaska. 

P. 02)aca X verna f. eglandulosa. Auf einer feuchten Lehne zwischen 
Gras oberhalb Kosife bei Prag. 

P. argeniea L. f. temiiloha Jord. Säzavatal, unter der Ruine Hlaska. 

P. reda L. var. ohscura Willd. Stark behaarte Form mit auffallend 
kleinen K()pfchen (Wolf) bei Jungbunzlau: Iserlehnen ober- 
halb Klingers Glashäusern; Urkalkstein oberhalb Turkovice 
bei Krumau. 

Var. pallida Lehm. Hillers Lehne bei Jungbunzlau. 

P. rupestris L. Jungbunzlau: Kiefernwälder oberhalb Josefstal, 
Kosmanoser Tiergarten und Baba bei Jungbunzlau. Wälder 
oberhalb Mlejnec bei Rozdalovice. 

P. palustris L. Typisch ist die Pflanze an den Blütenstielen und 
Kelchen abstehend einfach- und drüsenhaarig. Eine Form mit 
angedrückten, nur einfachen Haaren sammelte ich auf den 
Torfwiesen bei Borkovice nächst Veseli a. d. L. 

(Teiim rivale L. Vlkava: An dem Bache in Erlengebüschen nörd- 
lich von Zavadilka. 

Mosa trachypliyUa Rau. Sonnige Stellen des Hanges „Vinicky" bei 
Lys4 a. d. E. (Dr. Faustus); Rozdalovice: Lhota Vinicnn. 

Z, B. Ges. Bd. LIV. 23 



328 



J. Podpöra. 



Um Leitmeritz eine wichtige Leitpflanze der straucliigen, 
thermophilen, die Felsen bekleidenden Formation. 

It. Jumlnlliana Besser. Waldrand bei Mlada nächst Neu-Beniitek 
in Kateriny (Dr. Faustus). 

B. canina X gallica. Ohlum und Bäba bei Jungbunzlau, mehrfach. 

Fl. gallica X tomentosa. Basaltfelsen am Gipfel des Bösig. 

Prunus fruticosa Fall. Ohlum und Kiefernwälder oberhalb Radouc 
bei Jungbunzlau. Im Mittelgebirge, vorzüglich auf eruptiven 
Unterlagen, bildet diese Art eine schöne, selbständige, dicht 
an die Steppe sich anschheßende Formation. So z. B. auf 
dem Deblik, Rannä und MiM bei Loun. Auch bei Neu-Byd^.ov: 
Ohlum. 

Legiiminosae. 

Medicago faleata L. f. elegans Podp. Stengel liegend, bis 60 cm 
lang, Köpfchen um die Hälfte kleiner als gewöhnlich, Kelch- 
röhre kürzer als normal, wie glockig, mit ebensolangen pfriem- 
lichen Zähnen, welche auch die nicht entwickelten Blüten nie 
überragen, Blüten klein, nur 5— 6 mm lang, blaßgelb^ Blätter 
schmäler, verkehrt schmal-eiförmig bis lineal, vorne scharf ge- 
zähnt. — Auf Kalklehnen oberhalb Dvorce südlich von Prag 
überall verbreitet. Eine xerophile Form. 

Melilotus dentatus W. K. Wiesengraben (Schwarzboden) zwischen 
Nepreväzka und Bezdööin bei Jungbunzlau. 

Trifolium pratense L. var. expansum, W. K. Ränder der Torfwiesen 
zwischen Reichstadt und Wehlitz. Ob jedoch ursprünglich? 
Var. pedicellatum Knaf. Iser-Vtelno und Zaluzany bei Jung- 
bunzlau. 

T. ochroleucum L. Baba, Ohlum bei Jungbunzlau, nicht selten. 

T. montanum L. f. microcephalum Podp. Pflanze zarter, Köpfchen 
um die Hälfte kleiner als gewöhnlich. — Auf dem Bohdalec 
bei Michle nächst Prag. 

T. hyhridmn L. Einen Lusus mit sehr lang gestielten (bis 1*5 cm) 
Blüten sammelte ich in Feldern bei Oufece nächst Jung- 
bunzlau. 

Astragalus danicus Retz. Lehnen oberhalb Sejcin, Neprevdzka und 
im Isertale bei Vinec nächst Jungbunzlau nicht selten. 



Weitere Beitr. z. Phanerog.- u. Gcfäßkryptogainenflora Böhmens. 329 



Ä. Onohrychis L. Auf Plänerkalk oberhalb Budobostice bei Welwarn 
in einem Hohlwege massenhaft. Bei Jungbunzlaii, wo diese 
Art nach Celakovsky, Prodromus, vorkommen soll, seit 
langen Jahren vergebens gesucht. 

Onohrychis viciaefolia Scop. Auf Lehmboden (warmen Lehnen) 
oberhalb Ourece, Neprevdzka, Dobrovice südlich von Jung- 
bunzlau als maßgebende Leitpflanze der thermophilen Pflanzen- 
formation. 

Vieia monanfha L. Auf Sandfluren bei Jungbunzlau oft kultiviert 
und nicht selten verwildert. 

V. casstihica L. Lehne oberhalb Zavadilka bei Vlkava. 

F. pannonica Cr. Im Getreide am Fuße des Ohlum bei Jungbunzlau 
verwildert (Dr. Mi 1er). 

V. sordida W. K. Im Getreide zwischen Jungbunzlau und der neuen 
Militär-Schießstätte, verwildert. 

V. grandiflora Scop., typ i ca. Auf der Lehne oberhalb der Straße 
zwischen Horky und ChotÖtov nördlich von Neu-Benatek, ver- 
wildert. Mit südlichen Exemplaren (Istrien) vollkommen tiber- 
einstimmend. 

Lafhyrus Nissolia L. (var. jmhescens Beck). Waldrand oberhalb 
Mlejnec bei Rozdalovice häufig. Der zweite Standort in 
Böhmen. 

L.panmnktis Jacq. Waldlehne oberhalb des Tümpels bei Zavadilka 
nächst Vlkava. 

L. vernus Beruh. Weißblühend in Wäldern unter der Vclika hora 
bei Karlstein. 

L. lieterophijllus L. Elbelehnen oberhalb Zirkowitz gegenüber Zalezl 
nördlich von Leitmeritz. 

Greraniaceae. 

Geranium molle L. Vinice bei Jungbunzlau, Hledsebe im Elbetal. 

Lineae. 

Badiola linoides Gmel. Niemes: Bei Neubrücken und Rehwasser. 
Radouc bei Jungl)unzlau. Feuchte Ränder der Kiefernwälder 
bei Jifice südlich von Neu-Benätek. 

23* 



330 



J. Podpöra. 



Rutaceae. 

Bidammis albus L. Auf einem bebuschten Hügel oberhalb Nepfe- 
vdzka bei Juiigbunzlau. 

Polygalaceae. 

Polygalla amarella X comosa (P. Vilbel mi Podp.). Wurzel melir- 
köpfig'^ Pflanze daher büschelig verästelt^ Blütenstengel sehr 
zahlreich (bis 40), was der Hybride ein polsterförmiges 
Aussehen verleiht, am Grunde nackt (ohne die gedrängten, 
für die F. amarella charakteristischen größeren Blätter), mit 
breit spateiförmigen Grundblättern, die allniähHch in die 
oberen linearlanzettlichen, kleineren übergehen. Die noch nicht 
aufgeblühten Blütenknospen werden von den obersten, bald 
hinfälligen Stützschuppen überragt. Trauben ziemlich dicht, 
mit kegelförmig verlängerter Traubenspitze. Kelchfltigel (innere 
Kelchblätter) aus geschweift keiligem Grunde elliptisch, kurz 
bespitzt, blaulila, später grün, 4-5 mm lang und 2'b mm breit, 
die Kapsel kaum überragend, dreinervig, Nerven an der 
Spitze kaum ineinanderfließend, Seitennerven nach 
außen aderig, Adern spärlich ästig, nicht netzig oder 
kaum netzig verbunden. 

Wiesenmoore Hrabanov bei Lys4a. d. E. unter den Eltern 
massenhaft. Die Pflanze ist zwischen den Eltern sehr auf- 
fällig. Ihr Exterieur zeigt uns eine kleine, mehr blaß blühende, 
reichstengelige P. comosa, wogegen die Nerven der Kelchflügel 
die P. amarella andeuten. 

Euphorbiaceae. 

Mermrialis perennis L. f. elliptica Hausskn. Am Nordabhang des 
Radobyl bei Leitmeritz. Die Pflanze erinnert sehr an die 31. 
ovata Sternb. et Hoppe, nicht nur durch die Blattform, sondern 
auch durch die reichere Entwicklung der Stengelblätter. 

Eupliorlna Latliyris L. Verwildert längs der Straße in Zämosti bei 
Jungbunzlau. 

E. lucida W. K. Jungbunzlau: Auf schwarzen Wiesen gegenüber 
Zaluzany und auf Rändern des Vra^da-Teiches bei Brezno 
massenhaft. 



Weitere Beitr. z. Phanerog.- ii. Gefäßkiyptogamcnflora Böhmens. 331 



E. falcaia L. Auf l^akulitenmergel am Siidfuße des Clilum von 

Neprevazka bis Oufecc allgemein. 

Cistineae. 

Heliantliemum Fmnana Miller. In einer Schliiclit rechts von dem 
Feldwege nach Bradlec oberhalb der Kosmanoser Straße bei 
Jungbnnzlaii, zahlreich. 

H. ohscimun Pers. Weißbliihend am Fuße des Rollberges bei Nienies. 

Yiolaceae. 

Viola tricolor L. var. saxatilis Schm. Basaltfelsen der „Dubicky" 
am Fuße des Milleschauers. 

F. ambigiia W. K. Recht zahlreich in den Schluchten der Basalt- 

felsen auf der Rannä bei Laun. 
V. hirfa L. var. fraterna Rchb. (F. parvula Opiz). Eine für die 
Iserwiesen südlich von Jungb unzlau sehr charakteristische 
Pflanze. 

F. stagnina Kit. Jungbunzlau: In moorigen Wäldchen südlich vom 
Teiche „Vrazda" bei Brezno; Teichränder bei der Pöcicer 
Fasanerie. 

F. arenaria DC. Jungbunzlau: Kiefernwälder oberhalb Josefstal. 

F. silvestris Kit. Eine Form mit zahlreich entwickelten Grund- 
blättern, welche später eine Rosette bilden und den Boden 
bedecken, mit dicklichen, unten glauceszenten Blättern, meist 
gedrungener Gestalt. Dieselbe ist sehr charakteristisch für 
die trockenen Sandsteinfelsen Nordböhmens. Ich sammelte 
sie auf den Arkosen bei Königshan bei Schatzlar, im Höllen- 
grunde bei Böhm.-Leipa und ähnliche Exemplare brachte mir 
auch mein Freund Dr. J. Mi 1er aus dem Sonneberger Walde 
bei Steinschönau. 

Eine ökologisch interessante Form, welche durch ihre 
Gestaltung eine vorzügliche Anpassung an den dürren Sand- 
steinboden zeigt (f. cenomanica Podp.). 

F. odorata X hirta. Radobyl bei Leitmeritz. 

F. odorata X coUina. Kosmanoser Tiergarten und Iserlehnen ober- 
halb Chrast bei Jungbunzlau. 



832 



J. Podpöra. 



V. pratensis X ericetontm. Auf einer kleinen Wiese am Fuße des 

Clihmi bei Jungbunzlau. 
V. mirahilis X Biviniana. Im Haine vor Zamosti im Isertale. 

Oenotliereae. 

Epilohiiim Lamyi F. Schultz. In Samals Baumschule bei Jung- 
bunzlau auf Grasplätzen. 

Halorrlmgeae. 

Myriophylluni spkatmn L. Im B61atale zwischen Reckov und Paterov 
zahlreich. 

Umbclliferae. 

Turgenia latifolia L. Brachfelder oberhalb Ourece bei Jungbunzlau 
massenhaft (1895 — 1898); 1902 vergeblich gesucht. 

Bifora radians M. B. Jungbunzlau: Massenhaft, in manchen Jahren 
ganze Felder weiß färbend, auf Schwarzboden und Bakuliten- 
mergel zwischen Nepfevazka und Sejcin; auch am Fuße des 
Ohlum gegenüber der genannten Stadt, jedoch nur vorüber- 
gehend. 

Sium laüfolmm L. var. longifolmm Presl. Zaluzany bei Jungbunzlau. 

Eine seltene Form. 
Bupleumm falcatum L. var. latifolmm Schur. Zdvist bei Prag. 
Cnidmm venosum Hoffm. Waldwiese im Kosmanoser Tiergarten, 

häufig. 

Seseli glaucum L. Mückenhaner Steine bei Habstein auf Basalt- 
felsen. Ein isolierter Standort in Nordostböhmen, wo diese 
Art sonst fehlt. Durch das Flußgebiet der Pötzen steht der- 
selbe in Verbindung mit den Standorten im Elbetal Nord- 
böhmens. 

S. coloratum Ehrh. Läuseberg (Basalt) bei Götzdorf nächst Niemes. 

Peticedanum x^alustre Mönch. Hrabanov -Wiesen bei Lysd. 

Heracleum Spliondyl'mm L., flore roseo. Kralupy a. d. M. 

Var. glabrum Huth. Weißwasser: Im Kiefernwalde oberhalb des 
Gasthauses „Zelenc üdoli" bei Reckov und in schattigen Hasel- 
gebüschen bei Paterov zahlreich. 



Weitere Beitr. z. Phauerog.- u. Gefäßkiyptogumenfloni Biilnnens. 333 



Scandix Fecfeu Venerls L. Juugbuiizlau: Nächst KosoHce auf Schwarz- 
boden, von Nepfevazka ])is Oufcce auf Bakulitenmergel mehr- 
fach. Am Fuße der l^anna bei Leun. 

Primulaceae. 

Pr'umda officinalis L. var. hardeggensis Beck, Fl. v. Niederöst., 
S. 915 (1893). Nervatur auf trockenen Blättern sehr hervor- 
tretend, regehiiäßig- dichotomisch geteilt. In dieser Beziehung 
nähert sich unsere Pflanze noch mehr der P. stiaveolens Bert, 
als die von Beck beschriebene Varietät, von welcher sie sich 
nach der Vergleichung nur durch die nicht herzförmig-ovalen 
Blätter unterscheidet, wie schon der Autor erwähnt. 
Berg oberhalb Semice bei Lysä a. d. E. 

Anagallis coeridea Sehr. Chlumlehnen und Hrusov bei Jungbunzlau. 

A. arvensts L. f. Ulacina Alef. Längs der Straße bei Neratovice 
im Elbetal. 

Einen interessanten Lusus (ob mit Ä. viridiflora Stanök 
identisch?) sammelte mein Freund Dr. J. Miler auf den Riiben- 
feldern bei Iser-Vtelno nächst Jungbunzlau. Nebst den normalen 
Blüten kommen auch in jüngeren Partien vergrünte Blüten 
zur Ausbildung, deren Kelchzipfel blattartig entwickelt sind 
und die vergrünten, nicht drüsigen, ovalen, um die Hälfte 
kleineren Kronblätter überragen. Nach seiner gefälligen Mit- 
teilung ist diese Form auf dem Standorte keineswegs selten. 
Centmiculus minimus L. Neubrticken bei Niemes, Radouc bei Jung- 
bunzlau. 

Grentianaceae. 

Gentiana cruciata L. Auf Plänerkalk bei Auscha. 

(r. AmareUa L. var. axUlaris Rchb. Gutwasser, Hole Vrchy, Cista, 
Bezno, oberhalb Choboty, Hrusover Wald, Pöcice bei Jung- 
bunzlau. Hochwald bei Leitomysl (Zornig). 

(r. obtusifolia Willd. Auf Wiesen am Nordabhange des Bösig mit 
Tofieldia. 

Polemoiüaceae. 

Polemonium coeruleum L. Massenhaft auf den Sumpfwiesen nächst 
Langenbruck bei Oberplan, hauptsächlich in den von Spiraea 
scdicifoUa gebildeten Gebüschen. 



334 



J. Podpßra. 



Borragineae. 

Omphalodes verna Mnch. Verwildert in Gebtiscben des Kosma- 
noser Parkes bei JuDgbunzlau (von Herrn Bürgerscbullebrer 
Lejhanec mitgeteilt). 

Ecliimspermum Lappula Lebm. ßuine Hlaska im Säzavatale. 

Aspemgo procumbens L. Am Fuße der Baba näcbst Stakory bei 
Jungb unzlau. 

Nonnea erecta Bernb. var. villosa Opiz. Im Iserseitentale bei Dalo- 
vice näcbst Jungbunzlau. Eine scbmal- und langblättrige Form. 

Pulmonaria angustifoUa L. Kiefernwälder oberbalb Josefstal und 
sebr verbreitet auf Basaltboden des Kosmanoser Tiergartens 
bei Jungbunzlau. 

P. ohscura Dum. Im Isertale bei Jungbunzlau nur diese Art all- 
gemein verbreitet. P. officinalis L. nur böchst selten in ein- 
zelnen Individuen im Cbobotytale bei Jungbunzlau. 

P. angustifoUa X ohscura. Recbt bäufig im Kosmanoser Tiergarten 
in allen möglicben Zwiscbenformen. 

Labiatae. 

Äjuga Chamaepitys L. Auf dem Fuße des Ohlum oberbalb Nepre- 

vazka und Sejcin bei Jungbunzlau. 
A. reptans L. var. Gintlii Podp. Eine ungemein robuste Form mit 

bis 50 cm hohem, starkem Stengel, langem Blütenstande, ovalen, 

fast kreisrunden, sebr großen Stengelblättern (8 cm lang und 

6 cm breit), mächtig entwickelten Stittzblättern, die auch oben 

die Blüten überragen. Feuchte Wiesen auf Basaltboden im 

Kosmanoser Tiergarten bei Jungbunzlau. 
A. reptans var. Gintlii Podp. X genevensis. Auf dem erwähnten 

Standorte. Die Merkmale der Varietät sind auch auf der 

Hybride bemerkbar. 
Teucrium ScorcUum L. Iserwiesen von Brodce bis Debr verbreitet, 

Zaluzany und Bezdecin bei Jungbunzlau. 
T. Chamaedrys L. Weißblühend auf Moldaufelsen nächst Böhm.- 

Krumau. 

Scutellaria hastifoUa L. Auf Wiesen unter dem Karlsberge nächst 
Jungbunzlau. 



Weitere Boitr. z. Phanerog.- u. Gefäßkryptogameriflora Böhmens. 335 

S. altissima L. Schloßpark in Teplitz in Gebüschen. 

Ih'acoceplialum aHstriacmn L. Schöne Bestände am Fuße der Kalk- 
felsen in der Kaiserschlucht l)ei Beroun. 

Bnmclla grandlflora L. f. rohusta Podp. Eine bis 70 cm hohe Form 
mit sehr langen Internodien und länger gestielten Blättern 
sammelte ich in Gebüschen längs des Weges oberhalb von 
Nelahozoves im Moldautale. 
Flore roseo. Auf Lehnen oberhalb Säzenä nächst Welwarn. 
Die typische Pflanze wächst auch in den Kieferwäldern 
zwischen Debf und Josefstal bei Jungbunzlau. 

Lamium dlhum L., flore rubescente. Auf der Heide „Radouc" 
bei Jungbunzlau. 

L. macidahwi L., flore albo. Im Haine oberhalb Chuchle bei Prag. 
L. maciilatum X albtnn. Auf dem Gipfel des Geltschberges und am 

Fuße desselben bei dem Jägerhause. 
Sah ia pratensis X nemorosa. Drinov bei Veltrusy; mächtige Stöcke 

am Fuße des Boren bei Bilin. 
Satureja Acinos L. var. villosa Tausch. Schön auf der „Vinice" bei 

Jungbunzlau. 

Elsslwhia cristata Willd. Neudorf bei Teplitz; in Gebüschen um 
das Gut „V Dole" bei Jungbunzlau. 

Solaiiaceae. 

Nicotiana rustica L. Auf Ruderalstellen bei Jungbunzlau hier und 

da gewöhnlich mit Fhalaris canariensis. 
Datura Tatiila L. Auf Schutthaufen bei Jungbunzlau verwildert. 

Scropliulariaceac. 

Verhascum plioeniceum X nigrum (F. commutatum Kern.). Josefstal 

bei Jungbunzlau. 1 Exemplar. 
V. phlomoides X Blattaria (V. flagriforme Pfund). Jungbunzlau: 

Auf dem Dorfplatze von Chrast ein Exemplar und mehrere 

Individuen in der ehemaligen Sämalschen Baumschule in der 

Partie „v lesiku". 
Linaria spuria L. Uberall verbreitet auf Feldern bei Nepfeväzka 

auf BakuHtenmergel, ebenso auf Basaltboden zwischen Eadouö 

und Bradlec bei Jungbunzlau. 



336 



J. Podpöra. 



L. Elatine L. Mit L. spuria auf den erwähnten Standorten ebenso 
reichlich. 

L. vulgaris L. Mit Pelorien auf der Stephanshöhe bei Teplitz. 

Veronica proskata L. Allgemein verbreitet um Horky und Brodce 
a. d. L, ebenso im Isertale bei Kochänky und in der Ebene 
bis gegen Hlavno-Kostelni. Sonst im ganzen Isertale bis gegen 
Münchengrätz eine wichtige Leitpflanze der kurzgrasigen Sand- 
flurenformation. 

V. longifolia L. Auf Wiesen gegenüber Sauerbrunn bei Bilin, 
massenhaft. 

V. orchidea Crantz. Kiefernwälder oberhalb Josefstal nördlich von 
Jungbunzlau. Der Standort ist die Fortsetzung der Iserlehnen, 
auf welchen das termophile Heliantliemwn Fumana wächst 
und welche durch die ungemein reiche Vegetation, welche 
sich sonst im Isertale nur inselartig verfolgen läßt, charakteri- 
siert sind. Es begleiten diese für Böhmen neue Veronica- 
Art folgende Phanerogamen : Andropogon, Änthericum ramo- 
sum, Euphrasia lutea, Inula Mrta, Campanula glomerata, 
Peucedanum Cervaria, F. Oreoselinum^ Teucrium Chamaedrys 
und andere Begleiter der trockenen Hügelformation. 

V. venia L. Diese Art ist im Isertale höchst selten. Von mir 
wurde sie nur im Kienicetale beobachtet. Sonst ist sie überall 
durch die ungemein häufige F. Fillenii Crantz vertreten, 
welche hauptsächlich auf den Sandfluren massenhaft vorkommt. 

F. praecox All. Iserlehnen nächst Kochanky bei Neu-Ben4tek. 

F. opaca Fr. Bei Jungbunzlau sehr selten. 

F triloba Opiz. Auf feuchten Feldern (Alluvium) bei Brodce und 
Horky im Isertale massenhaft und meist allein vorkommend, 
weiter nördlich (bis Debr) nur spärlich und zerstreut. 

Euphrasia gracilis Fries. Auf dürrem Sandboden an den Rändern 
der Kiefernwälder bei Bitouchov und im ßörsengrunde bei 
Niemes. 

Orohanche alba Steph. var. major Gel. Massenhaft auf Salvia nemo- 

rosa östlich der Rannji bei Loun. 
0. Kocliii F. Sch. Verbreitet auf Centaurea Scahiosa auf einer Lehne 

(mit Ärtemisia pontica) oberhalb Sejcin bei Jungbunzlau. 
0. Ficridis F. Sch. Zernoseky im Elbetale nördhch von Leitmeritz. 



Weitere Beitr. z. Phaiierogv ii. Gefäßkryptogaineiifloni Böhmens. 337 

Grlobulariiiccae. 

Glohularia Willlcommli Nym. In kleinen Querschlucliten südlich 
von Aiischa mehrfach. 

Plantagineae. 

Flatdago major L. var. nana Tratt. Jungbiinzlau: Auf dem Dorf- 
platze von Iser-Vtelno l)ei Jungbiinzlau nur diese Form, welche 
sich hier sehr konstant verhält. 

ßiibiaceae. 

Asperula tinctorki L. Jungbunzlau: Lehnen bei der Militärschieß- 
stätte, Ohlum oberhalb Nepreväzka. 

A. cynanclika L. var. montana Kit. Libsicer Felswand nördlich von 
Prag*. 

Galmm tricorne With. Jungbunzlau: Massenhaft auf Bakuliten- 
mergel oberhalb Ourece. 

Cucurbitaceae. 

Slcyos amjidata L. Längs der Iser in Weidegebüschen von Zamosti 
bis Horky allgemein. 

Caiiipamilaceae. 

Campamda Cervicaria L. Ohlum bei Jung))unzlau, selten. 
C. glomerata L. var. glahra Blutf. Waldlehne gegenüber dem Bahn- 
hofe in Weißwasser. 
Fhijtcuma orbkidare L. Oberhalb Josefstal bei Jungbunzlau. 
P. nigrum Schm. Waldwiesen bei Oberplan. 

Compositae. 

Solidago serotina Ait. Längs des Baches bei dem Maierliofe nächst 

Niemes; im Ufergebüsche der Iser in Horky a. d. I. verwildert. 
Aster Linosyris L. Oberhalb Josefstal bei Jungbunzlau. 
A. Lamarchkintis Nees. Massenhaft verwildert auf dem Basalthügel 

Jezirek bei Horky nächst Münchengrätz. 
Erigeron Droehachensis 0. Müll. Auf feuchten Brachfeldern und 

Waldrändern zwischen Jifice und Kbely bei Neu-Benatek 

massenhaft. 



338 



J. PodpÖra. 



E. acer X canadensis. An der Straße in Zvifetice nördlich von Jung- 

bunzlau. Eine dem E. canadensis näher stehende Form. 
Inula salicina L. var. subliirta C. A. M. In Gebüschen bei Debr 

nächst Jungb unzlau. 
/. lilrta L. Kiefernwälder auf den Iserlehnen zwischen Josefstal 

und Debr bei Jungbunzlau ; Waldränder bei der Komärovsk}^- 

Mühle nächst Dymokury. 
I. salicina x hirta. SchloJßberg- bei Teplitz. 

Änthemis ruthenica M. B. Jungbunzlau: Sandfelder gegenüber Christ, 
Basaltmauer des Kosmanoser Tiergartens. 

Achillea collina Becker var. pannonica Scheele. Auf einer Sand- 
heide bei Radouö nördlich von Jungbunzlau. 

Ä. Millefolimn L. var. iserana Podp. Spindel der trocken zerbrech- 
lichen Blätter breit geflügelt. Fiedern von einander entfernt, 
flach, mit breiten, knorpelig beendeten Zähnen versehen, 
oberseits reich punktiert. Pflanze vom Grunde auf reichlichst 
strauchartig verzweigt. 

Jungbunzlau: Auf Waldwiesen (Basaltboden) der „Kos- 
monosskä Obora" in Hunderten von Exemplaren nur diese 
auffallende Form. 

Matricaria Chamomilla L. f. discoidea. Felder um Kopidlno. 

Artemisia ponüca L. Auf Bakulitenmergel am westlichen Fuße 
des Berges Ohlum oberhalb Nepreväzka und gegenüber der 
St. Wenzels-Kirche bei Sejcin nächst Jungbunzlau massenhaft. 
Eine Verschiebung und gleichzeitig Verbindung der Vegetations- 
linie dieser für die Steppenformation Böhmens so charakte- 
ristischen Art. Die Linie findet ihre Ostgrenze bei Neu- 
Bydzov!, verläuft dann über Dymokury und Podöbrady in 
das Elbetal und dringt gegen Norden längs der Iser bis gegen 
Jungbunzlau vor, um wieder erst im Moldau- und Elbetale 
aufzutauchen. Die Standorte Nordostböhmens sind nur als 
Insel zu betrachten, dagegen ist ihr Vorkommen auf der Steppe 
(auf eruptiven Substraten Westböhmens) ein geschlossenes. 

A. scoparia W. K. Mauer im Podhradi gegenüber den Burgfelsen 
in Jungbunzlau. 

Petasites officinalis Mönch var. fallax Uechtritz. In der rückwärtigen 
Partie des Waldtales Choboty bei Jungbunzlau. 



Weitere Beitr. z. Phanerog.- ii. Gefäßkryptogamenflora Böhmens. 339 

Ärnica montana L. Eichenwälder mit Heideunterwuchs am Nord- 
fuße des StnVzicko bei Leitmeritz, auf Basaltboden. 

Senecio vernalis W. K. Die Pflanze erschien in Hunderten von 
Exemplaren im Jahre 1894 auf den Sandfeldern ol)erhalb 
Debf und unter dem Ohlum bei Jungbunzlau. Seit dieser Zeit 
nahm sie ab und jetzt kann man nur vereinzelte Individuen 
beobachten. 

S. harhareaefolius Krocker. Auf den Wiesen beim Dolänsky-Gut 

im Kienicetale bei Jungbunzlau. 
S. fluviatüls Wallr. Ufergebüsch der Iser bei Zamosti und Cervene 

Kolo bei Jungbunzlau. 
Carlina accndis L. var. cmdescens Neilr. Sobotka: Auf der Lehne 

unter dem Hohlwege von Libosovice zur Podseminsky-Mühle. 
C. vulgaris L. var. nigrescens Form^nek. Sobotka: Daselbst; Trencin 

bei Bakov. 

N2i\\ xüanifolia ^Qhm. Sobotka: Im Kiefern walde gegenüber der 
Podseminsky-Mühle zerstreut. 
Lapj)a ofßcinalis X tow,entosa. Kosmanoser Tiergarten bei Jung- 
bunzlau. 

L. minor X tomentosa. Selc bei Prag. 

Carduus acantlioides X nutans. Maniny bei Holesovice, Waldblößen 

bei Karlstein unter der Velikä hora. 
Cirsium nemorale Rchb. Radotin bei Prag. 

C. Canum L. var. fallax Cel. Auf einer Wiese bei Sejcin nächst 
Jungbunzlau. 

C. oleraceum X rivulare. Weckelsdorf: Auf Wiesen um Johnsdorf, 
überall. 

C. eriopliorum X lanceolatum. Wilde Sarka bei Prag. 

C. Canum X lanceolatum. (C. Heuseri Uechtr.) Auf dem Damme 
des Riha-Teiches bei Skochovice nächst Neu-Byd^ov zwischen 
den Eltern. 1 Exemplar. 

C. Canum X eriophorum nov. hybr. (C. Fleischen Podp.). Stengel 
aufrecht, reich verzweigt, spinnwebig-Avollig, ungeflügelt, wehr- 
los, an der Spitze in viele einkf3pfige Äste geteilt. Blätter weich, 
stengelumfassend, sitzend, nicht herablaufend, oberseits steif- 
haarig, rückwärts spinnwebig, die jüngsten weißfilzig Ijchaart. 
Zipfel breit, ungeteilt oder zweiteilig, ganzrandig, feindornig 



340 J. Podpöra. Weit. Beitr. z. Phan.- ii. Gefäßkryptog.-Fl. Böhmens. 

gewimpert und in einen schwachen Dorn auslaufend. Hüllen 
fast kugelig, Schuppen lanzettlich, schmutzig und dicht weiß- 
wollig, in einen ziemlich schwachen Dorn zugespitzt. 

Die Pflanze steht in der Blattform sowie in der Be- 
waffnung in der Mitte der Eltern. 

Prag: Längs der Schloßmauer in Dt4bHce auf Grasplätzen 
zwischen Hunderten Exemplaren des C. eriopJiorum ein noch 
nicht aufgeblühtes, reich verzweigtes Exemplar, welches leider 
später abgemäht wurde. Der einzige mitgenommene Zweig 
ist im böhmischen Herbarium des Landesmuseums in Prag 
aufbewahrt. Ringsum auf den Wiesen kommt das C. ccmuni 
massenhaft vor. 

C. accmle X lameolatum. Abhang oberhalb der Vinicnji Lhota bei 
Rozdalovice; Eadouc bei Jungbunzlau. 

C. acaule X arvense. Neu-Bydzov: Am Rande des Veliky Borek an 
der Straße gegenüber Skochovice. Diese Hybride ist als eine 
siqierarvense-F orm zu betrachten, während die von Wiesbaur 
bei Mariaschein entdeckte Hybride ein C. superacaule X arvense 
darstellt. 

C. oleraceum X pcdustre. Podoli bei Weißwasser. 

Ilypochoeris glahra L. Jungbunzlau: Sandfluren bei Bitouchov; um 

Bakov überall verbreitet. 
TIelmintJtia echioides Gärtn. Verwildert im Luzernerklee bei Iser- 

Vtelno nächst Jungbunzlau (Dr. Miler). 
Scorzonera laciniata L. Nepfeväzka, Sejcin, Dobrovice, Zitnoves 

bei Jungbunzlau. 

S. Immilis L. var. ramosa Neilr. Unter dem Ohlum gegenüber 
Jungbunzlau. 
Var. angustifolia Neilr. Radouc bei Jungbunzlau. 
Var. latifrons Beck. Unter dem Ohlum gegenüber Jungbunzlau. 

Lactuca viminea Presl. Zämosti bei Jungbunzlau. 

L. quercina L. Sehr häufig im Haine bei Kralupy a. d. M. 

Crepis ptraemorsa L. var. Mileri Podp. Eine kleine, höchstens 
20 cm hohe Wiesenform mit zusammengedrängter Infloreszenz^ 
schwärzlichen Hüllschuppen und dünneren, meist fast kahlen 
Blättern. — Auf Wiesen bei Münchengrätz (Dr. Miler). 



Anträge zur Rogelnng der botanisclien Nomenklatur. 



B41 



Anträge 

zur Regelung der botanischen Nomenklatnr 

für den internationalen Botaniker-Kongreß, Wien 1905. 

Von 

Dr. August V. Hayek (Wien). 

(Eingelaufen am 1. April 1904.) 

Kürzlich erscliien, redigiert von einer Anzahl belgischer und 
Schweizer Botaniker^ u. a. von W. Barbey, G. Beauverd, E. Bur- 
nat, A. Cogniaux, A. und C. De Candolle, Th. Durand, P. Jac- 
card, R. Keller, M. Rickli, H. Schinz, K. Schröter, H. Van 
Heurck, eine Reihe von Anträgen für den im Jahre 1905 in Wien 
tagenden Botaniker-Kongreß,^) welcher ja bekanntlich dazu designiert 
ist, endlich in der botanischen Nomenklatur Ordnung zu schaffen. 
Diese Anträge, welche, wie vorgeschrieben, Abänderungsanträge 
zu den ja eigentHch bis heute noch giltigen De Can doli eschen 
Regeln vom Jahre 1867^) darstellen, müssen im ganzen als sehr 
wohl durchdacht und zweckmäßig bezeichnet werden und bieten 
gewiß ein Substrat, auf dessen Basis eine allgemeine Regelung der 
Nomenklatur erreicht werden kann. 

Da ich mich in den letzten Jahren bei meinen Arbeiten auch 
vielfach mit Nomenklaturfragen beschäftigen mußte, so kamen mir 
dabei manche Fälle unter, deren in den genannten Anträgen nicht 
gedacht ist, sowie auch einzelne Fragen, deren Lösung mir in diesen 
„Propositions" nicht glücklich scheint. 

Ich erlaube mir darum, im nachfolgenden einige Abänderungen 
zu De Candolles „Lois" vom Jahre 1867 zu stellen, wobei ich 

^) Propositions de cliangements aux lois de la nomenclature botanique 
de 1867, dont l'adoption est recommandee au congres international de Nomen- 
clature botanique projete k Vienne en 1905 par un groupe de botanistes Beiges 
et Suisses. Geneve, Bale et Lyon, 15 Jänvier 1904. 

^) Lois de la nomenclature botanique, redig^es et commandees par Mr. 
Alph. De Candolle. Paris, 18G7. 



342 



August V. Hayek. 



bemerke, daß ich bei allen jenen Punkten, deren ich nicht aus- 
drücklich erwähne, der von den Schweizer und belgischen Antrag- 
stellern beantragten Fassung rückhaltslos zustimme. 

Cliapitre IL 



Art. 10. Enfin comme la com- 
plication des faits conduit souvent 
a distinguer des groupes inter- 
mödiaires plus nombreux, on peut 
cr6er des subdivisions soit par 
le moyen de la syllabe «sub» 
mise avant un nom de groupe, 
soit, si §ä ne suffit pas, d'une 
autre maniere. 



Art. 10. Da komplizierte Fälle 
oft noch zur Aufstellung weiterer 
Zwischengruppen führen, können 
Unterabteilungen durch Vorsetzen 
der Silbe „sub" vor den Namen 
einer Gruppe oder wenn dies auch 
nicht ausreicht, auf andere Weise 
gebildet werden. 



Cliapitre III. 



Art. 17^'^ La nomenclature 
botanique commence pour tous 
les groupes avec Linn 6, Speeles 
plantarum, ed. I (an 1753), qui 
est l'ösuvre oü est appliquee pour 
la premiere fois la nomenclature 
binaire. 

Les ouvrages, dans lesquels 
est appliquee une autre nomen- 
clature que la binaire, ne doivent 
pas etre regard6s, meme quand 
ils ont paru plus tard qu'en 1753. 

Art. 31 Chaque espece 
doit avoir le nom le plus ancien 
qui lui a 6t6 donne, soit dans le 
meme genre, soit dans un autre, 
soit comme espece, soit comme 
sous-espece, vari6te ou forme. 
(Conf. Art. 57 et bS''\) 



Art. 17 Die botanische 
Nomenklatur beginnt für alle 
Gruppen mit Linn 6, Speeles 
plantarum, ed. I (1753), als dem 
ersten Werke, in welchem die 
binäre Nomenklatur durchge- 
führt ist. 

Jene Werke, in welchen eine 
andere als die binäre Nomen- 
klatur angewendet ist, sind, auch 
wenn sie später als im Jahre 
1753 erschienen sind, nicht zu 
berücksichtigen. 

Art. 31 Jede Art hat den 
ältesten Namen zu führen, welcher 
ihr, sei es in dieser oder in einer 
anderen Gattung, sei es als Art, 
Unterart, Varietät oder Form, zu- 
erst gegeben w^urde. (Conf. Art. 57 
und 58 1^--.) 



Anträge zur Regelung der 



botanischen Nomenklatur. 



343 



Art. 34. Tons les noms sp6ci- 
fiqiies s'ecrivent avec des miniis- 
cules sauf ceux qui derivent 
de noins d'liomme ou de pays 
substaiitif ou adjectifs). Par ex.: 
Ficus Indico, Cireaea Luteüana, 
Aster Novi-Belgil, Malva Tourne- 
fortiana, Phyfeiima Hallen, Bras- 
sica napus, Lythnim hyssopi- 
folla. 

Art. 38, Les noms des sous- 
especes, variet6s et sous-varietes 
se forment comme les noms speci- 
fiques et s'ajoutent ä eux dans 
leurs ordres, en commencant par 
ceux du degre superieur de di- 
vision. L'emploi d'une nomen- 
clature binaire n'est admissible 
que pour les sous-especes. 

Art. 40*^^ Les hybrides inter- 
g6neriques (entre especes de 
genres differents) sont aussi de- 
signes par un nom et une formule. 

Quand il est douteux, a quel 
genre T hybride appartient, il est 
rattach6 ä celui des deux genres 
qui pr6cede Fautre dans l'ordre 
alphab6tique. 

La formule s'ecrit au moyen 
des noms des deux parents, se 
suivant dans l'ordre alphabetique, 
et reunis par le signe X ; par ex. : 
Ämmophila Baltica Link = Äm- 
mopliila arenaria X Calamagros- 
tis epigeios. 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 



Art. 34. Alle Speziesnamen 
werden mit kleinen Anfangsbuch- 
staben geschrieben, mit Ausnahme 
derer, die von Personen- oder 
Ländernamen abgeleitet werden; 
z. B.: Fictis Indica, Cireaea Lu- 
tetiana, Äster Novi-Belgii, Malva 
Tournefortiana, Phyteuma Hal- 
ler i, Brassica napus, Lythrum 
hyssopifolia. 

Art. 38. Die Namen der 
Unterarten, Varietäten und Sub- 
varietäten werden wie die Spezies- 
namen gebildet und ihnen in der 
Reihenfolge angefügt, daß mit 
denen der höchsten Unterabtei- 
lung begonnen wird. Die Anwen- 
dung einer binären Nomenklatur 
ist nur für Unterarten zulässig. 

Art. 40 ^'^^ Die bigenerischen 
Bastarde (zwischen Arten ver- 
schiedener Gattungen) sind eben- 
falls durch einen Namen und eine 
Formel zu bezeichnen. 

Falls die Gattungszugehörig- 
keit einer solchen Hybride zweifel- 
haft ist, ist sie jener Gattung zu- 
zuzählen, deren Name dem der 
anderen im Alphabet vorangeht. 

Die Formel wird aus dem 
Namen der Eltern in der Weise 
gebildet, daß dieselben in alpha- 
betischer Reihenfolge aneinander 
gereiht und durch das Zeichen X 
verbunden werden; z. B. : Ämmo- 
phila Baltica Link = Ammo- 

24 



344 August V. Hayek. 



Art. 42. La publication r6sulte 
de la vente ou de la distribution, 
dans le public, d'imprim6s, de 
planches ou seulement d'etiquet- 
tes accompagnant des ecliantillons 
d'herbier. 

Le nom d'un genre ou d'une 
division sup6rieure n'est consi- 
der6 comme publi6 que quand il 
y en a une description imprimee. 
Des especes sont aussi consid6- 
r6es comme nomm6es par la dis- 
tribution des fig'ures avec le nom 
de la plante. 

Des especes publiees par la 
distribution d'6chantillons d'her- 
bier ne sont consider6es comme 
publikes que quand les 6tiquettes 
sont imprim^es et contiennent 
une description, et si la date de 
r^dition est visible. Des noms 
d'herbier sans diagnose n'ont pas 
de valeur de publication. 

Un nom expliqu6 par des 
synonymes ajoutös n'est consi- 
der6 comme publik que s'il ne 
s'agit que d'une nomination nou- 
velle ä cause de nomenclature, 
mais non, dans le cas de la cr6a- 
tion d'un nouveau genre, d'une 
espece ou d'une forme. 

Art. 51. Lorsqu'un nom d6ja 
existant est applique a un groupe 
qui devient d'un ordre sup6rieur 



phila arenaria X Calamagrostis 
epigeios. 

Art. 42. Die Publikation er- 
folgt durch den Verkauf oder die 
Verteilung von Druckschriften, 
Abbildungen oder mit Etiquetten 
versehenen Herbarpflanzen. 

Zur Publikation einer Gattung 
oder einer höheren Abteilung ist 
unbedingt die Publikation einer 
gedruckten Diagnose erforderlich. 
Arten gelten auch als publiziert, 
wenn mit Namen versehene Ab- 
bildungen derselben veröffentlicht 
werden. 

Durch Verteilung von Herbar- 
exemplaren bekannt gemachte 
Arten haben nur dann Giltigkeit, 
wenn die Etiquetten durch Druck 
hergestellt sind, eine Diagnose 
enthalten und das Datum der 
Ausgabe derselben ersichtlich ist. 
Herbarnamen ohne Beschreibung 
haben keine Giltigkeit. 

Ein nur durch beigefügte Syn- 
onyme erklärter Name gilt nur 
dann als publiziert, wenn es sich 
nur um eine Neubenennung aus 
nomenklatorischen Rücksichten 
handelt, nicht aber bei Aufstel- 
lung einer neuen Gattung, Art 
oder Form. 

Art. 51. Wenn ein schon exi- 
stierender Name für eine höhere 
oder niedere Gruppe in Anwen- 



Anträge zur Regelung" der 



botanischen Nomenklatur. 345 



ou införieur a ce qii'il 6tait au- 
paravant, ou lorsqu'une espece 
est transport6e dans un autre 
g-enre, il faut citer deux auteurs. 
Le nom de l'auteur primitif doit 
etre cit6 en premier Heu entre 
parentlieses, le nom de Tauteur 
qui a fait le chaDgement ou le 
transport, en second lieu. Par 
ex.: Maüliiola trisüs (L.) R. Br., 
Neslla paniciilata (L.) Desv. 

Art. 57. Lorsqu'une section 
ou une espece est portee dans 
un autre genre, lorsqu'une variet6 
ou autre division de Tespece est 
portee au raerae titre dans une 
autre espece, le nom de la section, 
le nom specifique ou le nom de 
la division doit subsister, ä moins 
que dans la nouvelle position il 
n'existe pas un des obstacles 
indiques aux articles de la sec- 
tion 6. Lorsque par un tel trans- 
port serait forme un nom qui 
existe dcjä dans ce genre, le nom 
d6jä existant dans le genre doit 
subsister sans egard pour le nom 
specifique le plus ancien. Par ex. : 
llieracium clwndrilloides L. doit 
etre nomme autrement quand il 
est transport6 dans le genre Cre- 
pis, parce qu'il existe deja un 
Crepis chondrilloides Jacq., quoi- 
que le nom llieracimn rlwndril- 
loides L. (1753) est plus ancien 



dung- gebracht wird oder wenn 
eine Art in eine andere Gattung- 
gestellt wird, sind zwei Autoren 
zu zitieren: An erster Stelle in 
Klammern der Name des ur- 
j sprünglichen Autors, an zweiter 
Stelle der Name jenes Autors, 
welcher die Veränderung, bezie- 
hungsweise Versetzung- bewerk- 
stelligt hat, z. B. Matthiola trisüs 
(L.) R. Br., Neslia paniculata (L.) 
Desv. 

Art. 57. Wenn eine Sektion 
oder eine Art in eine andere 
Gattung versetzt wird, wenn eine 
Varietät oder eine andere Unter- 
abteilung einer Art im gleichen 
Range zu einer Art gestellt wird, 
soll der Name der Sektion, Art 
oder Unterabteilung bestehen 
bleiben, zum mindesten, wenn in 
der neuen Stellung keines der in 
den Artikeln der Sektion 6 ge- 
nannten Hindernisse obwaltet. 
Würde durch Versetzung einer 
Art in eine andere Gattung ein 
Name entstehen, der bereits in 
dieser Gattung existiert, hat der 
in dieser Gattung schon existie- 
rende Name bestehen zu bleiben, 
ohne Rücksicht darauf, welcher 
Speziesname der ältere ist; so z. B. 
muß Hieracium chondrilloides L. 
bei Versetzung in die Gattung 
Crepis anders benannt werden, 
weil es schon eine Crepis chon- 

24* 



346 August 

qne le iiom Crejns chondrilloides 
Jacq. (1762). 

Alinea 2 doit etre raye. 

Art. 60. Alin6a 3 des «Pro- 
positions» doit etre ray6. 

Art. 65^^^ des «Propositions» 
doit etre ray6. 

Art. 66. 1. 11 n'est permis de 
corriger Forthographe d'im nom 
que lorsqiie dans un nom tir6 
d'un nom propre, le nom propre 
n'est pas ecrit conform6ment 
Forthographe reelle du nom, ou 
lorsqu'il y a une faute typogra- 
phique evidente. Aussi il est per- 
mis de changer le suffix de genre 
dans un nom speeifique. Dans 
tous les autres cas il n'est pas 
permis de changer un nom. 

Art. 68 Alinea 2. La prohi- 
bition des autres langues et des 
caracteres gothiques commence 
avec Fannee 1906. 



Hayek. 

drilloides Jacq. gibt, obwohl der 
Name Ilieraeium cliondrilloides L. 
(1753) älter ist als Grepis chon- 
drilloides Jacq. (1762). 

Alinea 2 hätte zu entfallen. 

Art. 60. Alinea 3 hätte zu 
entfallen. 

Art. 65*^'' hätte ganz zu ent- 
fallen. 

Art. 66. I. Korrekturen der 
Schreibweise von Namen sind nur 
gestattet, wenn in von Eigen- 
namen abgeleiteten Namen dieser 
falsch geschrieben ist oder wenn 
sich ein augenscheinlicher Druck- 
fehler eingeschlichen hat. Bei 
Speziesnamen ist ferner eine Än- 
derung der Geschlechtsendung 
gestattet. In allen anderen Fällen 
ist eine Änderung unstatthaft. 

Art. 68 Alinea 2. Die Un- 
giltigkeit in anderen Sprachen 
oder in gothischen Lettern ge- 
druckter Werke beginnt mit dem 
Jahre 1906. 



Begründung. 
Art. 10. 

Die Aufstellung von größeren und kleineren Gruppen ist Sache 
der wissenschaftlichen Auffassung und hat mit der Nomenklatur 
als solcher nichts zu tun. Es geht daher auch nicht an, die Zahl 
derselben durch Nomenklaturregeln irgendwie zu begrenzen. 



Anträge zur Regelung der botanischen Nomenklatur. 



347 



Art. 17 '»^^ 

Die l^estimmun^-, daß jene AVerke, in welclien eine andere 
als die binäre Nomenklatur angewendet wird, nicht zu berücksicliti<;en 
sind, halte ich einerseits für logisch vollkommen l)egTiindet, anderer- 
seits für praktisch sehr wichtig. Nachdem wir den Anfang der 
giltigen Nomenklatur mit jenem Werke beginnen lassen, in welchem 
zum ersten Male die binäre Nomenklatur zur Anwendung gelangt, 
ist es auch vollkommen logisch, wenn wir auch fernerhin nur jene 
Werke berücksichtigen, welche diesem Beispiele folgen. Für praktisch 
sehr wichtig halte ich diese Bestimmung darum^ weil sie einerseits 
ohnehin jetzt ziemlich allgemein stillschweigend beobachtet wurde, 
andererseits, weil durch dieselbe der in Art. 17*^^ beantragte Index 
inhonestans auf ein Minimum reduziert würde. Die Autoren, be- 
ziehungsweise Werke, welche durch diese Bestimmung in Wegfall 
kommen würden, wären vor allem Hall er, Patrick-Brown, Sco- 
poli (Flora Carniolica, ed. I), Fabricius und besonders Adanson. 
Die wenigen von Hai 1er aufgestellten giltigen Genera blieben 
größtenteils, nur mit Zitierung eines späteren Autors, erhalten. Nur 
Taraxaciim müßte in Hedypnols umgeändert werden, weshalb dieser 
Name unbedingt in das Verzeichnis der beizubehaltenden Namen 
aufzunehmen wäre. Patrick-Browns Gattungsnamen fanden wenig 
Anerkennung und wurden die meisten derselben sogar von Linn 6 
selbst willkürlich geändert. Die von Scopoli in seiner Flora Car- 
niolica, ed. I aufgestellten Gattungsnamen finden sich alle in der 
Geltung behaltenden ed. H wieder. Fabricius hat überhaupt keine 
Bedeutung. Was nun endlich Adanson betrifft, so weiß wohl jeder, 
der sich mit Nomenklaturfragen beschäftigt hat, welch ungeheuren 
Wirrwar es hervorrufen würde, wollte man die Adanson sehen 
Namen streng nach den Regeln der botanischen Nomenklatur be- 
rücksichtigen. Ein Blick in 0. Kuntzes Lexikon, wo dies mit 
Konsequenz durchgeführt ist, zeigt, welche zahllose Menge überall 
eingebürgerter Namen da fallen müßten, um den meist furchtbar 
barbarisch klingenden Adanson sehen zu weichen. Die wenigen 
Adanson sehen Namen, welche allgemeine Anerkennung gefunden 
haben, werden in den meisten Fällen dadurch erhalten bleiben 
können, daß statt Adanson der nächst ältere Autor, der sie in 



348 



Aiii^iist V. Hayek. 



Anwendung- brachte, zitiert wird. Daß diese Bestimmung natürlich 
für jene Werke, in denen überhaupt nur Gattungen beschrieben 
sind, nicht gilt, ist wohl selbstverständlich. 

Art. 

In meinem Antrage ist das wichtigste Grundgesetz für die 
Nomenklatur der Arten ausgesprochen, dessen in der Lois nirgends 
ausdrücklich gedacht ist. Durch dieses Gesetz wird jedenfalls die 
größtmögliche Stabilität erreicht und behält jede Art (von unbedingt 
notwendigen Ausnahmen abgesehen) denselben Namen, ob sie jetzt 
in diese oder jene Gattung versetzt, ob sie als Art, Unterart oder 
Varietät betrachtet wird. 

Art. 34. 

Mein Antrag entspricht den Regeln der Orthographie in der 
lateinischen Sprache. 

Art. 88. 

Die Zulässigkeit der binären Nomenklatur für Unterarten halte 
ich aus praktischen Gründen für zweckmäßig. 

Art. 40 

Das von den belgischen und Schweizer Botanikern beantragte 
Auskunftsmittel, daß ein bigenerischer Bastard in jene Gattung zu 
stellen sei, welche der anderen im Alphabet vorangeht, ist doch 
nur ein Notbehelf, dessen man sich nur dann bedienen muß, wenn 
die Gattungszugehörigkeit zweifelhaft ist, nicht aber, wenn der 
Bastard unstreitig einer der beiden Gattungen angehört. Gymna- 
denia cono2)ea X Nigritella nigra ist doch z. B. eine unzweifelhafte 
NigriteTla, müßte aber nach jenem Vorschlage zu Gymnadenia ge- 
stellt werden. 

Art. 42. 

Die in diesem Artikel enthaltenen Bestimmungen haben zwar 
auch jetzt allgemeine Giltigkeit, sind jedoch nirgends deutlich aus- 
gesprochen. 

Daß Exsiccatennamen nur dann eine Giltigkeit haben sollen, 
wenn sie mit einer Beschreibung versehen sind, ist darum nötig, 
weil einerseits oft genug unter derselben Nummer eines Exsiccaten- 



Allträge zur Kegeliing- der bütanischen Noiuenkhitiir. 



349 



Werkes verschiedene Formen ausgegeben werden, ferner auch Ver- 
wechshingen sehr leicht möglich und die Pflanzen allein dem Ver- 
derben zu leicht ausgesetzt sind, endlich weil dieselben den meisten 
Botanikern viel schwerer zugänglich sind als Beschreibungen. 

Daß ein nur durch Synonyme erläuterter Name nur bei einer 
notwendigen Neubenennung Giltigkeit haben, nie aber eine Neu- 
beschreibung ersetzen kann, ist wohl selbstverständlich. 

Art. 51. 

Ich halte bei Erhebung einer Varietät zur Art oder bei Ver- 
setzung einer Art in eine andere Gattung die Zitation beider Autoren 
für unbedingt notwendig. Das Autorzitat soll ja doch unter an- 
derem ein Behelf sein, die Originalbeschreibung rasch aufzufinden, 
also ein vollständiges Zitat ersetzen. In den meisten Fällen ist 
aber da der ursprüngliche Autor der wichtigere. Auch die Ancien- 
nität und daher die Giltigkeit eines Namens richtet sich nach der 
ursprünglichen Beschreibung. 

Art. 57. 

Wenn durch Versetzung einer Art aus einer Gattung in eine 
andere ein Name entstehen würde, der in dieser Gattung bereits 
existiert, muß die neu hinzugekommene Art anders benannt werden, 
gleichgiltig ob ihr Speziesnamen älter oder jünger ist als der der 
zweiten, schon früher in dieser Gattung so benannten Art. Diese 
Bestimmung widerspricht zwar dem strengen Prioritätsprinzipe, ist 
aber darum sehr wichtig, weil es zu großen Irrtümern Anlaß 
geben würde, wenn ein bisher für eine Art giltiger Name plötzlich 
auf eine ganz andere übertragen würde. Dasselbe hätte auch bei 
Erhebungen von Varietäten zu iVrten zu gelten, doch ist dies in 
diesem Falle in Art. 58*^^ der belgischen und Schweizer Antrag- 
steller genügend deutlich ausgesprochen. 

Alinea 2 im Antrag der belgischen und Schweizer Autoren 
halte ich für äußerst unzweckmäßig, besonders wenn die betreffende 
Gattung (wie z. B. Tormentilla^^ mehrere Arten enthält. 

Art. 60. 

Alinea 3 hätte zu entfallen, da durch diese Bestimmung wieder 
vieles der Willkür der einzelnen freigestellt wurde. Ein Name soll 



350 



August V. Huyek. 



nichts weiter sein als ein Name und hat nicht den Zweck, irgend 
eine Eigenschaft der betreffenden Pflanzengruppe auszudrücken. 
(Conf. Art. 15 '^i^) Hat doch sogar Linne den Namen Asdepias 
Syriaca geschaffen, obwold er ganz gut gewußt hat, daß die Pflanze 
in Nordamerika heimisch ist. (Conf. Spec. plant., ed. I, p. 214!) 
An dem Namen Atliamantlia Cretensis hat bisher doch noch niemand 
Anstand genommen. Würde diese Bestimmung in Kraft treten, 
könnte, falls einmal ein mannshohes Tordylmm entdeckt würde, 
der Name Tordylmm maximum verworfen werden, weil es nun 
nicht mehr das größte in der Gattung sei; Saxifraga Jiieracifolia 
könnte umgetauft werden, weil kein Hieracium solche Blätter hat etc. 

Art. 65 

hätte ganz zu entfallen. 

1. Die Bezeichnung der Arten durch Zahlwörter ist zwar 
nicht gebräuchlich, aber eigentlich kann kein Grund gegen ihre 
Annahme geltend gemacht werden. Sie sind gewiß nicht schwerer 
im Gedächtnis zu behalten, als wenn in einer Gattung eine Spezies 
grandifoUa, eine zweite macrophylla, eine dritte platyphyllos heißt. 

2. Gegen diesen Punkt möchte ich mich am allerentscliieden- 
sten aussprechen. Denn einerseits kann ein Nomenklaturgesetz 
nicht so weit rückwirkende Kraft haben, daß vor der Annahme 
desselben gegebene Namen als einfach nicht existierend angesehen 
werden könnten, andererseits ist es äußerst erschwerend, wenn 
bei der Anwendung eines alten Namens erst nachgeforscht werden 
muß, ob die Anwendung dieses Namens damals nach den heute 
geltenden Nomenklaturgesetzen gerechtfertigt war oder nicht. 

3. Die Anwendung von Doppelnamen ist zwar nicht schön, 
aber jetzt in der Zoologie allgemein gebräuchlich und gewiß unter 
allen Unannehmlichkeiten, die die strikte Anwendung von Nomen- 
klaturgesetzen mit sich bringt, die geringste. 

Art. 66. 

1. Ich bin für die möglichste Einschränkung aller Korrekturen. 
Daß, wenn jemand Goodenovii statt GoodenougJiii . schreibt, man 
die Schreibweise richtig stellt, daß man nicht Anemone narcissifolia 



Antrüge zur Rt^gclung- der botanischen Nomenkhitur. 



351 



statt Ä. narcissiflora schreibt, ist selbstverständlich. Aber Änderungen 
wie Cydamen in Cyclaminus u. dgl. sind zu weitgehend. 

Art. 68 »»i^ 

Die Bestimmung-, daß Beschreibungen nur in deutscher, 
französischer, englischer, italienischer oder lateinischer Sprache 
giltig sind, kann doch nicht rückwirkend sein. Man kann doch 
nicht alle in schwedischer oder spanischer Sprache bisher be- 
schriebenen Arten als nicht existierend betrachten. 



Motion 

presentee au Congres inter- 
national de Botanique, Yienne 
1905. 

Les lois de la nomenclature 
adoptes par le congres n'ont va- 
leur d'abord que pour les plantes 
vasculaires. La fixation des lois de 
la nomenclature des cryptogames 
cellulaires, specialement du com- 
mencement de la nomenclature, 
est reservee au prochain congres 
international de botanique. 



Antrag 

für den internationalen bo- 
tanischen Kongreß in Wien 
1905. 

Die vom Kongreß angenom- 
menen Nomenklaturgesetze gel- 
ten zunächst nur für die Gefäß- 
pflanzen. Die Festsetzung der 
Nomenklaturgesetze für die Zell- 
kryptogamen, insbesonders des 
Beginnes der Nomenklatur, ist 
dem nächsten internationalen bo- 
tanischen Kongreß vorbehalten. 



Begründung. 

Die Kenntnis der Zellkryptogamen war zur Zeit Linnes in- 
folge der mangelhaften Hilfsmittel und des geringeren Interesses 
für dieselben noch derart wenig entwickelt, daß es heute fast un- 
möglich erscheint, die in seinen Werken aufgeführten Namen mit 
Sicherheit auf die heute damit bezeichneten Arten zu beziehen. 
Es kann demnach weder 1737 noch 1753 als Beginn der Nomen- 
klatur für die Zellkryptogamen in Betracht kommen. Da ferner 



352 J. B r II n n t h a 1 e r. Antrag für den Internat, botan. Kongreß in Wien. 



die Vertiefung der Kenntnisse bei den einzelnen Gruppen der Zell- 
kryptogamen zu verschiedenen Zeiten vor sich gegangen ist, kann 
für dieselben kein gemeinsames Jahr oder Werk als Ausgangspunkt 
für die Nomenklatur bestimmt werden. 

Es ist ferner zu erwägen, ob die durch den Kongreß zur An- 
nahme gelangenden Nomenklaturgesetze ganz auf die Zellkrypto- 
gamen Anwendung finden können oder Abänderungen und Zusätze 
notwendig machen. 

Es empfiehlt sich daher die Ausschaltung der Frage von der 
Beschlußfassung auf dem Internationalen botanischen Kongreß 1905 
und Verweisung auf den nächsten Kongreß. 

Josef Brunnthaler (Wien). 



Beitrag zur Neuropterenfaima der Marschall- 
Inseln, 

nebst Beschreibung zweier neuer Chrysopü-kten. 

Von 

Dr. P. Kempny 

in Gutenstein (Niederösterreich). 
Mit 2 Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 25. Dezember 1903.) 

Die im folgenden aufgezählten wenigen Arten wurden von 
Herrn Dr. Schnee, dem ich für die Überlassung derselben zu 
großem Danke verpflichtet bin, in Jaluit auf den Marschall-Inseln 
gesammelt. Es sind dies drei Odonaten und eine Clwysopa; die 
letztere ist neu, jedoch mit einer austrahschen Art nahe verwandt. 

1. Pcmtala flavescens L. Das Vorkommen dieser in den ganzen 
Tropen verbreiteten Art bietet nichts Überraschendes. 2 9. 

2. Diplax hipunctata Br. 1 cT, Ursprünglich von Tahiti be- 
schrieben, aber auch in Australien einheimisch. 



Beitrag- zur Nciiroptcrcnfauua der Marscliall-Iuseln. 353 



3. Ämix guttatus Rbr. 1 <S. Das Vorkommen dieser ost- 
indisehen Art ist interessant, bei der gewaltigen Flugkraft der Änax- 
Arten jedoch leicht erklärlich. 

4. Chrysopa Jaluitana nov. spec. 

Flügellänge 20 — 28 mm. — Gelbgrün, in getrocknetem Zu- 
stande gelbbräunlich. 

Kopf licht gelbbraun, Hinterhaupt etwas dunkler. Scheitel 
ziemlich gewölbt. Vorderrand der Stirne wulstig aufgetrieben, auf 
diesem Wulst befindet sich eine in der Mitte unterbrochene rot- 
braune Querlinie. Zwei etwas feinere rostrote Längslinien ziehen 
— jede einen nach außen konkaven Bogen bildend — von der Stirne 
zwischen der Fühlerbasis zum Scheitel. Fühler viel länger als die 
Flügel. (Trotzdem sie abgebrochen sind, messen sie bei einem Stück 
noch 16 mm.) Scapus sehr verdickt und gleich dem Pedicellus von 
der Farbe des Kopfes, Geißel etwas dunkler als die Grundfarbe, 
mit feinen schwarzen Härchen besetzt. Clypeus quer rechteckig, 
Oberlippe breiter als lang, am Vorderrande sehr seicht bogenförmig 
ausgeschnitten. Maxillartaster fünfgliedrig. Erstes Glied kurz zylin- 
drisch, zweites halb so lang als das erste, viertes etwas länger als 
das erste und zweite zusammen, drittes und fünftes gleich lang, 
um die Hälfte länger als das vierte. Drittes und viertes Glied in 
der Wurzelhälfte etwas verschmälert, fünftes fingerförmig. Labial- 
taster dreigliedrig, erstes Ghed sehr kurz, zweites dreimal so lang, 
drittes doppelt so lang als das zweite, an der Spitze abgerundet. 

Pronotum breiter als lang, mit abgerundeten Vorderecken. 
Licht gelbbraun (gelbgrün im Leben ?), in der Mitte mit einer 
feinen, in der Mitte unterbrochenen schwarzen Querlinie, die den 
Außenrand nicht erreicht. In den Hinterecken ein kurzer diagonaler 
schwarzer Strich. 

Meso- und Metanotum etwas heller als das Pronotum. 

Beine licht gelbbraun. Schenkel mit lichten. Schienen und 
Fußglieder mit schwarzen feinen Härchen bekleidet. Tarsen fünf- 
gliedrig, Glied 2, 3 und 4 immer etwas kürzer als das vorhergehende, 
5 so lang als 2; Klauen einfach gerundet, nicht hakig erweitert. 

Vorderflügel fFig. 1) beinahe dreimal so lang als breit, 
gegen die Spitze verschmälert, Spitze elliptisch abgerundet. Flügel- 
membran hyalin, Pterostigma lang und schmal, deutlich gelb- 



354 P. Kempny. 

braun, Geäder blaßbraun (nach Dr. Schnee im Leben grünlich), 
nur die Verzweigungen der ersten und zweiten Analader schwarz. 
Costalfeld ziemlich breit, gegen die Spitze allmählich, gegen die 
Wurzel rasch verschmälert, Vorderrand jedoch nicht eingezogen. 




Fig. 1. Vorderflügel von Chrysopa Jaluitana. 



Der Sector radii entspringt an der Grenze des ersten und 
zweiten Fliigeldrittels, die erste Querader zwischen ihm und dem 
Cubitus anticus mündet innerhalb der (linsenförmigen) Cubitalzelle. 
Cubitus posticus (wie immer bei Chrysopa) nahe der Wurzel spindel- 
förmig verdickt. 

Hinterflügel (Fig. 2) kleiner und schmäler, Verzweigungen 
der Analadern nicht schwarz, sondern den übrigen gleich gefärbt. 




Fig. 2. Hintcrflügel von Chrysopa Jaluitana. 

Nach Angabe des Entdeckers verbreitet diese Art im Leben 
einen äußerst widerlichen Geruch, der den unserer einheimischen 
eil. septempunctata Wasm. noch weit übertrifft. 

5. Das k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien besitzt eine 
sehr ähnliche Art aus Australien (leider ohne nähere Fundorts- 
angabe), die ich Chrysopa vicina nov. spec. nennen will. 

So groß wie eine große Ch. Jaluitana (28 mm). Geäder in 
Form und Farbe sowie Klauenbildung dieser Art völlig gleich, die 
Zeichnung von Kopf und Thorax jedoch verschieden. 



Beitrag zur Neiiropterentauna der Marschall-Inseln. 



355 



Statt der roten Bogenlinien besitzt vicina auf dem Scheitel 
zwei nach rückwärts etwas divergierende, schwarzbmune, gerade 
Längslinien. In deren Verlängerung* ist die Innenseite der Fühler- 
basis durch eine feine rostbraune Läugshnie bezeichnet, das verdickte 
erste Fühlerglied trägt auf der Endhälfte seiner Hinterseite einen 
dicken schwarzbraunen Längsstrich. Der Querwulst am Vorderrand 
der Stirne besitzt eine im Vergleich zu Jalttitana viel stärkere, in 
der Mitte ebenfalls unterbrochene, schwarzbraune Querbinde. 

Eine gleiche, in der Mitte unterbrochene Querbinde weist die 
Mitte des Pronotums auf; diese biegt jedoch, bevor sie den Außen- 
rand erreicht, in einem rechten Winkel nach rückwärts um. 

Endhälfte der letzten Glieder der Maxillar- und Labialtaster 
rotbraun. 

Trotz der großen habituellen Ähnlichkeit (vicina ist etwas 
breitflügeliger) sind die beiden Arten durch die Kopfzeichnung doch 
leicht zu unterscheiden. 

Kopf- und Thoraxzeichnung von vicina erinnern an Cli. Bam- 
hurii Schneider, von der sie sich aber durch die größtenteils grün 
gefärbten Adern sofort unterscheidet. Auch Ch. tripunctata Mac 
Lachl. besitzt eine ähnliche Kopfzeichnung, jedoch außerdem noch 
einen schwarzen Fleck auf den Wangen, ferner sind die Adern im 
Costalfelde, die Stufenadern, jene zwischen Radius und Sector und 
alle Queradern in der Wurzelhälfte der Vorderflügel schwarz. Durch 
die schwarzen Queradern unterscheiden sich auch Ch. innotata 
Wik., insignis Wik. und microphya Mac Lachl. von den beiden als 
neu beschriebenen Arten, während Ch. remota und oceanica Wik. 
durch ganz grüne Adern von Jaltiitana und außerdem noch durch 
den Mangel einer dunklen Kopfzeichnung von vicina verschieden sind. 

Bezüglich der Lebensweise von Ch. Jaluitana wäre noch nach- 
zutragen, daß Dr. Schnee sie einmal zahlreich einen Femplm 
acidula-^ixSiWQh. (auf Jaluit Eisenholzbaum genannt) umfliegen sah, 
dessen Blätter angefressen und an diesen Stellen auf das Doppelte 
oder Dreifache verdickt w^aren. Hier sassen kleine rote Cocciden (?), 
die wahrscheinlichen Erzeuger dieser Deformitäten, und von ihnen 
dürften sich die Chrysopa-h2iXYQXi ernähren. 

Der Strauch stand am Innenstrande des Atolls. 



356 



Referate. 



Referate. 

Lehrbuch der Zoolog-ie, begründet von K. Claus, neu bearbeitet von Dr. 

Karl G robben, o. ö. Professor der Zoologie an der Universität Wien. 

(Siebente, neu bearbeitete Auflage des Lehrbuches von Claus.) Erste 

Hälfte (Bogen 1—30). Mit 507 Figuren. Marburg in Hessen, N. G. Elwert- 

sche Verlagsbuchhandlung, 1904. Preis Mk. 8.50. 

Das Claussche Lehrbuch der Zoologie hat infolge des ihm von dem 
Verfasser angewiesenen hohen Standpunktes durch mehr als 30 Jahre unserer 
Wissenschaft fast konkurrenzlos gedient. Doch in jedem derartigen Werke, 
das einen so langen, wenn auch durch zahlreiche Auflagen fort und fort rege- 
nerierten Bestand hat, reift mit dem steigenden Erfolge ein Konservativismus 
heran, der sich nicht auf die Vorzüge allein, sondern auch auf die Mängel 
erstreckt. Eine Neubearbeitung hatte daher außer der selbstverständlichen 
Eichtigstellung Jenes Teiles des Inhaltes, der durch die Fortschritte der 
Wissenschaft überholt wurde, darauf Bedacht zu nehmen, einerseits die Grund- 
lagen einer bewährten Schöpfung nicht zu erschüttern und andererseits jene 
zu befriedigen, welche die auffrischende Wirkung der Konjugation erhofften. 
Prof. Grobben hat sich der Lösung dieser Aufgabe mit großer Hingebung 
unterzogen und man gewinnt den Eindruck, daß es dem Autor ernstlich 
darum zu tun war, an der Tradition festzuhalten, wo immer es nur möglich 
war, und daß er hiervon nur abwich, wenn er seine eigene Überzeugung hätte 
zum Opfer bringen müssen oder im Interesse der Übersichtlichkeit und größerer 
Verständlichkeit. Einzelne Veränderungen, die man bei einem bedächtigen 
Vergleiche herausfinden wird, wie Umstellungen, Kürzungen, gänzliche Um- 
arbeitungen einzelner Abschnitte und Hinzufügung neuer bekunden, sofern 
es sich nicht um notwendig gewordene Ergänzungen handelt, das Streben, 
durch eine klare, lichtvolle Darstellung die Schwierigkeiten zu beseitigen, 
welche der alte Text nicht selten dem Verständnisse entgegenstellte. In diesem 
Sinne wirken auch die zahlreichen neu hinzugekommenen Abbildungen. Sehr 
angenehm berührt der physiologische Einschlag, der sich an manchen Stellen 
bemerkbar macht. Prinzipiellen Gegensätzen begegnen wir nur in der Syste- 
matik, da sich Grobben zu jener Richtung bekennt, welche die Grundlage 
der Klassifizierung in den Entwicklungs Vorgängen sucht, während Claus, 
vielleicht zum Teil aus persönlichen Gründen, sich diesen Bestrebungen gegen- 
über ablehnend verhielt. Claus unterschied neun Tierkreise: Protozoen, 
Coelenteraten, Echinodermen, Würmer, Arthropoden, Mollusken, Molluskoiden, 
Tunicateu, Vertebraten. Bei Grobben finden wir, der Haeckelschen Initia- 
tive entsprechend, die Protozoen den Metazoen als Unterreiche gegenüber- 
gestellt. In dem Unterreiche der Metazoen werden, wie dies Ray Lankester 
1877 getan, die Coelenteraten und Coelomaten auseinander gehalten, hier mit 
dem Range von Divisionen. Die ersten umfassen die Tierkreise der Spon- 
giarien, Cnidnrien (hierher als Klassen die Orthonectiden und.Dicyemiden), die 
zweiten die Tierkreise der Zygoneuren (Hatschek, 1888), fast die gesamten 



Referate. 



357 



Würmer im alten Sinne, die Arthropoden, Molluskoiden und Mollusken ent- 
haltend, die Ambulacnilien (Echinodermen, Enteropneusten) und die Chor- 
donien (^Tnnicaten und Vertebraten). Die weitere Ausgestaltung dieses Sy- 
stemes bis zur Spezies geschieht mit besonderer Sorgfalt. Der Verfasser bietet 
in dem engen Rahmen seines Lehrbuches eine gewissenhaft durchgeprüfte, 
verläßliche Übersicht des gegenwärtigen Standes und erwirbt sich dadurch 
weit über die Kreise hinaus, für welche es in erster Linie bestimmt ist, den 
Dank der Fachgenossen, die den bedeutenden, auch auf diesem Gebiete in 
neuer Zeit gemachten Fortschritten Interesse entgegentragen, aber nicht immer 
in der Lage sind, sie allseitig zu verfolgen. 

Die bisher erschienene erste Hälfte hat 480 Seiten und 507 Figuren. 
Hiervon entfjillen auf den allgemeinen Teil 218 Seiten und 212 Figuren. Sie 
schließt inmitten der dritten Ordnung der Arachnoideen ab. Der Schluß des 
ganzen Werkes soll ungefähr in Jahresfrist erscheinen. 

E. V. Marenzeller. 

Baur, E. Untersuchungen über die Entwicklungsgeschichte der 
Flechtenapothezien. L (Botanische Zeitung, 1904, Heft IL 26 S., 2 Taf.) 

Die dritte Arbeit Baurs über das im Titel genannte Thema bringt 
die Resultate der Untersuchungen über die Gattungen Parmelia, Änaptychia, 
Lecanora, Endocarpon, Gyrophora und Solorina. Die wichtigsten Ergebnisse 
sind die folgenden. 

Mit Ausnahme der an letzter Stelle augeführten Gattung wurden an den 
untersuchten Flechten stets wohl differenzierte, mit Trichogynen versehene 
Carpogene gefunden, welche ähnlich gebaut sind wie die von Stahl bei Col- 
lema beobachteten. Bei allen untersuchten Gattungen entwickeln sich Schläuche 
und Paraphysen aus getrennten Geweben, entsprechend dem Satze Sch wen- 
deners, selbst bei Änaptychia, für welche Wahlberg das Gegenteil nachge- 
wiesen zu haben vermeinte. 

Die Arten, deren Carpogene nach dem CoZZma-Typus gebaut sind, sind 
wahrscheinlich sexuell. An ihren Trichogynen konnten oft fest kopulierte Sper- 
raatien beobachtet, hingegen der Sexualakt selbst wegen der Kleinheit der 
Objekte direkt nicht nachgewiesen werden. Im Gegensatze zu diesen Gat- 
tungen ist Solorina, welche stark rückgebildete Carpogone besitzt und keine 
Trichogynen und Spermatien ausbildet, wahrscheinlich apogam und verhält 
sich wie die verwandten Gattungen Peltigera, Peltidea und Nephromium. 

Eine eigentümliche komplizierte Entstehungsweise zeigt das Hymenium 
bei Parmelia. Die jungen, noch keine Spur eines Hymeniums aufweisenden 
Carpogene werden zunächst von einer apothezialen Rinde bedeckt, in diese 
dringen dann die ascogenen Hyphen und breiten sich im oberen Teile aus, 
dann entwickeln sich aus der Rinde nach aufwärts die Paraphysen, in welche 
schließlich die aus den ascogenen Hyphen hervorgegangenen Schläuche dringen. 
Dieser Fruchttypus, der „ParmeZm-Typus", kehrt bei anderen Gattungen, z. B. 
Usnea, wieder. 



358 



Referate. 



Die Trichogynen, welche von Lindau als „Terebratoren" bezeichnet 
werden und die Aufgabe besitzen sollen, die über den Carpogenen lagernde 
Rinde zu durchbrechen, können nicht diesem Zwecke dienen, wie die Ent- 
wicklungsgeschichte der Apothezien bei Lecanora und Gyrophora zeigt. 

Plöchst bemerkenswert sind die Befunde bei Cladonia, weil sie geeignet 
erscheinen, die bisherige, von Krabbe eingeführte Anschauung über den 
morphologischen Wert des 67ac?oma-Podetiums zu modifizieren. Man ist ge- 
wöhnt, das Podetium der Becherflechten als Fruchtkörper, als Homologon eines 
gestielten Apotheziums zu betrachten, indem man Krabbe folgt, der fand, 
daß das Podetium auf rein vegetativem Wege aus dem horizontalen Cladonia- 
Lager entsteht und daß Sprossungen vegetativer Hyphen den Anstoß zur 
Apothezienbildung geben. Verfasser muß dieser Anschauung wenigstens bei 
Cladonia pyxidata entgegentreten, nachdem es ihm gelang nachzuweisen, dnß 
am Rande junger Podetien sich normale Carpogene mit Trichogynen finden, 
die zur Bildung der Apothezien führen. 

Über die Technik seiner Untersuchungsmethode berichtet Verfasser in 
der Einleitung ausführlicher. A. Zahlbruckner. 

Penzig, 0. und Saccardo, j?. A. Icones Fungorum Javanicorum. 
(Leiden, J. Brill, 1904. 8^ 2 Bände.) 

In den Jahren 1897 und 1901 haben die Verfasser eine große Zahl von 
neuen Pilzen, meist Micromyceten, beschrieben, welche von Prof. 0. Pen zig 
während seines Aufenthaltes auf der Insel Java (1896 — 1897) gesammelt 
wurden. Darunter befanden sich viele interessante Gattungen und Arten, deren 
Abbildung höchst erwünscht war. Infolge des Entgegenkommens der Verleger 
der „Icones Bogorienses" wurden die Verfasser in die Lage versetzt, in dem 
vorliegenden Werke auch die Abbildungen dieser Pilze der Öffentlichkeit über- 
geben zu können. 

Der erste Band enthält die revidierten, systematisch angeordneten Dia- 
gnosen der neuen javanischen Pilze-, der zweite Teil bringt auf 80 Tafeln 
die Abbildungen dieser Pilze. Für jede Art wird ein Habitusbild in natür- 
licher Größe gebracht und die zur Charakterisierung notwendigen Analysen, 
insbesondere diejenigen der Reproduktionsorgane, gegeben. Die mikroskopischen 
Details sind mit Hilfe der Abbeschen Kamera getreu nach der Natur gezeichnet. 
Die Vergrößerungen sind für alle Arten möglichst gleich durchgeführt. 

Das Buch ist nicht nur für die Mikologen, sondern auch für alle, die 
sich für Agrikultur und Pflanzenbau in den überseeischen Kolonien interessieren, 
von größter Wichtigkeit. A. Zahlbruckner. 

Hofer, Bruno. Handbuch der Fischkrankheiten. Mit 18 Farbentafeln 
und 222 Text -Abbildungen. Verlag der Allgem. Fischereizeitung, München, 
1904. Preis geh. K 16. 

Wie das intensivere Studium der Fischkrankheiten aus den praktischen 
Bedürfnissen der in den letzten Jahrzehnten so mächtig aufstrebenden Fisch- 
zucht hervorgegangen ist, so soll das vorliegende Handbuch der Fischkrank- 



Keferate. 



359 



heiteii in erster Linie ancli für die Kreise der praktischen Fischzüchter be- 
stimmt sein, denen ein zuverlässiger und einigermaßen vollständiger Ratgeber 
auf diesem lÜr sie so wichtigen Gebiete bisher gefehlt liat. 

Diesem Zwecke entsprechend ist auch die Darstellung des Stotfes so, 
daß der Leser auch ohne speziellere medizinische oder allgemein zoologische 
Kenntnisse dem Autor folgen kann; den Besprechungen der Krankheiten der 
einzelnen Organe sind kurze Beschreibungen des normalen Baues der letzteren 
vorausgeschickt und auch den einzelnen pflanzlichen und tierischen Krankheits- 
erregern allgemein orientierende systematische, beziehungsweise biologische 
Bemerkungen vorangesetzt. Durch kleineren Druck endlich sind die speziell 
für den Forscher bestimmten Abschnitte gekennzeichnet. 

Das Buch, das sich allerdings nur auf die Darstellung der Krankheiten 
der mitteleuropäischen Süßwasserfische beschränkt, zerfällt in vier Haupt- 
abschnitte. Im ersten Abschnitt („Allgemeine Infektionskrankheiten") werden 
die durch Bakterien und Sporozoen verursachten Krankheiten besprochen 
(Furunculose, Schuppensträubung der Weißfische, Eotseuche der Karpfen und 
des Aales, Lachspest, Gelbseuche der Rotaugen, Fleckenkrankheit des Bach- 
saiblings, Pockenkrankheit der Karpfen, Beulenkrankheit der Barben u. a. m.). 
Von gerade gegenwärtig sehr großem, allgemeinem Interesse sind die Angaben 
über Tuberkulose bei Fischen. Die diesbezüglich angestellten Untersuchungen 
haben für die Fischzucht insofern praktische Bedeutung, „als durch Ver- 
fütterung von Tuberkeln in den Fischkörper Tuberkelbazillen übergehen 
können, welche monatelang ihre Virulenz behalten. Derartige Verfütterungen 
kommen namentlich in solchen Gegenden vor, in welchen ausgedehnte Milch- 
wirtschaften neben Fischzüchtereien bestehen und in denen gerne die Zentri- 
fugenrückstände, welche zum großen Teil aus reinen Tuberkelbakterien be- 
stehen, an Fische verfüttert werden". (S. 36.) 

Im zweiten Abschnitt werden die speziellen Krankheiten der einzelnen 
Organe behandelt. Unter den nicht parasitären Hautkrankheiten erwähnen wir 
neben den durch mechanische Verletzungen und chemische Einwirkungen ver- 
ursachten die sogenannten Erkältungskrankheiten, von denen also, so paradox 
es erscheinen mag, auch Kaltblüter nicht verschont werden. Unter den para- 
sitären Hautkrankheiten wird nur die sogenannte Verpilzung der Fische durch 
Pflanzen verursacht (Saprolegniaceen) und auch diese ist häufig nur eine 
sekundäre Erkrankung. Als Heilmittel wird übermangansaures Kali empfohlen. 
Alle übrigen parasitären Hautkrankheiten sind von Tieren verursacht, und 
zwar von Protozoen: die Knötchenkrankheit durch Sporozoen, die Costien- 
krankheit durch einen Flagellaten, endlich die Ichthyophthirius-, Chilodon- 
und Cyclochaeta-Krankheit durch Infusorien. Würmer bedingen die Gyro- 
dactyliasis, Diplostomiasis und Pisciculosis. Unter den Krebsen werden die 
an der Haut parasitierenden Copepoden und die Branchiuren aufgezählt; 
unter den letzteren fehlt Argulus viridis Nettovich. 

In ähnlicher We'se wie die Krankheiten der Haut werden im folgenden 
Kapitel die Krankheiten der Kiemen besprochen und im Anschlüsse eigen- 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 25 



360 



Referate. 



artige kolbige Yerdickiingen des Kiemenepithels der Bachforelle und der bös- 
artige Kropf (Adeno-Carcinom der Thyreoidea) bei Salmoniden beschrieben. 
Es ist damit der interessante Nachweis erbracht, daß der Krebs, diese ge- 
fürchtete Krankheit des Menschen und der Haustiere, auch bei Fischen vor- 
kommt. 

Zahlreich sind die Darmkrankheiten der Fische, deren Besprechung ein 
weiteres Kapitel gewidmet ist (Enteritis, Darmkatarrh der Salmonidenbrut, 
Magen- und Darmgeschwüre u, a. m.). Als Darmparasiten werden Sporozoen, 
Flagellaten, Trematoden, Cestoden, Nematoden und Acanthocephalen genannt. 
Sporozoen und Würmer sind weiters auch in der Leber, Schwimmblase, Niere 
und Harnblase beobachtet worden. Beim Karpfen konnte bisweilen auch 
Gelbsucht (Icterus) nachgewiesen werden. 

Eine ausführliche Besprechung erfahren naturgemäß die Erkrankungen 
der Geschlechtsorgane und ihrer Produkte (Eierstockcysten, Verhärtung der 
Eierstöcke, Degeneration der Eier und des Samens). Erkrankungen der Eier 
werden durch Pilze und chromogene Bakterien verursacht. Die Dotterblasen- 
wassersucht der Salmoniden (Hydrocoele embryonalis) wurde erst kürzlich 
von J. Fi eb ig er (Wien) genauer untersucht. Unter den Erkrankungen der 
Leibeshöhle mögen Peritonitis und Ligulosis, die Riemenwurmkrankheit, er- 
wähnt sein. Von Herzkrankheiten werden angeführt: Herzverfettung, fettige 
Degeneration der Herzmuskulatur, Herzbeutelwassersucht u. a., als Blut- 
erkrankungen Anämie und die noch nicht aufgeklärte, eigenartige „Schlaff- 
sucht" der Karpfen. Unter den aufgeführten Blut-Trypanosomen erwähnen wir 
das kürzlich von der Assistentin des Verfassers entdeckte Trypanoplasma 
cyprini Plehn. In Milz und Muskeln schmarotzen gelegentlich Sporozoen und 
Würmer. Unter den Erkrankungen des Nervensystems mag nur die interessante 
Taumelkrankheit der Salmoniden angeführt sein, die jedenfalls auf eine In- 
fektion der inneren Organe zurückzuführen sein dürfte. 

Von Augenkrankheiten werden unter anderen Trübungen und Perforation 
der Cornea, Star und Exophthalmus erwähnt, die Referent überdies auch 
mehrfach bei in Aquarien gehaltenen Seefischen konstatieren konnte. Be- 
sonderes Interesse beansprucht eine Erkrankung des Gehörorganes, nämlich 
die sogenannte Drehkrankheit der Regenbogenforelle, die gegenwärtig von 
Dr. Marianne Plehn studiert wird. Der Erreger der Krankheit, ein Myxosporid 
{Myxoholus chondrophagus Plehn [syn. M. cerehralis Hofer]) lebt im Knorpel 
des Schädels, der Kiemenbögen und Halswirbel, zerstört diesen und erzeugt 
speziell durch die Vernichtung der Bogengänge die eigentümliche Dreh- 
krankheit der Fische. 

In einem besonderen Kapitel über Geschwulstbildungen werden ver- 
schiedene Formen von Sarcom und ein Melanom der Schleie beschrieben. 

Als Skeletterkrankungen werden Wirbelsäulenverkrümmung und Ver- 
kürzung der Wirbelsäule, der bekannte „Mopskopf", die verschiedenen Kiemen- 
deckel- und Flossendefekte, Mißbildungen der Kiefer, Verschluß der Mund- 
spalte, Pseudoschwanzfiosse und Spaltung der Rückenflosse aufgezählt. Weiters 



Referate. 



361 



werden an der Hand einiger Abbildnngen die bel^anntcn Mißbildungen bei 
Embryonen erläutert. 

Der dritte Abschnitt bringt eine ausflilirliche Darstellung der Krebspest, 
zu deren Erforschung bekanntlich der Verfasser durch Auftindung des Bac- 
terium pestis Astaci das meiste beigetragen hat. 

Im letzten, vierten Abschnitt endlich werden die wichtigsten Verhaltungs- 
maßregeln beim Eintritt von Fischkrankheiten angegeben. 

Der Bericht wäre nicht vollständig, wenn wir nicht noch die 18 Farben- 
tafeln erwähnen würden, die die wichtigsten Krankheiten der Fische veran- 
schaulichen und in ihrer Ausführung wohl auch den höchstgestellten An- 
forderungen entsprechen dürften. 

Mit Rücksicht auf den reichen Inhalt des Buches, die streng wissen- 
schaftliche und dabei doch allgemein verständliche Darstellungsweise des 
behandelten Stotfes ist es gewiß keine leere journalistische Phrase, wenn wir 
unser Urteil über das Buch in dem Satze zusammenfassen, daß es tatsächlich 
eine fühlbare Lücke ausfüllt, daß das Studium dieses ersten „Handbuches der 
Fischkrankheiten" nicht nur dem praktischen Fischzüchter von großem Nutzen 
ist, sondern auch dem Forscher eine Summe wertvoller Anregungen bietet. 

Wenn wir erwägen, daß gut zwei Drittel des Werkes aus Untersuchungs- 
ergebnissen bestehen, zu denen der Verfasser selbst und seine rührigen Mit- 
arbeiter, die Herren Dr. Doflein und Moroff sowie Frl. Dr. M. Plehn, ge- 
langt sind, so ist dieses „Handbuch" zugleich sowohl ein schlagender Beweis 
für den hohen praktischen Wert der „kgl. bayrischen Versuchsstation für 
Fischerei", als auch ein schönes Zeugnis von dem regen Interesse, das die 
bayerische Regierung wissenschaftlicher Arbeit entgegenbringt. 

Ad. Steuer (Triest). 

Apfelbeck, Viktor. Die Käferfauna der Balkanhalbinsel, mit Berück- 
sichtigung Kleinasiens und der Insel Kreta. Erster Band: Familien- 
reihe Carahoidea. Berlin (R. Friedländer & Sohn), 1904. 

In diesem Werke beabsichtigt der durch seine Forschungen über die 
Käferfauna der Balkanhalbinsel bekannte Verfasser, die Ergebnisse seiner 
eigenen Untersuchungen unter gleichzeitiger Benützung der in der Literatur 
enthaltenen einschlägigen Daten systematisch geordnet zu publizieren. Wie es 
im Vorworte heißt, soll diese „Käferfauna der Balkanhalbinsel" eine Ergänzung 
des Ganglbauerschcn Werkes „Die Käfer von ]\litteleuropa" für Südost- 
europa bilden. Sie enthält daher nur die Beschreibungen und die Synonymie 
jener Gattungen und Arten, die im Gangl bau ersehen Werke fehlen. Von 
den daselbst aufgeführten, auch auf der Balkanhalbinsel vorkommenden Arten 
ist nur die geographische Verbreitung angegeben; bei solchen Arten aber, die 
zur Variabilität und Bildung von Rassen neigen, werden auch die einzelnen 
Lokalformen, soweit sie im behandelten Gebiete vorkommen, eingehend be- 
sprochen, was den Wert des Buches ungemein erhöht. Der Zoogeographie 
wird bei der allgemeinen Besprechung der Familien und der artenreichen 

25* 



362 



Referate. 



Gattungen Rechnung getragen, indem die einzelnen Formen nach den Faunen- 
gebieten, denen sie angehören, in Gruppen geschieden und aufgezählt werden. 

Die Gruppeneinteihmg, Nomenklatur und Synonymie sind im allgemeinen 
dem Ganglbauerschen Faunenwerke entnommen; der Verfasser hat aber zu- 
gleich die seither erschienene Literatur sorgfältig benützt und die neueren 
Auffassungen berücksichtigt, soferne diese auch Arten der Balkanhalbinsel 
betreffen. 

Der vorliegende I. Band behandelt die Cicindelidae, Carahidae, Hali- 
plidae, Hygrohiidae, Dytiscidae, Gyrinidae, Bhysodidae und Paussidae. Aus , 
diesen Familien werden 130 Gattungen mit circa 1040 Arten aufgezählt, dar- 
unter folgende neue Arten: Nebria Merkliana (Türkei), Eugeniae (Bulg.), 
aetoUca (Griech.), Bembidiiim Serdicanum (Bulg.), Tachys Krueperi (Ost- 
Rumel.), Trechus bradycelloides (Bosn.), angusticeps (Türkei), Kobingeri (Bosn.), 
Serbiens (Serb.), acutangulus (Bosn.), Sturanyi (Bosn.), durmitorensis (Monte- 
negro), Styx (Bosn.), Pogonus liliputanus (Griech.), Badister gladiator (Herz., 
Dahn., Mähren, Syrien), Harpalus Krueperi (Griech.), rumelicus (Ost-Rumel.), 
Karamani (Herz., Dalm.), serdicanus (Bulg.), Bradycellus Ganglbaueri (Herz., 
Montenegro), Molops peristericus (Epir.), Misuranus (Bulg.), albanicus (Alban.), 
Reiseri (Serb.), rhodopensis (Bulg.), prenjus (Herz.), osmanilis (Alban.), plani- 
pennis (Westbosn., Dalm.), byzantinus (Türkei), Pterostichus (Tapinopterus) 
miridita (Alban.), Ättemsi (Kreta), atticus (Griech.), peristericus (Epir.), Ptero- 
stichus (Poecilus) Rebeli (Herz., Dalm., Montenegro, Alban., Griech.), Pt. 
(Lagarus) Leonisi (Herz., Montenegro, Griech.), Pt. (Ärgutor) convexiusculus 
(Alban., Slav., Kaukas.), tarsalis (Slavon., Serb.), Omphreus aetolicus (Griech.), 
Platyderus atticus (Griech.), Platyderodes nov. subgen. (von Platyderus) MerUi 
(Türkei), Platynus hypocrita (Herz., Dahn., Montenegro, Griech.), Holdhausi 
(Kroat., Bosn., Herz., Dalm., Serb., Bulg., Türkei, Griech.), Ämara pindica 
(Epir., Griech.), serdirana (Bulg.), Krueperi (Griech.), Zäbrus aegaeus (Griech., 
Kreta), laticoUis (Rhodos), rhodopensis (Bulg., Serb.), albanicus (Alban.), 
Reitteri (Kleinasien), peristericus (Epir.), Cymindis imitatrix (Herz.), naxiana 
(Naxos), Brachynus Ganglbaueri (Ung., Bosn., Herz., Serb., Alban., Griech., 
Kleinasien, Turkest.), peregrinus (Alban., Griech., Kleinasien, Zypern), Bode- 
meyeri (Ostrumel., Türkei, Alban., Griech., Kleinasien, Span.), Äptinus ponti- 
cus (Türkei, Kleinasien). Für Claenius viridis Menetr. wird eine neue Unter- 
gattung (Paradinodes) aufgestellt. Außerdem werden eine große Zahl von 
Unterarten neu beschrieben. 

Spezifische Verschiedenheit wird nachgewiesen bei folgenden bis dahin 
konfundierten oder fraglichen Arten: Dyschirius Lafertei Putz, und D. Bonelli, 
Asaphidion Stierlini Heyd. und Ä. flavipes, Carterus gilvipes La Brül. und C. 
dama Rossi, Pterostichus Meisteri Reitt. und Pt. BrucM Schaum, Platyderus 
minutus Reiche und P. ruficollis Marsh., Platynus angustatus Dej. und P. vi- 
duus Panz., Zabrus Fontenayi Dej. und Z. robustus Zimm., Brachynus efflans 
Dej. und B. crepitans L., Brachynus plagiatus Reiche und B. psophia Dej., 
Brachynus berytensis Reiche und B. psophia Dej., Brachynus ejaculans Fisch. 



Referate. 



363 



und B. ivimaculicornis DeJ., Hydroponis uhliquesignatus Biclz und Hydro}). 
Genei Aube. 

Folgende bis dahin als Arten aufgefaßte Formen werden zusammen- 
gezogen: Cardbus Fressli Dej. = Rasse von C. Iwrtensis Leistus punctatus 
Reitt. = Rasse von L. spiniharhis Fbr.,^) Nebria Speiseri Gangib, = Rasse 
von N. jReichei Dej., Nebria hybrida Rottbg. = Rasse von N. Germari 
Heer, Bembidium Fauveli Gangib. = B. praeustum Dej., Bembidium turcicum 
Gangib. = B. suhstriatum Chaud. (caucasicum Mötsch.), Pogonus Peisonis 
Gangib. = Rasse von P. persicus Chaud., Pterostichus olympicus = P, molo- 
pinus Chaud., Plaiynus viridescens Reitt. = P. lucidulus Schaum, Zabrus 
chiosanus Reitt. = Z. asiaticus Casteln., Metabletus montenegrinus Kiist. = 
M. impressiis Dej. var.,^) Mierolestes^) cordatiilus Reitt. = M. maurus var., 
Microlestes integer Reitt. (subsp.) = M. fissuralis Reitt., Microlestes mauri- 
tanicus Reitt. (nec. Luc.) = 31. Abeillei Bris., Microlestes fulvibasis Reitt., 
escorialensis Bris, und corticalis Duftschm. = Rassen von M. plagiatus Duftschm., 
Brachynus sichemita Reiche = Rasse von B. explodens Duftschm., Brachyniis 
Emgei Reitt. = var. von B. bipustulatus Quens., Haliplus dalmatinus Müll. = 
Rasse von H. fulvus Fabr., Haliplus leopardinus Sahlb. {pantherinus Sahlb. 
i. 1.) = Rasse von H. variegatus Sturm, Hydroporus BrucJci Wehnke = H. 
limbatus Aube var., Agabus Goryi Aube = A. dilatatus Brülle. 

Den Gattungen Cicindela, TrecJius, Pachycarus, Carterus, Bitomus, 
Molops, Platyderus, Zabrus, Microlestes^) und Brachynus sind dichotomische 
Bestimmungstabellen beigegeben. Außerdem werden die Bembidium-Untev- 
gattungen Testediolum und Peryphus, ferner das PterostichusSiihgenus Tapi- 
nopteriis und die mit Platynus versutus und viduus zunächst verwandten Arten 
dichotomisch behandelt. 

Aus dem Gesagten dürfte die Reichhaltigkeit des in diesem Buche 
Gebotenen zur Genüge hervorgehen. Es gebührt dem Verfasser nicht nur 
das Verdienst, eine spezielle Bearbeitung der überaus interessanten Käferfauna 
der Balkanhalbinsel in Angriff genommen zu haben, sondern er hat auch sonst 
viel Wertvolles und Neues gebracht, weshalb dieses Werk auch jedem, der 
sich mit mitteleuropäischen Käfern wissenschaftlich beschäftigt, ein wichtiges 
Nachschlagebuch sein wird. Leider ist der Preis des ersten Bandes (18 Mark) 
kein geringer, zumal wenn man bedenkt, daß durch geeignete Raumausnützung 
der Umfang des Buches hätte um einiges herabgesetzt werden können. Viel- 
leicht gelingt es, die folgenden Bände billiger zu gestalten, um so dem Werke 
jene Verbreitung zu sichern, die dasselbe verdient, Dr, Josef Müller. 



*) Daß diese beiden Formen nicht spezifisch verschieden sind, hat schon 
Referent 1901 (Wiener entom. Zeitg., XX, S. 138) nachgewiesen. 

2) Schon von Reitt er (Wiener entom. Zeitg., 1899, S. 162) nachgewiesen. 

(Der Ref ) 

^) Die Zusammenziehungen von Microlestes nach Karl Holdhaus, 
^) Von Karl Holdhaus bearbeitet. 



364 



Referate. 



Hartert, Ernst. Die Vögel der pal iiarkti sehen Fauna. Systematische 
Übersicht der in Europa, Nordasien und der Mittelmeerregion vorkommen- 
den Vögel. Heft I. Mit 22 Abbildungen. — Berlin, Friedländer & Sohn. 
Ausgegeben im November 1903. 

Das größte Desideratum der ornithologischen Literatur war ein zu- 
sammenfassendes Handbuch über die paläarktischen Vögel, das die in allen 
möglichen Fachzeitschriften zerstreuten Beschreibungen der verschiedenen 
Formen in übersichtlicher Weise vereinigt. Wohl haben wir einige große 
Werke über denselben Gegenstand, so den neuen „Naumann" und Dressers 
„Birds of P^urope", allein beide Werke beschäftigen sich bloß mit dem west- 
lichen Teile der genannten Region und sind auch infolge ihres Umfanges und 
des damit verbundenen hohen Preises nicht jedermann zugänglich. Dressers 
kürzlich erschienenes „Manual of Palaearctic Birds" behandelt zwar auch die 
gesamte paläaiktische Ornis, ist aber, wie mir der Autor selbst mitteilte, zu- 
nächst für Jäger, Liebhaber etc. bestimmt und entspricht infolgedessen bei 
weitem nicht den Anforderungen, die man heute an ein wissenschaftliches 
Buch zu stellen berechtigt ist. Zu diesen gehört vor allem eine genaue und 
sorgfältige Darstellung der einzelnen Arten in ihren geographischen Formen 
oder Subspezies. Gerade das vermissen wir in Dressers Buch, wogegen 
Hatterts „Systematische Übersicht" diesem Bedürfnisse in weitgehendstem 
Maße Rechnung trägt. 

In dem uns vorliegenden ersten Teile von 112 Seiten werden die 
Familien der Corvidae (Raben), Sturnidae (Stare) nnd Fringillidae (Finken), 
letztere nur zum Teil, behandelt. Insgesamt unterscheidet der Verfasser 
184 Spezies und Subspezies. Jede derselben ist . knapp, aber genügend ge- 
kennzeichnet (bei den Subspezies werden nur die unterscheidenden Charaktere 
angegeben), nebst kurzer Angabe der Verbreitung. Von einer umfangreichen 
Synonymie hat der Verfasser abgesehen, beschränkt sich vielmehr auf die- 
jenigen Bücherstellen, wo die auf jede Form sich beziehenden Namen zum 
ersten Male publiziert wurden. Bei jedem von einer Kennzeichnung begleiteten 
Namen wird die terra typica beigefügt.^) Selbstverständlich kommt die ternäre 
Nomenklatur in dem Werke in reichlichem Maße zur Anwendung, sofern es 
sich um die Bezeichnung geographischer Vertreter einer Art handelt. So 
finden wir alle Corvus com^c-Formen, von unserem Raben bis zum indischen 
laurencei und nordostafrikanischen umhrinus, alle Elstern, von der europäischen 
bis zur kalifornischen Form, alle Heher mit gestreiftem Scheitel u. a. als 
Subspezies aufgezählt, eine Auffassung, der wir völlig zustimmen. Auch die 
höheren Gruppen, wie Ordnung, Familie und Gattung sind kurz charakterisiert 
und in den meisten Fällen durch wohlgelungene Abbildungen von Köpfen, 
Schnäbeln etc. erläutert. Ein brauchbarer Schlüssel der Arten erleichtert die 
Übersicht bei jedem Genus; wir hätten nur gewünscht, daß Verfasser auch 
die Subspezies dabei berücksichtigte. 



^) Nomina nuda sind als solche bezeichnet. 



Referate. 



365 



Von Einzelheiten luög'c folg-endes hervorgehoben werden. Die mittel- 
und westeuropäische Dolile wird als eine von der sk;indinavischen verscliiedeue 
Forin unter dem Namen Colaeus monedula spermologiis aufgeführt, die Iden- 
tität des die Alpen bewolinenden Tannenheliers mit der nordischen Form aufs 
neue betont, die ganz vergessene nordafrikanische Subspezies des Kernbeissers, 
Coccothraustes c. huvryi wieder hergestellt. Unter Acanthis werden die Lein- 
tinken, Zeisige, Stieglitze, Hänflinge und Zitronfinken vereinigt. Ac. flammea 
wird als der älteste Nnme für den nordischen Leinzeisig festgestellt. Als neu 
beschrieben sind: Co7tiis frugilegus tscJmsii von Gilgit- Cyanopica cyanus 
swhihoei von China; Nucifraga caryocatactes rothschüdi von Tien-Schan; Gar- 
rulus glandarius rufiiergum, England; G. gl.ldeinschmidti, Südspanien; G. gl. 
u'hital-eri, Älarokko; Sturnus vulgaris granti, Azoren; Eophona melanura 
migratoria, Sidemi; Chloris sinica ussuriensis, Ussuri; Acanthis carduelis 
r;/*ncfm?/.s, Nordwestafrika; A. flavirostris stoliczkae, Gilgit; Erythrospiza githa- 
ginea amantiim, Fuerta Ventura. 

Zum Schlüsse beglückwünschen wir den Verfasser zu seinem mühe- 
vollen Werke und hoffen, daß es zur Verbreitung und Festigung der modernen 
Anschauungen über systematische Ornithologie beitragen möge. Jedem, der 
sich für die paläarktische Vogelwelt interessiert, sei das Buch aufs wärmste 
empfohlen, er wird es gewiß nicht unbefriedigt und ohne manches gelernt zu 
haben zur Seite legen. Es sei noch daran erinnert, daß dem Verfasser in 
dem ihm unterstellten Rothschildschen Museum in Tring wohl die reichste 
Sammlung paläarktischer Vögel znr Verfügung steht und darum war gerade 
keiner so sehr berufen, uns mit einem solchen Buche zu versehen, wie 
E. H a r t e r t. H e 1 1 m a y r (München). 

Michael, Albert D. British Tyroglyphidae. Ray Society, London, Vol. I, 
1901, p. 1—291, PI. A-C und I— XIX; Vol. II, 1903, p. 1—183, PI. XX 
bis XXXIX. 

Der erste Band dieser mustergiltigen Arbeit enthält den allgemeinen 
Teil und auch noch eine Partie des speziellen, systematischen Teiles. Ersterer 
zerfällt in sechs Kapitel, von denen das erste als Einleitung gedacht über 
die Zahl und Größe der Tiere, ihre Lebensweise, Verbreitung und allgemeinen 
Merkmale Aufschluß gibt und daher wohl von allgemeinerem Interesse sein 
dürfte. Das zweite Kapitel wendet sich — gleich dem Rest des umfang- 
reichen Werkes — bereits an den Acarinologen mit einer reichen Literatur- 
angabe, die nur in chronologischer Reihenfolge der Autoren die einschlägigen 
Werke kurz, aber zutreffend charakterisiert. Das dritte und vierte Kapitel 
bespricht die Klassifikation und systematische Stellung der Acarina, respek- 
tive Tyroglyphen bei verschiedenen Autoren. Das fünfte Kapitel, eine Ab- 
handlung für sich, bringt auf Grund eigener Untersuchungen hauptsächlich 
der drei Arten Glycipliagus platygaster, Ilericia rohine und Ilhizoglyplius 
erinopus den äußeren Bau und die innere Anatomie unter Zuhilfenahme der 
drei ersten Tafeln in Ergänzimg zu den diesbezüglichen Arbeiten von Dr. 
Gudden und A.Nalepa deutlich zur Anschauung. Das letzte Kapitel des 



366 



Referate. 



ersten Teiles befaßt sich mit der Entwicklung der T3a-oglyplien und ihren 
verschiedenen Stadien, von denen vier angenommen werden: Das des Eies, 
der Larve, der Nymphe und des geschlechtsreifen Tieres. Am eingehendsten 
hiervon wird das Nymphenstadium behandelt, in welches sich als besondere 
Entwicklungsstufe die hochinteressante Hypopusform einschiebt, die nach 
Ansicht des Verfassers ausschließlich den Tyroglyphen zukommt. In einem 
besonderen Abschnitte dieses Kapitels wird noch die Entwicklung der Re- 
produktionsorgane besprochen. 

Es folgt dann der spezielle, systematische Teil, der mit einer Auslassung 
über die nomenklatorischen Regeln eingeleitet, den Rest des ersten und den 
ganzen zweiten Band füllt. Es werden darin im ganzen 30 Arten für Eng- 
land ausführlich beschrieben, von denen nicht weniger als sechs neu sind, 
worunter auch ein neues Genus (Fusacarus). Als Anhang erscheint eine sehr 
willkommene Liste außerbritischer Arten mit kurzen Charakteristiken und 
eine ausführliche Literaturangabe in alphabetischer Anordnung der Autoren. 
Die Abbildungen auf den 39 Tafeln sind von einer musterhaften Klarheit, die 
jeden Zweifel darüber, was veranschaulicht werden wollte, ausschließt. 

Die äußere Ausstattung des Werkes ist von jener Güte, wie man es 
von allen Publikationen der Ray Society gewohnt ist. Dr. A. Penther. 



Notiz. 

Norwegischer Entomologeu -Verein. In Kristiania fand Ende Mai 
eine Zusammenkunft von zwölf norwegischen Entomologen statt; es befanden 
sich darunter der auch in Wiener Käfersammlerkreisen bestens bekannte Münz- 
direktor Ths. Münster aus Kongsberg, Dr. B. Lysholm aus Trondhjem, 
Staatsentomologe Schöyen u. a. 

Es wurde die Gründung eines norwegischen Entomologen -Vereins be- 
schlossen und die genannten drei Herren — Herr Münster als Vorsitzender 
— in den Vorstand berufen. 

Die Herren gedenken jährlich mindestens einmal zusammenzukommen, 
was bei den großen Entfernungen sehr schwierig ist, gemeinschaftliche Ex- 
kursionen zu machen und so das Studium der Entomologie zu fördern. 

Adr. Schuster. 



Bex*ich.t 

über die 

ordentliche General- Vers am mlung 

am 4. Mai 1904. 



Der Vorsitzende, Herr Vizepräsident Dr. A. Ostermeyer ver- 
liest den vom Präsidenten, Herrn Prof. Dr. R. v. Wettstein, der 
am Erscheinen verhindert war, eingesendeten Bericht: 

Verehrte Versammlung! 

Ein Jahr ruhiger und ersprießlicher Tätigkeit unserer Gesell- 
schaft findet durch die heutige General -Versammlung seinen formellen 
Abschluß und es freut mich, gleich zu Beginn der heutigen Bericht- 
erstattung hervorheben zu können, daß unsere Gesellschaft treu 
ihren bewährten Prinzipien und das gesteckte Ziel dauernd im 
Auge behaltend auch in diesem Jahre eine ersprießliche Fort- 
entwicklung nahm. 

Der Stand unserer Mitglieder wies eine erfreuliche Zunahme 
auf. Einem Abfalle von 22 Mitgliedern steht ein Beitritt von 49 Mit- 
ghedern gegenüber. 

Der Abgang der erwähnten 22 Mitglieder ist nur zum Teile 
auf Austritt zurückzuführen, zum großen Teile aber auf das Ein- 
greifen jenes Faktors, der allem menschhchen Wirken ein gewalt- 
sames Ende setzt. Wir beklagen das im letzten Jahre erfolgte 
Hinscheiden der Herren Prof. Dr. August Garcke^ Prof. Dr. Karl 
Gegenbauer, Hofrat Prof. Karl Haussknecht, Dr. Franz Haberler, 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 26 



368 Bericht über die ordentliche General -Versaramhmg. 



Wilhelm v. Hedemann, Ferdinand Fürst Kinsky, Florian Müller, 
Ernst Zickendraht. Wir wollen den Dahingeschiedenen ein treues 
Andenken bewahren und unseren Gefühlen durch Erheben von den 
Sitzen Ausdruck verleihen. 

Von erfreulichen Ereignissen des letzten Jahres möge hier die 
Feier des 80. Geburtstages unseres Ehrenmitgliedes Hofrat Dr. Karl 
Brunner v. Watte nwyl und die Feier des 70. Geburtstages des 
berühmten Zoologen Prof. Dr. E. Haeckel erwähnt werden; unsere 
Gesellschaft benützte beide Anläße, um den Jubilaren die Gefühle 
aufrichtiger Verehrung zum Ausdrucke zu bringen. 

Die erfreuliche Zunahme unserer Mitgliederzahl ist zum Teile 
auf die erfolgreiche Tätigkeit eines Komitees zurückzuführen, 
welches sich im Schöße unseres Ausschusses bildete und welches 
dem Ausschusse einige Anträge stellte, deren Inhalt in den Be- 
schlüssen der letzten außerordentlichen General-Versammlung zum 
Ausdrucke kam. Diese Beschlüsse führten bekanntUch zu einer die 
wesentlichsten Punkte allerdings unberührt lassenden Statuten- 
änderung, die seither auch die erforderliche Genehmigung der Be- 
hörden fand. Diese Statutenänderung setzt uns in die Lage, Persön- 
lichkeiten, welche durch werktätige Förderung unserer Ziele ihr 
Interesse an der Gesellschaft bekunden, als Förderer und unter- 
stützende Mitglieder auch formell in nähere Beziehungen zu 
unserer Gesellschaft zu bringen und unseren vielfachen Beziehungen 
zu den Fachgenossen des Auslandes durch Erwählung von korre- 
spondierenden Mitgliedern Ausdruck zu geben. 

Das wissenschaftliche Leben unserer Gesellschaft äußerte 
sich insbesondere in den zahlreichen Sektionssitzungen und in den 
Publikationen. Für die Veranstaltung und Belebung der Sektions- 
versammlungen sind wir den Sektionsfunktionären und Vortragen- ; 
den, für die Ermöglichung unserer PubUkationen den Autoren der 
wissenschaftlichen Abhandlungen und insbesondere dem als Re- 
dakteur fungierenden Sekretär Herrn Kustosadjunkten A. Hand- 
lirsch zu Dank verpflichtet. 

Letzterer wird die FreundUchkeit haben, über die Publikations- 
tätigkeit ausführlicher zu berichten. Ich möchte hier nur erwähnen, 
daß wir erfreulicher Weise in der Lage sind, mit der Veröffentlichung 
der Ergebnisse eines großen Unternehmens zu beginnen, über das 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



369 



ich schon im vergangenen Jahre kurze Mitteilung machte. Wir 
haben bekanntlich vor zwei Jahren beschlossen, eine pflanzen- 
geographische Kartenaufnahme Cisleithaniens durchzu- 
führen. Die Durchführung dieses Beschlusses wurde uns durch die 
gütige Gewährung einer Subvention seitens des k. k. Ackerbau- 
Ministeriums ermöglicht und so haben sich in den letzten Jahren 
die Herren K. Eberweiu, Dr. A. Ginzberger, Dr. A. v. Hayek, 
J. Nevole, Dr. Fr. Vierhapper in dankenswertester Weise der 
Durchführung der Aufgabe auf Grund eines von einem fach- 
männischen Komitee ausgearbeiteten Gesamtprogrammes gewidmet. 
Zwei dieser Kartenaufnahmen können bereits als abgeschlossen be- 
trachtet werden ; die pflanzengeographische Karte des Gebietes von 
Schladming in Obersteiermark, ausgeführt von den Herren Dr. A. 
V. Hayek und R. Eberwein, und jene der Umgebung von Lunz 
in Niederösterreich, ausgeführt von Herrn J. Nevole, liegen fertig 
vor. Wir erlauben uns, die ersterwähnte dieser Karten heute zu 
ihrer Besichtigung aufzulegen. Wir beabsichtigen, die fertiggestellten 
Karten in zwangloser Folge in unseren „Abhandlungen" zu ver- 
öffentlichen. 

Eine Anfrage des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht 
hat dem Präsidium unserer Gesellschaft Gelegenheit gegeben, zu der 
in jüngster Zeit viel erörterten Frage des Schutzes der Natur- 
denkmäler Stellung zu nehmen. In einem eingehenden Memo- 
randum wurde dem hohen Ministerium nicht bloß, dem Wunsche des- 
selben Rechnung tragend, eine Liste besonders bemerkenswerter und 
schutzbedürftiger Naturobjekte bekannt gegeben, sondern die ganze 
Angelegenheit einer eingehenden Erörterung unterzogen. Wer Zeuge 
davon ist, wie die Pflanzen- und Tierwelt unserer Heimat, ins- 
besondere in den Umgebungen der großen Städte, einer vielfach 
unvermeidlichen, vielfach aber auch ganz überflüssigen und straf- 
würdigen Zerstörung unterworfen ist, der muß es mit Freude be- 
grüßen, wenn die dazu berufenen Behörden ihre Aufmerksamkeit 
dem Schutze der Naturdenkmäler der Heimat zuwenden. In dem 
erwähnten Memorandum glaubte das Präsidium der Gesellschaft 
darlegen zu sollen, daß es sich nicht so sehr um die Erlassung von 
Verordnungen handeln kann, welche das Einsammeln einzelner Arten 
verbieten, sondern daß zum Schutze einzelner Objekte am besten 

, 26* 



370 Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 

lokale Behörden oder Korporationen berufen sind, daß es sich ins- 
besondere aber nm einige Maßregeln handeln wird, welche einer- 
seits ermöglichen würden, unsere Naturdenkmäler als solche oder 
wenigstens im Bilde der Nachwelt zu überliefern, andererseits der 
Zerstörung der Natur in der Umgebung großer Städte, speziell Wiens, 
Einhalt tun könnten. Von Maßregeln der ersteren Art wurde die 
Schaffung sogenannter „Reservationen", ferner die Herausgabe einer 
die Naturdenkmäler der Heimat in Wort und Bild festhaltenden 
Publikation angeregt; von Maßregeln der letzteren Art wurde ins- 
besondere eine planmäßige Versorgung der großstädtischen Schulen 
mit lebendem Pflanzenmateriale in Antrag gebracht, welche dann 
in zweiter Linie eine entsprechende Regelung und Überwachung 
des Markt Verkehres möglich machen würde. 

Mit der letzterwähnten Anregung griff die Gesellschaft auf 
einen Gedanken zurück, der in ihren Kreisen schon vor circa 
15 Jahren eingehendst beraten und in einem an das hohe Unterrichts- 
Ministerium gerichteten Memorandum ausführlich begründet wurde, 
auf den Gedanken der Schaffung eines großen Schulgartens 
bei Wien, dem die Aufgabe zufiele, das für den Unterricht in den 
zahlreichen Wiener Schulen benötigte lebende Pflanzenmateriale 
heranzuziehen und zur Verteilung zu bringen. Auch von anderer 
berufener Seite wurde in jüngster Zeit auf die Notwendigkeit einer 
solchen Einrichtung hingewiesen; wollen wir hoffen, daß dieser Plan, 
dessen Wichtigkeit unsere Gesellschaft zuerst erkannte und betonte, 
VerwirkUchung findet, bevor noch die letzten Reste der ehemals 
mit Recht so gerühmten Pflanzenwelt der Umgebung Wiens ge- 
schwunden sind. 

Bevor ich schließe, möchte ich es nicht unterlassen, die Auf- 
merksamkeit unserer verehrten Mitglieder auf eine Richtung unserer 
Tätigkeit zu lenken, welche von größter Wichtigkeit ist, die aber 
in der letzten Zeit aus dem Grunde eine kleine Einschränkung er- 
fahren mußte, weil die Beteiligung aus der Mitte unserer Mitgheder, 
auf deren Mithilfe wir angewiesen sind, nachließ. Ich meine die 
Beteilung von Schulen mit Lehrmitteln. Die Zahl unserer 
Mitglieder, welche ansehnliche Beiträge an Naturalien für diesen 
Zweck spenden, wie etwa Herr Polizeirat F. J. Sandany, der im 
verflossenen Jahre 19 Spezies von Herbarpflanzen in 285 Exem- 



I 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung^. 371 



plaren widmete, wird von Jahr zu Jahr kleiner. Und doch kann 
der Einzelne mit wenig Mühe so wesentlich zur Erreichung eines 
guten Zweckes beitragen; darum ergeht an die Mitglieder der Ge- 
sellschaft meine Bitte, in höherem Maße als bisher zur Beschaffung 
des für die Beteilung von Schulen nötigen Materiales beizutragen. 

Mit dem herzlichsten Dank an alle Mitglieder und Funktionäre 
des Ausschusses, an die Mitglieder, die sich um die Instandhaltung 
der Bibliothek und der Sammlungen bemühten, schließe ich meinen 
Bericht. 



Bericht des Sekretärs Herrn A. Handlirsch. 

Der 53. Jahrgang unserer „Verhandlungen" umfaßt 622 Seiten 
Text mit 15 Abbildungen und einer Tafel. Er enthält 66 Original- 
arbeiten zoologischen, 29 botanischen und 2 gemischten Inhaltes, 
ferner 30 Berichte, 40 botanische und 20 zoologische Referate. Wie 
bisher ist auch der Inhalt dieses Bandes als vielseitig und wissen- 
schaftlich wertvoll zu bezeichnen, denn er umfaßt eine große Zahl 
neuer Tatsachen und gründlicher Beobachtungen. Dem Wesen des 
Vereines entsprechend beschäftigen sich die meisten Arbeiten mit 
Systematik, Faunistik und Floristik. Neue Tierformen wurden im 
Berichtsjahre III, neue Pflanzenfornien 12 beschrieben, von denen 
naturgemäß die überwiegende Mehrzahl der paläarktischen Fauna 
und Flora angehört. 

Die Kenntnis der Landesfauna und Flora erfuhr durch die 
Feststellung sehr vieler neuer Fundorte und durch Auffindung vieler 
in unseren Gegenden bisher noch nicht beobachteten Tiere und 
Pflanzen eine neuerliche Bereicherung. 

Die bereits im abgelaufenen Jahre dem Drucke zugeführten 
Hefte 3 und 4 des II. Bandes unserer „Abhandlungen" mit den 
Arbeiten von Hayek und Eberwein und von Gottlieb-Tannen- 
hain kommen demnächst zur Ausgabe. 



Bericht des Sekretärs Dr. Fr. Vierhapper. 



Die k. k. zoologisch-botanische Gesellschaft hat auch im 
heurigen Jahre eine Reihe von Lehranstalten verschiedener Kate- 



372 



Bericht über die ordentliche General -Versaramhing. 



gorie mit zoologischen und botanischen Unterrichtsmitteln beteilt. 
Unterstützt dm'ch namhafte Spenden opferfreudiger Mitglieder, 
konnte sie wieder allen diesbezüglich geäußerten Wünschen in 
vollem Umfange entsprechen. Zoologische Objekte widmeten die 
P. T. MitgUeder Metzger und Müllner, getrocknete Pflanzen liefen 
von Baumgartner, Handlirsch, Klammerth, Müllner, Nevole, 
Ruschka, Sandany und Witasek ein. Das Sekretariat versichert 
alle jene, welche den Verein in dieser Richtung seines gemein- 
nützigen Wirkens unterstützten, des wärmsten Dankes und erlaubt 
sich, an alle Mitglieder und Freunde der zoologisch-botanischen 
Gesellschaft die dringende Bitte zu richten, auch in Hinkunft bei 
Exkursionen Material für die Beteilung von Schulen sammeln und 
der Gesellschaft zur Verfügung stellen zu wollen. 

Die zoologische Station in Triest hat uns wieder im Tausche 
gegen die „Verhandlungen" eine Reihe für Unterrichtszwecke sehr 
gut verwendbarer Seetiere gegeben. 

Die Herren Dr. Fr. Ostermeyer, A. Handlirsch und Jos. 
Bischof haben sich der Zusammenstellung und Ordnung der ein- 
zelnen Schulsammlungen in opferwilliger Weise unterzogen, wofür 
ihnen geziemender Dank zum Ausdruck gebracht sei. 

Der größte Teil des Vereinslebens spielte sich, dem Umfange 
und der Organisation der zoologisch-botanischen Gesellschaft ent- 
sprechend, in den einzelnen Sektionen ab. Die Tätigkeit derselben 
war im abgelaufenen Jahre, wie aus den bezüglichen Berichten in 
den „Verhandlungen" zu ersehen ist, auf die hier kurz verwiesen 
sei, erfreulicher Weise eine sehr rege. Die Diskussionsabende, Be- 
sichtigungen und Exkursionen hatten sich im allgemeinen eines 
sehr guten Besuches zu erfreuen. 

Dem Bedürfnisse, dem Vereine neue Mitglieder zuzuführen, 
entsprang die im Herbste des abgelaufenen Jahres eingeleitete 
Aktion zur Mitgliederanwerbung. Es wäre für die Entwicklung 
unserer Gesellschaft von größter Bedeutung, wenn diesem Unter- 
nehmen, mit dessen Durchführung ein vom Ausschusse gewähltes 
Komitee beauftragt wurde, ein guter Erfolg beschieden wäre. 



Bericlit über die ordentliche General -Versamnilung. 373 



Übersicht der im Jahre 1903/4 unentgeltlich an Lehranstalten 
abgegebenen Lehrmittel. 



iiiiiier i| 


Bezeichnung der Schule 


t)eltiere 


chtiere 


ieder- 
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B 






Wirl 


Wei 




Stra 
Wün 


PL, 


N 


1 


Realgymnasium in Alodling .... 


o\j 


10 


10 


1 




60 


2 


Asyl der Waisenkinder der Nord- 
















bahnbediensteten in Feldsberg . 


15 


10 


200 


10 


800 


535 


3 


Staats-Realschnle in W^ien, XV., 
















Henriettenplatz 


14 










14 


4 


Volksschule in Rosenau, Nieder- 
















österreich 


10 










10 


5 


Volksschule in Gröbming, über- 


















10 


25 




4 




lö9 


6 


Madchen-Lyceum m Ostrau .... 




A 

4 


4 


1 f\ 




30 


7 


Verein zur Förderung einer deut- 
















schen Schule in Abbazia .... 


1 n 


OK 


100 


D 


150 


290 


8 


Volksschule Mönchsdorf bei Arnau 




















20 


100 


2 


150 


272 


9 




— 




50 






50 


10 


Bürgerschule in Wien, XX., Stau- 


















15 


45 


150 


10 




220 


11 


Mädchen -Volksschule der Barm- 
herzigen Schwestern, Wien, 
















XVIII 


10 


25 


100 


5 


150 


290 


12 


Volksschule in Rozmitäl bei Pri- 




















20 


100 


2 


150 


272 


13 


Landes - Taubstummenanstalt in 
















Wr.-Neustadt 




20 


100 


2 


150 


272 


14 


Volksschule in Senftenberg, N.-Ö. 




20 


100 


2 


150 


272 


15 


Bürgerschule in Marienbad, Böhm. 


10 


5 


6 


5 




26 


16 


Verein „Volksheim" in Wien . . . 


10 


25 


5 


8 




48 




Summe . . . 


146 


254 


1124 


75 


1200 


2800 



374 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Bericht des Rechnungsführers Herrn Josef Brunnthaler, 

Einnahmen pro 1903: 

Jahresbeiträge mit Einschluß der Mehrzahlungen und 

Eintrittstaxen K 6.461.35 

Subventionen „ 2.520. — 

Vergütung des 'h. n.-ö. Landesausschusses für die 

Naturalwohnung im Landhause „ 5.000. — 

Zins für den vermieteten Wohnungsteil „ 840 . — 

Verkauf von Druckschriften und Druck ersätze . . „ L082.87 

Interessen von Wertpapieren und Sparkasse-Einlagen „ 664 . 37 

Sonstige Ersätze und Einnahmen 400 . — 

Subvention des h. k. k. Ackerbau-Ministeriums für die 

pflanzengeographische Aufnahme Österreichs . „ 1.000. — 

Summa . . K 17.968.59 

Hierzu Kassarest mit Ende 1902 „ 4877 . 30 

Zusammen . . K 22.845 . 89 

Ausgaben pro 1903: 

Besoldung des Kanzlisten K 1.248. — 

Quartiergeld des Kanzlisten „ 360 . — 

Versicherungsprämie für den KanzUsten .... „ 101 . 04 

Remunerationen und Neujahrgelder „ 90. — 

Gebührenäquivalent „ 39 . 15 

Mietzins vom Mai 1903 bis Mai 1904 „ 4.200.— 

Versicherungsprämie für Bibliothek, Herbar und Ein- 
richtung „ 73.96 

Beheizung, Beleuchtung und Instandhaltung der Ge- 
sellschaftslokalitäten „ 308.82 

Kanzleierfordernisse „ 243.97 

Porto und Stempelgebühren „ 467 . 02 

Herausgabe von Druckschriften: K 7.131.96 
„Verhandlungen", Bd. LIII: 

Druck und broschieren . . K 5.001 . 19 

Illustrationen „ 216. — 

Transport . . K 5.217.19 



Bericht über die ordentliche (Tencral-Versammhing-. 



375 



Transport . . K 5.217.19 K 7.131.96 
„Abbandluiigeii", Bd. II, 2. Heft: 

l^OYSch, „Galeopsis" . . „ 412.50 „ 5.G29.69 

Bücher- und Zeitscliriftenankauf „ 1.308.42 

Buchbinderarbeit für die Bibliothek „ 594.14 

Honorare für Referate „ 89.90 

Sonstige verschiedene Auslagen „ 254. — 

Auslagen für die pflanzengeographische Aufnahme 

Österreichs „ 800. — 

iVnkauf von zwei Aktien des „Botanischen Zentral- 
blattes" . „ 989 . 75 

Summa . . K 16.797 . 86 



Es verbleibt sonach am Schlüsse des Jahres 1903 ein Kassa- 
rest in Barem von K 6048 . 03, welcher größtenteils bei der Ersten 
österreichischen Sparkassa hinterlegt ist. 

Ferner besitzt die Gesellschaft an Wertpapieren : 
K 8000.— Mai-Rente, 
„ 1100.— Juli-Rente, 
Fl. 1000.— August-Rente, 
„ 200.— Oktober-Rente, 
K 400. — Ungarische Kronen-Rente, 
„ 4000. — Wiener Verkehrs -Anleihe, 
1 Rudolfs-Los, 

1 Clary-Los, 

2 Aktien des „Botanischen Zentralblatt". 

Verzeichnis 
der im Jahre 1903 der Gesellschaft gew^ährten 
Subventionen: 

Von Sr. k. u. k. Apost. Majestät Kaiser Franz Josef I. K 400. — 
Von Ihren k. u. k. Hoheiten den durchl. Herren Erz- 
herzogen : 

Josef Karl „ 100.— 

Rainer „ 100.— 



376 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Eugen K 100.— 

Friedrich „100.— 

Von Sr. Majestät dem Könige von Bayern . . . . „ 80. — 

Von Sr. kgl. Hoheit dem Herzoge von Cumberland „ 40. — 

Vom hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht „ 600 . — 

Vom löbl. Gemeinderate der Stadt Wien „ 1000. — 

A^rzeichnis 

der für das Jahr 1903 geleisteten höheren Jahresbeiträge 

von 14 K aufwärts. 

Vom hohen k. k. Ackerbau-Ministerium K 50. — 

Von den P. T. Herren: 

Dräsche Freih. v, Wartimberg, Dr. Richard . . . „ 100. — 

Liechtenstein, reg. Fürst Johann von, Durchlaucht „ 50. — 

Wettstein v. Westersheim, Dr. Richard . . . . „ 50.— 

Bartsch Franz, Hofrat „ 40. — 

Steindachner, Dr. Franz, Hofrat „ 40. — 

Kinsky, Fürst Ferdinand, Durchlaucht, Nedwed 
Carl, Paszlavvszky Josef, Rothschild, Albert 
Freih. v., Schwarzenberg, Fürst Adolf Josef, 



Durchlaucht, Entomologische Versuchsstation in 

Budapest, je „ 20. — 

Bach Inger August „ 16. — 

Schnabl, Dr. Johann . . „ 15. — 

Berg, Dr. Rudolf, Middendorf Ernst, Nawaschin, 

Dr. Sergius, Wocke, Dr. M. F., je 14. — 



Die Rechnungen wurden von den Herren Revisoren Magistrats- 
Sekretär Dr. Fr. Spaeth und Sektionsrat Dr. L. Melichar geprüft 
und richtig befunden. 

Hierauf wurde dem Rechnungsführer das Absolutorium erteilt. 



Bericht des Bilbliothek-Koinitees. 

Die Verwaltung der Bibliothek besorgten im Jahre 1903 die 
Herren J. Brunnthaler und Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 



Bericlit über die ordentlichü General -Versainuiliini^. 



377 



Der Zuwachs der Bibliothek im Berichtsjahre betrug: 

Ä. Zeit- und Gesellscliaftsschriften : Als Geschenk 
7 Nummern in 9 Teilen, durch Tausch 261 Nummern in 331 Teilen 
und durch Kauf 20 Nummern in 23 Teilen, insgesamt 363 Teile. 

B. Einzel werke und Sonderabdrücke: Als Geschenk (in- 
klusive der Rezensions-Exemplare) 78 Nummern in 81 Teilen, durch 
Tausch 72 Nummern in 73 Teilen und endlich durch Kauf (abge- 
sehen von Fortsetzungen früher abonnierter Werke) 5 Nummern 
in 11 Teilen, daher insgesamt 165 Teile. 

Es konnten demnach im Jahre 1903 der l^ibliothek 528 Teile 
einverleibt werden. 

Verausgabt wurden für die Bibliothek: 1308 K 42 h für Bücher- 
und Zeitschriftenankauf und 594 K 14 h für Buchbinderarbeiten. 

Das Bibliotheks-Komitee erfüllt eine angenehme Pflicht, indem 
es allen Spendern für ihre der Bibliothek zugewendeten Widmungen 
den verbindlichsten Dank ausspricht. 



Auf Antrag der P. T. Herren Grobben, v. Marenzeller, 
Brauer, v. Lorenz, Piandlirsch, Sturany, Pintner, Werner 
und Mayr wird geh. ßegierungsrat Dr. Ernst Ehlers, Professor der 
Zoologie in Göttingen, einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. 

Zu Rechnungsrevisoren für das Jahr 1904/5 werden die Herren 
Dr. Fr. Spaeth und Dr. L. Melichar gewählt. 



Hierauf hielt Herr Prof. Dr. V. Schiffner einen Vortrag: 
„Über Kaffee und Thee." 



Neu eingetretene MitgHeiler. 



P. T. 



Vorgeschlagen durch : 



Fr). Appiano, Gabriele Edle v., Wien, 
IX. /3, Schwarzspanierstraße 15 . . 

Herr Bauer, Dr. Ernst, Prag-Smichow, Ko- 

menskygasse 961 

„ Binder, Dr. Arthur, k. u. k. Oberarzt, 
Wien, IX./2, Tendiergasse 5 . . . 



Dr. H. Rebel, R. Swoboda. 



J. Brunnthaler, Prof. V. Schiffner. 



Den Ausschuß. 



378 



Neu eingetretene Mitglieder. 



P. T. 

Herr Bittmann, Otto, diplom. Forstwirt, 

Judenau, Niederösterreich .... 
Frl. Boltzmann, Henriette,Wien, XVIII./l, 

Haitzingergasse 26 

Herr Bretschneider, Arthur, stud. phil., 

Wien, IV., Hauptstraße 43 . . 
Frl. Brezina, Paula, Studierende, Wien, 

IX./2, Mariannengasse 13 ... . 
„ Favarger, Lily, Wien, L, Postgasse 6 
Herr Fürst, Pius, Biirgerschullehrer, Wien, 

XV., Wurzbachgasse 24 .... 
„ Gatnar, Oskar Friedr., k. u. k. Ober- 
leutnant im Landw.-Ulanenreg. Nr. 4, 

Lemberg, Droga Wulecka 10 . . . 
„ Göttmann, Karl, Reg.-Eat,Vize-Dir. d. 

k. k. Hof-Bibliothek,Wien, I., Josefspl. 
„ Hall wich, Dr. Hermann, Hofrat, Wien, 

I., Reichsratstraße 5 

„ J c h u m, Adolf, Ober-Rechnungsrat im 

Ministerium für Cultus u. Unterricht 
„ Karolyi, Arpad, Forstverwalter in 

Visegrad, Bosnien 

„ Kössler, Karl Konrad, Cand. phil., 

Wien, VII., Schottenfeldgasse 86 . 
„ Kowatscheff, W. T., Gymnasial- 

Professor in Rustschuk, Bulgarien . 
„ Kr öl, Ignaz, Gymnasial -Professor in 

Neu-Sandec, Galizieii 

„ Lang, Adolf, Wien, VIII./l, Zeltg. 1 
„ Leeder, Fritz, k. k. Forstverwalter, 

Frein bei Mürzsteg 

„ Leonhard, Otto, Dresden-Blasewitz, 

Residenzstraße 47 

„ Malenkowic, Basilius, k. u. k. Ober- 
leutnant, Wien, V., Pilgramgasse 22 
„ Meissl, Franz v., Apotheker, Wien, 
III., Beatrixgasse 14 A .... 
Forsch, Dr. Otto, Assistent am botan. 

Museum, Wien, VII./2, Schrankg. 3 
„ Roubal, Johann, Demonstrator am 

National-Museum in Prag .... 
Rudolph, Karl, Cand. phil., Wien, 

VIII./ 1, Laudongasse 65 .... 



Vorgeschlagen durch: 
Den Ausschuß. 

Frl. H. Meissner, Dr. Fr. Werner. 

Dr. 0. Forsch, Dr. E. Zederbauer. 

Frls. H. Boltzmann, H. Meissner. 
Dr. V. Hayek, Dr. Fr. Vierhapper. 

Dr. E. V. Halacsy, A. Keller. 

A. Handlirsch, Dr. P. Kempny. 

Dr. R. Wagner. 

Dr. H. Rebel, Dr. R. Sturany. 

Prof. F. Krasser, Dr. K. Rechinger. 

J. Schiller, Prof. R. v. Wettstein. 

Dr. A. Jencic, Dr. K. Linsbauer. 

Den Ausschuß. 

Den Ausschuß. 

L. Gangibauer, J. Lutz. 

Dr. A. Günner, H. Hirschke. 

Dr. H. Rebel, Fr. Wagner. 

Den Ausschuß. 

Dr. Zahlbruckner, A. Handlirsch. 
Dr. Ginzberger, Prof. Wettstein. 
A. Handlirsch, Dr. J. Podpöra. 
Dr. A. V. Hayek, Dr. F. Vierhapper. 



Neu eingetretene Mitglieder. 



379 



P. T. 

Herr Ruschka, Frz., Wien, I.,Köllnerhofg.3 
Frau Schmidt, Henriette, Wien, I V./2, Karo- 
linenplatz 5 

Herr Schulz, Albert, Chemnitz in Sachsen, 

Schillerplatz 24 

„ Stadl mann, Josef, Cand. phil., Wien, 
IV,/2, Rainergasse 11 

„ S w b d a, Rud., Kontrolor der österr.- 
ung. Bank, Wien, III./ l, Hauptstr. 29 

„ Trubrig, Alex., Leiter d. Wechselstube 
„Merkur", Mödling, Grillparzerstr. 1 

„ Veller, Johann, Biirgerschullehrer, 
Wien, VIIL, Josefstädterstraße 52 

„ Wal 1 en d er, Ludw., Biirgerschullehrer, 
Wien, XVII./l, Hauptstraße 43 . . 

„ Weber, Franz Leo, staatl. gepr. Forst- 
wirt, Kapitular des Stiftes Schlagl 

„ Zahlbruckner, August, Ingenieur, 
Wien, L, Kärntnerstraße 55 . . . 



Vorgeschlagen durch : 
A. Piandlirsch, Fr. Siebenrock. 



Dr. A. V. Hayek, Dr. Fr. Höfinger. 
A. Handlirsch, Fr. Siebenrock. 



Frh. V. Handel-Mazzetti, Dr. Fr, 
Vierhapper. 

Dr. H. Rebel, Fr. Wagner. 

Den Ausschuß. 

Dr. E. V. Halacsy, A. Keller, 

Dr. E. V. Halacsy, A. Keller. 

Dr. A. V. Hayek, J. Nevole. 

A. Handlirsch, Dr. Zahlbruckner. 



Herr Binder, Em., Hausbesitzer, Prag 188 Den Ausschuß. 

„ Brandis, Graf Erich, Professor in Travnik, Bosnien . „ „ 

„ Göttinger, Dr. A., Salzburg, Riedenburgerstraße 10 . „ „ 
„ Gusta-vf icz, Dr. Bronisl., Gymnasial-Professor, Krakau, 

Smolanska 24 „ 

„ Gutwinski, Roman, Prof. am IV. Gymn. in Krakau . „ „ 
„ Hamann, Dr. Heinrich, Gemeindearzt in Prambach- 

kirchen bei Efferding, Oberösterreich „ „ 

„ Haunaller, Emil Edler v., Assistent der k. k. Samen- 
Kontrolstation, Wien, XVIII./l, Edelhofgasse 25 . 
„ Hein rieh er, Dr. Emil, Vorstand des botanischen In- 
stitutes und des k. k. botan. Gartens in Innsbruck „ „ 
„ II oll er, Dr. Anton, em. Primarius, Graz, Elisabethstr. 24 „ „ 
„ Just, Dr. Friedr., Gemeindearzt in St. Martin, Mühlkreis „ „ 
„ Kalkhoff, Emil D., Villa „Fortuna" in Arco, Südtirol „ „ 
„ Köck, Dr. Gustav, Wien, III./4, Aspangstraße 17 . . „' „ 
„ Lindner, Dr. Gustav, Univ. -Prof. a. D., Herniannstadt „ „ 
„ Nemetz, Joh., Bürgersch.-Lehr.jWr.-Neustadt, Pockg. 18 „ 
„ Piers, Wilh., Major d. R., Güns, Chernel ucza 15, Ungarn „ „ 
„ Sabransky, Dr. Heinrich, Söchau, Steiermark . . . „ „ 
„ Sassi, Dr. Moriz, Wien, I., Wollzeile 40 „ „ 



380 Neil eingetretene Mitglieder. — Ausgeschiedene Mitglieder. 



P. T. 

Herr Stekel, Dr. Wilhelm, II./l, Castellezgasse 2 . . . . 
„ Sterneck, Dr. Jakob v., k. k. Bezirks-Koinmissär in 

Eger, Böhmen 

„ Wagner, Dr. Adolf, Privatdozent der Botanik an der 
Universität Innsbruck, Mühlau, Villa Klotz . . . 
„ Wind er, Edwin, Kaufmann, Dornbirn, Gemeindeplatz 4 
Löbl. Lehrerseminar in Feldkirch, Vorarlberg 

Unterstützende Mitglieder. 



Vorgeschlagen 

durch: 
Den Ausschuß. 



P. T. 

Frau Habermann, Henriette v., Unter -Vor- 
steherin am k. u. k. Offizierstöchter- 
Institut in Wien, Hernais .... 

„ Hayek, Felicitas Edle v., Wien . 
Herr Knoch, Philipp, Klagenfurt . . . . 

„ Mal och, Franz, Biirgerschullehrer in 
Pilsen, Karlsgasse 27 

„ Miick, Isidor, Apothekenpächter in 
St. Lambrecht, Steiermark .... 

„ Pollak, Dr. Johann, k. k. Gymnasial- 
Professor in Plan, Böhmen . . . 

„ Schiller, Dr. Josef, Demonstrator am 
mineralog. Institut der Univ. Wien . 

„ Tscherne, Dr. R., Linz, Landstr. 10 



Vorgeschlagen durch: 
Den Ausschuß. 

Frl . Lily Favarger, Dr. A . v. Hay ek. 
Den Ausschuß. 

Den Ausschuß. 

Den Ausschuß. 

Den Ausschuß. 

Dr. Ginzberger, Dr. F. Vierhapper. 
Den Ausschuß. 



Ausgeschiedene Mitglieder, 
Durch den Tod. 



P. T. Herr Garcke, Dr. August. 
„ „ „ Gegenbauer, Dr. Karl. 
„ „ „ Hab er 1er, Dr. Franz. 
„ „ „ Haussknecht, Karl. 



P. T. Herr Hedemann, Wilhelm v. 
„ „ „ Kinsky, Fürst Ferdinand. 
„ „ „ Müller Florian. 
„ „ „ Zickendrath, Dr. Ernst. 



Durch Austritt. 



P. T. Herr Altenburg, Felizian. 

„ „ „ Cidlinsky, Guido Karl. 

„ „ „ Emöcke, Emerich v. 

„ „ „ Hrüsza, Franz. 

„ „ „ Korab, Eugen v. 
Löbl. Lehrer-Bildungsanstalt in Pilsen. 
P. T. Herr Raßmann, Moriz. 



P. T. Herr Rettig, Heinrich. 

„ „ „ Schneider, Dr. Kamillo. 

„ „ „ Schollmayer, Heinrich. 

„ „ ,, Strauß, Gustav. 

„ „ „ Trexler, Theodor v. 

„ „ „ Weippl, Theodor. 

„ „ „ Worufka, A. R. v. 



Beitr. z. Aufklärung e. polymorphen Artengruppe d. Lebermoose. 381 

Beiträge zur Aufklärung' einer polymorphen 
Artengruppe der Lebermoose. 

Von 

V. Schiffner (Wien). 

(Eingelaufen am 30. Dezember 1903.) 

Die Lebermoose sind bekanntlich besonders reich an poly- 
morphen Formengruppen und gerade diese machen dieselben zu den 
in systematischer Hinsicht schwierigsten Abteilungen des Pflanzen- 
reiches. Wir können annehmen, daß solche Gruppen wohl in den 
meisten Fällen darum so vielgestaltig sind, weil sie eine große Anzahl 
phylogenetisch jüngere Formen enthalten oder mit anderen Worten, 
daß es Gruppen sind, die in der gegenwärtigen Erdepoche in voller 
Entwicklung und Ausgestaltung begriffen sind. Die Richtigkeit dieser 
Annahme wird unterstützt durch die Beobachtung, daß wir gerade 
in diesen Gruppen eine große Anzahl von Formen finden, welche 
eine außergewöhnliche Variabihtät aufweisen, was auf ihre verhältnis- 
mäßige Jugend im phylogenetischen Sinne hinweist, denn das Ab- 
nehmen der Fähigkeit zu variieren bedeutet für eine Spezies oder 
sonstige Formengruppe die Annäherung an das Ende ihrer Ent- 
wicklung, und das Versiegen der Variabilitätsenergie ist gewiß ein 
Faktor, der in vielen Fällen das endliche Aussterben einer Spezies 
bedingen kann. 

Um in solchen schwierigen Gruppen zu einer natürlichen 
Gliederung der Formen zu gelangen, ist es nötig die Eigenschaften 
ausfindig zu machen, welche zur Beurteilung des Grades der Ver- 
wandtschaft entscheidend sind. Es läßt sich aber leider darüber 
kein allgemein giltiges Schema aufstellen, denn diese Eigenschaften 
können für verschiedene solcher Verwandtschaftsgruppen sehr ver- 
schiedene sein. Die Erkenntnis dessen, was für die Speziesunter- 
scheidung in jedem Falle entscheidend ist, ist nur durch intensive 
Beschäftigung mit diesen Formen und durch eine bis ins kleinste 
Detail gehende Kenntnis derselben zu erlangen. Der Grund, warum 
in solchen Gruppen im Laufe der Zeiten so viele ungleichwertige 



382 



V. Schiffner. 



„Spezies" unterschieden worden sind, ist ein vielfacher. Ältere 
Autoren verfielen meistens in den Fehler, daß sie Merkmalen, die 
ja in vielen Fällen von tatsächlich entscheidender Bedeutung sind 
(z. B. Vorhandensein und Fehlen der Amphigastrien, Gestalt des 
Perianthiums), einen ganz allgemeinen, gleichmäßigen Wert für alle 
Gruppen beimassen. 

In anderen Fällen fehlte wieder vielfach die gründliche 
Kenntnis der Formen und nur zu oft wurde eine einzelne Form, 
die äußerlich ein auffallendes Aussehen aufwies, sofort als spec. 
nova beschrieben. Ein solcher Grund ist auch die Begründung 
neuer Spezies auf ein ungenügendes Material, welches keinen Ein- 
bHck gewährt in die Variabilitätsgrenzen der Spezies, ein Umstand, 
woran besonders die von älteren Autoren beschriebenen exotischen 
Spezies kranken, deren Original- Exemplare oft nur aus Fragmenten 
oder wenigen Pflänzchen bestehen. Zur richtigen Erkenntnis der 
Variabilitätsgrenzen und der Abhängigkeit der Formen vom Sub- 
strat sowie deren gegenseitiger Beziehungen ist kein anderer Weg 
geeigneter als die Herausgabe eines kritischen Exsiccatenwerkes 
in großer Auflage; das Sichten von hunderten von Rasen einer 
Spezies vom selben Standorte ist weit lehrreicher, als das Studium 
von ebensovielen Exemplaren eines großen Herbariums von ver- 
schiedenen Lokalitäten, obwohl auch letzteres zum vollen Ver- 
ständnisse eines Formenkreises nicht ganz entbehrlich ist. Zumal 
das Studium der Original-Exemplare aller früher beschriebenen 
Spezies, Varietäten, Formen und Subformen einer polymorphen 
Gruppe ist unerläßlich für den Monographen, der die natürliche 
Gliederung derselben anstrebt, denn es ist notwendig, alles früher 
in dieser Beziehung Geleistete oder Versuchte zu berücksichtigen 
und alte Namen nach Tunlichkeit beizubehalten, um nicht die ohne- 
dies unter dem Wust der Namen fast begrabene Wissenschaft 
noch mehr zu belasten. Freilich ist es viel einfacher, eine Gruppe 
vom Grund aus zu reformieren, ohne sich um die schwierige Be- 
schaffung und das mühevolle Studium älterer Original-Exemplare 
zu kümmern, dann kommen aber auch schwere Übelstände zutage.^) 

^) Zwei Beispiele mögen genügen. Nehmen wir irgend eine Harpidium- 
Form von Sanio her, z. B. Hypnum aduncum y. Hampei d) tenue "^^duhium, 
und fragen wir uns, was ist das im Sinne Limprichts oder Schimpers, so 



Beitr. z. Aufklärung e. polymorphen Artengruppe d. Lebermoose. 383 



Ich möchte im folg-enden einige Studien mitteilen über eine 
kritische Gruppe der Gattung- Lox)lwsia Dum. (= Jungermannia 
Aut. pr. p.), nämlich über den Verwandtenkreis der L. Müllen 
(N. ab E.) Dum., die vielleicht etwas zur Klärung der Gliederung 
dieser polymorphen Gruppe beitragen werden. 

Der Verwandtschaftskreis der L. MüUeri ist innerhalb der 
Gattung ziemlich scharf umschrieben; die hierher gehörigen Formen 
zeichnen sich durch folgende Merkmale aus: 1. Blätter stets zwei- 
lappig, 2. Amphigastrien auch am sterilen Stengel meist ± gut 
entwickelt, 3. Involucralblätter von den Stengelblättern meist wxnig 
verschieden, 4. Perianthien zylindrisch oder kegelförmig, nicht ge- 
faltet (oder nur an der Spitze mäßig gefaltet), in ein röhriges 
Spitzchen zusammengezogen, 5. Perigonialblätter stets mit einem 
dritten dorsalen Zahne. 

Aus der in Rede stehenden Gruppe sind bisher folgende 
Spezies beschrieben worden, die ich hier zunächst in chronologischer 
Reihenfolge aufzählen will: 

1. Jungermannia hantriensis Hook., Brit. Jung., PL 41 (1816). 

2. J. Uirhinata Radd., Jungermanniogr. Etrusca (Sep.-Abdr., p. 18) 

in Atti Soc. Ital. delle scienze Modena, XVIII, p. 29, Tav. III, 
Fig. 3 (1818). 

3. J. MüUeri N. ab E. in Lndnb., Syn. Hep. eur., p. 39 (1829). 

4. J. acuta Lndnb., Syn. Hep. eur., p. 88 (1829). 

5. J. affhiis Wils, in Sm., Engl. Bot., V, Pars I, p. III, Nr. 18 

(1833). 

6. J. Lihertae Hüben., Hepaticol. Germ., p. 175 (1834). 

7. J. Schumi N. ab E., Nat. eur. Leberm., II, S. 30 (1836). 

8. J. corcyraea N. ab E., Nat. eur. Leberm., II, S. 39 (1836). 

9. J. Hornschuchiana N. ab E., Nat. eur. Leberm., II, S. 153 (1836). 
10. J. Wüsoniana N. ab E., Nat. eur. Leberm., III, S. 548 (1838). 

ist diese Entscheidung ohne Vergleich von Original-Exemplaren, die so schwer 
zu beschaffen sind, einfach unmöglich, wir müßten also das tun, um ins Klare 
zu kommen, was die Bearbeiter der Gruppe eigentlich hätten tun müssen. 
Nicht anders steht es, wenn wir irgend eine von Warnstorf in früheren 
Jahren aufgestellte Form, z. B. von Sphagnum acutifoUum, mit den von 
demselben Autor in spateren Jahren nach ganz anderen Prinzipien unter- 
schiedenen Formen oder mit den von RölJ aufgestellten vergleichen möchten. 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 27 



384 



V. Schiffner. 



11. J. heterocolpos Thed. in Kungl. Svens. Vet. Akad. Handl., p. 52 

et 78, Tab. I (1838). 

12. J. Wall/rothiana N. ab E. in Syn. Hep., p. 104 (1844). 

13. J. hadensis Gott, in Gott, et Rabh., Hep. eur. exs., Nr. 95 (1859). 

14. J. algeriensis Gott, in Gott, et Rabh., Hep. eur. exs., Nr. 391 

(1867). 

15. J. Wattiana Anst., New Hep. in Bull. Torrey Bot. GL, III, p. 11 

(1872). 

16. J. Kaurini Limpr., Einige neue Arten und Formen bei den 

Laub- und Lebermoosen in 61. Jahresb. d. Schles. Ges. f. 
vaterl. Kultur, S. 204 (1884). 

17. J. Butheana Limpr., ibid., S. 207 (1884). 

18. J. subcompressa Limpr., ibid., S. 209 (1884). 

19. J. lophocoleoides S. 0. Lindb. in Meddel. Soc. pro F. et Fl. Fenn., 

XIV, p. 66 (1887).!) 

Mit einigen der hier genannten Pflanzen habe ich mich schon 
in den „Kritischen Bemerkungen" zu den Hep. eur. exs. eingehend 
beschäftigt und kann mich darauf beschränken, hier die Resultate 
meiner Studien kurz zu wiederholen und bezüglich der Details auf 
die Krit. Bem. zu verweisen.^) 

Im Zentrum des ganzen Verwandtschaftskreises steht sozu- 
sagen J. Mülleri N. ab E. in Lindenb., 1. c, welche nicht nur die 
Eigenschaften der ganzen Gruppe in typischester Form zum Aus- 
drucke bringt, sondern auch die verbreitetste und häufigste Spezies 
derselben darstellt und einen äußerst großen und mannigfaltigen 



^) Von einigen Autoren (z. B. Wörnstorf in Kryptogamenfl. Brandenb., 
I, S. 196) wird auch Jg. ohtusa S. 0. Lindb. der Gruppe der Jg. Mülleri zu- 
gezählt. Ich kann mich schon deswegen damit nicht einverstanden erklären, 
weil diese ein ganz anderes Zellnetz besitzt wie die übrigen. Darin sowie 
in anderen Merkmalen nähert sie sich der 5ar^afa-Gruppe und sie ist meiner 
Ansicht nach an die Grenze dieser Gruppe zu stellen. Ihre nächste Verwandte 
ist Lo]pliozia Kunzeana, die mit zwei- und dreilappigen Blättern vorkommt, und 
beide überbrücken die Kluft zwischen den zweispitzigen Lophozien und der 
Barbata-Grnppe. 

2) Die Krit. Bem. zur III. und IV. Serie der Hep. eur. exs. dürften ziem- 
lich gleichzeitig mit dieser kleinen Studie in den Sitzungsber. des med.-nat. 
Ver. für Böhmen „Lotos" erscheinen. 



Beitr. z. Aufklärung e, polymorphen Artengruppe d. Lebermoose. 385 



Formenkreis aufweist wie keine andere.') Sie ist zweifellos eine 
ausgezeichnete, in voller Ausgliederung begriffene Art: Lopliosia 
Müller i (N. ab E.) Dum. 

J. hantrijensis Hook, (diese Schreibweise ist korrekter als 
„hantriensis") ist spezifisch sicher nicht verschieden von J. Horn- 
schnchlana N. ab E.;^) sie hat aber den letzteren Namen zu führen, 
wie schon Gottsche und ich selbst (Krit. Bern., Nr. 97) nachge- 
wiesen haben. Sie wird von vielen Autoren (so z. B. von S. 0. Lind- 
berg, Kaalaas, Bern et) als die Sumpfform von J. Mülleri auf- 
gefaßt, eine Ansicht, welcher ich nach neueren Untersuchungen 
nicht beipflichten kann (vgl. Krit. Bem., Nr. 152). Auch sie ist eine 
bereits abgegliederte Spezies: LopJiozia Hornschuchiana (N. ab E.) 
Schffn.^) 

J. Lihertae Hüb. ist nach der Beschreibung und dem Original- 
Exemplare eine Form der J. Mülleri (also Lo2)h. Mülleri var. Lihertae). 
Identisch damit ist J. Lanrentiana De Not. (vgl. Krit. Bem., Nr. 151). 
Stephan i führt die letztere als Synonym bei Lojjh. hantryensis auf 
(Spec. Hep., II, p. 134), was sicher unrichtig ist, schon wegen der 
stark gezähnten Involucralblätter, die bei L. Hornschuchiana (= J. 
hantryensls) immer ganzrandig sind. 

Als Varietät zu L. Hornschuchiana gehört aber sicher J. sub- 
comjwessa Limpr., wie schon Lindberg in Lindb. et Arn., Musci 
Asiae bor., p. 43 und 45^ betont. Mir sind Übergänge bekannt 
(vgl. Krit. Bem., Nr. 98 j. 

Über J. Schultzii N. ab E. kann ich aus eigener Anschauung 
ein Urteil abgeben, da ich das aus nur einem Stämmchen beste- 
hende Original-Exemplar aus dem Herbar Nees durch die Güte 
des Herrn Prof. Dr. H. Grafen zu Solms-Laubach untersuchen 

Über die Formen derselben vgl. auch Krit. Bem. zu Ser. IV der 
Hep. eur. exs. 

^) S. 0. Lindberg führt in Hepat. in Hibern. lectae (Acta Soc. sc. fenn., 
X [1875], p. 528) Unterschiede zwischen Jg. hantryensis und Jg. Hornschuchiana 
an, hat aber bei letzterer die Lophozia Eutheana im Auge, die früher von den 
skandinavischen Bryologen mit Jj. Hornschuchiana verwechselt wurde; auch 
faßt er dort Jg. hantryensis in anderem Sinne als eine Kollektivspezies auf. 

^) Auch Stephani ist (Spec. Hep., II, p. 132) derselben Ansicht; er sagt 
bei L. Mülleri: „Daß unsere Art im Sumpfe zu bantriensis sich umwandeln 
könnte, ist nur ein vielverbreitetes Märchen. Ich halte das für unmöglich." 

27* 



386 



V. Schiffner. 



konnte. Ich will aber vorher die Ansicht des sorgfältigen G. Lim- 
pricht anführen, welcher ein Stengelfragment des Original-Exem- 
plars sah und sie in Kryptogamenfl. v. Schles., I, S. 276 — 277 für 
zu J. Hornschuchiana (dort „HooJceriana^' per. err. typogr.) gehörig 
erklärte, später aber dies als irrtümlich berichtigte; er sagt im 
61. Jahresber. d. Schles. Ges., S. 209 darüber: ,^Jg. SchulUii N. v. E., 
Nat., II, p. 20, ist auf wenige Exemplare (der Autor sagt 1. c, daß 
er nur zwei Stengelchen besitze) und auf die falsche Voraussetzung 
gegründet, daß die Amphig-astrien fehlen. Sie sind jedoch im dichten 
Wurzelfilze deutHch vorhanden und gleichen im Bau genau denen 
der Hauptform von Jg. Mülleri, wie sie Nees, 1. c, p. 14 aus- 
führlich beschrieben hat. Damit ist nach meiner Auffassung auch 
Jg. Sdmltzii zu vereinigen, in deren Beschreibung kein Merkmal 
dagegen spricht." — Dazu ist die interessante Tatsache zu kon- 
statieren, daß weder Loph. HornschucJiiana noch L. Müllen aus 
der Mark Brandenburg anderweitig nachgewiesen sind (vgl. Warns- 
torf, Kryptogamenfl. v. Brandenb., I, S. 198). 

Das Original-Exemplar im Herbar Nees besteht aus einem 
einzigen Stengel mit wohl ausgebildetem Perianth, der durch mehr- 
faches Untersuchen schon etwas lädiert ist, aber über alle wesent- 
lichen Punkte glücklicherweise vollkommene Auskunft gibt. Daß 
dieses Exemplar wirklich das Original-Exemplar und nicht eine 
später von Nees zu Jg. SchuUm gezogene Pflanze sei (er erwähnt 
übrigens nirgends einer solchen), geht aus der Original-Scheda 
hervor; von Nees' Hand steht auf derselben erst: „«7. repanda 
Schultz, c. cal.", dann: „an J. acuta (ist durchgestrichen!), dann: 
„t7. hidentata V. d. repanda^^ (ebenfalls durchgestrichen!) und endlich 
,^Jungermannia SchuUzii N. ab E.". 

Auch Gottsche hat dieses Exemplar studiert; ein angeklebter 
Zettel von seiner Hand besagt folgendes: „Höchst wahrscheinlich 
nur Form von Jg. Mülleri, denn 1. hat der Kelch das charakte- 
ristische Spitzchen von Mülleri, 2. ähnliche Perichaetialblätter und 
3. eine Stipula calycina utroque latere ciliato-laciniata; 
dies Charakteristicum zeigt das inliegende Exemplar sehr deuthch." 

Ich selbst erkannte auf den ersten Blick, daß das Exemplar 
mit Jg. Rutheana (= Jg. loplwcoleoides) identisch sei. Die Größe 
der Pflanze, die sehr großen, etwas violetten, lang ziliierten Amphi- 



I Beitr. z. Aufklärung c. polymorphen Artengruppe d. Lebermoose. 387 

pistrien/) welche die Blattlänge erreichen (auch außerhalb der 
Region der weiblichen Infloreszenz), die starken Eckenverdickungen 
der Blattzellen, alles dies stimmt vollständig und einzig und allein 
mit Jg. Bnihcana (ich habe das Original-Exemplar letzterer ver- 
glichen!) überein. Über jeden Zweifel wird diese Meinung erhoben 
durch die Tatsache, daß das Originalstämmchen der Jg. Schtdfdi 
sicher parözisch ist. Das Perianth mit den Involucralblättern 
ist abgebrochen, an der oberen Bruchstelle des übrigen Stengel- 
stückes sieht man in dem Winkel des dort entspringenden Sub- 
involukralblattes ein aufgeplatztes, aber noch vollständig erhal- 
tenes Antheridium und daneben ein in der Mitte zwei Zellen 
breites Paraphjllium. Diese Paraphyllien neben den Antheridien 
sind geradezu charakteristisch für Jg. Eutheana (= Jg. loplio- 
coleoides) und man vergleiche diesbezüglich Lindb. et Arn., Musci 
As. bor., I, p. 42. An der Ventralbasis zeigen die Involucralblätter 
die für Jg. loplwcoleoides 1. c. beschriebenen Zilien sehr deutlich. 

Da hiermit vollständig sicher nachgewiesen ist, daß Jg. Schulten 
N. ab E. und Jg. Butlieana Limpr. identisch sind, so fällt auch noch 
eine dritte Spezies mit dieser zusammen, nämlich Jg. lophocoleoides 
S. 0. Lindb., von der schon Arn eil (Lebermoosstud. im nördl. Norw., 
8. 35) feststellte, daß sie mit Jg. Butlieana identisch sei, was ich 
nach Vergleich der Original-Exemplare bestätigen kann. Die Spezies 
hat also zu heißen: Loptliozia Sdmltsii (N. ab E.) Schffn.^) 

Jg. Kaurini Limpr. ist ebenfalls parözisch, aber sonst von 
Loph. Sclmltzii weit abweichend. Es ist sicher eine gute Art: Lo- 
pliosia Kaurini (Limpr.) Steph.-^) 

^) Wie Nees diese übersehen konnte, ist schwer einzusehen, sie sind 
übrigens auch von Gottsche undLimpricht ausdrücklich konstatiert worden. 

2) Von guten Beschreibungen derselben verweise ich auf die von Lim- 
pricht, 1. c, dann von Warnstorf, 1. c, S. 193; Lindb. et Arnell, Musci 
As. bor., p. 41; Kaalaas, De distr. Hep. in Norv., p. 361-, Steph., Spec. Hep., 
II, p. 132. — Exs.: Gott, et Rabh., Hep. eur. exs., Nr. 583. — Man vergleiche 
auch die Fußnote zu Nr. 97 in meinen krit. Bern, zu Hep. eur. exs. 

^) Gute Beschreibungen derselben findet man: Limpricht, 1. c; Kaa- 
laas, De distrib. Hep. in Norv., p. 362-, Steph., Spec. Hep., II, p. 130-, Massal., 
Spec. ital. Jung., p. 8. — Man vergl. auch die vorzügliche Abbildung bei 
Bernet, Catal, Tab. III, als Jg. Mülleri f. paroica und die krit. Bem. zu 
Nr. 151 meiner Hep. eur. exs. 



388 



V. Schiffner. 



Jg. heterocolpos Thed. (die richtige Schreibweise ist „hetero- 
col2)a") ist von allen anderen Formen der Gruppe durch die Keini- 
körnerbildung, die diesen fehlt^ und durch andere morphologische 
Merkmale so ausgezeichnet, daß sie auch sicher als eigene Spezies 
unterschieden werden muß: Loplioda lieterocolpa (Thed.) Howe. — 
Die wichtigsten Angaben in der Literatur über diese Spezies und 
anderes kann man nachsehen in meiner krit. Bem. zu Nr. 117. 

Als Synonym zu Loph. lieterocolpa stellt M. A. Howe, The 
Hep. and Anthoc. of California (1899), p. 108, und Stephani in 
Spec. Hep., II, p. 133 die Jg. Wattiana Aust.; später (1. c, p. 155) 
erscheint dann aber „.^ L. Wattiana (Austin)^ Torrey Bull., IH, p. 11" 
nochmals unter den Speeles incertae und es heißt da von ihr: „Die 
Pflanze scheint ganz verloren gegangen zu sein." Was uns aber 
noch maßgebender sein kann, Macoun, der Entdecker der Pflanze, 
stellt dieselbe in seiner neuesten Arbeit selbst als Synonym zu 
L. lieterocolpa [vgl. Macoun, Cat. of Canad. PL, Part VII (Geol. 
Surv. of Canada), 1902, p. 19]. Ich habe leider kein Original- 
Exemplar der letzteren untersuchen können; die Beschreibung der 
Pflanze läßt keinen sicheren Schluß auf ihre Identität zu. Unter 
die Synonyme dieser Spezies verweist M. A. Howe, 1. c. auch Jg. 
Millleri var. Dana'ensis (Gott, ms.) Underw., Some undescribed Hep. 
from Calif. (Bot. Gaz., XUI [1888], p. 114, PI. VI), was nach den 
guten Abbildungen zu schließen, wohl zweifellos richtig ist. 

Alle noch übrig bleibenden Spezies bilden eine Untergruppe 
in dem Verwandtschaftskreise der Lojyh. Mülleri, welche die kleinsten 
Formen mit stark rückgebildeten Amphigastrien und lockerem, dünn- 
wandigem Zellnetz umfaßt. Die Konfasion in der Abgrenzung der 
Spezies und in der Nomenklatur bezüglich der hier in Betracht 
kommenden Formen grenzt an völlige Anarchie und bedarf dringend 
einer Klärung. Ich habe mich bemüht, durch mühsames Studium eines 
sehr großen Materiales und der Original-Exemplare fast sämtlicher 
beschriebener Spezies, Varietäten und Formen einen Einblick in den 
Zusammenhang der Formen und deren Wert zu erhalten und einen 
leitenden Faden zu finden in dem Labyrinth der Namen, die proteus- 
artig bei jedem Autor in verschiedenem Sinne angewandt werden. 

Von Jg. acuta Lndnb. ist schon wiederholt behauptet worden, 
daß sie eine Mischspezies sei. Auch Lindenberg selbst [vgl. Text 



Bcitr. z. Aiifkläiung- e. polymorphen Artengruppe d. Lebermoose. 389 



I zu Gott, et Rabh., Exs., Nr. 240 und 643^)] und Nees v. Esen- 
beck (Vgl. Syn. Hep., p. 677 und Gott, et Rabh., Nr. 240) über- 
zeugten sich schließlich, daß Jg. acuta unhaltbar sei; die Lösung, 

I welche sie aber der Sache gaben, war die denkbar unglücklichste. 
Anstatt die Formen sorgfältig zu sondern, sagten sie schließlich, 
daß Jg. acuta von Jg. Mulleri überhaupt nicht spezifisch verschieden 
sei oder, daß Jg. Midleri und Jg. acuta Formen einer Spezies 
seien (vgl. Syn. Hep., p. 677; Spruce, Mus. and Hep. of the Pyren., 
p. 203 und bei anderen Autoren), was noch schlechter ist, da hier- 
bei Jg. acuta wieder als ein ganz bestimmter Begriff gefaßt ist, 
was weder nach der Syn. Hep. eur. von Lindenberg noch nach 
der Nat. d. eur. Leberm. richtig ist. Die so geschaffene Kollektiv- 
spezies ^) heß in der Folgezeit eine Klärung der Formen nicht auf- 
kommen und führte zu endlosen Konfusionen. Die beiden Namen 
sind noch unglücklicher Weise im selben Werke (Syn. Hep. eur.) 
zuerst pubKziert und so wurde diese Kollektivspezies von einigen 
Jg. MüUeri, von anderen Jg. acuta genannt.^) Noch andere Autoren 
nahmen Jg. MüUeri in dem ursprünglichen Sinne der Syn. Hep. eur. 
(also entsprechend mit dem gegenwärtigen Begriffe der Lopliosia 
3Inlleri) und bezeichneten als Jg. acuta Lndnb. eine ganz bestimmte, 
davon verschiedene Form, die sie entweder der Jg. MüUeri als 
var. ß. acuta unterordneten (z. B. S. 0. Lindb. in Hart m., Handb. 
i Skand. FL, IX. ed. [1864], p. 89) oder als eigene Art daneben 
stellten (z. B. Limpr. in Cohns Kryptogamenfl. v. Schles., 1, S. 274); 
dabei wird aber Jg. acuta in ganz anderem Sinne gefaßt, als dies 
Lindenberg ursprünglich tat. Die gleiche Konfusion schleppt 
sich fort durch alle Dekaden der Hep. eur. exs. von Gott, et Rabh. 
und selbst Gottsche, der kenntnisreichste und gründlichste aller 

^) Diese Stellen g-ehören zu den wichtigsten kritischen Dokumenten 
über die Gruppe der Loph. MüUeri und kann ich ihr Studium nur dring-endst 
empfehlen. 

^) Bequem sind ja solche „Spezies", unter welche der flüchtige Florist 
alles, was halbwegs verwandt ist, zusammenwerfen und seinen Mangel an einer 
tieferen Einsicht in die Formen durch einen anerkannten Namen decken kann; 
wissenschaftlich sind aber solche Spezies wertlos, weil sie die phylogenetische 
Erkenntnis nicht nur nicht fördern, sondern sogar aufhalten. 

^) So auch Gottsche in Gott, et Rabenh., Hep. eur. exs., Text zu 
Nr. 240. — Jack, Leberm. Badens (1870), S. 33. 



390 V. Schiffner. 

Hepaticologen, wußte aus dem Wirrsal keinen Ausweg, so daß er 
bei Nr. 240 erklärte: Unter diesen Umständen haben wir für an- 
gemessen erachtet, für unsere Dekaden den Namen (Jg. acuta oder 
Mülleri) beizubehalten, unter welchem der Sammler die Pflanzen 
eingesendet hatte." 

Noch vervollständigt wurde die Konfusion, als die Anschauung 
platzgriff, daß auch Jg. hantriensis (Jg. Hornschuchiana) nur eine 
SumpfForm von Jg. Mülleri sei. Das führte dazu, daß bei S. 0. 
Lindberg (Hep. in Hibernia lect., 1. c, p. 528 und Musci scand. 
[1879], p. 7) die so erweiterte Kollektivspezies wieder einen anderen 
Namen erhielt: Jg. hantriensis, welcher var. ß. Mülleri und y. acuta 
untergeordnet wurden.^) Bei Massalongo (in Hep. ital. ven. exs., 
ferner Kepert. Epat. Ital. [1886], p. 21) ist die Spezies Jg. han- 
triensis genannt, mit a. acuta und ß. Mülleri. In Spec. e var. di 
Epat. ital., create dal De Notaris (Ann. Ist. Bot. Rom., III [1888]), 
p. 8 heißt sie dagegen Jg. Hornschuchiana mit ß. Mülleri. — 
Kaalaas, De distr. Hep. in Norv., p. 356, nennt sie aber Jg. Mülleri 
mit var. ß. hantryensis und suhcompressa. — Husnot, Hepaticol. 
GalL, nennt die Kollektivspezies p. 33 Jg. acuta und ordnet ihr 
unter als Subspezies: Jg. acuta Lndnb., Jg. Mülleri Nees, Jg. han- 
triensis Hook. — Daneben stehen aber als besondere Spezies: Jg. 
Hornschuchiana (p. 35), Jg. Wilsoniana Nees (p. 32) und Jg. turhi- 
nata Eaddi (p. 33). 

Schon Lindenberg hatte 1. c. seiner Jg. acuta eine var. 
ß. aeruginosa angegliedert, die sich aus Pflanzen aus der Schweiz 
und aus Korfu zusammensetzte. Von letzteren hat schon Nees 
erkannt, daß sie einen besonderen Typus darstellen und hat sie 
als eigene Spezies Jg. corcyraea in Nat. eur. Leberm., II (1836), 
S. 39 beschrieben und gliederte ihr später (1. c, III, S. 517 ) eine von 
Saut er im Pinzgau gesammelte Pflanze an.^) Von der Pflanze aus 

1) Ebenso Pearson, Hep. brit. Isles, p. 312 ff. — Die dort p. 316 als 
J(j. hantriensis var. acuta beschriebene und Tab. 135 abgebildete Pflanze ist 
wohl sicher (vgl. Zellnetz) nur eine etwas kleinere Form von Lophozia Mülleri 
(nicht L. badensisl). 

2) Diese sah ich im Original-Exemplar im Herb. Lindenberg, Nr. 2273. 
Sie ist von den Korfu-Pflanzen spezifisch verschieden und gehört sicher zu 
Lophozia badensisl 



Beitr. z. Aufklärung- e. polymorphen Artengruppe d. Lebermoose. 391 



Korfu sali ich Original Exemplare im Herb. Lindenberg (Nr. 2272, 
2275 ). Die Blätter sind ziemlich dicht, sehr breit (etwa kreisrund) 
und zeigen stumpf gerundete Lappen. Die Involucral- und Sub- 
involucralblätter sind gegen die Stengelblätter stark vergrößert und 
vom Periantli abstehend. Sie ist gewiß nicht spezifisch verschieden 
von Jg. turhinata Raddi, von der ich zwei Original-Exemplare im 
Herbar des k. k. Hofmuseums in Wien untersuchen konnte. Letztere 
ist im allgemeinen etwas laxer; die schwächeren sterilen Stengel 
zeigen schmälere, im Umrisse elliptische Blätter mit meist spitzer 
Bucht und meistens spitzen Lappen. Die kräftigen sterilen Pflanzen 
desselben Rasens haben breite, öfters stumpfe Bucht und fast 
durchwegs stumpfe bis gerundete Lappen. Die Involucralblätter 
sind bei allen von mir untersuchten Exemplaren erheblich größer 
als die Stengelblätter und stehen mehr weniger vom Perianth ab. 
Damit stimmt vollkommen iiberein die Diagnose der Jg, turhinata 
bei De Notaris, Primitiae Hep. ital., p. 308 (Mem. Ac. Torin., H. Ser., 
1839), jedoch stimmt damit die Auffassung von C. Massalongo 
nicht ganz überein. In Epat. rare e crit. prov. Venete (Atti soc. 
Ven. Trent., V [1877]) bildet er Tab. II, D— F Jg. titrhinata mit 
anhegenden, kaum vergrößerten Involucralblättern ab. In Hepaticol. 
veneta (ibid., VI, 2 [1879]) wird dann p. 148 von Jg. turhinata 
eine ß. corcyraea unterschieden: „major dense caesjntosa, foliis in 
ramidis colestdiferis sursum accrescentibus, i)erichaetialibus per- 
grandihus, colesida clavata". In Spec. ital. del gen. Jungerm. (1895), 
p. 10 erscheint dann dieselbe Form als „/?. Wilsoniana (Nees)", 
wozu noch zitiert werden: Gott, et Rabenh., exs., Nr. 447 und 
Jg. affhüs Wils. Das Original-Exemplar von Raddi wird aber im 
Standortsverzeichnisse bei var. ß. angeführt und nicht bei der 
typischen Form. Ich habe mich durch sorgfältigen Vergleich von 
Nr. 447 in Gott, et Rabenh. mit dem mir vorliegenden Original- 
Exemplar von Raddi tiberzeugt, daß beide vollkommen dieselbe 
Form repräsentieren. Die ganze Schwierigkeit löst sich aber leicht 
durch Einsicht in Massalongos Belegsexemplare. Die Pflanze, 
welche er als typische Jg. turhinata abbildet (siehe oben), von 
Tregnago ist in Massal., Hep. it. ven. exs., Nr. 37 ausgegeben und 
Nr. 55 ist ebenfalls in Hepaticolog. ven., 1. c, bei der typischen 
Jg. turhinata zitiert. Beide Pflanzen sind aber nicht identisch mit 



392 



V. Schiffner. 



dem Original-Exemplar von Raddi, wie auch Massalongo richtig 
erkannt hatte (siehe oben), sondern gehören zweifellos zu Lopliozia 
hadensis (Gott.) Schffn., von der später noch ausführlich die Rede 
sein wird. Ebenso gehören sämtliche von Massalongo, 1. c, p. 148 
zitierten Nummern aus Gott, et Rabh., Hep. eur. exs. (176, 314, 
498, 643) zu Loph. hadensis und letztere wird auch ausdrücklich 
unter den Synonymen genannt. Es muß also Jg. turhinata C. Massal. 
(exclus. synon. nonnull.) als Synonym zu LopJi. hadensis gestellt 
werden und nur ß. corcyraea Massal, Hepaticolog. ven., p. 148 1); 
Hep. it. ven. exs., Nr. 37, 55 und ß. Wilsoniana Massal., Spec. Jung, 
ital., p. 10 sind sicher Synonyme von Loph. turhinata (Raddi) Steph. 
— Jg. turhinata Massal., Repert. Ep. ital., p. 25 gehört zum Teile 
zu Loph. hadensis, zum Teile zu Loph. turhinata. 

Von anderen aus der Gruppe der Jg. Mülleri beschriebenen 
Arten sollen hier anschließend Jg. affinis Wils, und Jg. Wilsoniana 
N. ab E. betrachtet werden. Beide Arten sind identisch, denn Nees 
hat nur aus einem nomenklatorischen Grunde den Wilson sehen 
Namen geändert (siehe N. ab E., Nat. eur. Leberm., III, S. 549). 
Er hatte die Identität dieser Pflanze mit Jg. turhinata Raddi nicht 
erkannt, da er letztere nach der Abbildung für Jg. inflata hielt. 
Ich habe das Original-Exemplar im Herb. Lindenberg, Nr. 2276 
untersucht und kann darnach bestätigen, daß die Pflanze ganz 
gewiß identisch ist mit Jg. turhinata.'^) Es ist ebenso wie das 
Original-Exemplar der letzteren eine laxere Form. Die unteren 
Stengelblätter sind spitzlappig, das Involucrum ist vergrößert und 
auch hier die Lappen spitzlich (wenigstens nicht breit gerundet). 
Auch Gott, et Rabh., Hep. eur. exs., Nr. 447 ist genau dieselbe 
Pflanze und ebenso Jg. Wilsoniana, leg. Spruce in rup. calcar. B. 
de Bigorre (vgl. Spruce, Musci and Hep. Pyren., p. 204), die ich 
im Herbar des k. k. Hofmuseums in Wien untersuchen konnte. 
Identisch damit ist ferner Jg. turhinata in Pearson, Hep. brit. IsL, 

^) Die dabei zitierte Nr. 56 aus Massal., Hep. it. ven. exs., dürfte wohl 
zu Lo^ih. turhinata und nicht zu Loph. hadensis gehören. Das Materiale in 
meinem Exemplar der Exsiccata ist aber nicht hinreichend zu einer g-anz 
sicheren Bestimmung. 

2) Husnot führt in Hepaticol. Gall., p. 32, 33 Jg. Wilsoniana und Jg. 
turhinata als differente Spezies nebeneinander an, was gewiß unrichtig ist. 



Beitr. z, Aufklärung e. polymorphen Artengruppe d. Lebermoose. 393 



p. 309, PI. 132, nur ist das Synonym Jg. hadensis zu streichen. 
Alle diese Pflanzen gehören einer laxen Form mit meist schwach 
gespitzten Lappen der Stengel- und Involucralblätter an, genau 
wie die Original-Exemplare der Jg. turhinata von Kaddi. Es ist 
also sicher Jg. affinis Wils, und Jg. Wilsoniana N. ab E. unter 
ie Synonyme von Loj^h. turhinata (Eaddi) Steph. zu stellen und 
wir sind dadurch der Mühe enthoben zu untersuchen, inwieweit 
ie Neessche Umtaufung berechtigt war. 

Unter Nr. 391 in Gott, et Rabh., Exs., wurde eine Pflanze 
erteilt, die von Gottsche als Jg. algeriensis? nov. spec. bezeichnet 
wurde. Sie gehört ganz zweifellos auch in den Formenkreis der 
oxih. turhinata und nähert sich durch die breiten, stumpflappigen 
Stengelblätter und die breit gerundeten Lappen der Involucralblätter 
sehr der als Jg. corcyraea von Nees beschriebenen Form. Jedoch sind 
die Blätter meist nicht so sehr gedrängt und bei sehr schwachen Sten- 
eln (^besonders gegen die Basis) zeigen sie bisweilen spitze Lappen. 

Alle die genannten, zu Lo2)h. turhinata (Eaddi) Steph. gehörigen 
flanzen sind im Mediterrangebiete und in Westeuropa heimisch, 
s ist eine weit verbreitete Spezies, die in folgenden Richtungen 
abändert: a) Pflanze sehr lax, Blätter entfernt eUiptisch; Lappen 
oft spitzlich, auch die Involucralblätter oft mit etwas spitzen Lappen; 
h) Pflanze gedrungener, Blätter gedrängt, sehr breit, meist stumpf- 
lappig, Involucralblätter sehr vergrößert, breit, gerundet stumpflappig 
(zu letzterer gehören Jg. corcyraea^. ab E. und Jg. algeriensis Gott.). 
Dennoch fällt es hier schwer, bestimmte Formen als Varietäten zu 
unterscheiden, da meist alle möglichen Formen, laxe und gedrungene, 
spitzblättrige und stumpfiappige, durcheinander wachsen (z. B. in 
en Original-Exemplaren von Raddi), ja sehr oft am selben Stengel 
am oberen Teile der Blätter dicht- und stumpflappig, am unteren 
Teile lax, verlängert und spitzlappig sind. Es wird also vielleicht an- 
gemessen sein, bei dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnis der 
Variabilität dieser Spezies vorläufig von der Aufstellung besonderer 
Varietäten abzusehen. Die von Massalongo aufgestellten Varie- 
täten entsprechen der typischen Lojili. turhinata und kommen 
daher nicht in Betracht. 

Neuere Autoren haben mit der mediterranen und westlichen 
oph. turhinata (Raddi) Steph. eine durch Kleinheit ähnhche mittel- 



394 



V. Schiffner. 



und nordeuropäische Pflanze identifiziert, welche sie als von Loph. 
Mülleri spezifisch verschieden erkannt hatten. Limpricht in 
Kryptogamenfl. v. Schles.^ I, S. 274 nennt diese Pflanze Jg. acuta 
Lndnb. und beschreibt sie nach schlesischen Exemplaren ganz 
vorzüglich, jedoch ist der Name aus zwei Gründen verfehlt: 1. ist 
es sehr fraglich, ob Lindenberg bei seiner Jg. acuta überhaupt 
diese Pflanze mit vorhegen hatte, die Hauptmasse seiner Jg. acuta 
ist gewiß Lopli. Mülleri,'^) und 2. zitiert Limpricht als Synonyme 
Jg. turhinata Raddi?, Jg. corcyraea N. ab E., Jg. Wilsoniana N. 
ab E., Jg. hadensis Gott., Jg. algeriensis Gott.^) 

In gleicher Weise konfundieren die mitteleuropäische Pflanze 
mit Jg. turhinata folgende Autoren, nennen sie aber nicht Jg. acuta, 
sondern folgerichtig Jg. turhinata: Berne Catal, S. 64; Breidler, 
Leberm. Steierm. (Mitt. nat. Ver. Steierm., 30 [1893]), S. 310; Heeg, 
Leberm. Niederöst., S. 23 (in diesen „Verhandlungen", Jahrg. 1893, 
S. 85); Warnstorf in Kryptogamenfl. Brandenb., I (1902), S. 197. 

Schon im Jahre 1859 hat Gottsche in Gott, et Rabh., Hep. 
eur. exs., Nr. 95 eine Form der hier in Rede stehenden mittel- und 
nordeuropäischen Pflanze unter dem Namen Jg. hadensis unter- 
schieden und dies ist der älteste sichere Name für diese Spezies, 
die also Loph. hadensis (Gott.) Schffn. zu heißen hat. Als Synonyme 
dazu würden unter anderen zu zitieren sein: Jg. Limpr., 1. c. 

(excl. synon.), Steph.^ 1. c; Jg. turhinata Bernet, 1. c, Breidl, 1. c, 
Heeg, 1. c, Warnst., 1. c. (excl. synon.); Jg. turhinata Massal, 
Epat. rare e crit., p. 11, Tav. II, D — I; Hepaticol. veneta, p. 148 
(excl. synon. et excl. var. ß.)] Hep. it. ven. exs., Nr. 37, 55; Spec. 
ital. Jung., p. 9 (excl. synon. et excl. ß. Wilsoniana). 

Gottsche wollte mit dem Namen Jg. hadensis eine bestimmte 
Form bezeichnen, bei welcher er auch im Involucrum kein Amphi- 
gastrium finden konnte. In meinem Exemplare von Gott, et Rabh., 
Exs., Nr. 95, fand ich aber einmal ein ganz deutliches Amphi- 
gastrium involucrale,^) es ist dies also kein konstantes Merkmal. 

^) Vgl. die Revision der Original-Exemplare im Anhange zu dieser 
Abhandlung. 

2) In gleichem Sinne auch Stephani, Deutschi. Jung., S. 31, Fig. 47, 
^) Ich sah in diesem Original-Exemplar auch einige autöcische Indi- 
viduen (eine abnormale Bildung, denn die Pflanze ist normal diöcisch!). Unter 



Beitr. z. Aufklärung e. polymorphen Artengruppe d. Lebermoose. 395 

S. 0. Lindberg- hat die Unterschiede der beiden Spezies (Jg. 
hadoisis und Jg. tiirhinata) in ausgezeichneter Weise auseinander- 
gesetzt und die Diagnosen beider gegenübergestellt, wodurch die 
spezifische Verschiedenheit beider unzweifelhaft dargetan erscheint. 
Man versäume nicht, die betreffende Stelle in Lindb. et Arnell^ 
Musci Asiae bor., I, p. 46, zu studieren. 

Auch Stephani (Spec. Hep., II, p. 128) begrenzt Lopli. tur- 
hlnata in ganz korrekter Weise und sagt p. 129 von ihr ausdrücklich: 
„Diese Art hat nichts mit Jg. hadensis gemein und ist eine medi- 
terrane Art." Aber letztere finden wir einfach unter die Synonyme 
der Lo2)h. 3Ii'dleri (1. c, p. 131) verwiesen, was nach meiner An- 
sicht sowie der fast aller anderen neueren Autoren unrichtig ist. 
Stephani macht darüber p. 132 folgende Bemerkung: ,^Jg. hadensis 
ist eine verkümmerte Pflanze;^) wie man diese zum Typus der 
Jg. acuta wählen konnte, ist wunderbar, obwohl sie zweifellos dazu 
gehört; auch kann ich Jg. Müllen von Jg. acuta nicht unterscheiden." 

Auch Loplwzia hadensis (Gott.) Schffn. kommt in kompakteren 
und laxen Formen vor, doch dürften sich darauf kaum Varietäten 
begründen lassen; eine solche laxe, sterile Form ist Jg. turhinata 
y. carnosa Bernet, Catal., p. 65. Sehr geeignet eine Varietät zu 
begründen scheint mir aber hier die Beschaffenheit der Blattlappen. 
Die gewöhnhche Form unserer Spezies zeigt scharf spitze Lappen 
der Stengel- und Involucralblätter. Eine andere Form hat stumpfe 
Blattlappen: die var. ohtusiloha (Bernet, 1. c). Selbst wenn die 
Stumpflappigkeit bei den sterilen Stengeln minder ausgeprägt ist, 
so sind immer doch die Involucralblätter seicht ausgerandet und 
haben breit gerundete Lappen. Zu dieser var. ohtusiloha gehört 
auch das Original-Exemplar der Jg. hadensis in Gott, et Rabh., 



dem normal entwickelten Perianth waren zwei subflorale Innovationen, die 
beide waren. Die Perigonialblätter zeigten den charakteristischen Dorsal- 
zahn, die Antheridien, sehr wohl entwickelt, standen einzeln. 

^) Daß dies nicht der Fall ist, beweist das interessante Materiale von 
Dolomitfelsen bei Etterzbach nächst Regensburg, w^elches ich in der III. Serie 
meiner Hep. eur. exs. verteile. Dort wachsen winzige, meist sterile, tatsäch- 
liche Kümmerformen von Loph. Mülleri (var. pumila) neben Loph. hadensis, 
welche daselbst reich fruchtet und daher nicht als depauperiert angesehen 
werden kann. 



396 



V. Schiffner. 



Exs., Nr. 95. Die var. obtusiloha (Bern.) ist keineswegs etwa iden- 
tisch mit Lophozia turhinata, sondern gehört ganz sicher zu Loj^h. 
hadensis. 

So bleibt uns aus der Reihe der früher unterschiedenen Spe- 
zies nur noch Jg. Wallrothiana N. ab E. in Syn. Hep., p. 104,^) 
zu erörtern. Leider habe ich kein Original-Exemplar derselben 
gesehen, da ein solches im Herbar Nees und im Herbar Linden- 
berg fehlt, und kann also keine bestimmte Auskunft über diese 
Spezies geben. Sie wird 1. c. mit Jg. corcyraea und Jg. Wilsoniana 
vergHchen und sei möglicherweise eine Varietät der letzteren. Dem- 
entsprechend ist sie bei Dumortier, Hep. eur., p. 66, als Gijmno- 
colea affmis ß. WallrotJiiana aufgeführt. Nach diesen Ansichten 
würde sie also in den Formenkreis der LopJioma turhinata (Radd.) 
Steph. gehören, was schon aus pflanzengeographiscben Gründen 
sehr unwahrscheinlich ist. Eher dürfte sie zu Loph. hadensis var. 
ohtusiloha gehören, die in diesem Falle allerdings var. Wallrothiana 
(N. ab E.) heißen müßte. Später taucht Jg. Wall/rothiana noch ein- 
mal auf in Underwood, Descr. Cat. N. Am. Hep. (Bull. lUin. State 
Labor., Vol. H^ 1884), p. 104. Ob die daselbst angeführte ameri- 
kanische Pflanze mit dem Original-Exemplare von Nees überein- 
stimmt, kann nicht mit Sicherheit behauptet werden. 

In der „Moosflora des Harzes" von L. Loeske (1903) wird 
S. 80 Jg. Wallrothiana als giltige Spezies angeführt, jedoch ist es 
nicht sicher, ob die von Loeske gefundene Pflanze mit Jg. Wall- 
rothiana N. ab E. identisch ist, da der Autor ebenfalls kein Original- 
Exemplar gesehen hat. Auf meine Bitte hin sandte mir Herr Loeske 
das betreffende Herbarmaterial, dessen Studium, zusammen mit der 
Bemerkung 1. c, S. 80 ergibt, daß Loeske die kleinsten, depaupe- 
rierten Formen der L. Mälleri unter Jg. Wallrothiana meint. Die 
drei mir vorUegenden Exemplare enthalten folgendes: 1. Walken- 
ried (Südharz): Waldwege auf dem Höllenstein, S./VHI. 1902, leg. 
Loeske — ist L. Mälleri var. pumila N. ab E.; 2. Sachsenstein 
bei Walkenried, schattiger Humus über Gipsfelsen, l./VL 1903, leg. 
Loeske et Quelle — ist eine laxere Form der L. Mülleri var. 



^) Jg. Wallrothiana Hüben., Hepaticol. germ. (1834), p. 85, ist eine ganz 
andere Pflanze, und zwar eine Form der Nardia scalaris. 



Beitr. z. Aufklärung e. polymorphen Artengnippe d. Lebermoose. 397 



suhteres Schffn., die sich durch entfernter stehende Blätter etwas 
der var. gracilUma N. ab E. nähert; 3. Nordhausen, im „Alten Stol- 
berg" an Abhängen und Wegen, 17. /IV. 1900, leg. Quelle — ist 
Loph. hadensis (Gott.) Schffn. 



Aus den im Vorhergehenden mitgeteilten kritischen Unter- 
uchungen geht hervor, daß sich die in Rede stehende polymorphe 
Tuppe aus folgenden, nach unseren gegenwärtigen Begriffen gil- 
igen Spezies zusammensetzt: 

. Loi)liosia Mülleri (N. ab E.) Dum. — Dazu gehören: Jg. acuta 
Lndnb. pr. p., Jg. Libertae Hüben., Jg. Laurentiana De Not. 

. Lopliozia Hornschuchiana (N. ab E.) Schffn. — Dazu gehören: 
Jg. hantryensis Hook, und als Varietät Jg. suhcomptressa Limpr. 

. Lopliosia hadensis (Gott.) Schffn. — Dazu gehören: Jg. acuta 
Lndnb. pr. p. min., Jg. Wallrothiana N. ab E. (?) 

4. Lopfltozia turhinata (Raddi) Steph. — Dazu gehören : Jg. acuta 
ß. aeruginosa Lndnb. pr. p. max., Jg. corcyraea N. ab E., 
Jg. afßiisWüs.^ Jg. Wilsoniana N.ab E., Jg. algeriensis Gott. 

5. Lopliosia heterocolpa (Thed.) Howe. — Dazu gehört: Jg. Wattiana 

Aust. und Jg. Banaensis Gott. ms. 

6. Lopliosia Schultzii (N. ab E.) Schffn. — Dazu gehören: Jg. Bu- 

tlieana Limpr. und Jg. lophocoleoides S. 0. Lindb. 

7. Lopliozia Kaurini (Limpr.) Steph. 



Als Anhang zu dieser Studie will ich hier die Resultate meiner 
Revision der Original-Exemplare und Exsiccaten,^) die ich aus diesem 
Anlasse eingesehen habe, mitteilen und können diese Daten gleich- 
zeitig als Belege für die früheren Ausführungen dienen. 

^) Bei älteren Exsiccaten beziehen sich die Bestimmungen, wenn nichts 
anderes angegeben ist, immer nur auf das Exemplar, welches in meinem Be- 
sitze ist, was ausdrücklich bemerkt werden muß, da bekanntlich in verschie- 
denen Exemplaren unter der gleichen Nummer bisweilen verschiedene Pflanzen 
ausgegeben sind. Von älteren Original-Exemplaren des Herbar Lindenberg 
habe ich nur solche untersucht, die in Nees, Naturg. der eur. Lebcrm., aus- 
drücklich zitiert sind. Ich führe oben die Scheda derselben zwischen Gänse- 



398 



V. Schiffner. 



1. Jungertnannia acuta. 

Hb. Lndnb., Nr. 2224. acuta a. Am Karwendel bei Mittenwald. 

A. Braun." — Ist L. 3Iüllen var. Lihertae. 
„ „ „ 2225. „ J. ac^^^a, Zweibrticken. Hb. N. abE." — Ist 

L. Müllen, typica, große Form. 
„ „ „ 2229. „r/. ac. ß. aggregata, Durlacb." — Ist L. ha- 

densis. 

„ „ „ 2246. „e/. ac. ß. aggregata, Eulengrund." — Ist L. 

alpestris^) var. rubescens Schffn. 
„ „ „ 2233. ,,f7. ac. ß. aggregata exigua, Karlsrube, 

Braun." 

„ „ „ 2242. „f/. ac. ß. aggregata ^ exigua, Baden." 
„ „ „ 2234. ac. „ „ „ Durlacb." 

— Alle drei sind L. hadensis, die typische 
Form. 

„ „ „ 2244. „J. ac. ß. aggregata * exigua und gra- 

cillima.^^ — Ist L. hadensis, c. per. 

„ „ „ 2243. „J.Francisci Scblcb., Helvet."^) — Ist L. 

hadensis var. ohtusiloha. 

„ „ „ 2271. „ J. Fra^asa Schleicb." — Ist = 2243. 

„ „ „ 2270. saccata, Weinheim, Apr. 1829, ded. Bi- 
schoff. J. acuta m." (Lindenbergs 
Schrift!) — Ist L. Miilleri, typica. 

„ „ „ 2264. „f/. acM^a (J. cöw/er^a, in pinetis Hercyn. infer., 

Hampe." — Ist L. Mülleri, eine kleinere 
Form. 

„ „ „ 2227. ac^^/a cf.*(7^i9sac6a, Nordhausen, Hampe. "^) 

— Ist eine mir ganz rätselhafte Pflanze. 
Großen Formen der L. heterocolpa ähnlich. 
Blattlappen stumpf. Amphigastrien keine. 
Zellen viel größer als bei L. heterocolpa 



füßchen („ — ") an, woraus man leicht ersehen l^ann, zu welcher Angabe von 
Nees die angeführte Pflanze der Beleg ist. 

^) Fide etiam Limpricht in Kryptogamenfl. v. Schles., I, S. 275. 

2) Die vorige und diese Nummer sind Original-Exemplare zu /?.*"*, vide 
Nees, Nat. eur. Leherm., II, S. 33. 

3) Vgl. Synops. Hep., p. 103. 



Beitr. z. Aufklärung e. polymorphen Artengruppe d. Lebermoose. 399 



und L. Mülleri, selbst größer als bei L, 
Hornsclitichiana, durchsichtig'. Ecken 
deutlich verdickt, Cuticula glatt. Ein 
verkümmertes Perianthium habe ich ge- 
sehen; Involucralblätter von den Stengel- 
blättern kaum verschieden, ungezähnt. 
Ist möglicherweise eine neue Art;^) leider 
ist das Materiale zu dürftig, um darüber 
klar zu werden [Lopliozia gypsacea (Syn. 
Hep.) Schffn.]. 

Hb. Lndnb., Nr. 2226. „J. inflata sec. Martins Basil."^) — Ist eine 

große Form von L. hadensis var. ohtusi- 
loba. 

^ „ „ 2228. „J. alpestris Hüben. = J. acuta ß. Nees, 

leg. Hübener."^) — Ist typische L. ha- 
densis. 

Gott, et Rabh., exs., Nr. 56. „J. acuta var. mpestris.^^ — Ist L. 

hadensis, typica, lax. 
Dasselbe, Nr. 97. „«7. acuta a. majori' — Ist L. Mülleri, eine sehr 
schwache Form, etwa var. gracilis Bern. 
„ „ 98. „«7. acuta.^^ — Ist L. hadensis, typica. 

„ 99. „J. acuta var. 7ninor auctorum." — Ist L. Mülleri, 
gewöhnliche Form, 
j, „ 100. „</. acuta var. minor auctorum." — Ist L. haden- 
sis, typica. 

„ „ 176. ,^J. acuta var. minor 9-" — Ist, soweit sich dies 
nach dem minimalen Materiale entscheiden 
läßt, L. hadensis. 

„ „ 220. „t7. acuta ß** gracillima^^ — In meinem Exem- 
plar der Exsiccata ist diese Nummer L. Mülleri, 
eine große Form, die sich sehr der var. Li- 
hertae nähert. In dem in das Herbar des k. k. 



^) Zu L. ohtusa kann sie wegen des Zellnetzes auch nicht gehören. 

2) Vgl. Nees, Nat. eur. Leberm., II, S. 33, wo sie als Synonym zitiert 
ist. Wird auch schon von Lindenberg in Syn. Hep. eur., p. 88 bei J. acuta «. 
als Synonym zitiert. 

3) Zitiert in Nees, 1. c, p. 33. 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 28 



400 



V. Schiffner. 



Hofmuseums eingereihten Exemplar liegt aber 

unter Nr. 220 L. hadensis! 
Gott, et Rabb., exs., Nr. 238. acuta a. foliis invol. serrato-den- 

tatis.'^ — Ist L. Müllen var. Libertae (dabei 

sehr gute Abbildung !). 
Dasselbe, Nr. 240. „<7. acuta fol. involucr. suhintegerrimis^^ — Ist 

L. Müllen, typica, kleinere Form. 
„ „ 243. „tJ. acuta.^^ — Ist mit größter Wahrscheinlich- 
keit L. HornschucJiiana. Das Material ist sehr 

dürftig. 

„ „ 269. „t7. acuta a. forma laxa.^^ — Ist genau dieselbe 
Pflanze wie Herb. Lindenb., Nr. 2227 ; also viel- 
leicht als L. gypsacea (Syn. Hep.) Schffn. zu 
bezeichnen.^) 

„ „ 314. „J. acuta ß* aggreg ata, exigua, rupestris Gott. 

in litt." — Ist L. hadensis var. ohtusiloha 
Bern. 

„ 32P. „J. acuta minor. '-^ — Mein Exemplar enthält 

nur Aplozia riparia. 
„ „ 413. ,^J. acuta}'' — Ist L. Mülleri var. gracilis Bern. 
„ „ 498. „f/. acuta graciUima}^ — Ist L. hadensis, 

typica. 

„ „ 643. „«7. acuta var. minor }^^) — Ist L. hadensis, typ., 
kompakte Form. 



^) In der Scheda vergleicht Gottsche unsere Pflanze mit Nr. 97, die 
aber ganz andere Blattlappen und ein anderes, viel kleineres Zellnetz hat und 
sicher zu L. Mülleri gehört. In dieser Scheda ist auch auf Nr. 58 verwiesen, 
die als Jg. obovata ausgegeben sein soll, und in dem Kataloge zu den Exsic- 
caten heißt es p. 5: „/. obovata N. — 58. Steyr: Sauter = Jung. Mülleri N." 
Nun ist aber Nr. 58 als „Jung, nana"' bezeichnet und in meinem Exemplar 
der Exsiccata enthält diese Nr. 58 eine kleinere Form der typischen Aplosia 
riparia. Es sind also unter Nr. 58 augenscheinlich verschiedene Pflanzen aus- 
gegeben worden. 

2) In der Scheda zu dieser Nr. 643 wird Jg. acuta etwa in dem Sinne 
gefaßt wie bei Limpricht in Kryptogamenfl. v. Schles. und werden als hierzu 
gehörig von Gottsche selbst Jg. badensis (Nr. 95) und Jg. algeriensis (Nr. 391) 
bezeichnet. Über diese beiden Original-Exemplare habe ich mich schon früher 
im Texte geäußert. 



Beitr. z. Aufklärung e. polymorphen Artengruppe d. Lebermoose. 401 

C. Warnstorf, Deutsch. Leberm. „ J. acuta, Darmstadt, Apr. 1883, 
leg. Roth." — Ist L. hadensis, sehr typisch, schön fruchtend. 

C. Massal., Hep. it. ven. ex., Nr. 74. „ hantriensis Hook. var. acuta 
(Lind.)." — Ist L. Mülleri var. gracilis Bern. 

Hüben er, Scandinav. Exsicc. „J. acuta Lindenb., Suecia." — Ist 
L. Millleri var. laxa Bern. 

Hübener et Genth, Deutschi. Leberm., Nr. 119. „J. acuta var. 
aggregata.^^ — Von zvrei Exemplaren dieser Sammlung lag 
unter Nr. 119 in dem einen L. hadensis, in dem anderen L. 
Mülleri. 

2. Jungevmannia Mülleri. 

Herb. Lndnb., Nr. 2142.^) Müllen /?., Kapellenberg." — Ist L. 
Millleri, typica. 

Dasselbe, Nr. 2149. ,,J. Mülleri y., Kitzelberg." — Ist L. Mülleri, 
typica; kein wesentHcher Unterschied von der 
vorigen. 

„ „ 2150. „j; Mülleri ß. cf, Kitzelberg." — IstX. Mülleri, 
typica cT. 

„ 2141. Mülleri ö. pumila, Kapellenberg." — Ich 

sehe nur Cephalodella trivialis c. per. und 
Lo2)h. excisa ster. mit vielen roten Keim- 
körnern. 

„ Original-Exemplar von J. Mülleri y.* — Ist eine sehr 
dichtblättrige, gelbbraune L. Mülleri, typica. 
Herb. Schiffner. „f/. Mülleri var. gracilis et gracillima, Savoie, Sa- 

leve, leg. Dr. H. Bern et." 
Herb. Schiffner. „J". Mülleri forma laxior, Geneve, leg. Bern et." 

— Diese und die vorige sind Original-Exemplare zu den von 

Bern et unterschiedenen Formen. 
Krypt. exs. Mus. Vindob., Nr. 187. Mülleri.^' — Ist L. Mülleri 

var. gracilis Bern. 
C. Warnstorf, Deutschi. Leberm. Mülleri, Darmstadt, Seeheim, 

leg. Roth." — Ist L. Mülleri var. subteres Schffn. 



^) Dieses und die folgenden Original-Exemplare von Nees sind in Nat. 
eur. Leb. zitiert. Belegexemplare für die var. f. und C. fehlen im Herb. Lndnb. 

28* 



402 



V. Schiffner. 



Pearson, Hep. of Brit. Isl., Nr. 144. „t7. hantriensis var. Müllen, 

leg. Car ring ton." — Ist L. Müllerin zumeist forma typica. 
Gott, et Rabh,, exs., Nr. 147. ,^J. Mülleri.^^ — Ich halte diese 
Pflanze für L. heterocolpa, obwohl es mir nicht 
gelungen ist, Keimkörner zu finden. 
Dasselbe, Nr. 148, 148^. ,^J. Müllen^' — Beide L. Mülleri, typica. 
„ „ 227. „ J^. Mülleri.'' — Ist L. Mülleri, typica. 
„ „ 395. Mülleri.'' — Ist L. Mülleri var. Lihertae 
(Hüben.). 

Hüben er et Genth, Deutschi. Leberm., Nr. 118. Mülleri." — 
Ist L. Mülleri, typica. 

Massal.^ Hep. it. ven. ex., Nr. 50. ,^J. Bantriensis var. Mülleri." 
— Ist L. Mülleri, nahe der var. Lihertae. 

Husnot, Hep. GalL, Nr. 124. „J. Mülleri." — IstZ. Mülleri, typica. 

Fl. exsicc. Bavarica: Bryoph., Nr. 124. „Lophoda Mülleri." — Ver- 
schiedene Formen von L. Mülleri.^) 

3. Jiingermannia hantryensis, 

Gott, et Rabh., exs., Nr. 305. hantriensis.'^ — Ist eine sehr 

große Form von L. Kaurini.^) 
Dasselbe, Nr. 577. „J. hantriensis.'^ — Ist L. Hornschuchiana var. 
suhcompressa (Limpr.).^) 
„ „ 578. „f7. hantriensis. '' — Ist L. heterocolpa.'^) 
„ „ 583. „J. hantriensis." — Ist L. Schultzii (das Original- 
Exemplar von J. Biitlieana Limpr,). 
„ „ 609. j^J. hantriensis." — l^i L. Hornschuchiana i.palu- 
dosa. 



^) Ich habe ausführlich über die an diesem Standorte vorkommenden 
Formen in den Krit. Bern, zu Hep. eur. exs., IV. Ser., berichtet, wo dieselben 
gesondert ausgegeben sind. In meinem Exemplar der Nr. 124 finde ich: L. 
Mülleri, typ., var. suhteres Schfifn., var. teres Nees und var. pumila Nees. 

2) Auch in Lindb. et Arn., Musci As. bor., I, p. 45, wird L. Kaurini 
vom selben Standorte angegeben. An meinem Exemplare konnte ich die 
paröcische Infloreszenz nicht konstatieren, doch passen alle anderen Merkmale 
nur auf L. Kaurini. 

^) Fide etiam Br eidler, Leberm. Steierm., S. 312. 

*) Fide etiam Lindb. et Arn., Musci As. bor., I, p. 44. 



Beifr. z. Aufklärung o. polymorphen Artengruppe d. Lebermoose. 403 



Herb. Schiflfner. „t7. Müller i var. hantriensis ß. laxa, Jura, Lavatay, 
leg. Bern et." — Beleg zu Bern et, Catal., S. 70, ist L. Horn- 
scliuchiana var. laxa (N. ab E.). 

H US not, Hep. GalL, Nr. III. hantriensis.^^ — Ist L. Ilorn- 
schuchiana. 

4. Jiingermanuia Hornschuchiana. 

Gott, et Rabh., exs., Nr. 128. — Ist Original-Exemplar von e7. i/om- 
schuchiana N. ab E. — Eine Abbildung dieser Pflanze findet 
sich bei Nr. 246. 

Dasselbe, Nr. 246. ..J. Hornschuchiana var. acutifolia.^' — Ist L. 
ScMUsii}) 

Husnot, Hep. GalL, Nr, 32. „J. Hornschuchiana.'-^ — Ist eine 
kleinere Form der L. Hornschuchiana. 

5. Jungermannia Hutheana. 

Herb. Schiffner. „J. Butheana, Bärwalde, leg. Ruthe." — Ist ein 
Original-Exemplar, übereinstimmend mit Gott, et Rabh., exs., 
Nr. 583; ist also L. Schultmi. 

6. Jungermannia heterocolpa, 

Husnot, Hep. GalL, Nr. 209. „t7. heterocolpa.^^ — Ist richtig! 

7. Jungermannia Kaurini, 

Herb. SchifFner. „Opdal, Luengen, Sept. 1882, leg. Kaurin." — 
Ist das Original-Exemplar von L. Kaurini, typische Form. 

Herb. SchifFner. „f/. Kaurini ß. acuiifolia, Alanga-Valsesia, leg. 
Carestia." — Ist steril, gehört aber nach dem Zellnetz sicher 
zu L. Kaurini. Ist Beleg für C. MassaL, Spec. Jungerm. 
itaL, p. 9. 

Husnot, Hep. GalL, Nr. 211. ,^J. Kaurini. — Steril, nach dem 
Zellnetz und anderen Merkmalen aber sicher L. Kaurini. 



^) Wird auch schon von Lindb. et Arn., 1. c, p. 42 bei J. lophocoleoides 

zitiert. 



404 



V. Schiffner. 



8. Jungermannia badensis, 

Gott, et Rabh., exs., Nr. 95. „t7. hadensis G." — Original-Exem- 
plar ! — Ich sah von dieser Nummer zwei Exemplare. Einmal 
fand ich ein deutliches Amphigastrium involucrale und einmal 
sah ich autözische Pflanzen mit zwei subfloralen Sprossen. 

9. Jungermannia Libertae, 

Libert, PI. er. Ardenn., Nr. 213. „J. Lihertae Hüben." — Ist das 
Original-Exemplar! — Ist L. MüUeri var. Lihertae (vidi in 
Herb. Musei pal. Vindob.). 

10. Jungermannia algeriensis, 

Gott, et Rabh., exs., Nr. 391. algeriensis.^^ — Ist das Original- 
Exemplar! — Ist eine Form von L. turhinata. 

11. Jungermannia Wilsoniana, 

Herb. Lndnb., Nr. 2276. ,^J. Wilsoniana, J. turhinata Wils., Angl." 
— Ist das Original-Exemplar! — Identisch mit L. turhinata, 
typica. 

Spruce, Musci Pyren., Nr. 30. Wilsoniana, in rup. calc. B. de 
Bigorre, Spruce." — Ist L. turhinata, typica. 

Gott, et Rabh., exs., Nr. 447. Wilsoniana.^^ — Ist L. turhi- 
nata, typica. 

Herb. Schiffner. „ J". Wilsoni Nees. Am sandigen Ufer des Schwarz- 
baches in der Uhuau, Salzburg, Sauter." — Ist L. hadensis. 

12. Jungermannia turbinata. 

Herb. Mus. pal. Vindob. Zwei Original-Exemplare von „t7. turhinata 
Raddi". — Beide übereinstimmend, eine etwas laxere Form 
mit meist spitzen Blattlappen. Auf einem steht von Nees' 
Hand: „Est Jung, corcyraea N. ß. elongata.'-^ 

Mas sah, Hep. it. ven. exs., Nr. 55. „«7. turhinata.'^ — Ist L. hadensis. 

Dasselbe, Nr. 56. „J. turhinata var. corcyraea.^'' — Ist L. turhinata, 
soweit das sehr dürftige Material einen Schluß gestattet. 

Husnot, Hep. Gall., Nr. 109 A et B. „J. turhinata.^' — Beide sind 
L. turhinata, typica. 



Beiträge z. Aufklärung e. polymorphen Artengruppe d. Lebermoose. 405 



Herb. Scliiffner. „J". turhinata, Hagental bei St. Andrä, Heeg\"^) 
— Ist L. hadensis, typica. 
„ „ „e7. turhinata var. obtusiloha, Redtenbacbgraben bei 

Prein, Heeg." — Ist L. hadensis var. ohtusi- 
loba (Bern.). 

„ „ „t7. turhinata, Steierm., Mauer des Scbloßes Seggau, 

Brei dl er." — Ist L. hadensis. 

„ „ „e7. turhinata, Steierm., Walcherngraben bei Öblarn, 

Brei dl er." — Ist L. hadensis, typica. 
„ „J". turhinata, gemmipara et c. fr., Steierm., See- 
wiegtal bei Haus, leg. Heeg." — Die Keim- 
körner tragende Pflanze gebort zu L. excisa, die 
c. per. zu L. hadensis. 

13. Jungermannia corcyraea. 

Herb. Lndnb., Nr. 2272 und 2275. corcyraea, Korfu, Spathys." 

— Sind die Original-Exemplare! Eine Form von L. turhinata, 
Blätter dicbt, sebr breit, stumpflappig, Involucralblätter sehr 
groß, abstehend. 

Dasselbe, Nr. 2273. „J". corcyraea N. ab E., Sauter, Alp., 5500'." 

— Ist sicher L. hadensis.^) 

Herb. Schiffner. „J. corcyraea, Dalmat., Bachmauern in Gianchetto 
hinter Comolaz, leg. Dr. E. Weiß." — Ist L. turhinata, Blatt- 
lappen stumpf. 

14. Jungermannia suhcompressa. 

Herb. Schiffner. (Lophoma) suhcompressa m., Norwegen, Opdal, 
Skjörstadlien, Aug. 1883, leg. Ch. Kaurin, comm. G. Lim- 
pricht." — Ist das Original-Exemplar. Ist L. Uornschuchiana 
var. suhcompressa. 

^) Diese und die folgenden Pflanzen führe ich an, weil es Belege zu 
den Schriften von Heeg und Brei dl er sind. 

2) In Nees, Nat. eur. Leb., III, p. 547, ist dieses Exemplar zu /. corcyraea 
gestellt, ebenso in Syn. Hep., p. 103. 



406 



August V. Hayek. 



Bemerkungen über DiantJius Carthusia' 
noriim L. und verwandte Formen. 

Von 

Dr. August V. Hayek (Wien). 

(Eingelaufen am 30. Dezember 1904.) 

Zu den kritischesten Formen innerhalb der an und für sich 
schon genügend schwierigen Gattung Bianthus gehören zweifellos 
Biantlius Carthusianorum L. und einige seiner nächsten Verwandten, 
besonders Bianthus atrorubem All. Welcher Pflanze dieser letztere, 
auch vielfach mißdeutete Name gebühre, hat A. Kern er ^) trefflich 
auseinandergesetzt und es besteht jetzt kein Zweifel mehr, daß der 
Name atrorubens jener Nelke gebühre, die Chaix^) als Bianthus 
vaginatus beschrieben hat und die unter anderen auch Koch,^) 
nicht aber Keichenbach^) als Bianthus atrorubens bezeichnet 
haben. 

Kern er erwähnt a. a. 0. auch, daß Bianthus at/roruhens „dem 
cisalpinen Bianthus Carthusianorum a. L. sehr ähnlich ist und diesen 
im Süden auch vertritt". Kern er unterläßt es jedoch, die Unter- 
schiede zwischen beiden Formen genauer klarzulegen. 

Koch, der Allionis Pflanze, wie Kerner ausdrücklich hervor- 
hebt, richtig gedeutet hat, unterscheidet beide Arten folgender- 
maßen: 

B. Carthusianorum flor. in capitulum suhsexflorum aggregatis, 
squamis calycinis coriaceis hrunneo-scariosis, . . . vaginis latitudinem 
folii quater superantihus. 

B. atroruhens flor. in capitulum terminale 12 — 30 florum aggre- 
gatis, squamis calycinis coriaceis hrunneo-scariosis, . . . vaginis lati- 
tudinem folii quater su])erantil)us. 

^) Schedae ad Fl. exs. Austro-Hung., II, p. 64 ff. 
2) In Vill., Hist. d. pl. Dauph., III, p. 594 (1789). 
2) Syn. Fl. Germ, et Helv., ed. I, p. 95. 
^) Fl. Germ, exe., p. 805. 



Bemerk, üb. Biantlms Carthusianorum L. u. verwandte Formen. 407 



Demnach würde sich D. aironihens von D. Carthusianorum 
nur durch die bedeutend größere Zahl von Blüten in einem Köpfchen 
unterscheiden. Koch fügt aber dann noch bei D. atroruhens hinzu, 
^verha descriptionis: ,squamae transparentes ex alhido-ruhentes' iam 
saiis hanc speciem indicant'^. Dieses Merkmal der auffallend blassen, 
von den dunkeln Kelchen sehr abstechenden Kelchschuppen ist 
nun allerdings sehr charakteristisch und z. B. an den von Porta 
in Südtirol gesammelten, in der Flora exsiccata Austro-Hungarica 
unter Nr. 538 ausgegebenen Exemplaren, auf welche sich Kern er s 
zitierte Besprechung in erster Linie bezieht, sehr deuthch zu sehen. 
Ich halte gerade dieses Merkmal für sehr wichtig; merkwürdiger- 
weise steht es aber mit den Worten in Kochs Diagnose „squamis 
cahjcinis hnmneo-scariosis" in Widerspruch. 

In der zweiten Ausgabe der Synopsis^) führt Koch außer 
den genannten noch ein zweites Unterscheidungsmerkmal an; bei 
D. Cartliusianorum soll die Platte der Kronblätter so lang wie ihr 
Nagel, bei D. atrorulmis nur halb so lang sein. Auch dieses Merk- 
mal steht mit den Ausführungen Kerners in keinem Widerspruche, 
da Kern er 2) zw^ar den I). atroruhens wiederholt im Gegensatze zu 
D. Fontederae als großblütig bezeichnet, nirgends jedoch sich über 
das Verhältnis der Platte zur Länge des Nagels ausspricht. 

Ähnlich stellt auch Williams^) die Unterschiede zwischen 
beiden Arten dar. Nach Williams gehört D. atroruhens neben 35 
anderen Formen als Varietät zu D. Carthusianorum; den D. Car- 
thusianorum Mitteleuropas bezeichnet er als a) eu- Carthusianorum. 
Dieser gehört in die Grex eu- Carthusianorum, die er folgender- 
maßen charakterisiert: Viridis, glaher; florihus 2 — 6, lamina — un- 
cjuem, während die Grex ferruginei, zu der D. atroruhens gehört^ 
folgendermaßen beschrieben ist: Viridis, glaher. Vagina foUi diam. 
4-plo longiore. Capitidum multiflorum, lamina = unguis. Außer- 
dem hat a) eu- Carthusianorum „hracteae elliptico-ohlongae ventricoso- 
coriaceae rectae, q) atroruhens, hracteae ohlongae planae, hasi suh- 



^) Syn. Fl. Germ, et Helv., ed. II, p. 103. 
2) A. a. 0., p. 65, 66, 67. 

^) A monograph of genus Vianthus in Journ. of Linn, Soc. (Botany), 
XXIX, p. 372, 374. 



408 



August V. Hayek. 



herhaceae kmc ruhello-scariosae" . Der Gesamtart D. Carthusianoruni 
schreibt Williams u. a. „caules simplices 4-angul(wes" zu. 

Ganz andere Unterscheidungsmerkmale zwischen beiden in 
Rede stehenden Arten führt Fritsch^) an. Fritsch schreibt beiden 
Arten (im Gegensatze zu D. Pontederae und D. sanguineus) Kron- 
blätter zu, deren Platte ungefähr so lang als ihr Nagel ist, und 
unterscheidet D. vaginatus Chaix (= atroruhens All, Kern., Koch) 
und B. Carthusianorum folgendermaßen: 

Stengel vierkantig; Bltitenköpfchen meist reichblütig; Kelchschuppen 
lederig-häutig D. vaginatus Chaix. 

Stengel fast stielrund; Blütenköpfchen armblütig; Kelchschuppen 
krautig D. Carthusianorum L. 

Fast mit denselben Worten finden wir auch bei Schinz und 
Keller^) die Unterschiede zwischen beiden Arten auseinander- 
gesetzt; freiUch werden dann in der Beschreibung die Hochblätter 
und Vorblätter des D. Carthusianorum als „braun, . . . mit trocken- 
häutiger Granne" bezeichnet. 

Wie aus diesen Darlegungen hervorgeht, sind die beiden Arten, 
die ja von den meisten Autoren als solche anerkannt werden, nur 
durch geringfügige Merkmale unterschieden und es ist jetzt unsere 
Aufgabe, die verschiedenen Angaben genauer zu prüfen. 

Was die Zahl der Blüten in einem Köpfchen betrifft, ist es 
ja zweifellos richtig, daß B. atroruhens im allgemeinen reichblütiger 
ist als D. Carthusianorum, doch sind auch bei letzterem Köpfchen 
mit mehr als sechs, ja selbst mit 10 Blüten keineswegs selten. 
Wichtiger ist der Unterschied in den Kelchschuppen. Diese sind 
bei D. Carthusianorum lederig, heller oder dunkler braun, derb, 
manchmal mit grüner, meist aber mit trockenhäutiger, plötzlich 
aufgesetzter Grannenspitze; wirklich krautig, d. h. grün, habe ich 
sie freilich nicht beobachtet; bei D. atroruhens sind sie häutig, 
nicht lederig, durchscheinend, sehr hell, rötlichgelb, nur gegen die 
Spitze etwas dunkler, rasch in die Granne verschmälert. Die Platte 
der Kronblätter ist, die ganz großblütigen Formen des D. Carthusia- 



Exkursionsflora für Österreich, S. 197. 
2) Flora der Schweiz, S. 168. 



Bemerk, üb. Diantims Carthusianorum L. u. verwandte Formen. 409 



norinn var. alpestris Neilr. ausgenommen, bei beiden Formen stets 
etwas kürzer als der Nagel^ bei 1). CaHhusiauorum etwa ^Z^, bei D. 
airoruhens nicht viel über ^j.^ so lang-, dabei aber immer noch 5 — 6 mm 
lang, also bedeutend länger als bei D. Pontederae, bei dem er nur 
3 — 4 mm mißt. Was die Beschaffenheit des Stengels betrifft, muß 
ich gestehen, daß ich denselben nicht nur bei D. atronibens, sondern 
auch bei D. Carthiislanorum und anderen verwandten Arten, wie 
D. tenuifolius Schur, B. Pontederae Kern., stets deutlich (wenigstens 
im oberen Teile) vierkantig gefunden habe. 

D. atroruhens All. und D. Carthusianorum L. würden sich 
demnach folgendermaßen von einander unterscheiden: 



B. atrorubens. 

Blütenköpfchen 3 — 20 (—30), 
meist etwa lOblütig. 

Kelchschuppen trockenhäutig, am 
Grunde fast durchscheinend, 
hell^ rötlichweiß bis strohgelb 
oder blaßbraun, gegen die Spitze 
zu dunkler, breit eiförmig, in 
eine grannige Spitze von etwa 
gleicher Länge des erweiterten 
Teiles rasch verschmälert, 
länger als der halbe Kelch. 

Platte der Kronblätter länger als 
der halbe Nagel, 5 — 6 7mn lang, 
dunkelpurpurn, am Grunde 
schwach gebartet, vorne ge- 
zähnt. 



B. Carthusianorum. 

Blütenköpfchen 2—12, meist 
sechsblütig. 

Kelch schuppen lederig- trocken- 
häutig, braungelb bis dunkel- 
braun, breit eiförmig, abgerun- 
det, mit plötzlich aufgesetzter 
granniger trockenhäutiger, sel- 
ten grüner Spitze von etwa 
gleicher Länge des erweiterten 
Teiles, länger als der halbe 
Kelch. 

Platte der Kronblätter ^/^ so lang 
bis so lang wie ihr Nagel, 6 
bis 12 mm lang, purpurn oder 
rosenrot, am Grunde schwach 
gebartet, vorne gezähnt. 



410 



V. Schiffner. 



Über die Variabilität von Nardia cremdata 
(Sm.) Lindb. und N. hyalma (Lyell) Carr. 

Von 

V. SchifFner (Wien). 

(Eingelaufen am 30. Dezember 1903.) 

Es gibt wohl kaum eine zweite Lebermoosspezies in der 
europäischen Flora, die eine so immense Variabilität aufweist, wie 
Nardia cremdata. Die extremsten Formen sind der bekannten 
typischen Form in allen Beziehungen so vollkommen unähnlich^ 
daß man sie ohne Bedenken für sehr gute Spezies bezeichnen 
müßte (und das ist teilweise tatsächlich geschehen, vergl. Junger- 
mannia gracillima Sm., Jg. GentJiiana Hüben., Aplozia cristulata 
Dum.), wenn uns eine sorgfältige Beobachtung nicht gezeigt hätte, 
daß sie tatsächlich aus der typischen Form hervorgegangen sind; 
ja in den meisten Fällen können wir die so kolossalen Verände- 
rungen auf ganz bestimmte äußere Einflüsse zurückführen. 

Ich will hier zunächst die Richtungen der Variabilität bei N. 
cremdata im allgemeinen andeuten.^) 

1. Die typische Form bildet auf mäßig feuchter, lehmiger 
Erde Stämmchen von circa 1 cm Länge mit dicht stehenden, groß- 
zellig gesäumten Blättern und glatten Perianthkielen. An schattigeren 
Stellen ist die Pflanze völlig grün, an lichteren bis sonnigen Stellen 
mehr oder weniger gerötet bis intensiv karminrot (f. rubra). 

2. Etiolierte Formen, die wir als var. gracillima (Sm.) Hook.' 
zusammenfassen. Es sind Landformen, die an ähnhchen Orten und 
oft gemeinsam mit der typischen Form wachsen. Über den Zu- 
sammenhang derselben mit äußeren Lebensbedingungen sind wir 
im Unklaren. Sie entwickeln zahlreiche, meist sterile fädige Sprosse 
mit sehr kleinen, sehr entfernt stehenden Blättern, ganz ohne 
großzelligen Saum oder nur hier und da mit einer schwachen An- 



^) Man vergleiche auch die krit. Bem. zu Hep. eur. exs., Nr. 57—61. 



über die Variabilität von Nardia crenulata und N. hyalina. 411 

deutung- desselben. Auch die fruchtenden Pflanzen sind sehr 
schmächtig und kleiner, der Blattsaum ist wenigstens an den In- 
volucralbliittern meist ziemUch gut ausgebildet. Alle Übergänge 
zwischen diesen Formen und der typischen sind bekannt (vergl. 
Schiff ner, Hep. eur. exs., Nr. 58). 

Interessant ist es, daß von der var. gracillima ebenfalls rein 
grüne und auch mehr weniger rote Formen vorkommen, wir können 
also auf Lichtmangel allein die Entstehung solcher Formen nicht 
zurückführen. 

Ferner muß erwähnt werden, daß die Blattzellen bei diesen 
Formen (wenigstens an den sterilen Sprossen) erheblich kleiner 
sind als bei den typischen Formen. Es verdient das besonders 
hervorgehoben zu werden, da die Größe der Zellen bei den Leber- 
moosen für gew^öhnlich ein Merkmal ist, welches nur äußerst wenig 
von der Variabilität tangiert wird. 

3. Die Perianthkiele sind bei gewissen Formen nicht glatt, 
sondern mit warzigen Höckern bedeckt. Dieses Merkmal tritt bei 
Formen auf, welche in ihren sonstigen Merkmalen der forma typica 
entsprechen (var. cristnlata = Aplosia cristulata Dum.), und bei 
var. gracillima (f. tuherculata Schfifn. in Hep. eur. exs., Nr. 60). 

Ich habe mich in den krit. Bem. zu Hep. eur. exs., Nr. 60 so 
ausführUch über diese Formen geäußert, daß ich hier darauf ver- 
weisen kann. Ich möchte hier nur andeuten, daß sich auf dieses 
Merkmal, so nebensächlich es auch scheint, noch am ehesten eine 
Subspezies gründen ließe, da es bis zu einem gewissen Grade 
erblich zu sein scheint. Gestützt wird diese Ansicht durch die 
Beobachtung, daß in manchen Gegenden nur Formen mit glatten 
Perianthkielen, in anderen aber nur solche mit tuberkulierten 
Kielen vorzukommen scheinen. Es wäre höchst wünschenswert, daß 
die Floristen über die Verbreitung dieser beiden Typen in ihren 
Florengebieten genaue Beobachtungen anstellen würden. 

4. Wasser formen von Nardia crenulata sind merkwürdiger- 
weise erst in neuerer Zeit bekannt geworden. Lim p rieht bemerkt 
in seiner Kryptogamenfl. v. Schles., I, S. 269: „sogar in Sümpfen 
schwimmend", ohne aber die Pflanze zu beschreiben; mir ist diese 
Pflanze leider nicht zu Gesicht gekommen. 



412 



V. Schiffner. 



Es ist eine bekannte Tatsache, daß viele subhygrophile Leber- 
moose eine eminente Anpassungsfähigkeit an das aquatische Leben 
haben. Ich möchte als Beispiele hier nur an einige erinnern: 
Fellia (alle drei Arten), Lophozia inflata, Cephalosia Lammersiana, 
Scapania undulata und dentata, Kanüa Trichomanis, Chüoscyphus 
polyantlms, Harpanthus Flotowianus, ja selbst Xerophyten wie Fti- 
lidum ciliare. Daß die Pflanzen bei ihrer Anpassung an das Wasser- 
leben auch morphologische Veränderungen erfahren und ihr Gesamt- 
aussehen oft beträchtlich ändern, ist bekannt. Die Wasserformen 
weichen von den entsprechenden Landformen gewöhnlich in fol- 
genden Richtungen ab: 1. sie sind steril, 2. viel größer, 3. die 
Stengel sind sehr lang gestreckt (oft mehr als 10 mal so lang als 
bei den kleinsten Landformen), 4. Stengel fleischig, nicht gebräunt, 
fragil, 5. Rhizoiden spärlich, 6. Blätter meist viel größer und oft 
besonders in die Breite stark entwickelt, 7. Blätter schlaff oder 
sehr fragil, 8. Zellen dünnwandig, meist chlorophyllreich, von meri- 
stematischem Aussehen, 9. Zellen oft etwas größer als bei den 
Landformen, 10. Verzweigung reichlich, häufig Auftreten klein- 
blättriger Sprosse, 11. auch bei Spezies, deren Landformen tief 
gebräunt oder gerötet zu sein pflegen, sind die Wasserformen 
meistens gelbgrtin bis saftgrün (die Zellwände sind ungefärbt). — 
Bei manchen Arten, z. B. Chiloscyphus polyanthus, zeigen die Formen 
aus fließenden Gewässern (var. rivularis) deutliche Verschieden- 
heiten von denen stagnierender Wässer (var. erectus Schffn.). 

Die Wasserformen von N. crenulata, denen ich in letzter Zeit 
ein eingehenderes Studium gewidmet habe, zeigen die genannten 
Eigentümlichkeiten im allgemeinen ebenfalls, jedoch in den extremsten 
Formen in so weitgehender Ausbildung, wie ich es noch für keine 
zweite Lebermoosspezies konstatieren konnte, und überdies weisen 
sie einige besondere Eigentümlichkeiten auf, so daß sie auch sehr 
erfahrene Bryologen irreführen können; es wird daher nützlich sein, 
dieselben zu besprechen, zumal mir nun schon ein Material vorliegt, 

^) Ein nicht mit diesen Pflanzengruppen völlig Vertrauter dürfte oft 
schwerlich glauben, daß zwei solche extreme Formen derselben Spezies an- 
gehören können. Nicht uninteressant dürfte es sein, wenn man z. B. eine sub- 
xerophytische Landform (Hep. cur. exs., Nr. 133) von Lophozia inflata mit deren 
schwimmenden Wasserform (Hep. eur. exs., Nr. 131, 132) zusammenhält. 



über die Variabilität von Nardia cremdata und N. hyalina. 413 



das einen Einblick in die allmähliche Umwandlung* der typischen 
N. cremdata in diese Formen, die ihr äußerHch absohit nicht mehr 
ähnlich sind, verfolgen läßt. 

Ich beginne mit der allerextremsten mir bekannten Form: 
Nardia crenulata var. turfosa (Warnst.) SchfFn. — Diese Pflanze 
wurde mir seinerzeit von meinem hochverehrten Freunde Herrn 
C. Warnstorf zur Begutachtung zugesandt, aber von mir damals 
falsch beurteilt. Ich konnte damals kaum ahnen, daß diese Pflanze 
zu N. cremdata gehören könne, da mir Bindeglieder zwischen diesen 
Extremen noch unbekannt waren und ich in der ganz unrichtigen 
Ansicht befangen war, daß Wasserformen dieser Spezies den etio- 
lierten Formen (var. gracülima) ähneln müßten; zudem war das 
Material sehr ungünstig präpariert, so daß kaum ein ganzes Blatt 
daran wahrzunehmen war. Ich hielt daher die Pflanze für eine 
Wasserform der N. hyalina, jedoch machte mich Herr Warnstorf 
darauf aufmerksam, daß dies doch wohl nicht möglich sei^ wegen 
der Differenzen im Zellnetz. Er neigte sich der Ansicht zu, daß 
die Pflanze zu Aplosia corclifolia als var. turfosa gehöre und hat 
sie unter diesem Namen in Kryptogamenfl. v. Brandenburg, I, S. 149 
beschrieben. Daß diese Deutung unmöglich ist, geht aus dem Stand- 
orte und aus der Überlegung hervor, daß wir bei Ä. cordifolia, die 
selbst eine Wasserpflanze ist, solche fundamentale Unterschiede aus 
Anpassungen nicht erklären können. Für A. cordifolia ist die Ver- 
engung der Blattbasis, die Verschmälerung der Blattspitze (also die 
„herzförmigen" Blätter), die nahezu quere Insertion und die trüb 
dunkelgrüne Farbe geradezu charakteristisch. Ich werde sofort 
zeigen, daß bei unserer Wasserform die deutHche Tendenz, gerade 
das Gegenteil zu produzieren, vorhanden ist. 

Der Entdecker der Pflanze, Herr Ch. Zahn, hatte auf meine 
Bitte hin die große Liebenswürdigkeit, mir dieselbe im August 1902 
in 80 prachtvollen Exemplaren am Original-Standorte für meine 
Hep. eur. exs. zu sammeln, wo sie seinerzeit ausgegeben wird, so 
daß man sich leicht von der Richtigkeit meiner Angaben wird 
überzeugen können. 

Die Scheda lautet: „In großen halbkugeligen Polstern im 
Wasser eines Torfgrabens im mittleren Keuper (347 ; Nürnberg: 
Fürth bei Schwabach." — Wie man aus dem reichen Materiale 



414 



V. Schiffner. 



sofort erkennen kann, sind diese Polster nicht eigentlich fest- 
gewachsen, sondern ruhen mit ihrer Basis in dünnem Schlamme, 
so daß die Form wohl in gleichem Sinne als „schwimmend" be- 
zeichnet werden kann, wie etwa Lophosia inflata var. natans, wo 
dasselbe der Fall ist, wo aber die Rasen bei sehr tiefem Wasser | 
sich leicht vom Grunde loslösen (wohl durch Ansammlung von 
Gasblasen) und dann gelegenthch wirkUch freischwimmende Watten 
bilden (man vgl. Hep. eur. exs., Nr. 131, 132). 

Die Pflanzen sind unten bräunlich, oben gelbgrün und bis- 
weilen über 10 cm lang, der Stengel ist ziemlich dick, fleischig, 
fragil und durchwegs blaß gelblichgrün. Kleinblätterige, oft nahezu 
stolonenartige Äste sind reichlich und entspringen stets aus der 
ventralen Achsel der Stengelblätter. Die untersten Blätter kann 
ich nie „eiförmig" finden, i) man kann sie etwa als kreisförmig 
bezeichnen, mit breiter Basis sehr schräg angeheftet und dorsal 
herablaufend. Schon etwas weiter oben am Stengel beginnen die 
Blätter eine Tendenz zu sehr starker Verbreiterung ihrer Basis zu 
zeigen, was wohl zum Teile mit der abnorm starken Langstreckung 
des Stengels zusammenhängt. Diese mittleren Blätter des Stengels 
sind sehr schräg (nahezu längs) inseriert, sind im Umrisse etwa 
halbkreisförmig, sind also i doppelt so breit als lang und 
laufen dorsal weit herab und an der ventralen Basis, was höchst 
merkwürdig ist, ein Stück am Steugel hinauf, was auch nur so zu 
erklären ist, daß das Stengelstück, an welches das Blatt mit seiner 
Basis angewachsen ist, sich abnorm in die Länge gestreckt und 
dadurch die Blattbasis sozusagen abnorm in die Breite gedehnt hat. 
Die oberen Blätter des Stengels, welche also die Blätter in ihrer 
vollsten Entwicklung repräsentieren, sind ebenfalls ziemlich entfernt 
stehend und auch nahezu fast längs inseriert^ doch sind sie noch 
breiter, so daß sie oft mehr als doppelt so breit als lang 
sind.2) 

^) Die etwas abweichende Angabe von Warnstorf, 1. c, ist wohl darauf 
zurückzuführen, daß sich an seinem Materiale dieselben nicht mehr vollständig 
aufweichen ließen. 

^) Ein sorgfältig losgetrenntes Blatt messe ich an der längsten Stelle 
mit 0*8 in der Breite (ohne das dorsal herablaufende Stück) mit Vhmm 
(nach Warnstorf, 1. c, ist das Verhältnis 1 X 1'3 



über die Variabilitiit von Nardia crenutata und N. hyalina. 415 



Die Zellen sind: submarginale 29^, mediane 3G— 40^, basale 
40 X 40 — 40 X 60 ^i. Die Randzellen sind an den meisten Blättern 
den submarginalen nahezu gleich. Es gelingt aber in jedem Rasen 
einige Pflanzen zu linden, wo man an den obersten Blättern ganz 
deutlich einen großzelligen Rand angedeutet sieht; ja ich 
konnte einige Pflanzen isolieren, wo an den obersten Blättern der 
großzellige Rand nahezu genau so auffallend entwickelt war wie 
bei der typischen N. cremdata und auch ringsum etwas verdickt 
war wie bei dieser. Ich maß ihre Größe an der Blattspitze in 
einem Falle mit ± 50 (.i (also etwa doppelt so groß als der Durch- 
messer der submarginalen Zellen!). Dieser Umstand genügt allein 
schon als ganz sicherer Nachweis, daß die in Rede stehende 
Form zu N. cremdata gehören muß, denn es ist überhaupt keine 
zweite Lebermoosspezies bekannt, welche diese charakteristische 
Säumung des Blattes aufweist. Daß dieser bei unserer Wasserform 
so sehr sporadisch und meist nur andeutungsweise auftretende Saum 
nicht etwa ein durch Neuanpassuug erworbenes, sondern sicher 
atavistisches Merkmal ist, bedarf kaum einer Erwähnung; als Beweis 
dafür mag noch angeführt werden, daß der Saum gerade an Pflanzen 
und Blättern auftritt, die viel weniger die extremen Anpassungen 
an das Wasserleben aufweisen. Die gesäumten Blätter waren in 
allen beobachteten Fällen minder in die Breite entwickelt, näherten 
sich der Kreisform und ihre Zellen zeigten kleine, aber deutliche 
Ecken Verdickungen. 

Ich kenne die N. crenutata var. turfosa noch von einem zweiten 
Standorte in Bayern: Fichtelgebirge; schwimmend in einem Graben 
bei Mähring, Jänner 1903, leg. Schwab, woher sie mir Herr Dr. 
Ig. Familler zur Bestimmung sandte. Sie unterscheidet sich in 
Blattform, Zellnetz und allen wesentlichen Merkmalen nicht von 
der früher besprochenen Pflanze, ist aber nach der Scheda wirklich 
„schwimmend" und ist intensiver grün gefärbt. 

An die var. turfosa schließt sich als minder extreme, aber 
immer noch typische Wasserform an: Var. sidjaguatica Scliffn., die 
ich in den Bryol. Fragm., VI., beschrieben habe. Sie unterscheidet 
sich von var. turfosa durch folgende Merkmale: Pflanzen viel 
kleiner, nur ca. 2 cm, am Grunde angewachsen (entschieden nicht 
schwimmendj, Blätter dichter, minder extrem verbreitert, kleiner 

Z. B. Ges. Bd. UV. 29 



416 



V. Schiffner. 



(aber immer noch größer als bei der typischen N. cremdata). Blatt- 
zellnetz ganz ähnlich, aber die Zellen unbedeutend kleiner. Pflanzen 
mit typisch entwickeltem, großzelligem Saume der obersten 
Blätter finden sich hier und da im Basen. Diese Varietät stellt 
eine ausgezeichnete Verbindung der var. turfosa mit den typischen 
Landformen der N. crenulata dar. 

Der var. suhaquoMca steht sehr nahe eine sterile Pflanze, die 
ich früher ganz unrichtig beurteilt habe, was auf die irrtümliche 
Idee zurückzuführen ist, daß ich annahm, Wasserformen von N. crenu- 
lata, in die ich damals noch keinen EinbUck hatte, müßten der 
var. gracillima ähneln, ja deren Eigentümlichkeiten noch im erhöhten 
Maße zeigen. Ich hielt die Pflanze daher für nicht hierher ge- 
hörig und verteilte sie in meinen Hep. eur. exs., Nr. 64 als Nardia 
hyalina (Lyell) Carr. var. gracüUnia Schfl'n. (man vgl. auch die 
Krit. Bem. zu Nr. 64). Das Studium der Wasserformen von JSf. crenu- 
lata hat mich veranlaßt, auch diese Pflanze nochmals genau zu 
revidieren und bin ich nun ganz sicher, daß sie zu dieser Spezies 
gehört und nicht zu N. hyalina. Ich war so glücklich, in den 
Basen Nr. 64 meines Handexemplares der Hep. eur. exs. einige 
Pflanzen zu isolieren, welche zweifellos an den obersten Blättern 
des Stengels den charakteristischen Saum aus großen, dickwandigen 
Zellen erkennen lassen. Die Blätter sind auch bei unserer Pflanze 
breiter als lang und zeigen die Form imd Größe wie bei var. 
suhaciuatica, von welcher sie sich durch folgende minder wesentliche 
Punkte unterscheidet: Pflanze gelbgrün, nicht aufrecht (daher die 
Basen mehr flach), jedoch ebenfalls nur sehr spärlich und kurz be- 
wurzelt, aber reichliche ventral axile, kleinblätterige Sprosse treibend, 
etwas kleiner (selten über 1 cm lang). Blätter ausgebreitet, entfernt 
bis sich berührend oder sich etwas deckend. Zellen etwas größer 
(selbst noch ein wenig größer als bei var. turfosa). Diese geringen 
Unterschiede dürften wohl auf den anormalen Standort zurück- 
zuführen sein; die Pflanze wächst nämlich nahe dem Grunde an 
senkrechten, wassertriefenden Sandsteinfelsen. Ich möchte daher 
für dieselbe keinen neuen Varietätnamen vorschlagen, sondern sie 
Nardia crenulata var. subaquatica f. rupestris nennen. 

Eine sehr interessante Erweiterung unserer Kenntnis der 
Wasserformen von N. crenulata bietet die Nr. 182 von Husnot, 



über die A'ariabilität von Kardia crenrdata und N. hijalina. 417 



Hej). Galliae exs. Vom selben Standorte (Avillö, Maine-et-Loire, 
^rars 1889, leg*. Hy) sind hier zwei Formen ausgegeben, von denen 
A als exumlata, ferflUs und B als immdata, stcriUs bezeichnet sind. 

Nr. 182 B ist eine extreme Wasserform, die im Grade der 
Anpassung an das aquatische Leben die var. turfosa erreicht, aber 
niorphologisch von dieser sehr verschieden ist. Sie bildet watten- 
artige Rasen, die losgelöst oder kaum angeheftet sind. Die Pflanzen 
erreichen über b cm, sind aber faden dünn, die Stengel nicht im 
entferntesten so dick wie bei var. turfofia und selbst viel dünner als 
bei var. si(ha(p(((tlca. Die Farbe neigt vom Grün zur Rötung und 
einzelne Pflanzen sind entschieden bräunlichrot gefärbt. Die Blätter 
sind viel kleiner als bei var. turfosa und sogar kleiner als bei 
var. suhaqnafira (etwa 0*5 mni hoch und 0*7 mm breit), ähneln aber 
denen der letzteren in der Form; auch hier sind sie meist be- 
deutend breiter als lang und dann wie bei ersterer dorsal herab- 
laufend und ventral am Stengel hin auflaufend. In einzelnen 
Fällen nähern sie sich etwas mehr der Kreisform. Alle Blätter 
sind sehr entfernt stehend, so daß die Lücke zwischen zwei 
Blättern oft viel breiter ist als die Basis des gegenüberstehenden 
Blattes. Kleinblätterige Sprosse aus der ventralen Blattachsel kommen 
auch hier oft vor, Rhizoiden sind spärlich. Das auffallendste ist 
aber die abnorme Kleinheit der Blattzellen gegen den Blatt- 
rand zu (die submarginalen messen nur ca. 23 /t), sie sind noch 
kleiner als die der var. gracillma. Von dem Saume konnte ich 
nur sehr sporadisch geringe Spuren nachweisen. Von var. suh- 
(tquatka unterscheidet sich diese interessante Form durch die in 
gewissem Sinne „schwimmenden" Rasen, die sehr bedeutende 
Langstreckung, die dünnen Stengel, sehr entfernten Blätter, die sehr 
kleinen Blattzellen etc. Ich schlage vor, diese Form mit dem von 
Husnot allerdings nicht „rite" publizierten Namen als var. inun- 
data zu benennen. Warum zwei ziemlich gleichgradig dem Wasser- 
leben angepaßte Formen, wie var. turfosa und var. immdata, so ver- 
schiedenes Aussehen haben und in den morphologischen Merkmalen 
sich so different verhalten, ließe sich nur entscheiden, wenn man die 
Standortsverhältnisse beider genau miteinander vergleichen könnte. 

Von großem Interesse ist auch die Nr. 182 A exundata, fertüis. 
Das ist keineswegs die typische Landform von N. rremdata; sie 

29* 



418 



V. Schiffner. 



ist augenscheinlich auf sehr weichem Schlamm untermischt mit 
verfaulten Blättern gewachsen. Die Rasen enthalten zahlreiche 
fruchtende Pflanzen, die sehr verlängert sind; ich isolierte 
solche von 3 cm Länge. Die unteren Blätter derselben zeigen 
keinen Saum, die oberen und die Involucralblätter haben aber 
ein ganz normales Zellnetz und einen Saum wie f. typica, die 
Perianthkiele sind glatt. Dazwischen wachsen kleinblätterige Pflanzen 
in großer Zahl, die ganz der var. gracillima entsprechen, 
mit der man die in Rede stehende Form vielleicht vereinigen könnte, 
wenn man sie nicht als eigene var. exundata bezeichnen will. Merk- 
würdig ist nun, daß diese in augenscheinlich engstem genetischen 
Zusammenhange mit der var. inundata (182 B) stehende Pflanze 
stets viel größere Blattzellen aufweist (und zwar auch an den 
Blättern der sterilen Sprosse) als erstere. 

Wir können uns zur Erklärung des Umstandes, daß die Zell- 
größe bei den Wasserformen so abnorm großen Schwankungen 
unterworfen ist, vorstellen, daß bei diesen die Blattzellen viel länger 
im meristematischen Zustande verharren als bei den Landformen 
und daß sie die längere Bildungsfähigkeit, veranlaßt durch uns 
unbekannte Faktoren, in zwei verschiedenen Richtungen ausnützen: 
einmal durch intensivere Teilung, wodurch Zellflächen aus zahl- 
reicheren, aber kleineren Zellen entstehen, und ein anderesmal durch 
minder intensive Teilung oder länger andauernde Größenzunahme 
der einzelnen Zellen oder durch beides zugleich, wodurch dann die 
abnorm großen und dabei großzelligen Blätter wie bei var. iurfosa 
entstehen. 



Ich darf diesen Gegenstand nicht beschließen, ohne einen Blick 
auf analoge Formen der Nardia hyalina (Lyell) Carr. zu werfen, 
da solche den analogen Formen der N. cremilata so täuschend ähn- 
lich sind, daß sie leicht damit verwechselt werden können, zumal 
da die Zellgröße auch hier etwas wechselt und keine sicheren Unter- 
schiede ergibt. Leider liegt mir von N. hycdina nur eine einzige 
wirklich aquatische (± submerse) Form vor, die eine etwa mit 
N. crenulata var. suhaqiiatica gleichgradige oder nur wenig höhere 
Anpassung an das Wasserleben aufweist, ich nenne dieselbe daher 



Ü^ber die Variabilität von Nardia crenulata und N. hyalina. 419 

passend: Nnrdia hyalina var. subaquatica.^) Sie stammt aus 
Böhmen, wo sie Dr. E. Bauer am 19. Juli 1897 in einer Wasser- 
riune an den Gehängen gegen die Moklau gegenüber Libschitz bei 
Prag sammelte gemeinsam mit einer subaquati sehen Form von 
Ceratodon purpurem, meist vollkommen steril (nur zwei ganz junge 
weibliche Infloreszenzen habe ich gesehen). 

Sie bildet am Grunde auf dem Substrat lose haftende, auf- 
rechte lockere Rasen von 2 — 5 cm Tiefe. Die Pflanzen sind oben 
grün, unten gebräunt, sehr schlank und schlaff, zeigen oft klein- 
blätterige Sprossen aus dem ventralen Blattwinkel und tragen ziem- 
lich reichliche, sehr lange Rhizoiden, die meistens ± rosenrot 
"cfärbt sind. Die Blätter minder langgezogener Pflanzen zeigen 
gegen die Spitze die Größe und Form derer der typischen Pflanze, 
sind aber minder dicht und fast ausgebreitet, ihre Zellen lassen 
dann auch meist kleine, aber sehr deutliche collenchymatische Ecken 
erkennen. Die Blätter an mehr verlängerten Pflanzen stehen noch 
entfernter und neigen stark zur eiförmigen Gestalt, sind also 
länger als breit; sie laufen dorsal weit herab, ventral sind sie 
nicht hinaufgezogen, sondern ebenfalls herablaufend, ihre Insertion 
ist schmäler als die breiteste Stelle des Blattes (es ergibt 
sich also eine total andere Form als bei den Wasserformen der N. 
crenulata!). Das Zellnctz solcher Blätter ist auch etwas verändert: 
Die Zellen sind erheblich kleiner (nicht größer als bei iV. crenu- 
lata var. inundata), dünnwandig und die Eckenverdickungen sehr 
reduziert bis ganz fehlend. Die untersten Blätter sind sehr entfernt 
stehend und laufen dorsal sehr lang herab. 

Die übrigen hier in Betracht kommenden Formen der N. 
hyalina sind ± laxe Formen feuchterer bis nasser Standorte^ ohne 
wirkliche Wasserformen zu sein. Sie sind aber immerhin inter- 
essant, da auch sie schon deutlich die Richtungen andeuten, in 
denen diese Art bei Zunahme der Feuchtigkeit des Standortes vom 
Typus abweicht. 

Schon Nees v. Esenb. hat in Naturg. d. eur. Leberm., I, S. 323 
eine solche Form als d. ramis sterilibus elongatis unterschieden. 



^) In schcdis habe ich sie als var. Baueriana bezeichnet und ist es 
möglich, daß sie Freund Bauer unterdessen unter diesem Namen verteilt hat. 



420 



V. Schiffner. 



Sehr nahe dieser dürfte 1. eine Form stehen, die Wondra- 
ezek im Sterntiergarten bei Prag gesammelt hat und die von Opiz 
in seinem Naturahentausch als ,^Jimg. ptimila With." ausgegeben 
wurde, und 2. ganz damit übereinstimmend eine Pflanze von sehr 
nassen Äckern oberhalb der Schleifmühle bei Böhm.-Leipa, Novem- 
ber 1886, leg. A. Schmidt.^) 3. Eine Pflanze vom Finneloch bei 
Meran, 29. März 1899, leg. Fr. Stoltz, comm. Matouschek. Von 
1 und 2 sah ich wohl entwickelte Perianthien, die ganz mit denen 
der typischen Form, auch im Grade der Verwachsung mit dem In- 
volucrum^ übereinstimmen. In der Nähe von 3 wuchs eine reich- 
lich fruchtende, mit Nardia minor var. insecta (Lindb.) Arn eil ge- 
mischte Form, die durch die sehr weit hervorragenden Perianthien 
zu der var. lieteromorplia Gott, in Gott, et Rabh., exs., Nr. 234 
zu stellen wäre. Letztere ist übrigens auch eine Form, die in den 
vegetativen Organen mit den soeben genannten gut übereinstimmt, 
jedoch durch das Perianth sehr auffallend ist, es scheint also immer- 
hin gerechtfertigt, sie durch einen eigenen Varietätnamen kenntlich 
zu machen. — Alle diese Pflanzen sind hellgrün, niederliegend oder 
aufsteigend, mit langen, oft rosenroten Rhizoiden versehen, 
dünner und schlaffer als die Normalform, Blätter kleiner, entfernter, 
mehr weniger ausgebreitet und besonders in den unteren und 
mittleren Stengelteilen deutlich eiförmig. Das Zellnetz ent- 
spricht in Größe und Form der Zellen dem von N. cremdata var. 
turfosa, jedoch findet man einzelne Blätter (besonders im oberen 
Stengelteile), wo die collenchy matischen Zellecken klein, 
aber ganz deutlich sind.^) Einen Saum großer Zellen findet 
man nirgends angedeutet. Ich möchte vorschlagen, diese hygro- 
philen Formen, die sämtlich auf sehr feuchter Erde und Lehm 
wachsen, als var. ovalifolia zusammenzufassen.^) 

^) Über beide Pflanzen vgl. V. Schiff ner, Nachweis einiger für die 
böhmische Flora neuer Bryophyten („Lotos", 1900, Nr. 7), Sep.-Abdr., S. 5. 

^) Diese Art der Zellwandverdickimgen bildet überhaupt einen wesent- 
lichen Unterschied von N. liyalina und N. cremdata. Bei letzterer sind die 
Zellen (wenn das überhaupt der Fall ist, wie bei der typischen Form und var. 
cristulata etc.) ringsum nahezu gleichmäßig verdickt. 

Davon weicht eine ebenfalls etwas laxe, zarte und kleine Felsen- 
form, die stellenweise stark gerötet ist, etwas ab: „Italien: Prov. Como; 
Lipomo, an schattigen Felsen reich fruchtend, lO./IV. 1897, leg. F. A. Artaria." 



(iber die Variabilität von Nardia crenulata und N. hyalina. 421 



Die liier durcli den Druck liervorgeliobenen Merkmale sind 
zugleich die, welche alle mir bekannten liygrophilen nnd aquati- 
sclien Formen der X(ir(li(( IdjdJhui von den analogen Formen der 
N. cremdata auch im sterilen Zustande sicher unterscheiden lassen 
und bei der oft recht sch\vierii;-en Beurteilung* solcher meist völlig- 
steriler kritischer Ptlanzen besondere Aufmerksamkeit verdienen. 



Schließlich sei noch daran erinnert, daß auch N. scalaris 
(Schrad.) Gray und N. minor (N. ab E.) Arnell ganz analoge Reihen 
hygrophiler und aquatischer Formen bilden, eine Verwechslung der- 
selben mit den analogen Formen von N. crQuiilata und N. hyalina 
ist aber doch wohl nicht möglich, wenn man . das Vorhandensein 
der Amphigastrien berücksichtigt. Über die hygrophilen und aqua- 
tischen Formen der N. scalaris bitte ich die Krit. Bem. zu Hep. 
cur. exs., Nr. 69 — 71 zu vergleichen. Diese Reihe umfaßt folgende 
Typen: 1. var. |jrocerior Schffii. (stark hygrophile bis subaquatische 
Formen), 2. var. rlvidaris Lindb. (= f. rohusta Limpr. — robuste 
aquatische Formen), 3. var. distans Carr. (zarte, entfernt- und klein- 
blätterige aquatische Form). 

Auch N. minor weist eine ähnliche Formenreilie auf: 1. Var. 
suherecfa Lindb. [= Jung, scalaris var. repanda Hüben. = N. re- 
panda (Hüben.) Lindb., stark hygrophile bis subaquatische Formen]. 
2. Var. dovrensis (Limpr.) Schffn. Jimfj. dovrensis Limpr. in 
61. Jahresb. d. Schles. Gesellsch. f. vaterl. Kultur, 1884). — B. Kaa- 
laas stellt diese Form in De distrib. Hep. in Norvegia, p. 395 als 
Synonym zu var. sid)erecta, wogegen sich nichts einwenden läßt, 
wenn man den Umfang derselben weiter fassen will. Daß seine 
Jung, dovrensis analoge Anpassungen aufweise wie N. sccdaris var. 
ricidaris, ist schon Limpricht, 1. c. (Sep.-Abdr. S. 11), aufgefallen, 
ohne daß er die systematische Stellung der Pflanze richtig erkannt 
hatte. Genau dieselbe Varietät besitze ich als: Nardia haematosticta 
f. alpina sterilis. — Steiermark: Muritzental bei Mur im Lungau, ca. 
2000 wi, 20./V11I. 1878, leg. J. Breidler (ex Herb. Heeg) in Rasen 
von bis 4 cm Tiefe. Der Nachweis derselben in den Alpen ist von 
Interesse^ da damit bewiesen ist, daß es keine rein lokale Abweichung 
vom Typus ist. 3. Var. erecta Breidler, Leberm. Steierm. in Mitt. d. 



422 V. Schiffner. Über d. Variabilität von N. crenulata u. N. liyalina. 

nat. Ver. f. Steierm. für 1893, 8. 289, ist nach einem Original-Exem- 
plar meines Herbars eine vollständig- analoge Form mit N. Scolaris 
var. distans Carr. — Die aufrechten Rasen sind über 4 cm tief, die 
Pflanzen dünn, schlaff, kleinblätterig. Die Blätter nur wenig an der 
Spitze eingedrückt, sehr hohl, Zellen dünnwandig und auffallend 
klein. N. sccdaris var. distans ist bisweilen etwas größer, die Zellen 
sind viel größer. Alle Formen der N. scalaris sind von denen der 
N. minor sicher durch die Olkörper zu unterscheiden, die bei ersterer 
völlig glatt und durchsichtig sind, bei letzterer aber warzig (traubig), 
trübe; nicht selten zerfallen sie in sehr zahlreiche winzige Körnchen. 



Nachträge zur Lepidoptereiifaima 
der Bukowina. 

Von 

Konst. Freih. v. Hormuzaki 

in Czernowitz. 
(Eingelaufen am 2. Jiinnei- 1904.) 

Meine im Februar 1899 in diesen „Verhandlungen" unter dem 
Titel „Die SchmetterHuge der Bukowina" abgeschlossene Publi- 
kation^) enthält sämtliche bis inklusive 1898 aus der Bukowina 
bekannt gewordenen Arten der unter dem konventionellen Namen 
„Makrolepidoptera" zusammengefaßten Lepidopterenfamilien. 

Obwohl nun infolge der dort (Bd. XLVII, S. 84 ff.) erörterten 
eigentümlichen Verhältnisse, namentlich der geringen Individuenzahl 
oder des beschränkten örtlichen Auftretens verhältnismäßig vieler 
Arten, eine bedeutende Bereicherung des Faunenbestandes von 
vorneherein zu erwarten war und auch noch für später zu erwarten 
ist, hätte ich den vorliegenden Nachtrag noch für längere Zeit 
aufgeschoben, weiin nicht infolge des Zusammentreffens günstiger 
Umstände in der seither verflossenen Zeit eine solche Vermehrung 



1) Jahrg. 1897 (Bd. XLVII), S. 70 fr., 1898 (Bd. XLVIII), S. 426 ff. und 
1899 (Bd. XLIX), S. 32 ff. 



Nachtläge zur Lepidopterenfauna der Bukowina. 



423 



an interessauten Funden stattgefunden liätte, daß ein längeres Ver- 
zögern der Publikation derselben nicht mehr angezeigt erscheint. 

Einesteils waren es (im Juli 189U und Juni 1901) die Besuche 
des Herrn Pastors Pfitzner (aus Sprottau), wodurch ich zu neuer- 
lichen Ausflügen in die weitere Umgebung von Czernowitz angeregt 
wurde und wobei wir gemeinsam — obwohl es sich um schon be- 
kannte Gegenden handelte — zahlreiche interessante, meist bei 
Tage fliegende Arten erbeuteten; ferner einige von Herrn Pastor 
Pfitzner allein unternommene Exkursionen, namentUch in das 
bisher noch unerforschte Dniestergebiet ; dann mein Aufenthalt 
während mehrerer Sommer in noch wenig durchforschten Gegenden 
und schließlich der sehr ergiebige Fang an einer hell leuchtenden 
Laterne, welche Umstände sämtlich zu einer rascheren Erweiterung 
der Kenntnis der Bukowiner Lokalfauna während dieses Zeitraumes 
beitrugen. 

Was mich überdies noch zu der vorliegenden Publikation ver- 
anlaßte, war das mittlerweile erfolgte Erscheinen einiger hervor- 
ragender lepidopterologischen Werke, so namentlich der HL Auflage 
des Kataloges der Lepidopteren des paläark tischen Faunengebietes 
von Dr. Staudinger und Dr. H. Bebel sowie der (seit 1899, be- 
ziehungsweise seit 1901) im Erscheinen begriffenen „Natural history 
of the British Lepidoptera" von J. W. Tutt und der HL Auflage 
der ..Schmetterlinge Europas" von Dr. Arnold Spuler. Durch den 
Vergleich dieser Werke stellte es sich nämlich heraus, daß manche 
von mir früher aus der Bukowina ohne Benennung beschriebene 
Varietäten von anderen Autoren nach Stücken von verschiedenen, 
zum Teile asiatischen Lokalitäten entweder später benannt wurden 
oder schon benannt waren, ohne daß mir diese Benennung bekannt 
gewesen wäre, was im folgenden nachgetragen werden soll. 

An der Hand der neueren Beobachtungen kann ich mit P)e- 
friedigung feststellen, daß die in der Einleitung zu meiner Publi- 
kation über die Schmetterlinge der Bukowina (in diesen „Verhand- 
lungen", XLVII, S. 70 ff.) entworfenen allgemeinen Charakter- 
züge unserer Fauna durch die weiteren Funde nur bekräftigt 
wurden und in ihrer nunmehrigen größeren Vollständigkeit noch 
deutlicher hervortreten. Es soll bloß auf folgendes hingewiesen 
werden : 



424 



Konst. V. Hormiizaki. 



1. Die Grenzen der einzelnen Regionen, welche icli auf der 
(a. a. 0.) der Einleitung beigeschlossenen Karte hauptsächlich auf 
Grund von floristischen Beobachtungen eingetragen hatte, stellten 
sich an den seither genauer untersuchten Lokalitäten auch in lepido- 
pterologischer Hinsicht als sehr scharf und mit dem dort angenom- 
menen Verlaufe übereinstimmend heraus. Dies gilt insbesondere 
von dem (von WNW. nach OSO. gerichteten) mittleren Teile des 
großen Serethtales, wo ich während des Sommers 1900 in Ropcea, 
also genau an der noch in der Ebene längs des genannten Fluß- 
tales verlaufenden Grenze der pontischen (gemischten Laubwald-) 
und montanen Region, zu sammeln Gelegenheit hatte. Die Ergeb- 
nisse sind tatsächlich so wichtig, daß es sich lohnt, dabei etwas 
zu verweilen. Einesteils treffen wir dort in Ropcea am linken 
Serethufer Arten der Ebene, also der pontischen Fauna, 
welche auf das südlich geneigte Hügelgelände beschränkt, 
von der Talsohle, wo dieselben ihre Grenze gegen die (bis weit 
in die Ebene vorgerückte) montane (baltische) Region erreichen, 
sich nur weiter nördlich verbreiten; dieselben sind in der Gegend 
von Czernowitz häufig, wogegen sie am rechten Ufer und weiter 
südlich, z. B. in der gut erforschten Gegend des unmittelbar be- 
nachbarten Kupka, trotz südlicher Neigung der Abhänge zum 
kleinen Sereth, ebenso weiter im Gebirge (Krasna etc.) fehlen. 
Es sind folgende: Fap. Podalirkts nebst var. Zanclaeus, Argynn. 
Laodice, TJiecla Ilicis, Saturnia Fyri, Hadena Ähjecta, Unanimis, 
Opliiogramma, Zand. Tarsiphimalis, Hypopl. Adspersaria, Gaust. 
Flavicaria, Lüh. Farlnata, Zyg. Orion, wozu noch vier jedenfalls 
auch auf die pontische Region beschränkte, bisher aber sonst in der 
Bukowina nirgends beobachtete Arten gehören: Telesilla Amethystina, 
Ephijra Fupillana, Nola Centoncdis (nebst var. Atomosa)^ FsycJie 
Villosella. 

Andererseits dringen vom rechten Serethufer aus ebenfalls 
bis zur Talsohle Arten der montanen Region, welche dort in 
der feuchten Talebene meist schon am linken Ufer ihre Grenze 
gegen die Laubwaldregion erreichen und weiter nördlich im Hügel- 
lande sowie jenseits der Wasserscheide im Pruthtale trotz nördlicher 
Abdachung bestimmt fehlen. Dieselben sind weiter südlich in Kupka, 
Krasna und dem übrigen Gebirge verbreitet, und zwar: Agrotis 



Nachträge zur Lcpido})terentauna der Bukowina. 



425 



Obelisca, A. Nigricans, Lcuc. Fallens, Xyl. Farcifcra, Cat. Fromissa, 
Boarmla Secundaria, Lar. Vcspertaria, Nmneria Capreolaria, Nola 
Cristatula, Fei. Muscerda, überdies nocli zwei sonst in der Buko- 
wina nicht beobachtete und wohl ebenfalls ausschließlich in der 
montanen Kegion einheimische Arten: Dijsauxes Äncilla und Sesia 
Cephlformis. Von diesen montanen Arten sind auf das Hügelland 
am rechten Flußufer beschränkt (ohne also die Talsohle zu er- 
reichen): Secundaria, Capreolaria, Cephiformis. 

Die Grenze zwischen der Lepidopterenfauna der mon- 
tanen und der pontischen Kegion ist also dort ebenso deutlich 
ausgepräg-t wie diejenige der Floren- und klimatischen Gebiete 
und fällt mit dieser zusammen. 

2. Viele derjenigen Arten, welche ich (a. a. 0., Bd. XLVII, 
S. 81 — 83 ) als für die beiden Hauptregionen (pontische und mon- 
tane oder baltische Kegion Kerners) charakteristisch bezeichnet 
hatte, wurden seither an zahlreichen neuen Fundorten^ aber 
nur innerhalb der betreffenden Kegion aufgefunden, dazu 
noch einige wichtige, zum Teile extrem mediterrane Formen, wie 
etwa Ed. Cordiaria, Eplnjra Fupülaria, Cat. Büecta, Tel. Ame- 
flujstina u. a. Dadurch wird die Zahl der Arten, deren Polargrenze 
in diesem Teile Europas durch unser Gebiet zieht, ebenso bereichert, 
wie andererseits auch diejenigen, welche längs unserer Gebirge am 
weitesten nach Südosten dringen, um einige wichtige Funde ver- 
mehrt wurden, von denen im speziellen Teile die Kede ist. 

Nur ausnahmsweise dringen einzelne pontische Arten in die 
montane Kegion, so z. B. die in je einem Stück in den Jahren 
1900 — 1903 in Krasna aufgetauchten Cttc. FrenautJils, llad. Litlio- 
njlea, Orth. Macdenta, die wohl bloß während sehr heißer Zeit- 
perioden sich aus der Ebene dorthin verflogen haben, aber, da ich 
sie sonst durch so viele Jahre nie dort traf, kaum ständig an- 
gesiedelt sein dürften. 

3. Manche Arten, welche bisher nur von einem einzigen 
Fundorte l)ekannt waren, aber von mir nach ihrem sonstigen Vor- 
kommen als der einen oder anderen Kegion ausscliHeßlich eigen- 
tümlich bezeichnet wurden, haben sich ebenfalls als nur innerhalb 
der betreffenden Kegion weiterverbreitet erwiesen. Als Beispiele 
wären Caustoloma Flavicarla, andererseits Chr. Vmjaureae und 



426 



Konst. V. Hormuzaki. 



Zyg. TrifoUi zu erwähnen. Letztere war bisher nur aus Kupka 
(im Hiigellande mit montanem Charakter), die beiden ersteren 
bei Czernowitz beobachtet, aber Flavicaria in den tieferen Lagen 
und als pontische Art bezeichnet (a. a. 0., Bd. XLVII, S. 83 und 
Bd. XLIX, S. 47), Virgaureae dagegen aus den oberen Partien des 
Cecinaberges und ausdriickb'ch als baltische Art gezählt (a. a. 0., 
Bd. XLVII, S. 81 und- 129). Die Verbreitung dieser beiden Arten, 
welche hier bei Czernowitz an nahe beieinander ge- 
legenen Standorten fliegen, erweist sich nun tatsächlich 
als vollkommen entgegengesetzt. Caust. Flavicaria fand ich 
seither in Ropcea im erwähnten Hügellande am linken Serethufer, 
also bis zur Grenze des pontischen Gebietes, ohne daß dieselbe 
jemals in dem (gut erforschten) weiter südlich gelegenen Krasna etc. 
vorgekommen wäre. Von Virgaureae, ebenso von Zyg. TrifoUi hatte 
ich schon früher (a. a. 0., Bd. XLVII, S. 129 und 243), trotz der 
vereinzelten und außerhalb des Gebirges gelegenen Fundorte und 
trotzdem bei beiden Arten keine Beobachtung aus dem eigentlichen 
Karpathengebiete vorlag, die Vermutung ausgesprochen, daß sich 
deren Verbreitungsgebiet mit der baltischen (montanen) Region 
decken dürfte, was also durch die nunmehrige Auffindung beider 
Arten an vielen Punkten im Gebirge bekräftigt wird. 

4. Das aquilonare Gebiet (vgl. a. a. 0., Bd. XLIX, Nachtrag), 
wozu einige innerhalb der subalpinen Region gelegene südliche 
Abhänge mit natürlicher, gewissen Gegenden des Kaukasus ver- 
wandter Steppenvegetation gehören, zeichnet sich in lepidoptero- 
logischer Hinsicht dadurch aus, daß einige sonst bei uns auf das 
Tiefland (Steppen- und pontische Laubwaldregion) beschränkte Arten 
dort inselartig auftreten, während sie sonst der gesamten 
zwischen jener Gegend und dem Tieflande gelegenen sub- 
alpinen und montanen Zone fehlen. Die auffallendsten Bei- 
spiele in dieser Hinsicht sind: Lyc. Hylas, L. Corydon, Acidalia 
Humiliata, Orth. Plumbaria, Coscinia Striata, Zyg. Ächilleae, zu 
denen sich neuerdings Zyg. Ängelicae vom Muncel bei Pojorita 
sowie Limenitis Fopuli und Orth. Moeniata von Deia hin zugesellen, 
ebenso wie andererseits die bisher nur aus dem aquilonaren Ge- 
biete bekannt gewesene Ilesp. Carthami neuerdings am Dniester- 
plateau, also in der Steppenregion entdeckt wurde. 



Nachträg-e zur Lcpidopterenfjiuna der Bukowina. 



427 



5. In der Gegend von Czernowitz, welclie keine natürlichen 
Nadelwäkler besitzt, wurden seit nunmehr 14 — 20 Jahren größere 
Aufforstungen vorgenommen (so z. B. am sogenannten Weinberg 
mit Kiefern, auf der Habsburgshöhe mit Fichten, am Cecina mit 
beiden Baumarten). Zu den früher aufgezählten Arten, ^) welche 
sich mit den Nadelhölzern bei Czernowitz angesiedelt haben, kommen 
noch in neuester Zeit hinzu: Spldnx Finastri, Tex^lirod. Exi(ßiata 
und Bupaltis Finiar 'ms, so daß die vervollständigte Liste 1 1 solche 
monophage, an Koniferen lebende Arten für Czernowitz aufweist. 
Im Jahre 1892, als ich die ersten „Lepidopterologischen Beob- 
achtungen aus der Bukowina" (in den Entom. Nachrichten, Berlin) 
veröffentlichte, fehlten Pinastri und Finiarms, jedenfalls genug 
auffallende Arten^ in dieser Gegend. Bloß auf die gründlichere 
Erforschung der Umgebung von Czernowitz dürfte es aber zurück- 
zuführen sein, daß die letztere Art sowie alle fünf an Nadelholz 
lebenden Tephroclystien anderwärts, also in der eigentlichen mon- 
tanen Koniferenregion nicht beobachtet wurden, ein Beweis, wie 
viel noch dort zu entdecken wäre. Denn da die hierher ver- 
pflanzten Nadelhölzer aus Baumschulen des Radautzer Gebirges 
eingeführt wurden, müßten die wohl mit diesen Pflanzen als Eier 
oder Puppen hierher verschleppten Lepidopteren dort jedenfalls ein- 
heimisch sein. 

In der folgenden systematischen Aufzählung sind nur solche 
wichtige Bukowiner Lepidopterenfunde enthalten, welche als wesent- 
liche Ergänzung meiner früheren Beobachtungen nicht tibergangen 
werden durften, und zwar: 

1. Für das Gebiet der Bukowina neue Arten und Varietäten; 
diese sind durch größeren Druck hervorgehoben, ebenso wie 

2. Varietäten, die früher (a. a. 0., Bd. XLVII— XLIX) ohne 
Benennung genau beschrieben wurden und sich teils als schon be- 
nannt herausstellten, teils erst seither von anderen Autoren benannt 
wurden, also jedenfalls unter diesem Namen aus der Bukowina 
nicht erwähnt waren. 

^) Die dort (Bd. XLVII, Einleitung-, S. 8G) irrtümlicher Weise genannte 
Boarmia Secundaria kommt niclit bei Czernowitz vor, wie sclion aus der 
Aufzählung der Fundorte bei dieser Spnnnerart, Bd. XLIX, S. .^)2, zu er- 
sehen ist. 



428 



Konst. V. Hormuzaki. 



3. Wichtige Arten, deren im östlichen Europa durch unser 
Gebiet ziehende Arealgrenze erst jetzt genauer festgestellt werden 
konnte. 

4. Einige seltene oder sonst bemerkenswerte Arten, die bis- 
her nur in einzelnen Stücken aus dem Gebiete bekannt waren 
oder deren Funde nur von dem mehrfach erwähnten H. Schirl 
herrührten, die also seit 32 — 40 Jahren verschollen waren. 

5. Arten, die in ökologischer, phänologischer oder sonst irgend 
welcher Hinsicht eines wichtigen Nachtrages oder einer Richtig- 
stellung l)edurften. 

Glücklicherweise kann konstatiert werden, daß nach mehr- 
facher Untersuchung meines Sammlungsmateriales sich mit eine 
einzigen Ausnahme keine falsch bestimmte Art in den erwähnten 
Aufzählungen findet. Diese eine ist die a. a. 0., Bd. XLVII, S. 313 
und Bd. XLIX, Nachtrag als Centomdis aufgeführte Nola-Art, welche 
mir als solche von mehreren Entomologen damals bezeichnet wurde, 
sich aber nachträglich als eine sehr zeichnungsarme Cristatula 
herausstellte, während die wirkliche Centonalis erst 1900 von mir 
aufgefunden wurde. 

Selbstverständlich wurden noch bei einer überaus großen Zahl 
von Arten neue Fundorte festgestellt, teils an solchen Orten, wo 
schon lange gesammelt wird, teils aber an früher in lepidoptero- 
logischer Hinsicht wenig oder gar nicht bekannten Lokalitäten. 
Auf diese Weise hat sich die Lokalfauna von Czernowitz von 611 
auf 637 Arten, diejenige von Krasna von 417 auf 453 erhöht. In- 
soferne dabei und namentlich an den weniger bekannten Fundorten 
viele weitverbreitete Arten gefunden wurden, deren Vorkommen 
wohl als selbstverständlich zu erwarten war, wurden dieselben 
überhaupt nicht erwähnt, vielmehr mag die vollständige Zusammen- 
stellung aller Fundorte einer eventuellen späteren katalogartigen 
Zusammenfassung vorbehalten bleiben. 

Gerne hätte ich dagegen schon jetzt die aus der Bukowina 
bekannten Microlepidopteren hinzugefügt, umsomehr, nachdem sich 
deren Berechtigung als besondere Superfamilie schon längst als 
hinfälhg erwiesen hat. Eine solche Aufzählung ist mir jedoch bis- 
her noch immer nicht möglich, da die allerkleinsten, zum Teile 
nur durch Zucht zu erlangenden Gruppen teils (z. B. JSfejjtmda etc.) 



Nachträge zur Lepidopterenfaiina der Bukowina. 



429 



änzlich fehlen oder doch nicht in hinlänglicher Anzahl guter und 
ine sichere Bestimmung crmr)glichender Exemplare vertreten sind, 
aher eine Zusammenstellung der bisher bekannten Arten ein höchst 
inseitiges l>ild bieten würde. 

Herrn Dr. Rebel, welcher so freundlich war, sämtliche 
'eph'och/stia- sowie einige andere schwierigere Formen zu be- 
timmen, drücke ich auch auf diesem Wege meinen verbindlichsten 
ank aus, ebenso dem Herrn Prof. Dr. A. Pawlitschek und Herrn 
. k. Gerichtsadjunkten S. Jasilkowski, welche mir ihre in Deia 
im Gebirge nördlich von Kimpolung, ca. IbO m hoch gelegen) und 
'ezebrody am oberen Sereth, beziehungsweise in Wiznitz und 
ei Czernowitz gesammelten Arten zur Benützung überließen. 
Mein eigenes Sammelgebiet umfaßte seit 1899 folgende Orte: 
Von Mitte oder Ende Juli bis Ende September 1899 und 1901 
ammelte ich im Gebirge im südlichen Landesteile mit Pojorita, 
beziehungsweise Dorna als Standort, von wo aus ich Ausflüge und 
Bergpartien (zum Teile schon auf das Gebiet von Siebenbürgen 
nd Rumänien) unternahm, darunter innerhalb der Bukowina auf 
en Kareu, Muncei, Ousor etc. (vgl. darüber die Karte a. a. 0., 
d. XLVIIj, 1900 in Kopcea, wovon schon die Rede war; 1902 
nd 1903 in dem früher (a. a. 0.) oft erwähnten Krasna, wogegen 
h während der übrigen günstigen Jahreszeit (abgesehen von einigen 
ürzercn Ausflügen in die obigen und andere Gegenden) in und 
m Czernowitz manche interessante Beobachtung anstellen konnte. 

Die folgende Tabelle mag die Verteilung der bis inklusive 
903 aus der Bukowina bekannten Lepidopteren auf die in der 
IL Auflage des Kataloges von Staudinger und Rebel im 
rsten Teile angenommenen Familien veranschaulichen. Von mittel- 
uropäischen Familien fehlen: Thaumetopoeklae, lliyrididae, Hetero- 
ynidae. Die Gesamtzahl von 859 Arten weist gegenüber der (a.a. 0., 
d. XLIX) bis zum Schlüsse des Jahres 1898 festgestellten eine 
ermehrung von 25 Arten auf. 

liliopcdocera 134 Lasiocampidae ... 15 

Sphingidae 18 End/romididae .... 1 

Notodoräidae .... 29 Lemoniidae 1 

Lym(intrüd(ie . . 16 | Sahirniidae ..... 4 



430 



Konst. V. Hormuzaki. 



Drepanidae 7 Ärctiidae . 



Noctuidae 294 

Cymatophoridae ... 7 

Brephidae 2 

Geometfidae 242 

Nolidae 6 

Cymhidae 4 

2 



Zygaenidae . 
CocMididae . 
Psychidae . . 
Sesiidae . . . 
Cossidae . . . 
Hepialidae . . 

Zusammen 



31 
151) 

2 
10 
12 

2 

5 



859 Arten. 



Systematische Aufzählung der bemerkenswerten in der Buko- 
wina von 1899—1903 beobachteten Macrolepidopteren. 

(Abkürzungen: J. = Jasilkowski, P. = Pawlitschek; wo kein anderer Sammler 
angegeben wird, handelt es sich um meine eigenen Beobachtungen.) 

Papilio Podalirius L. gen. aest. Zandaeus Z. In Ropcea am linken 
Seretlmfer in schönen typischen weißlichen Stücken vom 7. 
bis 26. Aiig-ust nicht selten, wo die Art ihre äußerste Grenze 
gegen die montane Region erreicht. Auch die Stammart fehlt 
weiter südwestlich. 

P. Machaon L. ab. gen. aest. Aurantiaca Spr. Einzelne kleine 
Stücke von Krasna und Ropcea gehören zur obigen Form. 
Dieselben sind nicht nur durch die intensiv dunkelgelbe Grund- 
farbe, sondern auch dadurch ausgezeichnet, daß das Analauge 
der Hinterfiügel kleiner und durchaus nicht rotbraun, sondern 
hell orangerot erscheint. 

Parn. Apollo L. Wurde 1899 und 1901 von Prof. Pawlitschek 
auf den Bergen Tepi§ und Prislop (1171m) bei Deia vom 
Juli bis 15. August in großer Zahl angetroffen, und zwar in 
der oft erwähnten, nach den nunmehr vorliegenden Stücken 
sehr konstanten Lokalrasse (mit verloschenen Analflecken 
und kleinen Augen etc. beim cf), welche der var. Hesehohs 
Nordm. (nicht der westsibirischen var. Hesehohs Aust. = var. 

^) Hierbei ist gemäß der Autfassung des Kataloges von Stau dinge r 
und Rebel, III. Aufl., Zygaena Orion H.-S. nicht als eigene Art gezählt; 
mit diesem wären es 16 Zygaeniden, 



Nachträge zur Lepidopterenfauna der Bukowina. 



431 



Sihirica Nordm.) sehr nahe steht, wenn nicht damit identisch 
ist. Einzelne kleinere 9 haben eine gleichmäßig dunkel be- 
stäubte Oberseite und vollkommen rot ausgefüllte Augenflecke, 
wodurch dieselben den sibirischen Formen sehr ähnlich werden. 

Col. Ihjale L. Die meisten Bukowiner Stücke stehen der var. Folio- 
graplius Mötsch, durch den bis zum Innenrande reichenden 
schwarzen Saum sehr nahe. Aus Broskoutz besitze ich ein cT 
mit verloschenen gelben Flecken in der Saumbinde (ab. Uhli 
Kovats) sowie dimorphe schwefelgelbe 9 = ab. Hera Gr. Gr. 

( \ Chry^iotlieme Esp. flog in Mehrzahl in der Nähe der Bahnstation 
Ruda am 8. September. 

Lmenitis Foxmli L. var. Bticovinensis Horm. Ein 9, welches alle 
ausgesprochenen Merkmale dieser Lokalrasse trägt, wurde am 
21. Juli von Prof. P. in Deia im höheren Gebirge erbeutet. 
Die nächsten Fundorte liegen erst etwa 35 hn von dort ent- 
fernt am Fuße des Gebirges; in der dazwischen liegenden 
montanen Region (Straja, Krasna^ Solka etc.) fehlt die Art 
bestimmt. 

L. Sihylla L. Diese bei uns höchst seltene Art traf P. in drei 
Stücken am Oberlaufe des Deiabacbes, 4. August. 

Pyrameis (kirdui L. erschien 1903 in Krasna vom Juli bis Ende 
September in Unmenge in frischen, lebhaft gefärbten Stücken, 
wie dies in demselben Sommer auch im Westen beobachtet 
wurde. 

Ärgynnis Laodice Pall. In Ropcea traf ich ein cj am 26. August, 
wo diese sonst bloß im Pruthtale einheimische Art den süd- 
lichsten und zugleich höchsten Punkt (380 m) in der Bukowina 
erreicht. 

Erehia Medusa F. var. Psodea Hb. Bei Krasna, Fundul-Moldovei 

und Czernowitz nicht selten. 
E. Aethiops ab. Leucotaenia Stgr. In Krasna nicht selten (früher 

bloß übersehen). 

Eimjcde Esp. Bei Pqjorita (700 m)^ Dorna und nach J. bei Wiz- 
nitz bis in die Täler hinabsteigend; var. FJiilomela Esp. 9 mit 
gelber Binde auf der Unterseite am Ou^or bei ca. 1500 bis 
1600 ni in Unmenge. Die ab. Ocellaris Stgr. und ab. Eury- 
aloides Tgstr. wurden von J. und P. auf der Lutschina und 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 30 



432 



Konst. V. Hormiizaki. 



bei Wiznitz gefunden; es sind unwesentliche Abänderungen, 
die wohl überall hin und wieder vorkommen dürften. 

Fararge Megaera L. Einzelne Stücke aus Krasna sind kleiner und 
heller als die Stammart, die schwarze (an der Innenseite des 
Apikaiauges beginnende) Querlinie der Vorderflügel ist gegen 
den Innenrand zu weit weniger geschwungen ; auf den Hinter- 
flügeln ist die sonst deuthche gelbbraune Färbung an der 
Innenseite der Submarginalbinde kaum durch verloschene 
Flecke angedeutet, so daß die Hinterflügel bis auf die eigent- 
liche, die Augen einschHeßende Saumfleckenbinde ziemlich 
einfarbig bräunhchgrau erscheinen. Ob diese Form mit der 
var. Transcaspica Stgr. übereinstimmt, läßt sich vorläufig nicht 
sagen, jedenfalls verdient dieselbe aber erwähnt zu werden. 

P. Achine Scop. In Ropcea am 18. August und von Herrn Pastor 
Pfitzner bei Okna in einem Eichenwäldchen am 11. Juni 
sehr zahlreich angetroffen. 

Coen. Ipthis Schiff, var. CarpathicAi Horm. Bei Pojorita im Tale 
häufig. 

Thecla Ilicis Esp. In Ropcea an Waldrändern am linken Sereth- 
ufer um Eichen häufig von Herrn Pastor Pfitzner und mir 
vom 9. bis 19. Juli angetroffen. Sonst nur im Pruthtale. 

Th. Acaciae F. Am Weinberge bei Czernowitz im Juni und Juli von 
Herrn Pastor Pfitzner und P. neuerdings in Anzahl erbeutet. 

Chrysophanus Virgaureae L. Von dieser bisher bloß vom Cecina 
bei Czernowitz bekannten (hier aber häufigen) Art traf ich je 
ein 9 auf torfigen Wiesen bei Dorna und bei Pojorita (Juli 
und 16. August). Dieselbe dürfte also in der höheren mon- 
tanen Region verbreitet sein, wogegen sie im Mittelgebirge 
größtenteils fehlt. 

Chr. Bispar Hw. var. Butilus Wnbg. ist für die Bukowina sehr 
charakteristisch und hat sich auch an den neueren Fundorten 
mit Ausschluß des Hochgebirges als häufig erwiesen: Ropcea, 
Broskoutz und Mezebrody (P.). 

Chr. Älciphron Rott. Ist weiter verbreitet als ich bisher annahm, 
da ich denselben anfang Juli am Cecina und in Ropcea traf. 

Lycaena Ärgiades Pall. var. Decolorata Stgr. Diese interessante 
Form tritt bei uns als Zeitvarietät den (meist sehr regen- 



Nachträge zur Lepidopterenfauna der Bukowina. 



433 



reichen) Juni liindurcli in auffallender Menge auf; deren 
Flugzeit fällt genau zwischen diejenige von Fohjsperchon 
Bgstr. und der Somnicrform Ärglades, wie ich es genauer in 
der „Societas Entomologicas", Zürich, Jahrg. XV (1900), Nr. 11, 
auseinandergesetzt habe. Dieselbe bildet also eine dritte selb- 
ständige Generation, welche sich weder mit derjenigen der 
ersten Friihlingsform (Folysp.), noch mit der später fliegenden 
Stammform vermischen kann. 

L. Bnfon Bgstr. Diese seit Schirl nicht wiedergefundene Art traf 
Herr Prof. P. in Mehrzahl in frischen Stücken vom 30. Juli 
bis 7. August am Tepi§ bei Deia, also im höheren Gebirge. 

L. Orion Pall. Neuerdings von Herrn Prof. P. am Weinberge bei 
Czernowitz und von Herrn Pastor Pfitzner am Dniesterufer 
bei Okna und an Felsen bei Brodok häufig im Juni gefunden. 

L. Astrarche Bgstr. gen. aest. Calida Bell. Bei Czernowitz und 
Krasna. 

L. Eumedon Esp. Diese bei uns höchst lokale Art wurde in Mehr- 
zahl von den Herren Pfitzner, P. und von mir am Cecina 
im Juli erbeutet. 

L. Amandus Sehn. Am Cecina nahe dem Gipfel aufwiesen von 
mir 2 am 16. Juli gefangen. Diese für unser Gebiet neue 
Art erreicht hier ihre Nordgrenze in den ostkarpathischen 
Gebieten, da dieselbe in Galizien nicht vorkommt. 

L. Ilylas Esp. und Corydon Poda. Beide bei Pojorita besonders 
auf ursprünglichen Wiesen massenhaft. 

L. Älcon F. var. Monticola Stgr. Zu dieser Hochgebirgsform ge- 
hört das von mir (a. a. 0., Bd. XL VIT, S. 137) beschriebene 
cT vom Rareu; dessen Identität mit obiger Varietät wird bei 
einem Vergleiche beider Beschreibungen sofort leicht ersichtlich. 

L. Arion L. var. JasilJcoivsUi Horm., 1. c, Bd. XLVIT, S. 138, ist 
von var. Ohscura Christ, fzu welcher dieselbe in der III. Auf- 
lage des Kataloges von Staudinger und Rebel als Synonym 
gestellt wurde) grundverschieden.^) Dieselbe ist nicht dunkler 

^) Herr Dr. Staudinger ersuchte mich, während er die Rhopaloceren 
im genannten Katalog revidierte, um die Übersendung einiger Typen der von 
mir aufgestellten Varietäten, welche in dem Kataloge dann ihren richtigen 
Platz fanden. Leider unterließ ich es damals, sämtliche meiner neuen Formen 

30* 



434 



Konst. V. Hormiizaki. 



als die Stammart, wohl aber kleiner, mit schmälerem schwarzen 
Saum und kleinen Flecken; das wichtigste Merkmal ist aber 
der gänzliche Mangel des Fleckes in der Mittelzelle der Vorder- 
fliigelunterseite, weshalb ich diese Varietät anfangs für eine 
EujjJiemus-Fonn hielt (Unters, ü. d. Lepidopterenf. d. Buko- 
wina, Czernowitz, 1894). Var. JasilJwivsJcii wurde neuerdings 
auch im Wiznitzer Gebirge gefangen (J.). Vgl. auch Spuler, 
Schmett. Europas, III. Aufl., S. 69. 
Hesperia Cartliami Hb. wurde bei Okna zwischen Gebüsch an 
Felsen am Dniesterufer am 11. Juni von Herrn Pastor Pfitzner 
erbeutet. 

TJianaos Tages L. Frisch ausgeschlüpfte Stücke traf ich mit dach- 
förmig (nach Art der Heteroceren) herabgebogenen Flügeln 
sitzend, wie dies auch schon von anderen beobachtet wurde 
(vgl. Spuler, a. a. 0., III. Aufl., S. 70). 

Baphnis Nerii L. Prof. P. zog zahlreiche Falter aus Raupen, welche 
er im August 1900 an Oleander in Czernowitz gefunden hatte; 
dieselben schlüpften vom 16. September bis 4. Oktober aus. 

Hyloicus Pinastri L. Zahlreiche frisch ausgeschlüpfte Stücke fand 
Herr J. am Cecina bei Czernowitz an Fichten zweigen sitzend 
zwischen dem 17. Juni und 30. Juli. 

Hemaris Scahiosae Z. Am Berge Prislop bei Deia, 7. August (P.). 

Pheosia Dictaeoides Esp. Von dieser bisher nur in einem Stücke 
in Czernowitz im Mai beobachteten Art erbeutete ich ein 
zweites in Krasna am 6. August, also II. Generation. 

Notodonta Phoehe Sieb. (Tritophus 0.). Eine in Czernowitz im 
März gefundene Puppe ergab, im Freien gehalten, ein $ schon 
am 28. April. 

N. Tritophus Esp. (Torva Hb.). Diese bei uns höchst seltene (bis- 
her bloß in einem Czernowitzer Stücke bekannte) Art traf 
Prof. P. am 1. August in Mezebrody am Licht. 

N. Dromedarius L. ist bis in die Hochgebirgstäler weit verbreitet. 
P. traf den Falter in Deia im JuH, die Baupen ebendort an 

einzusenden, so unter anderen auch die obige, auf welche Weise sich die im 
Kataloge angegebene Synonyraie erklärt, ebenso das Fragezeichen bei Lyc. 
Hylas var. Armena Stgr. (Katal., III. Aufl., S. 86), obwohl letztere Form hier 
in typischen Stücken vorkommt. 



Nachträge zur Lepidopterenfauna der Bukowina. 



435 



Erlen und in Mezebrody im August; ebenso wurden zahh-eiche 
Raupen an Birken von nnr in Dorna Ende Juli angetroffen. 

Fy<jaera Curtnla L. var. Canescens Graes. Die a. a. 0., Bd. Xl^VII 
genau bescbriebenen l^ukowiner Stücke gehören zu der obigen 
Form oder sind mindestens von der Stammart viel weiter 
entfernt als von dieser. 

Laelia Coeuosa Hb. var. Candida Leech. Alle Bukowiner, in beiden 
Geschlechtern rein weißen, großen Stücke gehören zu dieser 
sonst nur aus Zentralchina bekannten Rasse, deren Beschreibung 
schon a. a. 0., Bd. XLVII, S. 325 zu finden ist. 

Lasiocampa Quercus L. var. Alpina Frey. Aus einer von Prof. P. 
am Gipfel des Tomnatic (1297 m) bei Deia am 15. August 
gefundenen Raupe entwickelte sich ein am 29. Mai aus- 
geschlüpftes mit eintöniger, sehr dunkel chokoladebrauner 
Grundfarbe und schmalen Binden, welches zur obigen Form 
gehört. Die Stammart überdies bei Mezebrody und Vale- 
putna (P.). 

Cosmofrk'he Potatoria L. Von dieser bei uns sehr lokalen Art traf 
ich in Ropcea am 24. Juli ein am Licht. 

Epknaptera lUcifblia L. Die Raupen wurden von Prof. P. und mir 
nicht selten am 17. Juni und 7. Juli am Cecina an Samhucus 
Ehulus, Scabiosen, Änthyllis vulneraria und Trifolium mon- 
tanum gefunden. Die Zucht gelang bloß Prof. P. bei einem 
Stücke, welches am 24. Februar des nächsten Jahres auskroch. 

Gastropacha Quercifolia L. var. Meridionalis Horm. Diese Lokal- 
rasse aus der südöstlichen Bukowina (hell gelblichrot mit 
rosenrotem Seidenschiller) ist, wie aus den trefflichen Aus- 
führungen von Tutt (Nat. Hist. of the British Lepid., Vol. HI, 
p. 204 — 206) entnommen werden kann, mit der var. Uhnifolia 
Heuäcker nicht identisch, wie ich (vgl. diese „Verhand- 
lungen", Bd. LH, 1902, S. 566) irrtümlicher Weise vermutete. 
Die dort aus Orbeni in Rumänien erwähnte Form gehört so- 
mit ebenfalls nicht zu var. Uhnifolia, sondern zu der obigen 
var. Meridionalis. 

Saturnia Fyri Schiff. Eine in Ropcea am linken Serethufer am 
28. August an einem Apfelbaume gefundene erwachsene Raupe 
verpuppte sich sofort und ergab am 30. Mai ein 9. Diese 



436 



Konst. V. Hormuzaki. 



Art gehört entschieden der pontischen Tieflandfauna an und 
kann als zur Begrenzung dieses Gebietes besonders wichtig 
angesehen werden, da sie schon in dem unmittelbar stidHch 
von Ropcea gelegenen Kupka, ebenso weiter in Krasna etc. fehlt. 

Drepana Curvatula Bkh. Die Raupen dieser für die Bukowina 
neuen Art fand Prof. P. im August in Mezebrody; je ein 9 
schlüpfte am 5. März und 17. April aus. 

D. Harpagula Esp. Ein Stück wurde im Juh bei Horecea von J. 
gefangen. Ebenfalls neu für unser Gebiet. 

D. Lacertinaria L. Von dieser hier sehr seltenen Art fing ich am 
Lichte in Czernowitz ein zweites frisches Stück am 19. Juli, 
somit kann auch bei dieser Art eine Sommergeneration fest- 
gestellt werden. 

Biphtera Alpimn Osb. Die Raupen fand P. im August bei Meze- 
brody, also schon im Gebirge. 

Äcronyda Äuricoma F. P. fand die Raupen in Deia im August an 
Weißdorn und am Gipfel des Tomnatic (1297 m) an Heidel- 
beeren. 

Agrotis Xanthographa F. Ein frisches typisches Stück traf ich 
am 8. August in Krasna, einem an Agrotis-Axi^xi sehr reichen 
Fundorte. 

A. Bahlii Hb. 1902 in Krasna häufig am Köder in lichtgelblichen 
Stücken (cT) vom 21. August bis 1. September gefangen. 

A. Conflua Tr. Krasna, frische Stücke am 7. Juli 1900 und am 
26. Juli 1903. 

A. Birivia Hb. In Krasna im Juli bis 10. August 1902 einzeln, 
1903 besonders häufig; einmal am Licht. 

A. Cinerea Hb. Herr J. fand in Wiznitz ein bräunlichgraues, mit 
westeuropäischen übereinstimmendes Stück, abermals ein Be- 
weis, daß manche im Tief lande in anderen Varietäten auf- 
tretende Arten im Gebirge in der Stammform erscheinen (vgl. 
Acronycta Strigosa und var. Bryophiloides). 

A. Nigricans L. In Ropcea am 10. August ein Stück dieser bisher 
nur von Schirl in dem benachbarten Kupka konstatierten 
Art erbeutet. 

A. Ohelisca Hb. Diese ebenfalls seit Schirl nicht beobachtete 
Art ist ziemUch verbreitet; ich traf am Köder in Pojorita und 



Nachtrüge zur Lcpidopteii'nfuuna der Biikowinn. 



437 



Krasna Ende Aiig-iist bis Ende September mehrere eintönig- 
dunkle Stücke, in Kopcea im August ein der Stammart 
mit sehr bunten Vorderfliigehi und Aveißen Hinterfiügehi, eben- 
dort ein schönes cT der var. Ruris Hb. 

A. Sai«'la Hb. Die Stammart sehr liäufig am Kr)der in Pojorita 
im September und in Krasna im August. Die var. Margaritosa 
Hw. in verschiedenen braunen bis gelblichgrauen Stücken, 
alle mit hellgelblichem Vorderrand der Vorderflügel, sehr häufig 
am Köder in Ropcea vom 15. August bis September. 

Ä. Occtdta L. Diese erst 1898 auf der Lutschina in der alpinen 
Region entdeckte Art traf ich auch im Tale in Pojorita (700 m) 
am Köder am 17. August. 

Charaeas Graniinis L. Diese bis 1898 übersehene Art ist in den 
höheren Gebirgstälern sehr häufig; von Prof. P. auf der Lu- 
tschina, in Deia und Mezebrody, von mir in Dorna und Um- 
gebung im Juli und August beobachtet; oft im Sonnenscheine 
auf Grasplätzen nach Plusien-Art in Menge schwärmend oder 
in den Vormittagsstunden an Cirsium-Blüten sitzend. 

Epineuronia Cespifis F. Von dieser sonst seltenen Art erschienen 
die cT Ende August und anfangs September 1902 in Krasna 
täglich massenhaft am Lichte; 1903 dagegen wieder nur ein 
Stück. 

Mam. Feregrina Tr. In Krasna am 25. August 1903 ein Stück 
dieser seltenen Art erbeutet (vgl. darüber diese „Verhand- 
lungen", Bd. XLVIII, S. 441). 

Bryopldla Fraiidatricula Hb. In Czernowitz 1901 bis 1903 häufig 
im Juni am Licht. 

Br. Älgae F. var. Mendacula Hb. In Czernowitz am 19. Juli am 
Licht ein Stück erbeutet. 

Hadena Amica Tr. Ich erhielt von Herrn Procopianu ein in 
der Bukowina — leider ohne nähere Fundortsangabe — er- 
beutetes Stück dieser nördlichen Art, welche hier ihre Äqua- 
torialgrenze in Europa erreicht. 

11. Ähjecta Hb. und IL Unanimis Tr. Diese beiden bisher nur in 
einzelnen Stücken aus der Bukowina bekannt gewesenen Arten 
erschienen Ende Juli bis 18. August in Anzahl in frischen 
Stücken am Köder in Kopcea, und zwar Unanimis in einer 



438 



Konst. V. Hormuzaki. 



eintönig rotbraunen, zeichnungslosen Form mit lebhaft weißer 
Nierenmakel. 

Caradrina Quadripunctata F. Diese bei uns höchst veränderliche 
Art, deren verschiedene Formen noch eines genaueren Stu- 
diums bedürfen, erschien in Pojorita im September in einer 
eigentümlichen Abänderung, nach Angabe Dr. Rebeis ab. 
Laciniosa Donz. 

C. Super stes Tr. 1902 und 1903 im Juli und August in Krasna 
häufig. 

Acosmetia Caliginosa Hb. Am Cecina erbeutete ich nahe dem Gipfel 
ein frisches großes Stück auf einer Wiese am 17. Juni, wo- 
durch diese eigentümliche Fauneninsel mit montanem Cha- 
rakter abermals eine Bereicherung erfährt. Der pontischen 
Fauna, also den tieferen Lagen bei Czernowitz fehlt die Art 
bestimmt. 

Am])hi2)yra Livida F. var. Corvina Mötsch. Mein einziges Czerno- 
witzer Stück gehört ebenso wie die zahlreichen aus der nörd- 
lichen Moldau der obigen Form an. Die Stücke zeichnen 
sich alle durch bedeutendere Größe, tief schwarzen Thorax 
und ebensolche Vorderflügel sowie gleichmäßig rotbraune 
(nicht gelblichweiße) Hinterflügel aus; sie gleichen vollkommen 
einem mir vorliegenden Exemplar der genannten Varietät aus 
Jezo (Japan). 

Cosmia Paleacea Esp. Ein Stück in Krasna am 23. Juli 1903 er- 
beutet. 

Dyschorista Suspecta Hb. Ein frisches, hell gelbgraues Stück 
fand ich in Pojorita am Köder am 17. August; es dürfte wahr- 
scheinlich zur var. Iners Tr. gehören. 

Plastenis Beiusa L. Ein frisch ausgeschlüpftes, von mir am Köder 
in Krasna erbeutetes 9 hat intensiv rotbraune Vorderflügel 
und gelbe Fransen. 

Scopelosoma Satellitia L. ab. Brunnea Lampa ist überall häufig, 
zum Teile zahlreicher als die Form mit weißer Makel. 

Cucullia Verhasci L. Von dieser bisher nur in einem Stücke aus 
Radautz bekannt gewesenen Art fand P. die Raupen am T^pi? 
und Prislop (1171m) bei Deia am 19. August. 

C. Lucifuga Hb. Diese ebenso seltene Art fand J. in Wiznitz. 



Nachträge zur Lepidopterenfauna der Bukowina. 439 



Calpe Capudna Esp. Ein liell graubräunliches Stück wurde am 
9. August am Cecina von J. am Licht erbeutet. 

Telesilla Amethystina Hb. Ein Stück erbeutete ich in Ropcea 
am Köder, 24. August. Diese interessante Art fehlt in Galizien, 
erreicht somit in der Bukowina ihre Polargrenze. 

Plnsia VariahiUs Pill, {lllustrls F.). Außer auf der Lutschina 
neuerdings in Deia am 29. Juli erbeutet (P.). 

P. ChrysoH Esp. und Bractea F. Deia, im August (P.). 

P. Fulchrina ab. Percontatrix Auriv. Unter der Stammart in 
Krasna. 

P. Tnterrogaüonis L. ist zwar selten, aber sehr verbreitet; neuerdings 
von Prof. P. in Mezebrody am 16. August 1900, von mir in 
Krasna am 1. August 1903 erbeutet. 

Catocala Dilecta Hb. Diese schon von Schirl als fraglich er- 
wähnte Art wurde neuerdings bei Zutschka von J. erbeutet, 
ihre Polargrenze zieht somit durch die Bukowina, da dieselbe 
sonst erst in Rumänien und jenseits der Karpathen (Sieben- 
bürgen) beobachtet wurde. 

C. Proniissa Esp. In Ropcea am Köder am 4. August ein frisches 
Stück gefangen; von dort ist die Art nur weiter südlich in 
der montanen Region einheimisch. 

Toxocampa Viciae Hb. Zwei schöne Stücke dieser bei uns höchst 
seltenen Art traf ich in Czernowitz am Licht am 17. und 
22. Juni. 

Äventia flexula Schiff. Diese sonst bei uns entschieden montane 
Art fand Herr Pastor Pfitzner am Cecina in höheren Lagen 
am 7. Juli. 

Ihjpena Bostralis L. ab. Unicolor Tutt. Bei Czernowitz ebenso 

gemein wie die bunt gezeichnete Form. 
Hypenodes Costaestrifjalis Stph. Bei Revna am 12. Juli ein Stück 

gefangen. 

Cymatox)lwra Or F. 1901—1902 von mir in Czernowitz im Juni 
und am 19. Juli in frischen Stücken, von P. in Mezebrody am 
5. August gefangen, also auch bei uns in zwei Generationen. 

C. Fluctuosa Hb. In Czernowitz erbeutete ich am Licht ein 
frisches Stück (cf) dieser für die Bukowina neuen Art am 
7. Juli 1901. 



440 



Kon st. V. Hoiiiiiizaki. 



C. Duplaris L. Diese bisher nur in einem Stücke bekannt gewesene 
Art erschien 1900 und 1901 in Czernowitz zwischen dem 
11. Juni und 17. Juli sehr zahh-eich am Licht. 

Geometra Papilionaria L. war bisher bloß in einem Stücke bekannt, 
ist aber weit verbreitet, denn ich fand neuerdings je ein 
Stück im Juni in Czernowitz, im Juli in Dorna und Krasna. 

Äcidalia Dilutaria Hb. im Juli bei Zutschka und A. Humiliata 
Hufn. überall in der Umgebung von Czernowitz (Cecina, 
Revna etc.) im Juli sehr häufig. 

Ephyra Pupillaria Hb. Ein frisch ausgeschlüpftes Stück fand 
ich im Grase sitzend in Ropcea am 9. August; dasselbe gleicht 
vollkommen denjenigen aus Kleinasien. Diese mediterrane 
Art erreicht somit hier einen weit nach Norden vorgeschobenen 
Punkt ihrer Verbreitung. 

E. Porata F. gen. aest. Visperaria Fuchs. Zu dieser kleinen Sommer- 
form gehören die (a. a. 0., Bd. XLIX, S. 39) erwähnten Stücke 
aus Kozman. Die dort für dieselben eingeführte Bezeichnung 
var. Äestiva wäre somit als synonym mit obigem älteren 
Namen einzuziehen. 

E. Ruüciliaria H.-S. Drei bei Kozman im August zugleich mit 
Puppen der E. Punctaria L. gesammelte Stücke gehören zu 
dieser Art (vgl. Bastelberger, „Iris", Dresden, Bd. XIII). Da- 
gegen läßt sich die Identität einer anderen von mir a. a. 0., 
Bd. XLIX, S. 39 für var. Subpmictaria Z. gehaltenen Form, 
welche nunmehr ebenfalls als gute Art erwiesen wurde, nach 
den in schlechtem Zustande erhaltenen Stücken nicht sicher 
feststellen. 

E. Punctaria L. var. Naevata Bastelb. („Iris", Bd. XIII, S. 84). 
Unter den Sommerexemplaren von Czernowitz und Kozman 
findet sich auch die obige Form mit stark purpurbraun be- 
stäubtem Saumfelde. 

Lythria Piirptiraria L. ab. (gen. aest. merid.) Lutearia Stgr. Bei 
Kozman im August. 

OrtJiolitha Limifata Scop. In den subalpinen Tälern ' bei Pojorita 
sowie in der alpinen Region am Rareu fliegt in großer Zahl 
eine Form, die so konstant ist, daß sie nicht uiibenannt bleiben 
kann und var. Grisescens heißen mag. Die Stücke sind weit 



Nachtrage zur Lepidopterenfaunji der Bukowina. 



441 



kleiner als gewöhnliche, graubraun (nicht gelblich) gefärbt, 
mit im allgemeinen verloscheneren Zeichnungen. Das ziemlich 
gleichmäßig dunkel braungraue Mittelfeld der Vorderflügel ist 
beiderseits von sehr dünnen gelblichbraunen Limen begrenzt, 
deren äußere einen ziemlich geraden Verlauf hat, namentlich 
fehlt die sonst auf Ader 4 deutlich vorspringende Ecke. 
Mittelpunkte und Apikalflecke sind schwach angedeutet. 
0. Moeniata Sc. Bei Deia, besonders am Südabhang des T^pi^? 
im Juli und August in Mehrzahl erbeutet (P.), sonst nur am 
Dniesterufer. 

Larentia Immanata Hw. ab. Thingvallata Stgr. In Krasna unter 
der Stammform. 

L. Aptafa Hb. ab. Suplata Frr. Ein frisches Stück in Pojorita 
am 3. August. 

L. Salicata Hb. Hardeggtal bei Radautz im Juli ein Stück (F.). 

L. Fluctnata L. ab. Acutangulata Chr. Bei Czernowitz öfter unter 
der Stammart. 

L. Vittata Bkh. Dorna, am 8. August ein frisches cf . 

L. Dilutata Bkh. Bei Horecea drei Stücke am 5. Oktober gefangen 
(P.j, Wiznitz (J.). Diese Art ist für die Bukowina neu, nach- 
dem die bisher aus dem Gebiete allein bekannt gewesene 
AutumnataVt^h. in der III. Auflage des Kataloges von Stau- 
dinger und Bebel als besondere Art angeführt wird. 

L. Ficata Hb. Ein zweites Stück traf ich in Czernowitz am Licht 
(am 21. Juli) in tieferer Lage (ca. 230 m). 

L. MoIIuginata Hb. In Krasna fand ich ein Stück auf einer 
Wiese im Tale am 1. Juli. 

L. Alhidata Schiff, ab. Hehudium Weir. Einzelne Stücke gehören 
zu dieser Form, welcher sich die schwach gezeichnete Buko- 
winer Lokalrasse im allgemeinen nähert (vgl. a. a. 0., Bd. XLIX, 
S. 74). 

L. Corylata Thnb. Aus im August von P. in Mezebrody gefun- 
denen Raupen entwickelte sich ein Stück, welches am 3. April 
ausschlüpfte. 

Te2)hroclystia OUongata Thnb. var. In Krasna traf ich am 24. Au- 
gust 1902 ein frisch ausgeschlüpftes Stück dieser Art, welches 
genau so wie ein älteres von dem nämlichen Orte sich da- 



442 



Kon st. V. Hormuzaki. 



durch auszeichnet, daß der schwarze Vorderrand fleck bis auf 
wenige Spuren verschwunden ist, wodurch die Mittelflecke 
umso lebhafter hervortreten, was dem Tiere, neben gewöhnhche 
Stücke gehalten, ein fremdartiges Aussehen verleiht. Nach 
Dr. Rebel ist diese Abänderung mit der kleineren var. Cen- 
tralisata Stgr. nicht identisch. 

Tephr. Extraversaria H.-S. In Czernowitz am Licht am 21. Juli 
ein frisches Stück gefangen. 

Tephr. Denotata Hb. In Czernowitz am 14. Juni ein großes, frisch 
ausgeschlüpftes, sehr graues Stück gefangen. Dasselbe ist von 
den kleineren^ einfarbigeren aus Solka recht verschieden. 

Texßir. Siwcenturiata L. Kopcea, am 28. Juli. 

Teplir. Suhfulvata Hw. Die typische Form mit vollkommen gelbem 
Mittelfelde der Vorderflügel bei Krasna am 5. August. 

Tephr. Impurata Hb. Bei Czernowitz am 19. Juni ein Stück am 
Licht. 

Tephr. Innotata Hufn. var. Fraxinata Crewe. Bei Krasna am 

25. JuH ein frisches Stück am Licht. 
Tephr. Exiguata Hb. Bei Czernowitz am 16. Juni ein Stück am 

Licht. 

Tephr. Pumilata Hb. Zweite Generation, am 22. Juli ein Stück 
am Licht. 

Arichanna Melanaria L. Diese für unsere Fauna wichtige nördliche 
Art, welche bisher bloß in einem Stücke (aus Radautz) be- 
kannt war, wurde 1899 in Czernowitz am 22. Juli von mir 
am Licht und am 28. Juli von Prof. P. in je einem Stücke 
erbeutet. 

Abraxas Sylvata Sc. 1901 und 1902 in Czernowitz am Licht sehr 
häufig, zum Teile in Übergängen zur var. Orientalis Stgr. 

Äbraxas Adustata Schift'. var. Lassulata Rghfr. Bei einem von 
mir in Czernowitz am 11. Juni erbeuteten Stück ist das Mittel- 
feld der Vorderflügel zwischen der dunkeln Wurzel und der 
Saumbinde durchaus dunkelbräunlich bis schwärzlich bestäubt, 
so daß die Vorderflügel mit Ausnahme des Saumfeldes ziem- 
lich eintönig braun erscheinen. Diese Form ist (als lokale 
Rasse) nur aus dem östlichen Kleinasien und aus Zentralasien 
bekannt 



Nachträge zur Lepidopterenfaima der Bukowina. 443 



Xmneria Capreolaria F. In Ropcea nur am rechten Serethufer in 
Tannenwäldern massenhaft vom 21. August bis 5. September; 
in Krasna neuerdings schon im Juni, dann wieder in frischen 
Stücken zwischen dem 3. und 13. September, also IL Gene- 
ration. An dem ersteren Fundorte erreicht diese bei uns mon- 
tane Art den am weitesten in die Ebene vorgeschobenen 
Punkt. 

Selenia Lunaria Schiff, gen. aest. Delunaria Hb. In Krasna, von 
wo bisher bloß eine spät erscheinende FrUhlingsgeneratiou 
bekannt war, traf ich ein frisches Stück obiger Sommerform 
am 9. August 1903, somit tritt dieselbe (mindestens in heißen 
Sommern) auch im Mittelgebirge auf. 

Gonodontis Bidentata Cl. var. Von Prof. P. aus in Deia an Fichten 
am 18. August gefundenen Raupen ein am 17. April ausge- 
schlüpftes Stück erhalten. Dasselbe, ein 9, gehört einer merk- 
würdigen Abänderung an, welche von der gewöhnlichen 
Form bedeutend abweicht. Abgesehen von der mehr 
grauen als gelblichen Grundfarbe und den sehr spitz ausge- 
zackten Vorderflügeln zeigen die Querlinien einen anderen 
Verlauf als gewöhnlich. Die äußere Querlinie der Vorderflügel, 
ebenso diejenige der Hinterflügel zieht genau durch den Tren- 
nungspunkt der Adern 3 und 4 (gewöhnlich merklich außer- 
halb dieses Punktes); die innere Querlinie der Vorderflügel 
verläuft als gerade Linie durch die Mittelzelle bis zum Tren- 
nungspunkt der Ader 2 aus der Mittelzelle, wo sie einen sehr 
stumpfen Winkel nach außen bildend, wieder gerade bis zum 
Innenrand zieht. Bei allen sonstigen (westeuropäischen) Stücken 
ist diese Querlinie mehrmals stark gezackt und verläuft im 
allgemeinen weiter wurzelwärts, erreicht höchstens mit einem 
spitzen Zahn den Trennungspunkt der Ader 2. Beide, sonst 
gesondert in den Innenrand mündenden Querlinien der Vorder- 
flügel vereinigen sich am Innenrande zu einem rundlichen 
schwärzlichen Fleck. Auf den Hinterflügeln stößt der (sonst 
weit einwärts gelegene) Mittelfleck unmittelbar an die Quer- 
linie; alle Mittelflecke sind überdies kaum merklich heller 
gekernt. Man wird jedenfalls eine gr()ßere Anzahl von Exem- 
plaren dieser für die Bukowina überhaupt neuen Art abwarten 



444 



Konst. V. Hormuzaki. 



müssen, ehe eine richtige Beurteilung- der obigen (wohl schwer- 
lich bloß aberrativen) Form möghch sein wird. 

Croeallis Tusciaria Bkh. Diese Art, eine der charakteristischesten 
Vertreterinnen mediterraner Elemente in unserer Fauna, wurde 
neuerdings von Prof. P. bei Czernowitz als Raupe an Weiden 
im Mai 1901 erbeutet, verpuppte sich am 26. Juni, worauf 
am 29. September ein 9 ausschlüpfte; ein zweites 9 fand ich 
ebenda unter Laub am 30. Oktober 1902. 

Ilypoplectis Ädspersaria Hb. var. Sylvanaria H.-S. Im Juli 1899 
in Revna und am Cecina als II. Generation häufig; ferner in 
Ropcea mehrere Stücke am 25. und 26. Juli. 

Ccmstoloma Flavicaria Hb. In Ropcea am 4. Juni, dann II. Gene- 
ration vom 27. Juli bis 13. August häufig, wo diese wie auch 
die vorige Art ihre Verbreitungsgrenze gegen die montane 
Region erreicht. 

Eilicrinia Cordiaria Hb. gen. vern. Roeslerstammaria Stgr. Ein 

prächtiges, frisch ausgeschlüpftes Stück (9) fand ich in Czerno- 
witz an dürrem Laub am Boden sitzend am 19. April 1899. 
Es ist ebenfalls eine entschieden südliche mediterrane Art, 
welche hier ibre weit nach Norden vorgeschobene Polargrenze 
erreicht; sie fehlt jedenfalls in GaHzien und selbst in Rumä- 
nien liegen die nächsten bekannten Fundorte erst im süd- 
lichen Landesteile. 

SemiotMsa Älternaria Hb. In Krasna am 12. August ein frisches 
Stück^ also auch in der Bukowina in zwei Generationen. 

S. Liturata Cl. var. Deceptans Stgr. Diese von Staudinger zu- 
nächst als Varietät der Notata beschriebene Form hatte ich 
schon im Jahre 1899 (a. a. 0., Bd. XLIX, S. 48) als zu 
Liturata gehörig bezeichnet, ohne daß mir deren Benen- 
nung bekannt gewesen wäre; deren Identität mit obiger, sonst 
bloß aus dem Gebirge von Griechenland und Mittelitalien be- 
kannten Form wird durch eine Gegenüberstellung der aus- 
führUchen Beschreibung meines Stückes aus Gurahumora mit 
derjenigen Staudingers sofort ersichthch. 

Boarmia Gemmaria Brahm. Die E^rühlingsgeneration traf ich zum 
ersten Male in der Bukowina am 8. Juni 1900, ein 9 am Licht 
in Czernowitz, und Herr Pastor Pfitzner in Okna am 11. Juni 



Nachträge zur Lepidopterenfauna der Bukowina. 



445 



1901. Die Stücke sind heller als die Sommerform, aber 
ebenfalls aschgrau, ohne die gelblicbe Einmiscbung- der west- 
europäiscben. 

. Secundaria Esp. In Ropcea am recbten Scretbufer in Tannen- 
wäldern am 11. August und 19. September. Das Areal dieser 
Art ist ebenso begrenzt wie bei Niim. Capreolaria und gerade 
entgegengesetzt demjenigen der (Jaust. Flavicaria etc. 

. Bepandata L. ab. Maculata Stgr. In sebr cbarakteristiscben 
Stücken mit gleicbmäßig aschgrauer Grundfarbe, scbarfen 
Querbinden etc. ; ist im Gebirge überall niclit selten: Pojorita, 
Krasna, Juni bis August; ferner von P. in Mezebrody in Mebr- 
zabl gefunden. 

noplios Ohscurarla Hb. Ein vollkommen friscbes cT fand P. in Deia 
am 13. August (seit Scbirl zum ersten Male wiedergefunden). 

upalus Piniarius L. In Czernowitz erbeutete icb am Licht ein 
frisches d am 20. Juni 1903. Diese für unsere Fauna neue 
und wichtige Art dürfte eine ähnliche Verbreitung haben wie 
viele andere bei uns auftretenden Elemente der nordeuro- 
päisclien Ebene (Feülampa Arcuosa etc.), d. h. deren Areal 
dürfte sich mit demjenigen der baltischen Flora decken und 
längs des Gebirges der Ostkarpathen keilförmig weiter 
nach Süden dringen, wo dieselbe beispielsweise bei Slänic 
in der Moldau von Herrn v. Caradja beobachtet wurde. 

liasiane Fetraria Hb. Bei Wiznitz am 19. Juni (J.). 

ola Albula Schiff. Ein frisches Stück in Czernowitz am 7. Juli 
erbeutet. 

Cristaiida Hb. Zu dieser Art gehören die früher aus der Buko- 
wina (vergl. diese „Verhandlungen", Bd. XLVII, S. 313 und 
Bd. XLIX, Nachtrag, S. 84) erwähnten zeichnungsarmen, als 
Cenfonalis bezeichneten Stücke. Neuerdings traf ich frische, 
scharf gezeichnete Exemplare in Ropcea Ende Juli und in 
Krasna am 10. und 12. August, also zweite Generation. 
N. Cenfonalis Hb. ist demnach neu für die Bukowina, da ich von 
dieser Art erst am 28. und 30. Juli 1900 in Ropcea ein großes 
zeichnungsloses, rein weißes Stück der var. Atomosa Brem, 
und eines mit schwach angedeuteter schwärzlicher Submarginal- 
binde der Vorderflügel am Licht erbeutete. 



446 



Konst. V. Hormiizaki. 



Sarrothripus Bevayana Sc. ab. Russiana Dup. In Czernowitz unter 
der Stammart. 

Dysauxes Ancilla L. In Ropcea ein frisch ausgeschlüpftes Stück 
am 2. August erbeutet. 

Fliragmatohia FuUginosa L. var. Fervida Stgr. In Czernowitz, 
Krasna und Ropcea am Licht sehr häufig im Juli und August. 
Bei unseren Stücken sind die Hinterflügel bis auf die sehr 
reduzierten Randflecke einfarbig hell zinnoberrot. 

Oeonistis Quadra L. erschien in Krasna 1902 und 1903 zwischen 
dem 4. und 29. August in frischen Stücken, demnach II. Gene- 
ration. 

Litliosia Griseolci Hb. Bei Mezebrody vom 1. bis 14. August mehrere 
Stücke (P.). 

L. Complana L. Im Gebirge verbreitet: Dorna, am 30. Juli und 

Deia (P.), am 6. August. 
Pelosia Muscerda Hufn. Diese seltene, bisher bloß in einem Buko- 

winer Stücke bekannt gewesene Art traf ich am Köder in 

Ropcea am 3. und 14. August und in Krasna am Licht am 

11. August. 

Zygaena Orion H.-S. [Triptolemus Frr.) nebst var. Suhalpina 
Calb. und ab. Conjuncta Calb. sind von Scabiosae Schev. 
(und var. Divisa Stgr.) verschiedene Arten, welche Ansicht 
ich in der Soc. EntomoL, Zürich, XVII. Jahrg., 1902, Nr. 18, 
genauer auseinandergesetzt habe. Letztere Art ist bis in das 
Mittelgebirge verbreitet, Orion hingegen nebst Varietäten auf 
das Tief- und Hügelland (Pruthtal und linkes Serethufer bei 
Ropcea) beschränkt. Näheres vgl. Soc. EntomoL, 1. c. 

Zygaena ÄcJiilleae M6n. Bei Revna im Juli an Abhängen zwischen 
Eichengebüsch massenhaft, zum Teile in Stücken mit hell- 
gelblichen Vorderflügeln, also wohl der var. Bitorquata M6n. 
nahestehend. 

Z. Meliloti Esp. In einer der var. Dalmrica B. nahestehenden Form 
am Cecina und bei Revna Mitte Juli nicht selten. 

Z. Trifolii Esp. Wie ich schon im Jahre 1897 (Bd. XLVII, S. 243) 
vermutete (obwohl mir damals bloß Schirls Fund aus Kupka 
vorlag), ist diese Art innerhalb unserer baltischen (d. h. also 



Nachträge zur Lcpidopterenfauna der Bukowina. 



447 



montanen) Region weit verbreitet und dringt sogar bis in die 
alpine; sie wurde neuerdings von Prof. P. auf der Lutschina 
(1590 ?;^), dem T^pi^ und Dealu Botä bei Deia sowie bei 
Mezebrody, ferner von mir am Rune in Krasna am 5. Au- 
gust 1902 aufgefunden. Die Stücke aus der alpinen Region 
gehören einer ausgesprochen kleinfleckigen Rasse mit sehr 
breit geränderten Hinterfliigeln an, wovon ich einige Typen 
dem k. k. Hofmuseum einsandte. Diese von mir in der Soc. 
Entomol., Zürich, XVII. Jahrg., 1902, Nr. 18, als var. Orien- 
talis beschriebene Form kann mit var. Sijracusiae Z. sowohl 
wegen der bedeutenden Größe der ersteren, als auch wegen 
der verschiedenen Gegend und Region keinesfalls identisch 
sein. 

Z. Angelkae 0. In Revna an buschigen Abhängen und in Menge 
am Muncel bei Pojorita, vom Juli bis Anfang August; zum 
Teile in einer interessanten ¥o\m mit sehr kleinen, schwarz 
umrandeten Flecken, welche ich in der Soc. Entomol., 1. c, 
als var. Transcarpathina beschrieben habe. Ab. Conüuens 
Dziurzinski besitze ich in einem Stücke aus Zutschka. 

Im Ghhnlarlae Hb. dringt bis in die subalpinen Täler: Dorna, am 
30. Juli. 

Heterogenea Asella Schiff. Die Raupen dieser bisher aus der 

Bukowina unbekannten Art fand Prof. P. bei Horecea am 

12. September 1901. 
Pachytelia Villosella 0. Die Raupen wurden zahlreich in Ropcea 

auf Wiesen am 9. Juli von mir angetroflfen. 
Psyche Viadrina Stgr. Die Raupen traf ich gemeinsam mit Prof. P. 

am Cecina an Blüten von Trifolium montamim im Juni. 
llehelia Nudella 0. 1900 bis 1902 im Juni in Czernowitz am Licht 

in einzelnen Stücken erbeutet. 
Fumea Casta Pall. Am 13. Juni 1900 schlüpfte bei Prof. P. ein 

cT dieser bisher bloß im Raupenzustande aus der Bukowina 

bekannt gewesenen Art aus. 



Z. B. Ges. Ed. LIV. 



31 



448 



Anton Heimerl. 



1. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 

Von 

Dr. Anton Heimerl. 

(Eingelaufen am 4. Jänner 1904.) 

Ich tibergebe in den folgenden Zeilen einen bescheidenen Bei- 
trag zur Kenntnis der Pflanzenwelt hauptsächlich der Umgebungen 
von Vahrn und Brixen^ eines Gebietes^ das seit einigen Jahren meinen 
Ferienaufenthalt bildet und dabei nach mancherlei Richtungen durch- 
wandert wurde. Hierbei sammelten sich Notizen insbesonders über 
Blütenpflanzen und Pteridophyten an, aus denen das Folgende aus- 
gewählt wurde, ausgewählt aus dem Grunde, da ja aus den Zeiten 
von Hof mann und Bachle ebner eine Fülle von Pflanzenangaben 
aus der Brixener Gegend herrührt und doch nicht eine Wiederholung 
gebracht werden soll.^) Konsistorialrat Hof mann teilte eine große 
Anzahl von Standortsangaben Hausmann mit, der sie in seiner 
Flora von Tirol bekannt machte, und veröffentlichte außerdem 
manche Beobachtungen im Österreichischen botanischen Wochen- 
blatte (beziehungsweise in der Österr. botan. Zeitschr.) in den Jahr- 
gängen 1851 bis 1861. Gymnasialdirektor Bachlechner lieferte 
eine die Blütenpflanzen umfassende Flora von Brixen (Verzeichnis 
der phanerogamen Pflanzen^ welche in der Gegend von Brixen 
wild wachsen, Brixen, 1859; im folgenden mit Bachlechner I 
bezeichnet) und ließ diesem 1121 Nummern enthaltenden Verzeich- 
nisse im Jahre 1865 eine Ergänzung folgen (im 15. Programme des 
k. k. Gymnasiums zu Brixen als Beiträge zur Flora von Brixen; 
im folgenden als Bachlechner II angeführt), welche einen Zuwachs 
von 157 Arten Blütenpflanzen und 36 Arten Pteridophyten bringt^); 

^) Es ist eine Pflicht der Dankbarkeit, der außerordentlichen Beihilfe 
zu gedenken, welche bei Arbeiten über die Tiroler Flora das in dem ersten 
Bande der Flora von Tirol von Dalla Torre und Sarnthein zusammen- 
getragene umfassende Literaturverzeichnis bietet. 

2) Diese Arbeit fand in der Zeitschrift für österr. Gymnasien, 1866, S. 271, 
eine ungerechtfertigte absprechende Kritik, welche übersah, wie viele wertvolle 
Tatsachen in dieser (und der früheren) Veröffentlichung gebracht wurden. 



I. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



449 



einige Ergänziing-en finden sich auch in der dritten Arbeit von 
Bachlechner, die aus dem Jahre 1873 herstammt und zum größten 
Teile den kultivierten Pflanzen des Gebietes gewidmet ist (Garten- 
flora von Brixen oder Verzeichnis der in den Gärten von Brixen 
kultivierten Pflanzen, veröffentlicht im 23. Programm des k. k. Gym- 
nasiums zu Brixen; im folgenden mit Bachlechner III bezeichnet). 
Aus der späteren Literatur habe ich insbesonders die Berichte über 
die Fortschritte in der floristischen Erforschung Tirols verglichen, 
welche Murr in der Deutschen botanischen Monatsschrift (von 1896 
an), Sarnthein in der Österreichischen botanischen Zeitschrift (von 
1890 an), endlich Dalla Torre und Sarnthein in den Berichten 
der Deutschen botanischen Gesellschaft (von 1877 an) veröffent- 
lichten; sollte trotzdem eine bekannte Angabe hier wiederholt werden, 
so bittet man das als Versehen und nicht als Absichtlichkeit auf- 
zufassen. 

Das Gebiet meiner Ausflüge erstreckt sich längs des Eisack 
nördlich bis Franzensfeste und gegen Mühlbach, südlich bis Klausen, 
östUch zu den Brixener und Aferser Gipfelhängen der Plose (2505 w), 
im Afersertale bis Afers (1500 ??i), dann im Villnössertale bis Villnöss 
(1150 m), westlich bis zum Schaldererjoche am Durnholzer Über- 
gange (2337 7»), zum Schrotthorn (2593 m) und zur Karspitze 
(2520 m), endlich südwestlich zu den Gehängen von Feldthurns 
(828 m) bis zum Feichtenbauer (1400 m). 

Der gegen Süden offenen Lage entsprechend ist auch zur Zeit 
meines Verweilens die Entwicklung der Pflanzenwelt im Tale und 
auf den Höhen recht vorgerückt, beispielsweise am Ferialbeginne 
die Alpenrose nur mehr in bedeutenderen Höhen noch blühend an- 
zutreffen; da mir daher die Kenntnis der Frühlingsflora fehlt, so 
können nur einige auffallendere Eigentümlichkeiten in der Flora 
des Gebietes angeführt werden. 

Als ersten Punkt führe ich die dem Charakter des Gebirgs- 
landes entsprechende Artenarmut der Ruderalflora und das 
Fehlen vieler, sonst gemeiner Feld- und Ackerunkräuter an. 
Auffallend ist auch die geringe Zahl offenljar eingeschleppter Pflanzen, 
welche ihren Standort behalten. Es ist fast nur die Galinsoga 
parvijlora, welche ihren Weg bis zu entlegeneren Gehöften gefunden 
hat und sich auch dort als beständig erweist; von allen den z. B. 

31* 



450 



Anton Heimerl. 



bei Baclilecliner (III, m) angeführten, am Eisenbalindamme bei 
Brixen aufgefundenen Neuerscheinungen, wie Ähutilon Ävlcennae, 
Äsclepias Syriaca, Eruca sativa, Erucasirum obtmangulum, Isaüs, 
Melitüs, Nicandra u. s. w., hat sich keine einzige erhalten. Ebenso 
ist es mit dem Xanthium spinosum, für das Bachlechner (II, 13) 
mehrere Fundorte namhaft macht, und das längst verschwunden ist. 

Einen anderen Punkt, wohl einen Glanzpunkt der hiesigen 
Flora, bildet das Eindringen südlicher Elemente, von denen 
manche auch hier gleich dem Weinstocke und der Edelkastanie 
für das Eisacktal ihre Nordgrenze erreichen. Im folgenden eine 
kleine, zum Teile auf die Literaturquellen gestützte Zusammen- 
stellung^ nebst Angabe der mir bekannt gewordenen nördlichsten 
Fundorte im Eisacktale: Äsplenium Ädiantum nigrum (Vahrn), Ce- 
terach officinarum (Neustift, nach Bachlechner^ II, 21), Diplachne 
serotina (Schahs); Eragrostis püo^^a (Vahrn), Ostrya carpinifolia^) 
(am Eingange ins Villnösstal), Celtis australis (Neustift, nach Bach- 
lechner, I, 71), Sempervivum tectorum (Tils, nach Bachlechner, 
I, 32), Blanthus Monspessulanus (Franzensfeste), Ruta graveolens 
(Eisackschlucht zwischen Aicha und Neustift), Opuntia vulgaris 
(Krakofl bei Brixen, nach Bachlechner, I, 33), Orlaya grandiflora 
(Krakofl bei Brixen, nach Bachlechner, I, 36), Foeniculum vulgare 
(Vahrn), Jasminum officinale (Neustift, nach Bachlechner, I, 53), 
Fraxinus Ornus (Vahrn; Neustift, nach Bachlechner, I, 53), Galium 
ruhrmn (Vahrn). — Südliche Typen, die mit Berührung unseres 
Gebietes weiter nach Norden im Eisacktale (oder Pustertale) vor- 
dringen, sind z. B. Ononis Natrix, Ächillea tomentosa, Centaurea 
hracteata, Lactuca perennis und Campanula spicata. 

Als Gegenstück zu diesem Vordringen möchte ich auf das auf- 
fallend tiefe Herabsteigen alpiner Gewächse aufmerksam 
machen, die sich dann geradezu mit den südlichen Boten begegnen, 
ein Verhalten, das ja bekanntlich auch für andere Gebiete Tirols 
festgestellt wurde. Als eine der interessantesten Stellen erscheint 
in dieser Hinsicht die malerische Enge oberhalb von Neustift (im 
folgenden als Eisackenge bezeichnet), wo sich der Eisack durch 



^) Tritt noch in Nordtirol am Solstein wieder auf (vergl. Engler, 
Pflanzenformationen der Alpeiikette, S. 90). 



I. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



451 



Phyllitfelsen diirchbrach und nun in wildem Laufe zwischen diesen 
durebtost. Gerade dort, wo das Sträßchen auf einer Holzbrücke 
von einem Ufer aufs andere setzt, trifft man auf den Felsen am 
rechten Ufer in der ungefähren Seehöhe von 600 m in Begleitung 
von Saxifraga Aizoon, Erica carnea und Ilieracium amplexkaule 
die Primida viscos(i^) nicht selten an, während gegenüher am anderen 
Ufer in ganz geringer Entfernung die Felsgeliänge Frax'mus Ornus, 
Diplacline serotina, Süpa capillata, Gampanula Bononiensis, dann 
Laduca perennis tragen und endlich wieder in geringem wag- 
rcchten Abstände, bei Neustift, südliche Gewächse, wie Ceterach 
officinarum, Celtis australis und Jasminum officinale angegeben 
werden; die Höhenlage aller genannten Punkte ist fast dieselbe. 

Noch sei auf einen anderen, aber ähnlichen Fall aufmerksam 
gemacht; in dem sonnigen Kiefernwalde gleich ober der. Seidner- 
schen Brauerei in Brixen, also in ungefähr 600 — 700 m Meeres- 
höhe, traf ich neben Saxifraga Aisoon vereinzelt auch Cardamim 
resedifolla und ein Exemplar von Hieracium intyhacemn an, während 
das in derselben Höhenlage gegenüber befindKche Gehänge vom 
Krakofl viele südliche Typen, wie z. B. Ächillea tomentosa, Opuntia 
vulgaris, Celtis australis usw., aufweist. 

Auch das Schalderertal in seinem unteren, nach Vahrn aus- 
mündenden Teile ist hier anzuführen, indem Laserpitium Panax, 
Cardamine resedifolia, Folygonum viviparum, Ilhododendron ferru- 
gineum, Saxifraga stellaris in solche Lagen heruntergehen, welche 
am sonnseitigen Gehänge Edelkastanien tragen und etwas tiefer 
noch für den Weinbau lohnend erscheinen. 



Clathrus cancellattis. Im Herbste 1902 zwischen Gebüsch am 
Wege 16 2) von Neustift nach Brixen gefunden. 

Phallus impudiciis. Ebenfalls im selben Jahre einzeln zwischen 
Vahrn und Brixen am Wege 2 angetroffen. 

^) Wohl zuerst erwähnt bei Hof mann in der Österr. botan. Zeitschr., 
I, S. 186 (1851), dann bei Hausmann, Flora v. Tirol, Nachträge, S. 1471 (1854). 

^) Durch die dankenswerte Tätigkeit der Sektion Brixen des Deutschen 
und Österreichischen Alpenvereines ist die Wegmarkierung durch Nummern 
ausgeführt, was oft eine leichte Kennzeichnung der Standorte gestattet. 



452 



Allton Heimerl. 



Fhlydospora fusca. Verbreitet in der Umgebung- von Vabrn, ins- 
besonders im Kastanienwalde unter der Ruine Salern. 

Notholaena Marantae}) Wird wobl für die Brixener Gegend an- 
gegeben, konnte aber trotz vielfachen Nacbsuchens nicht auf- 
gefunden werden. — Das nördlichste Vorkommen im Eisack- 
tale scheint mir das am Aufstiege zum Wirtshause Penzl von 
der Haltestelle Kastelruth aus zu sein, wo der Farn stellenweise 
häufig zwischen Porphyrgerölle auftritt. 

Cryptogramme crispa. Am Aufstiege zum Schaldererjoche von Stein- 
wend aus an einigen Stellen. 

Asplenium Ädiantum nigrum. Sehr vereinzelt in den Ritzen von 
Feldeinfriedungsmauern gegenüber der Haltestelle Vahrn; etwas 
häufiger an ähnlichen Stellen vor Elvas am Aufstiege von 
Neustift aus (Weg 3). 

Asplenium Germanimm. Einzeln zwischen den hier überall ver- 
breiteten gemeinen Asplenien : A. Ruta muraria, A. septen- 
trionale und A. TricJiomanes^) an mehreren Stellen beob- 
achtet: Ober Bad Schalders, in Feldmauern beim Kastanien- 
walde und ober der Kirche von Vahrn, bei Elvas, in den 
Abstürzen vom Säbener Felsen zur Thynaschlucht bei Klausen. 
— Das vereinzelte Vorkommen möchte wohl für die hy- 
bride Entstehung aus A. TricJiomanes und A. septeni/rionale 
sprechen. 

Aspidium montanum. Mit Aspidium spinulosum im Walde an dem 
rechten Ufer des Schaldererbaches ober Vahrn. 

Botrychium Matricariae. Am Abhänge des Joches zwischen See- 
kofel und Sattelspitz gegen Riol zu an einer Stelle nicht selten ; 
das einzige von mir im Gebiete gefundene Botrychium. 

Equisetum silvaticum. Ziemlich selten: Plosegehänge nächst Bad 
Burgstall und am Wege (7) von St. Jakob nach Mellaun. 

Lycopodium annotinum. Am Standorte des Aspidium montanum 
nächst Vahrn. 



^) Die Anordnung im folgenden ganz nach der Exkursionsflora von 
Fritsch, der auch die Nomenklatur entnommen ist. 

^) Außer den angeführten Asplenien konnte ich keinen weiteren Ver- 
treter der Gattung auffinden, obwohl auch A. viride für das Gebiet angegeben 
wird. 



I. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



453 



Pinus Cemhra. Diese auf den hiesigen Alpen noch sehr verbreitete 
Kiefer geht auch an einigen Stellen tief ins Tal herab; so traf 
ich Pflänzchen in Felsspalten angesiedelt gleich ober Bad 
Schalders (1100 m) und am Wege von Brixen nach Lüsen 
vor dem Walderhauer (900 ni). 

Juaiperus nana. Am Ploseaufstiege (4) gegen das Trametschtal zu 
häufig ober der Waldgrenze. 

AInes alba. Manchmal einzeln den Fichten- und Lärchenbeständen 
beigemischt: so am Abstiege von Riol zum Bahnhofe Franzens- 
feste. 

Triglochin palustre. Häufig auf sumpfigen Stellen: Tschitfnon, Theis, 
Bad Burgstall, Neustift, Schahs usw. 

Digitaria linearis. Scheint hier eine Seltenheit zu sein und wurde 
nur einmal bei der Villa Piabach in Brixen gefunden. 

Bigitaria sanguinalis. Hin und wieder, einzeln: Bad Burgstall, Vahrn, 
Aufstieg von Vahrn nach Spiluck, bei Schloß Pallaus usw. 

Digitaria ciliaris. Einmal als Unkraut in Vahrn gefunden. 

Setaria verticillata. Bloß auf Avüsten Stellen am linken Eisackufer 
bei Stuffels beobachtet. 

Sti2)a capillata. Auf den Phyllitfelsen sparsam in der Eisack-Enge 
bei Neustift, auf Porphyr nächst Theis, dann auf den Diorit- 
felsen am Alpenvereinswege durch die Abstürze von Sähen 
zur Thynaschlucht und in dieser selbst. 

Lasiagrostis Calamagrostis. An den Abstürzen zwischen den Erd- 
pyramiden bei Schahs^ dann nächst der Eisackenge und an- 
geschwemmt am linken Eisackufer bei Neustift, ferner häufig 
auf den Porphyrgehängen bei Theis am Wege nach Villnöss, 
in der Schlucht hinter der Haltestelle Villnöss an der Straße, 
endlich auf den Felsabstürzen von Sähen zur Thynaschlucht. 
— Das auifallende Gras finde ich weder bei Hausmann 
noch bei Bachlechner erwähnt. 

Vhleum phalaroides. Die gemeinste PJileum -Art^ auf allen sonnigen 
Gehängen häufig: Vahrn, Neustift, Brixen usw. — Das Fhleum 
pratense ist hier ziemlich selten; es findet sich z. B. auf den 
Wiesen beim Vincentinum in Brixen. 

Agrostis nipestris. Gemein auf allen Alpen um Brixen, geht auch 
weit in die Täler herab, so häufig am Wege (5) von Afers 



454 



Anton Heimerl. 



nach Villnöss, zwischen Valirn und Schalders, dann vom 
Spiluckerjoche ober Franzensfeste an bis fast gegen Riol herab. 
Calamagrostis pseudo-phragmites. Gemein am Eisack im ganzen 
Gebiete. 

Calamagrostis Epigeios. Viel seltener als die vorige Art, so zwischen 
Vahrn und Schalders, dann zwischen Brixen und Albeins. 

Calamagrostis varia. Verbreitet an buschig-waldigen Stellen. 

Calamagrostis villosa^) (C. Halleriana) . Auf allen Alpen um Brixen 
und Vahrn häufig: Plose, Schaldererjoch, Übergang von Spi- 
luck nach Franzensfeste usw. 

Calamagrostis villosa var. hypacratliera Torges. Am Abstiege von 
dem Joche ober Spiluck nach Franzensfeste. — Herr Prof. 
Hackel, der die ihm eingesendeten Exemplare als diese Form 
erkannte, schrieb mir über dieselben: „Granne sehr kurz, 
unter der Spitze inseriert. In Bezug auf Wuchs entspricht 
ihre Pflanze der var. gracilescens Blytt, aber deren Granne 
kommt aus der Mitte; kombiniert also beider Merkmale." 

Ä2)era Spica vmti. Häufiges Feldunkraut, noch in Feldern bei Afers 
in 1500 m Seehöhe. 

Trisetum spicatum. Sparsam am Plosewege (4) an der Stelle, wo 
man die Abstürze zwischen Plosehütte und Schönjöchl durch- 
kreuzt. 

Ävenastrum pratense. Sehr verbreitet: Bei Vahrn, Neustift, Elvas, 
Brixen, auch auf subalpinen Wiesen in Steinwend und auf 
den Porphyrfelsen zwischen Theis und Villnöss am Wege 11. 

Ävenastrum versicolor. Auf der Höhe des Valserjoches. 

Cynodon Bactylon. An sterilen, sonnigen Stellen hin und wieder: 
Bei der Kirche von Vahrn, im Eisacktale zwischen dem Vorder- 
und Hinterrigger, am Aufgange von Klausen zum Kloster 
Sähen und am Wege von Feldthurns nach Tschötsch. 

Oreochloa disticha. Am Standorte des Trisetum spicatum. 

Sieglingia decumhens. Im ganzen Gebiete häufig: Vahrn, Weg nach 
Lüsen, Bad Burgstall usw. 

^) Herr Prof. Hackel war so freundlich, meine Bestimmungen der 
Calamagrostis- und Festuca- Arten (aus der Verwandtschaft von F. ovina) zu 
revidieren. 



I. Beitrag zur Flora des Eisaektales. 



455 



Diplachne serotlna. An den wärmsten Stellen: Vereinzelt an den 
Abstürzen der Erdpyraniiden bei Scbabs, auf Porpbyrgebängen 
näclist Theis am AYege 11, endlicli auf Felsen in der Thyna- 
scblucht bei Klausen. 

Molinia coeruha. Verbreitet auf feucbten Wiesen: Bei Bad Burg- 
stall, am Wege (7) von Mellaun nacli St. Jakob, in der Thyna- 
schlucbt bei Klausen usw. 

Eragrostis pilosa. Unkraut an sterilen Stellen bei der Haltestelle 
Vabrn, in den Parkanlagen zwiscben Eisack und Rienz, dann 
bei der Ergänzungsbezirks-Kaserne von Brixen, endlicb am 
Sträßchen durch die Thynaschlucht bei Klausen. 

Eragrostis minor. Unkraut bei der Haltestelle Vahrn und auf dem 
Bahngeleise zwischen Vahrn und Brixen. 

Foa Cliaixii. Ein Stock am Schaldererbache ungefähr in der Mitte 
zwischen Vahrn und dem Bad Schalders. 

Festuca rupicaprlna. In Menge auf den Abhängen am Aufstiege 
zum Schaldererjoch von Steinwend aus; ein, wie mir Herr 
Prof. Ha ekel mitteilt, wegen des Vorkommens dieser Kalk- 
pflanze auf Phylliten bemerkenswerter Standort. 

Festuca faUax. Gemein auf subalpinen Wiesenflächen: Spilucker- 
alpe, Steinwend, Plose usw. 

Festuca gigantea. Selten: In den Eisackauen am linken Ufer un- 
gefähr Milland gegenüber, dann am Beginne des Weges von 
Brixen nach Lüsen nächst der Kapelle. 

Vulpia Myurns. An sonnigen, trockenen Stellen am Aufstiege von 
Brixen zum Bad Burgstall. 

Bromus commutatus. Auf wüsten Stellen zwischen Vahrn und 
Neustift. 

Bromus squarrosus. Scheint sich erst in neuerer Zeit im Gebiete 
verbreitet zu haben, da Bachle ebner (I, 88) nur ein Vor- 
kommen erwähnt; nun stellenweise häufig: Bei Stuffels am 
Wege (16) von Neustift, unweit der Kaltwasserheilanstalt in 
Brixen, am Wege von Brixen zum Walderbauer, am Aufstiege 
zum Bad Burgstall, in Albeins, bei der Haltestelle Villnöss 
und an dem Sträßchen in der Thynaschlucht bei Klausen. 

Lolium Italicmn. Auf Wiesen zwischen Neustift und Stutfels, dann 
am Bahndamme beim Vahrner Bad. 



456 



Anton Heimerl. 



Agropyrum caninmn. Gemein in den Eisackauen, ferner an Wasser- 
läufen in Valirn und am Villnösserbache in der Schlucht hinter 
der Haltestelle Villnöss. 

Trklwplwrum cdpinum. Häufig auf einer moorigen Stelle etwas 
unter dem Jochübergange von Spiluck nach Franzensfeste 
(Weg 3). 

Schoenopledus triqueter. Häufig an dem Teiche bei der Ziegelei 

vor Brixen am Wege nach Vahrn. 
Blysmns compressus. Sehr verbreitet: An der Straße von Schahs 

nach Neustift, bei Bad Burgstall, Tschiffnon, Theis, am Wege 

von Afers nach Villnöss. 
Schoenus ferrugineus. Auf einer Sumpfstelle am Aufstiege von Brixen 

zum Bad Burgstall. 
Carex curvula. Auf der Plose zwischen Schönjöchl und Plosehaus, 

dann am Abhänge des Schrothornes zum Schaldererjoche. 
Carex echinata. An sumpfigen Stellen am Talwege von Vahrn nach 

Schalders, dann am Fundorte des Trkhopliormn alpinum. 
Carex nigra (C. vulgaris). Mit der vorhergehenden Art ober Spiluck. 
Carex nitida. Auf sonnigen Gehängen um Neustift, Elvas und 

Brixen. 

Carex frigida. Ober der Spiluckeralpe an der Kreuzung der Wege 2 
und 3, dann häufig an quelligen Stellen unter dem Schalderer- 
joche am Aufstiege von Steinwend aus. 

Carex distans. An der Straße von Schahs nach Neustift. 

Acorus Calamus. In einem kleinen Tümpel in Feldthurns. 

Juncus Jacquini. Unter dem Schaldererjoche mit Carex frigida. 

Juncus effusus. Auf feuchten Wiesen bei Bad Burgstall, dann am 
Wege von Brixen nach Lüsen vor dem Walderbauer. 

Juncus filiformis. Am Talwege (5) von Vahrn nach Schalders, 
dann am Fundorte der Carex nigra. 

Juncus compressus. Gemein an Wegrändern in Vahrn, Neustift, 
Brixen usw.; den ebenfalls für unser Gebiet angegebenen 
J. Gerardi (Bachle ebner, I, 79) habe ich nicht angetroffen. 

Luzula flavescens. Ganz vereinzelt am Wege von Afers nach 
Villnöss. 

Lmula Sieberi. Am Abhänge des Joches ober der Spiluckeralpe 
(Weg 3) nach Riol. 



I. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



457 



Lnznla spadicea. Nicht selten auf der Plose, dann häufig (Weg 3) am 
Abstiege vom Joch ober der Spihickeralpe nach Franzensfeste. 

Lnzida spiccda. An den Standorten der vorigen Art. 

Antherkum Lüiar/o. An den Abstürzen der Erdpyramiden bei 
Schahs, ober St. Andrä am Plosewege, bei Afers, auf Porphyr 
am Wege von Theis nach Villnöss. 

Antherkum ramosmn. Um Vahrn häufig. 

AlUum senescens. Stellenweise: In der Schlucht hinter der Halte- 
stelle Villnöss, von Sähen über Feldthurns bis Tschötsch, in 
der Thynaschlucht bei Klausen. — Das verwandte A. amju- 
losum fehlt im Gebiete. 

Allium sphaeroceplicdum. Bei der Haltestelle Villnöss und am Wege 
von Theis nach Villnöss. 

Allium carinatum. Selten: Am Wege von Vahrn zum See, dann 
zwischen Bad Burgstall und St. Andrä. 

Allium oleraceum. Verbreitet: Vahrn, Neustift, Feldthurns usw. 

Ldium hullnferum. Auf Felsen in der Thynaschlucht nächst Klausen. 

Herminkim Monorcliis. An der Straße von Schahs nach Neustift 
an einer Stelle häufig, dann auf einer x41penwiese am Auf- 
stiege zum Taubenbrunn von Vahrn aus. 

Scdix Jierhacea. Unterhalb des Schaldererjoches am Aufstiege von 
Steinwend aus. 

Salix daplvnoules. Hin und wieder an Wasserläufen, wohl meist 
angepflanzt: Vahrn, Eisackufer von Neustift bis Brixen, Bad 
Burgstall. 

Salix nigrkans. An Bachrändern bei Bad Burgstall und am Bahn- 
gelände bei Vahrn, dann in Steinwend. 

Salix grandifolia. Häufig am Schaldererbache von Vahrn an. 

Salix viminalis. Sah ich bloß gepflanzt in einem Gehöfte in Neustift. 

Ostrya carpinifoUa. Das nördlichste Vorkommen im Eisacktale ist 
einerseits in der Schlucht hinter der Haltestelle Villnöss, durch 
welche die Straße nach Villnöss hinaufführt, andererseits an 
den Felsabstürzen von Sähen. — Südlich von Klausen an ist 
bekanntlich die Hopfenbuche gemein. 

Qiierctis lanuginosa. Um die Ruine Salern bei Vahrn, oberhalb der 
Eisackenge bei Neustift, dann zwischen Verdings und Feld- 
thurns. 



458 



Anton Heimerl. 



Celtis australis. Am Aufstiege nach Sähen von Klausen aus. 

Thesutm intermedium. Sparsam im Kastanienwalde hei Vahrn. 

TJiesium alpinum. Einzeln, aher verhreitet: Bad Burgstall, am Auf- 
stiege nach Spiluck, an dem Wege nach Lüsen vor dem 
Walderhauer und an dem von Afers nach Villnöss. 

Äsaruni Europaeum. Selten am Wege von Alheins nach Afers an 
steinigen Stellen. 

Bumex aquaticus. In den Eisacksümpfen hei und unter der Fisch- 
zuchtanstalt von Brixen vereinzelt. 

Bumex alpinus. Geht am Schaldererbache bis weit unter Bad 
Schalders herab. 

Bumex scutatus. Gemein an Wasserläufen in Vahrn und zwischen 

Vahrn und Brixen. 
Oxyria digyna. Geht am Schaldererbache von Steinwend bis gegen 

das Bad Schalders herunter; auf den umhegenden Alpen nicht 

selten, z. B. am Schaldererjoche. 
Folygonum viviparum. Geht am Schaldererbache bis ungefähr in 

die Mitte von Vahrn und Schalders herab. 
Folygonum minus. Nicht selten bei Vahrn, Schalders, dann bei 

St. Andrä und in der Thynaschlucht bei Klausen. 
Folygonum Hydropiper. Zwischen Vahrn und Brixen, häufig in 

Albeins und nächst St. Andrä, dann bei Verdings. 
Fagopyrum Tataricum. In Buchen Weizenfeldern bei Vahrn und 

Feldthurns. 

Chenopodium hyhridum. Vereinzelt: Vahrn, Neustift, Weg von Mil- 
land nach Sarns, Straße von der Haltestelle nach Villnöss. 

Chenopodium murale. Straßenränder bei der Haltestelle Villnöss 
und in Klausen. 

Chenopodium polyspermum. Ganz vereinzelt in Vahrn und Brixen. 

Chenopodium rubrum. Zwischen Vahrn und Brixen, dann in Tschiff- 
non bei Feldthurns. 

Chenopodium glaucum. Überall: Vahrn, Neustift, Brixen usw. — 
Diese Art und das Chenopodium alhum sind die gemeinsten 
Vertreter der Gattung, während das Chenop. Vulvaria fehlt. 

Ämaranfus retroflexus. Häufig bei Vahrn. 

Amarantus Silvester. Wüste Plätze beim Bahnhofe von Brixen und 
in Klausen. 



I. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



459 



Pcyrtnlaca oleracea. Unkraut bei TscliifFnon nächst Feldthurns. 
Silene Otifes. Auf sonnigen, grasig-en Gehängen häufig: Vahrn, 

Brixen, Elvas, Aicha, Schahs, Albeins, Theis usw. 
Hlene Ärmer ia. Vereinzelt in der Thynaschlucht bei Klausen; sehr 

häufig am Bahndamme unterhalb der Station Brixen. 
ilene riipestris. Geraein von der Talsohle bis in die Alpen. 
ilene noctiflara. Als Unkraut vereinzelt in Vahrn. 
oJilrauschia prolifera. Am Wege von Feldthurns nach Tschötsch. 
Tunlca Saxifraga. Gemein um Vahrn, Neustift, Brixen usw. 
Blanthus Armeria. Ganz vereinzelt im Kastanienwalde bei Vahrn 

und am Waldwege (2) von Vahrn nach Brixen. 
Dianfhus atroriihens. Auf dem diluvialen Höhenzuge gegenüber der 

Haltestelle Vahrn an einer Stelle häufig. 
Blanthus inodorus. Sehr gemein an sonnigen Stellen im ganzen 
Gebiete. 

Dianfhus Monspessiäaniis. Stellenweise in Menge und eine Zierde 
der Gehänge bildend, z. B. in Franzensfeste, Vahrn. 

Sa]}07iarla Pumlllo. Am Aufstiege zum Schaldererjoche und zur 
Lorenzen-Scharte von Steinwend aus. 

Saponarla ocymoldes. Verbreitet: Neustift, zwischen Franzensfeste 
und dem Vahrner Bad, bei Schalders und Spiluck, dann in 
Albeins, Theis, Verdings, in der Thynaschlucht usw. 

Stellaria idiginosa. An einer quelligen Wegstelle in den Eisack- 
auen zwischen Albeins und Kampan, vor St. Andrä am Wege 4, 
dann oberhalb von Vahrn am Aufstiege zum Taubenbrunn. 

Stdlarla Frieseana. Verbreitet: Am Schaldererbache ober Vahrn 
bis nach Steinwend und gegen den Aufstieg zum Schalderer- 
joche; am Abstiege von Riol nach Franzensfeste; häufig am 
Wege von Afers nach Villnöss. 

Sagina Linnael. Nicht selten am Wege von Schalders nach Stein- 
wend. 

Arenaria hiflora. Geht am Schaldererbache bis weit unter Stein- 
wend herab; nicht selten am Valscrjoche. 

Moehringia muscosa. Verbreitet: Spiluck, Albeins, Schlucht bei der 
Haltestelle Villnöss, Weg von Afers nach Villnöss, Thyna- 
schlucht bei Klausen. 

S^^ergnla arvensls. In Feldern ober der Kirche von Villnöss, 



460 



Anton Heimerl. 



Spergularia campestris. Wegränder in Afers und am Aufstiege von 
da zur Plose an der Waldgrenze, vereinzelt am Wege von 
Spiluck zur Spiluckeralpe, bei Bad Schalders. 

Scleranthus perennis. Sparsam am Wege von Spiluck zur Spilucker- 
alpe. 

Clematis aljnna. Nicht selten am Wege von Afers nach Villnöss. 

Äquilegia. Blätter einer Art dieser Gattung (Ä. vulgaris ?) am Wege 
von Vahrn zum Vahrner Bad. 

Anemone montana. Verbreitet, auch im Herbste hin und wieder 
blühend: am Wege von Brixen nach Lüsen vor dem Walder- 
bauer, am Wege von Verdings nach Feldthurns und auf den 
Abstürzen von Sähen zur Thynaschlucht. 

Anemone Hepaüca. Vahrn, am Wege von Albeins nach Theis und 
weiterhin gegen Villnöss zu, am Alpenvereinswege hinter dem 
Kloster Sähen. 

Ranunculus pcmcistamineus. Bei Brixen nicht selten, z. B. in Wasser- 
gräben beim Vincentinum, in den Eisackauen usw. 

Ranunculus glaclalis. Sehr vereinzelt am Schrothorn und unterhalb 
der Königsangerspitze ober Schalders. 

Ranunculus nemorosus. Am Wege von Albeins nach Theis. 

Tlialickum foetidum. Häufig an einer Stelle des Weges von Afers 
nach Villnöss auf Porphyr. 

Thalictrum flexuosum. Verbreitet und häufig: Vahrn, Brixen, Neu- 
stift, Kloster Sähen, Straße von Villnöss zur Haltestelle. 

Pcipaver Argemone. Einzeln an Wegrändern bei Afers. 

Lepidium ruderale. In Menge bei der Ergänzungsbezirks-Kaserne 
von Brixen und am Wiesenwege von Brixen nach Vahrn; 
dürfte erst in neuerer Zeit eingewandert sein, da es bei 
Bachlechner (I und II) fehlt. 

Biscutella laevigata. Abstürze von Sähen zur Thynaschlucht und 
Felsen am Eingange in dieselbe. 

Sinapis arvensis. Hin und wieder, offenbar nur eingeschleppt: 
Brixen an mehreren Stellen (z. B. beim Bahnhofe), Franzens- 
feste gegen Unterau^ Thynaschlucht bei Klausen. 

Biplotaxis tenuifolia. Stellenweise in Franzensfeste und Untervahrn. 
— Scheint hier die einzige Vertreterin der Gattung zu sein. 



I. Beitrag- zur Flora des Eisacktales. 



461 



da ich die B. muralis nirgends antreffen konnte und der bei 
Bachlechner (I, 9) angeführte Fundort „beim Brantlgut" 
wohl nur vorübergehend war. 

aplianus Ixciphauistrum. Unkraut einzeln in Neustift, St. Andrä 
und Afers; kommt hier, wie schon Bachlechner (I, 11) be- 
merkt, stets mit weißen, violett geäderten Blüten vor. 

ardamine resedifolla. Auf den Alpen um Brixen und Vahrn sehr 
verbreitet, steigt tief in die Täler, so besonders auf den Plose- 
gehängen bis gegen Brixen (Wald hinter der Seidnerschen 
Brauerei) herab. 

ardamine impafiens. Hin und wieder, meist einzeln: Beim Vorder- 
egger nächst Vahrn, in der Thynaschlucht bei Klausen. 

'eslia panicidata. Vereinzelt als Unkraut am Wege von Albeins 
nach Afers. 

tenophragma Ilialiamim. An Feldrändern bei Vahrn und Afers. 
rahis glahra. Sehr vereinzelt: Eisackauen zwischen Brixen und 

Albeins, Feldränder bei Afers, Umgebung von Vahrn. 
rahis Jürsiäa. Umgebung von Albeins. 

esperis matronalis. Nicht selten am Wege durch die Abstürze 
hinter Sähen zur Thynaschlucht. 

emperviviim tectorum. Verbreitet: am Wege von Theis nach Vill- 
nöss, ober der Straße zwischen Albeins und der Haltestelle 
Villnöss, in der Thynaschlucht bei Klausen und am Wege von 
Sähen über Feldthurns bis Tschötsch. 

emperviviim montanum. Am Aufstiege von Steinwend zum 
Schaldererjoche etwas ober der Waldgrenze, dann am Alpen- 
vereinswege (4) auf die Plose im Trametschtale. 

emperviviim Fimkii? Diese oder eine ähnliche, noch weiter zu 
beobachtende Art am oberen Wege (4), etwa in der Mitte 
zwischen Schalders und Vahrn. — Eine offenbar verwandte 
Pflanze auf den Porphyrfelsen bei Theis am Wege nach Vill- 
nöss mit Sempervivum tectorum. 

axifraga aizoides. Geht am Plosegehänge bis unterhalb Bad Burg- 
stall (ungefähr 1000 m) an quelligen Stellen herab. 

axifraga stellaris. Steigt bis zur Mitte zwischen Vahrn und Bad 
Schalders herunter (ungefähr 900 m). 



462 



Anton Heimerl. 



Äruncus Silvester. Zwischen Vahrn und Bad Sclialders am Bache; 
am Beginne des Weges von Brixen nach Lüsen in der Schlucht 
nächst der Kapelle. 

Cotoneaster integerrima. Am Alpenvereinswege durch die Abstürze 
von Sähen zur Thynaschlucht. 

Amelamhier ovalis. An der Straße von Villnöss zur Haltestelle 
herab, am Alpenvereinswege hinter Sähen und unten in der 
Thynaschlucht; sehr schön auf den heißen Porphyrgehängen 
am Wege von Theis nach Melaus. 

Crataegus monogyna. Nicht selten um Vahrn, Brixen, Feldthurns usw. 

Buhns tomentosus. Bei Elvas, Vahrn, Tschötsch, in der Thyna- 
schlucht bei Klausen usw. 

Potentilla rupestris. Verbreitet: Bei Vahrn, Albeins, Afers, Feld- 
thurns usw. 

Sibhaldia procumhens. Geht weit in die Waldregion herunter, so 
bei Steinwend und bis oberhalb Riol am Jochübergange von 
Spiluck nach Franzensfeste (Weg 3). 

Älchemilla alpina. Sehr häufig mit voriger am Jochübergange von 
Spiluck nach Franzensfeste. 

Rosa ferruginea. Am Abstiege von Riol nach Franzensfeste. 

Bosa Gallica. Vor St. Andrä ober Brixen. 

Bosa agrestis. Aufstieg voa Albeins nach Afers. 

Ononis Nairix. An vielen Stellen und gewöhnlich truppweise 
Straße von Aicha nach Schahs und weiterhin bei den Erd 
Pyramiden bis gegen Neustift herunter, häufig am Aferser- 
bache in Albeins, von Albeins über Theis bis gegen Villnöss 
und an der Straße von letzterem Orte zur Haltestelle herab 

Melilotus officinalis. Sehr vereinzelt um Vahrn. Im Gebiete ist 
Melüotus alba die allein herrschende Art. 

Trifolium ochroleucum. Häufig zwischen Verdings und Feldthurns 
dann merkwürdigerweise am Plosewege (4) fast an der Wald 
grenze an einer Stelle. 

Trifolium fragiferum. Nicht selten an Wegrändern in Vahrn, Neu 
stift, Brixen. 

Trifolium hyhridum. Auf feuchten Wiesen nächst Neustift, Brixen usw 
häufig. 

Lotus siliqnosus. Feuchte Stellen bei Tschötsch. 



I. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



463 



Colntea arhorescens. Verbreitet: Eisackenge bei Neustift, Weg* von 
Tlieis nach Villnöss, Thynaschluclit bei Klausen. 

Oxijtropis 2)iIo.^(i. Sparsam zwischen den Gehöften des Vorder- 
und Hinteregger, dann am rechten Eisackgehänge gegenüber 
Neustift. 

Otiohrychls viciaefolia. Am Wege (11) von Melaus nach Villnöss 
und an der Straße von letzterem Orte zur Haltestelle herab. 

Cic€7' arleünum. Gebaut in einem Weingarten in Neustift (am 
Wege 16). 

Latlujrus Silvester. Nicht selten: Vahrner Bad, Spiluck, Weg von 

Tlieis nach Melaus usw. 
Geranium sylvatkiim. Auf Alpenwiesen in Steinwend. 
Geranimn sangumeiim. Auf den Abhängen zwischen Melaus und 

Villnöss, dann am Alpenvereinswege hinter Sähen. 
Geranium Uvidum. Wiesenränder bei Vahrn. 

Geranium columhinum. Abhänge zwischen Melaus und Villnöss 

(St. Peter), dann in der Thynaschlucht bei Klausen. 
Oxalis strida. Unkraut in Vahrn, bei Kampan nächst Brixen und 

am Wege von Milland nach Sarns. 
Ihita graveolens. Häufig (verwildert?) an sonnigen Lehnen beim 

Hinteregger nächst Neustift. 
Äilanthiis ylanclulosa. Ganz eingebürgert an den steinigen Lehnen 

beim Vahrner Bad. 
Eupliorhia Feplus. Wüste Plätze in Vahrn. 

Fihamnus pumila. An den Abstürzen der Porphyrschluchten zwischen 
Theis und Melaus (Weg 11). 

Malva Älcea. Sparsam : An dem Sträßchen vom Vorder- zum Hinter- 
egger bei Neustift, an Hecken bei Vahrn, bei Mühlbach. 

Hihiseus Trionum. Auf wüsten Stellen bei der Ergänzungsbezirks- 
Kaserne in Brixen (ob bleibend?). 

Hypericum montanum. Nicht selten um Vahrn und Schaiders. 

Hypericum acutum. Feuchte Plätze zwischen Verdings und Feld- 
thurns. 

Helianthemum ohscurum. Gemein an sonnigen, niedrig gelegenen 
Stellen. 

Fumana procumhens. Ruine Salern und Gehänge gegenüber der 
Haltestelle Vahrn, sonnige Abhänge zwischen Theis und Villnr)ss. 

Z. B. Ges. Bd. LIY. 32 



464 



Anton Heimerl. 



Baplme striata. Am Aufstiege (Weg 4) auf die Plose sparsam 
ober der Waldgrenze gegen das Trametsclital zu. 

Epilohium palustre. Nicht selten: Am Wege vom Bad Burgstall 
nach 8t. Andrä, zwischen Vahrn und Bad Schalders, am Auf- 
stiege von Vahrn nach Spiluck und auf die Plose. ^ 

Epilohium collinum. Sehr häufig um Vahrn, Schalders und Brixen; 
in Menge auch am Wege von Albeins nach Theis. 

Chamaenerium palustre (Epilohium Bodonaei). Häufig am Aferser- \ 
bache in Albeins, dann in der Schlucht hinter der Haltestelle 
Villnöss und in der Thynaschlucht bei Klausen. 

Oenothera hiennis. Häufig am Eisackdamme zwischen Brixen und 
Albeins und längs des Aferserbaches in Albeins. 

Circaea alpina. An Wasserläufen in Vahrn nächst der Villa Toldt, dann 
von Vahrn über Schalders bis Steinwend stellenweise häufig. 

Heder a Helix. Abstürze von Sähen; am Wege von Verdings nach 
Feldthurns. 

ChaeropJiyllum aureum. Auf Wiesen vor Afers häufig; am oberen 

Wege von Vahrn nach Schalders; bei Naz. 
Chaerophyllum Villarsii. Häufig auf den Glebirgen^ z. B. auf der 

Plose; geht am Schaldererbache bis gegen Vahrn, am Plose- 

gehänge bis Platzbon und St. Jakob, dann am Spiluckerjoche 

bis ober Riol nächst Franzensfeste herab. 
Cliaeropltyllum Cicutaria. Verbreitet, z. B. am Schaldererbache und 

auf den Wiesen um Vahrn. 
Änthriscus nitidus. Mit voriger Art um Vahrn. 
Foeniculum vtdgare. In Weingärten ober dem Gallhofe in Vahrn. 
Lihanotis montana. Thynaschlucht bei Klausen und Abstürze von 

Sähen zu derselben. 
Seseli annuum. Unweit vom Vahrner See. 

Tommasinia verticillaris. Ziemlich häufig am linksseitigen Eisack- 
damme unterhalb Brixen, ungefähr Schloß Pallaus gegenüber, 
dann an der Straße von Villnöss zur Haltestelle herab. 

Ängelica elatior. Am Schaldererbache zwischen Vahrn und Schalders 
vereinzelt. 

Imperatoria Ostruthium. Geht mit voriger Art bis fast nach Vahrn, 
dann am Jochübergange von Spiluck nach Franzensfeste 
bis gegen Riol herab. 



I. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



465 



Feticedanum Cervaria. Selten: Thynaschliicht bei Klausen und an 

einer Stelle zwischen Merans und Villnöss. 
FenceddHum Oreoselluum. Auf niedrig gelegenen, sonnigen Stellen 

sehr häufig. 

Pastinaca sativa. Nicht gemein: Am Eisack von Brixen bis zur 
Haltestelle Villnöss, dann bei Klausen und in einer Parkanlage 
bei Brixen. 

Pastinaca opaca. Sehr häufig in der Thynaschlucht bei Klausen. 

Laserplt'mm Vruientcmn. Spärlich: Abhänge der Ruine Salern 
zum Vahrner Kastanienwalde, am Aufstiege von Vahrn nach 
Spiluck, am Wege vom Bad Burgstall nach St. Andrä und 
einzeln am Schaldererbache zwischen Vahrn und Bad 
Schal ders. 

LaRerpiüum Panax. Häufig auf Alpenwiesen, z. B. auf denen der 
Plose; geht einzeln bis auf die Mitte des Weges von Bad 
Schalders nach Vahrn herab. 

Orlaya grandiflora. Thynaschlucht bei Klausen. 

Cornus mas. Auf den Felsen der Thynaschlucht; einziges beob- 
achtetes Vorkommen im Gebiete. 

Plrola secunda. Stellenweise: Beim Vahrner Bad, am Schalderer- 
bache nächst Vahrn, am Aufstiege von Vahrn nach Spiluck 
und weiterhin von da zur Spiluckeralpe, am Wege von Albeins 
nach Afers und auf dem von Theis nach Villnöss. 

Pirola uniflora. Am Wege von Spiluck zur Spiluckeralpe. 

Ardostaphylos Uva ursi. Massenhaft auf sonnigen Waldgehängen 
zwischen dem Feichtenbauer und Tils, dann bei der Spilucker- 
alpe usw. 

Fraximis Ornus. Häufig bei Elvas, Melaus, um Theis, auf den 
Felsen von Sähen, in der Thynaschlucht bei Klausen und in 
den Porphyrschluchten des Weges von Theis nach Villnöss. 

Erythraea Centaurumi. Nicht häufig: Am Aufstiege von Albeins 
nach Afers. 

Vinca minor. Zwischen Verdings und Feldthurns, dann am oberen 

Wege von Vahrn nach Schalders. 
Lappula echinata. Am Lüsenerwege vor dem Walderbauer. 
AncJmsa officinalis. Hin und wieder: ]5eim Vorder- und Hinteregger 

nächst Neustift, dann bei Elvas. 



466 



Anton Heimerl. 



Lycopsis arvensis. Häufiges Feldunkraut bei St. Andrä, dann in 

Feldern zwischen Albeins und Afers und in solchen zwischen 

Afers und St. Jakob. 
Verhena officinalis. Hin und wieder: Tschiffnon, Theis, bei Neustift 

am Sträßchen zwischen dem Vorder- und Hinteregger. 
Ajiiga pijramidalis. Selten: An Waldstellen zwischen der Spilucker- 

alpe und dem Jochübergange nach Franzensfeste. 
Teucrium montanum. Nicht selten, z. B. bei Elvas, am Wege von 

Brixen nach Lüsen und an dem von Theis nach Villnöss, 

-endlich in der Thynaschlucht bei Klausen. 
Marruhimn vulgare. Selten: Unkraut in Theis, dann am Wege 

nach Lüsen zwischen Brixen und dem Walderbauer. 
Nepeta Gataria. Wohl nur GartenflUchtling; einzeln in Vahrn, 

Neustift, dann gegen den Walderbauer zu, bei Theis usw. 
Galeopsis Ladanum. Nächst St. Andrä und in der Thynaschlucht 

bei Klausen; auch um Vahrn häufig. 
Galeopsis Murriana? Ein schlechtes Exemplar einer vielleicht 

hierher gehörenden Pflanze fand ich in der Thynaschlucht bei 

Klausen. 

Leonurus Cardiaca. Hiervon beobachtete ich seit einigen Jahren 
eine Gruppe in der Nähe des Bahnhofes von Brixen; an 
Straßenrändern in Klausen. 

Siachys palustris. Zwischen Gerolle beim Vahrner Bad. 

Stachys silvatica. An quelligen Stellen zwischen Melaus und Villnöss. 

Siachys recta. Häufig auf den Phyllitfelsen in der Eisackenge bei 
Neustift. 

Salvia glutinosa. Gegen den Vahrner See zu, am Aufstiege von 
Vahrn nach Spiluck, am Wege nach Lüsen vor dem Walder- 
bauer, endlich in der Thynaschlucht bei Klausen. 

Satureja vidgaris (Calamintha Clinopodium) . Häufig um Vahrn, 
Neustift, Brixen usw. 

Satureja nepetoides (Calamintha nepetoides). Auf den felsigen Ab- 
hängen nächst der Eisackenge bei Neustift; je weiter südlich, 
umso häufiger: Zwischen Theis und Villnöss, vor der Halte- 
stelle Villnöss an der von St. Peter kommenden Straße; Ab- 
stürze von Sähen zur Thynaschlucht und in dieser selbst 
häufig. 



I. Beitrag zur Flora des Eisacktales. 



467 



Lycopus Europaeus. Zerstreut: Sumpfstellen bei St. Andrä, Sumpf 

in Verding-s, Tliynasclilucht bei Klausen. 
Hyoscyamus niger. Ganz vereinzelt bei Neustift und Brixen. 
Verhascum thapsi forme X Äustriacnm und Verhasmm Lichnitis X 

Austriacum. Einzeln unter den häufigen Stammarten am 

Sträßchen von Neustift zur Eisackenge. 
Verhascum nigrum. Nicht selten, so z. B. häufig um Vahrn. 
Veronica scutellata. In einem Sumpfe bei Elvas, dann an sumpfigen 

Stellen zwischen Vahrn und Bad Schalders. 
Veronica laüfolia (V. urticaefolia). Verbreitet: Von Vahrn an am 

Schaldererbache bis Steinwend, am Abstiege von Riol nach 

Franzensfeste, am Wege von Afers nach Villnöss und von da 

an der Straße bis zur Haltestelle herab. 
Veronica fruticans. Hin und wieder: Von Bad Schalders an über 

Steinwend zum Schaldererjoche, dann am Abstiege (Weg 3) 

von dem Joche ober Spiluck nach Franzensfeste. 
Veronica hellidioides. Hochflächen der Plose. 

Digitalis amhigua. Abstürze von Sähen zur Thynaschlucht; häufig 
um Schalders, Brixen usw. Stets in der Form mit spitzen 
Zipfeln der UnterHppe. — Digitalis lutea traf ich erst südlich 
von Klausen an, so an der Straße von Waidbruck nach Kastel- 
ruth; sie wird in unserem Gebiete von Bachlechner (II) 
für den Weg nach Lüsen angegeben. 

Euphrasia montana. Auf Alpentriften, z. B. auf der Plose häufig. 

Euphrasia minima. Auf allen Alpen häufig, weit herabsteigend, 
so bis Steinwend, bis an den Weg von Vahrn zum Tauben- 
brunn, bis zur Spiluckeralpe usw. 

Odontites rubra. Zerstreut: Am Aufstiege von Brixen zum Bad 
Burgstall, an einem Sumpfe in Verdings. 

Älectoroloplms hirsutus. Auf Getreidefeldern häufig. 

Älectoroloplius stenopliyllus. Am Sträßchen von Neustift zum Vorder- 
egger. 

Älectoroloplms lanceolatus. Auf Alpenwiesen in Steinwend. 
Shera/rdia arvensis. Auf Äckern gegen das Vahrnerbad zu, dann 

bei Bad Schalders. 
Galium Cruciata. Am Alpenvereinswege durch die x\bstürze von 

Sähen zur Thynaschlucht bei Klausen. 



468 



Anton Heimer]. 



Gcdium spurium. Bei Vahrn und nächst Bad Schalders als Unkraut 
in Feldern beol)achtet. 

Galium uUginosum, Sumpfstellen am Wege von Vahrn nach Bad 
Schalders und nächst Bad Burgstall ober Brixen. 

Galium palustre. Häufig in einem kleinen Sumpfe am Gehänge 
vom Feichtenbauer gegen Tils herab. 

Galium rubrum. Sehr verbreitet und hoch hinauf steigend, die Blüten- 
farbe von rot bis weiß abändernd: Vahrn, Neustift, Schalders, 
Aufstieg zum Schaldererjoche, Verdings, Feldthurns usw. 

Galium lucidum. Am Alpenvereinswege durch die Säbnerfelsen 
und häufig in der Thynaschlucht bei Klausen. 

Galium anisophyllum. Am Abstiege von Riol nach Franzensfeste. 

Vihurnum Lantana. Selten: Nächst dem Kastanienwalde von Vahrn 
und am oberen Wege nach Schalders ganz vereinzelt; etwas 
häufiger am Wege nach Lüsen vor dem Walderbauer. 

Campanula Bononiensis. Neustift, Tschötsch, Elvas, Thynaschlucht 
bei Klausen, Straße von der Haltestelle nach Villnöss hinauf. 

Campanula spicata. Am Wege von Lüsen nach Rodeneck, am oberen 
Wege von Vahrn nach Schalders, zwischen Melaus und Vill- 
nöss, dann an der Straße zur Haltestelle Villnöss herab; am 
Aufstiege von Albeins nach Afers und am Wege von Verdings 
über Feldthurns nach Tschötsch. 

Eupatorium cannahinum. Hin und wieder, z. B. zwischen dem 
Vorder- und Hinteregger bei Neustift, am Bahndamme zwischen 
Brixen und Albeins, am Wege nach Lüsen und am Aufstiege 
zum Bad Burgstall, endlich auch in der Thynaschlucht bei 
Klausen. 

Erigeron annuus. Am Bahndamme zwischen Vahrn und dem 

Vahrner Bad an einer Stelle nicht selten; erhält sich daselbst 

seit einigen Jahren. 
Äster Amellus. Selten: Zwischen Melaus und Villnöss. 
Aster alpinus. In Menge auf den Felsen der Thynaschlucht und 

den Abstürzen von Sähen zu derselben. 
Gnaphalium uliginosum. Am Aufstiege von Brixen nach St. Andrä 

und weiterhin gegen das Bad Burgstall zu. 
Gnaphalium supinum. Häufig auf den Alpen um Vahrn und Brixen; 

geht am Schaldererbache bis an den Weg nach Steinwend, 



I. Beitraf^ zur Flora des Eisacktales. 



469 



dann ebenfalls weit am Jochübergange von Spiluck nach 
Franzensfeste herab (Weg o). 

luida Comjza. Vereinzelt in der Thynaschlucht bei Klausen; sonst 
habe ich keinen Vertreter der Gattung im Gebiete getroffen. 

Bidens triparüta. Selten: An Sumpfstellen in Verdings und Tschiffnon. 

(Udlnsoga parvlflora. Unkraut in Brixen und häufig beim Vorder- 
egger nächst Neustift. 

Achillea tomentosa. Am Wege von Feldthurns nach Tschötsch. 

Matrkaria Chamomüla. Nicht selten: Vahrn, Neustift, Bad Burg- 
stall usw. 

Chrysanthemum alpinum. Am Valserjoche häufig. 

Senecio vidgarls. Einige Exemplare an der Straße von Neustift 
nach Brixen, dann einzeln zwischen Sähen und Verdings; wird 
bei Bachlechner (I, 44) für die Gegend von Brixen als gemein 
angegeben, scheint seitdem im Verschwinden begriffen zu sein. 

Senecio süvatkiis. Holzschläge ober Vahrn am Aufstiege zum Tauben- 
brunn. 

Senecio errcdicus. Nicht selten am Wiesenwege von Vahrn nach 
Brixen, dann in den Eisackauen gegenüber Schloß Pallaus, 
endlich an einem Sumpfe in Tschiffnon. — Ist offenbar die 
von Bachlechner (I, 44) als S. ciqiiaticus angeführte Pflanze. 

Senecio Sarrcicenicus (S. Fuchsii). Selten: In einem Holzschlage 
ober Franzensfeste gegen Riol zu, dann in einer Schlucht am 
Wege nach Lüsen beim Walderbauer, einige Pflanzen (wohl 
angeschwemmt) an einem Wasserlaufe in Neustift. 

Cirsiiim heterophyllum. Hin und wieder auf den Wiesen um Vahrn, 
dann am Schaldererbache aufwärts bis Schalders und Stein- 
wend. 

Onopordon Äcanthium. Wenige Stücke in einem Gehöfte zwischen 
Brixen und Vahrn, scheint hier nur zufällig aufzutreten. 

Centaurea hracteata}) (C. amara vieler Autoren, C. (hmdini bei 
Fritsch.) Sehr häufig auf sonnigen Gehängen, z. B. ober 
Vahrn um die Ruine Salern, um Neustift, Brixen usw. 

^) Die Bezeichnungen der Centaureen nach v. Hayek, Centaurea -ArtGu 
Österreich-Ungarns. (Denkschriften der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, 
mathem.-naturvv. CK, Bd. LXXII, S. 113 und 143.) 



470 



Anton Heiraerl. 



Centaurea dubia (C. nigrescens vieler Autoren). Gemein auf den 
Wiesen und Gehängen um Vahrn und Brixen, dann noch auf 
subalpinen Wiesen in Steinwend. 

Centaurea Scahiosa. Auf sonnigen Stellen am Wege von Verdings 
nach Feldthurns. 

Lapsana communis. Eingeschleppt als Unkraut in Vahrn und bei 
Bad Schalders. 

Chondrilla juncea. Auf sonnigen Rainen und Gehängen verbreitet: 
Vahrn, Säben^ Weg von Verdings nach Feldthurns und 
Tschötsch. 

Sonchus arvensis. Selten: An der Straße zum Bahnhofe von Brixen, 
zwischen Brixen und Neustift und von Melaus bis Villnöss. 

Lactuca perennis. Am oberen Wege (4) nach Schalders und am 
Wege von Theis nach Melaus. 

Crepis foetida. Am Anfangsteile des Weges von Brixen nach Lüsen 
häufig und beständig an sonnigen Stellen. 

Crepis setosa. Häufig am Sträßchen von der Seeburg zur Kalt- 
wasserheilanstalt in Brixen. 

Crepis virens. Nicht selten am Wege von Verdings über Feldthurns 
nach Tschötsch. 

Crepis paludosa. Sumpfstellen bei Bad Burgstall und am Wege 
von St. Jakob nach Mellaun, dann von Vahrn bis Schalders. 

Crepis grandiflora. Vereinzelt am Wege längs des Schaldererbaches 
zwischen Bad Schalders und Vahrn. 

Hieracium hupleuroides. Auf dem diluvialen Höhenzuge gegenüber 
vom Pruggenwirt in Neustift. 

Hieracium caesium. Verbreitet: Bei Brixen im Walde ober der 
Brauerei, in der Alpenregion am Aufstiege von Steinwend 
zum Schaldererjoche und am Abstiege vom Joche ober Spiluck 
nach Franzensfeste. 

Hieracium silvaticum. Bei St. Andrä ober Brixen. 

Hieracium amplexicaule. Auf Phyllitfelsen häufig: Am Schalderer- 
bache zwischen Vahrn und Schalders, im Walde ober der 
Brauerei von Brixen, auf den Felsen hinter Sähen, häufig in 
der Thynaschlucht, endhch am Alpenvereinswege von Afers 
nach Villnöss. 



I. Beitrag zur Flora des Eisacktales, 



471 



Hieracium inhjhaceinn. Ein Exemplar im Walde ober der Brauerei 
von Brixen; am Abstiege vom Joche ober Spiluck nach 
Franzensfeste. 

Hieracium alpinum. Häufig auf alpinen Grasflächen in Steinwend. 



Zur Orchideen-Flora Lussiiis. 

Von 

Hans Fleischmann. 

Mit Tafel I und II. 
(Eingelaufen am 5. Februar 1904.) 

Durch die Güte des Herrn Mich. Ferd. Müllner, welcher den 
Frühling 1903 auf Lussin zAibrachte, gelangte ich in den Besitz 
lebender Orchideen dieser hochinteressanten Insel. Obwohl nun 
über die Flora dieses Eilandes bereits eine Menge hervorragender 
Arbeiten veröffentlicht wurden und fast alljährlich Botaniker die 
reichen Schätze desselben ausbeuten, so daß man annehmen könnte, 
es wäre dort überhaupt nichts mehr zu holen, befanden sich doch 
unter der Sendung drei Orchideen, wovon eine nicht nur für Lussin, 
sondern für ganz Osterreich neu ist, die beiden anderen überhaupt 
noch nicht bekannt sein dürften. Es sind dies: Serapias parvi- 
flora Pari., Ophrys Bertolonii X atrata, Ophrys Müllneri. 

Mögen die nachstehenden Diagnosen jene Botaniker, welche 
das Glück haben, zur Blütezeit der Orchideen auf Lussin weilen 
zu können, anregen, diesen herrlichen Vertretern unserer anmutig- 
sten Pflanzenfamilie ihre Aufmerksamkeit zu schenken.- 

Ophrys Müllner ii 

Knollen? Stengel 17 cm hoch, stielrund. Blätter am Grunde 3, 
länglich, die Spitze zurückgekrümmt und bereits verwelkt, verhältnis- 
mäßig klein, seegrün. Stengel zum Teil von zwei scheidigen 
Blättern verhüllt, unter der Ähre blattlos. Ähre vom obersten Blatt 
b cm entfernt, dreiblütig. Blüten mittelgroß, ziemlich gedrängt 



472 



Hans Fleischmann. 



stehend. Deckblätter lanzettlich, neunnervig. Äußere Perigon- 
blätter abstehend, die seitlichen nach abwärts geneigt, eiförmig, 
an den Rändern zurückgerollt, rein weiß mit grünem, gegen die 
Spitze verbreitertem Mittelnerv. Innere Perigonblätter breit lineal, 
so lang wie die Säule, doch kürzer als die äußeren Perigonblätter, 
am Rande schwach wellig, einnervig, in der Mitte rötlichweiß, die 
Ränder gelbgrün, kahl. Lippe im Umriß kreisförmig, tief drei- 
lappig. Seitenlappen stark herabgezogen, mit großen, nach vorne 
und seitwärts gerichteten Höckern, von ziemlich langen steifen 
l)raunen Haaren zottig. Höcker auf den einander zugewendeten 
Seiten kahl, glänzend, graugrün. Mittellappen breit, vorne aus- 
gerandet, ohne Anhängsel, an den Seiten sehr herabgeschlagen, 
stark konvex. Die kahle Zeichnung der Lippe dem zangen- oder 
H-artigen Zeichen der Oplmjs aranifera ähnlich, untere Arme aber 
viel länger als bei dieser, bis zur Hälfte des Mittellappens reichend, 
grünlichweiß, mit je einem schiefergrauen, glänzenden, länglichen 
Spiegelfleck in der Mitte der unteren Arme, des Verbindungsstückes 
derselben und einem am Grunde der Lippe. Das Verbindungsstück 
des H in der Mitte mit einem kreisförmigen, braunsamtigen Fleck. 
Der am Grunde der Lippe zwischen den kahlen Armen des H be- 
findliche Fleck braun, kurzsamtig. Seitenlappen purpurbraun, 
Mittellappen kurzsamtig von grünlichbraunen Haaren, welche gegen 
den Rand länger werden und diesen heller erscheinen lassen. Säule 
ziemlich kurz, am Grunde sehr breit und durch Verwachsung der 
seitlichen Narbenbänder mit der Lippe eine breite Narbenhöhle 
bildend; dann plötzlich zu dem schmalen Staubgefäß verengt, dieses 
nach vorne gekrümmt, kurz geschnäbelt. Pollinien gelb. Beutel- 
chen in die Narbenhöhle vorragend. 
Die Pflanze unterscheidet sich: 

Von Oplirys Tommasinii Vis., der sie durch die weißliche 
Zeichnung ähnlich sieht, durch die geteilte und gehöckerte Lippe 
mit längerarmiger Makel, die rein weißen äußeren Perigonblätter 
mit grünem Mittelnerv sowie durch bedeutend größere Blüten. 

Von Oplirys aranifera Huds. durch die tief geteilte Lippe, die 
großen, nach vorne und außen gerichteten Höcker, auffallend aber 
durch die rein weißen, grün benervten äußeren Perigonblätter, die 
bei Ophrys aranifera lichtgrün, und durch die in der Mitte rötlich- 



Zur Orchideen-Flora Liissins. 



473 



weißen, ^riiii gesäumten inneren Perigonblätter, welche bei Oplinjs 
ardnlfera bräunlichgriin sind. 

Von Ophnjs Scolo]}ax Cav. durch die längeren, kahlen inneren 
Perigonblätter, die Gestalt der Zeichnung sowie durch das Fehlen 
des Anhängsels. 

Von ()j)hr(/^ fuclpora Rehb. durch die tiefgeteilte Lippe^ die 
längeren, lincalen inneren Perigonblätter, das Fehlen des Anhängsels 
und durch die Zeichnung. 

Mit lebenden Individuen vorstehender Ophrys- Arten ver- 
glichen, erschien die Pflanze sehr ausgezeichnet. Da dieselbe be- 
züglich der Makel große Ähnlichkeit mit Ophrys Tommasinii zeigt, 
andererseits aber durch die rein weißen, grün benervten äußeren und 
die in der Mitte rötlichw^eißen inneren Perigonblätter sowie durch 
die kräftigen Höcker und die stark herabgezogenen Seitenlappen 
der tiefgeteilten Lippe auf Ophrys Scolopax Cav. weist^ ist die Ver- 
mutung nicht ausgeschlossen, daß die Pflanze möglicherweise eine 
Hybride dieser beiden Arten ist, umsomehr, als an dem Fundorte 
Ophrys Tommasinii und Ophrys Scolopax Cav. vorkommen und auch 
die Blütezeit der Ophrys Müllncri zwischen die der angeführten 
beiden Arten fällt. 

Auf einem kahlen, kurz berasten Abhänge bei Lussinpiccolo 
am 15. Mai 1903 von Herrn Mich. Ferd. Müllner aus Wien auf- 
gefunden, dem zu Ehren ich die Pflanze benenne. 

Noch sei darauf hingewiesen, daß Ophrys Müllneri auch bei 
der vielgestaltigen Ophrys aranifera var. nicaeensis Rarla nicht 
untergebracht werden kann, da diese Pflanze nach Barla rosenrote 
bis violette äußere, rötlichviolette bis purpurne innere Perigon- 
blätter, leuchtend violette Zeichnung und ein kleines Anhängsel 
hat. Im übrigen vermutete bereits Reich enbach fil. (Orch.), daß 
diese Pflanze hybriden Ursprungs sei, Barla erinnert an die 
große Ähnlichkeit der Zeichnung mit Ophrys Scolopax und Ophrys 
arachnites^ Camus (Monogr. d. Orch. d. Fr.j glaubt, daß unter diesem 
Namen Produkte aus Ophrys atrata, 0. arachnites, 0. Scolopax 
und 0. apifera vereinigt seien, weshalb wohl diese Varietät auf 
die Dauer überhaupt nicht haltbar sein dürfte. 

Ebensowenig kann aber auch Ophrys Müllneri zu Ophrys 
aranifera var. (piadriloha Rchb. gezogen werden, da diese von 



474 



Hans Fleischmann. 



Reich enbach fil. nur nach Bar las Zeichnung aufgenommene 
Form, obwohl sie ähnlich der Oplirys Müllneri dreilappige Lippe 
mit zweilappigem Mittellappen hat, sich doch durch grünlichgelbe 
oder rötliche äußere Perigonblätter, das Fehlen der Höcker und 
durch das kleine Anhängsel leicht unterscheidet. Camus vermutet 
in Ophrys aranifera var. quadriloha einen Bastard aus Ophrys ara- 
nifera X Ophrys lutea, welch letztere übrigens auf Lussin noch 
nicht beobachtet wurde. 

Endlich läßt sich Oplirys Müllneri auch nicht unter OpJirys 
aranifera var. suhfucifera Rchb., welche ebenfalls nur nach einer 
Zeichnung Bar las aufgestellt wurde, einreihen, da diese grüne 
äußere Perigonblätter, ferner eine viel kürzere, nur bis zum seit- 
lichen Einschnitt der Lippe reichende, bisweilen sogar verschwin- 
dende Zeichnung und einen breiten kahlen Rand an der Lippe zeigt. 

Ophrys Bertolonii X atrata = lyrata m. 

Knollen mittelgroß, kugelig. Nebenwurzeln fadenförmig, weiß, 
Stengel 11 cm hoch, aufrecht, stielrund, oben leicht kantig, gelb- 
grün, unterhalb der Ähre blattlos. Blätter am Grunde 5, rosettig, 
an der Spitze zurückgekrümmt, aus breiter Basis lanzettlich, zu- 
gespitzt, siebennervig, klein, seegrün, gegen die Spitze bereits 
gelblich, welkend, sechstes Blatt abstehend, siebentes und achtes 
Blatt scheidenförmig den Stengel umfassend, letzteres netzaderig. 
Ähre vierblütig, locker, allmählich aufblühend. Deckblätter kaum 
länger als der Fruchtknoten, kielförmig, lanzettlich, zugespitzt, 
siebennervig. Fruchtknoten sitzend, gebogen, nicht gewunden, 
sechskantig. Die drei äußeren Perigonblätter abstehend, konkav, 
eiförmig, Ränder zurückgerollt, licht rosenrot mit grünem Mittel- 
nerv. Die beiden inneren Perigonblätter kürzer, zungenförmig, 
aus breiter Basis gegen die Spitze verschmälert, am Rande wellig 
gekerbt, dunkel rosenrot mit noch dunklerem Saum. Mittelnerv 
mit purpurnen Papillen bestreut. Lippe groß, 9 mm lang, fast kreis- 
rund, durch die sehr herabgeschlagenen Seitenränder konvex, gegen 
die Spitze nur wenig aufgebogen, ungeteilt, an der Spitze mit 
einem kleinen Einschnitt, in welchem ein bräunlichgelbes, auf- 
wärts gerichtetes Zähnchen steht, purpurbraun, von langen ab- 



Znr Orchideen-Flora Lussins. 



475 



tehenden Haaren samtigzottig, am Grunde mit zwei sehr kurzen 
öckern, in der Mitte mit einer kahlen, glänzenden, graublauen, 
eißlich gesäumten, lyraförmigen Makel, deren Arme bis zum 
ippengrunde verlängert sind und wie zwei Rinnen die Höcker 
on der Mitte der Lippe trennen. Säule kurz, braungrün, Narben- 
and mit der Lippe bis zu den beiderseitigen glänzenden 
ünktchen verwachsen und so eine querbreitere, wulstig 
erandete Narbenhöhle bildend. Schnäbelchen kurz, dunkler 
als die Säule. Täschchen für die gelben Pollenmassen gelb. 

Von der Tracht der Oplirys BertoUnii Mov., doch durch die 
fast gerade, nur sehr wenig aufgebogene Lippe, die lyraförmige, 
bis zum Lippengrunde reichende Zeichnung, die schwachen Höcker, 
die zottige Behaarung, hauptsächlich aber durch die querbreitere, 
wulstig berandete Narbenhöhle, ferner durch die wellig gekerbten, 
ziemlich breiten inneren Perigonblätter und die mehr ins braunrote 
ziehende Farbe der äußeren Perigonblätter genügend unterschieden 
und hierdurch deutlich auf den Einfluß der 0. atrata Lindl, weisend. 
In einem verwilderten Olivengarten bei Lussin piccolo. 
Ohne mit dem Namen Oplirys atrata Lindl, die Ansicht aus- 
sprechen zu wollen, daß dieselbe von Ophrys aranifera Huds., mit 
der sie wie viele andere Autoren auch Reichenbach fil. vereinigt, 
als selbständige Art abzugrenzen sei, glaubte ich doch, die ihrem 
Einflüsse zu verdankende Hybride eingehender beschreiben zu sollen, 
umsomehr, als sie von Oplmjs Bertolonii v aranifera (0. Gehni und 
0. pseudo-Bertolonii Murr.), die lebend zu vergleichen ich Gelegen- 
heit hatte, bedeutend abwich und sie auch von Barlas fOrch. 
d. Nice) Hybriden h) aranifera Bertolonii Barla et Sarato und 
c) hilineata Barla verschieden ist. 

Serapias parviflora ParL 

Knollen rundlich, klein, weiß, der jüngere mehr weniger ge- 
stielt. Nebenwurzeln ziemlich dick, fadenförmig, weiß. Stengel 
gewöhnlich 20 — 26 cm hoch, selten um weniges höher oder sehr 
klein (7 cm)^ gegen oben etwas kantig und leicht hin- und her- 
gebogen, lichtgrün. Blätter am Grunde 4, aus langer stengelum- 
fassender Scheide linear-lanzettlich, allmählich zugespitzt, zusammen- 
gefaltet, abstehend, sichelförmig zurückgekrümmt, lichtgrün, am 



476 



Hans Fleischmanri. 



Grunde weiß mit rotbraunen Stricheln. Stengelblätter 2, aufrecht, 
den Stengel scheidig umfassend, das oberste rötlich und an der 
Spitze grün, die Ähre fast erreichend. Ähre bis 10 cm lang, 
3 — Sbltitig, äußerst selten lOblütig, mitunter auch nur einblütig 
(Herbar Spreitzenhofer). Blüten klein, aufrecht, an den Stengel 
angedrückt, wodurch die Ähre sehr schmal erscheint. Frucht- 
knoten grün oder rötlich überlaufen, dreikantig, gerade, nicht 
gewunden, sitzend, die unteren etwas länger als die Blüten, oft 
schon bei noch ungeöffneten Blüten durch Befruchtung angeschwollen. 
Deckblatt breit, den Fruchtknoten fast ganz verhüllend, so lang als 
die ganze Blüte, in der Mitte am breitesten, oben spitz, neunnervig, 
netzaderig, trüb violettrot. Perigonblätter zu einem außen bleich- 
rötlichen langen Helm zusammenschließend, doch leicht trennbar. 
Äußere Perigonblätter lang, zugespitzt, die seitlichen an der Spitze 
verdickt und etwas kapuzig, das unpaarige dreinervig, inwendig 
ganz dunkelrot, die paarigen meist fünfnervig, innen nur zur Hälfte 
(nach dem Mittelnerv geteilt) dunkelrot, die andere Hälfte der 
Außenseite gleich. Äußere Perigonblätter sowie das Deckblatt 
durch das grobmaschige Zellgewebe seidig glänzend. Innere Pe- 
rigonblätter fast so lang als die äußeren, aus eiförmiger Basis 
rasch in eine lange, haarfeine Spitze ausgezogen, einnervig, tief 
purpurbraun, Spitze licht. Die dreilappige Lippe am Grunde sehr 
schmal (genagelt); dieser Teil verdickt mit etwas aufgerichteten 
Rändern, so eine sich noch ein Stückchen in die Lippe fort- 
setzende flache Rinne bildend. Seitenlappen vorgestreckt, fast so 
lang als der Mittellappen, zusammen aber bedeutend breiter als 
letzterer, aufgebogen und so die Säule umfassend, vom Helm 
zum Teile verdeckt, am Grunde lichtrot, an den aufgebogenen 
Rändern dunkel purpurbraun. Mittellappen klein, herabgeschlagen 
bis zurückgebogen, lanzettlich, spitz, trüb lichtrostrot. Längsmitte 
der ganzen Lippe mit langen Papillen besetzt. Säule länglich, 
dreikantig, dunkelrot. Narbe rot, Staubgefäß länglich, etwas nach 
vorne gekrümmt, lichtgelb. Pollinien gelb. Schnäbelchen dünn, 
ganzrandig, spitz, aufgebogen, fast so lang als das Staubgefäß. 
Säule samt Schnäbelehen die Länge des Fruchtknotens fast er- 
reichend. Samenhaut schön netzfaserspiroidisch. 
Auf Lussin. 



Zill- Orcliidccn-Fora Liissins. 



477 



Erliläruiii;- der Abbildungen. 
Tafel I. 

Fig. 1. Serapins parviflora Pari. Etwas verkleinert. 
„ 2. „ „ „ Bliitenanalyse, nat. Größe. 

„ 8. Oplirys Tovmasini Viv. Oberste Blüten, nat. Größe. 
.. 4. „ „ „ Bliitenanalyse, nat. Größe. 

„5. „ Scolopax Cav. var. cornuta Stev. Einzelbliite, nat. Gr. 
„ C. „ „ „ „ „ „ Bliitenanalyse, nat. 

Größe. 

„ 7, 8, 9. Oplirys Mnllneri m. Etwas vergrößert. 

„ 10. „ „ „ Bliitenanalyse, nat. (4röße. 

Tafel II. 

Fig. 1. Ophrys Bertolonii Mor. Vergrößert. 

„ 2. „ „ „ Bliitenanalyse, nat. Größe. 

„ 3. „ atrata Lindl. Bliitenanalyse, nat. Größe. 

^4. „ lyrata m. Vergrößert. 

„ 5. „ „ „ Etwas vergrößert. 

„ G. „ „ „ Nat. Größe. 

„7. „ n Bliitenanalyse, nat. Größe. 



Referate. 

Xewstead, Rob. Monograph of tlie Coccidae of the British Islcs. 
London, Ray Society, Vol. I, 1901 ; Vol. II, 1903. 

Mit der Publikation dieses Werkes hat die unter der Präsidentschaft 
Lord Aveburys stehende Ray Society, welche sich die Herausgabe großer 
monographischer Werke zur Aufgabe gemacht hat, die Liste ihrer bisherigen 
Leistungen um ein höchst wertvolles Glied bereichert. 

Wir finden in der von 75 prächtigen, meist in Farben ausgeführten 
Tafeln begleiteten Monographie der englischen Schildläuse eine eingehende 
Schilderung der Lebensweise, des Körperbaues und der Anatomie dieser 
zoologisch und ökonomisch gleich interessanten Insekten. 

Newstead unterscheidet folgende Subfamilien: Diaspinae, Concha- 
spinae, Lecaniinae, Hemicoccinae, Dactylopnnae, Tachardiinae, Coccinae, Idio- 
coccinae, Brachyscelinae, Ortheziinae, Margarodinne und Monophlebinae. Er 
sucht diese Gruppen durch morphologische und biologische Merkmale zu 
charakterisieren und ebenso wie die Genera und Spezies auch in Tabellen- 
form zu bringen. Seine Beschreibungen sind als durchaus zeitgemäß anzusehen, 
die Daten über die Nährpflanzen, über Verbreitung, Schädlichkeit etc. sind 



478 



Referate. 



so wie die Synoiiymie gewissenliaft und möglichst genau behandelt, so daß 
das Werk von den Fachgenossen mit Freude begrüßt werden muß. 

Handlirsch. 

Melichar, Dr. L. Homopterenfauna von Ceylon. Berlin, F. Dames, 
1903. 234 S., 6 Tafeln. 8". 

Die Bearbeitung der Ausbeute des bekannten Entomologen Dr. H. Uzel, 
welcher über ein Jahr auf Ceylon zubrachte, gab den Impuls zu einem ein- 
gehenden Studium der Homopterenfauna genannter Insel und führte zur Ver- 
öffentlichung der vorliegenden schönen und wertvollen Arbeit, welche nicht 
nur eine gewaltige Reihe neuer Genera und Spezies (87, resp. 164), sondern 
auch die genauen Beschreibungen aller schon früher in Ceylon aufgefundenen 
Homopterenformen enthält. 

Nach Ansicht des Referenten liegt der Schwerpunkt vorliegender Arbeit 
in der Bekanntmachung sehr vieler kleiner Formen und es wäre sehr zu 
wünschen, daß auch in anderen tropischen Faunengebieten endlich mehr 
Rücksicht auf diese kleinen Formen genommen werde, denn nur so können 
wir allmählich ein richtiges Bild von der geographischen Verbreitung der 
Insekten gewinnen. Handlirsch. 

Wagner, Jul. Notice on insects with a double receptaculum semi- 
nis. (Zoologischer Anzeiger, Bd. XXVII, 1903.) 

Der Verfasser hat gefunden, daß einige Arten und vielleicht auch mehrere 
Gattungen von Aphanipteren mit zwei Receptacula seminis versehen sind. 
Vorläufig hat er diese Tatsache nur bei der Gattung Hystrichopsylla und be- 
sonders bei der Art H. talpae Curt. feststellen können. Da alle fünf Arten 
dieser Gattung selten sind, ja zum Teile nur in Unica bekannt sind, so hat 
der Verfasser, wie schon bemerkt, nur H. talpae untersuchen können ; er ist 
aber geneigt anzunehmen, daß alle Hystrichopsylla -Arten sich zweier Recep- 
tacula seminis erfreuen. — Jedes dieser Receptacula ähnelt dem einfachen 
Receptaculum anderer Puliciden. Die chitinige Intima ist dick, gelbbraun bis 
schwarz. Der distale, ungefähr kugelförmige Teil des Receptaculum dient als 
Reservoir für das Sekret von Landois' „Kittdrüsen", während der proximale, 
zylindrische Teil mit Spermatozoen gefüllt ist. 

Dieser Fall von zweifachem Receptaculum bildet eine seltene Ausnahme 
unter den Insekten. Man kann es entweder als eine atavistische Erscheinung 
oder als eine durch die besondere parasitische Lebensweise der Flöhe erwor- 
bene Eigentümlichkeit ansehen. Der Verfasser gibt der letzteren Auffassung 
den Vorzug. Erabr. Strand (Kristiania, z. Z. Marburg i. H.). 




Aut. phot. 



Lichtdruck v. Max Jaff^, Wiea. 



Bericht der Sektion für Botanik. 



Versammlung am 26. Februar 1904. 
Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy. 

Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein hielt einen Vortrag- über 
neuere Entdeckungen betreffend hybride Pflanzen. 

Der Vortragende besprach die Ergebnisse der Untersuchungen 
H. de Vries', S. Tschermaks, Correns' u. a. und wies auf die 
Notwendigkeit hin, auf diese Ergebnisse auch bei der systematischen 
Behandlung von Hybriden entsprechend Rücksicht zu nehmen. 
Bisher waren die Systematiker geneigt, dann eine Pflanze als Hy- 
bride zu bezeichnen, wenn sie in morphologischer Hinsicht eine 
Mittelstellung zwischen bekannten Arten einnahm und die Ver- 
hältnisse des Vorkommens für die Möglichkeit einer Kreuzung 
sprachen. Die Untersuchung des Pollens, der Samen-, respektive 
Sporenbildung erwies sich in vielen Fällen als vorzügUches Mittel, 
die Deutung einer Pflanze als Hybride zu kontrolieren. 

Die eingangs erwähnten Untersuchungen haben nun ergeben, 
daß die Folge hybrider Herkunft durchaus keine morphologische 
Zwischenstelliing sein muß, daß es Hybride mit vollkommen latenten 
Eigentümlichkeiten gibt (Kryptohybridismus Tschermaks), daß 
insbesondere Deszendenten von Hybriden infolge der Prävalenz, 
respektive Latenz von Eigentümlichkeiten den morphologisclien 
Charakter ganz verlieren können. 

AVeiter machte der Vortragende auf die Wahrscheinlichkeit 
des paradox klingenden Satzes aufmerksam, daß Artbildung durch 
Bastardierung gerade in Gattungen eine Rolle spielen dürfte, deren 
Hybride ganz oder hochgradig sterilen Pollen besitzen. Murbeck 
hat schon vor längerer Zeit bewiesen, daß die Arten der polymorphen 

Z. B. Ges. Bd. LIV. 33 



480 



Versammlung- der Sektion für Botanik. 



Gattung Älchemilla parthenogenetiscli Samen bilden; ebenso haben 
Raunkiaer und Ostenfeld vor kurzem gezeigt, daß bei Ta/ra- 
xacum und Ilieracium Fruchtbildung ohne Befruchtung erfolgt. 
Geradeso wie in solchen Gattungen der Polymorphismus zum Teile 
darauf zurückzuführen sein dürfte, daß jede auftretende Mutation 
erhalten bleiben kann, ebenso ist in solchen Gattungen die Er- 
haltung von Bastarden ermöglicht, da die Möglichkeit der Rück- 
kreuzung ausfällt. 

Hierauf sprach Herr J. Nevole über seine pflanzengeo- 
graphischen Aufnahmen im Gebiete des Dürrensteins in 
Niederösterreich. 

Einleitend wurden die geographische Lage sowie die oro- und 
hydrographischen Verhältnisse des Gebietes kurz geschildert, im 
Anschlüsse daran auch die geologischen Formationen kurz erwähnt. 

Nach der Abgrenzung des Gebietes wurden die Pflanzen- 
regionen übersichtlich beschrieben und die Einflüsse besprochen, 
welche Veränderungen weitgehender Art in den Formationen hervor- 
bringen. Von diesen seien erwähnt: Das Klima, die physische 
Gestaltung des Bodens, die chemische Zusammensetzung und end- 
lich die Kultur. 

Die Formationen des Gebietes lassen sich folgendermaßen 
abgrenzen : 

1. Die Region des voralpinen Waldes: 
a) Die Formation der Fichte. 
h) Die Formation der Buche. 

c) Die Formation der Föhre. 

d) Die Formation der Mischwälder. 

e) Die Tal- und subalpinen Wiesen. 

n. Die Region der Legföhre: 

a) Die Krummholzformation. 

h) Die Formation der Älmts viridis. 

c) Die Alpenmatten. 

d) Enklaven alpiner Pflanzen, 
ni. Die Gipfelregion. 

IV. Das Kulturland. 



Versammhing- der Sektion für Botanik. 



481 



Es wurden nun die Waldungen allgemein besprochen und der 
Urwald, welcher sich südlich des Dürrensteins ausdehnt, beschrieben. 
Die Bewirtschaftung* und Aufforstungen wurden ebenfalls kurz er- 
wähnt. Es folgte nunmehr die Beschreibung der einzelnen For- 
ationen unter Aufzählung der im Gebiete gefundenen charakte- 
ristischen Leitpflanzen der betreffenden Formationen. Auch die 
Höhengrenzen der Voralpenbäume Fichte und Buche wurden nach 
Messungen angeführt. Bei den Enklaven alpiner Pflanzen wurden 
die Gesichtspunkte kurz erklärt, nach welchen sieh die Enklaven 
einteilen lassen und kurz über die mutmaßliche Entstehungsweise 
dieser sekundären Pflanzenstandorte berichtet. 

Das Kulturland gibt ein Bild des Einflusses menschlichen 
Fleißes auf die Wildnis in der Natur. 

Auch hier werden spezielle Beispiele bezügUch der Düngung, 
Bewirtschaftung etc. angeführt und einzelne Eigenheiten des Ge- 
bietes hervorgehoben. Anschließend an die gesamten Aufnahmen, 
welche durch einige photographische Aufnahmen erläutert wurden, 
wurden noch einige charakteristische Pflanzen des Gebietes be- 
sprochen, wie die saisondimorphen Artenpaare Gentiana solsti- 
tialis — 6r. Norica und G. Sturmiana — G. rJiaetica. 



Versammlung am 18. März 1904. 
Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy. 

Herr Prof. Dr. 0. Simony hielt einen Vortrag: Über das 
Problem der Stammkubierung in seiner Beziehung zur 
Morphologie stammbildender Holzgewächse. 

Nachdem schon in Schwendeners grundlegender Mono- 
graphie: „Das mechanische Prinzip im anatomischen Bau der 
Monokotylen" die Vermutung ausgesprochen worden war, daß der 
~tamm der Fichte als Träger gleichen Widerstandes geformt sei, 
hat Forstassessor Dr. Metzger in zwei Arbeiten: „Der Wind als 
maßgebender Faktor beim Wachstum der Bäume" (Mündener forst- 
liche Hefte, Jahrg. 1893, Heft 3) und „Studien über den Aufbau 
der Waldbäume und Bestände nach statischen Gesetzen" (ebenda, 
Jahrg. 1894, Heft 6) diesen Gedanken weiter verfolgt, ohne daß 

33* 



482 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



jedoch die hierbei sich ergebenden Gleichungen der Mannigfaltigkeit 
der verschiedenen Stammformen genügend angepaßt werden könnten. 

Eine präzisere Charakteristik der letzteren wird auf Grund- 
lage der Tatsache möglich, daß der Quotient des jeweiligen wahren 
Stammvolumens und des Volumens eines Zylinders von gleicher 
Axenlänge und einer bestimmten, dem Stamme entnommenen Quer- 
fläche — wenigstens für die forstlich wichtigsten einheimischen 
Holzarten — erfahrungsgemäß als quadratische Funktion eines 
einzigen, durch Division zweier Stammdurchmesser erhältlichen 
Quotienten darstellbar ist. Die einschlägigen volu metrischen 
Relationen ermöglichen, wie der Vortragende in seiner Schrift: 
„Über Formzahlengleichungen und deren forstmathematische Ver- 
wertung" (Wien, 1904, Verlag von Wilhelm Frick) eingehend aus- 
einandergesetzt hat, eine analytische Charakteristik mittlerer 
Stammformen durch Flächengleichungen, deren spezielle Kon- 
stanten sich aus gewissen, von Fall zu Fall feststellbaren em- 
pirischen Daten leicht berechnen lassen. — Der spezifische Unter- 
schied dieser analytischen von jeder anderen Charakteristik besteht 
also darin, daß sämtliche Bestimmungsstücke der ersteren als 
meßbare Größen definiert werden, ein Umstand, welcher für die 
weitere wissenschaftliche Verwertung der betreffenden Gleichungen 
sehr belangreich ist. 

Hierauf legte Herr Dr. A. Ginzb erger die neue Literatur vor. 

Zur Demonstration gelangte eine Reihe von Vegetations- 
bildern aus dem Taurus von W. Siehe sowie eine Kollektion 
von Pflanzen aus dem Amurgebiete. 



Exkursion auf die Hohe Maiidling am 24. April 1904. 

Von Oed bei Pernitz wurde zunächst der sogenannte „Spreitzer- 
felsen" besucht, ohne daß es jedoch geglückt wäre, das dort vor- 
kommende CalliantJiemum anemonoides zu finden. Bei Oed selbst 
war die Frühlingsflora noch in voller Blüte, interessant war das 
gleichzeitige Vorkommen von fünf Primula-F ormen (Primula elatior, 
officinalis, acatäis, officinalis X acmilis und auricula). Sodann 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



483 



wurde durch das Stampftal der Aufstieg- auf die Hohe Mandling 
unternommen. Gleich am Eingange ins Tal wurden einige Exem- 
plare von Genflana vulgaris (Neilr.) Jakow. beobachtet. Im Stampf- 
tale selbst wurde zahlreich Ärahis hispida Myg. in vollkommen 
typischen, mit der Mödlinger Pflanze völlig identischen Exemplaren 
gesammelt; ferner glückte es einer der Teilnehmerinnen, Frl. Lily 
Favarger, daselbst Fulmonaria molissima Kern, zu entdecken, 
welche dann auch weiterhin häufig, oft in Gesellschaft von Pul- 
monaria officmalis beobachtet wurde. Die die Gipfelregion der 
Hohen Mandling bedeckenden Wiesen waren in Bezug auf die 
Entwicklung der Vegetation noch sehr zurück und stellenweise 
noch von Schnee bedeckt; sowohl von Gentiana verna als von 
Cr. vulgaris konnten nur wenige Exemplare gesammelt werden. 
Der Abstieg wurde dann nach Ortmann bei Pernitz angetreten. 

i — 

Versammlung am 29. April 1904. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. SchifFner. 

Nachdem Herr Dr. A. v. Hayek über die Exkursion am 
24, April Bericht erstattet hatte, sprach Herr Dr. E. v. Halde sy 
unter gleichzeitiger Demonstration der betreffenden Herbarexemplare 
über Novitäten aus der griechischen Flora. 

1. Ranunculus chaerophyllus L. var. suhhomophyllus. 
Foliis omnihus trilohis vel triparütis, x)arütionihus ohiuse lohatis, 
foliis pinnatisectis mdli-s. 

Creta: in mt. LeuJcaori (Leonis). 

Unterscheidet sich von der Grundform durch den Mangel der 
fiederschnittigen Blätter. 

2. Ranunculus bullatus L. var. cytheraeus. Foliis grosse 
inciso-dentatis, sparse xrilosis sidjglahrisve; petalis 6, ohovatis vel 
obovato-cuneatis. 

In insula Cytliaera (Leonis). 

Unterscheidet sich von der westlich mediterranen Pflanze 
durch das spärliche Indument, die eingeschnitten-gezähnten Blätter 
und die nicht länglich-keiligen Fetalen. Am nächsten steht noch 



484 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



unsere Varietät dem B. semicalvus Jord., welcher aber mäßig tief 
g-ekerbte Blätter und längere Fetalen besitzt. 

3. Senecio macedonicus Gviseh. \SiY. pinnatilobatus. Foliis 
wregulariter pinnati-lohatis, lohls tttrinque 3 — 5, remote dentatis 
integrisve. 

In mt. Taygetos loco Livadia dicto (Leonis). 

Bei der Grundform sind die Blätter alle fein gezähnelt. 

4. Senecio longipedunculatus. (Sectio Crociserides DC.) 
PJiisomate hrevi, ohliquo, praemorso; caule rigido, eredo, striato, 
parce puberulo, 50 cm alto, inferne 4 mm diametro, in corymhitm 
polycephalum aheunte; foliis carnosulo-subcoriaceis, glabris, ohlongis 
ohlongo-lanceolatisve, in petiolum brevem attenuatis, inferne prae- 
sertim denticidatis, cum petiolo 10 — 12 cm longis, 3 — 4 cm latis, cau- 
linis eximie decrescenübus, oblongo-lanceolatis, basi semiamplexicmdi 
sessilibus, 3 — 2 cm longis; corymbi pedunculis, praesertim exteriori- 
bus valde elongatis, 15 — 20 cm longis, monocephalis, bracteis minutis, 
setaceis obsitis; capitulis majuscuUs, ovato-Jiemisphaericis; involticri 
glabri pliyllis linearibus, dorso carinato-sulcatis, acutis, apice spJiace- 
latis; calyculi phyllis numerosis, lineari-subulatis, involucro duplo 
brevioribus; ligidis 12 — 14, croceis, involucro duplo longioribus; 
acheniis scabrido-hortis. 

In regione abietina mt. Parnassus loco Livadia dicto, uhi 
plantam flor entern mense Jtdio 1903 detexit Ch. Leonis. 

Eine durch die langen, rutenförmigen Köpfchenstiele auffällige 
Art aus der Verwandtschaft des S. chronicum L. var. Barrelieri 
Gon. und S. ruthenensis Maz. et Timb., von welchen sie aber durch 
das äußerst spärliche Indument, den vielköpfigen Bltitenstand, die 
langen Köpfchenstiele und die behaarten Achenen verschieden ist. 
Von den bisher bekannten griechischen Arten kann beim Vergleich 
eigentlich nur S. macedonicus in Betracht kommen, von welchem 
S. longipedunculatus durch die genäherten unteren Blätter, die 
plötzlich verkleinerten Stengelblätter, die verlängerten Köpfchen- 
stiele, die kahlen Hüllschuppen und die pfriemlichen Nebenschuppen 
der Hülle abweicht. 

5. Stachys hirta L. — Creta: pr. pagum XerocJiori loco 
Gurna dicto inter Canea et Bethymo (Leonis). 

Neu für die Flora Griechenlands. 



Versammlung^ der Sektion für Botanik. 



485 



Herr Dr. Fritz Vierliapper hielt einen Vortrag über Ipo- 
maea pes caprae. 

Mit dem Namen 7. pcs caprae bezeiclinet man gewöhnlich 
zwei ganz verschiedene Pflanzen, die bereits Linn 6 (Spec. plant., 
p. 159 [1753]) als Convolvidus pes caprae und C. Brasiliensis unter- 
schieden hat. Linn 6 beschreibt die erstere Pflanze als „Convol- 
ndus foUls Ij 'ilobis, pedunculis Knifloris'", die letztere aber als Convol- 
ndus foliis emarginaüs, pedunculis t)'ifloris. Als Heimat gibt er 
für diese St. Domingo, für jene Indien an (es ist sicher Ostindien 
gemeint). Vortragender konnte an reichlichem Materiale kon- 
statieren, daß diese beiden Linn6schen Pflanzen, wenn auch die 
Unterschiede nicht immer so scharf hervortreten, wie man es nach 
Linnes Diagnosen und den von ihm zitierten Abbildungen (für 
C. 2)es caprae: Hort. Mol., XL, Tab. 57 [1692], für C. Brasiliensis: 
Plumier, Descr. plant. Amer., Tab. 104 [1693]) vermuten würde, 
doch als geographische Passen aufrecht zu erhalten sind. Ipomaea 
pes caprae (L.) Roth (Nov. pl. sp., p. 109 [1821]) pr. p. bewohnt 
nach den vom Vortragenden gesehenen Belegen die Gestade Soko- 
tras, Südarabiens, Vorderindiens, der Andamanen und Formosas, 
I. Brasiliensis (L.) G. F. W. Meyer (Prim. fl. Ess., p. 97 [1818]) 
Amerika, die Küsten des westlichen, südlichen und östlichen Afrikas, 
Madagaskars, Amboinas, Chinas, Neuhollands, der Fidji- und Sand- 
wichs-Inseln und die Ostküste des tropischen Amerika. Übergangs- 
formen sah Vortragender von Sansibar, Madagaskar, den Andamanen 
und Nikobaren. 

Herr Dr. A. Ginzb erger legte hierauf die neue Literatur vor. 
Darunter wäre besonders zu erwähnen: 
Pfeffer, Pflanzenphysiologie, Bd. II. 
Knuth, Blütenbiologie, Bd. III. 
Migula, Botanisches Vadcmecum. 
Wettstein, Über Rassenbildung. 
Schumann, Abbildungen blühender Kakteen. 
Engler, Monographien afrikanischer Pflanzenfamilien und 

Gattungen. VII. Die Gattung Strophanthus. 
Haldcsy, Conspectus Florae Graecae, Bd. III. 
Fleischer, Die Musci der Plora von Bülten zorg. 



486 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Roth, Die Laubmoose. 

De Vries, Das Wüstenlaboratoriiim von Taxon iu Arizona. 
Straß bürg er, Streifzüge an der Riviera. 
Krenitz-Gerloff, Bakterien und Hefen. 
Conwentz, Die Heimatkunde in der Schule. 

Zur Demonstration gelangte eine Kollektion von am Erdschias- 
Dagh gesammelter Pflanzen von Dr. Zederbauer sowie eine zweite 
Serie von Vegetationsbildern aus dem Taurus von W. Siehe. 



Exkursion nach Hainburg am 15. Mai 1904. 

Am Morgen wurde mittels Dampfers nach Hainburg gefahren 
und dort zuerst der ßraunsberg erstiegen. Auf trockenen Wiesen 
am Fuße desselben wurde u. a. Foa huTbosa L. und Carex steno- 
pliylla Wahlenbg. gesammelt. Die felsigen Abhänge des Brauns- 
berges selbst zeigen eine ganz ähnliche Vegetation wie die Kalk- 
berge des Wiener Beckens^ besonder» häufig «sind: Foa Badensis | 
Haenke, Anemone grandis (Wend.) Kern., Cytlsus Batishonensis 
Schäfif., BJianinus saxatilis L., Euphorhia Gerardiana Jacq., Helian- 
tJiemum Canum Dun., Jttrinea mollis Rchb.; in großer Menge wurde 
der für das Gebiet charakteristische Astragalus vesicarius L. beob- 
achtet, während die zweite Charakterpflanze der Hainburger Berge, 
Diantlius Lumnitzeri Wiesb., noch nicht in Blüte stand. Der Rücken 
des Braunsberges ist von Wiesen bedeckt, auf welchen das häufige 
Auftreten von Banunculus Illyricus L., Saxifraga Indhifera L., Ga- 
lium Bedemontanum All., Senecio campester (Retz.) DC. sowie einer 
der Bolygala Austriaca Cr. nahe stehenden Bolygala -Art bemerkens- 
wert erscheint. 

Nachmittags wurde der Hundsheimerberg bestiegen, welcher 
größtenteils bewaldet ist und daher eine geringere Ausbeute bot, 
an dessen kahlen Nordosthängen wurden jedoch ebenfalls einige 
interessantere Arten, wie Bracocephalum Austriacum L., Biantlms 
Bontederae Kern, und LatJiyrus versicolor (Gmel), gesammelt. Die 
Rückfahrt nach Wien wurde von Hainburg aus angetreten, wobei 
sich auf dem Bahnhofe von Bruck a. d. L. noch Gelegenheit ergab, 
die dort häufige Matricaria discoidea DC. aufzunehmen. 



Ornithül. Literatur Österr.-Uiigarns ii. d. Okkupationsgebietes 1902. 487 



Oriiitliologisclie Literatur 

Österreich -Ungarns und des Okkupationsgebietes 1902.') 

Von 

Viktor Ritter v. Tschusi zu SchmidhofFen. 

(Eingelaufen am 11. Jänner 1904.) 



A. B. E. Waidmannslieil (Zwei Singschwäne bei Melk am 24./XIL 

1902 erlegt). — Der Jagdfr., II, 1902, H. 17, S. 275. (N.-Ö.) 
A. G. „Weiße Spatzen" (und Amseln in Wien). — Mitt. d. Sekt. f. 

Naturk. d. Ö. T.-Kl., 1902, Nr. 3, S. 23—24. (N.-Ö.) 
Aiclielburk, Gf. Arthm\ Vzacn6 ülovky.^) (Seltene Jagdbeuten, 

Circiis aeruginosus bei Chotoviny erlegt.) — Lov. Obzor, V 

(1902), p. 42. (Böhm.) 
A. L. Bemerkungen zur Balgmaclierei. — Lehrm. -Sammler, IV, 1902, 

Nr. 2, S. 28—29; Nr. 3, S. 55—57. 
Aldebaran. Seltene Jagdbeute {Otis tetrax bei Liscban erlegt). 

— Jägerz. B. u. M., XVIII, 1902, Nr. 1, S. 14. (Böhm.) 
A. N. Aus dem südlichen Ungarn. — Mitteil. d. österr. Reichsb. f. 

Vogelk. u. Vogelsch. in Wien, II, 1902, Nr. 8, S. 103; III, 1902, 

Nr. 1, S. 8, Nr. 2, S. 19. (Uiig-.) 

— Sperlinge in Storchnestern. — Ibid., II, 1902, Nr. 8, S. 104. (Ung-.) 

— Zur Ernährungsfrage der Baumfalken. — Ibid., II, 1902, Nr. 9, 
S. 120. (Un^.) 

Anzinger, F. Die Dorn- und Zaungrasmücke (Sylvia rufa Bodd. 
und S. cnrruca L.). — Gef. W., XXXI, 1902, Nr. 1, S. 2—3; 
Nr. 2, S. 10—11. 

— Über den Ursprung deutsch-tirolischer Vogelnamen. — Innsbr. 
Nachr., IXL, 1902, Nr. 18, S. 1—3; Nr. 19, S. 1-4. (Tirol.) 

1) Vergl. diese „Verliandlungen", Bd. LIII, 1903, 8.271—285. 

2) Die Angaben in ungarischer Sprache wurden größtenteils von Herrn 
Th. Kor mos, die in czechischer von Herrn Oberlehrer K. Knözourek und die 
in kroatischer und slovenischer von Herrn Steuer-Oberinspektor Dr. J. Po- 
nebsek geliefert. 

Z. B. Ges. Bd. LIY. 33** 



488 



Viktor Ritter v. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Aquila. Zeitschrift für Ornithologie. Redigiert von 0. Herman. — 
Budapest, 1902. Gr.-4^ Jahrg. IX (1902), H. 1—4, 272 + 4 S., 
7 Tab., 4 Taf. (Ungarisch und deutsch.) 

— Appendix ad T. IX (1902). — Budapest, 1903. 25 S. (Ungarisch 
und deutsch.) 

B. (Schlangen-) Adler mit Schrot Nr. 12 (in Siegenfeld bei Baden 
am 12./IV.) erlegt. — Waidmh., XXII, 1902, Nr. 10, S. 157. 
(N.-Ö.) 

Barac, M. Crtice o nasem obicnom kobcu. (Einiges über unseren 
gemeinen Sperber.) — Lovacko-ribarski viestn., XI, 1902, Nr. 1, 
p. 8—9. (Kroat.) 

— Prve sljuke. (Die ersten Waldschnepfen.) — Ibid., XI, 1902, 
Nr. 11, p. 132. (Kroat.) 

Bau, Alex. Ist der Kuckuck nützlich? Antwort auf die Loos'sche 
Kritik. — Orn. Jahrb., XIII, 1902, Nr. 1, 2, S. 61— 65. 

— (Eiermaße von Glaucidium passerimini] Schwarzspechthöhlen.) 
— Zeitschr. f. Ool., XI, 1902, Nr. 10, S. 155—156. (Steierin., 
Yorarll).) 

— Nistplätze und Brüten des grauen Fliegenschnäppers. — Ibid., 
XI, 1902, Nr. 11, S. 166—168. (Vorarlb., part.) 

— (Frühes Brüten bei Bregenz.) — Ibid., XI, 1902, Nr. 2, S. 24. 
(Yorarlb.) 

— Biologisches von der Rabenkrähe. — Ibid., XII, 1902, Nr. 6, 
S. 81—86. (Vorarlb.) 

— Erwiderung. — Ibid., XII, 1902, Nr.7,S. 100—111. (üiig.,part.) 

— Was man erhält. — Ibid., XII, 1902, Nr. 2, S. 19—23; Nr. 3, 
S. 38—40. (Ung., part.) 

— Ist der Kuckuck nützlich? — Orn. Monatsschr., XXVII, 1902, 
Nr. 11, S. 466-472. 

— Erwiderung. — A. d. Heimat, XV, 1902, Nr. 5, 6, S. 153—155. 

— Die Eier unserer Muscicapa -Arten. — Zeitschr. f. Ool., XII, 
1902, Nr. 9, S. 136—138. 

Benak, V. Ovoproljetni prolaz sljuka nasimi krajevi. (Der heurige 
Frühjahrsstrich der Waldschnepfen durch unsere Gegenden.) — 
Lovacko-ribarski viestn., XI, 1902, Nr. 4, p. 48. (Kroat.) 

— Prolaz sljuka. (Der Schnepfenzug.) — Ibid., XI, 1902, Nr. 12, 
p. 144. (Kroat.) 



Ornitliol. Literatur Österr.-Uiigarns u. d. Okkiii)ationsgebietes 1902. 489 



Berge, R. Die Vogelsiedlung- des Neusatzer Riedes in Ungarn. — 

Journ. f. Orn., L, 1902, H. 1, S. 87—91. (Uiig.) 
Bobrik, A. v. Jagdliclics und Ornithologisches aus Dalmatien und 
Istrien. — Hugo's Jagdz., XLV, 1902, Nr. 2, S. 39—43. (Aus: 
Schwalbe, N. Flg., 1901.) (Dahn.) 
oer, Nie. Vadi\szat szarnyas ragadoz6kra. (Jagd auf Raubvögel.) 

— Yadaszl., XXIII, 1902, p. 5. 

Brusina, Sp. SuUe Alche e in ispecie Bu\V„Alca torda" dalla Dal- 
mazia e della Croazia e suUe pretese invasioni del „Phala- 
crocorax'\ — Bolet. Soc. zoolog. ital., X, 1901, p. 213—225. 
(Dalm., Kroat.) 

— Herbstzug der Schwalben in der Umgebung von Zagreb. — 
Aquila, IX, 1902, S. 225—226. (Kroat.) 

— Die Obedska Bara. — Agramer Tagbl., XVII, Nr. 174, 30./VII. 
1902, S. 2—4. — Sep.-Abdr., kl.-8^ 8 S. Agram, 1902. (Slavon.) 

— E. Arrigoni, Degli Oddi. Atlante ornitologico. Uccelli europei. 

— Journ. f. Orn., L, 1902, H. IV, S. 458—472. (Kroat., Dalin., 
Istr., part.) 

— L' Atlante ornitologico del Prof. E. Arrigoni degli Oddi. Uc- 
celli europei. — Avicula, VI, 1902, Nr. 55/56, p. 89—100. 
(Kroat., Dahn., Istr.) 

apek, V. Sturmmöve und Steppenweihe in Mähren. — III. österr. 
Jagdbl., XVIII, 1902, Nr. 1, S. 13. (Mähr.) 

— Meine Kuckucksfunde im Jahre 1902. — Zeitschr. f. Ool., XII, 

1902, Nr. 5, S. 75-76. (Mähr.) 
erva, F. A. Antwort auf Bau's Artikel: „Was man erhält." — 

Zeitschr. f. Ool., XII, 1902, Nr. 6, S. 91—92. (Ung.) 
. F. (Floericke), vgl. Pichlers V^we. & Sohn. 

— Gefiederte Wintergäste bei Wien (Zwergtaucher, Lachmöve). — 
Mitt. d. österr. Reichsb. f. Vogelk. u. Vogelsch. in Wien, II, 1902, 
Nr. 5, S. 65. (N.-Ö.) 

— Eine Kormoran kolonie bei Wien. — Ibid., II, 1902, Nr. 9, 
S. 112—113. (N.-Ö.) 

hernel v. Chernelhaza, Stef. Überwinterungsdaten (Köszeg). 

— Aquila, IX, 1902, S. 231. (Ung.) 

• — A hasznos madarak v6delm6röl. (Uber den Vogelschutz.) — 
Termesz., VI, 1902, Nr. III, p. 5-7; Nr. IV, p. 7-9. 



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Viktor Ritter v. Tschusi zu Schinidhoffen. 



Csörg-ey, T. Spalatos Winterornis. — Aquila, IX, 1902, S. 155 — 
158. (Dalm.) 

— Zur Biologie des Falco suhhuteo. — Ibid., IX, 1902, S. 222 
—223. (üng.) 

— Übersiedelung oder Verbreitung (von Sylvia nisoria)? — Ibid., 
IX, 1902, S. 223-224. (IJng.) 

Dach, Ludwig. Ein seltener Fund. (Der Mönchs- oder Kuttengeier, 
Vultur monachus, kommt auch in den unteren Donauländern 
vor.) — Waidw. i. W. u. B., 12, 1902, Nr. 2, S. 25. (üng., 
Slavon.) 

Dobay, J. Nehany szo az ölyvk6rd6shez. (Einiges zur Bussard- 
frage.) — Termesz., V, 1902, Nr XIV, p. 9—10; Nr. XV, p. 8 
—10; Nr. XVIII, p. 9—10. 

Donner, E. Aus dem Leben des Baumfalken. — Mitteil. d. österr. 
Reichsb. f. Vogelk. u. Vogelsch. in Wien, II, 1902, Nr. 2, S. 13 
—15. (Kämt.) 

E. D. Erlegung eines Steppenbussard. — Ibid., III, 1902, Nr. 2, S. 19; 

N. Wr. Abendbl., Nr. 318 vom 20./XL 1902. (N.-Ö.) 
Engl, Wilh. Angefrorener (grauer) Reiher. — Waidmh., XXII, 1902, 

Nr. 5, S. 73. (N.-Ö.) 
Ertl, G. Zum Brüten der Waldschnepfe. — Aquila, IX, 1902, 

S. 230. (Uiig.) 

— Der Vogelzug über Gebirgshöhen. — Ibid., IX, 1902, S. 231. 
(Ung.) 

Escherich, G. Adlerjagd in Bosnien. — Münchner Allgem. Zeit.